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Sex, Amrum und der hilfsbereite Bauarbeiter

Sissi Kaipurgay

Sex, Amrum und der hilfsbereite Bauarbeiter

6. George und Angelo





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

George – an Schlaf ist nicht zu denken

George zog sich die Decke über die Ohren. Das konnte das dumpfe Wummern von nebenan jedoch nicht dämpfen, handelte es sich doch um Hammerschläge. Oder trieb der Typ von nebenan seine Freundin mit dem Kopf durch die Wand? Nein, mal im Ernst: es war eher das Bett, das gegen die Wand schlug. Die war zum Glück zu dick, um auch noch die Geräuschkulisse zu übertragen, die das eifrige Pärchen nebenan bei seiner Tätigkeit erzeugte.

Das Hämmern wurde schneller und George grinste nun doch, obwohl die Libido seines Nachbarn ihm den Schlaf raubte. In Gedanken entwarf er den Text zu den Geräuschen: Angelo, mein Hengst. Mach es mir. Das Hämmern steigerte sich zu einem wilden Crescendo, dann war abrupt Stille.

George lauschte noch ein wenig, aber kein Laut drang zu ihm. Nun, dann war Angelo wohl fertig. Zufrieden drehte er sich um und dachte an den merkwürdigen Nachbarn, der erst vor einem Monat die Wohnung neben ihm bezogen hatte. Er kannte den Namen nur vom Türschild, den Typen hatte er erst einmal kurz von hinten gesehen. Groß, schlank, blond.

Das genaue Gegenteil von George, der seinem Status als Bauarbeiter mehr als gerecht wurde. Mit seiner vierschrötigen Gestalt, der starken Brustbehaarung und den Muskeln hätte er bei jeder Cola Werbung mitmachen können.

Obwohl, dann hätte er sich die Brust rasieren müssen, und das widerstrebte ihm nun doch. Einmal hatte ein Lover ihn überredet sich zu rasieren, überall. Es hatte verteufelt gejuckt, als die Haare nachgewachsen waren. Nein, das würde George bestimmt nicht noch einmal auf sich nehmen, und wenn Brad Pitt ihn persönlich darum bitten würde. Obwohl...hm, für Brad würde er es schon tun. Allerdings für seinen Chef Brad, nicht für den Pitt.

Ach ja: George stand auf Männer. Für den Pitt würde er es auch tun, das Rasieren, entschied er, während er sich gähnend auf die andere Seite drehte und auf den Schlaf wartete. Jetzt, wo das Gehämmere endlich aufgehört hatte, erschien ihm die Stille in seiner Wohnung fast erdrückend. Seufzend warf George einen Blick auf die Uhr und entschied, dass er Schäfchen zählen musste. Bei Nummer hundertdreiundsiebzig sank er endlich in tiefen Schlaf.

 

Der Wecker klingelte unerbittlich viel zu früh. Stöhnend kam George hoch und rieb sich über die Stirn. Er hatte von Brad geträumt, wie er an seiner steinharten Morgenlatte feststellen konnte. Ein Blick zum Fenster verriet ihm, dass der Sommer nahte: es war schon hell, trotz der unchristlichen Zeit. Er schwang die Beine aus dem Bett und trottete ins Bad, als nebenan das Hämmern erneut begann. Himmel, so früh am Morgen schon Sex.

George brummte und drehte die Dusche auf, packte seinen Schwanz und rieb ihn im Takt zu den Geräuschen, die er sich für das Paar nebenan ausdachte. Er stöhnte und wichste schneller, während sich sein Gehirn automatisch typisch männliche Dialoge ausdachte, als wäre nebenan ein schwules Paar am Werk. Schon nach kurzer Zeit spritzte er ab.

Atemlos sank er gegen die kalten Kacheln, während er an den süßen Michael dachte, seine letzte Beziehung. Der hatte jetzt leider einen Freund und war unerreichbar für ihn.

Das raue Handtuch war genau richtig, um George auf andere Gedanken zu bringen. Er rubbelte sich trocken, bis die Haut schmerzte, dann zog er sich an und ging in die Küche, um für sich Kaffee zu kochen. Das Gehämmere hatte aufgehört. George lauschte. Eine Tür klappte, dann waren schnelle Schritte im Treppenhaus zu hören. Da ging die Dame wohl gerade.

Kurz war er versucht, durch den Spion der Haustür einen Blick auf die wilde Stute zu erhaschen. Dann entschied er sich doch dagegen und beobachtete stattdessen, wie seine uralte Kaffeemaschine mühsam das Wasser in den Filter würgte. Mit einem langanhaltenden Zischen verkündete sie nach einer Weile, dass sie fertig war. George griff nach einem Becher und schüttete sich etwas von der Brühe hinein, beschloss aber nach nur einem Schluck, dass er dringend eine neue Maschine brauchte. So wie jeden Morgen bisher, also musste er wohl wirklich mal Zeit investieren und in einen Elektrogerätemarkt gehen. Mist. Ein Blick auf die Uhr und George griff nach den Schlüsseln, dann war er schon zur Tür hinaus und auf dem Weg zur Baustelle.

 

Für einen Kerl wie George war ein Arbeitstag auf dem Bau genauso wenig anstrengend, wie für einen Bürohengst ein Tag vor dem Bildschirm. Mit anderen Worten: er war völlig erledigt, als er nach Hause kam. Müde schloss er seine Tür auf und lauschte. Stille. Zufrieden warf er seine Kleidung auf dem Weg zur Dusche ab und stellte sich unter den Strahl. Das war der schönste Moment des Tages, wenn der Schweiß und Dreck von ihm herunterfloss. George stöhnte wohlig auf, als er sich nach der Dusche mit einem Handtuch trocken rubbelte und einen kurzen Blick in den Spiegel warf. Wow.

Er sah wirklich gut aus und machte den zu kleinen Intellekt doch locker mit seiner Attraktivität wett. Obwohl, sein Intellekt war gar nicht zu klein, George war einfach nur faul. Er hatte ein Abitur in der Tasche, dann aber entschieden, dass er Geld brauchte. Er wollte leben, einen drauf machen, abchillen, Männer aufreißen. Das tat er inzwischen schon lange, viel zu lange wahrscheinlich.

Na ja, er war gerade mal einunddreißig, also eigentlich noch am Anfang seines Lebens. Die Welt stand ihm offen, so what? Pfeifend ging er ins Schlafzimmer, zog sich eine Boxershorts über und lauschte unwillkürlich. Nichts. George griff nach einem T-Shirt und durchquerte die Wohnung, während er es sich über den Kopf zog. Ein Griff und die Balkontür war offen. Frühlingsluft strömte herein und George nahm gierig einen tiefen Atemzug, bevor er einen Schritt nach draußen machte.

Der Hamburger Frühling erschlug ihn fast mit seinen grünen Knospen, die überall unten und an den Bäumen vor ihm aus den Gehölzen trieben. George sog erneut die würzige Luft ein und sah sich um. Schön. So schön. Und so – Moment. Argwöhnisch betrachtete er den Mann auf dem Balkon neben dem seinen, als dieser sich zu weit über die Brüstung lehnte. Ein leises Schluchzen erreichte Georges Ohr, während er auch schon seinem Helfersyndrom nachgab und über die niedrige Absperrung stieg, die die beiden Balkone trennte.

Erneut erklang ein Schniefen und der Mann beugte sich noch weiter vor, da hatte George dessen Arm ergriffen und riss ihn zurück.

„He“, sagte er mit seiner Helferstimme, die sehr sanft war. „He, das Leben kann so schön sein. Du hast nur eines.“

Der Angesprochene verharrte und versuchte nicht, Georges Hand abzuschütteln. Dann drehte er den Kopf und sah George aus – Mein Gott! - wunderschönen, blauen Augen an, die todtraurig blickten.

„Du hast ja keine Ahnung“, murmelte Blauauge.

George hatte sich noch nie wegen einer Frau das Leben nehmen wollen. Da hatte der Typ Recht. Doch er hatte wegen eines Mannes auch schon einmal versucht, aus dem Leben zu scheiden. Das bewiesen die Narben an seinen Handgelenken.

„Stimmt“, sagte er deshalb, immer noch im Helfermodus. „Ich habe keine Ahnung. Aber ich sehe nicht zu, wie du dich da runterstürzt.“

„Okay.“ der Blonde nickte verständig. „Dann geh wieder rein und mach die Augen zu.“

George schloss kurz die Augen und sah seinen Fernsehabend schwinden. Entschlossen blickte er dem Lebensmüden dann wieder ins Gesicht.

„Keine Frau ist es wert, dass man wegen ihr vom Balkon springt. Glaub mir“, erklärte er sanft.

Der Blonde nickte und senkte die Lider. „Nein, ist es nicht.“

„Tja dann“, witterte George seine Chance. „Tu es nicht.“

„Du hast ja keine Ahnung“, kam es erneut von dem Blauäugigen.

Menno! George stöhnte innerlich. Da waren sie also wieder am Anfang.

„Doch…“ Seine Helferstimme schwand und machte Ärger Platz. „…doch, ich habe eine Ahnung. Und weißt du was? Noch nicht einmal ein Typ ist es wert, dass ich mein Leben wegen ihm wegschmeiße.“

Er ließ den lebensmüden Blonden los und zeigte ihm seine Handgelenke. Blasse Narben liefen knapp unter den Handballen quer über die Gelenke. „Ich war schon kurz davor zu sterben, als ein Freund mich fand. Und weißt du was, du Idiot? Ich bin dankbar für die Chance. So. Und jetzt geh ich rein, mach den Fernseher an und du darfst springen. Ach ja. Geh vorher runter und leg eine Plane aus, damit es keine Riesensauerei gibt. Tschüss.“

George kletterte wieder über die Brüstung und verschwand im Wohnzimmer. Im Fernsehen lief nur Scheiße, wie immer. Er zappte zum Shoppingkanal und starrte einen Blonden an, der für einen Bauch-Weg-Gürtel warb. Ja, das war jetzt genau richtig. Während sich nebenan der blonde Nachbar vom Balkon stürzte, würde er geifernd diesen Muskelmann anstarren. George wollte sich gerade auf das Sofa fallen lassen, als es am Fenster klopfte.

Mürrisch wandte er den Kopf und sah Angelo, der verlegen auf dem Balkon stand. Mist. Konnte der Typ nicht allein springen? George rappelte sich hoch und näherte sich dem Lebensmüden.

„Soll ich dir helfen?“ schnauzte er böse.

„Nein.“ Angelo schüttelte langsam den Kopf und sah George flehentlich an „Ich glaube, du hast Recht.“

„Ach.“ George schnaubte und besann sich schnell. Der Helfermodus sprang wieder an. „Okay, willst du reden?“

Der Blonde nickte und mit stillem Bedauern öffnete George die Balkontür, trat zurück und ließ ihn herein. Jetzt betrachtete er den Nachbarn das erste Mal genauer und musterte ihn ausgiebig von oben bis unten.

„Sag mal, bist du so eine Art Model?“, fragte er schließlich.

„Ja.“ Mit einem traurigen Lächeln nickte Angelo erneut. „Du kennst sicher die Bilder für die Carwin Groß Kampagne, die mit der Unterwäsche.“

George starrte und erinnerte sich an die Plakate, die er irgendwo gesehen hatte. Angelo, nur mit einer Unterhose bekleidet, Waaahnsinn. Beim Anblick der besagten Fotos hatte er gesabbert und überlegt, ob der Typ vielleicht schwul war, so sehr hatte er ihm gefallen und nun stand der Gegenstand dieser Überlegungen vor ihm.

„Ich erinnere mich“, murmelte George, drehte Angelo den Rücken zu und ging in die Küche.

Das war ein geschickter Schachzug, denn seine Hose beulte sich bei dem Gedanken an den nackten Angelo recht auffällig.

„Willst du auch ein Bier?“ rief er über die Schulter.

Ohne eine Antwort abzuwarten nahm George zwei Flaschen aus dem Kühlschrank, holte tief Luft und versuchte, das Blut zurück in seinen Kopf zu zwingen. Etwas entspannter traute er sich wieder zurück ins Wohnzimmer, in dem Angelo immer noch mit hängenden Armen stand

„Setz dich“, sagte er freundlich und wies zum Sofa.

Angelo nickte und ließ sich auf die weiche Sitzfläche plumpsen, den Blick fest auf den Fernseher gerichtet, wo eine freudestrahlende Hausfrau über die neuen Kochtöpfe in schieres Entzücken geriet. Ohne die Augen von der Kochtopfdame zu lösen nahm er das Bier entgegen, als George es ihm reichte.

„Also…“ George nahm einen Schluck aus der Flasche und setzte sich an das andere Ende des Sofas. „…was ist passiert?“

Mühsam riss Angelo die Augen von dem Fernseher los und fixierte George. „Ich – ich weiß es nicht. Äh, sie hat gesagt, ich würde es nicht bringen im Bett.“

Bei dem Gedanken an das regelmäßige Gewummere des Bettgestells hatte George Mühe, ernst zu bleiben. „Hör mal, ist Sex denn so wichtig?“

Hilflos zuckte Angelo die Schultern.

„Sieht so aus“, murmelte er.

Damit war das Gespräch erst mal beendet. Schweigend sahen die beiden Männer zu, wie sich im Shoppingkanal eine Dame über den neuen Staubsauger freute. Kurz darauf erschien wieder der Blonde mit dem Bauch-weg-Gürtel. George seufzte und trank sein Bier aus. „Willst du auch noch eins?“

Angelo nickte abwesend, die Augen fest auf den Bildschirm mit dem Blonden gerichtet. Als George mit zwei neuen Flaschen zurückkam, löste sein Nachbar endlich den Blick von der Glotze und musterte ihn.

„Bist du – Bauarbeiter?“, fragte er neugierig.

George grinste breit und ließ sich wieder auf das Sofa plumpsen. „Das ist offensichtlich, nicht wahr?“

Angelo nickte und nahm ein Bier entgegen. Seine Augen glitten noch immer über Georges Körper, was bei dem ein wohliges Kribbeln auslöste. „Und du bist – schwul?“

„Ja. Stört es dich?“, fragte George in leicht aggressivem Tonfall zurück.

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