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Selbständigkeit wagen

Teil 1: Existenzgründung

Vorwort

Sie wollen bald in die Selbstständigkeit starten oder planen langfristig, mit Ihrer Geschäftsidee ein eigenes Unternehmen zu gründen? Dann brauchen Sie neben der erforderlichen Fachkenntnis und einer gehörigen Portion Energie auch das Wissen, wie Sie es von vornherein richtig anpacken. Denn es sind immer wieder die gleichen Fallstricke, die junge Unternehmen scheitern lassen.

Dieser TaschenGuide vermittelt Ihnen schnell einen Überblick über die wichtigsten Schritte und klärt Sie über die Chancen und Risiken einer Existenzgründung auf. Sie erfahren, wie Sie Ihre Unternehmung fundiert planen können, wie Sie an das nötige Geld kommen und welche Behördengänge zu erledigen sind. Daneben finden Sie Tipps für die Eröffnung Ihres Betriebs und Ihre ersten unternehmerischen Handlungen.

Dieser Leitfaden profitiert von den Erfahrungen erfolgreicher Existenzgründungen in Zusammenarbeit mit der Fachhochschule Brandenburg. Mit ihm wollen wir Ihnen Mut machen, Ihre Ideen in einer eigenen Firma umzusetzen. Wir wünschen Ihnen dazu viel Erfolg.

Joachim S. Tanski,

Andreas Schreier und

Steffen Thoma

Die Informationen sammeln

Eine Existenzgründung will gründlich überlegt und gut vorbereitet sein. Damit sich am Ende auch wirklich der Erfolg einstellt, müssen Sie die Chancen und Risiken einer Firmengründung sorgfältig gegeneinander abwägen.

Im folgenden Kapitel erfahren Sie,

  • welche Vor- und Nachteile mit der Selbstständigkeit verbunden sind,

  • welche persönlichen Eigenschaften und fachlichen Kenntnisse Sie als Unternehmer brauchen und

  • welche Überlegungen Sie zur Vorbereitung der Existenzgründung anstellen sollten.

Warum in die berufliche Selbstständigkeit?

Es gibt viele gute Gründe, sich selbstständig zu machen. Vom Bedürfnis, den unternehmerischen Tatendrang zu befriedigen, über den Wunsch nach einem höheren Einkommen, oder weil man der Frustration im derzeitigen Beruf entkommen und unabhängig sein will.

Typische Gründungsmotive sind:

  • eine bestandene Meisterprüfung,

  • ein geeigneter Geschäftspartner,

  • momentane Arbeitslosigkeit,

  • die Entwicklung einer tragenden Geschäftsidee,

  • die Entdeckung einer Marktnische,

  • günstige Konjunkturaussichten,

  • Vermögensbildung,

  • Familientradition.

Chancen und Risiken abwägen

Selbstständig zu sein bietet zahlreiche Vorteile gegenüber einem abhängigen Beschäftigungsverhältnis. Die wichtigsten Vorteile einer beruflichen Selbstständigkeit sind:

  • Sie sind wirtschaftlich unabhängig und haben keine Anweisungen eines Vorgesetzten zu befolgen.

  • Ihr Einkommen wird sich erhöhen.

  • Sie können sich Ihre Arbeitszeit frei einteilen.

  • Sie können Ihre eigenen Ideen verwirklichen und Ihre Kreativität nutzen.

  • Sie können steuerliche Vorteile nutzen.

  • Sie können Ihre gesammelten Erfahrungen einbringen.

Die Geschäftsidee ist wesentlich

Bei all Ihren persönlichen Motiven und Vorteilen steht eines immer im Mittelpunkt – die Idee. Jeder Existenzgründer, der bleibenden Erfolg will, benötigt eine durchschlagende Geschäftsidee.

Sollte Ihnen diese zündende Idee noch fehlen, gehen Sie offenen Auges durch die Welt: Schauen Sie sich z. B. beim nächsten Auslandsaufenthalt nach einer geeigneten Idee um, die sich zu kopieren lohnt. Ihre Idee kann auch eine neue Erfindung oder die Weiterentwicklung eines bestehenden Produktes sein. Viele Möglichkeiten für eine erfolgreiche Selbstständigkeit bietet auch verstärkt der Dienstleistungssektor. Natürlich besteht immer die Gelegenheit, sich mit einem traditionellen Betrieb oder mit einer schon vorhandenen Geschäftsidee eine eigene wirtschaftliche Existenz aufzubauen.

Wo liegt der Schlüssel zum Erfolg?

In jedem Fall müssen Sie sich von Ihrer Geschäftsidee wirtschaftlichen Erfolg versprechen, bevor Sie sich mit dem Gedanken tragen, diese Idee mit Hilfe einer Firma zu vermarkten. Dabei sollten Sie immer bedenken: Ihre Geschäftsidee setzt sich auf dem Markt nur dann durch, wenn Sie mit Ihrer Idee bestehende Kundenbedürfnisse befriedigen oder neue Wünsche wecken können.

Erfolgreiche Ideen zeichnen sich dadurch aus, dass sie

  • ihrer Zeit voraus sind,

  • Kundenprobleme lösen,

  • besser sind als bestehende Angebote.

Ein besseres Angebot können Sie z. B. erreichen durch

  • eine höhere Qualität,

  • eine bessere Beratung,

  • mehr Freundlichkeit,

  • schnellere Lieferzeiten,

  • Spezialisierung.

Wollen Sie aus Ihrer Idee auch bald einen finanziellen Nutzen ziehen, wird Ihnen das nur gelingen, wenn Sie an Ihre Idee wirklich glauben. Meist ist es sinnvoller, eine Idee zu verwerfen, die Sie nicht hundertprozentig vertreten.

Wann Sie sich nicht selbstständig machen sollten

Eine Unternehmensgründung ist immer mit einem hohen Risiko verbunden und hat ganz andere Dimensionen als nur ein Wechsel der Arbeitsstelle. Prüfen Sie deshalb vorab, ob die Existenzgründung der richtige Weg für Sie ist.

Gehen Sie nicht in die Selbstständigkeit, wenn

  • Sie keine Eigenmittel besitzen,

  • Sie das Unternehmerrisiko scheuen,

  • eine Selbstständigkeit durch Ihren momentanen Arbeitsvertrag verboten ist,

  • Sie kein Unternehmertyp sind,

  • Ihnen die fachlichen Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung Ihrer Idee fehlen.

Ob Sie ein Unternehmertyp mit ausreichendem fachlichen Wissen sind, können Sie mit Hilfe der Checklisten im folgenden Kapitel testen.

Welche Voraussetzungen Sie erfüllen müssen

Bevor Sie sich selbstständig machen, sollten Sie testen, ob Sie dieser Herausforderung gewachsen sind. Eine erfolgreiche Existenzgründung hängt auch wesentlich von Ihren persönlichen Eigenschaften und Fähigkeiten ab. Besonders in der Gründungsphase, aber auch in den ersten Jahren Ihrer Existenz, entscheiden Ihre Leistungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit über Erfolg und Misserfolg Ihrer Gründung.

Persönliche Eigenschaften

Vergewissern Sie sich, dass Sie wirklich von Ihrer eigenen Idee und deren erfolgreichen Umsetzung überzeugt sind. Ein fester Wille und ein starker Glaube an Ihre Fähigkeiten und an den Erfolg sind wichtige Voraussetzungen, um später wirklich erfolgreich zu sein. Prüfen Sie so selbstkritisch wie möglich, ob Sie die in diesem Kapitel gestellten Fragen überwiegend mit einem „Ja“ beantworten können.

Die wichtigste Frage vorab: Wollen und können Sie auf ein sicheres und regelmäßiges Einkommen in den ersten Jahren nach der Gründung Ihres Unternehmens verzichten?

Checkliste: Persönliche Eigenschaften
JaNein
  • Glauben Sie an Ihren Erfolg?
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  • Besitzen Sie Ausdauer, und können Sie Rückschläge verkraften?
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  • Können Sie andere von Ihren Ideen überzeugen?
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  • Haben Sie ein gesundes Selbstwertgefühl?
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  • Erreichen Sie Ihre selbstgesteckten Ziele auch ohne Druck von Vorgesetzten?
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  • Sind Sie kompromissfähig, besitzen aber, wenn es darauf ankommt, auch Durchsetzungskraft?
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  • Geben Sie eigene Fehler zu und lernen aus diesen?
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  • Nehmen Sie auch einmal fremde Hilfe und Ratschläge von anderen an?
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  • Sind Sie kontaktfreudig?
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  • Können Sie sich in die Probleme anderer hineindenken?
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  • Fühlen Sie sich imstande, komplexe Probleme zu lösen?
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  • Gehen Sie auch einmal ein kalkulierbares Risiko ein?
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  • Sind Sie kreativ?
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  • Sind Sie zuverlässig und bereit, Verantwortung zu übernehmen?
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  • Sind Sie diszipliniert und können Ihr Verhalten gut steuern?
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  • Besitzen Sie Flexibilität und Spontaneität?
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  • Fühlen Sie sich körperlich fit und belastbar genug, um den hohen Arbeitseinsatz der ersten Jahre zu verkraften?
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  • Halten Sie die Stresssituation auf Dauer auch psychisch aus?
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Fachliche Voraussetzungen

Die Anforderungen, die heute an die Unternehmer gestellt werden, sind sehr hoch, und oft wird Ihnen ein umfangreiches fachliches und kaufmännisches Wissen abverlangt. Eine gute Ausbildung, Berufs- und eine gewisse Lebenserfahrung sind daher sehr hilfreich. Bevor Sie Ihr eigener Chef werden, sammeln Sie daher wenn möglich erst Erfahrungen als Arbeitnehmer. Machen Sie sich mit den Aufgaben vertraut, die Sie später in Ihrem Unternehmen eigenverantwortlich lösen müssen. Achten Sie aber auf sogenannte Konkurrenzklauseln in Ihrem Arbeitsvertrag. Solche Klauseln können Ihnen für eine bestimmte Zeit nach dem Ausscheiden eine Betätigung im gleichen Marktsegment verbieten.

Fragen Sie sich also noch bevor Sie Ihre fachliche Qualifikation prüfen immer:

  • Gibt es in Ihrem Arbeitsvertrag Klauseln, die es Ihnen verbieten, sich unmittelbar selbstständig zu machen?

  • Erfüllen Sie die gesetzlichen Voraussetzungen, um selbstständig tätig werden zu können?

    Lesen Sie dazu bitte auch das Kapitel „Welche Anmeldeformalitäten Sie erfüllen müssen“.

Auch die folgenden Fragen sollten Sie überwiegend mit „Ja“ beantworten können.

Checkliste: Fachliche Voraussetzungen
JaNein
  • Haben Sie Verkaufstalent, und ist Ihnen die Vertriebsarbeit vertraut?
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  • Konnten Sie sich ein Mindestmaß an kaufmännischer Qualifikation aneignen?
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  • Verfügen Sie über Führungsqualitäten?
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  • Haben Sie sich mit der Entwicklung der Branche, in der Sie sich selbstständig machen wollen, auseinandergesetzt?
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  • Kennen Sie die neuesten Produkte und Dienstleistungen Ihrer Mitbewerber?
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  • Können Sie Ihre Beziehungen zu Kunden, die Sie noch aus Ihren Zeiten als Angestellter kennen, weiter nutzen oder wiederherstellen?
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  • Haben Sie Kontakte zu Mitanbietern aus Ihrer Branche und zu ehemaligen Kollegen?
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Wichtig

Die wichtigste fachliche Voraussetzung ist der Besitz einer ausreichenden Berufs- und Branchenerfahrung.

Das familiäre Umfeld ist wichtig

Unterschätzen Sie die Bedeutung Ihres familiären Umfelds nicht! In vielen Fällen hat der Ehepartner bzw. Lebensgefährte einen entscheidenden Einfluss auf den unternehmerischen Erfolg. Es erleichtert Ihnen die Arbeit, wenn Sie wissen, dass Ihr privates Umfeld Sie psychisch und vielleicht auch finanziell unterstützt und Sie mit Problemen nicht allein lässt.

Checkliste: Familiäres Umfeld
JaNein
  • Ist Ihre Familie zur Unternehmensgründung positiv eingestellt?
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  • Können Sie von Ihrem Ehepartner oder Lebenspartner Hilfe erwarten?
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  • Kann Ihre Familie und Ihr Freundeskreis lange Arbeitszeiten oft auch am Wochenende akzeptieren?
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  • Können Sie auf Urlaub verzichten?
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  • Haben Sie zeitliche und finanzielle Verpflichtungen durch Verbands- oder Vereinsarbeit bzw. durch Hobbys?
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  • Können und wollen Sie diese bei Bedarf aufgeben?
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  • Kann auf Ihr Einkommen vorübergehend verzichtet werden?
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  • Können Sie vom laufenden Einkommen Ihres Lebenspartners den gemeinsamen Lebensunterhalt bestreiten?
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  • Verfügen Sie über genügend Vermögensreserven?
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  • Besitzen Sie im Notfall Vermögensgegenstände, die Sie veräußern bzw. beleihen können?
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  • Können Sie von Freunden oder Verwandten persönliche Darlehen erhalten?
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Haben Sie einen Geschäftspartner?

Um das für die Gründung und den Erhalt Ihres Unternehmens notwendige Kapital aufbringen zu können, müssen sich viele Existenzgründer einen Geschäftspartner suchen. Auch die Arbeitsteilung kann ein guter Grund sein, sich mit einem Partner zusammenzuschließen. Denken Sie daran, dass Sie in der Regel alle Entscheidungen gemeinsam treffen. Eine gute Zusammenarbeit und gegenseitiges Vertrauen sind also äußerst wichtig, damit Ihre Geschäftsbeziehung über viele Jahre erfolgreich bestehen bleibt. Beachten Sie bei der Partnerwahl daher Folgendes:

Checkliste: Eigenschaften des Geschäftspartners
JaNein
  • Können Sie miteinander arbeiten?
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  • Verstehen Sie sich auch auf menschlicher Ebene gut?
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  • Ist auf Ihren Partner auch in Krisensituationen Verlass?
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  • Ergänzen sich Ihre Stärken und Schwächen?
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  • Hat Ihr Partner fachliche Kompetenz?
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  • Besitzt Ihr Partner gegebenenfalls ausreichendes Kapital?
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Was Sie vor der Existenzgründung alles wissen sollten

Wie Sie typische Fehler vermeiden

Wer um die typischen und folgenschweren Fehler bei Existenzgründungen weiß, ist auch schon auf dem besten Weg, sie zu vermeiden. Eignen Sie sich deshalb rechtzeitig Ihr Wissen über mögliche Probleme und Fehlerquellen an, und nutzen Sie die Erfahrungen von Experten und anderen Selbstständigen. Denn immer wieder führen gerade bei Erstgründern vermeidbare Fehler zu kritischen Situationen oder gar zum Scheitern der Unternehmung.

Die wichtigsten Fehlerquellen auf einen Blick:

  1. Mängel in der Finanzierung führen am häufigsten zur Insolvenz von jungen Unternehmen.

  2. Auch eine falsche Einschätzung der Marktentwicklung kann Ihre Existenzgründung scheitern lassen.

  3. Die falsche Beurteilung des Marktes verleitet oft zur Überschätzung der Betriebsleistung.

  4. Mangelnde kaufmännische und unternehmerische Erfahrung können Ihre Unternehmung gefährden.

  5. Eine schlechte oder fehlerhafte Planung des Unternehmenskonzeptes kann sich später negativ auswirken.

  6. Ein nicht zu unterschätzender Faktor beim Scheitern einer jungen Firma sind Familienprobleme.

  7. Mangelnde Kenntnis von Verträgen und Vorschriften kann zu folgenschweren Verpflichtungen oder fatalen Fristenversäumnissen führen.

1 Solide Finanzierung sichern

Ist Ihre Finanzierung nicht solide, können Sie leicht in Zahlungsschwierigkeiten geraten – und das Risiko für Ihre Unternehmung steigt.

Mängel in der Finanzierung entstehen meist durch eine fehlerhafte oder auch nachlässige Finanzplanung. Viele Gründer wählen ein falsches Finanzierungsmodell für Ihre Investitionen aus. Vermeiden Sie es, Ihr Eigenkapital mit zu viel Fremdkapital zu ergänzen. Laufen Ihre Geschäfte schlecht und können Sie Ihre Raten nicht zurückzahlen, kann es passieren, dass Sie keine weiteren Überbrückungskredite mehr bekommen oder im schlimmsten Fall die Bank Ihre Kredite kündigt. Ein weiterer Tipp: Bezahlen Sie Investitionen für das Anlagevermögen nie mit kurzfristigen Krediten, da diese in der Regel besonders teuer sind.

Wichtig

Anschaffungen, die dem Unternehmen längerfristig dienen, sollten Sie nur durch Eigenkapitalanteile oder langfristige Darlehen finanzieren.

Auch eine unzureichende Ermittlung des notwendigen Kapitalbedarfs kann zu Finanzierungsproblemen führen. Unterschätzen Sie die Zeitspanne zwischen der Geldausgabe beim Einkauf der Materialien und der Geldeinnahme bei der Bezahlung durch den Kunden nicht; Sie dürfen nicht damit kalkulieren, dass Ihre Rechnungen immer pünktlich bezahlt werden. Daher sollten Sie die Vorfinanzierung der Aufträge in der Kapitalbedarfsplanung unbedingt berücksichtigen. Häufig fehlt in jungen Unternehmen auch noch ein Mahnwesen, so dass offene Rechnungsbeträge viel zu spät angemahnt werden. Durch den Einsatz eines entsprechenden Softwareprogramms lässt sich dieser Fehler jedoch leicht vermeiden.

Wichtig

Planen Sie Ihren kurzfristigen Kapitalbedarf lieber etwas höher, als er tatsächlich von Ihnen berechnet wurde, und mahnen Sie fällige Rechnungsbeträge regelmäßig an.

2 Die Mitbewerber nicht unterschätzen

Besonders am Anfang ihrer Tätigkeit als Unternehmer wissen viele Gründer noch zu wenig vom Marktgeschehen. So schätzen sie z. B. die Nachfrage nach ihrem Produkt oder ihrer Dienstleistung oft zu hoch ein. Probleme in der Finanzierung sind nicht selten die Folge, da aufgrund überhöhter Absatzerwartungen geplante Umsatzerlöse ausbleiben.

Bedenken Sie auch, dass Ihre Mitbewerber nicht schlafen. Man wird Ihr Unternehmen nicht ungehindert auf den Markt lassen. Durch Preissenkungen, durch Sonderangebote und verbesserten Service wird man versuchen, Ihnen den Markteintritt zu erschweren.

Wichtig

Zur Bestimmung realistischer Nachfragemengen sollten Sie vor dem Beginn Ihrer eigentlichen Tätigkeit immer eine Marktanalyse durchführen oder sich Vergleichsdaten von der Industrie- und Handelskammer oder der Handwerkskammer besorgen.

Überblick über die Situation in Ihrer Branche können Sie sich auch durch die Lektüre von Fachzeitschriften, den Besuch von Fachmessen und durch Kontakte zu ehemaligen Arbeitskollegen verschaffen.

3 Die Betriebsleistung realistisch planen

Die Nichtnutzung von Maschinen, die aufgrund der erwarteten hohen Nachfrage großzügig geplant wurden, verursacht oft hohe Kosten. Gerade in der Anfangszeit können solche Auslastungsprobleme Ihr Unternehmen mit kurzfristig nicht beeinflussbaren Kosten stark belasten.

4 Buchführung und EDV nicht vernachlässigen

Eine exakte und regelmäßige Buchführung von Anfang an lohnt sich. Buchführung ist nicht – wie viele Jungunternehmer meinen – ein Faktor, der nur Zeit und Geld kostet und nichts einbringt. Denn, einmal abgesehen von den Buchführungspflichten – über die Sie im Kapitel „Was Sie fürs Finanzamt tun müssen“ informiert werden –, erfüllt sie nicht nur für das Finanzamt ihren Zweck: Mit ihrer Hilfe lässt sich Ihr Unternehmen überwachen und steuern, und Sie können eine günstige Kalkulation Ihrer Angebotspreise erreichen.

Wichtig

Wollen Sie eine falsche Buchführung oder einen fehlerhaften EDV-Einsatz vermeiden, so holen Sie rechtzeitig Rat ein. Besuchen Sie Weiterbildungskurse der IHK oder der Handwerkskammer und sammeln Sie vor Beginn Ihrer Selbstständigkeit kaufmännische Erfahrungen.

Bei Fragen zur Buchführung stehen Ihnen auch Steuerberater, Buchführungsbüros und Beratungsstellen an Hochschulen zur Verfügung. Bei Problemen mit der EDV wird Ihnen sicherlich Ihr EDV-Händler weiterhelfen können.

5 Das Unternehmenskonzept sorgfältig planen

Fehler bei der Planung des Unternehmenskonzepts können sich später negativ auf das Unternehmen auswirken. Typische Fehlentscheidungen bei der Unternehmensplanung sind:

  • Die Auswahl der falschen Betriebsstätte.

  • Fehleinschätzung von Standort und Größe des Unternehmens.

    Lesen Sie hierzu auch das Kapitel „Wie Sie den richtigen Standort wählen“.

  • Die Auswahl der falschen Marketingstrategie.

    Durch geschickt eingesetztes Marketing können Sie sich von Ihren Mitbewerbern absetzen und Kunden gewinnen.

    Informationen hierzu finden Sie im Kapitel „Wie Sie Ihr Unternehmen bekannt machen“.

  • Die Auswahl der falschen Organisationsstruktur.

    Sie können nicht alles allein bewältigen. Übertragen Sie Verwaltungsaufgaben an geeignete Mitarbeiter.

  • Die Auswahl der falschen Arbeitskräfte.

    Legen Sie in Ihrem Unternehmenskonzept ein genaues Anforderungsprofil für Ihre zukünftigen Mitarbeiter fest, und prüfen Sie, ob die Bewerber Ihren Anforderungen entsprechen.

  • Die Auswahl der falschen Rechtsform.

    Lassen Sie sich bei der Rechtsformwahl nicht nur von Haftungsbeschränkung und vermeintlichen Steuervorteilen leiten. Wichtige Auswahlkriterien für Ihre optimale Rechtsform finden Sie im Kapitel „Was Sie bei der Wahl der Rechtsform beachten sollten“.

Wichtig

Um diese Fehler bei der Planung zu verhindern, sollten Sie Ihre Planungsüberlegungen immer schriftlich festhalten und auf ihre Realisierbarkeit hin überprüfen.

6 Sichern Sie sich die Unterstützung Ihrer Familie

Auch wenn Sie von Ihrer Familie und Ihren Freunden zu Beginn der Selbstständigkeit voll unterstützt wurden, die Begeisterung kann schnell verpuffen, wenn erst einmal Probleme auftreten und der Stress immer größer wird. Der Gründer steht dann häufig vor dem Problem, sich für die Familie oder das Unternehmen entscheiden zu müssen.

Bereiten Sie Ihre Familie deshalb schon im Vorfeld auf mögliche Schwierigkeiten vor. Vergessen Sie nicht, dass auch Ihre Familie und Ihre Freunde den anfänglichen Belastungen gewachsen sein müssen.

7 Vorschriften beachten – Verträge gründlich lesen

Leichtfertiges Abschließen von Verträgen, Vorschriften, die nicht eingehalten werden, oder versäumte Fristen sind typische und oft folgenschwere Fehler für junge Unternehmen. Lassen Sie sich vor der Gründung beraten, und holen Sie sich möglichst viele Informationen.

  • Achten Sie auf die richtige Gestaltung der Miet-, Kauf-, Gesellschafts- und Arbeitsverträge. Hierbei hilft Ihnen ein Rechtsanwalt oder Notar.

  • Prüfen Sie, ob die Gründungsformalitäten auch vollständig erfüllt sind. Gehen Sie hierfür nach den Listen im Kapitel „Welche Anmeldeformalitäten Sie erfüllen müssen“ vor.

  • Schließen Sie einen optimalen Versicherungsvertrag ab.

Wie Sie sich gegen Risiken absichern können

Wie im privaten Bereich, so gibt es auch im Unternehmen einige nicht kalkulierbare Risiken, die zu einem Vermögens- und Einkommensverlust bzw. zu einer Einschränkung Ihrer Gesundheit führen können. Zur Reduzierung dieser Risiken gehört daher auch ein ausreichender Versicherungsschutz.

Bedenken Sie, dass Sie zum Abschluss von einigen Versicherungen auch gesetzlich verpflichtet sind (z. B. die Kfz-Haftpflichtversicherung und in vielen Fällen auch die Produkthaftpflicht). Bevor Sie sich Angebote von Versicherungsgesellschaften einholen, ist es ratsam, Ihre persönlichen und betrieblichen Risiken zu analysieren. So können Sie gezielter Informationen einholen. Prüfen Sie daher, welche der folgenden Versicherungen Sie für Ihr Unternehmen abschließen sollten.

1 Die Betriebshaftpflichtversicherung

Als Unternehmer haften Sie für alle Personen-, Sach- und Vermögensschäden, die von Ihrem Unternehmen verursacht werden. Zur Minderung dieses Haftungsrisikos ist der Abschluss einer Betriebshaftpflichtversicherung ratsam. Denn diese Versicherung regelt alle Schäden, die von Ihnen als Unternehmer oder von Ihren Mitarbeitern während der Arbeit verursacht werden.

2 Die Rechtsschutzversicherung

Eine Rechtsschutzversicherung übernimmt alle Kosten, die Ihnen bei eventuellen Rechtsstreitigkeiten entstehen können (wie Rechtsanwaltsgebühren oder Gerichtskosten).

3 Die Feuer- und Sturmversicherung

Eine Feuerversicherung benötigen Sie, um sich vor Brand-, Blitzschlag- und Explosionsschäden abzusichern. Schäden, die durch einen Sturm (mindestens Windstärke acht) bzw. Hagel und deren Folgen entstehen, werden durch eine Sturmversicherung abgedeckt.

4 Die Berufsunfähigkeitsversicherung

Können Sie durch eine schwere Krankheit oder einen Unfall Ihre Tätigkeit als Unternehmer dauerhaft nicht mehr ausüben, so erhalten Sie aus der Berufsunfähigkeitsversicherung eine zusätzliche Rente.

5 Die Betriebsunterbrechungsversicherung

Führt ein Sachschaden (z. B. durch Feuer oder Diebstahl) zu einer Betriebsunterbrechung, so werden die weiterhin anfallenden Kosten, wie z. B. Löhne, Mieten oder Kreditzinsen und ggf. auch der entgangene Gewinn durch die Betriebsunterbrechungsversicherung getragen.

Wichtig

Sie können sich nicht gegen alle unvorhersehbaren Gefahren absichern. Dies wäre einerseits zu teuer, andererseits praktisch nicht durchführbar. Sie sollten daher nur jene Risiken absichern, die Ihnen die Fortführung des Unternehmens unmöglich machen könnten.

Wie Sie an Informationen kommen

Lassen Sie sich von den vielen Fehlern, die Sie als Jungunternehmer begehen können, nicht schrecken. Die meisten Fehler lassen sich vermeiden, wenn Sie sich rechtzeitig informieren. Eine gute Beratung spart viel Geld und macht Sie souveräner in Ihren Entscheidungen.

Wichtig

Scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen! Eine verspätete Beratung kann Ihre Firma unter Umständen sogar die Existenz kosten.

Dies gilt auch für die ersten Jahre nach der Gründung. Ein unabhängiger Berater sieht Chancen und Probleme objektiver und kann Sie besser vor Schwierigkeiten warnen. Er hilft Ihnen bei problematischen Entscheidungen, deren Bedeutung Sie vielleicht noch nicht abschätzen können.

Denken Sie aber daran: Eine Beratung führt nur dann zum Erfolg, wenn Sie bereit sind,

  • offen über alle Probleme zu reden,

  • dem Berater die notwendigen Unterlagen und Daten auszuhändigen und

  • das erarbeitete Konzept in Ihrer Firma auch umzusetzen.

Wichtig

Ein seriöser Fachmann wird Ihre Angaben vertraulich behandeln und Ihnen vor Beratungsbeginn einen Überblick über die möglicherweise anfallenden Kosten geben.

Hier erhalten Sie Informationen
  • in den Beratungsstellen an Hochschulen

  • bei den Berufsgenossenschaften

  • beim Bundesministerium für Wirtschaft

  • bei den Bürgschaftsbanken der Länder

  • bei den einzelnen Fachverbänden und Vereinigungen

  • beim Finanzamt

  • beim Gewerbeamt Ihres Orts

  • bei der für Sie zuständigen Handwerkskammer

  • bei der Industrie- und Handelskammer Ihres Bezirkes

  • bei den Investitionsbanken der einzelnen Bundesländer

  • bei den Krankenkassen

  • bei der KfW-Bank

  • in den einzelnen Kreditinstituten

  • bei Notaren und Rechtsanwälten

  • bei Steuerberatern

  • in den Technologie- und Gründerzentren

  • bei den freien Unternehmensberatern

  • bei den einzelnen Versicherungsunternehmen

Was kostet die Beratung?

Die Kostenhöhe ist oft abhängig vom Umfang des Beratungsbedarfs, von der Dauer der Beratung und der Komplexität der Aufgabe, die an den Berater gestellt wird. Eine Beratung muss aber nicht teuer ...

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