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© 2018 Pascal Ringstahl

Verlag und Druck: tredition GmbH, Grindelallee 188, 20144 Hamburg

ISBN

Paperback: 978-3-7439-0890-1

Hardcover: 978-3-7439-0891-8

e-Book: 978-3-7439-0892-5

Das Werk, einschließlich seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ist ohne Zustimmung des Verlages und des Autors unzulässig. Dies gilt insbesondere für die elektronische oder sonstige Vervielfältigung, Übersetzung, Verbreitung und öffentliche Zugänglichmachung.

für Julia

Danke für eine wunderbare unvergessene Zeit und

das Glück, Gesundheit und Liebe immer an Deiner

Seite sein werden.

1

» Tue es oder tue es nicht. Es gibt kein Versuchen! « Das dachte sich Sabina an einem sonnigen Montagmorgen. Es war kurz vor 8 Uhr und die Straßen der Innenstadt waren schon gefüllt von Blechlawinen, deren Insassen hastig den Weg zur Arbeit suchten. Sabina saß entspannt auf dem Rücksitz der schwarzen Mercedes-AMG S 63 4Matic Limousine ihres Vaters. Als Geschäftsführer der Firma FingerCap hatte er zwar immer einen Chauffeur, aber diesmal wollte er seine Tochter an ihrem ersten Universitätstag in der Großstadt persönlich vorbeibringen. Eigentlich hoffte er immer, dass Sabina eine fundierte Ausbildung absolvierte, aber er konnte es seiner einzigen Tochter nicht abschlagen, zu studieren. Sabina war ein sehr intelligentes Mädchen. Sie war groß und schlank und liebte mehr das normale Dasein, als das Moderne, überteuerte. Doch mit Mühe und Not hatte ihr Vater es geschafft, mit viel Geduld und natürlich Geld, sie auf einen hübschen Mode Weg zu bringen. Jedoch wusste er, dass sie immer, wenn er ihr kein Geld mehr geben würde, mit Freude auf den normalen Weg des Lebens zurückkehren würde. Sabina reckte sich in der Limousine nach vorn, strich ihre dunkelblonden, langen glatten Haare hinter ihr mit 5 Edelstahl-Creolen gestochenes Ohr zurück, schaute ihren Vater lächelnd an und drehte die Musik des Autoradios lauter. Ihr Vater verdrehte die Augen, fuhr schimpfend und sehr riskant durch den dichten Berufsverkehr. Sabina lachte laut und schaute in aller Ruhe aus dem Fenster heraus die sich abhetzenden Menschen an. Sie betrachtete sich von oben bis unten und überlegte, ob ein schwarzer Rollkragenpullover, Minirock mit Schottenmuster und dazu Overknees-Stiefel nicht zu dick aufgetragen waren. Sie drückte sich in den Rücksitz und legte ihre Stiefel auf die Kopfstütze des Beifahrersitzes. Ihr Vater schaute und lächelte. » Du siehst wie immer blendend aus. Schade das du dich nicht schminkst « sagte er. Sabina sagte nichts. Sie mochte außer Puder und etwas Kajal nichts in ihrem Gesicht. Ihr Vater konzentrierte sich wieder auf den Berufsverkehr, den er mit einem übertriebenen Tempo auf einer leeren Busspur rechts überholte. Sabina schaute auf ihr goldenes Nokia Mobiltelefon, was ein Geschenk von ihrem Vater zum 20. Geburtstag war. Sie tippte noch schnell eine Nachricht, stellte das Telefon auf lautlos und verstaute es in ihrem Unikat Gucci Rucksack. Ihr Vater hatte ihr den Rucksack geschenkt, als er von der Fashion Week zurückgekommen war. Überhaupt brachte er ihr immer Designer Kleidung mit, seitdem sie 17 Jahre alt war. Da sie eine fast perfekte Figur hatte, passte ihr auch alles, was er mitbrachte. Meistens besorgte es wohl seine Sekretärin, die ein Modejunkie war. Sie dachte über ihren Vater kurz nach. Er, Max Mecki, war Geschäftsführer bei FingerCap geworden, nachdem Bruce Steffens einen schweren Unfall vor wenigen Wochen hatte. Seitdem verdiente er das doppelte. Sie fragte sich, wie man so viel Geld mit einer Firma verdienen konnte, die sich auf Fertighäuser spezialisierte. Doch ihr Vater gabihr auf die Frage nie eine zufriedenstellende Antwort. Endlich erreichte die Limousine den Vorplatz der Universität und hielt im absoluten Halteverbot kurz an. Sabina stieg aus und ging zur Beifahrertür. Ihr Vater ließ das Fenster herab. » Deine Autoschlüssel kannst du dir am Hotel abholen « sagte ihr Vater während sie sich in das geöffnete Beifahrerfenster hineinlehnte. » Ich habe dir einen Sportwagen geliehen. Musst ja mobil sein. Klein, fein, schnell und ideal für die Stadt. Du wirst begeistert sein. « fügte er noch hinzu. Sabina lächelte. » Ja, ist gut. Kannst du mir noch etwas Kleingeld geben « frage sie ihn freudig. Ihr Vater griff in seine Manteltasche und gab ihr eine Kreditkarte. » Aber kauf dir auch wirklich etwas. Ich kenne dich! « » Nein, geht schon in Ordnung. Ich rufe dich heute Abend an. Habe das Mobiltelefon auf lautlos gestellt. Du weißt, dass ich die ewige Erreichbarkeit nicht mag. Wir telefonieren dann über das Festnetz …und... danke dir « sagte sie und wedelte ihrem Vater mit der Centurion Kreditkarte vor der Nase herum. Sie drehte sich von der Limousine weg und ging auf den Vorplatz in Richtung Eingang der Universität. Ihr Vater fuhr das Fenster hoch, während er den brummigen Motor der Limousine anwarf und losfuhr. Er verschwand zügig im dichten Berufsverkehr, als Sabina sich noch einmal nach ihm umschaute. Sie ging über den kleinen Vorplatz der Universität zum Hauptgebäude. Obwohl die Universität in einer Millionenstadt lag, hatte sie gerade einmal 15000 Studenten. Das Gebäude war von 1934, alt, nostalgisch, aus Naturstein und mit riesigen Fenstern und einem bronzenen Gründer Denkmal davor. Sie öffnete eine der 5 doppelten Schwingtüren aus Glas und war beeindruckt von der riesigen Aula, die vor ihr erschien. Ein wunderschöner Marmorboden, die Oberfläche antik-gebürstet, riesige weiße Säulen, die die gewölbte Decke abstützten. Mit ihr gingen noch viele andere Studenten in die riesige Aula der Universität. Einige schauten sie merkwürdig an. Ob es daran lag, dass sie zu auffällig gekleidet war, sie wusste es nicht. In der Aula gab es wenige Studenten, die ruhig standen. Es wirkte auf sie wie ein riesiger Ameisenhügel, wo alle hin und her liefen, ohne erkennbaren Sinn und Verstand. Jedoch erregte ihre Aufmerksamkeit eine kleine Gruppe, die seelenruhig in der Mitte der Aula stand. Sie schaute die Personen kurz an, und ihr Blick traf sich mit dem von einem Studenten. Sie schaute unbeeindruckt wieder weg und suchte in allen Richtungen nach Informationstafeln. Irgendwo musste doch stehen, wo sie als Neuzugang sich anmelden musste. Manchmal hatte sie ein Problem mit der Orientierung, wenn zu viele Eindrücke auf sie einprasselten. Der junge Student, dessen Blick sie gerade kurz erwidert hatte, drehte sich in ihre Richtung. Begeisterung drückte sich in seinem Gesicht aus. Er klopf direkt Kai auf die Schulter, der neben ihm stand. » Hey Kai, schau mal, wer da eben gekommen ist. « Kai drehte seinen Kopf in Richtung des Eingangs. Er fing gemein und gierig an zu grinsen. » Frischfleisch! Die ist mein. « Er löste sich von der Gruppe und ging mit großen Schritten auf Sabina zu. Sabina suchte weiter verzweifelt nach einer Informationstafel, fand jedoch nichts. Überall hingen Plakate und Informationen, Hinweise auf den nächsten Semesterball, Nachhilfe Flyer, Nebenjobs und undefinierbare Informationen. Sie bemerkte Kai aus dem Augenwinkel, drehte sich um und ging ebenfalls auf ihn zu. Sie wollte ihn etwas fragen. Sie blieben voreinander stehen und sie schaute ihm fragend in die Augen, während er nervös auf seinem Kaugummi herum kaute und hektisch mit seiner rechten Hand durch sein rötliches kurzes Haar strich. » Entschuldigung, kannst Du mir bitte sagen, wo ich hier das Sekretariat finde « fragte sie ihn. Kai steckte seine Hände in die Hosentaschen und wippte auf seinen weißen Sneaker Schuhen auf und ab. » Neu, was « sagte er forsch. » Ja, allerdings. « Es vergingen ein paar Sekunden und Sabina schaute Kai fragend an. Es kam keine Antwort. » Also, was ist jetzt. Bekomme ich eine Information, oder was? « Kai nickte nur, zog seine Hände aus den Hosentaschen, kaute noch schneller auf seinem Kaugummi und nahm Sabina in den Arm. Er führte sie Stolz an seiner Gruppe vorbei, die ihnen nachschaute. Sabina war überrascht und ließ es geschehen. Sie betrachtete Kai aus dem Augenwinkel: Etwas größer als sie, sportlich, schlank, lässiger Kleidungsstil, viele Sommersprossen und Muttermale, rote Haare, bleiche Haut: ein Ginger. Kai führte Sabina eine sehr breite Treppe hinauf. Doch Sabina blieb in der Mitte stehen. Kai schaute sie fragend an, als sie seinen Arm wegdrückte. Er schaute zu seiner Freundesgruppe herüber, die alle fragend mit ihren Schultern zuckten. » Was ist, wolltest du nicht den Weg gezeigt bekommen « fragte Kai und schaute von seiner Gruppe weg in die blauen Augen von Sabina. » Ja, und dabei aber nicht in deinem Arm landen und… « Sabina wollte noch etwas sagen, sah aber, dass Kai's Blick wieder an ihr vorbeiging. Sie drehte sich um und schaute direkt auf seine Gruppe, die noch immer in der Aula stand und sie beobachteten. Sabina ging einen Schritt zurück und verschränkte wütend die Arme. Sie schaut zu der Gruppe herunter. Hinter sich hörte sie Kai sprechen, der hastig auf seinem Kaugummi kaute: » Du, da du ja neu bist, wie wäre es, wenn du heute Abend auf die Fete kommst. Ich spiel mit meiner Band. Ich bin echt gut! Hä, wie wäre es? « Sabina schaute die ganze Zeit, während Kai sprach, zu der Clique herüber. Alle Studenten, die dort standen, schauten sie begeistert an und tuschelten. Alle, bis auf einen: ein schlanker Junge, mit einer abgewetzten billigen Jeanshose, einem T-Shirt mit Star Wars BB-8 Aufdruck, abgetretenen weißen Nike Turnschuhen, die dunkelbraunen, dicken, leicht lockigen längeren Haare zu einem kleinen Zopf zusammengebunden. Er schaute gelangweilt in eine andere Richtung. Sabina holte tief Luft. Von der ersten Sekunde an war sie von ihm begeistert und angewidert zugleich. Sie hatte so etwas schon einmal erlebt. Es gab diese Begegnungen und Art von Menschen, die man überhaupt nicht attraktiv, sie eher abstoßend findet undtrotzdem ist man von ihnen fasziniert. Fast hypnotisiert. Raymund, so hieß der junge Student, stand mitten in der Gruppe, die Sabina noch immer begeistert anschaute. Ihn langweilte es. Er schaute aus Neugierde Sabina kurz an, dann wieder weg, löste sich wortlos von der Gruppe und ging ein Stückchen weiter. Er setzte sich auf eine Bank, die nur einige Meter weit weg stand und begann in einem Buch zu lesen, was er aus seinem Rucksack genommen hatte. Kai hatte sich wieder näher an die abgelenkte Sabina herangewagt. Er legte seinen Arm erneut um sie. Sabina bekam nichts mit, so sehr war sie in Gedanken versunken. Sie beobachtet Raymund und war fasziniert. » Also, was ist mit heute Abend? Wie heißt du eigentlich « fragte Kai. » Sabina. « » Hi, angenehm, ich bin der Kai. Das tollste, was diese Uni zu bieten hat. « Sabina wurde aus ihren Gedanken gerissen. Sie bemerkte das Unwohlsein durch Kai's Nähe, drückte seinen Arm schnell weg und schaute ihn an. » Ja, bist du das? Für mich aber erst, wenn du mir den Weg zum Sekretariat zeigst. « Kai kaute schneller und nervös auf seinem Kaugummi. » Okay. Es liegt auf der anderen Seite. « Sabina drehte sich genervt um und ging die Treppe wieder herunter. Kai sprintete ihr hinterher. » Sind wir hier umsonst hochgegangen « fragte Sabina wütend und stampfte mit ihren Absätzen auf jede Stufe der breiten Marmortreppe. » Ich wollte dir nur die tolle Aussicht zeigen « sagte Kai beschwichtigend. » Tolle Aussicht. Ich sehe ein paar Typen, die mich angaffen und wahrscheinlich meinem Körper Noten geben. « Kai hatte Sabina erreicht. Sie gingen beide an Kai's Clique vorbei. Sabina blieb plötzlich stehen. Kai war überrascht und schaute sie gespannt an. Im Hintergrund sah Sabina aus dem Augenwinkel, die Freundesgruppe über sie beide tuscheln. Sabina deutete mit einem gleichgültigen Kopfnicken auf Raymund, der in etwas weiterer Entfernung saß. » Wer ist das? « » Der Typ auf der Bank? « » Ja, genau den meine ich! Also, wer ist das? « » Ach, das ist Raymund, der Streber der Uni. Nichts Besonderes. Meistens nennen wir ihn "Rein in den Mund". Witzig, oder? Aber ich bin... « » …das Coolste, was die Uni zu bieten hat, ich weiß. « Sabina verzog genervt das Gesicht und ging an Kai vorbei. Kai wollte ihr nachgehen. » Danke, ich finde den Weg besser alleine. « Kai blieb stehen, grinste und winkte ihr vor seinen Kumpels angeberisch nach. » Danke, ich finde dich auch Klasse. Bis bald. Wir sehen uns noch oft genug. « Sabina ging durch eine Tür. Aus ihrem Augenwinkel sah sie Kai energisch winken. » Ja, leider « sagte sie genervt und angewidert zu sich selbst. Kai ging wieder zu seinen Freunden, die gespannt auf ihn warteten. Kai stellte sich angeberisch vor sie. » Und, will sie was von dir « fragte einer von ihnen. Kai grinste schämig. » Aber klar doch, hat man doch gesehen, wie sie sich gefreut hat, mich zu sehen. « » Wieso hat sie dich dann in der Aula stehen lassen « fragte ein anderer. Kai überlegte fieberhaft nach einer Antwort. » Sie... sie wollte sich auf die Fete heute Abend geistig vorbereiten. Ja, das wollte sie. « » Sie kommt heute Abend « fragte ein anderer neugierig. » Ja, sie will mich spielen sehen. « » Da wird sie aber die Einzige sein. « Kai verzog wütend sein Gesicht. Die Clique lachte laut.

Sabina eilte gehetzt durch die immer voller werdenden Gänge der Uni. Es war kurz nach 8 Uhr und die ersten Vorlesungen und Seminare begannen. Sie hasste es zu spät zu sein. Vor einigen Informationstafeln blieb sie stehen, doch sie konnte mit ihnen nichts anfangen. Wahrscheinlich müsste man Abkürzungen studiert haben, um den Abkürzfimmel der Studenten und der Universität zu verstehen. Eine Studentin, Antonia, kam ihr entgegen. Sabina ging direkt auf sie zu. Sie war auch sehr schick gekleidet, hatte blaue Manolos an, eine weiße schicke Bluse auf einer mit Applikationen verzierten Bluejeans. Antonia war mit ihren Gedanken ganz wo anders und erschreckte sich richtig, als Sabina sie ansprach. Sie warf ihren brünetten Lockenkopf fragend zur Seite. » Kannst Du mir bitte helfen? Ich muss zum Sekretariat, finde es aber nicht « sagte Sabina hilflos. Antonia schaute sie erstaunt an und betrachtete Sabina von oben bis unten. » Du musst wohl neu sein, ansonsten würdest du das nicht fragen. « » Ja, richtig erkannt. « Antonia und Sabina mussten lachen. » Na gut, dann komm mal mit. Ich muss gerade auch dort hin. « Sie gingen eilig den Flur entlang. Antonia öffnete die Tür und ging, gefolgt von Sabina, in das Sekretariat. Sabina schaute sich gespannt um. Antonia ging zu einer der Sekretärinnen und gab ihr ein ausgefülltes Formular. Antonia stellte sich etwas zur Seite. Sabina gab freudig und erleichtert ein vorbereitetes Anmeldeformular ab. Neben den vorbereiteten Immatrikulationsbescheinigungen, bekam sie noch einen Fragebogen dazu. Sie nahm ihn und ging zu einem Tisch herüber. Antonia folgte ihr. Sabina setzte sich und begann den Fragebogen auszufüllen. Antonia setzte sich auf die Kante des Tisches und beobachtete Sabina bei der Beantwortung des Fragebogens. » Also Sabina heißt du und wohnst in…« Antonia wartet ab, bis Sabina es ausgefüllt hatte. « » … in einem Hotelzimmer? EstelleGarden, das ist doch die Kette, wo die Zimmer aufgebaut sind wie kleine Wohnungen. Man, da musst du aber wohlhabend sein. Na, und wenn ich mir deine Stiefel so anschaue, die kosten wahrscheinlich so viel, wie ein Student im Nebenjob verdient. « Sabina sagte nichts, schaute kurz nickend auf Antonias Schuhe und schrieb einfach weiter. Antonia verstand und lächelte. » Touché. Das ist die zweite Uni, an der du dich einschreibst? Wieso hast du denn gewechselt? « Sabina stand auf und gab das Formular der Sekretärin zurück. Antonia stellte sich neben Sabina, die auf ihren Studentenausweis wartete. » Ich habe gewechselt, da ich auf der anderen Universität in eine Beziehungskiste rein geschlittert bin, die es absolut verlangt hat, etwas Neues zu starten. « » Aha, erzählst du mir nichts Genaueres? « Sabina überlegte, schaute Antonia in die Augen. » Doch, aber nicht hier. Nachher komme ich mit in eine Vorlesung. Dann kann ich erzählen. « Antonia lächelte zurück. » Ja, ist gut. Bin ja mal gespannt. Wenn du dich beeilst, dann kannst du noch mit in meine Vorlesung kommen. « Sabina nickte zustimmend und lächelte Antonia weiter an. Sabina bekam von der Sekretärin ihren Studentenausweis. Dann eilten sie aus dem Sekretariat. Antonia ging vor und Sabina folgte ihr. Sie erreichten einen Hörsaal. Mit ihnen quetschten sich mehrere dutzend Studenten durch die kleine Eingangstür. Antonia setzte sich in eine der ansteigenden Sitzreihen, nahe ans Fenster. Neben sie setzte sich Sabina, gefolgt von mehreren Studenten. Antonia unterhielt sich mit den Studentinnen, die in der Reihe vor ihr saßen. Dann wurde es ruhig. Der Professor kam herein und begann mit der Vorlesung. Es ging um die Philosophie des Zeichens. Antonia drückte Sabina mit dem Ellenbogen in die Seite. » Du wolltest mir doch was erzählen?! « Sabina schaute Antonia fragend an. » Interessiert es dich denn überhaupt? « » Klar, alles was sich um Beziehungen dreht interessiert mich. Immerhin könnte ich davon doch nur lernen, oder?! « Sabina schaute Antonia gespannt an. Sie lächelte. » Doch, da hast du Recht. Aus den Fehlern anderer kann man lernen. Nun gut. Ich halte mich kurz. Mein erster Freund war ein ziemlich cooler Typ. Ein Typ wie James Dean, Sonnenbrille, Muskeln, tolle Figur, aber das kennst du ja. « Antonia nickte zustimmend. Während Sabina erzählte hörte auch das Mädchen neben ihr aufmerksam zu. » Wenn wir uns in der Uni trafen, war alles in Ordnung. Aber dann das erste Treffen bei mir zu Hause. Ich habe mich zuerst nie gewundert, dass mir nach jedem Treffen mit ihm Geld fehlte. Das Beste war, dass jeder auf der Uni wusste, dass er Kleptomane war. Ich war die Einzige, die keine Ahnung hatte. Erst als er bei mir zu Hause ankam und sich die Stereoanlage meines Vaters unter den Arm packte und damit abhaute, anstatt mit mir, war mir alles klar. « Antonia grinste und versuchte sich ein lautes Lachen zu verkneifen. » War das ein Grund, die Uni zu wechseln? « Sabina spielte mit ihren Haaren und drehte eine Strähne um ihren Zeigefinger. Sie schaute in Gedanken versunken zum Fenster hinaus. Sie fasste sich wieder und schaute Antonia an. » Nein, das war nicht der Grund. Obwohl ich mir von den Leuten ziemlich getäuscht vorkam. Glaubst du, mir hätte auch nur mal einer einen Tipp gegeben? Ex und hopp! « Ein Mädchen vor Sabina dreht sich zu ihnen um, grinst verschämt. » Das ist die richtige Einstellung! Genau das Gleiche sage ich mir auch immer! « » Und wieso hast du jetzt hier auf die Uni gewechselt? « Die Stimmung in dem Gespräch war gut. Die Studentinnen, die vor Sabina saßen, hörten auch gespannt zu und Sabina musste ab und an lachen. » Mein zweiter Freund war wohl die große Liebe die ich bis jetzt hatte. Auf den ersten Blick hatte ich mich in ihn verliebt. Wir haben sogar eine kurze Zeit zusammengelebt. Er war ein typischer Grunge Fan. Nirvana, Pearl Jam und jede Menge Alkohol, Konzert, Spaß und es war einfach nur genial. Doch wie in jeder Beziehung kommt der Punkt, wo das Uni Leben und der Alltag in die Beziehung einzog und irgendwann erfuhr ich von Freunden, dass er mit einer anderen was hatte. Es brach mir das Herz und anstatt einer Entschuldigung, gestand er es und musste es doch direkt durch ein "Aber" wieder zerstören. Wie kommt es, dass die Fremdgeher, es immer verteidigen müssen? Ich rede nicht von One-Night-Stands, sondern davon, wenn sie mit ihren Gefühlen fremdgehen. Sex ist Sex, aber Gefühle? Dann hat man ihnen doch auch die ganze Zeit über nichts bedeutet. Und dann gibt es eine kurze Entschuldigung, gefolgt von einem fetten "Aber" was alles wieder kaputt macht und die komplette Handlung, Beleidigung und Bloßstellung rechtfertig. Das ist so gemein und verachtend. Er hat auch in der Trennungsphase nie gefragt, ob ich ihn noch liebe oder ob er mir noch etwas bedeutet. Er hat nur von sich selbst geredet und sich bis heute nicht richtig entschuldigt. Eine ernsthafte Entschuldigung, und es wäre alles wieder gut gewesen, aber das konnte er nicht. Überhaupt vielen mir danach Dinge auf, dass er nie "Danke" sagen konnte oder irgendetwas gut genug für ihn war. Es gab immer irgendetwas zu mäkeln. Und sich einmal selbst reflektieren, dass konnte er nicht. Irgendwann habe ich ihm mangelnden Respekt vorgeworfen. Er hat nicht mal eine Sekunde darüber nachgedacht und mir das direkt selbst unterstellt. Damit hatte er sofort meine Befürchtung bestätigt. Das tat alles sehr weh und trotz alldem habe ich ihn immer noch geliebt. « Das Mädchen vor Sabina schaute sie an und verzog mitleidig das Gesicht. Sabina hörte auf zu erzählen und war neugierig, was Antonia denn von ihren Beziehungen zu berichten hatte. Doch Antonia hatte noch keine richtige Beziehung gehabt. Hier und da mal ein Abenteuer, aber für mehr als ein paar Wochen hatte es bis jetzt noch nie gereicht. Der Vorlesung wurde keine Achtung geschenkt. Es wurde geredet und erzählt, als würden Sabina und Antonia sich seit Jahren kennen. Bevor die Vorlesung zu Ende war, wollte das Mädchen aus der Reihe vor ihnen noch wissen, warum Sabina die zweite Uni auch verlassen hatte. » Und, war das gebrochene Herz Schuld das du dann die Uni gewechselt hast? » Ja und Nein, ich konnte es nicht ertragen, dass der Mensch, den man geliebt hat, für den man alles getan hätte, mich so gegen eine andere austauscht, die doch so viel anders war, als ich. Also war all das, was er mir immer erzählte, was er an mir so mag und toll fand, auch alles gelogen, so dass ich dort einfach wegmusste. Erinnerungen können sehr schlimm und quälend sein. « Sabina kniff ihre Augen zusammen und versuchte ihre Tränen zu unterdrücken. Sehr oft dachte sie noch an ihn. » Und jetzt bist du hier. Denk nicht mehr an den Loser! « Antonia klopfte Sabina dabei wohlwollend auf den Oberschenkel. » Ja, hoffentlich passiert mir so was nicht noch mal. Bloß kein Wechsel mehr! Mein Vater bringt mich sonst um! « » Weißt du, einen Loser erkennt man daran, dass er zulässt, dass die neue Tussi von ihm schlecht über dich redet und er dich nicht vor ihr verteidigt. Entweder hält man danach noch zu jemanden, oder die ganze angebliche Liebe war für den Arsch « sagte Antonia wütend. Sabina lächelte sie an. Sie überlegte ob ihr Exfreund jemals schlecht über sie geredet hatte. Sie konnte es nicht sagen, denn sie hatte nichts gehört, oder sie wollte es nicht hören. Sie wusste nur, dass sie auch jetzt noch, wenn er in Schwierigkeiten kommen würde, für ihn da wäre.

Die Vorlesung war zu Ende und Sabina ging mit Antonia die überfüllten Flure entlang zur Aula. Sie erreichten die Aula und standen oben an der großen, sehr breiten Treppe, die in den riesigen Saal nach unten führte. Sabina schaute sich um und blickte genau in die Richtung von Kai. Er blinzelte ihr zu. Sabina, schüttelte genervt den Kopf, schaute Antonia wieder an. Antonia bemerkte, dass Sabina genervt war. Sie drehte sich um und schaute in die Richtung von Kai. Kai sah Antonias Blick und schaute sofort weg. Antonia überlegte und schaute Sabina an. » Sag mal, will der Kai etwas von dir? « Sabina verdrehte die Augen. » Du meinst den rothaarigen Idioten? Ginger? « Die Studentin, die eben noch in der Vorlesung vor ihnen gesessen hatte, gesellte sich gerade zu ihnen und lachte. » Antonia ist hinter diesem Idioten schon seit Monaten her. Ginger ist ja ein netter Spitzname. « » Ja, ich finde ihn eigentlich ganz süß. Also ihn, nicht den Spitznamen. Heute Abend zum Beispiel gibt er ein Konzert. Kommst du auch « fragte Antonia. Sabina schaute Antonia fragend an. » Na, ich weiß noch nicht. Wegen dem Kai komme ich bestimmt nicht. « » Antonia hat noch nie eine Chance bei ihm bekommen! Er redet gar nicht mit ihr « sagte die Studentin abwertend. » Na, da hast du aber auch nichts verpasst « lachte Sabina und verzog angewidert ihre Mundwinkel. » Ach, du verstehst das nicht. Er ist so cool und selbstbewusst, einfach süß « sagte Antonia und man konnte in ihrer Aussage hören, dass sie keine weiteren negativen Äußerungen zu ihrem Schwarm zuließ. Sabina schaute umher und erblickte Raymund. » Es gibt bestimmt Bessere « sagte sie und nickte in die Richtung einer Bank, auf der Raymund saß. Er war ganz alleine in der Aula der Uni und schaute intensiv in ein Buch. Sabina fragte sich, ob er die ganze Stunde dort gesessen hatte oder saß er schon wieder an der gleichen Stelle. Antonia schaute weiter sehnsüchtig in die Richtung von Kai. Sabina drehte sich zu Antonia um und klopfte ihr auf die Schulter. Antonia schaute sie gespannt an. » Du, der Typ da auf der Bank, mit dem Star Wars T-Shirt, wer ist das? « Sabina deutete in die Richtung von Raymund. Antonia suchte erfreut, doch als sie Raymund sah, verflog ihr Interesse. » Was, der da gerade ein Buch liest? « » Ja, genau der. Erzähl mir etwas von dem. « Sabina schaute Antonia gespannt an. » Ach, von dem gibt es nicht viel zu erzählen, Er heißt Raymund, ist das absolute Genie dieser Uni, wenn nicht eher ein Streber. Er kennt nichts anderes als Uni und lernen, absolut nichts Besonderes. « » Für mich schon « sagte Sabina leise zu sich selbst. » Was hast du gerade gesagt? « » Nichts. Was für Fächer hat er denn? « Antonia schaute Sabina fragend an. » Wegen Nachhilfe. Wenn er der Beste ist « fügte Sabina verteidigend hinzu und hob dabei unschuldig ihre Hände. » Ach so. Latein als Hauptfach, Mathematik und Physik. « » Genau die gleichen Fächer wie ich sie habe « sagte Sabina begeistert. Antonia war erstaunt. » Du hast Latein als Hauptfach? « » Ja, warum? « » Auf so einer kleinen Uni wie dieser ist das ungewöhnlich. Du bist wohl das einzige Mädchen! Kein Mensch mag Latein. Eine tote und sinnlose Sprache. « Sabina zuckte gleichgültig mit ihren Schultern. Sie schaute in die Richtung von Raymund. » Absolut perfekt! « » Was ist perfekt « fragte Antonia neugierig und suchte schon wieder die Aula ab nach anderen männlichen Studenten. Sabina erfand schnell eine Antwort. » … endlich habe ich jemanden gefunden, der mir Nachhilfe geben kann. Denn er hat die gleichen Fächer hat wie ich! Muss ja hier vom Lernstoff den Anschluss finden.« Antonia schaute auch zu Raymund herüber. » Tja, da muss ich dich wohl enttäuschen. Bei dem hast du schlecht Karten! « Sabina schaute Antonia erstaunt an.

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