Logo weiterlesen.de
Schlagfertigkeit

Vorwort

Wer viel diskutieren, verhandeln und überzeugen muss, der weiß, wie wichtig es ist schlagfertig zu sein. Nicht immer gewinnt das beste Argument, sondern oft genug gilt: Frechheit siegt. Dabei ist nichts unangenehmer als sich überrumpeln zu lassen und schweigen zu müssen, während unser Gegenüber die Lacher auf seiner Seite hat.

Schlagfertigkeit ist im Privat- und im Berufsleben überaus nützlich. Sie macht uns selbstbewusster, souveräner. Schlagfertige Antworten helfen dabei, sich durchzusetzen oder zumindest zu behaupten. Und sie verhindern, dass wir Opfer unfairer Angriffe werden.

Schlagfertigkeit kann man entwickeln. Unser TaschenGuide möchte Ihnen vermitteln, wie das geht. Sie lernen einige Grundtechniken kennen und die gefährlichsten Fußangeln. Sie erfahren, wie Sie sich gegen dumme Sprüche wehren können und peinliche Situationen meistern. Dabei werden Sie hoffentlich schon bald feststellen, dass Schlagfertigkeit nicht nur nützlich ist, sondern auch Vergnügen macht.

Dr. Matthias Nöllke

Was ist das überhaupt, Schlagfertigkeit?

Plötzlich ist es da: Das Gefühl, jetzt müsste man einen ganz bestimmten Satz sagen. Einen Satz, der kurz und knapp die Situation klärt, einen Satz, der klar macht, dass man sich nicht alles bieten lässt, einen Satz, der das dahinschmelzende Selbstwertgefühl zurückgibt.

Wohl dem, dem der benötigte Satz auch einfällt, wenn er ihn benötigt. Wer in dem Moment nicht schlagfertig war, fühlt sich danach mehr oder weniger elend.

In diesem Kapitel erfahren Sie einiges über

  • die wichtigsten Merkmale von Schlagfertigkeit,

  • die größten Risiken der Schlagfertigkeit und

  • das Erlernen von Schlagfertigkeit.

Wann und wie Schlagfertigkeit wirkt

Die unangenehme Situation

Schlagfertigkeit ist situationsabhängig. Sie ist eine Reaktion auf einen Angriff oder auf eine mehr oder weniger humorige Bemerkung eines Gesprächspartners. Ohne entsprechenden Anlass kann man auch nicht schlagfertig sein.

Solche Anlässe sind typischerweise unangenehme Situationen, mit denen Sie nicht gerechnet haben und die Ihnen eine Reaktion abverlangen. Menschen, die leichter in einem entspannten Klima glänzen, dürfen zwar auch als schlagfertig gelten – doch genau genommen sind sie eher geistreich, witzig oder originell als schlagfertig.

Folgende Beispiele sind typisch für Situationen, in denen wir gerne schlagfertig wären:

  • Sie stehen seit einer halben Stunde an. Ein paar Meter vor Ihnen stellt sich jemand neben die Schlange und fädelt sich ganz unauffällig ein. Niemand sagt etwas.

  • Sie haben ein Problem mit Ihrem Computer. Ein Arbeitskollege hilft Ihnen, die Sache in Ordnung zu bringen. Es lag an irgendeiner Kleinigkeit. Grinsend bemerkt Ihr Kollege: „Kleiner Tipp: Nächstes Mal vorher Gehirn einschalten.“

  • Sie nehmen an einer Podiumsdiskussion teil. Ihre Argumente sind überzeugend und Sie haben das Gefühl, Sie kommen gut an. Plötzlich macht Ihr Kontrahent eine alberne Bemerkung über Ihre Frisur. Das Publikum lacht.

  • Sie setzen sich in der Kantine zu einer Gruppe von Arbeitskollegen, da sagt einer: „Kennt ihr den Unterschied zwischen ihm und einem Glas Wasser?“ Die Kollegen glucksen. „Wasser ist flüssig, er ist überflüssig.“

  • Sie nehmen an einem Vorstellungsgespräch teil, das sich ganz gut entwickelt. Mit einem Mal bemerkt Ihr Gegenüber: „Was benutzen Sie eigentlich für ein Parfum?“

  • Im Restaurant studieren Sie die Speisekarte. Der Ober erscheint und will Ihre Bestellung aufnehmen. Sie bitten ihn, noch einmal wieder zu kommen, da Sie sich noch nicht entschieden hätten. Nun lässt er Sie lange warten. Endlich tritt er doch an Ihren Tisch und fragt vorwurfsvoll: „Sind wir jetzt so weit?“

Fallen Ihnen keine Antworten ein? Oder überzeugt Sie Ihre Reaktion nicht so recht? Fühlen Sie sich unbehaglich? – Dann befinden Sie sich in einer typischen Situation, in der Ihnen mit Schlagfertigkeit geholfen wäre.

Das überraschende Moment

Schlagfertigkeit lebt von der Überraschung. Ist Ihre Antwort vorhersehbar, dann ist sie sicher nicht schlagfertig. Ihr Gegenüber sollte von Ihrer Reaktion verblüfft sein.

Das führt freilich in ein gewisses Dilemma. Denn Sie werden in diesem TaschenGuide verschiedene „Techniken“ kennenlernen, die viel von ihrer Wirksamkeit verlieren, wenn sie allzu mechanisch angewendet werden. Trotzdem sind diese Techniken eine wichtige Hilfe, sie sind sozusagen Ihr Stützkorsett, das Sie beizeiten ablegen sollten, um wirklich schlagfertig zu werden.

Doch das überraschende Moment liegt nicht nur in Ihrer Antwort, sondern auch in der Situation, in die Sie geraten. Je unerwarteter die Situation auftritt, umso schlagfertiger kann Ihre Reaktion erscheinen. Es wird zwar schwieriger, überhaupt zu kontern, wenn Sie verblüfft sind, andererseits sinken die Anforderungen an eine schlagfertige Reaktion, je überraschender die Situation erscheint. Wir kommen auf diesen Effekt noch zu sprechen.

Die wiederhergestellte Souveränität

Das eigentliche Ziel der schlagfertigen Antwort ist, die eigene Souveränität zu behalten, auszubauen oder wiederherzustellen. Denn die „unangenehme“ Situation, in der Schlagfertigkeit gefordert ist, zeichnet sich meist dadurch aus, dass wir unsere Souveränität bedroht glauben.

Man begegnet Ihnen nicht mit Respekt, sondern mit Verachtung. Man ignoriert Ihre Wünsche oder legitimen Interessen. Man verlangt etwas von Ihnen, dem Sie sich eigentlich nicht fügen möchten, dem Sie sich aber auch nicht entziehen können, oder eine bestimmte Situation zwingt Ihnen Regeln auf, die Sie nicht akzeptieren können.

Wenn Sie schlagfertig reagieren, bekommen Sie die Fäden wieder in die Hand. Sie bestimmen dann die Situation, wenigstens soweit es Ihre eigene Person betrifft. Diesen Punkt gilt es im Auge zu behalten. Er markiert geradezu den Kern der Schlagfertigkeit. Denn es geht nicht darum, jemandem originell oder lustig zu antworten, sondern darum, die eigene Selbstachtung zu wahren und souverän zu handeln. Darin liegt der Nutzen von Schlagfertigkeit.

Natürlich muss Ihre Souveränität nicht immer regelrecht bedroht sein. Auch auf ganz normale Fragen oder leere Floskeln können Sie schlagfertig antworten, Erwartungen und Konventionen kann man mit einer schlagfertigen Bemerkung durchbrechen. Dadurch können Sie besonders souverän erscheinen oder originell oder – im schlechten Falle – eitel.

Das nötige Quäntchen Bosheit

Schlagfertige Antworten sind meist nicht besonders nett, manchmal sind sie regelrecht verletzend, in einzelnen Fällen sogar vernichtend. Ihr Gegenüber kann sich gekränkt fühlen und sich vornehmen, es Ihnen bei nächster Gelegenheit heimzuzahlen.

Schlagfertigkeit ist also kein Instrument, um Konflikte zu schlichten oder sich Gegner zu Freunden zu machen. Im Gegenteil: Schlagfertigkeit kann Konflikte verschärfen. Darum ist es manchmal zweckmäßiger auf eine schlagfertige Replik zu verzichten, auch wenn sie Ihnen schon auf der Zunge liegt. Aber eben nur manchmal. In anderen Fällen kann eine schlagfertige Reaktion eine heikle Situation auch entschärfen. Oft ist es durchaus angebracht, wenn Sie sich zur Wehr setzen. Und dann kann ein gewisses Maß an Bosheit durchaus von Vorteil sein.

Die eigene Bosheit ist aber oft schwieriger zu mobilisieren, als man glauben mag. Schließlich haben wir gelernt, mit unseren Mitmenschen freundlich umzugehen, sie höflich und mit Respekt zu behandeln. Was aber tun in Situationen, denen wir mit Höflichkeit nicht beikommen, in denen sie uns sogar eher hindert, angemessen zu reagieren? Wir fühlen uns wie gelähmt und benehmen uns ungelenk, anstatt mit geeigneten Worten zu kontern.

Die doppelte Legitimation

Schlagfertigkeit hat nichts mit Flegelei zu tun. Das nötige Quäntchen Bosheit soll ja schließlich nur dann eingesetzt werden, wenn es gebraucht wird – und zwar wohldosiert. Die Bosheit einer schlagfertigen Antwort ist nicht Selbstzweck, sie muss gerechtfertigt sein, um keine Unverschämtheit zu werden. Dazu bedarf sie einer doppelten Legitimation:

  • Die pragmatische Legitimation:

    Die Schärfe, die Sie Ihrer Antwort geben, muss aus der Situation verständlich sein. Sie setzen sich mit angemessenen Mitteln zur Wehr.

  • Die ästhetische Legitimation:

    Der Gegenangriff darf nicht mit dem Holzhammer daherkommen, sondern muss entsprechend verpackt werden.

Das klingt vielleicht etwas abstrakt, doch wird schnell klar, was damit gemeint ist, wenn wir uns konkrete Situationen dazu vorstellen.

Die „pragmatische Legitimation“
Beispiel

Eine wichtige Besprechung. Acht Leute sitzen beisammen. Seit einer Viertelstunde warten sie auf Herrn Mältzer, der wichtige Unterlagen mitbringen soll. Schließlich erscheint Mältzer. Der Vertriebsleiter schüttelt den Kopf: „Herr Mältzer, Sie kommen ja schon wieder zu spät.“ Mältzer grinst: „Ich weiß. Unser Unternehmen steht deswegen kurz vor dem Zusammenbruch.“

Das ist keine schlagfertige, sondern eine unverschämte Antwort. Dem Gegenangriff von Mältzer fehlt die „pragmatische Rechtfertigung“, denn die Kritik an der Unpünktlichkeit von Mältzer ist ja berechtigt und verlangt eine Erklärung oder eine Entschuldigung. Besser noch beides.

Beispiel

Mältzer erscheint pünktlich. Der Vertriebsleiter schüttelt den Kopf: „Mältzer, warum haben Sie eigentlich immer einen Regenschirm dabei? Wenn Sie immer so übervorsichtig sind, werden Sie nie Erfolg haben!“ Mältzer nickt: „Sie haben Recht. Unser Unternehmen steht deswegen kurz vor dem Zusammenbruch.“

Das ist eine schlagfertige Replik, die durchaus noch etwas schärfer hätte ausfallen können. Der Vertriebsleiter formuliert einen Vorwurf, der auf einer abstrusen Verkettung beruht. Mältzer treibt diese abstruse Verkettung noch weiter und weist dadurch den Vorwurf zurück.

Die „ästhetische Legitimation“
Beispiel

Mältzer erscheint zu spät. Der Vertriebsleiter schüttelt den Kopf: „Sie sind ein hirnverbrannter Idiot, Mältzer!“ Mältzer entgegnet: „Stimmt nicht, Sie sind ein hirnverbrannter Idiot!“

Der Vertriebsleiter hat sich im Ton vergriffen. Mältzer ist also „pragmatisch legitimiert“, sich mit einer schlagfertigen Antwort zu wehren. Aber das „Heimzahlen mit gleicher Münze“ muss einen gewissen Umweg gehen, über ein Wortspiel, eine Andeutung oder irgendeinen kleinen Kniff. Dabei kann der „ästhetische Umweg“ recht kurz sein.

Beispiel

Der Vertriebsleiter: „Sie sind ein hirnverbrannter Idiot!“ Mältzer schaut an sich vorbei und entgegnet: „Tragen Sie wieder Ihre vollverspiegelte Brille?“ Oder noch knapper. „Hirnverbrannter Idiot!“ – „Angenehm, Mältzer.“

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Dass diese Antworten schlagfertiger sind als eine plumpe Retourkutsche, bedeutet nicht, dass sie unbedingt zu empfehlen wären.

Humor macht es leichter

„Humor ist der Knopf, der verhindert, dass uns der Kragen platzt“, sagt Joachim Ringelnatz. Eben deshalb ist er so nützlich, wenn es um Schlagfertigkeit geht. Mit Witz, Humor und Ironie lösen wir einen Angriff in Lachen oder zumindest Lächeln auf. Die Atmosphäre entspannt sich.

Humor wirkt buchstäblich entwaffnend und bewahrt uns unsere Souveränität. Jemand greift uns an; wir lassen seine Attacke ins Leere laufen. Damit schaffen wir Distanz. Der Gesprächspartner kann uns seinen Kampf nicht aufzwingen und wir bleiben nicht wehrlos.

Gleichzeitig können Sie Humor einsetzen, um Ihrerseits anzugreifen oder zurückzuschlagen. Ein gelungener Witz ist die beste „ästhetische“ Legitimation, die es gibt. In seinem Windschatten dürfen Sie Dinge äußern, die man Ihnen sonst verübeln würde. Wenn Sie Ihr Publikum oder sogar Ihren Gegner zum Lachen bringen, haben Sie gewonnen.

Doch Vorsicht, ein schlagfertiger Witz kann sehr grimmig oder verletzend sein. Wenn Sie Ihr Gegenüber zum Gespött machen, dürfen Sie sich nicht wundern, dass der Konflikt eskaliert. Es kommt also ganz darauf an, welche Wirkung Sie erzielen wollen. Ob es Ihnen darum geht, einem Angriff auszuweichen, oder ob Sie den Angreifer matt setzen möchten.

  • Die humoristische Umdeutung einer verbalen Attacke ist freundlicher und ungefährlicher als ein direkter Gegenangriff. Sie eignet sich gut, um peinliche Situationen zu meistern.

    Nachteil: Bei wirklich unfairen und bösartigen Attacken ist sie zu harmlos. Ihr Gegenüber könnte Ihr Verhalten als ausweichend empfinden und seine Angriffe unbeirrt fortsetzen. Im schlimmsten Fall provozieren Sie auf diese Weise weitere und schlimmere Aggressionen.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Schlagfertigkeit" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

buchhandel.de

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen







Teilen