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So funktioniert der Geldmarkt

Vorwort

Tagtäglich beschäftigen wir uns mit Geld. Wir verdienen es, kaufen damit ein, wir legen es an und sparen es. Wir machen uns Gedanken, wie wir noch mehr bekommen können und ob wir im Alter noch genug davon haben. Wir hören in den Nachrichten Neues zur Geldpolitik der Europäischen Zentralbank und sehen Staaten in Finanzkrisen stürzen.

Nur wenige von uns wissen bei all dem genau, warum es Geld und die verschiedenen Währungen eigentlich gibt, woher das Geld stammt, wer darüber bestimmt und wie es die Welt beeinflusst. Kein Wunder, denn obwohl wir tagtäglich mit Geld konfrontiert sind, stehen hinter dem gesamten Geldwesen äußerst komplexe volkswirtschaftliche Zusammenhänge.

Dieser TaschenGuide gibt Antworten auf die Fragen. Er erklärt den Geldmarkt und die Geldpolitik, die dahinter steht. Er veranschaulicht die wichtige Rolle der Europäischen Zentralbank und die Funktion des Euro. Er macht deutlich, wie sich die Politik der Banken auf unser Hab und Gut auswirkt und wie wir dieses vor Finanzkrisen schützen können.

Viel Spaß bei der Lektüre und einen persönlichen Nutzen wünscht Ihnen

Manfred Weber

Money makes the world go round …

Geld bestimmt ganz wesentlich die Geschicke dieser Welt und des Einzelnen.

In diesem Kapitel erfahren Sie,

  • warum es ohne Geld nicht geht,

  • wieso Geld nicht gleich Geld ist,

  • welche Rolle Geldmengen spielen,

  • warum es Währungen und den Euro gibt.

Warum es ohne Geld nicht geht

Eine Volkswirtschaft, zu der jeder etwas anderes beiträgt, benötigt ein allgemein akzeptiertes Tauschmittel. Es muss gut teilbar sein, damit es mühelos gegen andere Güter eingetauscht werden kann. Geld ist ein solches neutrales und überall einsetzbares Tausch- und Zahlungsmittel, das für uns schon seit langem völlig selbstverständlich geworden ist. Das war jedoch nicht immer so: Eine Vorstufe des Geldes waren allgemein begehrte Güter wie bestimmte Edelsteine und Gold.

Das Wesen des Geldes lässt sich anhand seiner Funktionen beschreiben:

  • Tausch- und Zahlungsmittel: Geld begegnet uns bei allen Geschäften des täglichen Lebens, wie z. B. dem Kauf von Brötchen. Der Besitzer von Geld kann damit die von ihm gewünschten Güter und Dienstleistungen kaufen.

  • Recheneinheit oder Wertmaßstab: Dies bedeutet, dass z. B. in Euro gerechnet wird. Der Wert von Gütern kann in Geldeinheiten ausgedrückt werden; ein Preisvergleich von Gut A mit Gut B ist so möglich. Auch andere Leistungen von Unternehmen können mit diesem Wertmaßstab beurteilt werden. Geldpreise bilden die Grundlage für die Erstellung von Bilanzen und anderen betriebs- und volkswirtschaftlichen Berechnungen.

  • Wertaufbewahrungsmittel: In dieser dritten Funktion zeigt sich der Vermögenscharakter des Geldes. Hier spielt Vertrauen eine große Rolle. Menschen, die ihre Ersparnisse in Geld anlegen wollen, müssen davon überzeugt sein, dass es seinen Wert behält. Fehlt dieses Grundvertrauen, so kann dies Zukunftsängste auslösen.

Geld ist nicht gleich Geld

Per Gesetz festgelegtes Zahlungsmittel in den Euroländern sind die von der Europäischen Zentralbank gedruckten und in Umlauf gebrachten, auf Euro lautenden Banknoten. Die Euro- Münzen werden dagegen in Abstimmung mit der Europäischen Zentralbank in den einzelnen Mitgliedsländern geprägt.

Das Bargeld

Die Europäische Zentralbank gibt im Auftrag der Euro-Mitgliedsstaaten die Euro-Banknoten heraus. Zusammen mit den Euro-Münzen bilden sie das Bargeld des Euro.

Das Buchgeld

Neben dem Bargeld gibt es das Buchgeld. Buchgeld entsteht durch Bargeld-Einzahlungen oder Überweisungen der Kunden oder durch Kreditgewährung seitens der Geschäftsbanken. Zum Buchgeld zählen die so genannten Sichteinlagen, die jederzeit verfügbar auf dem Bankkonto zur Verfügung stehen. Nicht dazu zählen dagegen Spareinlagen, die nicht zur Zahlung eingesetzt werden dürfen. Beim bargeldlosen Zahlungsverkehr wird Buchgeld von Konto zu Konto übertragen. Auf dem Empfängerkonto erfolgt eine Gutschrift. Das Konto des Zahlenden wird mit einer Lastschrift belastet.

Eine moderne Volkswirtschaft ist eine Geld- und Kreditwirtschaft. Das Verhältnis von Bargeld zu Buchgeld hat sich immer mehr zugunsten des Buchgeldes verschoben. Der Buchgeldbestand ist heute um ein Vielfaches größer als die Bargeldsumme, und diese Schere öffnet sich immer weiter. Die Buchgeldschöpfung ist für die Banken ein sehr einträgliches Geschäft (siehe hierzu auch das Kapitel „Die Geldschöpfung der Geschäftsbanken“).

Jede Menge Geld: die Geldmengen M1, M2 und M3

Die Geldmenge ist der gesamte Geldbestand, der einer Volkswirtschaft zur Verfügung steht. Der Umfang einer Geldmenge wird von den jeweiligen Zentralbanken – in der Eurozone ist dies die Europäische Zentralbank – beobachtet und auch beeinflusst. Warum das wichtig ist, lesen Sie im Kapitel „Die Geldpolitik der EZB“.

Um das Geldmengenwachstum genau messen zu können, gibt es verschiedene Geldmengentypen. Nach dem Grad der Verfügbarkeit des angelegten Geldes werden die Geldmengen M1, M2 und M3 unterschieden. Das Bargeld und die Sichteinlagen bei Banken, die in der Geldmenge M1 erfasst werden, stehen unmittelbar für die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen zur Verfügung. M1 beschreibt also die reale Geldmenge mit der höchsten Liquidität und der größten Umlaufgeschwindigkeit. Sie ist ein wichtiger Indikator für die Konjunktur.

Die verschiedenen Geldmengen und ihre Bestandteile nach Definition der Europäischen Zentralbank
M1 M2 M3
Bargeld Geldmenge M1 Geldmenge M2
+ Sichteinlagen + Termineinlagen unter 2 Jahren Laufzeit + Geldmarktfondsanteile
+ Spareinlagen mit 3-monatiger Kündigungsfrist + Geldmarktpapiere

Bei der Geldmenge M2 kommen gegenüber M1 hinzu:

  • Termineinlagen mit einer vereinbarten Laufzeit bis zu zwei Jahren

  • Spareinlagen mit einer Kündigungsfrist bis zu drei Monaten.

Termineinlagen und Sparkonten sind keine direkten Zahlungsmittel. Mit ihnen kann man daher zwar keine Güter kaufen, aber sie lassen sich leicht in Zahlungsmittel umwandeln.

Die Geldmenge M3 ist das Geldvolumen in seiner weitesten Abgrenzung. Neben der Geldmenge M2 umfasst es marktfähige Wertpapiere wie Geldmarktfonds und Geldmarktpapiere, einschließlich Schuldverschreibungen mit bis zu zwei Jahren Laufzeit.

Gebundene und freie Währungen

Als Währung bezeichnet man das in einem Land anerkannte Zahlungsmittel. Derzeit gibt es auf der Welt an die 160 unterschiedlichen Währungen. Die Währungsordnung bestimmt die Rechen- oder Geldeinheit und sie legt fest, wer die Ausgabeberechtigung für das gesetzliche Zahlungsmittel, die so genannte Banknoten- und Münzhoheit, hat.

Wichtig

Während die Inflationsrate den Wert des Geldes innerhalb eines Landes ausdrückt, ist der Wechselkurs der Außenwert einer Währung, z. B. des Euro gegenüber dem US-Dollar. Der Wechselkurs des Euro wird in der Mengennotierung angegeben, z. B. 1,24 US-Dollar = 1 Euro.

Sichere Sache: der Goldstandard

Wenn für das in einer Volkswirtschaft umlaufende Papiergeld Gold hinterlegt ist, dann spricht man vom Goldstandard. In diesem System ist das Geld ganz oder zu einem festen Prozentsatz durch Edelmetall gedeckt. Zwischen Geldmenge und Goldreserven besteht dann ein gewisses festes Verhältnis. Vor 1914 war der US-Dollar zu 40 % mit Gold hinterlegt, Deutschland kam mit der Mark auf eine Golddeckung von einem Drittel.

In einem durch Gold hinterlegten Geldsystem ist eine Ausweitung des Geldvolumens nur bei einer entsprechenden Steigerung der Goldmenge möglich, da hier eine Umtauschpflicht von Geld in Gold besteht. Der Geldwert bleibt so im Goldstandard stabil.

Die Weltwährungsordnung der Nachkriegszeit kam 1944 durch das Abkommen von Bretton-Woods zustande. Die Notenbankchefs und Finanzminister von über 40 Ländern einigten sich auf die Anbindung ihrer Währungen an den US-Dollar, dessen Wert mit Gold hinterlegt war. Die teilnehmenden Länder konnten ihre Währungsreserven zu ihrem jeweiligen festen Wechselkurs in Gold eintauschen. Der US-Dollar entwickelte sich so zur Reservewährung der Welt. Durch die Eintauschpflicht zu einem festen Goldpreis war seine Sicherheit gewährleistet, und die einzelnen Länder konnten ihre Währungsreserven in Dollar verzinst anlegen.

Die Golddeckung verlor jedoch ihre Glaubwürdigkeit, als die USA insbesondere zur Finanzierung des Vietnamkriegs plötzlich viel mehr Dollar in Umlauf brachten. Als Frankreich dann die Einlösung von Dollarbeständen in Gold verlangte, widerrief die US-Regierung 1971 das Goldeinlösungsversprechen, was das Ende des Währungssystems von Bretton-Woods bedeutete. Es folgten flexible Wechselkurse.

Wichtig

Der Goldstandard beruht auf den beschränkten Goldvorkommen. Er begrenzt daher sowohl die Ausweitung der Geldmenge als auch das Wirtschaftswachstum.

Ohne Deckung: die freien Währungen

Keine Deckungsvorschriften bestehen dagegen bei freien Währungen. Der Geldumlauf wird hier nicht durch ein bestimmtes Metall oder Devisen begrenzt. Euro, US-Dollar, Yen, Pfund oder Franken sind heute durch nichts gedeckt.

Die Knappheit des Geldes ist in einem solchen System aber von der Zentralbank zu gewährleisten. Sie sorgt dafür, dass das Verhältnis der Geldmenge zur Gütermenge gewahrt bleibt. Geschieht dies nicht, dann ist Geldentwertung die Folge (siehe hierzu näher das Kapitel „Wenn Geld nicht mehr stabil ist“).

Nach Jahrzehnten des Papiergeldes und angesichts der heutigen Geldmengen ist eine Rückkehr zum Goldstandard ausgeschlossen. Geldmengen und vorhandene Goldmengen passen in der modernen Zeit nicht mehr zusammen. Gold ist ein begrenztes Edelmetall, dessen Preis unter einem Goldstandard unrealistische Höhen erreichen würde.

Warum es den Euro gibt

Nach dem Zweiten Weltkrieg förderte der neu gegründete Europarat die wirtschaftliche, politische und kulturelle Zusammenarbeit in Europa. Es folgte die Bildung der deutsch-französischen Montanunion, deren Väter Jean Monet und Robert Schuman waren. Die Römischen Verträge von 1957 sahen eine Wirtschafts- und Zollunion in Europa vor. Aus der Montanunion der Kohle- und Stahlindustrie entstand im Verlauf vieler Jahre die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG). Diese bildete die Grundlage für die Europäische Union (EU) und den gemeinsamen Binnenmarkt. Er galt und gilt als großer Erfolg, weil er einen freien wirtschaftlichen Austausch zwischen Staaten mit unterschiedlichen Traditionen, Sprachen und Konventionen ermöglicht.

Als weitere Integrationsstufe schufen Bundeskanzler Helmut Schmidt und der französische Staatspräsident Giscard d’Estaing 1979 das Europäische Währungssystem EWS. Dieser Währungsverbund mit festen Wechselkursen verwendete als Verrechnungseinheit den ECU (European Currency Unit). Als Bargeld gab es den ECU nicht. Im Vertrag von Maastricht wurde 1992 schließlich die Einführung des Euro als Gemeinschaftswährung beschlossen. Die Idee dahinter war, den Handel in Europa zu erleichtern. Anfang 1999 wurde der Euro in Deutschland und in zehn anderen Ländern als Buchgeld eingeführt. 2002 wurden die auf Euro lautenden Banknoten und Münzen ausgegeben. Mittlerweile haben 17 Länder den Euro, darunter alle sechs Gründungsmitglieder der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG), der Vorläuferin der ...

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