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Schattengalaxis - Das letzte Gefecht

Daniel Isberner

Schattengalaxis - Das letzte Gefecht

Am Rande des Untergangs 3





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Prolog

Ca. 5.000 Jahre v. Chr.

Flaggschiff Preiw’izow - Uilopis System

Ein Ruck ging durch das Schiff und sie fielen aus dem Hyperraum. Admiral Zeris’opa stand allein auf der Brücke der Preiw’izow in der Mitte eines Hologramms des Systems. Um ihn herum kamen mehr und mehr Schiffe aus dem Hyperraum, bis die gesamte Flotte der Ix im System angekommen war. Thar’ara’tedos, ihr Hirachosa im Körper des Präsidenten der Setzät, hatte die gesamte Flotte ihres Feindes ins System verlegt, angeblich für einen großen Gegenschlag gegen die Ix. Aber sie waren nicht darauf vorbereitet, sich ihnen in all ihrer Herrlichkeit zu stellen.

Sie hatten die letzten zwei Wochen im Hyperraum gesteckt, ohne jeden Funkkontakt zu ihrer Flotte oder den anderen Teilen ihres Reiches und die ersten Statusmeldungen waren nicht alle positiv. Manche ihrer Schiffe meldeten Fehlfunktionen in verschiedenen elektronischen Systemen, aber das war nach längeren Hyperraumflügen normal – er hatte jedoch nicht mit der Vielzahl der Meldungen gerechnet.

Egal, unsere Flotte ist dem Feind auch so noch immer weit überlegen. Wir werden den Widerstand brechen, ein für alle Mal. Die Galaxis wird uns gehören.

Der Widerstand der Setzät war unerwartet gewesen. Etwas, das sie noch nie zuvor erlebt hatten. Sie hatten Galaxien über Galaxien ihrem Willen unterworfen, verbrachten Jahrhunderte auf den Reisen zwischen ihnen, wenn sie eine Galaxis ausgebeutet hatten und noch nie zuvor hatten sie einen solchen Widerstand erlebt – zumindest erzählten ihnen das ihre Geschichtenerzähler.

Zeris’opa hatte seine Zweifel daran, dass alles was sie erzählten auch wirklich stimmte – das würde er jedoch niemals offen zugeben. Die Geschichtenerzähler anzuzweifeln wurde mit dem Tod bestraft. Er selbst hatte bereits Untergebene hingerichtet, weil sie genau das getan hatten. Weil sie bemerkt hatten, was auch er bemerkt hatte: Die Geschichten der Geschichtenerzähler ergaben keinen Sinn, widersprachen sich sogar immer häufiger, desto öfter sie erzählt wurden. Aber man tat, was man tun musste, um das Reich zu erhalten.

Sie gaben sich immerhin auch mit den Hirachosa ab, einer widerlichen, im Labor gezüchteten, Perversion von Leben - dann konnten sie auch widersprüchliche Geschichten der Geschichtenerzähler überstehen.

Aber all das war nicht, warum sie hier waren. Es waren Nebensächlichkeiten, mit denen er sich ein Andermal befassen konnte. Er hatte eine Flotte in die Schlacht zu führen.

Er richtete sich auf all seinen zwölf Beinen auf, verschränkte seine vier Arme vor der Brust und streckte seine Kopftentakel weit von sich – eine Haltung, die Kraft und Selbstsicherheit ausstrahlte.

Auch wenn niemand auf der Brücke war, der ihn sehen konnte, so wurde sein Bild doch auf alle Schiffe der Flotte und zu den Besatzungsmitgliedern an den Waffensystemen der Preiw’izow übertragen. Aber so sehr er sich auch in Stellung brachte, er war kein Mann großer Worte, daher fiel seine Ansprache kurz aus:

„An alle Schiffe: Wir haben eine letzte Schlacht zu schlagen, bevor wir die Herrschaft über diese Galaxis erklären können. Ihr kennt den Plan. Auf in die Schlacht!“

Für seine Verhältnisse war das sogar eine recht lange Motivationsrede.

Um ihn herum flammten die Antriebe der holografischen Schiffe auf und die Flotte setzte sich in Bewegung.

14. März 2225

Ausbildungsschiff Kiwa’oro - Interdimensionale Spalte

Pawet’iru hörte dem Geschichtenerzähler zu, der der Gruppe von Kadetten eine andere Version der Geschichte erzählte. In seiner Version war Zeris’opa ein inkompetenter Admiral, der sich fast selbst in seinen zehn Beinen verhedderte, während er die Flotte in eine offensichtliche Falle schickte. Allein schon, dass er in der Geschichte nur zehn Beine hatte… Niemand aus den niederen Kasten hätte es je zum Admiral bringen können. Aber was erwartete sie auch von einer zehnbeinigen Missgeburt wie diesem Geschichtenerzähler?

Sie kannte die Wahrheit. Hatte die persönlichen Aufzeichnungen von Admiral Zeris’opa gesehen, die ihre Familie seit Generationen aufbewahrt hatte – immer darauf bedacht, dass ihre Abstammung vom Admiral nicht bekannt wurde. Nachdem die Setzät sie in die interdimensionale Spalte verbannt hatten, waren er und seine gesamte Familie hingerichtet worden. Alle bis, auf die ungeborene Tochter, die sich in einer Brutkammer an Bord eines der anderen Schiffe befunden hatte. Freunde hatten dafür gesorgt, dass sämtliche Aufzeichnungen über die Kammer aus den Archiven verschwanden und so gesichert, dass seine Linie weiterleben konnte.

Und jetzt musste sich Pawet’iru durch Geschichten voller Lügen quälen, um die militärische Ausbildung abzuschließen, die jeder hochgeborene, zwölfbeinige Ix durchlief. Plötzlich sah sie die anderen Kadetten um sie herum völlig verzerrt und sie hatte ein Ziehen im Magen, gefolgt von einem Gefühl der Übelkeit.

Was im Namen der Gottheit war das?

Die Gottheit… selbst wenn sie in ihren Gedanken fluchte, traute sie sich nicht den Namen der Unnennbaren auszusprechen.

Plötzlich war der Raum in ein warnendes, dunkles Blau getaucht und sie konnte Panik bei ihren Mitkadetten ausbrechen sehen – ihre Tentakel wirbelten wild durcheinander. Sie hatte mehr Selbstkontrolle und hielt ihre Tentakel eng an ihren Kopf angelegt. Einige der Kadetten waren ihre Freunde, aber plötzlich verspürte sie nur noch Verachtung für sie. Wie konnten sie so wenig Kontrolle über ihre Tentakel haben?

Der einzige andere im Raum, der nicht wild zuckte, war der Geschichtenerzähler. Für sie war er noch immer eine Missgeburt, aber sie gestand sich ein, dass sie seine Selbstkontrolle respektierte.

Es war keine Panik, sondern Neugierde, die sie dazu trieb ihre Beine unter sich zu entfalten und den Raum zu verlassen. Den hinter ihr her brüllenden Geschichtenerzähler, der sie aufforderte stehen zu bleiben, ignorierte sie. Er war unter ihrer Würde.

Auf dem Weg zur Brücke musste sie mehrere andere Ix aus dem Weg schubsen, um nicht stehen bleiben zu müssen. Einer von ihnen wollte ihr aber partout nicht aus dem Weg gehen, also musste sie drastischere Schritte ergreifen. Sie schlug mit allen vier Fäusten in sein Gesicht. Blaues Blut floss an ihm herunter und er ging zu Boden. Erst jetzt bemerkte Pawet’iru, dass es sich um einen Offizier handelte. Sie hatte die vier goldenen Sonnen auf seiner Uniform übersehen.

Nichts, was ich jetzt noch daran ändern könnte.

Sie schritt über den gefallen Offizier hinweg und hörte mehrere seiner Knochen brechen, als ihre zwölf Beine auf ihn traten. Sie schaute kurz zu ihm zurück, um sicherzustellen, dass sie ihn nicht versehentlich getötet hatte. Aber sie war zufrieden, sie hatte lediglich fünf seiner zehn Beine gebrochen, sein Brustkorb hob und senkte sich noch immer – zwar schwach, aber er lebte.

Gut. Sie hatte nicht vorgehabt, ihn zu töten.

Die durch den Gang eilenden Ix ignorierten den Vorfall. Sie alle wussten, dass eine Einmischung keine gute Idee gewesen wäre - und sie hatten eigene Aufgaben zu erfüllen, deren Vernachlässigung der Kapitän nicht gut aufgenommen hätte.

Die Geschichtenerzähler behaupteten, dass solch ein Verhalten bei anderen Spezies nicht auftreten würde, dass es das war, was die Ix überlegen machte, aber sie hatte eigentlich keine Chance, das zu überprüfen. Sie war in der interdimensionalen Spalte geboren und sie würde in der interdimensionalen Spalte sterben. Ihr einziger Kontakt zu anderen Spezies waren die Nachkommen der Sklaven, die sich während ihrer Verbannung auf ihren Schiffen befunden hatten – und die Wenigen von ihnen, die sich frei bewegen durften, dienten als Wirte für Hirachosa. An ihnen ließ sich das natürliche Verhalten der jeweiligen Spezies schlecht studieren, so gerne sie es auch getan hätte.

Als sie an der Brücke ankam, war der Zugang zum Beobachterring dicht gefüllt, aber sie schlug sich einen Weg durch die Menge, um den Kapitän bei seiner Arbeit beobachten zu können.

Normale Schiffe boten keine solche Beobachtermöglichkeiten, aber die Kiwa’oro diente der Ausbildung von neuem Schiffspersonal, sie mussten also in der Lage sein, sehen zu können was geschah. Und was sie sehen konnte, verschlug ihr den Atem.

Kapitän Cise’tre stand in der Mitte der Brücke, umrahmt von ihrer gesamten Flotte – das war aber nicht das, was ihr den Atem verschlug. Unter dem Kapitän befanden sich zwei Kugeln, eine riesige, die in Flammen zu stehen schien und eine kleinere, die dabei war in mehrere Teile zu zerbrechen.

Planeten!

Sterbende Planeten, aber es sind Planeten. Wir haben die interdimensionale Spalte verlassen.

Konnte das wirklich sein? Hatten sie, nach tausenden von Jahren, einen Weg gefunden, sich zu befreien?

Und haben wir dann gleich den ersten Planeten vernichtet, den wir gefunden haben?

Das konnte sie nicht glauben. Ein Planet würde gefeiert, nicht vernichtet werden.

Ein Blick zu den Waffenanzeigen des Schiffes und den Statusmeldungen der anderen Schiffe bestätigte das. Niemand von ihnen hatte auch nur einen einzigen Schuss abgegeben.

Was auch immer uns aus der Spalte befreit hat, muss den Planeten und seinen…, sie musste kurz überlegen, wie die kleinen Körper hießen, die einen Planeten umkreisten, …seinen Mond vernichtet haben.

Wenige Sekunden später flammten sämtliche Antriebe der Schiffe in ihrer Flotte gleichzeitig auf, um sich in Bewegung zu setzen.

„Unsere Sensoren haben einen bewohnten Planeten im System entdeckt. Seine Bewohner scheinen technologisch fortgeschritten. Sie werden sich der Unnennbaren und ihren Dienern unterwerfen oder vernichtet werden.“

Es war eine Erklärung für die anwesenden Rekruten, die restliche Besatzung des Schiffes war direkt mit dem neuralen Netzwerk verbunden und brauchte keine gesprochene Kommunikation.

Für eine Weile flog die Flotte in Formation in Richtung ihres Zielplaneten. Pawet’iru konnte nicht sagen, wie lange sie das tat, denn sie beobachtete voller Spannung das Hologramm. Es war etwas, das es seit tausenden von Jahren nicht mehr gegeben hatte, das sie nicht gedacht hatte, in ihrem Leben zu sehen: Die Flotte bewegte sich nicht durch die Leere der Spalte, sondern durch ein Sonnensystem. Mit Sternen und Planeten, mit einer Sonne, die selbst im Hologramm in einer Helligkeit strahlte, die sie sich nie hätte vorstellen können.

Und dann sprangen sie in den Hyperraum und tauchten kurz danach über ihrem Zielplaneten wieder auf - mit aktivierten Waffensystemen.

Die Ix zogen in den Krieg.

06. März 2270

Kriegsschiff Hagner – Im Esatris-System treibend

In Ranai breitete sich ein Gefühl aus, als wenn ihr jemand mit einem Vorschlaghammer auf die Brust und in den Magen geschlagen hätte. Sämtliche Luft wich mit einem Schlag aus ihrem Körper und ihre Knie gaben unter ihr nach.

Die Erde… sie war zerstört. Konnte es stimmen, was sie aus den Erinnerungen der Präsenz…

Zora’dal’talos, sie heißt Zora’dal’talos.

…Gerissen hatte? Sie wollte es nicht glauben, aber ihr Verstand sagte ihr, dass es stimmte. Das Experiment, das die Erde von einer ökologischen Wüste, zurück in einen bewohnbaren Planeten verwandeln sollte, hatte die Erde in Brand gesteckt. Es hatte den Mond in Stücke gerissen. Und es hatte ihnen die Ix gebracht. Den Namen hatte sie ebenfalls aus den Erinnerungen des Hirachosa in ihrem Verstand gerissen, bevor der sie zurückgeschlagen hatte.

Mühsam schnappte sie nach Luft, aber ihre Lungen verweigerten ihr den Dienst, zu schwer saß der Schock. Auch, wenn sie nicht auf der Erde geboren war, so war es für sie doch immer die Wiege der Menschheit gewesen.

Und nun war sie verschwunden. Unrettbar vernichtet. Selbst wenn sie am Ende nicht das Schicksal des Mondes geteilt hatte, so hatte sie doch ihre Zweifel, dass irgendwas auf ihr überlebt hatte.

Die Atmosphäre hat gebrannt, nichts kann das überleben.

Langsam strömte wieder Luft in ihre Lungen und sie schaffte es, sich zu erheben.

Wollte sie weiter im Verstand von Zora nach Informationen über die Erde suchen oder wollte sie es besser gar nicht wissen? Dieser Gedanke überraschte sie. Informationen waren ihr Leben und jetzt zog sie ernsthaft in Betracht, auf eben diese zu verzichten?

Das kam überhaupt nicht in Frage.

Aber bevor sie weiter in den Erinnerungen stochern konnte, musste sie Admiral Rodriguez und Kapitän Kasrer darüber informieren, dass die Verräterin tot war. Ob sie sie auch über die restlichen Vorkommnisse aufklären würde, würde sie auf dem Weg zur Brücke entscheiden.

Kapitel 1

06. März 2270

 

Kriegsschiff Hagner – Im Esatris-System treibend

 

Mit liebevollem Blick betrachtete Zetoras die hundertfünfzig Meter lange Pfeilform der Lupardus, die vor ihnen im Weltraum hing. Auf dem Antlitz des zwei Meter zehn Hünen mit militärisch kurzem Haarschnitt wirkte der Gesichtsausdruck unpassend, aber es war etwas, was er nicht kontrollieren konnte. Die Lupardus war das erste Schiff gewesen, das er unter seinem Kommando hatte und war es bis zu seinem Austritt aus dem Militär vor zwanzig Jahren geblieben.

Seit acht Tagen stimmte das nun auch nicht mehr, da er, entgegen seinem Willen, zurück ins Militär geholt worden war. Ein Lieutenant Steiner war an Bord der Hagner gekommen, sie hatte ihn beim Militär begrüßt und ihm den Rang eines Kapitäns gegeben. Und dann hatte Roberto ihn vor wenigen Sekunden als Admiral Kasrer angesprochen…

Admiral?, erst jetzt realisierte er, was das bedeutete.

„Habt ihr mich gerade befördert?“, er sprach Roberto im Plural an, da in dem Körper nicht mehr nur eine Person wohnte. Admiral Roberto Rodriguez teilte sich seinen Körper mit einem Wesen namens Thar’ara’tedos, das den Hirachosa angehörte, einer von den Ix im Labor gezüchteten Rasse, die für Infiltrationen gedacht war.

Wie sein Freund seinen Körper aufgeben konnte, würde Zetoras nie verstehen, aber er hatte auch erst zwei Stunden gehabt, um sich daran zu gewöhnen.

„Ja, der Rang schien uns angemessen. Wir haben niemanden mit mehr militärischer Erfahrung, niemanden, dem wir mehr vertrauen.“

„Und es verleiht euch eine gewisse Legitimation, wenn es auch einen Menschen mit dem Rang gibt und nicht nur einen Hirachosa?“

„Das auch, ja.“

Sie sprachen leise, damit ihre Stimmen nicht über den Rest der Brücke getragen wurden, aber James, der Pilot der Hagner, der direkt vor ihnen saß, musste sie trotzdem hören. Dass er nicht auf ihr Gespräch reagierte, verwirrte Zetoras.

„Seit wann weißt du, was Roberto ist?“, fragte er ihn deshalb.

„Siebzehn Jahre, so ziemlich von Beginn an. Ich wollte etwas sagen, aber er hat mich darum gebeten, es für mich zu behalten. Und da das was er tut tatsächlich dem Überleben der Menschheit zu dienen scheint… ich wusste nicht, wie du reagieren würdest.“, in den letzten Worten schwang ein entschuldigender Unterton mit.

Am liebsten hätte Zetoras ihn angefahren, wie er ihm eine derart wichtige Information verschweigen konnte, aber sie waren nicht allein. So sehr er sich auch ärgerte, die gesamte Besatzung über Robertos Zustand zu informieren war nicht unbedingt die beste Idee.

Er würde sich eine Lösung einfallen lassen müssen, denn er wollte etwas derart Wichtiges nicht geheim halten. Zu viel hing an ihnen. An ihren Chancen, die Ix zu besiegen. Und zu viel davon hing an Roberto und Thar’ara’tedos.

Vor ihnen drehte sich die Lupardus und nun konnte er ihre Unterseite sehen – an der sich eine kleinere Version ihres eigenen Hauptwaffensystems zu befinden schien.

„Die Lupardus hat das gleiche Waffensystem, wie wir? Warum war sie nicht im Protektorat, als die Ix kamen?“, er musste sich Mühe geben, nicht zu schreien, so wütend war er.

Roberto schien sich jedoch nicht darum zu kümmern, sondern antwortete vollkommen ruhig:

„Wir hatten nicht genug Platz in ihr, um den gleichen Reaktor zu installieren, wie auf der Hagner. Sie kann das Waffensystem abfeuern, aber ohne aktiviertes Schildsystem und es dauert sieben Minuten nach einem Schuss, um wieder genug Energie in die Batterien zu bekommen, um zu springen. Sie ist zu wertvoll, um sie in einem Gefecht zu opfern, das wir nicht gewinnen können.“

Zetoras atmete tief durch und musste sich eingestehen, dass sie Recht hatten. Dennoch… warum hatten sie nur eine einzige Hagner gebaut? Mit mehr von diesen Schiffen und Waffen hätten sie das Protektorat beschützen können.

Aber auch das war eine Frage, die er nicht auf der Brücke stellen konnte. Und er wollte auf die Lupardus – dort würden sie reden können. Aber bevor er sein altes Schiff betreten konnte, wollte er zu Sakera. Sie war seit mehreren Stunden auf der Hagner und er hatte noch kein einziges Wort mit ihr gewechselt.

Was hatte sie mitbekommen? Was musste ihr durch den Kopf gehen? Und wie wütend war sie auf ihn, weil er sie allein gelassen hatte?

Bevor er etwas sagen konnte, nahm Roberto seine Gedanken vorweg.

„Geh. Sakera macht sich bestimmt Sorgen. Krieg ist nicht ihre Welt.“

Ohne zu antworten verließ Zetoras die Brücke, aber er war froh, dass offenbar noch genug von seinem Freund existierte, dass er scheinbar seine Gedanken lesen konnte. Wenn er dem glaubte, was er ihm erzählt hatte, dann war Roberto sogar noch vollständig erhalten und lediglich mit dem Hirachosa verschmolzen. Aber es fiel ihm noch immer schwer, sich das vorzustellen.

Ungeachtet dessen, machte er sich auf den Weg in seine Kabine. Am Kapitänsessel nickte er seiner ersten Offizierin Liora noch kurz zu, die noch immer mit ihrer Magen-/Darmgrippe kämpfte, aber sich offenbar für ihn zusammenriss, dann war er auch schon durch die Tür.

 

Als er seine Kabine betrat, sprang Sakera ihm entgegen und warf sich in seine Arme.

„Was ist hier los? Was war das Donnern, das ich zwischendurch gehört habe? Warum hast du mich stundenlang alleine warten lassen?“

In ihrer Stimme schwang keine Wut mit, nur Erleichterung. Zetoras ging davon aus, dass sie erleichtert war ihn zu sehen.

„Tut mir leid.“, entschuldigte er sich, dann überlegte er, wie viel er ihr erzählen sollte. Wirklich verschweigen können würde er ihr wohl kaum etwas, wenn er sie nicht gerade in die Kabine sperrte. Spätestens, wenn sie sich mit Besatzungsmitgliedern unterhielt oder nur zufällig ein Gespräch mithörte, würde sie eine Menge erfahren. Er entschied, ihr alles zu erzählen, außer dem Teil über Roberto - er war sich nicht sicher, ob er das irgendjemandem erzählen konnte.

Sie gingen zu seinem Bett und setzten sich. Sakera schmiegte sich noch immer an ihn. Beide wollten im Augenblick nicht mehr als die Nähe des anderen spüren. Dann begann er die Ereignisse der letzten Tage zu erzählen, angefangen mit McOren und der Sabotage an der Hagner.

 

Er beendete seine Erzählung damit, wie er sich von der Brücke in seine Kabine begeben hatte. Sakera hatte die ganze Zeit über kein Wort gesagt und ihm ruhig zugehört. Aber anstatt etwas zu erwidern, begann sie ihn zu küssen. Die nächste Stunde verflog schnell, bis sie mit zufriedenem Gesichtsausdruck in seinem Bett einschlief und Zetoras sich wieder anzog.

Er gab ihr einen sanften Kuss auf die Stirn, darauf bedacht, sie nicht zu wecken. Er legte ihr einen Zettel hin, auf den er schrieb, wie sie ihn erreichen konnte und wo sie etwas zu essen bekam. Dann machte er sich auf den Weg zur Brücke.

Am liebsten hätte er sich neben sie gelegt und ebenfalls geschlafen, aber er hatte Verpflichtungen die er nicht einfach ignorieren konnte.

 

Auf der Brücke konnte er sehen, dass sie sich einer Raumstation genähert hatten, die offenbar in der Umlaufbahn der Sonne des Systems hing. Er hatte in seinem Leben nur von einer einzigen solchen Station gehört, der Feuertod, aber die Station vor ihnen hatte nichts mit dieser gemein.

Sie war eiförmig, mit mehreren Ringen, die sie von oben bis unten umgaben und durch mehrere Röhren mit dem Ei verbunden waren.

„Hat Sakera den Fall ihrer Heimat gut verkraftet?“, fragte Liora ihn als er neben sie trat.

„Überraschenderweise ja. Wo ist der Admiral?“

„Ich nehme an, du meinst nicht dich selber, sondern Admiral Rodriguez?“, fragte sie schelmisch.

„Ich habe gedacht ich befördere dich auch gleich und wollte fragen, wo du steckst.“, antwortete er im gleichen Ton.

Liora lachte schwach.

Sie muss wirklich zurück auf die Krankenstation.

„Nein danke.“, dann wurde sie wieder ernster, „Admiral Rodriguez ist auf die Lupardus gesprungen, um sein dortiges Personal auf den aktuellen Stand zu bringen, während wir die Letzte Hoffnung ansteuern.“

Damit wusste er also auch, wie die Station vor ihnen hieß.

Bevor er weitere Fragen stellen konnte, hörte er die Tür zur Brücke aufgehen und drehte sich um, um zu sehen, wie eine blutverschmierte Ranai auf ihn zukam. Die Wachen am Eingang der Brücke wollten sich auf die Agentin stürzen, aber Zetoras gab ihnen ein Handzeichen sie passieren zu lassen. Dass sie das bemerkten und auf ihn hörten, überraschte ihn. Er hatte zuletzt zu oft mit schlecht ausgebildetem Personal gearbeitet.

Zwar löste das Blut das an ihr klebte auch bei ihm sämtliche inneren Alarmglocken aus, aber die beiden Wachen hätten nichts tun können, um ihn zu schützen, wenn sie wirklich vor gehabt hätte, ihm etwas anzutun. Sie wären für die Frau kaum mehr als eine kurze Ablenkung gewesen, bevor sie über ihre Leichen spaziert wäre.

Niemand außer ihm wusste, dass es sich bei Ranai um eine Level Fünf Agentin handelte - ausgestattet mit allerlei Implantaten, die sie in eine unaufhaltbare Killermaschine verwandelten. Sie war unter dem Decknamen Mika Müller an Bord gekommen und hatte die Rolle einer forensischen Expertin gespielt, die den Auftrag hatte, mögliche weitere Verräter an Bord zu finden und zu untersuchen, was McOren möglicherweise noch so alles sabotiert hatte.

Ohne große Einleitung kam sie direkt auf den Punkt.

„Die Verräterin ist tot. Aber wir müssen reden.“, sie beäugte Liora und die restliche Besatzung argwöhnisch, „Allein!“

Zetoras nickte.

„Ich war so oder so auf dem Weg auf die Lupardus. Ich schlage vor, du wäschst dich und wir treffen uns in zehn Minuten im Sprungraum.“

Wenn sie davon überrascht war, dass die Lupardus vor Ort war - ein Schiff, das seit siebzehn Jahren als zerstört galt - dann ließ sie es sich nicht anmerken, auch der Anblick der Raumstation vor ihnen, schien sie nicht im Geringsten zu interessieren – er hatte auch nichts anderes von ihr erwartet.

Unter den argwöhnischen Blicken der Wachen verließ Ranai die Brücke.

„Sind noch ein paar von Robertos Leibwachen an Bord?“, wandte er sich an Liora.

„Er meinte, er lässt uns drei hier, damit sie bei den Reparaturen und Ähnlichem helfen können, ja.“

War das wirklich der Grund oder will er sicherstellen, dass wir keine Dummheiten anstellten?

Für einen Moment ließ Zetoras sich den Gedanken durch den Kopf gehen, bevor er entschied, dass drei Mann wohl kaum ausreichend waren, das Schiff unter ihre Kontrolle zu bringen.

„Wo befinden sie sich derzeit?“

„Im Reaktorraum, um bei den Arbeiten zu helfen.“, in Lioras Stimme schwang Erleichterung mit. Sie musste denselben Gedanken gehabt haben wie er, aber wenn sie wirklich bei dem Reaktor halfen, gab ihnen das eine gewisse Glaubwürdigkeit.

„Gib bitte Anweisungen durch, dass sich einer von ihnen in zivile Kleidung werfen und dann vor meiner Kabine auf Sakera warten soll. Sie darf sich frei bewegen, aber ich will, dass jemand auf sie aufpasst, bis wir sicher sind, dass sich wirklich keine Verräter mehr an Bord befinden, die ihr etwas antun könnten.“

„Warum keine von unseren Wachen?“, fragte sie mit leiser Stimme. Offenbar wollte sie vermeiden, dass die zwei am Eingang sie hörten.

„Robertos Leute sind besser ausgebildet“, antwortete er genauso leise und Liora stimmte ihm mit einem leichten Nicken zu.

Auch wenn Zetoras tatsächlich davon ausging, dass Robertos Leibwächter besser ausgebildet waren, so war das doch nicht der einzige Grund, dass er einen von ihnen abstellte. Es handelte sich bei ihnen um Hirachosa. Das machte sie womöglich weniger vertrauenswürdig, aber er hatte gesehen, mit welcher Geschwindigkeit und Kraft sich McOren hatte bewegen können, während er einen von ihnen in sich trug.

Falls sich doch noch ein feindlicher Hirachosa an Bord befand, war Sakera am besten dadurch geschützt jemanden an ihrer Seite zu haben, der das ebenfalls konnte. Am liebsten wäre es ihm gewesen, Ranai abzustellen, damit sie seine Freundin beschützte, aber die Agentin hatte andere Aufgaben, die für das Überleben der Menschheit wichtig waren und nicht nur für das Leben einer einzelnen Person - und er bezweifelte, dass sie einen Befehl beachten würde, der sie zu einer simplen Leibwache degradierte.

„Du hast das Schiff.“, sagte er zu James, „Pass gut auf sie auf.“

Dann wandte er sich wieder Liora zu: „Und du, ab auf die Krankenstation.“

Dann verließ er die Brücke.

 

 

Während sie in der dunklen Kammer gefangen war und sich dann befreit hatte, hatte Ranai nicht bemerkt, wie blutverschmiert sie war. Hätte Zetoras - sie fragte sich noch immer, wie er ein Schiff kommandieren konnte, wenn ihn jeder mit Vornamen ansprach und duzte, aber es schien zu funktionieren – sie nicht auf das Blut hingewiesen, hätte sie es wohl noch immer nicht bemerkt.

Die interne Schlacht mit dem Hirachosa hatte sie offensichtlich doch sehr mitgenommen, wenn sie solche Dinge nicht mehr bemerkte. Das Wahrnehmen ihrer Umgebung und ihres eigenen Zustandes war eigentlich eine Grundvoraussetzung für ihren Job.

Als sie aus der Dusche stieg bemerkte sie ein weiteres Problem: Sie hatte sich keine saubere Kleidung bereitgelegt.

Dass sie jetzt nackt über den Gang zu ihrer Kabine laufen musste, um sich anzuziehen störte sie nicht, sie hatte kein Problem damit, nackt gesehen zu werden, es war die Tatsache, dass sie vergessen hatte sich die Kleidung überhaupt mitzunehmen, die sie ärgerte.

Die Zahl der Dinge, die ihr entgangen stieg ihr zu rasant.

Das Blut und die Kleidung waren nicht lebensgefährlich, aber was, wenn ihr auf ihrer nächsten Mission ein Feind entging und sie niederschoss? Unaufmerksamkeit war tödlich in ihrem Beruf.

In ihrer Kabine angekommen, die sie sich mit den anderen Ermittlern teilte – oder geteilt hatte, Zora hatte sie alle getötet – nahm sie sich was sie brauchte und zog sich an. Sie entschied sich für eine enge Hose und ein weites Oberteil, unter dem sie eine Laserpistole hinter ihrem Rücken verstecken konnte. Bewaffnung war ihr derzeit wichtiger als Männer zum Sabbern zu bringen, weil ihre Kleidung nichts der Fantasie überließ. Aber selbst in weiter Kleidung war sie alles andere als unansehnlich, wie ihr ein kurzer Blick in den Spiegel bestätigte.

Der Countdown, den ihre Implantate ihr in die rechte Ecke ihres Blickfeldes schoben, war beinahe abgelaufen. Sie machte sich auf den Weg zum nächsten Turbolift und betrat den Sprungraum als die Zahlen vor ihren Augen gerade Null erreichten. Dort begrüßte Zetoras sie mit einem Nicken und sie traten durch das Sprungtor.

Für einen Moment hatte sie das Gefühl, dass sie Eins mit dem gesamten Universum wäre, ein Gefühl von unendlicher Gemeinsamkeit. Hätte sie jemand gefragt, wie man aus Blei Gold machen kann, sie hätte es gewusst. Sie wusste, wie sie gegen die Ix triumphieren könnten… Doch so schnell, wie es gekommen war, so schnell war das Gefühl vorbei, das Wissen verloren und sie befand sich im Sprungraum der Lupardus.

Admiral Rodriguez begrüßte sie lächelnd und wurde dabei von einer Frau flankiert, die Ranai siebzehn Jahre zuvor ebenfalls auf der Lupardus getroffen hatte, als sie Seamus ablieferte.

Ranai hatte damals nicht ihren Namen erfahren, aber die Personaldateien des Schiffes im Nachhinein überprüft. Es handelte sich um Private Lenira Faros, wobei ihre Uniform mittlerweile die Abzeichen eines Kapitäns trug. Sie hatte das Kommando über das Schiff also nicht mehr nur temporär.

Interessanter als die neuen Rangabzeichen war jedoch die Uniform selbst. Sie war nicht im dunklen Blau des Rateri Protektorats gehalten, sondern im matten Weiß der Terranischen Republik. Ranai bezweifelte, dass es sich dabei um einen Zufall handelte.

Ein kurzer Blick zu Zetoras verriet ihr, dass er dieselbe Feststellung gemacht hatte. Auf seinem Gesicht breitete sich aber nicht nur Überraschung, sondern auch Zufriedenheit aus.

Hinzu kam, dass die Frau kaum gealtert war. Als sie sie damals getroffen hatte, war sie neunzehn Jahre alt gewesen, heute sah sie kaum älter aus als fünfundzwanzig. Das war nicht unmöglich, Ranai sah man ihre siebzig Jahre auch nicht an, aber die Technologie der Terranischen Republik, die den Alterungsprozess in Ranai gestoppt hatte, war eigentlich verloren. Hatten diese Exilanten sie wiederentdeckt?

Lenira beäugte sie argwöhnisch, schien sie aber nicht einordnen zu können. Ranai überlegte, sich vorzustellen und das Erinnerungsvermögen der Frau aufzufrischen, verzichtete aber darauf. Etwas an dem Blick, den die andere Frau ihr zuwarf, hielt sie davon ab. Er war nicht nur argwöhnisch, sondern vermittelte auch das Gefühl, dass sie versuchte sich an etwas Negatives zu erinnern, das ihr aber ständig durch die Finger schlüpfte. Hatte sie ihre kurze Begegnung wirklich derart schlecht in Erinnerung behalten oder steckte mehr dahinter?

„Admiral Kasrer, darf ich vorstellen: Kapitän Lenira Faros von den terranischen Streitkräften.“, riss Admiral Rodriguez sie aus ihren Gedanken.

Hatte er Zetoras gerade als Admiral angesprochen? Ihr war offenbar einiges entgangen, während sie um ihren Verstand und ihren Körper gekämpft hatte.

„Admiral Rodriguez, ich stelle mich und die Hagner hiermit unter den Befehl der Terranischen Republik.“

Die beiden Männer gaben sich die Hand.

„Ihr Beitrittsgesuch ist hiermit angenommen. Willkommen in den terranischen Streitkräften, Admiral Kasrer.“

Es wirkte wie ein einstudiertes Schauspiel, aber wenn sie Zetoras‘ Blick richtig deutete, war er genauso überrascht, wie sie.

„Sehr schön. Können wir dann jetzt auf die Förmlichkeiten verzichten?“

Er reichte Kapitän Faros die Hand.

„Zetoras, schön deine Bekanntschaft zu machen.“

„Leni, die Freude ist ganz meinerseits. Roberto hat viel von dir erzählt.“

„Es ist also Roberto und nicht Thar’ara’tedos?“

Lenira lachte.

„Der Name ist einfacher auszusprechen. Aber es gab tatsächlich Diskussionen darüber. Einer der Vorschläge war, ihnen einen komplett neuen Namen zu geben. Ich glaube Rumpelstilzchen hatte dabei die Nase vorne.“

Nun war es Zetoras der laut lachen musste und Ranai gab sich Mühe, ihre Verwirrung zu unterdrücken.

Wer war Thar’ara’tedos? Und warum sprachen sie vom Admiral in der Mehrzahl? Was zur Hölle war hier…

Plötzlich sprang eine Erinnerung aus dem Gedächtnis von Zora’dal’talos nach vorne. Thar’ara’tedos war ein Hirachosa, einer der ältesten, die es gab. Und er sollte tot sein.

Ein Feind hatte Besitz von einem Admiral ergriffen – und diese Leute machten Späße darüber? Für den Bruchteil einer Sekunde überlegte sie, ihre Waffe zu ziehen und die Verräter nieder zu schießen, überlegte es sich dann aber anders. Was auch immer hier vorging, sie hatte nicht sämtliche Informationen. Das sollte sie ändern, bevor sie womöglich einen Fehler machte.

Rodriguez drehte sich nun zu ihr.

„Agentin Ranai, schön Sie wieder zu sehen. Ich denke, Sie haben eine Menge Fragen. Da ich annehme, dass Zetoras sich noch etwas auf dem Schiff umsehen will… Warum gehen wir nicht schon mal in den Besprechungsraum und ich werde sie Ihnen dort beantworten?“

Bei der Nennung ihres Namens flammte die Erinnerung in Kapitän Faros‘ Augen auf – gefolgt von Hass, erbittertem Hass. Das konnte nicht nur von ihrer kurzen Begegnung vor siebzehn Jahren stammen. Ranai hatte Leute getötet, die in ihren letzten Momenten weniger Hass für sie in ihren Augen hatten. Nein, auch hier entging ihr Etwas. Aber was?

„Wenn Sie mir folgen würden?“, forderte Admiral Rodriguez sie auf und drehte sich um. Die ganze Gruppe folgte ihm, wobei Zetoras nach wenigen Schritten aus dem Sprungraum in einen anderen Gang abbog und sie verließ.

„Wie geht es… meinem Gefangenen?“, vor den letzten beiden Worten stockte sie. Es war siebzehn Jahre her, aber es war das erste Mal, dass sie seitdem überhaupt an Seamus dachte. Sie hatte jeden Gedanken an ihn erfolgreich unterdrückt.

Sie konnte nur den Rücken von Kapitän Faros sehen, aber für eine Sekunde kam sie aus dem Tritt.

„Ihr Gefangener?“, fragte der Admiral.

„Dr. Seamus Levin. Ich habe ihn kurz vor der Zerstörung der Lupardus an Bord gebracht.“

„Das waren Sie? Oh…“

War ihm das nicht klar? Habe ich in ein Wespennest gestochen?

„Ich denke, ich sollte unsere Planung ein wenig ändern.“

Ja, definitiv ein Wespennest.

Der Admiral fing an, in ein Mikrofon an seinem Kragen zu sprechen, als sie durch eine Tür in den Besprechungsraum traten, stockte er jedoch und brach die Verbindung ab. Seamus saß bereits am Tisch und wartete auf sie. Es gab nichts, was er noch hätte tun können.

 

 

Siebenunddreißig Jahre und Seamus sah noch immer aus wie Siebenundzwanzig. Die Entdeckung der Technologie zum Stoppen des Alterungsprozesses aus den Archiven des Mars, die die Hirachosa geborgen und vor den Ix versteckt hatten, war eines seiner persönlichen Projekte gewesen, auf deren Erfolg er besonders stolz war.

Seine Forschungen im Bereich der Sprungtore hatten leider weitere Forschungen im Bereich von Waffentechnologien nach sich gezogen, die seinen Stolz etwas trübten, auch wenn er verstand, warum es notwendig war. Es war nie schön, wenn eine gut gemeinte Entwicklung als Waffe gebraucht wurde.

Seine schwarzen Haare trug er mittlerweile deutlich kürzer, als noch vor siebzehn Jahren und konstantes Training hatte ihn muskulös gehalten und sogar weitere Muskeln hinzugefügt. Alles in allem gab er nicht das Bild ab, das man von einem Wissenschaftler erwarten würde.

Als er auf der Lupardus angekommen war, hatte er das Personal im Sprungraum darum gebeten, es niemandem zu verraten, er wollte Leni überraschen, aber sich auch frei auf dem Schiff bewegen können, ohne von einem Haufen Technikern belagert zu werden, die ihm Fragen zu allen möglichen Dingen stellen wollte. Als wissenschaftlicher Leiter der Terranischen Streitkräfte war das leider normal, wenn er das Schiff betrat. Jeder wollte ihm Ideen unterbreiten oder wissen, wie man noch ein Quäntchen mehr Leistung aus den Geräten herausholen konnte.

Zwar freute er sich darüber, dass man ihm so viel Respekt und Vertrauen entgegenbrachte, es machte es aber auch schwer, einfach mal abzuschalten und sich vor einer längeren Besprechung zu entspannen.

Als die Tür aufging und Leni und Roberto eintraten, wünschte er sich trotzdem, dass er seine Ankunft wenigstens den beiden mitgeteilt hätte, denn beim Anblick der dritten Person im Bunde wich sämtliche Luft aus seinen Lungen und er hatte das Gefühl, sich übergeben zu müssen.

Zusätzlich stieg unbändige Wut in ihm auf. Nur seine Atemnot und Übelkeit verhinderten, dass er über den Tisch sprang und Ranai an die Kehle ging.

 

 

23. Februar 2253

 

 

Spionageschiff Lupardus – Im Orbit von Orion IV

 

Als Seamus die Augen aufschlug schloss er sie sofort wieder, weil das Licht in seinen Augen brannte. Was war passiert? Er hatte mit Julia

(Ranai, sie heißt Ranai.)

gefrühstückt und konnte sich dann an nichts mehr erinnern. War er gestürzt und hatte sich den Kopf angeschlagen?

Langsam öffnete er wieder die Augen. Noch immer tat ihm das Licht weh, aber nicht mehr so schlimm und er konnte Dinge um sich herum erkennen. Das erste was er erkannte war, dass er nicht mehr in seiner Hütte war. Er war in einem unbekannten Raum, der ihn an ein Raumschiff erinnerte.

Sie hat mir etwas ins Essen gemischt. Hat mich betäubt und mich dann an ihre Bosse ausgeliefert!

Wut stieg in ihm auf – und was als nächste geschah, tat nichts, um diese Wut zu bändigen.

Vor seinen Augen tauchte ein Bild von Ranai auf. Sie sah ihn mit traurigen Augen an, bevor sie zu sprechen begann.

„Seamus, ich möchte mich als allererstes bei dir entschuldigen. Du weißt nicht, wie seltsam sich das für mich anfühlt, das Gefühl ist neu für mich. Noch nie zuvor war mir ein Auftrag so schwer gefallen – und ich hoffe, dass das auch nie wieder einer tun wird.“

„Ich habe Befehle bekommen, dich auf die Lupardus zu schaffen, damit sie dich ins Rateri Protektorat bringen kann, da ein Sprungtor momentan zu gefährlich ist.“

„Für einen Moment habe ich überlegt, die Befehle zu missachten, aber das ist einfach nicht, wer ich bin.“

„Du wunderst dich bestimmt, wo diese Nachricht herkommt und ich denke, ich schulde dir eine Antwort. Als wir uns kennengelernt haben, habe ich dir Naniten in deinen Drink gekippt. Sie haben sich in deinem Gehirn verankert und mir ermöglicht, mit dir zu reden. Ich nutze die Möglichkeit jetzt, um dir diese Nachricht zukommen zu lassen. Wenn sie vorbei ist, sind die Energiezellen der Naniten ebenfalls erschöpft und sie werden im Laufe der nächsten Tage von allein aus deinem Kopf gespült.“

„Ich habe dich wirklich geliebt, aber die Mission hat Vorrang.“

 

 

06. März 2270

 

 

Spionageschiff Lupardus – Esatris-System

 

Als er wieder Luft bekam, sprang Seamus über den Tisch und warf sich auf Ranai, aber sowohl sie als auch Roberto bewegten sich mit einer solchen Geschwindigkeit, dass er sein Ziel nicht erreichte. Während Ranai plötzlich einen Meter weiter rechts stand, hatte sich Roberto direkt in seinen Weg gestellt und hielt ihn fest.

„Ich weiß nicht, was zwischen euch beiden vorgefallen ist. Du hast immer gemeint, dass du nicht darüber reden willst, wie du auf die Lupardus gekommen bist. Aber was auch immer passiert ist, Seamus, bitte, wir können es uns nicht leisten, uns gegenseitig anzugreifen. Die Ix sind der Feind, nicht wir selbst – und auch nicht die Agentin Ranai, ganz egal, was sie dir angetan hat.“

Er wusste, dass Roberto Recht hatte, aber es war schwer, seine Wut zu unterdrücken. Eine Hand drückte sanft seine Schulter und der Admiral drehte ihn herum, in die Arme seiner Frau. Leni zog ihn an sich und verließ langsam mit ihm den Raum.

 

 

Wütend drehte Roberto sich zu der Agentin um.

„Was ist zwischen Ihnen und Seamus vorgefallen?“

„Am besten setzen wir uns hin.“, sagte sie, von seiner Wut offenbar unbeeindruckt, „Es ist lange her und ich muss etwas ausholen. Besser, wir bereden das im Sitzen.“

Es ist lange her… damit hatte sie Recht. Er wollte noch immer wütend sein, das war eindeutig der menschliche Teil in ihm, der Seamus mochte und ihn beschützen wollte, aber hätte sie ihn damals nicht auf die Lupardus gebracht, wären sie heute nicht da, wo sie sind. Das sagte sowohl der menschliche Teil als auch der Hirachosa in ihm.

Momente, in denen er so klar unterscheiden konnte, welche der beiden Persönlichkeiten für eine Emotion verantwortlich sind waren selten. Normalerweise gab es keinen Unterschied mehr zwischen ihnen.

Ihm gegenüber am Tisch begann die Agentin zu erzählen, wie sie den Auftrag bekommen hatte, herauszufinden, was an der Sprungtorforschung des Orion Pakts dran war, wie sie über Seamus gestolpert war, wie er sie gerettet hatte und wie sie ihn schlussendlich auf die Lupardus gebracht hatte.

Auch wenn ihre Geschichte vollständig wirkte, hatte er die ganze Zeit das Gefühl, dass sie ihm etwas verschwieg. Es schien aber weniger mit ihrer Mission als mit etwas Persönlichem zu tun zu haben, daher fragte er nicht weiter nach.

Zu wissen, was passiert war, reichte ihm. Jetzt würde er nur sicherstellen müssen, dass Ranai weder Leni noch Seamus über den Weg lief, bis die Ix besiegt waren. Er befürchtete, dass die letzten beiden sonst eine Dummheit begehen würden, an der sie womöglich sterben würden – selbst zusammen konnten sie es nicht mit einer Level Fünf Agentin aufnehmen und er konnte nicht einschätzen, wie viel Zurückhaltung Ranai ausüben würde, wenn es darauf ankam. Und Leni hatte das Temperament es wirklich zu versuchen.

Ihr Mann dagegen war normalerweise sehr ruhig und überlegt in dem was er tat, sein Ausbruch war nichts, was Roberto erwartet hätte. Er würde sich die Geschichte noch aus Seamus‘ Sicht erzählen lassen, aber er konnte die Reaktion jetzt bereits nachvollziehen.

„Nachdem Sie mir meine Fragen beantwortet haben nehme ich an, dass Sie auch Fragen an mich haben?“

„Ja. Fangen wir doch einfach mit der größten an: Was zur Hölle ist hier los?“

Die ganze Geschichte zu erzählen hatte ihn mit Zetoras etwa zwei Stunden gekostet, das hier genauso zu machen schien ihm zu weit zu gehen. Hinzu kam noch, dass er mit Ranai keine Freundschaft aufrechterhalten wollte. Es war genug, ihr einen Kurzabriss der Ereignisse von vor siebzehn Jahren zu geben.

„Ich denke, einiges davon haben Sie so oder so bereits aus Geheimdienstberichten gewusst. Und über unsere Pläne hier im Esatris-System würde ich Sie gerne gemeinsam mit Zetoras aufklären, dann muss ich es nicht zwei Mal erzählen und Sie haben beide die Chance Fragen zu stellen, die der jeweils andere vielleicht nicht gefragt hätte.“

Ranai nickte, ohne etwas zu sagen.

Sie hatte die gesamte Zeit über geschwiegen und nicht mal reagiert, als er ihr offenbart hatte, einen Hirachosa in sich zu tragen oder über ihre Existenz auch nur die geringste Überraschung gezeigt. Er hatte das Gefühl, dass sie bereits gewusst hatte, was ein Hirachosa ist. Aber woher?

Hatte der Geheimdienst Informationen gehabt, von denen er nichts wusste oder war auf der Hagner etwas vorgefallen, das sie ihm verschwiegen hatte? Bei jedem Anderen würde er sich Gedanken machen, ob der Hirachosa auf der Hagner sie nicht übernommen hatte, aber bei Ranai war das ausgeschlossen.

Aber falls Zora’dal’talos nicht gewusst hatte, wer Ranai war…

War es möglich, dass er versucht hatte, Ranai zu übernehmen und dass er feststellen musste, dass es nicht funktionierte? Konnte er sie das fragen oder sollte er die Vermutung für sich behalten? Es könnte von Vorteil sein zu wissen, was Ranai wusste, genauso konnte es aber auch gut sein, ihr nicht zu verraten, was er vermutete.

Bevor er eine Entscheidung treffen konnte, wurde er in seinen Überlegungen von Zetoras unterbrochen, der den Besprechungsraum betrat.

 

 

Während die Gruppe sich auf den Weg in den Besprechungsraum machte, ging Zetoras zuallererst auf die Brücke. Es war der Ort gewesen, an dem er sich die meiste Zeit aufgehalten hatte und es interessierte ihn, in welchem Zustand sie war. An der Außenhülle des Schiffes hatte er mehrere Veränderungen sehen können, die womöglich auch bedeuteten, dass die Brücke hatte umgebaut werden müssen.

Während er durch die Gänge wanderte, stellte sich bei ihm ein Heimatgefühl ein, mit dem er nicht gerechnet hatte. Ja, er hatte die Lupardus vermisst (alleine wegen des Schiffes war er mehrere Jahre länger beim Militär geblieben als er eigentlich gewollt hatte), aber dass er sie so sehr vermisst hatte, hätte er nicht gedacht.

An der Brücke angekommen ließen die Wachen ihn ungehindert passieren. Er kannte sie zwar nicht, aber Roberto hatte sie offenbar vorgewarnt.

Oder sie sind wirklich schlecht in ihrem Job.

Bei dem Gedanken konnte er ein Grinsen nicht unterdrücken.

Die Veränderungen fielen ihm sofort auf. An der rechten und linken Seite konnte er jeweils eine neue Waffenkonsole erkennen, die jedoch beide unbesetzt waren, wie auch die meisten anderen Konsolen. Lediglich ein Pilot und der Sensoroffizier waren anwesend.

Er ging direkt auf den Kapitänssessel zu und ließ sich in ihn fallen. Er fühlte sich noch immer an, wie vor zwanzig Jahren. War es derselbe Sessel oder hatte Roberto lediglich darauf geachtet, dass Ersatzteile identisch zum Original waren? Das wäre keine leichte Aufgabe gewesen, da der Hersteller schon vor Jahrzehnten bei einem Angriff der Ix gefallen war.

Auf den Armlehnen konnte er mehrere neue Knöpfe erkennen, die jedoch alle nicht beschriftet waren. Eine Sicherheitsmaßnahme, die noch auf seine Zeit als Kapitän zurückging: Wenn niemand außer dem Kapitän wusste, was er drücken konnte, ohne das Schiff in die Luft zu jagen, hatte eine eventuelle Entermannschaft ein Problem – zum Glück war es niemals nötig gewesen, diese Theorie in der Praxis zu testen.

Langsam streiften seine Finger über die Tasten, er wusste zwar nicht, wofür die neuen Tasten waren, aber er konnte sich perfekt an die alten erinnern. Mit schnellen und präzisen Fingerbewegungen rief er die technische Datenbank des Schiffes auf, die sich als Hologramm vor ihm in der Luft aufbaute.

Wie Roberto ihm bereits verraten hatte, war das Hauptwaffensystem eine kleinere Version des Systems auf der Hagner. Hinzu kam ein neues Schildsystem, das, genau wie auf dem größeren Schiff, als Sprungantrieb fungieren konnte. Da die Lupardus deutlich kleiner war, brauchte sie weniger Energie für einen Sprung, aber der mangelnde Platz für einen größeren Reaktor bedeutete, dass das Schiff nach einem Sprung eine halbe Stunde völlig nutzlos im Raum hing, während die Hagner diese Sorge los war, sobald der Sekundärreaktor einsatzbereit war.

Immerhin handelte es sich aber wegen des deutlich geringeren Energiebedarfs des kleineren Schiffes nur um eine halbe Stunde, statt der zwei Stunden, die die Hagner ohne den Sekundärreaktor bräuchte.

Am meisten faszinierte ihn aber die Automatisierung vieler Systeme. Die Terranische Republik hatte das in der Vergangenheit versucht, mit fatalen Folgen. Der Prototyp war durch ein Sprungtor geflogen - und hatte im Zielsystem das Feuer auf mehrere zivile Schiffe eröffnet, bevor es den Befehl zur Abschaltung akzeptiert hatte. Kleinere Automatisierungen waren auch heute noch üblich, aber niemand hatte sich je wieder an einer vollständigen KI versucht, die durch Sprungtore reiste. Funktionierten die neuen Systeme der Lupardus als reine Abläufe von vorgefertigten Befehlen oder hatten Robertos Leute das KI-Problem gelöst?

Einer der wenigen Bereiche, in dem die Automatisierung eher rückläufig zu sein schien, war die Kombüse. Die automatisierten Geräte, die auf einem solch kleinen Schiff unverzichtbar waren, waren geblieben, aber zusätzlich war ein antiker Herd und Ofen eingebaut worden. Die Anordnung dazu war offenbar von einem Dr. Levin gekommen.

Zetoras lächelte, als er das sah. Er konnte sich die Proteste des Küchenpersonals vorstellen, die wenig Interesse daran hatten, dass ihnen ihre Arbeit erschwert wurde – und ein antiker Herd bedeutete sehr viel mehr Arbeitsaufwand. Wer auch immer Dr. Levin war, er musste einiges an Überzeugungsarbeit geleistet haben oder extrem weit oben in der Rangordnung stehen, um das durchzusetzen.

Für einen Moment überlegte er, die Personaldatei des Mannes aufzurufen, entschied sich aber dagegen. Wenn er wirklich so viel zu sagen hatte, dann würde er ihn mit Sicherheit heute treffen und er bevorzugte es unvoreingenommen in ein Treffen zu gehen. Wenn es wirklich etwas gab, das er unbedingt wissen musste, würde Roberto es ihm verraten, außerdem könnte er ohne ein spezielles Zugriffsrecht besondere Eintragungen in der Personalakte so oder so nicht finden.

Ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass er bereits viel zu viel Zeit auf der Brücke verbracht hatte. Er schaltete das Hologramm ab, stand auf und ging zum Besprechungsraum. Statt den Turbolift zu nutzen ging er zu Fuß und strich den ganzen Weg über mit einer Hand über die Wände des Gangs.

Das Schiff mochte modernisiert worden sein, aber die sanfte Vibration unter seinen Fingerspitzen fühlte sich an, wie eh und je.

Als er den Besprechungsraum betrat, saßen sich Ranai und Roberto gegenüber und sahen sich an. Zetoras hatte das Gefühl, ein wichtiges Gespräch unterbrochen zu haben.

„Störe ich?“

„Nein.“, antwortete Roberto, „Setz dich. Wir haben uns nur alte Geschichten erzählt.“

„Gut. Ich wäre eh nicht wieder gegangen.“, erwiderte er mit einem Grinsen.

Für einen Moment hatte Zetoras vergessen, dass das nicht wirklich sein Freund war, der ihm da gegenüber saß. Oder war er es doch? Vermutlich würde er das nie endgültig sagen können, aber es tat gut, normal mit ihm zu scherzen.

 

 

Ranai sah zwischen den beiden hin und her. Machten sie wirklich Scherze, während das Rateri Protektorat von den Ix überrollt wurde?

Männer…

Aber war Roberto wirklich ein Mann? Sein Körper, ja. Aber Thar’ara’tedos lebte in dem Körper – und Hirachosa waren geschlechtslos.

 

 

Während Zetoras sich setzte ging ein Ruck durch das Schiff, gefolgt von einem gedämpften Donnern. Sie hatten an die Letzte Hoffnung angedockt.

Zwar kannte er die Station nicht, aber er hatte in seiner Karriere oft genug an andere Raumstationen angedockt, um zu wissen, wie es sich anfühlte. Auf der Hagner würde man vermutlich weder den Ruck spüren noch das Donnern hören, die Dämpfungsfelder des Kriegsschiffes waren unverkennbar besser. Und dann war da noch die Tatsache, dass James dort an den Kontrollen saß. In all seinen Jahren hatte Zetoras keinen besseren Raumschiffpiloten erlebt – er war sogar davon überzeugt, dass es unmöglich war, besser zu sein.

Er wandte sich Roberto zu.

„Wir wollten unsere Pläne besprechen und du hattest mir eine Erklärung versprochen.“

„Ja.“, erwiderte der Andere mit einem Seufzen, „Aber aufgrund unerwarteter Verwicklungen von Agentin Ranai und meinem Forschungsleiter, müssen wir das etwas verschieben. Ich würde die Agentin gerne mit einer Mission betrauen, bevor wir dazu kommen.“

Zetoras versteifte sich.

Soll das ein Scherz sein? Wir haben keine Zeit und er will Rücksicht auf seinen Forschungsleiter nehmen?

Offenbar war doch einiges von seinem Freund übrig. Auch wenn er es seiner Besatzung gegenüber nie zugegeben hätte, sogar oftmals so tat als wäre genau das Gegenteil der Fall, so wusste Zetoras doch ganz genau, dass er immer auf ihre Bedürfnisse Rücksicht nahm.

Was er ebenfalls wusste war, dass es wenig bewirken würde, zu widersprechen. Daher nickte er.

„Von mir aus.“

 

 

Zwanzig Minuten später ließ Ranai die beiden Admiräle allein zurück und benutzte den Turbolift, um zur Dockverbindung zwischen der Station und dem Schiff zu gelangen. Ein Sprungtor hätte sie schneller an ihr Ziel gebracht, aber sie waren nicht grundlos an die Station angedockt. Es sparte Energie.

Davon abgesehen gab ihr der Fußweg Zeit, sich zu überlegen, welches Material sie brauchte.

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