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Schwerbehinderung - meine Rechte - Keine Frage offen

Vorwort

Das Schwerbehindertenrecht will vor allem die soziale Benachteiligung ausgleichen, denen Personen infolge einer Behinderung im beruflichen und gesellschaftlichen Leben ausgesetzt sind. In Deutschland gibt es circa 6,9 Millionen Personen, die als Schwerbehinderte anerkannt sind, das heißt, bei denen das Vorliegen eines Grades der Behinderung von wenigstens 50 festgestellt worden ist. Dies entspricht einem Anteil an der Wohnbevölkerung von rund 8,4 Prozent.

Mit der Feststellung der Schwerbehinderung ist eine Vielzahl von Nachteilsausgleichen, das heißt Hilfen und Vergünstigungen verbunden, die sich auf die unterschiedlichsten Lebensbereiche beziehen. Einen Schwerpunkt des Schwerbehindertenrechts machen dabei Regelungen aus, die auf eine Verbesserung der beruflichen Situation abzielen. Die vielfältigen Hilfen in diesem Bereich stehen für viele Schwerbehinderte allerdings schon deswegen nicht im Vordergrund, weil ein Großteil von ihnen aus Altersgründen dem Arbeitsmarkt nicht mehr zur Verfügung steht. So sind die Hälfte aller Schwerbehinderten mindestens 65 Jahre alt, weitere 25 Prozent sind im Alter zwischen 55 und 65 Jahren. Für diesen Personenkreis kommen daher nur andere der zahlreichen Nachteilsausgleiche in Betracht, wie z.B. Hilfen im Personenverkehr, steuerliche Vorteile oder auch Vorteile beim Bezug der Altersrente. Es ist allerdings schwierig, den genauen Umfang aller Hilfen zu überblicken, die in den verschiedenen Lebensbereichen für Schwerbehinderte in Frage kommen. Zu dieser Unübersichtlichkeit trägt vor allem bei, dass das Schwerbehindertenrecht nicht in einem Gesetz, sondern in verschiedenen Gesetzen, Verordnungen und sonstigen Vorschriften geregelt ist.

Damit ein behinderter oder schwerbehinderter Mensch überhaupt in den Genuss entsprechender Vergünstigungen und Hilfen kommen kann, muss er zunächst den Nachweis erbringen, dass er zum Kreis der berechtigten Personen zählt, bei ihm also eine Schwerbehinderung vorliegt. Dieser Nachweis wird in der Regel mit dem Schwerbehindertenausweis erbracht. Dieser Ausweis wird ausgestellt, wenn die zuständige Behörde in einem förmlichen Verwaltungsverfahren das Vorliegen einer Schwerbehinderung festgestellt hat. Nur ausnahmsweise ist eine solche Feststellung entbehrlich, nämlich vor allem dann, wenn der Schwerbehinderte gleichzeitig auch schwerbeschädigt im Sinne des sozialen Entschädigungsrechts ist.

Im vorliegenden Ratgeber finden sich Antworten auf die häufigsten Fragen im Zusammenhang mit der Feststellung der Schwerbehinderung und die wichtigsten mit der Schwerbehinderung verbundenen Rechte.

Köln, Februar 2009

Dr. Heinfried Tintner

Kapitel 1: Schwerbehinderung – was ist das?

In diesem Kapitel erhalten Sie einen ersten Überblick über wichtige Nachteilsausgleiche und Vergünstigungen für schwerbehinderte Menschen. Es wird erläutert, was unter dem Begriff »Behinderung« zu verstehen ist und wann eine »Schwerbehinderung« vorliegt.

Das Schwerbehindertenrecht will die soziale Benachteiligung ausgleichen, denen Personen infolge einer Behinderung im beruflichen und gesellschaftlichen Leben ausgesetzt sind. Mit der Feststellung der Schwerbehinderung ist eine Vielzahl von Nachteilsausgleichen, das heißt Hilfen und Vergünstigungen verbunden, die sich auf die unterschiedlichsten Lebensbereiche beziehen.

Was versteht man unter »Behinderung«?

Für das Schwerbehindertenrecht ist der Begriff »Behinderung« in § 2 Abs. 1 Sozialgesetzbuch Neuntes Buch (SGB IX) definiert. Danach sind Menschen behindert, deren

  • körperliche Funktion, geistige Fähigkeit oder seelische Gesundheit

  • mit hoher Wahrscheinlichkeit länger als sechs Monate

  • von dem für das Lebensalter typischen Zustand abweichen und

  • daher ihre Teilnahme am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigt ist.

Teilhabe in verschiedenen Lebensbereichen

Der Gesetzgeber hat sich dabei am Stand der aktuellen internationalen Diskussionen um den Begriff der Behinderung orientiert. Seine Definition richtet sich nach dem seit dem Jahr 2000 in der Weltgesundheitsorganisation (WHO) verwendeten Gesundheitsbegriff. Danach steht für die Frage, ob eine Behinderung vorliegt, nicht mehr nur die Orientierung an wirklichen oder vermeintlichen körperlichen Defiziten im Vordergrund, sondern vielmehr eine dadurch eventuell eingeschränkte Möglichkeit der Teilnahme (das Gesetz spricht von »Teilhabe«) in den verschiedenen Lebensbereichen. Im Gegensatz dazu richtete sich das bis zum 30.6.2001 geltende Schwerbehindertengesetz bei der Frage, ob eine Behinderung vorliegt, noch danach, ob ein regelwidriger körperlicher, geistiger oder seelischer Zustand zu einer funktionellen Beeinträchtigung geführt hat. Nicht von Bedeutung war, ob damit die Teilnahme in verschiedenen Lebensbereichen beeinträchtigt war.

Abgrenzung der Behinderung zur Krankheit

Unter einer Krankheit im Sinne des Krankenversicherungsrechts ist ein Körper- oder Geisteszustand zu verstehen, der die Notwendigkeit einer ärztlichen Heilbehandlung zur Folge hat. Es ist also nicht in jedem Fall maßgebend, ob dieser Zustand Auswirkungen auf das Verhalten des Betroffenen hat und dessen Möglichkeiten, an zumindest einem Lebensbereich teilzunehmen«, eingeschränkt ist.

Von einer Behinderung kann dagegen erst dann gesprochen werden, wenn damit funktionelle Auswirkungen und Folgen für die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben verbunden sind.

Beispiel

Bei Vorliegen eines leichten Bluthockdrucks noch ohne Organveränderungen handelt es sich zwar durchaus um eine behandlungsbedürftige Krankheit. Damit sind aber häufig keine Leistungsbeeinträchtigungen verbunden, die Auswirkungen auf die Teilnahme am Leben haben. Es liegt daher keine Behinderung vor.

In den meisten Fällen gehen die für das Schwerbehindertenrecht relevanten Behinderungen allerdings aus einer Krankheit hervor. Deutlich seltener beruhen sie auf einer angeborenen Behinderung, einer Schädigung, die zu einer Entschädigung nach dem sozialen Entschädigungsrecht führt, oder einem Arbeitsunfall.

Welche Menschen sind behindert?

Behinderung setzt zunächst voraus, dass die körperlichen Funktionen, die geistigen Fähigkeiten oder die seelische Gesundheit einer Person von dem Zustand, der für das Lebensalter typisch ist, abweichen. Unter Abweichen versteht man den Verlust oder die Beeinträchtigung von normalerweise vorhandenen körperlichen Funktionen, geistigen Fähigkeiten oder seelischer Gesundheit. Das ist z.B. bei den üblichen Kindes- oder Alterserscheinungen nicht der Fall; sie rufen folglich auch keine Behinderung im rechtlichen Sinne hervor.

Körperliche Funktionsbeeinträchtigung

Ein vom für das typische Lebensalter abweichender körperlicher, geistiger oder seelischer Zustand als solcher stellt aber noch keine Behinderung im Sinne der Schwerbehindertenrechts dar. Vielmehr muss dieser Zustand eine körperliche Funktionsbeeinträchtigung, z.B. eine Gehbehinderung, Atembeschwerden, eine Sehstörung oder einen Verlust bzw. eine Einschränkung geistiger Fähigkeiten (z.B. Verlust der Erinnerungsfähigkeit, Intelligenzmangel) zur Folge haben.

Beispiel

Der Verlust der Zeugungsfähigkeit im Alter wird bei Männern als nicht behindernd angesehen, hingegen wohl bei jüngeren Männern mit noch bestehendem Kinderwunsch.

So bedingen etwa massive Verschleißveränderungen der Wirbelsäule im Röntgenbild, die ab einem bestimmten Alter häufig auch als Zufallsbefund gefunden werden, noch nicht die Annahme einer Behinderung. Vielmehr entsteht eine behinderten-rechtliche Bedeutung erst dann, wenn die Veränderungen zu einem klinisch feststellbaren Funktionsausfall gegenüber dem altersgemäßen Normalzustand geführt haben.

Länger als sechs Monate

Außerdem beinhaltet der Begriff der Behinderung – im Gegensatz zu dem der Krankheit – stets auch ein zeitliches Moment. Behinderung ist im Gegensatz zur Krankheit immer ein chronischer Prozess, da von einer Behinderung nur dann gesprochen werden kann, wenn ein Zustand wenigstens sechs Monate andauert oder mit hoher Wahrscheinlichkeit andauern wird.

Beeinträchtigung der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft

Schließlich müssen nach dem »neuen« Behinderungsbegriff des SGB IX diese Funktionsstörungen die Teilhabe des Betroffenen am Leben in der Gesellschaft beeinträchtigen, wobei es gleichgültig ist, in welchen Lebensbereichen sich diese Auswirkungen zeigen. Dies kann etwa im Berufsleben der Fall sein, notwendig ist das aber nicht. Vielmehr kann auch eine nicht berufstätige Person zum Kreis der Behinderten gehören, die konkret »nur« in der Fähigkeit zu reisen, einen Gottesdienst zu besuchen oder Sport zu treiben beeinträchtigt ist.

Wann sind Menschen mit einer Behinderung als schwerbehindert anzusehen?

Welche Personen als schwerbehindert anzusehen sind, ergibt sich aus § 2 Abs. 2 SGB IX. Danach sind Menschen schwerbehindert, bei denen ein »Grad der Behinderung« (»GdB«) von wenigstens 50 vorliegt, die in Deutschland wohnen, sich hier gewöhnlich aufhalten oder zumindest in Deutschland beschäftigt sind.

Alle Personen können schwerbehindert sein

Ebenso wie Arbeitnehmer können Arbeitgeber, aber auch Rentner, Erwerbslose oder Kinder schwerbehindert sein, denn obwohl das SGB IX einen Hauptzweck im Schutz des Schwerbehinderten am Arbeitsplatz hat, enthält es doch eine umfassende Regelung zum Schutz aller schwerbehinderten Personen, und zwar in sämtlichen Lebensbereichen. In der Praxis ist es sogar so, dass die Mehrzahl von Schwerbehindertenanträgen nicht von Erwerbstätigen gestellt wird, denn der überwiegende Teil der Schwerbehinderten arbeitet bereits aus Altergründen nicht mehr (50 Prozent aller Schwerbehinderten sind 65 Jahre oder älter, weitere 25 Prozent der Schwerbehinderten sind zwischen 55 und 65 Jahren alt).

Auch Ausländer

Da die deutsche Staatsangehörigkeit nicht vorausgesetzt wird, können auch Ausländer die Feststellung ihrer Schwerbehinderung beanspruchen, was besonders für Gastarbeiter und deren Familienangehörige von erheblicher Bedeutung ist (z.B. für ihren Kündigungsschutz). Allerdings müssen sowohl der Aufenthalt in Deutschland als auch die Beschäftigung rechtmäßig sein. Es muss also eine Aufenthalts- und/oder eine Arbeitserlaubnis/ -berechtigung nachgewiesen werden. Schwerbehindert im rechtlichen Sinne können Ausländer aber auch dann sein, wenn sie sich nur geduldet seit Jahren in Deutschland aufhalten, ein Ende des Aufenthalts aber unabsehbar ist und die Ausländerbehörde gleichwohl keinen längerfristigen Aufenthaltstitel erteilt.

Kein Wohnsitz in Deutschland erforderlich

Die besonderen Regelungen zur Teilhabe für schwerbehinderte Menschen gelten solange, wie die Behinderten ihren Aufenthalt oder ihre Beschäftigung in Deutschland und gegebenenfalls im EU-Ausland haben. Ein Wohnsitz im Ausland steht der Feststellung des Grades der Behinderung (GdB) aber weder bei Deutschen, noch bei Ausländern entgegen, wenn eine im Ausland wohnende Person die Feststellung des GdB benötigt, um konkrete inländische Rechtsvorteile in Deutschland in Anspruch nehmen zu können (z.B. den Schwerbehindertenpauschbetrag im Einkommensteuerrecht oder die vorzeitige Altersrente für schwerbehinderte Menschen aus der gesetzlichen Rentenversicherung).

Grad der Behinderung – was versteht man darunter?

Die Auswirkungen einer Beeinträchtigung der Teilhabe am Leben in der Gesellschaft und damit das Ausmaß einer Behinderung werden als »Grad der Behinderung« (abgekürzt: GdB) in einer nach Zehnergraden abgestuften Zahl von 20 bis 100 festgestellt. Die Bemessung des GdB richtet sich nach den Beeinträchtigungen in allen Lebensbereichen, also nicht etwa nur nach der Beeinträchtigung im Erwerbsleben. Deswegen ist mit der Feststellung eines bestimmten GdB auch noch keine Aussage über eine mögliche Beeinträchtigung im Erwerbsleben getroffen.

Es ist also nicht so, dass mit der Feststellung eines GdB von 50 und damit der Schwerbehinderung z.B. das Vorliegen einer Arbeits- oder gar einer Erwerbsunfähigkeit festgestellt wird. Vielmehr dient das Schwerbehindertenrecht ja gerade auch der Eingliederung von Schwerbehinderten in das Erwerbsleben.

Mindestens GdB von 20

Damit von einer Behinderung im Sinne des Gesetzes überhaupt gesprochen werden kann, muss mindestens ein GdB von 20 vorliegen. Erreichen die bei Ihnen vorliegenden Gesundheitsstörungen insgesamt keinen GdB von 20, liegt keine Behinderung im Sinne des Gesetzes vor. Das bedeutet, dass in den Fällen, in denen ein GdB von 20 nicht ermittelt werden kann, keine förmliche Feststellung durch das Versorgungsamt ergeht und der Antrag auf Feststellung einer Behinderung abgelehnt wird.

Sie erhalten also bereits ab einem GdB von 20 einen Bescheid des Versorgungsamts, in dem festgestellt wird, dass Sie behindert sind. Ein Schwerbehindertenausweis steht Ihnen aber erst ab einem GdB von 50 zu.

Höherer GdB

Da Schwerbehinderte nur Personen mit einem GdB von mindestens 50 sind, kommt der Feststellung eines GdB in dieser Höhe in der Praxis die wichtigste Bedeutung zu.

Besondere Bedeutung hat darüber hinaus aber auch noch die Feststellung eines GdB von 30 für Personen, die noch im Arbeitsleben stehen. Bei Vorliegen eines GdB von 30 (oder 40) kann nämlich beim Arbeitsamt die sogenannte »Gleichstellung« mit Schwerbehinderten beantragt werden. Wird die Gleichstellung ausgesprochen, was voraussetzt, dass der Behinderte ohne die Gleichstellung einen geeigneten Arbeitsplatz nicht erlangen oder behalten kann, hat er bereits mit einem GdB von 30 im Arbeitsleben nahezu dieselben Rechte wie ein Schwerbehinderter (vgl. auch S. 86 f.).

Außerhalb dieser Grenzen hat die Höhe des GdB (z. B. die Frage, ob ein GdB von 70 oder 80 vorliegt), vor allem Bedeutung für die Frage der Höhe des steuerrechtlich relevanten Behinderten-Pauschbetrags.

Wo ist das Schwerbehindertenrecht geregelt?

Das Verbot der Benachteiligung behinderter Menschen hat Verfassungsrang und ist seit 1994 ausdrücklich in Artikel 3 Abs. 3 des Grundgesetzes verankert (»Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.«). Die Aufnahme dieses – eigentlich selbstverständlichen – Benachteiligungsverbots trägt vor allem auch dem Umstand Rechnung, dass im Mittelpunkt der politischen und gesellschaftlichen Anstrengungen im Bereich des Behindertenrechts schon seit einiger Zeit nicht mehr die Fürsorge und die Versorgung von behinderten Menschen steht, sondern die Ermöglichung einer selbstbestimmten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und die Beseitigung der Hindernisse, die ihrer Chancengleichheit entgegenstehen.

SGB IX als zentrale gesetzliche Regelung

Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Gesetzgeber im Jahr 2001 als zentrales Gesetz zugunsten (Schwer-)Behinderter das Neunte Buch des Sozialgesetzbuches (SGB IX), das mit dem Titel »Rehabilitation und Teilhabe behinderter Menschen« überschrieben ist, geschaffen. Dieses Gesetz dient in erster Linie der Rehabilitation, also der Eingliederung von behinderten Menschen in Arbeit, Beruf und Gesellschaft in Form von medizinischen, schulischen, beruflichen und sozialen Maßnahmen und Hilfen. Der Gesetzgeber hat hier den Versuch unternommen, die bis dahin in verschiedenen Einzelgesetzen enthaltenen Vorschriften, die sich mit den Leistungen und Hilfen zur Eingliederung behinderter Menschen befassen, in einem Gesetz zusammenzuführen, um die Rechtsanwendung sowohl für die Betroffenen als auch für die Leistungsträger zu vereinfachen. Der erste Teil des Gesetzes enthält Regelungen für alle behinderten und von einer Behinderung bedrohten Menschen. Im zweiten Teil, dem bisherigen Schwerbehindertengesetz, finden sich Regelungen, die ausschließlich für schwerbehinderte (und diesen gleichgestellte) Menschen gelten.

Weitere gesetzliche Regelungen

Die Rechte Schwerbehinderter und Behinderter sind nicht nur im SGB IX geregelt. Es finden sich auch Regelungen in zahlreichen anderen Gesetzen und Verordnungen. Die Regelungen außerhalb des SGB IX haben ihren Schwerpunkt überwiegend nicht in der Integration der Betroffenen in das Arbeits- und Berufsleben. Von Bedeutung sind in diesem Zusammenhang etwa die weiteren Gesetzbücher des Sozialgesetzbuches, insbesondere das SGB III (Arbeitsförderung), das SGB V (Krankenversicherung), das SGB VI (Rentenversicherung) und das SGB XII (Sozialhilfe).

Außerhalb des Sozialrechts ist das Steuerrecht ebenso von Bedeutung wie das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz von 2006 und das Gesetz zur Gleichstellung behinderter Menschen von 2002. Letzteres soll durch den Abbau von Barrieren im öffentlichen Raum Benachteiligungen entgegenwirken.

Insbesondere auch der Umstand der Zersplitterung seiner Rechtsgrundlagen macht das Schwerbehindertenrecht gerade auch für die Betroffenen äußerst unübersichtlich.

Welches sind die wichtigsten Vergünstigungen für Schwerbehinderte?

Nachteilsausgleiche (Vergünstigungen) sind Hilfen für behinderte Menschen zum Ausgleich behinderungsbedingter Nachteile oder Mehraufwendungen. Die wichtigsten Nachteilsausgleiche, die an die Schwerbehinderteneigenschaft anknüpfen, sind im Folgenden im Überblick dargestellt.

Vergünstigungen

Folgende Vergünstigungen erhält der Schwerbehinderte im Bereich des Arbeitslebens:

  • verstärkter arbeitsrechtlicher Kündigungsschutz,

  • Zusatzurlaub von einer (Arbeits-)Woche,

  • Befreiung von Mehrarbeit,

  • besondere Hilfen bei der Erlangung oder Bewahrung eines Arbeitsplatzes durch Arbeitsagenturen und Integrationsämter,

  • besonderer Schutz behinderter Heimarbeiter.

Im Bereich der Krankenversicherung erfolgen Nachteilsausgleiche

  • durch das Beitrittsrecht zur freiwilligen gesetzlichen Krankenversicherung und durch

  • die Befreiung von Zuzahlungen bei chronisch Kranken (ab GdB von 60).

Als Vergünstigungen in der Rentenversicherung ist der vorzeitige abschlagsfreie Rentenbezug von Bedeutung (neuerdings grundsätzlich ab dem 65. Lebensjahr; Rentenbezug schon ab dem 63. Lebensjahr für Schwerbehinderte, die vor 1964 geboren sind; aber Hinausschieben der Altersgrenze für Versicherte, die nach 1951 geboren sind). Versicherte, die bis zum 16.11.1950 geboren sind und am 16.11.2000 schwerbehindert waren, haben Anspruch auf Altersrente für schwerbehinderte Menschen nach Vollendung des 60. Lebensjahres.

Im Steuerrecht gelten sogenannte Behinderten-Pauschbeträge bei der Einkommensteuer, z.B. 570 Euro bei einem GdB von 50, höchstens 1.420 Euro bei einem GdB von 100.

Nachteilsausgleiche, die neben der Schwerbehinderung weitere gesundheitliche Einschränkungen voraussetzen

Neben diesen Nachteilsausgleichen, deren Inanspruchnahme das Vorliegen einer Schwerbehinderung zur Voraussetzung hat, gibt es auch noch Vergünstigungen, die an das Vorliegen weiterer gesundheitlicher Voraussetzungen anknüpfen und deren Inanspruchnahme die Eintragung bestimmter »Merkzeichen« in den Schwerbehindertenausweis voraussetzt. Dabei handelt es sich um die Merkzeichen »G«, »B«, »aG«, »H«, »Bl«, »Gl«, »RF« und »1.Kl«. Damit verbunden sind etwa

  • die (teilweise) Kostenbefreiung im öffentlichen Personenverkehr (z.B. bei »G«, »aG« und »H)«,

  • die Befreiung von der Rundfunkgebührenpflicht und Ermäßigung im Fernsprechdienst (bei »RF«) und

  • die Möglichkeit zum Parken auf Behindertenparkplätzen (bei »aG«).

Kapitel 2: Die Feststellung der Schwerbehinderung

Damit die mit einer Schwerbehinderung verbundenen Rechte in Anspruch genommen werden können, muss zunächst förmlich festgestellt werden, dass eine Schwerbehinderung vorliegt. Dies erfolgt auf Antrag in einem hierfür vorgesehenen Verwaltungsverfahren.

In diesem Kapitel erfahren Sie, auf was Sie bereits bei der Antragstellung achten müssen und wie das Verfahren abläuft. Dabei werden vor allem auch die für die Entscheidungsfindung besonders wichtigen Grundlagen der Bildung des Grades der Behinderung dargestellt.

Wie wird eine Schwerbehinderung festgestellt?

Die Feststellung des Vorliegens einer Behinderung und die Feststellung des Grades der Behinderung erfolgt grundsätzlich durch die für die Durchführung des Bundesversorgungsgesetzes zuständigen Behörden. Das sind die Versorgungsämter, die heute in einigen Bundesländern auch andere Bezeichnungen haben (z.B. »Amt für Versorgung und Familie«, »Amt für Familie und Soziales« oder »Amt für soziale Angelegenheiten«). Im bislang einzigen Bundesland fallen in Nordrhein-Westfalen seit Anfang 2008 die Zuständigkeit für die Durchführung des Bundesversorgungsgesetzes und die Feststellung des Vorliegens einer Behinderung auseinander. Für die Feststellung einer Behinderung sind dort die Kreise bzw. die kreisfreien Städte zuständig, während die Durchführung des Bundesversorgungsgesetzes jetzt den Landschaftsverbänden obliegt. Wenn daher im Folgenden bisweilen vom »Versorgungsamt« gesprochen wird, ist jeweils die nach dem jeweiligen Landesrecht zuständige Behörde gemeint.

Zuständige Behörde

Eine Übersicht darüber, welche Behörde in Ihrem Bundesland für Sie zuständig ist, erhalten Sie im Internet unter www.versorgungsaemter.de. Sie können aber auch Ihre Stadtverwaltung oder jeden Versicherungsträger anrufen und erhalten dort Auskunft.

Nur auf Antrag

Die Feststellung einer Behinderung geschieht nur auf Ihren ausdrücklichen Antrag. Auch wenn bei Ihnen bereits eine Behinderung festgestellt wurde, erfolgt bei einer möglichen Verschlechterung Ihres Gesundheitszustands die Feststellung eines höheren Grades der Behinderung immer nur auf Antrag.

Antragstellung bei jedem Sozialleistungsträger

Sofern Sie die für Sie zuständige Behörde nicht herausfinden können, können Sie den Antrag auch bei jedem Sozialleistungsträger stellen. Dazu zählen etwa die Rentenversicherungsträger (Deutsche Rentenversicherung), die Arbeitsverwaltung (Arbeitsämter) und die gesetzlichen Krankenkassen. Überdies wird der Antrag auch bei allen Gemeinden und bei Personen, die sich im Ausland aufhalten, außerdem auch von den dortigen amtlichen Vertretungen der Bundesrepublik Deutschland entgegengenommen.

Keine Beteiligung Dritter

Beteiligte des Antragsverfahrens sind nur der Antragsteller und die zuständige Behörde.

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