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Stuff

››Stuff‹‹

 

von

 

Linus Lumpitzsch

 

aus dem E-Book

››Trashig, düster, laut und hässlich‹‹
(Untertitel: ››Böse Stories und ein musikalischer Bonustrack‹‹).

 

www.hitchten.de/trashigduesterlautundhaesslich/

1.

 

Keiner von ihnen sprach auch nur ein Wort. Diese Stille hielt nun bereits seit über zehn scheinbar ewigen Minuten an. Aus einem unerklärlichen Grund wollte keiner der vier diese seltsame und gespenstisch erscheinende Stille unterbrechen.

Sie sahen sich an und wussten alle, dass ihnen eine beschwerliche und merkwürdige, eine quälende, peinigende und harte Zeit bevorstand. So waren zumindest ihre zutiefst pessimistischen Vermutungen an diesem erst kürzlich angebrochenen neuen Tag.

Das einzige, was die unangenehme Stille – auch ausgelöst durch Macht- und absolute Ratlosigkeit – unterbrach, war das Ticken eines alten vergoldeten Weckers aus den 60er Jahren.

Keiner von ihnen wohnte in diesem zweistöckigen großen Einfamilienhaus, in welchem eine Mahagoni-hölzerne Treppe in die oberen Stockwerke führte.

Das ungnädige und beständige Ticken missfiel ihnen allen nahezu im gleichen Maße. Die alte, kitschig erscheinende Stehlampe beschenkte die vier nur sehr spärlich mit Licht, weswegen eine seltsame Mischung zwischen hell und dunkel in dem großen hohen Raum vorherrschte.

Vor wenigen Minuten hatte das Telefon bereits zum dritten Mal im Verlaufe dieser noch sehr jungen Vollmondnacht geklingelt. Das Klingeln war hässlich grell und widerlich in ihrer aller Ohren erschienen. Sie hatten nicht an den Apparat gehen können. Dazu fehlten ihnen, in einer Reihe gegen die weiße Wand gelehnt, die Möglichkeiten.

Keiner von ihnen war gefesselt oder in sonstiger Weise unfreiwillig daran gehindert worden, den Hörer des alten Telefons abzunehmen. Der einzige Grund, der sie davon abhielt, war die große und tief in ihnen allen festsitzende Angst.

Das Ticken schien ständig noch lauter zu werden und fraß sich förmlich in ihr Gehör ein, was in der angespannten und unguten Situation für jeden einzelnen nahezu grauenhaft war.

Aus den an die Anlage angeschlossenen großen Musikboxen drang ihnen keine Musik mehr entgegen wie noch bis vor etwa einer halben Stunde. Sie verspürten eine Angst, welche sie momentan sprachlos machte.

Weiter war das Ticken des alten Weckers zu hören. Dieses klang beinahe zu perfekt, zu abgestimmt und wirkte auf sie alle wie der blanke Hohn.

Der kalt wirkende Schein des Vollmondes bahnte sich seinen unaufhaltsamen Weg durch die Scheiben des Fensters. In etwa der Mitte des Raumes traf dieser Schein die blanken Holzdielen des Bodens.

Zwei von ihnen lösten sich aus der psychischen Beklemmung und setzten sich in Bewegung, immer wieder den langen Raum auf- und abgehend. Zu Beginn waren ihre Schritte langsam und wurden von großer Zaghaftigkeit begleitet. Dann jedoch wurden die kleinen Schritte immer sicherer und zugleich zielstrebiger.

Die anderen beiden beobachteten ihre tragischen Mitbetroffenen mit zerstörerischen Blicken und verblieben in ihrer Regungslosigkeit.

Charles Retruwski hatte lange Zeit mit dem Gedanken gespielt, ob er den Hörer des Telefons nicht vielleicht doch abnehmen sollte. Dann jedoch hatte auch in seinem Inneren die Angst ein weiteres Mal gesiegt. So marschierte er nun gemeinsam mit Jessica Aledamo den Raum auf und ab.

Die anderen beiden machte diese in ihren Augen empfundene Unruhe aufs Äußerste nervös, auch wenn eigentlich sie diejenigen waren, die durch ihre starre Haltung eine noch viel größere Nervosität in Charles und Jessica auslösten.

Charles warf einen kurzen Blick in Richtung der beiden stumm Dasitzenden und sah im Anschluss daran Jessica tief in die Augen. Stets hatte er ein Gefühl ähnlich der Liebe ihr gegenüber empfunden.

Der andere Mann brachte auf umständliche Weise eine leicht zerdrückte Schachtel Zigaretten hervor. Nicht, ohne dass Charles im rechten Moment seinen Blick von den bezaubernden Augen Jessicas hatte nehmen können, um mit unfreundlichem Ausdruck in den Augen sein Missfallen an den Plänen des anderen Mannes zum Ausdruck zu bringen. Er sagte jedoch nichts und räusperte sich nur etwas lauter als gewöhnlich.

In der Luft lag diese unglaubliche Anspannung, welche im Verlaufe der letzten Stunden aufgekeimt war. Jedem einzelnen von ihnen war zutiefst bewusst, wie schnell er der Auslöser für einen handfesten Streit werden würde können.

Sarah Alliston blieb weiter neben Bruce Drunken sitzen und quittierte seine Absicht, sich eine Zigarette anzuzünden, ebenfalls mit einer recht unfreundlichen Geste.

Sie alle waren bereits seit über drei Stunden alleine im Haus und wollten das Gebäude nicht verlassen, weil sie alle sich Hilfe versprachen. Da sie keine vollkommen idiotisch denkenden Menschen waren, warteten sie darauf, dass der Eigentümer des Hauses wieder auftauchen würde. Pfeifend und bestens gelaunt, wie er dies jedes Mal war, wenn er wieder einmal sein eigenes zu Hause aufsuchte.

Das blaue Feuerzeug tat seinen Dienst erst beim zweiten Versuch, dann jedoch stieg bald der erste bläulich-graue Rauch der Decke entgegen. Provokativ hustete Charles. Bruce konnte angesichts dieses in seinen Augen zutiefst lächerlichen Verhaltens nur müde und recht abgequält grinsen. Er nahm den nächsten Zug an der Zigarette und blickte für kurze Momente dem sich kräuselnd empor steigenden Rauch hinterher.

Bruce war dann schließlich auch derjenige von ihnen, der die scheinbar ewig andauernde Stille endlich unterbrach. Die anderen konnten sich den Grund dafür nicht erklären, aber innerlich atmeten sie zufrieden auf. Der Auslöser für das Ende dieser Stille war die Zigarette, die in Bruce’ linkem Mundwinkel weiter munter vor sich her brannte.

››Hat einer von euch Idioten etwas gegen diese Zigarette einzuwenden?‹‹

Er sah einem nach dem anderen in die Augen und deutete im Anschluss daran auf die brennende Zigarette.

››Was soll die Scheiße? Ich werde diese Zigarette nicht wegschmeißen, ehe ich sie aufgeraucht habe. Niemals, in Ordnung?‹‹

Keiner von ihnen entgegnete etwas darauf. Nur Charles ließ abfällig die Hand in die Richtung von Bruce gleiten.

››Verpeste deine Lunge, liebster Bruce. Aber ich denke, wir alle wären dir doch sehr dankbar, wenn du diesen äußerst stumpfsinnigen Prozess der Selbstzerstörung in einem anderen Raum fortsetzen könntest. Im Gegensatz zu dir haben wir nämlich noch längst nicht sämtliche Hoffnungen im tiefsten Wüstensand begraben.‹‹

Dann kehrte wieder Stille ein und Bruce verließ den Raum selbstverständlich nicht, um Charles’ Bitte nachzukommen. Sarah erhob sich und bewegte sich unmittelbar auf Jessica zu.

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