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Schulalltag konkret – Was Lehrpersonen beschäftigt

Inhaltsverzeichnis

Vorwort

Zum Geleit

I Klasse

1 Der «schwierige Schüler»
(Elsbeth Würzer)

2 Disziplin
(Elsbeth Würzer)

3 Teamarbeit und Kooperation
(Thomas Zellweger)

II Unterricht

4 Motivation
(Thomas Zellweger)

5 Aufmerksamkeit und Anstrengung
(Thomas Zellweger)

6 Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitäts-Störung – ADHS
(Thomas Zellweger)

7 Heterogenität: Wunsch und Wirklichkeit
(Thomas Zellweger)

III Lehrperson

8 Rolle und Identität von Lehrpersonen
(Thomas Zellweger)

Exkurs: Die gute Lehrperson
(Elsbeth Würzer)

9 Belastungen im Lehrberuf
(Elsbeth Würzer)

10 Nähe und Distanz
(Elsbeth Würzer)

IV Institution Schule

11 Eine Schule für Knaben?
(Elsbeth Würzer)

12 Die umsichtige Schulleitung
(Thomas Zellweger)

13 Bildungspolitik
(Elsbeth Würzer)

V Eltern

14 Neue Formen der Familiengestaltung
(Thomas Zellweger)

15 Verpflichtungen und Erwartungen von Eltern
(Thomas Zellweger)

16 Elterngespräche
(Elsbeth Würzer)

Anhang

Kollegiale Intervision/Fallbesprechung

14 Prinzipien für die Erziehung eines Kindes mit ADHS

Facetten generischen pädagogischen Wissens

Häufige Erziehungsfehler – Tappen Sie nicht in die Fehlerfalle!

Verzeichnis der Abbildungen

Verzeichnis der Tabellen

Literaturverzeichnis

Bildnachweise

Fußnoten

Vorwort

Selbst für begnadete Lehrpersonen wird der Lehrerberuf immer anspruchsvoller und schwieriger. Dafür sind vielerlei Gründe verantwortlich: Eltern versuchen immer häufiger, sich auf verschiedenen Wegen in den Schulbetrieb einzumischen, wenn sie aus rein subjektiver Sicht mit etwas nicht einverstanden sind. Bildungspolitikerinnen und Bildungspolitiker lieben Schulreformen und verfallen dabei oft einem Populismus, besonders seit die Schule zu einem beliebten Wahlkampfthema geworden ist. Die wachsende Bildungsverwaltung spricht von grossen Freiräumen für die einzelne Schule, greift aber trotzdem vermehrt in das Geschehen ein, weil sie meint, die Lehrerschaft sei nicht fähig, mit solchen Freiräumen sinnvoll umzugehen. Viele Eltern nehmen ihren Erziehungsauftrag nicht mehr richtig wahr, was für die Lehrerschaft stetig belastender wird, weil sie sich mit Problemen beschäftigen muss, die mit ihrem eigentlichen Bildungs- und Erziehungsauftrag nichts mehr zu tun haben. Und schliesslich erschweren die Erziehungswissenschaften die Gestaltung und Führung von Schule und Unterricht. Der prestigegeladene Trend zur datengestützten empirischen Forschung führt zu immer mehr widersprüchlichen Aussagen und häufig zu unreflektierten Übergeneralisierungen, denen die bildungsphilosophische Reflexion oft fehlt und die – vor allem in der Lehrerbildung – zu anhaltend grösserer Verwirrung im Theorie-Praxis-Bezug von Schule und Unterricht beitragen.

Alle diese Erscheinungen machen es heute schwierig, ein Buch über die Schule, den Unterricht und das Umfeld der Schule zu verfassen. Für gewisse Leserinnen und Leser wird es zu wenig wissenschaftlich sein, was immer das heissen mag. Für andere wird es zu zufällig oder zu pragmatisch sein, weil man selbst andere Erfahrungen gemacht hat oder weil die Empfehlungen nicht mit den eigenen Werthaltungen übereinstimmen. In diesem Spannungsfeld haben Elsbeth Würzer und Thomas Zellweger den eigenständigen und originellen Versuch unternommen, aufgrund von Interviews mit Lehrkräften der Volksschule belastende Probleme zu ermitteln und sie mit gut gewählten Beispielen aus dem Schulalltag zu verdeutlichen. Zur Klärung der Frage- und Problemstellungen fügen sie den vordringlichen Problemkreisen, welche die Volksschullehrerinnen und Volksschullehrer belasten, kurze und gut lesbare theoretische Erläuterungen bei, aus denen sie praktische Hinweise und Empfehlungen für den Schulalltag ableiten. Dabei ist das Bemühen um eine differenzierte Darstellung mit einem guten Praxisbezug erkennbar. Das Buch besticht durch die Klarheit der Empfehlungen und enthält viele Hinweise, die für Volksschullehrerinnen und Volksschullehrer sehr hilfreich sein können. Es will den vielen leider durch das Geschehen verunsicherten Lehrkräften Sicherheit geben und auf diese Weise den Lehrerberuf stärken.

Sicher werden einzelne angesprochene Aspekte zu Diskussionen oder gar zu Kritik führen. Aber wer ist heute in Schulfragen überhaupt noch in der Lage, die Wahrheit zu pädagogischen Fragen zu vermitteln? Das Geschehen ist zu kompliziert und beinhaltet zu viele Zielkonflikte, in denen es kein Richtig oder Falsch gibt. Wesentlich sind Schriften, die konsistent sind und Hilfestellung geben, selbst wenn sie in dieser Hinsicht nur Anregungen zur Reflexion bieten.

Dienen kann dieses Buch zwei Zwecken: als Lesebuch zur Erweiterung des eigenen Horizontes, aber ebenso gut auch als Nachschlagewerk, vor allem dann, wenn man als Volksschullehrer oder -lehrerin zu einem eigenen Schulproblem sehen möchte, ob andere Lehrpersonen mit gleichen oder ähnlichen Problemen kämpfen und wie man sie lösen kann. Dank der Gliederung jedes problemorientierten Kapitels in Aussagen von Lehrpersonen, praktische Beispiele und theoretisch fundierte, aber nicht praxisferne Empfehlungen wird das Buch nie langweilig, sondern zu einem zielgerichteten Ratgeber.

Rolf Dubs

em. Professor an der Universität St. Gallen

Zum Geleit

«Der Lehrer hat die Aufgabe, eine Wandergruppe mit Spitzensportlern und ­Behinderten bei Nebel durch unwegsames Gelände zu führen, und zwar so, dass alle bei bester Laune und möglichst gleichzeitig an drei verschiedenen Zielorten ankommen.»

Dass der Lehrberuf anspruchsvoll ist, ist unumstritten. Die verantwortungsvolle Aufgabe immer und immer wieder zur Zufriedenheit aller – der Klasse, der Eltern, der Institution und der Politik – zu erfüllen, gleicht dem Versuch der Quadratur des Kreises.

Als Dozierende einer pädagogischen Hochschule und Schulpraxis-Mentor/in wirken wir an der Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis. Wir gehen in dieser Funktion in etlichen Schulhäusern und Klassenzimmern ein und aus und kommen mit jungen, aber auch mit langjährigen, erfahrenen Lehrpersonen ins Gespräch. Die Türen zur Schulwirklichkeit stehen uns weit offen, und wir gewinnen tiefen Einblick in die (Aus-)Wirkungen der bildungspolitischen Anstrengungen.

«Schulalltag konkret» hat in solchen Gesprächen seinen Anfang genommen. In einer offenen Umfrage baten wir Lehrpersonen in verschiedenen Kantonen, die drei Themen zu benennen, die sie (im April 2011) am meisten beschäftigten. Die Antworten, teils kurz und bündig, teils sehr ausführlich. Sie liessen sich den Kategorien Klasse, Unterricht, Lehrperson, Institution Schule und Eltern zuordnen. Innerhalb dieser Bereiche konnten wir 16 Kernpunkte ausmachen, die sich in den 16 Kapiteltiteln des vorgelegten Buches spiegeln.

Grundsätzlich sind alle Kapitel nach demselben Muster aufgebaut:

A Aussagen von Lehrpersonen

B Beispiele

C Theorie

D Empfehlungen und Massnahmen

Wir waren uns bei der Arbeit an diesem Buch bewusst, dass wir nicht alle angesprochenen Themen gleich ausführlich behandeln können. Angesichts der Komplexität der Fragestellungen verstehen wir «Schulalltag konkret» als Diskussionsbeitrag – und als eine Annäherung an die Quadratur des Kreises.

Unser Dank gilt den Lehrpersonen, die uns mit ihren Antworten auf unsere Umfrage Anstoss zu den Themen gaben: Sachverständigen (Schulleitungen, Heilpädagogen, einer Schulpsychologin, Prof. Rolf Dubs und vielen anderen), den Interviewten; den «Critical Friends», die einige Kapitel durchlasen und uns mit wichtigen ergänzenden Ratschlägen unterstützten und schliesslich dem hep verlag, der unser Projekt von Anfang an unterstützte.

Elsbeth Würzer und Thomas Zellweger

Januar 2013

Das Motto, das diesem Geleitwort vorangestellt ist, stammt aus dem Buch «Das Eltern­gespräch in der Schule» von Claudius Hennig und Wolfgang Ehinger, erschienen bei Auer, Donauwörth.

I Klasse