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Steuerlexikon 2011

Vorwort

Vorwort

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

unser elektronisches Nachschlagewerk „Steuerlexikon 2011“ informiert Sie umfassend über alle Einzelheiten und Hintergrundinformationen, die Sie zur Erstellung Ihrer Einkommen-Steuererklärung des Jahres 2010 kennen sollten.

Darüber hinaus erhalten Sie von uns zahlreiche Hinweise, wie Sie Ihre persönlichen Verhältnisse – auch mit Wirkung für die Folgejahre – steueroptimal gestalten können. Denn die nächste Steuererklärung kommt bestimmt!

Ein besonderer Schwerpunkt liegt in diesem Jahr auf den Themenbereichen Vorsorgeaufwendungen (Versicherungen) und Unterhaltszahlungen. Denn das Bundesverfassungsgericht hat den Gesetzgeber dazu verpflichtet, Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen sowie Unterhaltszahlungen künftig steuerlich stärker zu berücksichtigen.

Darüber hinaus informieren wir Sie selbstverständlich auch über steuerliche ?Dauerbrenner“ wie z. B. Abgeltungsteuer, Arbeitszimmer, Entfernungspauschale, haushaltsnahe Tätigkeiten, Lohnsteuerermäßigungsantrag 2011, Minijobs, Kapitaleinkünfte, Vermietung und Werbungskosten.

Abgerundet wir diese nützliche elektronische Arbeitshilfe durch den großen Schluss-Check: eine Zusammenstellung der besten Steuertipps aus dem Steuerlexikon.

Viel Erfolg beim Steuersparen wünscht Ihnen erneut

Ihr Autorenteam im Oktober 2010

Schnell-Check - damit Sie keine Steuerspar-Möglichkeit übersehen

Abschlagsteuer →A→R→U*

Wollen Sie die Veranlagungsoption oder die Günstigerprüfung im Rahmen der Einkommensteuererklärung nutzen?

In diesem Fall müssen Sie dies unbedingt durch ein Kreuz in der Anlage KAP beantragen. Nur dann führt das Finanzamt die Prüfung durch! Außerdem sollten Sie Ihren Steuerbescheid daraufhin besonders kontrollieren!

Haben Sie Ihr Depot gewechselt und später Wertpapiere verkauft?

Kontrollieren Sie die Abrechnung Ihrer Bank genau. Hat die übergebende Bank den Erwerbszeitpunkt und die Anschaffungskosten nicht korrekt mitgeteilt, kann es dazu kommen, dass zu viel Abgaben einbehalten werden. Sie können solche Fehler in der Steuererklärung korrigieren!

Haben Sie Ihre Freistellungsaufträge für 2011 überprüft?

Die bisher eingereichten Freistellungsaufträge bleiben gültig.

Seit 2009 ist es noch wichtiger als bisher, dass Sie den Freistellungsauftrag richtig platzieren!

Nutzen Sie den Höchstbetrag nicht in voller Höhe aus, obwohl Ihre Einkünfte, die der Abgeltungsteuer unterliegen, höher sind, verlieren Sie Geld!

Abschreibungen/Anschaffungs- und Herstellungskosten →A→R→U

Planen Sie den Kauf eines Wohnhauses?

Häufig wird neben dem Grundstück und dem Gebäude auch vorhandenes Inventar (Küche, …) übernommen. Wenn Sie im Kaufvertrag festhalten, welcher Teil des Gesamtkaufpreises darauf entfällt, sparen Sie Grunderwerbsteuer.

Abschreibungen/Arbeitsmittel →A→R→U

Haben Sie Arbeitsmittel angeschafft, die weniger als 487,90 EUR gekostet haben?

Die 410 EUR-Grenze (brutto 487,90 EUR) kann auch im betrieblichen Bereich wieder genutzt werden!

Altersentlastungsbetrag →A→R→U

Sind beide Ehegatten vor dem 2.1.1946 geboren?

Dann erfüllen Sie die Voraussetzungen für den Altersentlastungsbetrag. Sofern einer von Ihnen Einkünfte (außer Renten und Versorgungsbezüge) von mehr als 4.750 EUR hat, während der andere weniger als diesen Betrag bezogen hat, sollten Sie über eine Umverteilung der Einnahmen nachdenken.

Arbeitskleidung →A→U

Wird Ihre Arbeitskleidung steuerlich anerkannt?

Wenn Sie „typische Berufskleidung“ tragen, deren Anschaffung steuerlich abzugsfähig ist, können Sie auch die Reinigungskosten geltend machen. In der Regel wird ein pauschaler Betrag von 100e nicht beanstandet.

Arbeitslosigkeit →A

Sind Sie zurzeit arbeitslos, hatten aber Werbungskosten?

Sie sollten diese Werbungskosten geltend machen. Selbst wenn die Einkünfte dadurch negativ werden, wirken sich diese über den Verlustausgleich im Vorjahr oder in späteren Jahren aus.

Arbeitszimmer →A→U

Haben Sie schon einmal über eine Anmietung nachgedacht?

Wenn Sie ein Arbeitszimmer außerhalb Ihrer Wohnung haben, gelten die gesetzlichen Beschränkungen nicht. Sie können das Arbeitszimmer auch von Angehörigen mieten. Eine direkte Nachbarschaft (z.B. Wohnung im selben Haus) ist aber schädlich.

Außergewöhnliche Belastungen →A→R→U

Erwarten Sie Erstattungen von Versicherungen?

Auch wenn diese erst im nächsten Jahr kommen, müssen Sie die Kosten um die Erstattung mindern.

Baumaßnahmen (Reparaturen) →A→R→U

Hat Ihre Baumaßnahme für ein vermietetes Gebäude oder eine vermietete Wohnung weniger als 4.000 EUR netto (4.760 EUR brutto) gekostet?

Diese können Sie aus Vereinfachungsgründen immer als Reparatur behandeln.

Behinderte Menschen →A→R→U

Sind Sie oder ein von Ihnen betreuter Mensch in der Pflegestation eines Altenheims untergebracht?

Die Aufwendungen können wie Krankenhauskosten als außergewöhnliche Belastung ohne Anrechnung der Haushaltsersparnis berücksichtigt werden.

Haben Sie Ihr Fahrzeug behindertengerecht umgerüstet?

Die Kosten sind neben dem Behinderten-Pauschbetrag in voller Höhe abziehbar.

Sind Sie behindert, haben aber keinen Schwerbehindertenausweis beantragt?

Holen Sie dies schleunigst nach! Der amtliche Ausweis ist maßgeblich für den Steuerfreibetrag. Entscheidend ist der Zeitpunkt des Eingangs beim Versorgungsamt.

Behinderte Menschen/Kinder →A→R→U

Ist Ihr Kind behindert, aber ohne eigene Einkünfte?

Der Freibetrag kann auf Sie übertragen werden.

Betreuen Sie einen Angehörigen nur zeitweise (z.B. am Wochenende) in Ihrer Wohnung?

Auch dann können Sie den Pauschbetrag beanspruchen.

Belege →A→R→U

Konnten Sie für bestimmte beruflich oder betrieblich veranlasste Kosten keine Belege erhalten oder haben Sie diese verloren?

Für manche Kosten erhält man keine oder nur sehr umständlich Belege zum Nachweis der Kosten. Erstellen Sie (möglichst zeitnah) „Eigenbelege“. Das heißt, notieren Sie nach der Bezahlung von Parkgebühren, Telefonkarten, Telefongesprächen von der Telefonzelle, Trinkgeldern usw. mindestens Datum, Zeit, Ort, Anlass und Betrag.

Das Finanzamt wird, soweit Ihre Angaben glaubhaft sind, die Kosten als fiWerbungskosten oder Betriebsausgaben steuerlich anerkennen.

Berufsausbildung →A

Hatten Sie im Jahr 2010 Aufwendungen für die eigene Berufsausbildung?

Dann können Sie diese bis zum Höchstbetrag von 4.000 EUR als Sonderausgaben geltend machen. Im Einzelfall können auch unbeschränkt abzugsfähige Werbungskosten vorliegen, wenn Sie z.B. Ausbildungsbezüge erhalten.

Dienstwagen/Firmenwagen →A→U

Haben Sie zum Nachweis der privaten Pkw-Nutzung ein Fahrtenbuch geführt?

Kontrollieren Sie die Vollständigkeit und Plausibilität der Eintragungen gründlich.

Der BFH hat die Vorgaben, die ein Fahrtenbuch erfüllen muss, konkretisiert. Lesen Sie dazu unser Stichwort und beachten Sie diese unbedingt.

Müssen Sie Ihrem Arbeitgeber einen Zuschuss bei der Anschaffung des nächsten Firmenwagens zahlen (z.B. für Sonderausstattung)?

Lesen Sie die Einzelheiten in unserem Stichwort!

Sind Sie als Außendienstler mit einem Firmenwagen unterwegs und fahren gelegentlich in die Firma?

Dann müssen die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte nicht pauschal mit 0,3% pro Monat, sondern können mit der Anzahl der tatsächlichen Fahrten und 0,002% berechnet werden. Das ist viel günstiger für Sie!

Hat Ihr Arbeitgeber die 1%-Regelung angewandt, obwohl Sie ein Fahrtenbuch geführt haben?

Dann können Sie in der ESt-Erklärung den Bruttoarbeitslohn korrigieren!

Doppelte Haushaltsführung →A→U

Ist Ihre doppelte Haushaltsführung auf Dauer angelegt?

Überlegen Sie, ob Ihr Ehegatte an Ihrem Arbeitsort eine Wohnung kaufen kann, die Sie dann anschließend anmieten. Hier ergibt sich ein doppelter steuerlicher Vorteil: durch die Werbungskosten aus der doppelten Haushaltsführung und den Verlust aus Vermietung und Verpachtung.

Steht Ihnen am Ort des Lebensmittelpunkts eine abgeschlossene Wohnung zur alleinigen Nutzung unentgeltlich, z.B. im Haus Ihrer Eltern, zur Verfügung?

Dann liegt ein anzuerkennender eigener Hausstand vor.

Haben Sie Ihren Hausstand aus privaten Gründen vom Beschäftigungsort wegverlegt und am Beschäftigungsort einen Zweithaushalt begründet?

Auch dann liegt eine anzuerkennende doppelte Haushaltsführung vor.

Wurde bei Ihnen in der Vergangenheit eine doppelte Haushaltsführung abgelehnt?

Prüfen Sie anhand unseres Stichworts, ob der BFH seine Rechtsprechung geändert hat. Dann können Sie diese jetzt für die Zukunft und alle offenen Jahre noch nachträglich beantragen.

Ehegattenveranlagung →A→R

Sind Sie beide als Arbeitnehmer tätig?

Mit einem Lohnsteuer-Vergleichsrechner können Sie im Internet herausfinden, welche Lohnsteuerklasse für Sie am günstigsten ist.

Neu eingeführt wurde für Doppelverdiener-Ehepaare ein sogenanntes „optionales Faktorverfahren“. Lesen Sie im Stichwort welche Vorteile damit verbunden sind und was Sie dafür tun müssen.

Eingetragene Lebenspartnerschaft →A→R→U

Leben Sie in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft?

Dann sollten Sie gegen den ESt-Bescheid Einspruch einlegen, da das BVerfG noch entscheiden muss, ob der Splittingtarif auch für Sie gilt.

ELSTER →A→R→U

Geben Sie Ihre Steuererklärung immer noch in Papierform ab?

Die Vorteile bei einer Abgabe mit ELSTER: Schnellere Bearbeitung, weniger Rückfragen, das Finanzamt verzichtet weitgehend auf Belege.

Entfernungspauschale →A→U

Fahren Sie von mehreren Wohnungen zu Ihrem Geschäft oder Ihrer Arbeitsstelle?

Die Fahrten von der weiter entfernt liegenden Wohnung sind nur dann zu berücksichtigen, wenn sich dort Ihr Lebensmittelpunkt befindet und Sie diese nicht nur gelegentlich aufsuchen.

Nutzen Sie sowohl einen Pkw als auch öffentliche Verkehrsmittel?

Die Kostenbegrenzung auf 4.500 EUR gilt nur für die auf öffentliche Verkehrsmittel entfallende Fahrstrecke.

Leiden Sie an einer Behinderung?

Beträgt der Grad Ihrer Behinderung mindestens 70% oder sind Sie erheblich gehbehindert (Merkzeichen „G“ in den amtlichen Ausweisen), können die tatsächlichen Kosten für die Benutzung des eigenen Pkw bzw. ohne Einzelnachweis 0,30 EUR für jeden gefahrenen Kilometer als Werbungskosten geltend gemacht werden.

Fachbücher →A→U

Wollen Sie Kosten für Literatur steuerlich als fiWerbungskosten oder Betriebsausgaben geltend machen?

Abzugsfähig sind nur Kosten für Fachliteratur. Lassen Sie sich von Ihrem Buchhändler Quittungen mit dem genauen Titel des Buches geben. Ab 100 EUR sollte auch der Name des Käufers auf der Quittung stehen.

Fahrtkosten →A→U

Benutzen Sie Ihren Pkw nahezu ausschließlich (mehr als 90%) beruflich?

Der Pkw ist in diesem Fall ein Arbeitsmittel. Damit sind alle Kosten (AfA, Zinsen, Kraftstoffe, Versicherungen etc.) als Werbungskosten abzugsfähig.

Können Sie den beruflichen Anteil Ihrer Auto-Telefonkosten nicht ermitteln?

Dann akzeptiert das Finanzamt einen Abzug von pauschal max. 20% des Rechnungsbetrags, höchstens 20 EUR/Monat.

Ferienwohnung im Ausland (Vermietung/Immobilien) →A→R→U

Besitzen Sie eine Ferienwohnung im Ausland, die Sie vermieten?

Die Einkünfte werden regelmäßig nur dort versteuert, wo sich das Haus befindet. Somit fallen in Deutschland keine Steuern an. Nachteil: Auch Verluste sind in Deutschland nicht abzugsfähig.

Finanzierungskosten →A→R→U

Wollen Sie ein Mietobjekt verkaufen und durch ein günstigeres Objekt ersetzen?

Sie müssen die alten Schulden nicht unbedingt tilgen und neue Darlehensverträge abschließen, um die Zinsen in vollem Umfang abziehen zu können (siehe unser Stichwort).

Wollen Sie ein Mietobjekt verkaufen, ohne eine Neuanschaffung?

In Abkehr seiner bisherigen Rechtsprechung hat der BFH Schuldzinsen für ein Darlehen, das für den Erwerb eines GmbH-Geschäftsanteils aufgenommen worden war, auch nach dessen Verkauf noch insoweit als Werbungskosten anerkannt, als das Darlehen durch den Verkaufserlös nicht getilgt werden konnte. Diese Rechtsprechung dürfte auch auf andere Einkunftsarten anzuwenden sein (z.B. Vermietungen).

BFH, Urteil v. 16.3.2010, VIII R 20/08.

Planen Sie den Bau oder Erwerb eines teilweise vermieteten, teilweise selbst genutzten Gebäudes?

Lassen Sie im Vertrag eine angemessene Aufteilung des Kaufpreises vornehmen. Bezahlen Sie die zu vermietende Einheit ausschließlich durch Darlehen, setzen Sie Ihr Eigenkapital nur für den selbst genutzten Teil ein.

Fortbildung (Ausbildung/Studium) →A→U

Hat Sie jemand zu einer Fortbildungsveranstaltung gebracht und/oder abgeholt?

Dann sind alle Fahrten beruflich veranlasst, auch die Fahrten, die Ihr Fahrer ohne Sie gemacht hat.

Studieren Sie, ohne Einkünfte zu haben?

Die Kosten können unter bestimmten Umständen geltend gemacht werden. Informationen finden Sie unter Fortbildung/Fachtagungen.

Befanden Sie sich 2010 in Ausbildung oder haben Sie studiert?

Dann können Sie die Kosten bis zu 4.000 EUR als Sonderausgaben geltend machen. Haben Sie allerdings die Ausbildung im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses absolviert (Lehre, duales Studium), dann stellen die Aufwendungen Werbungskosten dar (ohne betragsmäßige Begrenzung).

Auch in anderen Fällen können die Kosten in vollem Umfang steuerlich berücksichtigt werden (siehe unser Stichwort).

Fortbildung/Fachtagungen →A→U

Haben Sie 2010 an Fachtagungen teilgenommen?

Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Sie glaubhaft machen können, welche einzelnen Vorträge Sie tatsächlich besucht haben. Bitten Sie den Veranstalter ggf. um Teilnahmebestätigungen.

Haben Sie den Besuch einer Fachtagung z.B. mit einer Urlaubsreise verbunden?

Der BFH hat seine Rechtsprechung zur Abgrenzung zwischen Betriebsausgaben und Lebenshaltungskosten erheblich gelockert. Auch bei einer gemischten Veranlassung kann mindestens ein Teil der Ausgaben steuerlich berücksichtigt werden.

Hausgehilfin/Haushaltshilfe →A→R→U

Sie sollten das Entgelt aufteilen, damit Sie in den Genuss aller steuerlichen Vorteile kommen. Lesen Sie unsere Stichworte Kinderbetreuungskosten und Werbungskosten.

Haushaltsnahe Dienstleistungen →A→R→U

Kennen Sie alle Abzugsmöglichkeiten?

Sämtliche handwerklichen Tätigkeiten sind begünstigt, unabhängig davon, ob es sich um regelmäßig vorzunehmende Renovierungsarbeiten oder um Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen handelt. Gleichgültig ob Sie als Mieter oder Eigentümer einer zu eigenen Wohnzwecken genutzten Wohnung den Auftrag erteilt haben.

Denken Sie daran:

Haushaltsnahe Dienstleistungen sind nur begünstigt, wenn sie durch Überweisung bezahlt werden. Barzahlungen werden nicht akzeptiert.

Enthält die Abrechnung Ihrer Hausverwaltung auch haushaltsnahe Aufwendungen?

Dies können z.B. Kosten für den Hausmeister, die Putzfrau oder Handwerker sein. Auch diese können Sie steuerlich geltend machen. Lassen Sie sich die Aufwendungen gesondert bescheinigen.

Haben Sie sich in der Vergangenheit auch über den Aufwand bei der Abgabe der Steuererklärung geärgert?

Sie müssen Rechnung und Kontoauszug nicht mehr Ihrer Steuererklärung beifügen. Dies erleichtert die elektronische Abgabe der Steuererklärung.

Haben Sie Handwerkerrechnungen, die Lohn- und Materialkosten nicht getrennt ausweisen?

Lassen Sie sich eine Rechnung geben, in der Arbeitslohn, Maschinen- und Fahrtkosten gesondert ausgewiesen sind. Eine ggf. prozentuale Aufteilung in Arbeits- und Materialkosten muss vom Rechnungsaussteller vorgenommen worden sein.

Heim- oder Pflegeunterbringung →A→R→U

Leben Sie in einem Seniorenheim?

Schon ab Pflegestufe I können Sie unterschiedliche steuerliche Vergünstigungen in Anspruch nehmen (siehe auch Pflegekosten).

Instandhaltungsrücklage →A→R→U

Wurden aus der Instandhaltungsrücklage Reparaturen bezahlt?

Der anteilige „Verbrauch der Instandhaltungsrücklage“ ist als Werbungskosten abzugsfähig, nicht jedoch die Zahlung in die Instandhaltungsrücklage.

Jobtickets →A

Stellt Ihnen Ihr Arbeitgeber ein Jobticket kostenlos bzw. vergünstigt zur Verfügung?

Jahrestickets sind durch die geringe Freigrenze regelmäßig steuerpflichtig, da die Freigrenze nur in dem Monat geprüft wird, in dem das Ticket ausgehändigt wird. Lassen Sie sich jedoch von Ihrem Arbeitgeber monatlich z.B. eine Gültigkeitsmarke aushändigen, gilt die Freigrenze in Höhe von 44 EUR in jedem Monat.

Kinder →A→U

Hat Ihr Kind eigene Einkünfte und Bezüge?

Die Einkünfte werden um die Werbungskosten (z.B. Arbeitnehmer-Pauschale), Bezüge (auch BAföG-Zuschüsse) um eine Kostenpauschale i.H.v. 180 EUR oder nachgewiesene höhere Kosten gekürzt. Einkünfte und Bezüge über 8.004 EUR sind schädlich. Denken Sie deshalb rechtzeitig vor dem Jahresende daran, ggf. noch entsprechende Ausgaben zu tätigen, um das Kindergeld evtl. zu retten.

Bezieht Ihr Kind während der Ausbildung Arbeitslohn und ist es privat krankenversichert (z.B. als Beamtenanwärter)?

Die Kosten der privaten Krankenversicherung mindern die eigenen Bezüge des Kindes für Zwecke des Kinderfreibetrags bzw. -geldes, soweit sie auf Tarife entfallen, mit denen der von der Beihilfe nicht freigestellte Teil der beihilfefähigen Aufwendungen für ambulante, stationäre und zahnärztliche Heilbehandlungen abgedeckt wird.

Hatten Sie Kosten für die Kinderbetreuung?

Prüfen Sie noch einmal, ob Sie alle Kosten steuerlich geltend gemacht haben.

Einkünfte und Bezüge über 8.004 EUR sind schädlich. Denken Sie deshalb rechtzeitig vor dem Jahresende daran, ggf. noch entsprechende Ausgaben zu tätigen, um das Kindergeld evtl. zu retten.

Wurde Ihr Kind im Einkommensteuerbescheid steuerlich berücksichtigt und haben Sie bisher kein Kindergeld hierfür erhalten?

Beantragen Sie das Ihnen zustehende Kindergeld noch nachträglich bei der zuständigen Familienkasse.

Betreut ein Verwandter Ihre minderjährigen Kinder?

Schließen Sie einen schriftlichen Vertrag wie unter Fremden. Dann können Sie die Betreuungskosten steuerlich geltend machen. Einzelheiten s. Kinderbetreuungskosten.

Kirchensteuer →A→R→U

Beträgt die von Ihnen zu zahlende Kirchensteuer mehr als 3% des zu versteuernden Einkommens?

Dann können Sie bei Ihrer Kirche die „Kappung“ der Kirchensteuer (Teilerlass) beantragen.

Krankheitskosten →A→R→U

Müssen auch Sie für die Krankheitskosten ins eigene Portemonnaie greifen?

Sammeln Sie alle Belege (Praxisgebühr, Arztkosten, Rezeptgebühren etc.) und machen Sie die Kosten bei der Steuererklärung geltend. Eine Berücksichtigung erfolgt dann nach Abzug der zumutbaren Eigenbelastung.

Hatten Sie ein geringes Einkommen, bekommen Sie u.U. auch von Ihrer Krankenkasse eine Erstattung.

Kur →A→R→U

Haben Sie im letzten Jahr einen Kuraufenthalt absolviert oder planen Sie eine Kur?

Arzt- und Kurmittelkosten für Bäder, Packungen, Massagen, Kurtaxe sowie Arzt- und Krankheitskosten am Kurort werden auch anerkannt, wenn die Notwendigkeit der Kur nicht nachgewiesen wurde.

Minijobs →A→R→U

Beschäftigt Ihre Eigentümergemeinschaft eine Putzfrau?

In diesem Fall kann das Haushaltsscheckverfahren nicht angewandt werden.

Ändern Sie den Vertrag. Um im Haushaltsscheckverfahren abzurechnen und die Steuerermäßigung zu erhalten, muss jeder Eigentümer/Mieter die Putzfrau für das Treppenhaus anstellen und bezahlen. Beachten Sie dabei, dass Ihre Putzfrau aber von allen Mietern zusammen nicht mehr als 400 EUR erhält.

Fallen die Einkünfte im Rahmen eines Minijobs unter §3 Nr.26 EStG (Übungsleiterpauschale)?

Die nach §3 Nr.26 und Nr.26a EStG steuerfreien Einnahmen von max. 2.100 EUR (Übungsleiterpauschale) und 500 EUR (Ehrenamtsfreibetrag) bleiben auch bei der sozialversicherungsrechtlichen Beurteilung außer Betracht.

Sind Sie Rentner und nebenbei im Rahmen eines Minijobs tätig?

Wenn Sie eine Kürzung Ihrer Rente vermeiden wollen, müssen Sie die Hinzuverdienstgrenze beachten. Erkundigen Sie sich bei Ihrer Sozialversicherung.

Nutzungsänderung (Abschreibungen/Arbeitsmittel) →A→R→U

Haben Sie im Jahr 2010 einen bisher privat angeschafften Gegenstand beruflich genutzt?

Denken Sie daran, dass Sie den Restwert ab dem Zeitpunkt der beruflichen Nutzung abschreiben. Beträgt der im Zeitpunkt der erstmaligen beruflichen Nutzung noch nicht abgesetzte Teil der Anschaffungskosten (Restwert) nicht mehr als 487,90 EUR, können Sie diesen sofort in voller Höhe zum Abzug bringen.

Reisekosten →A→U

Haben Sie eine Reise unternommen, deren Zweck sowohl beruflich als auch privat war?

Liegt eine private Mitveranlassung vor, scheidet ein Abzug nach neuer Rechtsprechung nicht in vollem Umfang aus. Lesen Sie in unserem Stichwort nach.

Haben Sie Dienstreisen mit Übernachtung übernommen?

Hat der Arbeitgeber die Übernachtung mit Frühstück bzw. Mahlzeit veranlasst, muss eine Kürzung in bestimmten Fällen nur noch in Höhe der amtlichen Sachbezugswerte (Frühstück 1,70 EUR, Mittag- oder Abendessen 2,80 EUR) erfolgen.

Renten →A→R→U

Sind Sie unsicher, welche Beträge Sie in die Steuererklärung eintragen müssen?

Von Ihrem Versicherungsunternehmen haben Sie eine Leistungsmitteilung (Bescheinigung) erhalten, aus der Sie die Angaben aus der Bescheinigung für Ihre Anlage R übernehmen können.

Hatten Sie schon Aufwendungen im Zusammenhang mit einer Rente, obwohl Sie noch keine Rentenzahlung erhalten haben?

Machen Sie die Kosten unbedingt geltend. Sie führen zu negativen sonstigen Einkünften und können mit positiven Einkünften aus anderen Einkunftsarten verrechnet werden.

Renten/vorweggenommene Erbfolge →A→R→U

Wollen Sie im Rahmen der vorweggenommenen Erbfolge einen Betrieb oder ein Grundstück übertragen?

Um eine steuerlich optimale Gestaltung zu erreichen, sollten Sie nicht nur Ihren Notar, sondern auch rechtzeitig einen Steuerberater fragen.

Reparaturen →A→R→U

Haben Sie innerhalb von drei Jahren nach Anschaffung eines Objekts größere Aufwendungen getätigt?

Beachten Sie die 15%-Grenze (siehe auch fiReparaturen).

Liegen Sie mit Ihren Aufwendungen knapp über dieser Grenze, bezeichnen Sie einen Teil der Aufwendungen als üblichen Renovierungsaufwand.

Wollen Sie ein bisher vermietetes Objekt selbst nutzen?

Lassen Sie anstehende Reparaturen möglichst ausführen, solange die Wohnung noch vermietet ist.

Hat ein anderer Reparaturrechnungen, die Sie schuldeten, für Sie bezahlt oder Reparaturen in Auftrag gegeben und bezahlt?

In diesem Fall sind die Kosten bei Ihnen als Werbungskosten abzugsfähig.

Reparaturen/Baumaßnahmen →A→R→U

Haben Sie einen Unternehmer beauftragt, in Zusammenhang mit einem Grundstück Leistungen zu erbringen?

Auch der private Leistungsempfänger muss diese Rechnungen mindestens zwei Jahre lang aufbewahren. Allerdings reicht in der Regel die Aufbewahrung eines Zahlungsbelegs (Kontoauszug, Überweisungsträger etc.) aus.

Scheidung →A→R→U

Läuft bei Ihnen zurzeit die Scheidung von Ihrem Ehegatten?

Die Scheidungskosten (Anwalt, Gericht) sind als außergewöhnliche Belastung abzugsfähig. Beachten Sie aber, dass dies nur im Jahr des Abflusses und nur für den tatsächlich Belasteten gilt. Wegen der zumutbaren Eigenbelastung, die jedes Jahr abzuziehen ist, sollten Sie versuchen, die Kosten in einem Jahr zu konzentrieren.

Sonderausgaben/Alterseinkünftegesetz →A→U

Überprüfen Sie noch einmal Ihre Eintragungen zu den Versicherungsbeiträgen!

Es könnte sich für Sie lohnen, alles einzutragen.

Spekulationsgeschäfte →A→R→U

Sind Sie Miterbe eines Grundstücks und haben den Erbteil eines anderen Miterben erworben?

Vermeiden Sie einen Verkauf innerhalb der Spekulationsfrist.

Haben Sie im Jahr 2010 Spekulationsgewinne und in den Vorjahren -verluste erzielt?

Dann sollten Sie versuchen, die Verluste aus der Vergangenheit gegenzurechnen.

Spenden →A→R→U

Spenden Sie auch an der Haustür oder in der Kirche?

Lassen Sie sich für jede Spende eine Spendenquittung geben, auch wenn eine gemeinnützige Organisation an der Haustür sammelt. Und steuerlich ist es interessanter, wenn Sie Ihre Weihnachtsspende nicht in den Klingelbeutel werfen, sondern dem Pfarrer gegen eine Spendenquittung persönlich übergeben.

Nur damit können Sie die Ausgaben steuerlich geltend machen.

Beachten Sie die Erleichterungen zum Nachweis!

Bei Zuwendungen bis zu 100 EUR genügt es, wenn Sie Ihrer Steuererklärung eine Liste der Empfänger und der Höhe der Einzelzuwendungen beifügen. Das gilt nicht für Zuwendungen an politische Parteien.

Steuerberatungskosten →A→U

Haben Sie 2010 Steuerberatungskosten bezahlt?

Die Abzugsfähigkeit ist stark eingeschränkt. Informieren Sie sich in unserem Stichwort, was noch möglich ist.

Studien- und Sprachreisen →A→U

Benötigen Sie für Ihre Tätigkeit Sprachkenntnisse?

Auch Sprachkurse, die nur Grundkenntnisse vermitteln, können abgesetzt werden. Bei einem (Intensiv-)Sprachkurs in einem Mitgliedsland der EU wird nicht mehr typischerweise unterstellt, dass touristische Elemente einen Abzug ausschließen.

Telefonkosten →A→U

Telefonieren Sie gelegentlich von Ihrem privaten Telefonanschluss für berufliche Zwecke oder wegen Ihres Mietshauses?

Es wird regelmäßig nicht beanstandet, wenn Sie bis zu 20% des Rechnungsbetrags, höchstens 20 EUR monatlich, als Kosten ansetzen. Sie können auch den monatlichen Anteil für einen Zeitraum von drei Monaten ermitteln und für das gesamte Jahr ansetzen.

Umzugskosten →A

Hatte Ihr Arbeitgeber eine Versetzung angekündigt, dann aber wieder rückgängig gemacht?

Kosten, die im Hinblick auf die angekündigte Versetzung angefallen sind, können Sie als Werbungskosten abziehen.

Vermietung an Angehörige →A→R→U

Wird Ihre Wohnung oder Ihr Haus von Angehörigen bewohnt?

Dann vereinbaren Sie eine Miete von mindestens 56% der üblichen Miete. So können Sie alle Werbungskosten geltend machen, sofern aus dem Mietverhältnis langfristig ein Überschuss zu erzielen ist. Ist das zweifelhaft, sind Sie auf der sicheren Seite, wenn Sie mindestens 75% der üblichen Miete vereinbaren. In diesem Fall prüft das Finanzamt die Überschussprognose nicht.

Wollen Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus an Angehörige vermieten?

Schließen Sie den Mietvertrag schriftlich und wie mit einem fremden Mieter ab. Lassen Sie sich die Miete und alle Nebenkosten überweisen (keine Barzahlung!).

Vermietung an studierende Kinder →A→R→U

Studiert Ihr Kind außerhalb?

Überprüfen Sie, ob es sich nicht lohnt, eine Wohnung zu kaufen und an das Kind zu vermieten. Die Mietzahlung kann auch aus dem von Ihnen zu zahlenden Unterhalt geleistet werden.

Versicherungen →A→R→U

Deckt Ihre Haftpflichtversicherung sowohl private als auch berufliche Risiken ab?

Sie können die Beiträge aufteilen: Der Privatanteil ist Sonderausgabe, der berufliche Anteil ist Betriebsausgabe oder gehört zu den Werbungskosten.

Vorruhestand/Altersteilzeit →A→R

Haben Sie Vorruhestandsgeld bzw. Zahlungen nach dem Altersteilzeitgesetz erhalten?

Ein Teil dieser Zahlungen ist steuerfrei. Damit dies nicht vergessen wird, ist die richtige Eintragung in der Einkommensteuererklärung wichtig.

Werbungskosten →A

Sind Ihnen Werbungskosten entstanden, ohne dass Sie Einnahmen hatten?

Dann machen Sie diese auf jeden Fall geltend. Entsteht dadurch ein Verlust, kann sich dieser zukünftig auswirken!

Auch vorab entstandene Werbungskosten können unter bestimmten Umständen geltend gemacht werden, z.B. Bewerbungskosten.

Studieren Sie und haben keine Einnahmen?

Nähere Informationen, ob Kosten eines Studiums abzugsfähig sind, finden Sie unter Fortbildung/Fachtagungen.

Haben Sie außer Kinderbetreuungskosten keine oder nur geringe Werbungskosten?

Kinderbetreuungskosten können Sie neben dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag geltend machen!

Wohnrechte →A→U

Haben Sie Ihren Eltern ein Nutzungsrecht (Wohnrecht/Nießbrauch) unentgeltlich eingeräumt, ohne sich über die steuerlichen Konsequenzen im Klaren zu sein?

Wird der ursprüngliche Nutzungsrechtsvertrag abgeändert, können Sie auch noch nachträglich mit Ihren Eltern einen steuerlich wirksamen Mietvertrag abschließen. Sie können dann Werbungskosten (z.B. größere Reparaturen) steuerlich geltend machen.

Zusatzeinkünfte →A→R→U

Haben Sie einen Verlust im Rahmen Ihrer Nebentätigkeit erzielt?

Will das Finanzamt den Verlust nicht anerkennen, müssen Sie die Gewinnerzielungsabsicht deutlich machen. Argumentieren Sie mit einer Investitions- bzw. Anlaufphase, in der üblicherweise Verluste erzielt werden.

Sind Sie im gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Bereich ehrenamtlich oder nebenberuflich tätig?

Dann können Sie sowohl den Freibetrag für nebenberufliche Tätigkeiten im gemeinnützigen, mildtätigen oder kirchlichen Bereich als auch den Übungsleiterfreibetrag (für zwei verschiedene Tätigkeiten) erhalten, soweit die Voraussetzungen erfüllt sind!

*A = Arbeitnehmer – R = Rentner – U = Unternehmer

Abfindung

Abfindungen sind grundsätzlich voll steuerpflichtig. In der Regel stellen sie aber Ersatz für entgangene oder entgehende Einnahmen dar. Für diese kommt eine Steuerermäßigung nach der sog. Fünftelregelung in Betracht, wenn eine Zusammenballung von Einkünften vorliegt.

§ 24 Nr. 1 i. V. m. § 34 EStG.

Arbeitnehmerabfindungen

Arbeitnehmerabfindungen sind Leistungen, die der Arbeitnehmer als Ausgleich für die mit der Auflösung des Dienstverhältnisses verbundenen Nachteile erhält, insbesondere für den Verlust seines Arbeitsplatzes. Ein zeitlicher Zusammenhang zwischen Zufluss der Abfindung und Beendigung des Dienstverhältnisses ist nicht erforderlich. Ein erhebliches zeitliches Auseinanderfallen der beiden Ereignisse kann jedoch den sachlichen Zusammenhang infrage stellen.

Solche Abfindungen können in einer Summe, in Teilbeträgen oder in fortlaufenden Beträgen ausgezahlt werden.

Hierunter fallen nicht Zahlungen zur Abgeltung vertraglicher Ansprüche, die der Arbeitnehmer aus dem Dienstverhältnis bis zum Zeitpunkt der Auflösung erlangt hat.

Es ist unerheblich, auf welcher Rechtsgrundlage die Zahlung der Abfindung beruht. Es kommt auch nicht darauf an, ob dem Arbeitnehmer eine weitere Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber noch zuzumuten ist.

Im Regelfall kann davon ausgegangen werden, dass bei Zahlung einer Abfindung der Arbeitgeber die Auflösung veranlasst hat.

Besteuerung der Abfindung

Entlassungsabfindungen sind grundsätzlich einkommensteuer- bzw. lohnsteuerpflichtig.

Es kann aber eine Steuerermäßigung in Form der sogenannten „Fünftelregelung“ (Tarifermäßigung) in Betracht kommen.

Die Anwendung der Tarifermäßigung hängt von folgenden Voraussetzungen ab:

  • Die Abfindung muss eine Entschädigung im Sinne des § 24 Nr. 1 EStG sein.

  • Es muss eine Zusammenballung von Einkünften vorliegen.

Entschädigung

  • Sie darf erst als Folge einer vorzeitigen Beendigung des Dienstverhältnisses entstehen. Dies gilt insbesondere dann, wenn sie bereits vorher vertraglich vereinbart wurde.

  • Sie setzt voraus, dass anstelle der geschuldeten Leistung eine andere tritt. Diese andere Leistung muss auf einem anderen, eigenständigen Rechtsgrund beruhen, z. B. der Auflösungsvereinbarung.

  • Die Abfindung darf keine Abgeltung bereits erdienter Ansprüche sein.

  • Neben der Hauptentschädigung sind Zusatzleistungen, die aus sozialer Fürsorge für eine gewisse Übergangszeit in späteren Jahren geleistet werden, möglich. Sie sind für die Beurteilung der Hauptleistung als einer zusammengeballten Entschädigung unschädlich, wenn sie weniger als 50 % der Hauptleistung betragen. Derartige ergänzende Zusatzleistungen können beispielsweise die befristete Weiterbenutzung des Dienstwagens, die befristete Übernahme von Versicherungsbeiträgen, die befristeten Zahlungen zur Verwendung für die Altersversorgung sein.

Beispiel

Ein Arbeitsverhältnis wird zum 30.6.2010 aufgelöst. Der Arbeitnehmer erhält eine steuerpflichtige Abfindung von 150.000 EUR und für die folgenden zwölf Monate der Arbeitslosigkeit einen monatlichen Zuschuss von 2.500 EUR = 30.000 EUR.

Der 2010 gezahlte monatliche Zuschuss und die Hauptabfindung (6 × 2.500 EUR und 150.000 EUR) werden im Jahr 2010 ermäßigt besteuert, weil die 50 %-Grenze nicht überschritten ist. Die nicht in das Jahr der Hauptleistung fallenden Zusatzleistungen sind im Jahr 2011 normal zu versteuern.

Zusammenballung

Die Anwendung der begünstigten Tarifermäßigung setzt voraus, dass die Entschädigungsleistungen zusammengeballt in einem Veranlagungszeitraum zufließen.

Eine Zusammenballung von Einkünften liegt vor, wenn die anlässlich der Beendigung eines Arbeitsverhältnisses gezahlte Entschädigung höher ist als der durch die Auflösung des Dienstverhältnisses entgehende Lohn.

Bei der Berechnung der Einkünfte, die Sie bei Fortbestand des Dienstverhältnisses im Jahr der Auflösung des Dienstverhältnisses bezogen hätten, ist innerhalb der Vergleichsberechnung auf die Einkünfte der Vorjahre abzustellen.

Wichtig

Eine Zusammenballung von Einkünften liegt nicht vor, wenn die anlässlich der Beendigung eines Dienstverhältnisses gezahlte Entschädigung die bis zum Ende des Veranlagungszeitraums entgehenden Einnahmen nicht übersteigt und Sie keine weiteren Einnahmen beziehen, die Sie bei Fortsetzung des Dienstverhältnisses nicht bezogen hätten, z. B. solche aus einem neuen Dienstverhältnis.

Fünftelregelung

Die begünstigten Einkünfte werden rechnerisch auf fünf Jahre verteilt. Die Einkommensteuer für das Einkommen ohne die außerordentlichen Einkünfte wird ermittelt und derjenigen Einkommensteuer gegenübergestellt, die sich für das Einkommen ohne die außerordentlichen Einkünfte zuzüglich eines Fünftels der außerordentlichen Einkünfte ergibt. Der Differenzbetrag ist zu verfünffachen und stellt die ermäßigte Einkommensteuer für die Abfindung dar.

Abgeltungsteuer

Seit 2009 wird die Abgeltungsteuer nicht nur auf Zins- und Dividendeneinnahmen, sondern u. a. auch auf Spekulationsgewinne angewandt. Dafür werden diese Erträge regelmäßig nicht im Einkommensteuerbescheid erfasst.

§§ 43, 43 a EStG, § 32d EStG.

Übersicht

Seit 2009 unterliegen u. a. Kapitalerträge von Privatpersonen nicht mehr dem normalen (progressiven) Einkommensteuertarif. Stattdessen muss z. B. die auszahlende Bank eine 25%ige Abgeltungsteuer zuzüglich 5,5 % Solidaritätszuschlag einbehalten. Mit dieser ist die Steuerschuld des Anlegers regelmäßig abgegolten. Die Anrechnung der einbehaltenen Steuerbeträge im Rahmen der Veranlagung entfällt.

Hinweis

Sollte das BVerfG die Unrechtmäßigkeit des Solidaritätszuschlags feststellen, mit der Folge, dass Festsetzungen aufzuheben und Erstattung vorzunehmen sind, geschieht dies nur auf Antrag des Steuerpflichtigen. Das gilt auch für den Solidaritätszuschlag auf die Abgeltungsteuer. Das BMF wird nach der Entscheidung des BVerfG entsprechende Regelungen bekannt geben.

Aktuell besteht kein Handlungsbedarf.

Was fällt darunter?

Grundsätzlich fallen alle Kapitalerträge (Kapitaleinkünfte), z. B.

  • Zinsen auf Spareinlagen,

  • Zinsen auf festverzinsliche Wertpapiere,

  • Erträge auf Anteile an Investmentfonds,

  • Dividendenzahlungen,

aber auch

  • Gewinne aus der Veräußerung von privaten Kapitalanlagen (Spekulationsgeschäfte)

unter die Abgeltungsteuer.

Die wichtigsten Ausnahmen:
  • Erträge, die im Rahmen eines Betriebes (gewerblich, freiberuflich, L) anfallen,

  • Gläubiger und Schuldner sind nahestehende Personen,

  • Einnahmen als stiller Gesellschafter und aus partiarischen Darlehen, sofern der Gläubiger oder eine ihm nahe stehende Person zu mehr als 10 % beteiligt ist.

Auf Antrag können Anteilseigner von Kapitalgesellschaften ihre Erträge der individuellen Einkommensteuer unterwerfen, wenn sie

  • zu mindestens 25 % beteiligt sind oder

  • zu mindestens 1 % beteiligt und beruflich für die Gesellschaft tätig sind.

In diesen Fällen sind die Erträge wie bisher im Rahmen der Einkommensteuererklärung anzusetzen und unterliegen dem persönlichen Steuersatz. Die einbehaltene Steuer hat den Charakter einer Steuervorauszahlung.

Der große Vorteil:

Die Werbungskosten können in diesen Fällen in vollem Umfang geltend gemacht werden.

Tipp

Kontrollieren Sie die Abrechnung Ihrer Bank insbesondere dann, wenn Sie Wertpapiere nach einem Depotwechsel verkaufen. Hat die übergebende Bank den Erwerbszeitpunkt und die Anschaffungskosten nicht korrekt mitgeteilt, kann es dazu kommen, dass zu viel Abgaben einbehalten werden.

Sie können solche Fehler in der Steuererklärung korrigieren!

Besonderheiten bei Investmentfonds

Besonders undurchsichtig sind die Regelungen bei Investmentfonds für den Anleger. In vielen, aber nicht allen Fällen wird Abgeltungsteuer einbehalten.

Einen Überblick gibt die folgende Tabelle:

Fondseigenschaften

Depot bei einer Bank im Inland

Depot bei einer Bank im Ausland

Ausschüttender Fonds, im Inland aufgelegt

Depotbank führt Steuer für laufende Erträge und Verkaufsgewinne ab, Freistellungsauftrag möglich

Abgeltungsteuer nur für inländische Dividenden durch die Fondsgesellschaft. Zinsen, ausländische Dividenden und Veräußerungsgewinne müssen in Steuererklärung erfasst werden.

Ausschüttender Fonds, im Ausland aufgelegt

w. o.

Alle Einnahmen müssen in Steuererklärung erfasst werden.

Thesaurierender Fonds, im Inland aufgelegt

Depotbank führt Steuer für laufende Erträge und Verkaufsgewinne ab, Freistellungsauftrag möglich

Abgeltungsteuer nur für inländische Dividenden und Zinsen durch die Fondsgesellschaft. Ausländische Dividenden und Veräußerungsgewinne müssen in Steuererklärung erfasst werden.

Thesaurierender Fonds, im Ausland aufgelegt

Für die Erträge werden keine Steuern einbehalten. Aber: Für den jährlichen Wertzuwachs und Veräußerungserlöse werden Abgaben abgeführt. Beachten Sie den folgenden Tipp!

Alle Einnahmen müssen in Steuererklärung erfasst werden.

Tipp

Passen Sie besonders bei thesaurierenden Auslandfonds auf, sonst zahlen Sie doppelt Steuern:

Der Fonds behält sowohl für den Wertzuwachs als auch für Veräußerungserlöse Steuern ein. Das kann bedeuten, dass eine Doppelerfassung erfolgt.

Beispiel

A besitzt Fondsanteile eines thesaurierenden Auslandfonds, die er 2009 für 5.000 EUR erworben hat. In 2010 erzielt der Fonds einen Wertzuwachs von 500 EUR. Hierfür werden Abgeltungsteuer und SolZ einbehalten. Wird der Fonds in 2011 für 6.100 EUR verkauft, werden vom Veräußerungsgewinn von 1.100 EUR Steuern einbehalten. Damit ist der Wertzuwachs von 500 EUR doppelt erfasst! A kann dieses nur in der Steuererklärung korrigieren.

Werbungskosten

Mit dem Sparerpauschbetrag (siehe Kapitaleinkünfte) sind grundsätzlich sämtliche Werbungskosten (z. B. Depotgebühren, Fremdfinanzierungszinsen etc.) abgegolten.

Tipp

Sofern für Ihre Kapitaleinkünfte hohe Kosten anfallen, z. B. Zinsen für fremdfinanzierte Wertpapiere, können Sie diese nur dann geltend machen, wenn Sie die Wertpapiere in den betrieblichen Bereich einlegen.

Sofern Sie keinen Betrieb haben, kommt u. U. die Gründung einer gewerblich geprägten Personengesellschaft in Betracht.

Hinweis

Die Nichtberücksichtigung der tatsächlichen Werbungskosten könnte ein Verstoß gegen das Leistungsfähigkeitsprinzip darstellen und damit verfassungswidrig sein.

Veranlagungsoption

Grundsätzlich bleiben Erträge, die der Abgeltungsteuer unterliegen, bei der Einkommensteuerveranlagung außer Betracht. Der Steuerpflichtige kann jedoch beantragen, dass diese Einkünfte in die Veranlagung einzubeziehen sind. Die einbehaltene Kapitalertragsteuer wird dann auf die Einkommensteuer angerechnet.

Dieses liegt dann in Ihrem Interesse, wenn Ihre Steuerbelastung geringer ist als 25 %. Das Finanzamt prüft dann, ob der persönliche Einkommensteuersatz günstiger ist als die Abgeltungsteuer.

Hinweis

Der Antrag kann nur

  • für alle der Abgeltungsteuer unterliegen Erträge und

  • von Ehegatten gemeinsam

gestellt werden.

Der über die Pauschbeträge hinausgehende Werbungskostenabzug ist allerdings ausgeschlossen.

Außerdem können Sie beantragen, dass im Rahmen der Einkommensteuer'erklärung der Einbehalt der Abgeltungsteuer überprüft wird.

Das ist in den Fällen interessant, in denen Sie den Sparerpauschbetrag durch einen Freistellungsauftrag nicht oder nicht richtig gestellt haben.

Beispiel

S hat Konten bei der A und bei der B Bank. Er gibt einen Freistellungsauftrag nur bei der B Bank ab. Dort erzielt er Zinseinnahmen von 500 EUR. Die A Bank behält von dort erzielten Zinseinnahmen i. H. v. 600 EUR Abgeltungsteuer ein. S hat seinen Sparerpauschbetrag i. H. v. 301 EUR nicht ausgenutzt. Wenn er keinen Antrag stellt, verliert er bares Geld.

Beantragt er dagegen die Günstigerprüfung im Rahmen der Einkommensteuererklärung, erhält er 75,25 EUR (25 % von 301 EUR) zurück.

Tipp

In Fällen, in denen Sie die Veranlagungsoption oder die Günstigerprüfung nutzen wollen, müssen Sie dies unbedingt durch ein Kreuz in der Anlage KAP beantragen. Nur dann führt das Finanzamt die Prüfung durch!

Außerdem sollten Sie Ihren Steuerbescheid daraufhin besonders kontrollieren!

Verluste

Verluste aus den Einkünften, die der Abgeltungsteuer unterliegen, können nicht mit anderen positiven Einkünften verrechnet werden. Diese werden jedoch auf zukünftige Erträge vorgetragen.

Eine weitere Einschränkung gilt für Aktienveräußerungen:

Aktienveräußerungsverluste dürfen nur mit Aktienveräußerungsgewinnen ausgeglichen bzw. verrechnet werden (§ 20 Abs. 6 Satz 5 EStG).

Beispiel

A hat 2.000 EUR Zinserträge bezogen. Daneben hat er aus der Veräußerung von Aktien Gewinne i. H. v. 500 EUR und Verluste von 1.200 EUR erzielt.

Die Zinserträge unterliegen in vollem Umfang der Abgeltungsteuer. Die Aktienveräußerungsgewinne werden mit den -verlusten verrechnet. Der Restbetrag von 700 EUR wird vorgetragen auf das nächste Jahr.

Tipp

Nach dem Gesetzeswortlaut gilt die eingeschränkte Verlustverrechnung nur für Aktienveräußerungsverluste, nicht z. B. für Aktienfonds.

Wären die Verluste in obigem Beispiel durch die Veräußerung von Aktienfonds angefallen, hätte eine Verrechnung auch mit den Zinseinkünften stattfinden können, sodass insgesamt nur 1.300 EUR (2.000 + 500 – 1.200 EUR) der Abgeltungsteuer unterliegen würden.

Zu weiteren Einzelheiten lesen Sie in den Stichworten Kapitaleinkünfte und Spekulationsgeschäfte weiter.

Freistellungsauftrag

Der Einbehalt der Abgeltungsteuer kann durch Ihren Sparerpauschbetrag (Ledige 801 EUR bzw. Ehegatten 1.602 EUR) ganz oder teilweise verhindern werden.

Hierzu müssen Sie Ihrer Bank o. Ä. einen schriftlichen Freistellungsauftrag erteilen. Dieser muss dem amtlichen Muster entsprechen; das Kreditinstitut hat entsprechende Formblätter.

Liegt ein Freistellungsauftrag vor, so braucht das Kreditinstitut den Zinsabschlag nicht vorzunehmen.

Tipp

Der Freistellungsauftrag kann nicht auf einzelne Konten oder Depots einer Bank beschränkt werden. Er gilt somit immer für alle Konten und Depots dieser Bank!

Sie dürfen Freistellungsaufträge mehrfach und an mehrere Kreditinstitute erteilen. Insgesamt dürfen die Grenzen von 801 EUR/1.602 EUR durch die Freistellungsaufträge nicht überschritten werden.

Tipp

Es ist noch wichtiger als bisher, dass Sie den Freistellungsauftrag richtig platzieren!

Nutzen Sie den Höchstbetrag nicht in voller Höhe aus, obwohl Ihre Einkünfte, die der Abgeltungsteuer unterliegen, höher sind, müssen Sie besonders aufpassen, damit Sie kein Geld verlieren!

Lesen Sie unter 4. Veranlagungsoption nach.

Kirchensteuerpflicht

Sind Sie kirchensteuerpflichtig, können Sie Ihre Bank beauftragen, auch die Kirchensteuer im Rahmen der Abgeltungsteuer einzubehalten. Dadurch ermäßigt sich die Abgeltungsteuer um 25 % der auf die Kapitalerträge entfallenden Kirchensteuer.

Die Steuer berechnet sich nach folgender Formel:

 Einkommen – (anr. ausl. Steuern × 4) 4 + Kirchensteuersatz

Beispiel

A erzielt bei der B-Bank Zinserträge von 1.000 EUR. Ein Freistellungsauftrag besteht nicht. Der Kirchensteuersatz beträgt 9 %.

Die Einkommensteuer für die Kapitalerträge beträgt 244,50 EUR (1.000/4,09). An Kirchensteuer werden 22 EUR (9 % von 244,50 EUR) einbehalten.

Wird der Kirchensteuerabzug nicht durch das Kreditinstitut vorgenommen, müssen die Kapitalerträge im Rahmen der Einkommensteuererklärung (nur für Zwecke der Kirchensteuerberechnung) erklärt werden. Dazu werden die Banken entsprechende Bescheinigungen erstellen.

Nichtveranlagungsbescheinigung

Auf besonderen Antrag bescheinigt Ihnen das Finanzamt, dass Ihr Einkommen nicht zu einer Steuerpflicht führt und dass Sie nicht zur Einkommensteuer veranlagt werden (Nichtveranlagungsbescheinigung oder NV-Bescheinigung). Die Bescheinigung wird widerruflich für drei Jahre ausgestellt.

Sie kann auch kürzer befristet werden, wenn Anzeichen dafür vorliegen, dass sich Ihre Einkünfte künftig erhöhen werden, z. B. wegen Beendigung der Schul- oder Hochschulausbildung. Eine NV-Bescheinigung wird nicht erteilt, wenn Sie voraussichtlich zur Einkommensteuer veranlagt werden und die Veranlagung zur Festsetzung einer Steuer führt.

Bei Vorlage einer NV-Bescheinigung können die Kreditinstitute von der Erhebung des Zinsabschlags absehen (§ 44a EStG). Seit Einführung des Zinsabschlags ist die NV-Bescheinigung für Schüler, Studenten, Rentner und Pensionäre von Bedeutung.

Während ein Freistellungsauftrag nur bis zur Höhe der Freibeträge von 801 EUR bzw. 1.602 EUR gilt, entfällt der Zinsabschlag bei Vorlage einer Freistellungsbescheinigung für sämtliche Kapitaleinkünfte.

Abschreibungen/Anschaffungs- und Herstellungskosten

Wenn Sie Gegenstände i. Z. m. Ihrer Arbeitnehmertätigkeit (z. B. beruflich genutzter Computer) oder mit Ihrem vermieteten Grundstück (z. B. Mietwohngrundstück, Rasenmäher) erwerben oder herstellen, sind die Aufwendungen im Wege der Abschreibung (siehe auch Abschreibungen/Gebäude) steuerlich abzugsfähig. Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Abschreibungen sind die Anschaffungs-/Herstellungskosten des Wirtschaftsguts.

§§ 9, 7 EStG, R 7.3 EStR.

Erwerb eines Wirtschaftsguts

Begriff „Anschaffungskosten“

Zu den Anschaffungskosten eines fertigen Wirtschaftsguts rechnen alle Aufwendungen, die geleistet werden müssen, um es zu erwerben (Kaufpreis Nebenkosten) und in einen dem angestrebten Zweck entsprechenden Zustand zu versetzen (z. B. Montagekosten).

Soweit Skonto oder ein Bonus gewährt wird, reduzieren sich die Anschaffungskosten (Ak). Gleiches gilt für Umsatzsteuerbeträge, die Sie z. B. i. Z. m. einer umsatzsteuerpflichtigen Vermietung eines Gebäudes als Vorsteuer vom Finanzamt erstattet bekommen.

Unbebaute Grundstücke

  • Kaufpreis,

  • Nebenkosten (z. B. Maklergebühren, Grunderwerbsteuer, Notarkosten für die Beurkundung des Kaufvertrags, für die Eintragung einer Auflassungsvormerkung und für die Auflassung, Vermessungskosten),

  • Straßenanlieger- und Erschließungsbeiträge nach dem Baugesetzbuch,

  • Beiträge zur Herstellung, Anschaffung und Erweiterung öffentlicher Anlagen nach den Kommunalabgabengesetzen der Bundesländer,

  • Kanalbaubeiträge, Kanalanschlussgebühren für den erstmaligen Anschluss an die Abwasseranlagen,

  • Beiträge für außerhalb des Grundstücks befindliche Anlagen zur Versorgung mit Elektrizität, Gas, Wasser und Wärme,

  • Aufwendungen für das Planieren eines unebenen Geländes,

  • Zahlungen an den Grundstücksnachbarn für dessen Zustimmung zur Grenzbebauung (sofern das Recht auch bei einem Abbruch des Gebäudes erhalten bleibt) oder für ein Zufahrtsrecht.

Gebäude/Eigentumswohnungen

Der „Grund und Boden“ und das „Gebäude“ sind aus steuerlicher Sicht getrennt zu sehen. Dies erfordert beim Kauf eines bebauten Grundstücks, dass die Anschaffungskosten aufgeteilt werden.

Die Aufteilung der Ak (inkl. Nebenkosten) erfolgt im Verhältnis der Verkehrswerte von Grund und Boden und Gebäude. Sie wird i. d. R. vom Finanzamt im Rahmen der Bearbeitung der Steuererklärung überprüft.

Tipp

Die Ak des Grund und Bodens wirken sich nicht auf die Abschreibung aus. Überprüfen Sie daher die Aufteilung des Finanzamts genau. Ermitteln Sie bei Ihrer Kreis-/Stadtverwaltung die Grundstückspreise und überprüfen Sie, ob das Finanzamt hierauf einen „Bebauungsabschlag“ (ca. bis zu 30 %) vorgenommen hat.

Im notariellen Kaufvertrag sollte der Kaufpreisanteil des Gebäudes und des Grund und Bodens betragsmäßig genannt werden. Soweit die Aufteilung plausibel ist, wird diese anerkannt.

Wird beim Kauf einer Eigentumswohnung die anteilige Instandhaltungsrücklage ohne eine gesonderte Zuzahlung übernommen, muss darauf geachtet werden, dass die Grunderwerbsteuer nur vom Kaufpreis abzüglich eines Rücklagenbetrags berechnet werden darf.

Aufwendungen für die Eintragung von Grundschulden rechnen zu den Finanzierungskosten.

Tipp

Häufig wird das vorhandene Inventar (z. B. die Küche) übernommen. Wenn Sie im Kaufvertrag festhalten, welcher Teil des Gesamtkaufpreises hierauf entfällt, sparen Sie einen Teil der Grunderwerbsteuer.

Bei vermieteten Objekten sind die Anschaffungskosten des gebraucht erworbenen Inventars i. d. R. auf fünf Jahre verteilt abschreibbar.

Haben Sie ein Grundstück im Wege der vorweggenommenen Erbfolge oder i. Z. m. einer Erbauseinandersetzung erworben, liegt beim Alleinerben regelmäßig ein unentgeltlicher Erwerb vor.

Besonderheiten bei Grundstücken und Gebäuden

Tipp

Aufwendungen für die Ablösung von Erbbaurechten sind Herstellungskosten des nach dem Abriss der vorhandenen Bebauung anschließend auf dem Grundstück neu errichteten Gebäudes.

BFH v. 13.12.2005, IX R 24/03.

Tipp

Wenn Sie ein Gebäude innerhalb von drei Jahren nach dem Erwerb abbrechen, unterstellt das Finanzamt einen Erwerb mit Abbruchabsicht. Dies hat zur Folge, dass der noch nicht abgeschriebene Teil der Gebäudeanschaffungskosten (+ Abbruchkosten) als Herstellungskosten des Neubaus gilt.

Kaufen Sie ein Grundstück mit einem wertlosen Gebäude (Bauruine), stellen die gesamten Aufwendungen Anschaffungskosten des Grund und Bodens dar.

Tipp

Beachten Sie auch die Ausführungen unter Reparaturen (insbes. Modernisierungskosten nach Kauf)!

Erwerb sonstiger Wirtschaftsgüter

Wenn ein Arbeitnehmer ein Arbeitsmittel (z. B. einen Computer) erwirbt, wirken sich dessen Ak über die Abschreibung als Werbungskosten aus. In gleicher Weise betrifft dies den Vermieter eines Gebäudes/einer Eigentumswohnung. Die Ak für einen Rasenmäher, eine Einbauküche (mit Ausnahme der Kosten für Spüle und Herd – diese rechnen zum Gebäude und sind mit diesem abzuschreiben) oder für Einbaumöbel sind im Wege der Abschreibung steuerlich absetzbar. Die Kosten für eine Einbauküche bzw. für Einbaumöbel werden i. d. R. auf einen Zeitraum von zehn Jahren verteilt abgeschrieben.

Herstellung eines Wirtschaftsguts

Begriff „Herstellungskosten“

Herstellungskosten (Hk) liegen vor, wenn Sie selbst ein Wirtschaftsgut herstellen bzw. ein solches für sich herstellen lassen (z. B. Gebäudeerstellung als Bauherr). Dabei rechnen sämtliche Aufwendungen, die anlässlich der Herstellung eines Wirtschaftsguts, durch den Verbrauch von Gütern (z. B. Baumaterial) oder durch die Inanspruchnahme von Diensten (z. B. von einem Architekten, von Handwerkern) anfallen, zu dessen Hk.

Soweit Skonto oder ein Bonus gewährt wird, reduzieren sich die Hk. Gleiches gilt für Umsatzsteuerbeträge, die Sie z. B. i. Z. m. einer umsatzsteuerpflichtigen Vermietung eines Gebäudes als Vorsteuer vom Finanzamt erstattet bekommen.

Planung/Herstellung

Kosten für den Aushub der Baugrube, Kosten des Rohbaus, Kosten der Sanitär-, Elektro- und Heizungsinstallation, Aufwendungen für Fenster, Türen, Dach, Fliesen, Verputzarbeiten, Tapeten, fest verklebte Teppich- und Holzböden, Architektenhonorar, Aufwendungen für den Statiker, Aufwendungen für die Erstellung der Garage(n), Mehrkosten für den behindertengerechten Ausbau (Einbau eines Fahrstuhls, Einbau breiterer Türen, großes Bad, überfahrbare Schwellen, …) etc.

Gebühren etc.

Kosten der Baugenehmigung, Anschlusskosten an die Strom-, Gas-, Elektrizitäts- und Wasserversorgung, Ablösezahlungen an die Gemeinde i. Z. m. der Verpflichtung zum Bau von Kfz-Stellplätzen etc.

Garten

Aufwendungen für die Gartenanlage (Grundstücksumzäunung, Terrasse, Bepflanzung, Gartenwege) sind als eigenständiges Wirtschaftsgut zu behandeln (Abschreibung i. d. R, auf zehn Jahre verteilt). Die Kosten einer Markise gehören zum Gebäude.

Eigenleistungen

Aufwendungen für Baumaschinen (Betonmischer, Bohrmaschine, Kreissäge, …) und Werkzeuge (Wasserwaage, Hammer, …) etc.

Der Wert der eigenen Arbeitsleistung gehört nicht zu den Hk.

Sonstiges

Kosten des Richtfests, Kosten des Anschlusses an das Breitbandkabel, Fahrtkosten zur Baustelle, zu den Handwerkern und zum Architekten, Anwalts- und Prozesskosten i. Z. m. Baueinwendungen und bei Streitigkeiten mit Bauhandwerkern etc., Kosten der Hangabtragung, Kosten des Einbaus einer Alarmanlage, Baukosten einer Hochwasserschutzmauer, Kosten für die Verpflegung der Handwerker.

Die Beiträge zur Bauwesen- und Bauherrenhaftpflichtversicherung gehören bei vermieteten Objekten zu den Werbungskosten. Bei eigengenutzten Wohnobjekten ist ein Abzug nicht möglich. Finanzierungskosten (Zinsen, Damnum, Notargebühren für die Eintragung einer Grundschuld) rechnen nicht zu den Herstellungskosten (siehe auch Finanzierungskosten).

Von den Aufwendungen für eine Einbauküche rechnet der auf die Spüle und den Herd (soweit sie nach der regionalen Verkehrsauffassung zum Gebäude gehören) entfallende Teil zu den Gebäudeherstellungskosten.

Tipp

Soweit Sie i. Z. m. Baumaßnahmen eine Investitionszulage erhalten haben, ist diese steuerfrei und darf zu keiner Kürzung der Aufwendungen führen.

Baumaßnahmen nach Erwerb/Fertigstellung

Tipp

Soweit es sich dabei um Reparaturen handelt, sind die Aufwendungen im Jahr der Zahlung abzugsfähig.

Wird z. B. angebaut, aufgestockt oder das Dachgeschoss ausgebaut, liegen i. d. R. nachträgliche Herstellungskosten vor (zur Abgrenzung siehe auch Reparaturen). Diese führen bei vermieteten Objekten zu einer Erhöhung der Abschreibungsbeträge (siehe auch Abschreibungen/Gebäude). Bei eigengenutzten Wohnungen erhöht sich ggf. die Eigenheimzulage.

Erschließungs-/Anschlusskosten

Zu den Herstellungs-/Anschaffungskosten des Gebäudes zählen:

  • Anschlusskosten für das Kabelfernsehen beim Hausbau,

  • Anschlusskosten an die Strom-, Wasser-, Gas- und Wärmeversorgung,

  • Beiträge an die Gemeinde zur Errichtung eines Kinderspielplatzes,

  • Kanalanschlussgebühren, Kosten für die Abwasserbeseitigungsanlage i. Z. m. dem Hausbau bis zur Grundstücksgrenze,

  • Zahlungen an die Gemeinde zur Ablösung der Verpflichtung zum Bau von Garagen und Pkw-Stellplätzen.

Diese gehen damit in die Abschreibung ein.

Zu den Anschaffungskosten des Grund und Bodens (keine Abschreibung) gehören:

  • erstmalige Erschließungsbeiträge nach dem Bundesbaugesetz,

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