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So Gott,

Ma Delia

So Gott,

ich schreibe dir


Wörter: 23262


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

So Gott, ich schreibe dir

Vorwort

 

 

Es ist kein Roman,

keine Geschichte,

kein Gedicht,

auch kein Tagebuch,

was ich schreibe hier,

sondern ein Stück Seele, gebracht zu Papier,

gespiegelt im Bewusstsein von mir,

um dir zu zeigen, wer sind wir!

 

Deine Kati

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

01.Januar

So Gott,

ein weiteres Jahr ist nun vorüber und ein Neues nimmt einfach so seinen Lauf. Doch der Jahreswechsel hat mich einen Moment innehalten lassen, mich sehr nachdenklich gemacht, und mich auch ein wenig melancholisch gestimmt.

Und so sitze ich nun hier, und schreibe ausgerechnet dir!

Doch wo soll ich anfangen, wie beginnen?

Mit den Worten, die mein Leben tragen, es begleiten, es verraten?

Oder mit den Sehnsüchten, den Wünschen,

die da schlummern tief in mir,

unerfüllt, und ratlos wie ein verletztes Tier?

Egal!

Hoffnungslos scheint mir die Lage, vergessen sind die bunten Tage.

Ich habe den Sinn des Lebens bislang nicht gefunden,

fühle mich von eben diesem sogar abgebunden.

So streife ich durch vermeidlich leere Gassen,

sehe Menschen ohne Namen, nicht zu fassen.

Begreife nicht was geschieht in dieser Welt,

unendlich kompliziert scheint mir das Lebenszelt.

Ich wollte was erreichen, ein Leben führen ohne gleichen,

doch bin ich in der Realität gelandet,

in der der Wal aus Kummer strandet.

Meere ausgebeutet und vergiftet,

Landstriche verwüstet, benutzt, verlassen,

der Schönheit keinen Raum gelassen.

Tierarten drohen auszusterben,

daneben führen Massentierhaltungen ins Verderben.

Hungersnöte, Krankheiten, Seuchen, wer kann das verscheuchen?

Ein Kampf ums Überleben, haben wir denn nichts zu geben?

Kriege um nichts, der Schrei nach Freiheit.

Angst ohne Verzeihen, dafür sterben.

Ja das, ja das, verstehe ich alles nicht,

wo in dieser Welt steckt dein Gesicht?

Was denkst du wenn du das hier siehst,

hast du die Menschen überhaupt noch lieb?

Ich für meinen Teil - ich nicht!

 

Kati

 

03.Januar

So Gott,

nach dem Prinzip der guten Vorsätze zum Neujahrsstart habe ich beschlossen dir weiterhin zu schreiben, und immer wenn ich dir jetzt schreibe, werde ich am Ende einen Wunsch äußern. Es wird nichts Großes sein, vielleicht nicht einmal etwas Konkretes. Nur der Ruf nach Hilfe wird es sein, denn ich habe des Weiteren beschlossen dieses Jahr einen neuen Weg zu gehen:

Den Weg zu mir, zu meinem Herzen,

hoffentlich Freiheit ohne Schmerzen.

 

Das wünsche ich mir.

Kati

 

 

 

04.Januar

So Gott,

ich werde nicht länger versuchen die Welt dort draußen zu retten, mich um sie zu drehen, es war vergebens. Ich werde mich nicht länger mit dem Beurteilen anderer beschäftigen, es steht mir nicht zu.

Auch werde ich nicht länger nach dir Ausschau halten, denn ich suche dich bereits seit Jahre.

Erst ohne es zu wissen,

dann wissend,

mal mehr Mal weniger verzweifelt,

aber immer, immer ohne Erfolg!

 

Ich suchte dich zum Beispiel in den Zahlen,

im mathematischen Rahmen.

Steckst du vielleicht in der Zwei, oder verweilst du in der Drei.

Zu einfach erschien das mir, suchte weiter in der Vier.

Die 108 soll heilig sein, sie lässt sich außerdem durch Drei teilen.

Aber ist das der Beweis, den wir brauchen,

um in deine Welt ab zu tauchen?

Auch die Sieben nimmt sich ihren Raum,

die Dreizehn etwa ein Alptraum?

 

Ich suchte dich in der Wissenschaft,

einer meiner Leidenschaft!

Auch forschen sie meiner Meinung nach hier, alle nur nach dir.

Und so warte ich auf den Tag, wo die Wissenschaftler verkünden,

wir haben Gott gefunden.

Er steckt im Kleinen und im Großen,

ist bis in die Unendlichkeit vorgestoßen.

Sichtbar machen können wir ihn leider nicht,

doch in allem und jeden steckt ein Licht,

was da scheint Jenseits von Raum und Zeit,

von weltlichen Dingen ganz befreit.

Glauben müssen wir dann zwar erneut,

doch es den ein oder anderen vielleicht erfreut.

 

Ich suchte dich in den Religionen:

In und zwischen den Gebeten, in und neben Gotteshäusern, in und außerhalb von heiligen Schriften.

Verzettelt habe mich auf diesen Weg,

lief umher auf breiten Steg,

im Kreis herum, das Ufer immer fern,

hätte ich doch geglaubt so gern.

 

Ich suchte dich in den Spekulationen.

Das Ergebnis war das gleiche,

Gott blieb das Unerreichte.

 

Ich suchte dich in der Gesellschaft:

Sprach mit Fremden, mit Vertrauten, mit anderen die lieber rauchten,

sie alle konnten mir nicht helfen,

weiterhin Trennung von dir und den Selben.

 

Am Ende suchte ich dich noch in den Kindern,

sie schienen den Schmerz der Trennung ein wenig zu lindern.

Hier da warst du mir am nächsten.

Im verspielten Spiel mit ihnen, wenn uns flüsterten zu die Bienen,

dann, ja dann, erahnte ich, wo es geben könnte dich.

 

Doch habe ich dich nie wirklich gefunden,

habe die Grenzen zu dir nie überwunden.

 

Und so bleibt, nach all den Enttäuschungen,

der Weg nach Innen zu mir,

und eine kleine Hoffnung spricht, vielleicht begegne ich auch dir.

 

Mein Wunsch: Lass mich diesen Weg zu mir selbst nun beschreiten.

 

Kati

 

 

05. Januar

So Gott,

zwei Teile verweilen zu gleicher Maßen tief in mir.

Verzweiflung und Hoffnung.

Verzweiflung über das jetzt, über das was war, über die Zukunft?

Die Verzweiflung zieht mich zusammen. Ich verschließe mich, will mich in ihr ruhen.

Halte inne, verweile, weine, schöpfe Hoffnung,

lasse sie fallen, weine, verweile.

Worüber ich hier weinen muss, ich kann es gar nicht sagen,

der Kummer dieser Welt, er scheint mich einzugraben.

Nicht in der Lage auszubrechen, gebe ich mich ihm hin,

traurig frage ich wiederum, was ist denn nun der Lebenssinn?

Halte inne, verweile, weine, schöpfe Hoffnung,

lasse sie fallen, weine, verweile.

Die Antwort lässt erneut auf sich warten,

mit wem soll ich mich nur beraten.

Menschen in der Ferne, unerreichbar sind die Sterne.

Halte inne, verweile, weine, schöpfe Hoffnung,

lasse sie fallen, weine, verweile.

Trost in dieser dunklen Nacht,

verspricht der Fernseher, der eben lacht,

will mich ablenken, mir was vom Leben zeigen,

Schauspiel, Schauspiel lass es bleiben.

Halte inne, verweile, weine, schöpfe Hoffnung,

lasse sie fallen, weine, verweile.

Wann ergreift mich der Mut,

endlich aufzustehen und mich zu bekennen zu dem Gut,

was da schlummert drin in jedem,

Liebe für sich selbst und andere zu geben.

Halte inne, verweile, weine, schöpfe Hoffnung,

lasse sie fallen, weine, verweile.

Hoffnung auf eine bessere Zukunft im Einklang mit mir selbst,

den anderen, das Leben.

Hoffnung auf eine bessere Menschheit, eine gerechtere Welt,

in der die Toleranz übernimmt den Raum,

zwischen zwei fremden Menschen - nicht nur im Traum,

in dem zwei Herzen berühren sich, es werde Friede und auch Licht.

Halte inne, bange, hoffe, halte fest an ihr, kommst du mit mir?

Sind wir schon zwei auf diesen Weg?

Bereit das Ufer zu betreten,

neues zu erfahren, offen um Verzeihung beten?

Halte inne, bange, hoffe, halte fest an ihr, kommst du mit mir?

 

Bitte, begleite mich auf dem Weg.

 

Kati

 

 

06. Januar

So Gott,

der Weg nach Innen offenbart zuerst einmal das Offensichtliche, was schon in den vorigen Briefen angeklungen ist:

Ich bin einsam.

Weder ich noch andere können dies beeinflussen, denn es handelt sich um eine tiefe Einsamkeit, die jenseits von Kontakt mit meinen Mitmenschen steht bzw. gleich wie sehr, wie intensiv ich Beziehungen mit anderen Menschen eingehe, so bleibt doch dieses Gefühl des eigentlichen Alleinseins. Es ist als wenn mir etwas fehlt, was kein Mensch, mich eingeschlossen, mir zu geben vermag. Es ist als wenn eine mindestens drei Meter dicke unsichtbare Mauer mich von Allen trennt. Als wenn ich abgeschnitten bin vom Rest, was immer dieser Rest auch ist.

Geborgenheit und Schutz fallen mir noch zu diesem Thema ein. Der Wunsch wie ein Baby hilflos in den Armen der liebenden Mutter zu liegen.

Einfach dafür geliebt zu werden, dass ich bin.

Einfach angenommen werden, so wie ich bin.

 

Nur leider bin ich kein Kind mehr.

Was bleibt ist die Unendlichkeit der Einsamkeit.

Sie führt mich in eine Art Ohnmacht.

Ohnmächtig stehe ich diesem Leben gegenüber.

Keine Mutter, kein Kind.

Niemand!

 

Nur eines hält mich davon ab nicht in den Tiefen dieses Gefühls unterzugehen.

Permanente Ablenkung!

 

Ich wünsche mir, dass ich eine Seele treffe, die mich versteht und mich tröstet.

 

Kati

 

 

10. Januar

So Gott,

heute möchte dir einen kleinen Einblick in meine reale Situation geben, damit du mich und mein Innerstes vielleicht besser verstehen kannst:

Erstens lebe ich allein. Single-Dasein nennt man das hier und ist nichts Ungewöhnliches.

Zweitens arbeite ich fünf Tage die Woche, acht bis neun Stunden. Normal nennt man das hier.

Von meinem bisherigen Leben gibt es ansonsten nichts Spektakuläres zu berichten. Normal eben. Schule, Studium, fleißig, zielstrebig, ruhig, gewissenhaft, voller Visionen, die Welt zu verbessern und zu bereichern durch mein Tun.

Und jetzt? Jetzt sitze ich in einem Büro, pünktlich um 7.00 Uhr, vor einen langsamen, langweiligen Computer. Ich bin gekommen mit einem Sack voller Ideen, doch sie sind begraben im Alltag.

Die Struktur hat sie gefressen.

Und so kommt es mir vor, als wenn alles wirklich alles für umsonst war.

Es interessiert niemanden, ja wirklich niemanden, ob ich mich im Studium anstrengend habe, wofür ich brenne, was ich gelernt habe und was nicht, oder welche Ideen ich mitbringe. Das einzige was zählt ist, dass ich möglichst billig meine Arbeit mache und mich profiliere. Möglichst viel schaffe und dabei keine Fehler passieren. Natürlich soll ich so vorgehen, wie jene es vor mir schon getan haben. Gleich ob es sinnvoll ist oder nicht. Und irgendwann, wenn auch wirklich die letzte meiner Visionen in der Schublade gelandet ist, gibt es eventuell die Chance in der Hierarchie aufzusteigen und paradoxer Weise mehr ideenlosen Einfluss zu haben.

Für mich ist dies gar schwer zu verdauen,

muss scheinbar länger als andere darauf kauen.

Leider gehöre ich nicht zu den Menschen, die das einfach schlucken

und mit einem Lächeln darüber hinweg gucken.

Ich wirke angepasst, lächle zu jedem Spaß,

doch in mir mein Herz rast.

Nicht vor Freude oder Liebe gar,

nein vor Wut, die in mir brodelt da.

Ich habe gedacht, dass ich irgendwann Anerkennung bekomme, dass ich irgendwann nicht mehr die Studentin, die Praktikantin bin, sondern dass man Wert auf meine Meinung legt und meine Vorschläge diskutiert, und dass etwas von meinen Ideen tatsächlich umgesetzt wird.

Hallo! Ich habe etwas beizutragen, rufe ich ins Nichts, und mein Echo verhallt im Dunkeln der Unendlichkeit.

Das kann doch wirklich nicht alles sein, oder ist das eben normal?

Geht es nur mir so?

Komme ich einfach nur nicht klar?

Habe ich einfach nur Pech?

Oder geht es anderen auch so?

Und jeder leidet für sich,

fühlt sich unverstanden und irgendwie allein?

Die Fassade dabei immer aufrecht. Es ist alles in Ordnung.

Mir geht es gut.

 

Wunsch: Antworten

 

Kati

 

 

15. Januar

So Gott,

Angst ist ein weiteres Thema in meinem Leben, denn ich habe zum Beispiel Angst um meine Existenz. Nicht das es mir finanziell schlecht geht, oder sich gerade was Gravierendes geändert hat. Aber trotzdem habe ich diese Angst. Unterschwellig nagt sie an mir, und ab und zu erreicht sie meinen Kopf. Heute ist so ein Tag, an dem ich mich Frage, wo führt das alles hin. Finanzkrisen! Ein Wort dessen Ausmaße ich nicht kenne. Arbeitslosigkeit! Vielleicht trifft es ja auch mich. Und dann? Sozialer Abstieg! Die Wörter schnüren mir meine Kehle zu. Ich ringe um Vernunft. Ich habe einen relativ sicheren Arbeitsplatz, ich lebe in einem Industriestaat mit hoher sozialer Kompetenz. Es gibt viele, viele Menschen denen es schlechter geht.

Doch was wird die Zukunft bringen? Ist der Zenit nicht langsam überschritten? Es kann nur wieder schlechter werden. Ob meine Rente noch gesichert ist?

Die Angst einer Konsumgesellschaft, sie hat auch mich in ihren Fesseln. Treibt mich an, lässt mich diese Arbeit machen, die mir keinen Spaß macht, aber die sicher ist. Sie lässt mich neue Dinge kaufen, die ich nicht brauche, nur um im Trend der Zeit zu schwimmen.

Sie zieht mich runter, macht mir die Unbedeutend meiner selbst bewusst und lässt mich im Überfluss ums Überleben kämpfen!

 

Rette mich!

 

Kati

 

 

18. Januar

So Gott,

unerwartetes ist passiert. Entgegen meiner zurückhaltenden, eher schüchternen Art, die ich nach Außen an den Tag lege, habe ich in einem Moment des Ärgers endlich meine Wahrheit gegenüber meinem Chef ausgesprochen! Ja, ich habe ihm gesagt, wie ich das alles finde. Wie unsinnig, wie ungerecht, wie spießig, wie eingefahren. Ein Ausbruch der reinen angestauten Wut und Verzweiflung, verpackt in Vorwürfen und Beschuldigungen.

Die Fassade ist zusammengebrochen.

Ein Befreiungsschlag für meine Seele, ich kann wieder atmen. Der Auslöser - eine Kleinigkeit, das Drama dafür wie aus dem Bilderbuch. Sicher im Nachhinein ist es mir nun bis auf die Knochen peinlich. War das wirklich ich? Was denken nach dieser Gefühlsexplosion, der sonst so braven, disziplinierten nach fast zwei Jahren immer noch neuen Anfängerin jetzt die anderen? Auf jeden Fall kann ich nie wieder dorthin zurück, ich könnte allein die Blicke nicht ertragen. Aber das muss ich auch nicht, denn mein Chef hat mir fristlos gekündigt! Und ganz ehrlich, es ist eine Erleichterung. Das Problem ist nur, dass sich nun verstärkt die Existenzangst, von der ich dir schon berichtet habe, meldet.

 

Wunsch: Lass mich überleben.

 

Kati

 

 

19. Januar

So Gott,

die Angst sie scheint mich zu verfolgen.

Bettler steuern auf mich zu, das Radio gibt seinen Kommentar dazu.

Eltern und auch Freunde - alle gleich,

wissen nur, so wirst du nicht reich.

Sie scheinen noch mehr als ich in der Angst zu stecken,

trauen sich nicht ihren Kopf zu recken.

Wenn ich nur beginne,

dass ich am liebsten etwas Neues machen will,

dann schrecken sie hoch und ihr Herz steht für einen Moment still.

Sehen kann ich dies in ihrem Gesicht,

augenblicklich es in Zweifel bricht.

Und dann, dann geht die Leier los:

Was willst du machen bloß?

Warum willst du wagen diesen Vorstoß?

Wie willst du das schaffen?

Da musst du erst noch lernen, einiges raffen?

Du musst Menschen erst mal überzeugen von deinen Ideen?

Gar nicht so leicht, wie ich das sehe?

Wovon willst du leben?

Ich, ich kann dir kein Geld geben.

 

Es bleibt nur, mir selbst zu vertrauen,

muss auf eigenen Boden bauen.

Versuche auszugleichen, abzuwiegeln, mich von außen abzuriegeln.

S

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