Logo weiterlesen.de
Strangers on a Train - Ticket ins Unbekannte

DONNA CUMMINGS

Strangers

on a Train

Ticket ins Unbekannte

Ins Deutsche übertragen von

Nele Quegwer

Zu diesem Buch

Seit dem Allie sich mit ihrer kleinen Marketingfirma selbstständig gemacht hat, besteht ihr Leben nur noch aus Arbeit. Auch als sie im Napa Valley Weinzug Matt Kearns begegnet, sieht sie den Baseball-Star schon auf dem Cover ihrer nächsten Kampagne. Doch beim Versuch, den zurückgezogen lebenden Sportler für ihre Pläne zu gewinnen, drängen sich ungeahnte Gefühle in ihre neue Geschäftsidee …

1

»Wie hast du mich bloß wieder hierzu überredet?« Über den Rand ihres Weinglases hinweg warf Allie Whittaker ihrer besten Freundin einen gespielt bösen Blick zu und nippte an ihrem Riesling. Er war fruchtig und bereitete ihren Geschmacksknospen unbändige Freude. »Ach ja. Wein.«

»Viel Wein.« Sandra prostete ihr mit ihrem halb leeren Glas zu. »Und nicht zu vergessen: der tolle Ausblick.«

Allie sah aus dem Fenster. Sie saßen in überaus bequemen Clubsesseln in dem Weinzug, der durch das Napa Valley fuhr, und sahen in einem grün verwischten Streifen sonnenüberflutete Weinberge vorüberziehen. »Stimmt.« Sie seufzte zufrieden, ließ den Blick über die fernen Hügel wandern, auf denen sich lange, ordentliche Reihen aus Weinstöcken erstreckten, so weit das Auge reichte. »Der ist wirklich wunderschön.«

Sandra lachte. »Eigentlich meinte ich die vielen Prachtkerle hier im Zug.«

»Den Teil hätte ich fast vergessen.«

»Ich ganz und gar nicht«, sagte Sandra und zupfte ihr perfektes blondes Haar in Form.

Allie wirbelte in ihrem Drehstuhl herum, um Sandras eindringlichem Blick auszuweichen. Leugnen half nichts, sie wusste genau, warum sie davon abgehalten worden war, sich dieses Wochenende wieder mal in ihre Arbeit zu vergraben.

Im ganzen Lounge-Waggon plauderten Männer mit Frauen, manche standen im Gang, andere saßen in den gepolsterten Sitzecken, die zwischen den Clubsesseln verteilt waren.

Alle lachten, tranken Wein und amüsierten sich sichtlich.

Der Mut verließ sie. Wie mühelos es für alle anderen zu sein schien! »Ich weiß kaum noch, wie man flirtet oder anbändelt.«

»Bei deinem Job machst du doch nichts anderes. Leute dazu bringen, das zu tun, was du willst, ist deine Spezialität.«

»Das ist was ganz anderes. Außerdem kriege ich da im Moment auch nichts auf die Reihe.« Nur noch ein Spitzensportler musste Ja sagen, damit es mit ihrem Promikalender-Projekt klappte. Und dann konnte sie hoffentlich den Erfolg als Sprungbrett benutzen, um mit ihrer jungen Marketingfirma noch mehr zahlungskräftige Kunden anzulocken.

Aber so hart wie im Moment hatte sie noch nie um ein Ja gekämpft.

»Du musst nur den Glauben an dein Talent zurückgewinnen. Und das hier ist der perfekte Ort dazu. Es sind bloß drei Stunden, und wir sind nicht daheim.« Sandra zählte jeden Punkt an ihren Fingern auf. »Wenn du jemanden magst, super. Wenn nicht, brauchst du ihn nie wiederzusehen.«

»Erklär mir noch mal, warum ich nicht einfach den ganzen Nachmittag hier sitzen und Wein trinken kann?«

»Du steckst in einer Ausgehkrise.«

Allie setzte sich auf. Sandras leichtfertig hingeworfene Bemerkung hatte sie getroffen. »Es ist keine Krise. Es ist einfach eine Weile her, seit ich mich verabredet habe.«

»Monate.« Sandra zog das Wort in die Länge.

»Ich hatte unglaublich viel zu tun«, verteidigte sich Allie. »Es ist nicht leicht, ein Geschäft aufzubauen. Es nimmt jede Minute meiner Zeit in An…«

»Eine Kriiise«, machte Sandra mit singender Stimme weiter.

»Hör auf. Das zählt nicht als Krise. Ich weiß nicht, ob mir dieses Wort gefällt.«

»Du steckst in einer Krise. Ich kenne das. Ich hatte auch schon mal eine.« Sandra schüttelte sich. »Und ›Krise‹ ist noch netter ausgedrückt als ›Trockenperiode‹.«

»Oh Gott, du hast recht!« Allie nahm noch einen großen Schluck Wein. Wehmütig sah sie zu den anderen Leuten hinüber, die lachten und so viel Spaß hatten. Es war lange her – zu lange –, seit sie so sorglos gewesen war. Und noch länger, seit sie sich mit einem Mitglied des männlichen Geschlechts amüsiert hatte.

Sie war so knauserig mit ihrer Freizeit, dass sie kaum Zeit mit ihrer besten Freundin Sandra verbrachte, weshalb sie sich schließlich zu dieser Fahrt hatte breitschlagen lassen.

Allie lehnte sich in ihrem Sessel zurück. Sie hatte sich einen freien Nachmittag verdient. Vielleicht fiel ihr dabei ja sogar eine Lösung ein, wie sie ihr Kalenderprojekt wieder auf Kurs brachte. Und wenn es sie auch nervös machte, gefiel ihr der Gedanke, vielleicht jemanden zu treffen, der sie von der Arbeit ablenkte, und sei es auch nur für ein paar Stunden.

»Niemand kennt dich«, sagte Sandra mit beschwörender Stimme, »du kannst also sein, wer du willst. Promis machen das ständig. Julie aus der Buchhaltung hat hier mal diesen lustigen Wetterfrosch gesehen, und so gut wie keiner hat ihn erkannt.«

»Apropos Promis, das Stadion ist ja nicht weit vom Bahnhof entfernt. Vielleicht könnten wir auf dem Nachhauseweg kurz da vorbeischauen …«

Sandra schnappte nach Luft. »Manchmal bist du echt unglaublich.«

»Ich hab nicht an die Arbeit gedacht. Wirklich nicht.« Gott, es war hoffnungslos mit ihr! »Na gut, hab ich doch, aber ich verspreche dir, den Rest des Nachmittags denke ich nicht mehr daran.«

»Ja, klar.«

»Ich meine es ernst. Sag mir einfach, was ich machen soll!«

»Nichts leichter als das. Du gehst zu einem süßen Typen hin …«

Das holte sie mit einem Schlag wieder in die Realität zurück. »Was soll ich denn sagen?« Sie beugte sich zu Sandra vor und warf ihr einen lüsternen Blick zu. »Schönen Weinständer hast du da.«

Sandra winkte lachend ab. »Da denken wir uns schon was aus.« Sie überlegte einen Moment. »Ich weiß. Sag, dass du ihm drei Dinge über dich erzählst, wovon eins gelogen ist. Und er soll raten, welches.«

Allie runzelte die Stirn. »Ich weiß nicht, ob das hier funktioniert …«

»So bändelt man an. In einem Zug mit Wein bis zum Abwinken.« Sandra schnaubte buchstäblich. »Die größte Schwierigkeit wird sein, aufrecht zu bleiben.«

Allie kicherte, und Sandra stimmte mit ein, nachdem sie ihr einen gespielt empörten Blick zugeworfen hatte. »Ich meinte natürlich, weil der Zug einen hin- und herwirft.«

»Das klingt alles so nach …«

»Fleischmarkt?«

»Ja, genau«, gab Allie zu. »Fahrender Fleischmarkt.«

»Aber das ist doch gerade das Schöne daran! Wie gesagt, wenn du jemanden nicht wiedersehen willst, war’s das. Du brauchst keine Angst zu haben, ihm noch mal in die Arme zu laufen, es sei denn, du willst es.«

»Warum habe ich das Gefühl, dass du mit ›in die Arme laufen‹ etwas ganz anderes meinst?«

Sandra schmunzelte. »Da geht wohl deine schmutzige Fantasie mit dir durch. Sinn und Zweck des Ganzen ist es, sich zu amüsieren, also versuche, es auch so zu sehen! Mach dir nicht so viele Gedanken!« Sie warf Allie ihren patentierten Sandra-Warnblick zu. »Und hör auf, an die Arbeit zu denken!«

»Leichter gesagt als getan. Ich sollte die vielen Gedanken, die ich mir in meiner Freizeit über die Arbeit mache, extra berechnen.«

»Nicht heute.«

Allie atmete tief durch und wappnete sich für diese Herausforderung. »Wir sind hier, um Spaß zu haben, also dann!« Sie stieß mit Sandras Weinglas an. »Bei wem soll ich’s zuerst probieren?«

»Hui, das ist die richtige Einstellung!« Sandra ließ unter gelegentlichem Kopfschütteln ihren prüfenden Blick über die männlichen Kandidaten wandern. Sie hatte den Raum einmal durch und begann wieder von vorn. Als Allie schon dachte, sie müssten den Waggon wechseln, erhellte sich Sandras Miene. »Wie wär’s mit dem da?«

»Der mit der Baseballmütze tief im Gesicht?« Allie seufzte. »Warum machen die Typen das immer? So sehen sie alle gleich aus. Man weiß nie, welche Haarfarbe sie haben. Oder ob sie überhaupt Haare haben.«

Sandra zuckte mit den Schultern. »Vielleicht ist er ja schüchtern.«

»Ja, vielleicht.« Allie sah zu, wie er die anderen Mitreisenden beobachtete, als versuche er, sich möglichst von allen fernzuhalten. Irgendwie konnte sie es ihm nachfühlen, denn sie hatte es die meiste Zeit ihres Lebens so gemacht: sich hinter ihrer Arbeit versteckt, um sich nicht auf irgendwen einlassen zu müssen. Vielleicht würde diese Gemeinsamkeit ihr erleichtern, mit ihm ins Gespräch zu kommen.

Und noch leichter wäre es, einfach ihren Wein zu trinken und darüber nachzudenken, wie sie ihr Kalenderprojekt voranbrachte.

»Es ist nicht gesagt, dass mich das aus meiner Ausgehkrise holt.«

»Ich weiß«, erwiderte Sandra fröhlich. »Deswegen habe ich uns auch als Nächstes für einen Kurs im Stangenstriptease angemeldet.«

Allie sprang von ihrem Sessel auf. »Okay, ich schaff das.«

Wie schwer konnte es schon sein, ein paar Lügen zu erzählen?

Matt stellte sein Weinglas auf dem Tisch neben sich ab. Er wollte nicht hier sein, aber sein bester Freund hatte ihm versichert, dass es eine gute Ablenkung sei, damit er nicht ständig an seine bevorstehende Reha denken musste.

Dieses Wort sollte er hier lieber nicht erwähnen. Doch in seinem Beruf hatte es eine ganz andere Bedeutung.

Die Aussicht, zur Rehabilitation in die Triple-A versetzt zu werden, gefiel ihm ganz und gar nicht. Sein ganzes Leben hatte er damit verbracht, einen Baseball schneller zu werfen als jeder andere, und das wollte er sich nicht nehmen lassen. Was, wenn er heruntergestuft wurde und es nie wieder nach oben schaffte?

»Ich kann nicht glauben, dass du mich hierzu überredet hast«, grummelte Matt und rieb sich die Schulter, obwohl sie gar nicht wehtat. »Ich trinke so gut wie nie Wein.«

»Weil du mehr rausmusst.« Troy antwortete, ohne in Matts Richtung zu blicken. Er war zu sehr damit beschäftigt, eine langbeinige Blondine unter die Lupe zu nehmen, die ihm vom anderen Ende des Ganges regelrecht Küsschen zuwarf.

»Immer, wenn ich mehr rausgehe, werde ich mit Fans bombardiert.«

Das ließ Troy in seinem Sessel herumwirbeln. »Oooh, ich brech gleich in Tränen aus! Du hast es schon schwer als weltberühmter …«

»Schsch!«, machte Matt und zog sich seine Mütze noch tiefer ins Gesicht. »Ich versuche heute, inkognito zu bleiben.«

»Ja, ja, schon gut. Hab ich ganz vergessen.«

Matt boxte seinem Freund gegen den Arm. »Lügner.«

Doch er belog sich selbst. Denn er war es zwar leid, sich jedes Mal, wenn er das Haus verließ, mit zudringlichen Fans herumzuschlagen. Auf der anderen Seite sorgte er sich aber auch, dass die Leute sich nicht mehr an ihn erinnerten, wenn er dem Pitcher’s Mound zu lange fernblieb. Er hasste es, wenn die Saison zu Ende ging und er noch nicht bereit war. Und er wollte nicht darüber nachdenken, dass das vielleicht zu einer Dauereinrichtung werden könnte. Das war noch schmerzhafter als seine eigentliche Armverletzung.

»Ich weiß nicht, was ich tun soll, wenn ich nicht mehr spielen kann«, gab Matt zu.

»Ja. Du definierst dich darüber.«

Bei Troys unbedarfter Äußerung runzelte Matt die Stirn. »Ich weiß, das sollte ich nicht. Ich wünschte auch, es wäre anders. Aber gerade jetzt, da ich das Gefühl habe, alles könnte wie eine Seifenblase zerplatzen … Was, wenn ich zur Reha runtergestuft werde und dann für immer verschwinde?«

Troy schnaubte. »Du fährst nicht zum Bermudadreieck.«

»M

Would you like to know how the story ends?

Buy "Strangers on a Train - Ticket ins Unbekannte" in your preferred e-book store and continue reading:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Enjoy your reading!



Kaufen






Teilen