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Schlichte Gedichte

Der Mensch

Es isst der Mensch, so lang’ er lebt,
mal schmatzend laut, mal sittsam leise,
wenn er sich nach dem Mahl erhebt,
denkt er: „Wird doch nur alles Sch …!“

Es trinkt der Mensch, so lang’ er lebt,
selbst saufend, dass die Leber platzt,
wenn er das Gläschen nicht erhebt,
so ist sein Leben auch verpatzt.

Es liebt der Mensch, so lang’ er lebt,
all das, was ihm so Freude macht,
wenn’s nicht in seinem Herzen bebt,
dann hat ihm gar nichts Spaß gemacht.

Es wirkt der Mensch, so lang’ er lebt,
auch schuftet er wie ein Idiot,
wenn er dann aber nicht mehr strebt,
hat er’s geschafft und ist nun tot.

Wenn er hinauf zum Himmel fährt,
dann war er stets ein frommer Christ;
wird er vom Teufel heiß begehrt,
dann war er halt nur Atheist.

Größe

Er steht in Pose, er ist der Große,
er überstrahlt nun selbst die Sonne,
gestern Mimose, heute schon Rose,
geschüttelt jetzt von höchster Wonne.

Die Männer brüllen, die Frauen kreischen,
man will ihn fühlen, will ihn tasten,
von ihm nur einen Blick erheischen,
um dann von Sinnen auszurasten.

Hoch auf der Bühne, hoch über allen,
steht er, genießt die Jubelmasse,
wie schön, so allen zu gefallen;
er ist nun unerreichte Klasse.

Auch die Kulissen sind hingerissen,
der einen reißt sogar der Strick,
sie saust nach unten, will ihn küssen,
und bricht ihm dabei das Genick.

Kannibalenfrühstück

Ich war auf der Flucht,
denn ich hatte versucht,
einen Kannibalen
beim Frühstück zu malen.
Seine Mahlzeit war karg,
weil nur Knochen im Sarg,
den als Schwemmgut er fand
am nahen Sandstrand.
Als er mich erblickte,
sich sofort anschickte,
mich zu erhaschen
und dann zu vernaschen.
So liefen wir Beide
dahin und ins Weite,
die kreuz und die quer,
ich konnt’ bald nicht mehr.
Deshalb blieb ich stehen,
begann dann zu flehen:
„Herr Kannibale,
meine Puste ist alle!
Tu mir bitte kein Leid,
mein Geburtstag ist heut’!“
„Das trifft sich ja gut“,
sprach er ohne Wut,
„ihn müssen wir feiern
mit Fleisch und mit Eiern!
Das ist bei uns Sitte.“
„Oh nein, bitte, bitte!
Ich habe die Grippe
von des Schweines Sippe.“
Sein Gesicht wurde blass.
„Dann lassen wir das!“
Er kam mir nicht näher.
„Scheiß Europäer!“
sagte er kalt
und verschwand dann im Wald.

Angler Gerhard

Angler Gerhard sitzt am Wasser,
starrt auf dieses und hofft, dass er
heute diesen Fisch erwischt,
der ihm bisher stets entwischt.

Wenn ihm dieses nun gelänge,
wär’s der größte seiner Fänge.
Still ist es um ihn ringsum,
auch die Grillen bleiben stumm.

Nur sein Herz pocht etwas lauter. -
Da! Was ist das? Was erschaut er?
Heftig zuckt die Angelschnur,
Gerhard reißt sie rasch retour.

Sein Bemühen ist beschwerlich;
der am Haken zeigt sich störrisch,
denn er zerrt auch selbst verbissen,
bis die Angelschnur gerissen.

Gerhard flucht aus Leibeskraft:
„Beinah’ hätt’ ich es geschafft!
Wieder ist er mir entwischt!“
Plötzlich schäumt das Wasser Gischt.

Aus geteilter Flut steigt jetzt
ein Wesen, algenreich besetzt,
und brüllt gar laut und fürchterlich:
„He, Angler, hast du einen Stich?!

Das ist doch wirklich unerhört,
dass du beim Tauchen mich gestört!“
Gerhard rutscht das Herz zur Hose:
„Lieber Taucher, sei nicht bose,

ich wollte mit ’nem Fischlein klein
meine Gattin hoch erfreu’n.
Die isst so gern gebrat’nen Barsch.“
„Doch sicher nicht ’nen Taucherarsch“,

der Taucher unerfreut so spricht
und zeigt sein hinteres Gesicht.
In ihm steckt tief der Angelhaken.
Verständlich deshalb sein Wehklagen.

Und die Moral von der Geschicht’:
Es ist das Angeln wahrlich nicht
geruhsam, sondern manchmal hart.
Glaubt ihr es nicht? Fragt doch Gerhard.

Hund und Katze

Sie wollten endlich Frieden schließen,
ein Hund und eine Katze.
„Es muss dich dann nicht mehr verdrießen,
wenn wütend ich dich hatze“,
so sprach der Hund mit treuem Blick.
Die Katze war’s zufrieden,
im Überschwang von hohem Glück
krault sie das Fell des Rüden.
So lebten sie recht unbeschwert,
den Menschen auch zur Freude.
Wer meint, das sei doch unerhört,
der frage doch die Leute.

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