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Schreiben im Studium: das PiiP-Prinzip

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Das PiiP-Prinzip: einfach & logisch

 

 

Ich, du, er, sie, es schreiben

»Nicht, weil es schwer ist, wagen wir es nicht,
sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer«

Lucius Annaeus Seneca

Herzlichen Glückwunsch, dass Sie sich entschieden haben, Ihre Haus-, Bachelor- oder Masterarbeit in Angriff zu nehmen. Dabei werde ich Sie nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen. Ich weiß um die Angst vor dem weißen Blatt, um die Schwierigkeit, einen ersten Satz zu finden, das gesammelte Wissen zu strukturieren, das Thema einzugrenzen, den roten Faden nicht zu verlieren und Satz für Satz zu Papier zu bringen. Auch weiß ich um den meist schlechten Personalschlüssel zwischen Studierenden und Dozenten und darum, dass Sie mit der Aufgabe des wissenschaftlichen Schreibens oft auf sich allein gestellt sind. Das PiiP-Prinzip, eine Art Bauanleitung für Ihre Haus-, Bachelor- und Masterarbeit, will Ihnen helfen, Ihre Arbeit möglichst leicht und angenehm zu schreiben.

Was haben Hausbau und Hausarbeit gemeinsam?

Bauanleitung deswegen, weil der Bau eines Hauses und das Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit mehr gemeinsam haben, als man zunächst vermuten würde. So offensichtlich die Gesetze allerdings beim Hausbau sind, so geheimnisvoll scheinen sie beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit zu werden. Beim Bau eines Hauses käme niemand auf den Gedanken, zuerst das Dach anzufertigen und danach die Fundamente zu legen. Beim Hausbau leuchtet es ein, dass der Erfolg unter anderem von der richtigen Reihenfolge abhängt. Bei Hausarbeiten hingegen erlebe ich oft, dass Studierende bereits über mögliche Schlussfolgerungen nachdenken, bevor sie das Feld überhaupt gesichtet und eine gründliche Recherche vorgenommen haben. Beim Hausbau ist klar: Ist das Fundament gelegt, überlegt der Bauherr nicht mehr, ob ein weiteres Zimmer im Grundriss nicht schön wäre.

Vermeiden Sie Baustopps

Auch wissenschaftliche Arbeiten folgen bestimmten Gesetzmäßigkeiten. Wenn Sie nach der Recherche und Festlegung Ihres Themas und nachdem Sie womöglich schon einen Großteil der Arbeit geschrieben haben, darüber nachdenken, ob Sie die eine oder andere Idee nicht doch noch integrieren könnten, gefährden Sie sowohl das Konzept als auch den Abschluss Ihrer Arbeit. Solche und andere Zwischenfälle können Sie vermeiden, wenn Sie Ihre Arbeit nach dem PiiP-Prinzip schreiben.

Der richtige Schritt zur richtigen Zeit

Mit dem PiiP-Prinzip gelingt es Ihnen, den richtigen Schritt zur richtigen Zeit zu machen. Sie lernen einzuschätzen, wann Sie brillant sein dürfen, und wann es darum geht, Ihre Ideen stringent umzusetzen und konsequent an Ihrem Text zu arbeiten, so anstrengend und langweilig das zuweilen sein mag. Heben Sie sich geniale Ideen, die Ihnen kurz vor Beendigung Ihrer Arbeit kommen, für zukünftige Arbeiten auf. Dadurch schützen Sie Ihr Haus vor Instabilitäten und erhalten sich die Lust zu schreiben. Das PiiP-Prinzip leitet Sie zielsicher vom ersten Schritt, der Präparationsphase, dem Sammeln und Sichten Ihres Materials, über die Inkubationsphase, in der Sie Ihre Einfälle in Beziehung zueinander setzen, über die Illuminationsphase, in der Ihr Thema eine Richtung erhält und konkretisiert wird, bis zum letzten Schritt, der Produktionsphase, in der Sie Ihre Ideen sprachlich fassen und aufschreiben.

Persönliche Erfolgsstrategien

Und weil ein Bauplan nicht alles und ein Bauherr nur so gut wie seine Berater ist, finden Sie in diesem Buch zusätzlich 50 Tipps von Studierenden, die wissenschaftliche Arbeiten zu einem guten Abschluss gebracht haben, die wissen, womit Sie zu kämpfen haben und Ihnen ihre persönlichen Erfolgsstrategien verraten. Drei Studierende haben freundlicherweise gelungene Beispiele einer Haus-, Bachelor- und Masterarbeit zur Verfügung gestellt, die Ihnen als Modelle für Ihre eigenen Arbeiten dienen können. Mit dieser geballten Unterstützung sind Sie für Ihre wissenschaftlichen Arbeiten bestens gerüstet.

Herz und Hirn: Dreamteam

Sicher haben Sie längst bemerkt, dass Schreiben mehr als Handwerk ist und neben sprachlichen und fachlichen auch emotionale Kompetenzen erfordert. Tipps zur Selbstorganisation und Motivation helfen Ihnen durchzuhalten und sich selbst ein guter Berater und Begleiter während des gesamten Arbeits- und Schreibprozesses zu sein. Kreative Schreibübungen sollen Ihnen Lust aufs (Weiter-)Schreiben machen und können zum Erfolg Ihrer Arbeit ebenso beitragen wie kleine Belohnungen nach Etappensiegen. Damit Sie den Überblick und die Ruhe bewahren, finden Sie in Kapitel 7 zahlreiche Merkblätter, die Sie beim Schreiben Ihrer Arbeit begleiten und dafür sorgen, dass Sie nichts vergessen. Die Zusammenfassungen am Ende der Kapitel ermöglichen es Ihnen, in Kürze das Wesentliche zu erfassen.

Sie müssen das Rad nicht neu erfinden

Zahlreiche Studierende vor Ihnen haben es geschafft, wissenschaftliche Arbeiten zu schreiben und viele Generationen nach Ihnen werden es ebenfalls schaffen. Sie sind mittendrin im Kollektiv der Schreibenden, die mit Hilfe einer wissenschaftlichen Arbeit einen akademischen Abschluss erlangen. Und weil man das Rad nicht dauernd neu erfinden muss, dürfen Sie guten Gewissens von anderen lernen. Lesen Sie wissenschaftliche Arbeiten und lassen Sie sich inspirieren. Untersuchen Sie Form und Stil der Arbeiten und entscheiden Sie, welcher Stil zum Inhalt Ihrer Arbeit und zu Ihnen passt. Bitten Sie Ihre Kommilitonen und Dozenten um Feedback und Unterstützung.

Zum Abschluss möchte ich Ihnen noch zwei kleine Helfer vorstellen, die Sie durch das Buch begleiten und die Sie sicher aus anderen Kontexten kennen:

ImageHelfer 1 vermittelt positive Strategien und sagt: Unbedingt machen!

ImageHelfer 2 bewahrt Sie vor Fehlern und sagt: Möglichst vermeiden!

Sollten Sie bei den kleinen Helfern die Farbigkeit vermissen, steht es Ihnen frei, sie mit Ihren Lieblingsfarben auszustatten. Ich würde mich freuen, wenn Ihnen das Buch helfen könnte, Ihre Haus-, Bachelor- und Masterarbeit zu einem guten Abschluss zu bringen. Dabei und dafür wünsche ich Ihnen viel Spaß und Erfolg!

Ihre Silke Heimes

1 Inspiration 50 % – Transpiration 50 %

Es ist ein Mythos, dass kreative Menschen begünstigte Genies sind, denen die Ideen nur so zufliegen und denen die Umsetzung dieser Ideen keinerlei Mühe und Schwierigkeiten bereitet. In Wahrheit bedürfen neue Ideen einer Wissensgrundlage, deren Aneignung viel Arbeit bedeutet. Und wenn man viel gearbeitet und dann noch ein bisschen Glück hat, stellt sich der ersehnte Geistesblitz ein, die Erleuchtung, die uns ungeheuer erleichtert, wenn auch nur für kurze Zeit. Denn nach der Erleuchtung geht es an die Umsetzung unserer Geistesblitze. Sie sehen, dass 50 % Inspiration noch hoch gegriffen sein dürfte und die Transpiration vielleicht doch eher im Bereich von 70 % anzusiedeln ist. Die gute Nachricht lautet, dass sich die Arbeit lohnt, da auch die Aneignung von Wissen und die Umsetzung von Ideen Spaß macht, besonders, wenn wir uns mit etwas beschäftigen, das uns interessiert.

1.1 Das PiiP-Prinzip: ein erstes Beispiel

Strategien und Prinzipien haben nur einen Nutzen, wenn sie sich in der Praxis anwenden lassen und Vorteile gegenüber herkömmlichen oder alternativen Verfahren bieten. Deswegen habe ich das PiiP-Prinzip beim Schreiben dieses Buches gleich angewendet und möchte Sie an der Entstehungsgeschichte teilhaben und einen Blick durchs Schlüsselloch werfen lassen. Wie Sie in Kapitel 2 lesen werden, bin ich überzeugt, dass sich eine Arbeit umso leichter schreiben lässt, je näher das Thema dem Interessens- und Arbeitsgebiet des Verfassers liegt. Zu meinem Interessens- und Arbeitsgebiet lässt sich sagen, dass ich das Schreiben liebe und bereits einige Bücher geschrieben habe, sodass man behaupten kann, dass das Schreiben sowohl zu meinem Interessens- als auch zu meinem Arbeitsgebiet gehört. Neben dem Schreiben von Büchern arbeite ich als Professorin für Kunsttherapie an der Internationalen Hochschule Calw, bin Honorardozentin an verschiedenen deutschen Hochschulen und betreue im Rahmen dieser Tätigkeiten Haus-, Bachelor- und Masterarbeiten, sodass die inhaltliche Ausrichtung dieses Buches ebenfalls in mein Interessens- und Arbeitsgebiet fällt. Und weil man in einer wissenschaftlichen Arbeit immer auch sein Erkenntnisinteresse und seine Motivation benennen sollte, ist noch anzumerken, dass ich mich für Lern- und Schreibprozesse interessiere und den Wunsch habe, Studierenden mittels ihrer wissenschaftlichen Arbeit zu einem akademischen Abschluss zu verhelfen. Eine weitere Motivation zum Schreiben des Buches war das Anliegen der Studierenden, die in den Beratungen gegebenen Hinweise doch in schriftlicher Form zur Verfügung gestellt zu bekommen, um sie nachlesen zu können.

Kleiner Feldversuch

Wäre dies eine wissenschaftliche Arbeit, hätte ich somit im ersten Absatz mein Erkenntnis- und Praxisinteresse offengelegt und meine Motivation geklärt.[1] Nun zu Ihrem Erkenntnisinteresse und Ihrer Motivation. Sie interessieren sich für bestimmte Sachverhalte und beginnen ein Studium, um mehr über Ihr Interessensgebiet, das im Studium zu Ihrem Arbeitsgebiet wird, zu erfahren. Im Verlauf Ihres Studiums werden Sie von Ihren Dozenten gebeten, eine oder mehrere wissenschaftliche Arbeiten zu schreiben. Und weil Sie das Studium nicht nur angefangen haben, sondern auch beenden wollen, sind Sie hoch motiviert, dieser Aufforderung nachzukommen. Nachdem wir auf diese Weise auch Ihr Erkenntnisinteresse und Ihre Motivation geklärt hätten, starten wir mit der ersten Phase des wissenschaftlichen Schreibens, der Präparationsphase.

Kleiner Feldversuch

In der Präparationsphase hatte ich die Idee, die Studierenden, die es schließlich in erster Linie angeht, zu befragen, auf welche Schwierigkeiten sie beim Schreiben ihrer wissenschaftlichen Arbeiten gestoßen sind, was ihnen geholfen hat und was sie von einem Buch zum wissenschaftlichen Schreiben erwarten. Neunzig Prozent der zu diesem Zweck versendeten Fragebögen kamen innerhalb von zwei Wochen mit erstaunlich detaillierten Angaben zurück. Wäre dies eine wissenschaftliche Arbeit, müsste ich beschreiben, wie viele Fragebögen ich an welche Zielgruppen versendet hatte und müsste den Fragebogen als Anhang beifügen. Für unser kleines Fallbeispiel reicht es jedoch zu wissen, dass die Recherche dazu geführt hat, das Projekt als interessant einzustufen und fortzufahren.

Gedankliche Infektion

Schon haben wir uns gemeinsam in die zweite Phase, die Inkubationsphase, katapultiert. Trotz einiger Skepsis angesichts der zahlreichen Ratgeber, die es zum wissenschaftlichen Schreiben bereits gibt, hatte mich die Idee, ein solches Buch zu schreiben, infiziert. Zugleich vermittelten mir die Antworten auf den Fragebögen eine Idee, wie das Buch aufgebaut sein und was es beinhalten müsste, um für die Studierenden hilfreich zu sein. Bemerkenswert war, dass die Studierenden unter dem Stichpunkt »Schwierigkeiten beim Schreiben einer wissenschaftlichen Arbeit« emotionale Probleme (Mutlosigkeit, Frustration, Überforderung) mindestens ebenso oft angegeben hatten wie formale oder fachliche Probleme. Deswegen halten Sie nun ein Buch in Händen, das Ihnen helfen soll, sowohl Ihre sprachlichen und praktischen als auch Ihre emotionalen Kompetenzen zu stärken. An dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank an alle Studierenden, die den Fragebogen ausgefüllt und zurückgesandt haben.

ImageLassen Sie sich von Ihren Ideen infizieren.

Unser Gehirn arbeitet für uns

Was Sie, ich und unsere Gehirne jetzt brauchen, ist eine Pause, die wir in der Inkubationsphase auch bekommen. Aber seien Sie unbesorgt, das bedeutet keinesfalls, dass wir untätig wären. Im Gegenteil. Unser Gehirn ist, nachdem wir so viel neues Wissen erworben und so viele Überlegungen angestellt haben, ungeheuer aktiv und benötigt eine Ruhephase, um das neue Wissen mit vorhandenem abzugleichen, zu vernetzen und neue Ideen zu generieren. Unser Gehirn brütet so lange über dem gesammelten Wissen, bis es eine Lösung gefunden hat und weiß, wie das weitere Vorgehen aussehen soll.

ImageVertrauen Sie darauf, dass Ihr Gehirn in jedem Augenblick ganz selbstständig für Sie tätig ist.

Leider müssen auch Erleuchtete arbeiten

Der segensreiche Moment, in dem uns klar wird, was wir mit dem Thema anfangen und wie wir unsere wissenschaftliche Arbeit angehen, ist der eigentliche Beginn des wissenschaftlichen Schreibens. Doch bevor wir mit dem Schreiben loslegen, sollten wir noch über einen passenden Titel nachdenken, der für eine Haus-, Bachelor- und Masterarbeit ebenso unabdingbar ist wie für ein Buch. Der Titel Ihrer Arbeit ist das Erste, was gelesen wird und entscheidet mit darüber, ob der Leser sich für Ihre Arbeit interessiert und Lust zum Lesen bekommt. Machen Sie es Ihren Lesern also leicht und wählen Sie einen einladenden Titel. Der Anschaulichkeit halber möchte ich wieder auf die Entstehungsgeschichte dieses Buches zurückkommen. Die erste Titelidee war Das Piep-Prinzip. Damit verbunden war die Assoziation eines Jungvogels, der den Schnabel aufsperrt, um mit Wissen gefüttert zu werden. Mit Piep wären die vier Phasen, auf die sich das Buch bezieht, ebenfalls abgedeckt gewesen: 1. Präparation, 2. Inkubation, 3. Erleuchtung, 4. Produktion. Überlegen Sie bitte einen Augenblick, warum ich diesen Titel nicht gewählt habe ...

PiiP statt Piep statt PIIP

Richtig! Sie haben es erkannt. Der Begriff der Erleuchtung ist deutschen Ursprungs, während die anderen drei Begriffe lateinischen Ursprungs sind. Um logisch und stringent zu verfahren, müssen alle vier Begriffe denselben Ursprung haben. Deswegen also statt dem e für Erleuchtung ein zweites i für den lateinischen Begriff der Illumination. Natürlich ist es auch nicht im Sinne der Stringenz und Einheitlichkeit, dass ich zwei große und zwei kleine Anfangsbuchstaben verwendet habe, obwohl alle vier Begriffe groß geschrieben werden. Doch sehen Sie, was passiert, wenn ich versuche, die Einheitlichkeit zu wahren: PIIP. Ich habe diesen Titel mehreren Leuten vorgelegt, und die meisten haben die beiden großen II als römische Ziffer gelesen. Da ein solches Missverständnis ungünstiger wäre als ein wenig Uneinheitlichkeit, habe ich beim Titel die Stringenz der Verständlichkeit nachgeordnet. Auch Sie dürfen von der Einheitlichkeit abweichen, sofern Sie dafür eine plausible Erklärung liefern. Je genauer und transparenter Sie Ihre Untersuchungen und Überlegungen darstellen, desto wahrscheinlicher ist es, dass Ihre Herleitungen verstanden und von Ihren Lesern als sinnvoll angesehen werden.

Die Umsetzung der Ideen

Nun geht es an die Umsetzung der Ideen und das bedeutet harte Arbeit, die eine gehörige Portion Disziplin und Durchhaltevermögen erfordert. Doch es ist zu schaffen, schließlich halten Sie heute dieses Buch in der Hand, so wie ich seit Jahren Haus-, Bachelor- und Masterarbeiten in den Händen halte, die von Studierenden wie Ihnen geschrieben wurden. Weitere Ausführungen zur Produktionsphase finden Sie in Kapitel 2. Alles, was wissenschaftliches Arbeiten und Schreiben erleichtert und fördert, steckt in Kapitel 3. Und weil Schreiben auch Handwerk ist, gibt es praktische Tipps in Kapitel 4. Kapitel 5 lädt zum Nachahmen ein, in Kapitel 6 helfen Ihnen Ihre Kommilitonen und die Merkblätter in Kapitel 7 sollen Sie sicher durch Ihren Schreib- und Arbeitsprozess geleiten.

ImageDas Schreiben einer Haus-, Bachelor- oder Masterarbeit ist keine Geheimwissenschaft.

Schluss mit irrigen Annahmen

Das war eine lange Einführung, die allerdings ihren Sinn hat. Nur durch die Länge der Darstellung schien es mir gewährleistet, Ihnen einen Eindruck zu vermitteln, welche Ernsthaftigkeit und Zeit Sie jeder der vier Phasen des PiiP-Prinzips zukommen lassen sollten. Einer von vielen Irrtümern beim Schreiben einer Haus-, Bachelor- oder Masterarbeit besteht nämlich darin, zu denken, dass man sich mal eben hinsetzt und schreibt. Mit dieser Annahme sind Enttäuschungen vorprogrammiert. Dann ist sogar die Rede von Schreibhemmungen oder -blockaden, die sich verschärfen, je mehr man an sie glaubt. Dabei sind Schreibprobleme oft irrigen Annahmen geschuldet, wie eben jener, man könne mal eben in Phase 4 springen und einfach so, ganz ohne praktische und gedankliche Vorarbeit, eine wissenschaftliche Arbeit schreiben.

ImageOhne Vorarbeit lässt sich kein wissenschaftlicher Text schreiben.

1.2 Definieren Sie, wovon Sie schreiben

Sie kennen das sicher aus dem Alltag. Zwei Menschen unterhalten sich, und beide gehen davon aus, dass sie mit den verwendeten Begriffen das Gleiche meinen. Doch Sie wissen, dass das nicht immer der Fall ist, sondern wir sprachlich vielmehr sehr präzise sein müssen, um einander zu verstehen. Dazu ein Gesprächsbeispiel, in dem sich zwei Personen über Schlaflosigkeit unterhalten. Der eine Gesprächspartner versteht darunter, dass er ein oder zwei Stunden wach liegt, bevor er einschläft, während der andere die ganze Nacht nicht schlafen kann. Ersterer behauptet, sich mit seiner Schlaflosigkeit, die definitionsgemäß eine Einschlafstörung ist, gut arrangiert zu haben. »Das könnte ich nicht«, sagt der, der die ganze Nacht wach liegt, »ich finde diese Schlaflosigkeit inakzeptabel.« Das Missverständnis lässt sich in diesem Fall durch direkte Rücksprache leicht beheben. In einem Text ist die Möglichkeit der direkten Rückfrage allerdings nicht gegeben, weswegen wir sprachlich noch genauer sein müssen.

ImageKommunikation funktioniert nur, wenn alle wissen, wovon die Rede ist.

Wer sind Ihre Leser und was brauchen sie?

Beschäftigt man sich mit fachspezifischen Inhalten, bei denen Fachbegriffe erforderlich sind, sollte man klären, in welchem Sinn und Zusammenhang man die Begriffe verwendet. Dabei reicht es, den jeweiligen Begriff einmal zu erklären und zwar an der Stelle, an der er zum ersten Mal genannt wird. Zu berücksichtigen ist dabei der Leserkreis. Würde ein Mediziner, der für eine medizinische Fachzeitschrift schreibt, alle lateinischen Begriffe erklären, wäre der Artikel unlesbar und seine Kollegen wären pikiert, weil man in einer solchen Zeitschrift von einem Basiswissen ausgeht, das es ermöglicht, bestimmte Sachverhalte zu verstehen. Sie aber schreiben eine Haus-, Bachelor- oder Masterarbeit und sind Studierende. Das bedeutet, dass Ihre Arbeiten vorwiegend von Angehörigen der Hochschulen, interessierten Laien und dem ein oder anderen Praktiker Ihres Fachgebietes gelesen werden. Deshalb sollten Sie Begriffe, deren Bedeutung nicht als allgemein bekannt vorausgesetzt werden kann, erklären.

Die Dosis macht’s

Die Verwendung von Fachausdrücken ist nur sinnvoll, wenn diese zur Präzision und Klarheit beitragen. Der Gebrauch unnötig vieler Fachbegriffe hingegen ist nicht geeignet, Ihrer Arbeit einen wissenschaftlichen Anstrich zu verleihen, sondern führt allenfalls dazu, dass die Arbeit schwer lesbar wird.

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