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Römische Verdächtigungen

Inhalt

  1. Cover
  2. Über das Buch
  3. Über die Autorin
  4. Titel
  5. Impressum
  6. Prolog
  7. 1
  8. 2
  9. 3
  10. 4
  11. 5
  12. 6
  13. 7
  14. 8
  15. 9
  16. 10
  17. 11
  18. 12
  19. 13
  20. 14
  21. 15
  22. 16
  23. 17
  24. 18
  25. 19
  26. 20
  27. 21
  28. 22
  29. 23
  30. 24
  31. 25
  32. 26
  33. 27
  34. 28
  35. 29
  36. 30
  37. Epilog
  38. Vorschau

Über dieses Buch

Commissario Caselli muss in einem grausamen Fall ermitteln: Eine Kunststudentin wurde ermordet, ihr Gesicht so fürchterlich entstellt, dass sie nur anhand ihrer außergewöhnlichen Ohrringe identifiziert werden kann. In Verdacht geraten die verflossenen Liebhaber der jungen Frau. Einem nach dem anderen fühlt Caselli auf den Zahn. Besonders verdächtig macht sich der exzentrische Kunstprofessor Alfiero Attardi, der in seinem Palazzo einen »Liliputaner« als Hausangestellten beschäftigt und dem Verbindungen zu einem Geheimbund nachgesagt werden. Und als hätte Caselli nicht schon alle Hände voll zu tun, muss er auch noch die Frau seinen Kollegen Sergente Scurzi trösten …

Commissario Alessandro Caselli ermittelt in Rom – ein eleganter Kriminalbeamter mit guten Manieren und Geschmack.

 
Über die Autorin

Bianca Palma studierte Musik und arbeitete als Dolmetscherin in Rom. Zeitweise lebte sie auch in Sizilien und einem sturmumwehten Bergdorf in Umbrien. Heute verbringt sie die Sommermonate in Italien, den Rest des Jahres lebt sie mit ihrem Jack Russel in Deutschland. Sie liebt Verdi, Wagner und die internationale Filmszene.

BIANCA PALMA

Römische

Verdächtigungen

Ein Fall für Commissario Caselli

Kriminalroman

Prolog

Philipp war zügig zu den Bojen der in der kleinen Bucht vertäuten Yachten gekrault. Jetzt kam er aus dem Wasser, erklomm die von Gischt umspülte Felsstufe und achtete sorgsam darauf, nicht auf einen Seeigel oder auf die spitzen Felszacken des Klippenvorsprungs zu treten. Er spürte die Anstrengung in den Beinen. In der ersten Woche hier am Mittelmeer hatte er seine gewohnte Kondition noch nicht wiedererlangt. Fröstelnd blickte er auf und winkte Simona, die am Strand saß und zeichnete. Die Wellen brandeten an die spitzen Felsen.

Simona legte ihre Zeichenutensilien weg, nahm das Handtuch vom Liegestuhl und kam ihm entgegen.

»Ziemlich frisch, was?«

Philipp trocknete sein Gesicht. »Immerhin wärmer als das Meer in Plymouth!« Er schlang das Handtuch um die Hüften. Sie gingen zu ihrem Liegeplatz. »In zwei Wochen bin ich braun wie ein Marokkaner!« Philipp warf sich auf den Liegestuhl.

»Nach der Gänsehaut auf deinen weißen Armen eher rot wie ein Hummer!« Simona lachte.

Philipp zog ein Gesicht und antwortete nicht. Er entdeckte Simonas Zeichenblock auf dem Klapptischchen unter dem Sonnenschirm, beugte sich vor und warf einen neugierigen Blick darauf. »Bin ich das?«, fragte er beinahe hoffnungsvoll. Er hätte es schmeichelhaft gefunden, von Simona gezeichnet zu werden. »Darf ich mal sehen?«

Simona reichte ihm den Block.

Philipp blätterte die Seiten durch. Anatomische Studien, Muskelstränge eines männlichen Rückens, Delta- und Untergrätenmuskel samt Musculus gluteus maximus. Das Gesamtergebnis war beeindruckend, und eines war klar: Sein schmächtiger Körper hatte für diesen Torso nicht als Modell gedient. Er blätterte weiter, die letzte Zeichnung zeigte den Charakterkopf eines älteren Mannes mit klassischem Profil, gerader Nase, krausem, kurzem Haar und wachen, feurigen Augen.

»Und?« Simona nahm ihm den Block aus der Hand und griff nach dem Rötelstift.

Philipp hob die Augenbrauen. »Ich mag nicht dran denken, was dir alles im Kopf herumgeht, um einen derart prachtvollen männlichen Rücken aufs Papier zu bringen.«

»Beleidigt?« Simona zog den Klappschemel heran und setzte sich. »Keine Sorge, lieber Cousin, du hast andere Qualitäten. Du bist der beste Freund, den ich habe.«

Philipp sog die Luft durch die Nase und genoss die Morgensonne, die seinen durchkühlten Körper aufwärmte. »Sure, wir sind ein unschlagbares Team. Du suchst dir Abenteuer, und ich helfe dir da wieder heraus …« Er wandte den Kopf.

Simonas Lachen gab ihm recht.

Er blinzelte gegen das Licht. Simona arbeitete an der Charakterkopfstudie weiter. Ab und zu nahm sie den Rötelstift zwischen die Zähne, retuschierte ein wenig mit dem Daumen und setzte erneut an.

Über einem Fischkutter, der in Richtung des Hafens in der nächsten Bucht tuckerte, kreischten Möwen. Simona hielt die Hand über die Augen, und Philipp folgte ihrem Blick zu den Sonnenstrahlen, die auf den leichten Wellen des Mittelmeers glitzerten.

Er beugte sich vor und griff nach der Sonnenbrille. Am Nachmittag würde er noch einmal mit Simona sprechen. Sie konnte ihn unmöglich hängenlassen. So wie die Dinge lagen, hatte sie eine moralische Verpflichtung ihm zu helfen, das musste ihr doch klar sein.

*

Die mächtigen Akazien warfen ihre Schatten auf den Rasen, der die Villa am Hang umgab, als Philipp den steinigen Weg vom Ort heraufkam. Er holte Atem, dann ging er hinüber zur Veranda. Simona telefonierte im Salon. Philipp ließ sich in einen der Korbstühle fallen und fingerte in der ausgebeulten Tasche seines Leinenjacketts nach der Zigarettenpackung. Doch dann lehnte er sich zurück und genoss die Aussicht. Der Aufstieg hatte es in sich, und Philipp fühlte sich schon seit einer ganzen Weile ziemlich erschöpft. Die Tage am Meer würden ihm guttun. Von hier oben aus wirkten die Dreiecke der Segelyachten und die breiten Gischtstreifen der Motorboote ganz klein. Eine kühle Brise wehte. Die fiedrigen Rispen der Akazien bewegten sich leicht im Wind, und Philipp war, als wäre dies hier der angenehmste Ort auf Erden.

Das Telefonat zog sich hin. Philipp sah auf seine Armbanduhr, legte ein Bein über das andere, umfasste den Spann seines nackten Fußes und überblickte die Bucht. Die schwarzen Espadrilles hatte er abgestreift. Sie lagen neben dem großen Tonkübel, in den Simona eine Bougainvillea gepflanzt hatte, deren sternförmige, tiefvioletten Blüten üppig trieben und den Verandapfosten zur Dachrinne emporrankten.

Simona klang aufgebracht. Sie war sogar ziemlich in Fahrt.

Philipp wollte vermeiden hinzuhören, doch nun konnte er nicht umhin, das Gespräch zu verfolgen.

»Es geht um deinen Geburtstag …«, hörte er Simona sagen.

Also fuhr sie nicht zu ihrem Vater nach Siena. Das war gut, dann bliebe ihm mehr Zeit, ihr sein Vorhaben schmackhaft zu machen. Mit beiden Händen, die er gegen das Korbgeflecht stemmte, hievte er sich aus dem Korbstuhl und schlenderte ins Haus. Dort lehnte er sich in den Türrahmen, steckte eine Zigarette zwischen die Lippen und zündete sie an.

Simona winkte ihm zu. »Aber nein …«, wehrte sie ab, »nein, ich will dir nicht schon jetzt gratulieren. Natürlich weiß ich, dass das Unglück bringt!« Sie suchte Philipps Blick.

Philipp steckte eine Hand in die Hosentasche und lächelte ihr zu. Sie drückte eine Taste, damit er mithören konnte.

»Simona?«, hörte er Giulianos Stimme aus dem Lautsprecher. Sie schwang ihren Drehstuhl herum. »Ja?«, fragte sie alarmiert. Philipp stippte die Asche in die Bougainvillea neben dem Eingang.

»Michael hat vor ein paar Tagen angerufen.«

»Bei dir?«, sagte Simona überrascht.

Philipp zog die Stirn kraus.

»Ja, er dachte, du wärest bei mir. Du weißt, ich mische mich ungern in deine Angelegenheiten, aber er schien mir aufgebracht. Was ist denn vorgefallen?«

Es war plötzlich still in der Leitung.

Philipp betrachtete die glimmende Spitze der Zigarette.

»Pronto, Simona? Bist du noch dran?«

»Hast du ihm gesagt, wo ich bin?«, fragte sie.

»Bin ich senil, oder was? Natürlich nicht. Sag mir doch einfach, was los ist«, beharrte er.

»Wir sprechen ein andermal darüber.«

»Kommst du nun zu meinem Geburtstag?«

»Nein.«

»Ach, schade, ich hatte mich schon so gefreut!«

»Papà!«

»Du hast Semesterferien! Ein paar Tage kannst du dir doch freinehmen. Wir sehen uns viel zu selten. Ist dir klar, dass ich hier auf unserem Weingut mutterseelenallein bin? Die Toskana ist ganz schön einsam. Etwas Mitleid mit deinem alten Vater könntest du haben, schließlich erbst du das Ganze mal.«

Philip beobachtete seine Cousine. Simona drehte am Telefonkabel und schien zu überlegen. »Netter Versuch, Papà. Aber wenn, dann wirklich nur kurz. Professor Attardi stellt mir sein Atelier zur Verfügung. Ich will an meiner Skulptur arbeiten. Ich werde sie bei seiner Vernissage ausstellen.«

»Ach, stellt Attardi nun schon mit seinen Studenten aus?« De Broglios offene Missbilligung klang durch.

Philipp zog an der Zigarette und lächelte.

»Es ist doch nur für den Eröffnungsabend. Alfiero sagt, er platziert sie im Entree. Das ist eine Riesenchance! Es kommen jede Menge wichtiger Leute.«

»So … na, das freut mich für dich«, bemerkte Giuliano zögernd.

Philipp zuckte mit dem Mund. Seinem Onkel war wohl kaum entgangen, dass Simona ihren Professor beim Vornamen nannte.

»Arbeite doch hier, im Atelier im Gartenhaus«, schlug Giuliano vor.

»Da habe ich keine Inspiration.«

Philipp hielt es für besser, sich zurückzuziehen. Er ging über die sonnenwarmen Teakholzbohlen der Veranda und hockte sich auf das Geländer. Nun konnte er nicht mehr hören, was Giuliano sagte, aber Simonas Widerpart gab zu verstehen, dass ihr Vater etwas hinzugefügt hatte, dass ihr nicht passte. Danach war es still.

Philipp warf die Kippe in den Garten und ging zurück in den Salon. Der Hörer lag auf der Gabel, und Simona kaute auf ihrer Unterlippe. Kein gutes Zeichen. »Und?«, fragte er.

Sie sah auf. »Vielleicht sollte ich doch heiraten.« Sie versetzte dem Telefon einen unwilligen Schubs. »Ich würde ein schönes Bild abgeben mit einem Strohhut, an dem blaue Bänder flattern, einem kleinen Buben auf dem Arm und einem Mädchen an der Hand …« Sie zog eine Schnute und blickte Philipp an.

»Charming, indeed …« Philipp setzte sich auf die Korbstuhllehne. »Dann heirate. Soweit ich informiert bin, hängen ein paar in der Warteschleife.«

»Es ist nicht der Richtige dabei.« Simona streckte missmutig die langen, schlanken Beine von sich. Philipp beugte sich zu ihr und spielte mit einer Locke, die in ihren Nacken fiel. Sie hob den Kopf. »Musst du mein Cousin sein? Dich würde ich nehmen!«

Schlaksig stand er auf. »Na, das wäre vielleicht eine Lösung, besonders jetzt, wo Onkel Ernest gestorben ist …« Dann wandte sich nach ihr um und musterte sie. »Weiß es dein Vater eigentlich schon?«

»Was?«, fragte Simona unkonzentriert.

»Dass du überraschend geerbt hast.«

Sie schüttelte den Kopf. »Ich habe es noch niemanden gesagt. Vater schon gar nicht. Er bringt es fertig und kürzt mir die Bezüge!«

Philipp blickte aus dem runden Fenster in den Garten hinter dem Haus, wo sich ein Pavillon und der Pool befanden. »Lange kannst du das nicht durchhalten«, gab er zu Bedenken.

»Ich werde nach Dorset fahren, um die Formalitäten zu regeln. Ich glaube, ich muss das Testament vorlegen und einen Erbschein beantragen, oder so. Hilfst du mir?«

»Das ist doch nicht dein Ernst!« Philipp fuhr ungehalten herum. Er musterte sie kalt.

Simona sah weg. »Na gut, dann werde ich eben doch Vater fragen. Ich sehe ihn ja am Montag zu seinem Geburtstag.«

Philipp spürte ein nervöses Flattern in der Brust. Er hielt den Atem an, um seine Stimme zu kontrollieren, dann trat er vor Simona und wartete, bis sie aufblickte. Er sah ihr in die Augen. »Hast du dir meinen Vorschlag überlegt?«

Simonas Blick verdüsterte sich. »Philipp, das Thema ist durch. Ich borge dir kein Geld. Und wie kommst du überhaupt darauf, mir einzureden, ich müsste dir etwas abgeben? Wenn Onkel Ernest dir etwas hätte vererben wollen, hätte er es getan. Schließlich bist du der gesetzliche Erbe, aber er wusste eben, dass du es durchbringen würdest. Du kannst nicht mit Geld umgehen, Philipp.«

Ihr Ton klang ebenso arrogant wie hartherzig, und Philipp spürte, wie Wut in ihm aufstieg und seinen Pulsschlag antrieb.

»Du bist mein Cousin, ich kenne dich von Kindesbeinen an, aber … werde endlich erwachsen!«

»Oh, shut up, please!«

Es war zwecklos, mit ihr zu reden. Philipp verlor die Geduld und wandte sich abrupt ab. Simona war verwöhnt, und sie hatte keine Ahnung, wie mühsam das Leben sein konnte, wenn man keine Familie im Rücken hatte und auf sich allein gestellt war. Er lenkte ein. »Du hast recht, wie immer. Hören wir auf zu streiten.«

Dann trat er an die Fensterfront. Die Blätter der Akazien vor den Arkaden der Villa standen still. Es rührte sich kein Windhauch. »Wann fährst du?«

»Morgen. Ich kann Vater an seinem Geburtstag schließlich nicht allein lassen.«

»Dann bleibt uns nicht mehr viel Zeit.« Er wandte sich langsam um.

1

Als Commissario Caselli am Tatort eintraf, stand Sergente Scurzi mit einer Hand gegen die mächtigen Steinquader eines römischen Palazzos gestützt und presste mit der anderen ein Taschentuch vor den Mund. Weiter vorn am Eck befand sich eine unansehnliche Pfütze. Scurzis Mageninhalt. Zwei Polizeibeamte standen betreten herum, Sanitäter luden eine leere Krankentrage in den Rettungswagen. Caselli blickte nach links. Im Durchgang der Via dell’Arco dei Banchi lag eine Leiche, das Gesicht mit einer grauen Plastikplane abgedeckt. Der Gerichtsmediziner packte den Metallkoffer zusammen. Die Lippen ein dünner Strich, den Kopf gesenkt, zog er die verschmierten Gummihandschuhe aus. Vor ihm stand eine junge Frau. Kupferrote Locken. Caselli schätzte sie auf Ende zwanzig. Sie machte sich Notizen auf einen Block. Das Fahrrad ein Stück weiter vorn, vermutlich ihres, schien in aller Eile an die Mauer gelehnt. Caselli entschied, sich zuerst um den Sergente zu kümmern. Er war grün im Gesicht, wirkte leidend, doch bemüht, sich zusammenzureißen.

»Geht’s wieder?«, fragte Caselli freundlich, als er ihn erreicht hatte.

»Buon giorno, Commissario!« Der Sergente nickte. »Passiert mir sonst nicht, aber das …« Er presste das Taschentuch gegen den Mund und verstummte.

Der Gerichtsmediziner stieß zu ihnen. »Morgen.« Er lächelte matt.

»Doktor Gavani«, grüßte Caselli.

»Die Leiche einer Frau, schlimm zugerichtet«, berichtete der Arzt und blickte zur Plane hinüber. »Ich habe ja schon viel gesehen, aber das …« Er brach ab.

Caselli sah ihn an. Gavanis Gesicht wirkte grau und schlaff, die Strapazen jahrelanger Bereitschaftsdienste zu allen erdenklichen Tag- und Nachtstunden begannen Spuren zu hinterlassen.

»Wollen Sie’s hinter sich bringen?«, fragte der Gerichtsmediziner und sah auf.

Caselli nickte.

»Sind Sie Commissario Caselli?« Die Fahrradfahrerin richtete den Gurt ihrer Umhängetasche und reichte Caselli die Hand. »Ich bin Tiziana Gordoni vom Messaggero. Ich kam gerade vorbei. Ist das hier ein Mordfall? Wissen Sie schon, wer die Tote ist?«

Caselli musterte die junge Frau. Sie hatte ein seltsam unregelmäßiges Gesicht und wirkte ermüdend forsch. »Dazu kann ich noch nichts sagen, Signorina, Sie gehen besser, hier sind Sie nur im Weg, und jetzt entschuldigen Sie mich bitte!«, wies Caselli sie ab.

»Ja, aber …«, setzte sie nach.

»Haben Sie nicht gehört, was ich gesagt habe!«, fuhr Caselli sie an, schärfer als gewollt. Die Rothaarige machte ein erstauntes Gesicht. Dann steckte sie den Block in die Umhängetasche und lief zu ihrem Fahrrad. Sie nahm den Helm vom Gepäckständer und wandte sich noch mal um.

Caselli ging mit Dr. Gavani die paar Schritte zum Torbogen. Kurz davor empfing ihn unangenehmer Geruch.

»Sie ist wohl bereits einen Tag tot. Es muss in der Nacht von Sonntag auf Montag passiert sein. In den frühen Morgenstunden. Sie lag zusammengerollt in der Ecke, mit Zeitungspapier abgedeckt. Heute wurde ein Passant auf den Geruch aufmerksam. Hier in der Stadt staut sich die Hitze, da geht das schnell«, erklärte der Arzt.

Caselli trat in den etwa vier Meter langen Durchgang und wies zu dessen Ende. »Wo kommt man da heraus?«, fragte er Gavani.

»In der Via del Banco di Santo Spirito. Wie Sie sehen, ist die Via dell’Arco dei Banchi eine Sackgasse. Das hier ist eine Abkürzung für Passanten. Fahrzeuge können nicht durchfahren, das verhindert der Poller. Nach dem Vicolo del Curato und der Piazzetta kommt dann gleich die Via dei Coronari mit ihren Antiquitätengeschäften, und dann ist es bis zur Piazza Navona natürlich nicht mehr weit … also jetzt mal grob zur Orientierung.«

»Hm«, machte Caselli und sah sich um. Der Durchgang war dunkel, etwa in der Mitte, im oberen Drittel der Mauer, befand sich eine Madonella, ein Bild der Muttergottes mit Kind, vor dem ein Eisengitter befestigt war, das rote Öllichter und verwelkte Blumen barg. Das Gewölbe des Torbogengangs war vor langer Zeit in Freskomanier ausgemalt worden, Taubenblau mit goldenen Sternen. Von oben sickerte offenkundig Wasser durch den Stein: Großflächig war Putz abgesprungen; die Mauer zeigte Risse. Die Feuchtigkeit hatte den Sternenhimmel verwaschen und schmutzig graue blinde Stellen hinterlassen. Der Boden starrte vor Dreck, an der Wand gegenüber der Madonella lagen Kartons, Plastiktüten und Zeitungen aufgehäuft.

»Wird von Obdachlosen als Unterschlupf benutzt …«, erläuterte Dr. Gavani. »Darum hat es niemanden gekümmert, dass hier jemand reglos lag.« Er blickte auf die Uhr.

»Ist die Tote eine Obdachlose?«, fragte Caselli.

Gavani schüttelte den Kopf. »Es handelt sich um eine junge Frau, Mitte zwanzig, in Abendkleidung und mit teuren Ohrringen. Ich möchte wissen, wo der Leichenwagen bleibt.« Er atmete angespannt aus. »Die lassen sich vielleicht Zeit.« Dann blickte er Caselli prüfend an. »Sind Sie bereit? Sie sind ja sicher einiges gewohnt … die Camorra ist auch nicht gerade zimperlich.«

Es war wohl aufmunternd gemeint. Caselli nahm die redliche Absicht zur Kenntnis und sparte sich den Hinweis, dass er aus Sizilien kam und man dort gegen die Mafia kämpfte. Er nickte nur.

Der Gerichtsmediziner knipste eine Taschenlampe an und lüftete die Plane.

Caselli schaffte es bis zum Ende des Torbogens.

Die Reiseführerin einer Touristengruppe auf dem Weg zur Engelsburg, die am gegenüberliegenden Tiberufer im Morgenlicht ein herrliches Bild bot, sprang zur Seite. »Das ist ja widerlich!«, rief sie spitz. »In aller Frühe schon betrunken!«

Caselli hob entschuldigend die Hand, und der Gerichtsmediziner reichte ihm ein Papiertaschentuch.

*

In der Questura staute sich die Mittagshitze. Caselli blickte zur Decke, an der ein alter Ventilator ratterte, und runzelte die Stirn.

Scurzi, der mit ihm im selben Raum Dienst tat, saß an seinem Schreibtisch links neben der Tür und sortierte Polizeifotos. »Wir wissen nicht, wer sie ist. Kann nicht identifiziert werden, so wie Kopf und Gesicht entstellt wurden. Eva Traviani aus der Pathologie sagt, es müsse eine Art Spitzhacke benutzt worden sein. Den Bericht bekommen wir aber nicht vor Freitag.« Er sah auf. Da Caselli nichts erwiderte, fuhr er fort: »Die Tote trug ein schwarzes Cocktailkleid und Sandaletten. Das Einzige was heil ist, sind die Ohrringe mit den grünen Steinen.« Scurzi hielt das Tütchen der Spurensicherung gegen das Licht. »Jeder Goldschmied hat einen Stempel. Wir können die Zeitungen informieren, vielleicht meldet er sich, oder ich frage bei der Handwerkskammer nach.«

Caselli stand auf. »Ja, tun Sie das.« Er vergrub die Hände in den Hosentaschen und blickte aus dem offenen Fenster über die Dächer Roms. Die Sonne gleißte, und die Luft flirrte in der Mittagshitze. Er dachte an das Meer, an kühle Wellen, an smaragdgrüne Tiefen, Felsklippen. An die Eidechsen, die sich neben Agaven auf ockerfarbenem Sandstein sonnten. Und er dachte an ein schwarzes Abendkleid, das Dora getragen hatte, in jener Mondnacht, als sie in das Lokal am Strand tanzen gegangen waren. Er hatte noch keinen Urlaub beantragt. Der Sergente war mit seiner Familie zwei Wochen in Rimini gewesen, immerhin. Caselli hatte vorgeschwebt, in die Berge zu fahren oder an den Luganer See, zusammen mit Dora natürlich. Dora hatte angekündigt, sie käme im Sommer nach Rom. Der Juli war vorbeigegangen. Sie hatte Prüfungen an der Universität in Catania gehabt, nun, das verstand er. Nun aber war es Ende August.

Im Hintergrund beendete Scurzi sein Telefonat und legte auf. Caselli wandte sich um.

»Das war ein Redakteur vom Messaggero. Die bringen es morgen … ach, übrigens, wissen Sie, dass die Gewerkschaften zum Streik aufgerufen haben? Da wird eine Menge Arbeit liegen bleiben, auch bei der Spurensicherung.«

Caselli blickte erneut zum Ventilator, der kaum Kühlung produzierte. Er zog ein zusammengefaltetes Taschentuch aus der Brusttasche seines Hemds und fuhr sich über die Stirn. »Ja, ich habe es gestern in den Nachrichten gehört.«

»Beim Messaggero war man richtig scharf auf die Geschichte«, fuhr Scurzi fort, »füllt das Sommerloch. Der ist ja nun bald vorbei, der Sommer.« Er rückte seine Schreibunterlage gerade.

Caselli sah wieder über die Dächer. Hinter ihm trommelte der Sergente mit den Fingerkuppen auf die Tischplatte, dann fiel ihm offenbar ein, auf die Uhr zu sehen. »So spät? Dann mache ich mal Mittag, Commissario.« Er schob geräuschvoll seinen Stuhl zurück und stand auf. »Nachher hole ich die Urlaubsbilder vom Fotoladen. Da freue ich mich drauf! Wie die Kinder im Sand buddeln. Meine Jungs und ich haben tolle Burgen gebaut«, berichtete er munter. »Also dann!« An der Tür hielt er inne. »Commissario?«

»Hm?« Caselli fuhr herum.

Der Sergente klopfte mit dem Zeigefinger auf das Zifferblatt seiner Sportuhr.

»Ja, guten Appetit, bis morgen«, antwortete Caselli. Durch die Glasfront, die die Hälfte der Zwischenwand einnahm, die nachträglich eingezogen worden war, um den kleinen Raum zu gewinnen, der jetzt sein Büro war, sah er, wie Signorina Flavia, die Sekretärin des Vice-Questore, sich mit einem Magazin Luft zufächelte. Ihr Schreibtisch stand im Empfangsbereich, zwischen seinem Büro und dem größeren, helleren Raum, den der Vice-Questore nutzte. Trotzdem hätte Caselli nicht tauschen mögen. Er hatte von seinem Platz alles im Blick. Die Tür zum Treppenhaus und zu den Aufzügen, Signorina Flavias Schreibtisch, Ruggiero Di Verdacchianos Bürotür. Und wenn er ungestört arbeiten oder ein Verhör führen wollte, ließ er die leichtgängigen, grauen Jalousien ein Stück herunter.

»Morgen?«, fragte Scurzi überrascht.

»Ja, ich gebe Ihnen frei, bei dieser Hitze kann doch kein Mensch effektiv arbeiten.«

Nachdem Scurzi gegangen war, griff Caselli nach seinem Jackett. Er musste das Meer sehen, und wenn es nur die trüben Wellen in Ostia waren.

2

Über Rapallo hing, passend zur frühen Stunde, Morgendunst. Es war kühl, die Brise frisch. Sanfte Wellen schlugen an den Sandstrand. Philipp mochte diese Zeit am liebsten. Er hatte sich vorgenommen Muscheln zu suchen und war seit Sonnenaufgang am Meer entlanggelaufen. Als er vom Badestrand auf die Uferpromenade zur Stadt gelangte, war es gerade erst acht Uhr. Vorbei an den hellblauen Umkleidehäuschen und Duschen. Nasser Sand auf feuchten Bretterrosten. Philipp trug eine Leinenhose, ein kurzärmeliges Hemd und einen roséfarbenen Baumwollpulli über den Schultern. In der Badeanstalt ging er zum nächsten Wasserhahn, um sich den Sand von den Füßen zu spülen. Dann krempelte er die Hosenbeine herunter und streifte die Espadrilles über. Ein Kellner des Bristol, auf dem Weg zum Hotel, um den Speisesaal für das Frühstück zu richten, grüßte, und Philipp nickte, beinahe hätte er den Mann in dessen Alltagskleidung nicht erkannt. Kurz darauf bog Philipp in eine Seitenstraße, betrat den kleinen Lebensmittelladen und erstand eine Packung Löffelbiskuits, die er gern am Strand aß. Am Zeitungsstand tauschte er mit dem Verkäufer ein paar freundliche Worte, suchte in seiner Hosentasche nach Kleingeld und klemmte sich dann den Messaggero und eine Sportzeitung unter den Arm, um sich eine Zigarette anzuzünden. Zurück am Strand säuberte der Bademeister den Sand dort mit einem Rechen.

»Ciao, Mario!«, rief er ihm zu. Der Bademeister hob die Hand. Philipp setzte sich in einen aufgeklappten Liegestuhl und rauchte die Zigarette zu Ende. Dann nahm er die Zeitung und schlug sie auf.

*

Als der Bademeister am Liegestuhl vorbeischlenderte, traute er seinen Augen nicht. Der Engländer saß tränenüberströmt in der Morgensonne und starrte reglos auf das Meer, das in kleinen Wellen sanft an den Strand schlug. Er fasste ihn an der Schulter. »Mr. Mortan … ist Ihnen nicht gut? Soll ich den Hotelarzt vom Bristol rufen?«

Mortan sah sehr langsam auf, dann atmete er tief durch. Es war, als habe er den Atem angehalten und schöpfte erst jetzt wieder Luft. Er schüttelte den Kopf, erhob sich aus dem Liegestuhl und ging weg.

Der Bademeister bückte sich. »Die Zeitungen! Wollen Sie die nicht mitnehmen?«

Der Engländer wandte sich um. »Arrivederci«, sagte er nur, »ich reise ab.«

3

Caselli kam am Mittwoch spät in die Questura. Vice-Questore Di Verdacchiano befand sich seit drei Wochen auf den Seychellen, da ging Caselli den Dienst etwas gelassener an, wenn er schon keinen Urlaub bekam.

»Buon giorno!«, rief er gutgelaunt, als er sein Büro betrat.

Scurzi sah vom Sportteil auf. »Commissario! War’s schön am Meer?«

»Werde ich öfter machen«, antwortete Caselli verdutzt, während er sich fragte, woher Scurzi von seinem Ausflug wusste.

»Richtig so, Sie hatten ja noch gar keinen Urlaub. Ich war ja in Rimini.« Scurzi faltete die Zeitung. »Flavia sagte, Sie seien gestern auch bald gegangen.«

»Hm, ja.« Caselli setzte sich an den Schreibtisch, auf dem ein Tablett stand. »Ach, der Junge von der Bar war schon da?« Caselli fasste nach der Tasse. Der Espresso war kalt, aber er trank ihn trotzdem. »Neuigkeiten?«

»Ich habe den Goldschmied ausfindig gemacht, der die Ohrringe der Toten gefertigt hat. Über die Handwerkskammer war das ein Kinderspiel. Ich war heute Morgen dort. Er hat seine Bottega in der Via dell’Orso. Er wirkt wie ein solider Handwerker, groß, robust, Vollbart. Heißt Leone, aber da gibt es etwas.« Scurzi sah auf. »Leone ist vorbestraft wegen Körperverletzung. War in eine Rauferei verwickelt in seiner Lehrzeit. Das liegt länger zurück, aber trotzdem.« Scurzi griff nach dem Wasserglas, trank einen Schluck und stellte es wieder ab. »Leone hat in seinen Büchern nachgesehen. Der Name der Kundin, die die Ohrringe bestellt hatte, ist Simona Mendel, Kunststudentin. Wohnte in der Via Paola 26. Ich bin hin, war nicht weit. Ich musste durch den Durchgang … also, den Tatort. Sie musste da durch, um zum Palazzo zu kommen, in dem sie wohnte. Die Concierge hatte den Zweitschlüssel. Ich habe mir gedacht, ich sehe mich mal um. Bis die Spurensicherung kommt, das kann dauern. Ab heute wird ja gestreikt, CGL, CISL und UIL, alle Gewerkschaften miteinander, zieht sich die ganze Woche hin, und heute ist ja erst Mittwoch.«

Caselli nickte. »Was gab es in der Wohnung?«

»Nicht viel, das Apartment ist winzig. Dachgeschoss, ganz oben im obersten Stock. Ich musste endlos Treppen rauf, der Aufzug war kaputt, doch jemand war schon vor mir da.«

»Aufgebrochen?« Caselli sah auf.

»Nein, aber alles durchwühlt. Eine gewisse Unordnung hatte ich schon erwartet: Leinwände, angebrochene Farbtöpfe, Pinsel, Tonmodelle, Kisten, Terpentinkanister, na ja, das macht eine Wohnung nicht recht wohnlich, noch dazu, wenn sie klein ist. Für eine Kunststudentin nicht ungewöhnlich, aber es standen Schubladen offen. Das kam mir komisch vor. Ich habe natürlich nichts angefasst. Aber mitten auf dem Küchentisch lag ein Notizbuch, als ob es jemand extra da hingelegt hätte. Das habe ich mitgenommen. Eine Telefonnummer, ein Herz drumherum gemalt. Da habe ich ermittlungsmäßig angesetzt.«

Caselli griff nach einer Papierserviette und nahm ein Tramezzino-Sandwich.

»Und?«

»Die Nummer gehört einem Deutschen, Roland Krogmann, Maler und Bildhauer, lebt auf dem Land bei Sacrofano, konnte ganz gut Italienisch. Ich sagte, morgen würde jemand von uns bei ihm vorbeischauen.«

»Ein deutscher Bildhauer?« Caselli sah auf die Uhr. »Fahren wir hin!« Er biss noch einmal in sein Thunfischsandwich. »Kleine Reminiszenz an Ihre Zeit an der Kunstakademie, hm?«

»Jetzt?« Scurzi sah erstaunt auf. »Das geht nicht, die PC-Schulung für das neue Auswertungsprogramm beginnt gleich, Sie sind da übrigens auch eingetragen.«

»So? Davon weiß ich gar nichts. Wann geht das los?«

»Um elf Uhr unten im Schulungsraum.«

»Hm, dann eben am Nachmittag«, sagte Caselli und kaute.

»Da muss ich passen, Commissario. Ich muss unbedingt pünktlich daheim sein. Und vorher ist ein Haarschnitt fällig. Wir gehen heute groß aus, Marcella und ich, Hochzeitstag!« Er unterbrach sich. »Corso Francia, und dann nehmen Sie die Flaminia …« Er sah Caselli prüfend an.

»Danke, Sergente, ich komme mittlerweile mit den Verkehrswegen in Rom ganz gut zurecht!«

»Ich meine ja nur. Ich hätte das gern gemacht, die Befragung von Krogmann, wo er doch Bildhauer ist.« In Scurzis Stimme schwang aufrichtiges Bedauern mit.

»Sie werden ihn schon noch kennenlernen, Scurzi. Es wird kaum bei einer Befragung bleiben. Haben Sie die Angehörigen der Mendel verständigt?« Caselli knüllte die Serviette zusammen und zielte auf den Papierkorb.

»Ja, hab ich, der Vater heißt Giuliano De Broglio. War Manager in der Wirtschaft, in Mailand. Hat sich vor einem Jahr aus dem Geschäftsleben zurückgezogen und frönt seinem Hobby. Er leitet sein eigenes Weingut und wohnt auch da, allein übrigens. Ein großes Landhaus bei Siena. Die Mutter der Mendel war Fotomodell und lebt jetzt in Lucca. Beide waren sehr betroffen. Mendel ist der Mädchenname der Mutter. Sie sind nicht verheiratet. De Broglio sagt, seine Frau, er nennt sie so, habe nie heiraten wollen.«

»Kompliment Scurzi, gute Arbeit!« Caselli griff nach dem Jackett hinter sich auf der Lehne und stand auf. »So, ich gehe dann. Die PC-Schulung lasse ich sausen, und später fahre ich nach Sacrofano zu Krogmann raus. Ist das die Adresse?« Er nahm den Zettel vom Tisch. »Bis morgen, ach, und alles Gute zum Hochzeitstag, auch an Marcella!«

»Danke …« Scurzi presste die Lippen zusammen.

Während Caselli im Flur auf den Aufzugknopf drückte, ging ihm durch den Kopf, dass Scurzi an diesem Morgen, im Gegensatz zu seinen sonstigen Gewohnheiten, einiges erledigt hatte. Ob es einen Grund gab, warum er sich neuerdings derart in die Arbeit stürzte? Einen glücklichen Eindruck machte der Sergente nicht gerade, und das war schon seit geraumer Zeit so.

4

Caselli sah durch die Windschutzscheibe seines alten Fiat Punto skeptisch auf das Anwesen.

Krogmann wohnte in einem Steinhaus, das am Ende einer Zufahrtsstraße unter hohen Pappeln stand. Es machte einen baufälligen Eindruck. Caselli parkte den Wagen. Er hatte mit leicht schlechtem Gewissen in seiner Wohnung Siesta gehalten und war erst gegen Abend, als die Hitze nachließ, zu Krogmann hinausgefahren. Die Via Flaminia führte Richtung Norden, und an ihr reihte sich eine kleine, verschlafene Ortschaft an die andere, Ortschaften, die sich alle ihren ursprünglichen Charakter erhalten hatten. Hier wurden noch Patronatsfeste gefeiert, man besaß Land mit Olivenbäumen, und in den Bars saßen die alten Männer jeden Nachmittag zusammen. Es war Provinz, vor den Toren Roms. Caselli mochte die Gegend und fuhr an freien Tagen gern auf dieser Landstraße ins Blaue, manchmal sogar bis Viterbo.

Krogmann öffnete. »Sie sind der Kommissar, nicht wahr?« Der Künstler wischte sich mit einem schmutzigen Lappen über die Finger. »Kommen Sie herein. Entschuldigen Sie, wenn ich Ihnen nicht die Hand gebe«, lachte er und ging voraus. »Ich kämpfe mit der Materie!« Im Haus war es geradezu kalt, die dicken Steinmauern hielten die sommerliche Hitze draußen. Krogmann trug einen groben Strickpulli, Gesundheitslatschen und alte Jeans. Im offenen Kamin schwelte ein Feuer. Obstkisten mit Holz, Altpapierstapel und ein Kanister standen auf dem unebenen Terrakottaboden. »Sie sehen ja«, der Künstler deutete auf den Qualm, der aus dem Kamin stieg, »er zieht nicht.« Krogmann griff nach dem Schürhaken und zerrte ein Stück gemusterten Stoff in die züngelnden Flammen.

»Was verbrennen Sie denn da?«

»Ach, nur alte Lappen …«, antwortete Krogmann und lehnte den Schürhaken an den Sims.

»Sie werden doch kein Benzin ins Feuer gießen?«, fragte Caselli besorgt mit Blick auf die Kanister.

Der Maler lächelte. »Aber nein, nur ein bisschen Spiritus.« Er verscheuchte zwei Katzen vom einzig benutzbaren Sessel. »Bitte …«

Caselli setzte sich auf einen Klappstuhl. »Katzenhaarallergie …«, gab er kurz und entschlossen an. Diese Notlüge gestand er sich zu.

Der Künstler nickte verständnisvoll. »Kenne ich. Ich bekomme krebsrote Quaddeln am ganzen Körper, wenn ich mich aufrege«, erzählte er. »Juckt sehr unangenehm, übrigens rein psychisch bedingt. Ich weiß dann, dass ich mich besser von der Frau trennen sollte, mit der ich gerade zusammen bin. Ein todsicherer Indikator!«

Caselli, der sich etwas umgesehen hatte, musterte den Maler. Er war groß und kräftig, das gegerbte Gesicht wirkte hager, war von tiefen Falten durchzogen. Unter dem Wollpulli trug er ein buntkariertes Hemd, aus dessen Ausschnitt spärliches weißes Brusthaar lugte. Der Künstler ging zu einer ungebeizten Spanplatte, die auf Blöcken auflag und eine geräumige Ablage bildete. Eine Reihe kleiner, abstrakter Aluminiumplastiken stand darauf, versetzte Würfel und Kugeln.

Krogmann griff nach einer Plastikwasserflasche, schenkte sich ein Glas voll ein und trank es hastig aus. Die Wände schienen zum Ausstreichen der Pinsel zu dienen und waren mit Farbbahnen und Spritzern übersät. »Ich hatte in Deutschland auch einen Kamin«, sagte Krogmann dann, »bevor mir diese Verbrecher von der Bank mein Haus weggenommen haben!« Eine gehörige Portion Bitterkeit war unüberhörbar. »Mit Mitte sechzig noch mal von vorn anfangen? Keine leichte Sache, sage ich Ihnen. Aber man hat keine Wahl, oder? Entweder man springt aus dem Fenster, oder man startet noch mal durch. Na ja, und ich hatte einen Bungalow«, fügte er hinzu. Er lächelte ein wenig, um den Scherz bemüht. »Die arme Simona …«, murmelte er. »Sie war so jung und so schön!« Plötzlich standen ihm Tränen in den Augen. Krogmann wandte sich ab und fuhr sich mit seiner großen, schmutzigen Hand über das Gesicht. »Scheißkonstruktion von einem Kamin«, grummelte er, als er sich wieder fasste. Er griff nach dem Schürhaken. »Meinen in Deutschland habe ich selbst gebaut, mit Aluminiumplatten umrandet, wunderbares Material, leicht und luftig, gut zu bearbeiten … eigentlich mein Lieblingsmaterial.«

»Der Mord an Simona Mendel nimmt Sie sehr mit, nicht wahr?«, schaltete sich Caselli ein. Krogmann bückte sich, zerriss ein paar Seiten Zeitungspapier und knäulte sie zusammen. »Ja.«

»Waren Sie lange zusammen?«, fragte Caselli. »Was können Sie mir über die Signorina sagen?«

»Wir waren kein Paar, wenn Sie das meinen«, antwortete Krogmann. Er hantierte mit dem Schürhaken, um das Papier zu verteilen. »Leider, kann ich nur sagen. Wie sind Sie auf mich gekommen?«

»Ihr Name stand in Signorina Mendels Notizbuch, in einem Herzen«, antwortete Caselli knapp.

»Ach?« Krogmann lächelte. Das Feuer loderte auf, Funken sprühten, und Krogmann wich einen Schritt zurück. Dann machte er sich daran, ein paar Scheite zu verlagern, und der Qualm ließ nach. »Wir waren nur gute Freunde, allerdings sehr gute.« Er sah in die Flammen, stellte dann den Schürhaken in die Halterung neben dem Sims und blickte Caselli an. »Ich habe natürlich immer gehofft, dass mehr daraus wird. Ich habe Simona oft angeboten, zu mir zu ziehen, eigentlich zum Spaß …«, sagte er mit einem resignierten Lächeln, das ihn sympathisch machte, »denn es war mir klar, dass sie nicht darauf eingehen würde. War auch besser so. Es hätte nicht funktioniert. Ich habe mir, Gott sei Dank, ein gewisses Maß gesunder Selbsteinschätzung bewahrt, auch wenn man als Künstler niemals an die Sterblichkeit denken darf …« Er sah Caselli durchdringend an. »Niemals, das ist der Tod jeder Kreativität! Man muss an die Unsterblichkeit glauben, die Ewigkeit, das Unendliche, an das Schaffen von Werken, die die Jahrhunderte überdauern.« Gleich darauf wurde sein Blick schwer. Er schien sich zu erinnern, dass Simona Mendel nicht mehr am Leben war, und rang nach Luft. »Es war mir selbstverständlich klar, dass ich mich nicht mit ihr einlassen konnte, über das Alter bin ich hinaus. Wahrscheinlich gebe ich im Adamskostüm ein ziemlich gruseliges Bild ab.« Er lachte jungenhaft. »Gott sei Dank ist meine Dusche in der Waschküche im Keller. Da unten gibt es nur einen Rasierspiegel.« Er grinste, tiefe Falten durchfurchten sein Gesicht. »Ich habe meinen Körper immer überfordert, wissen Sie, ich bin nicht zimperlich mit ihm umgegangen. Ich habe geschuftet und Steinblöcke geschleppt. Und als ich jung war, hat mich mein Vater hart rangenommen. Er hatte ein Malergeschäft, Anstreicher«, verdeutlichte er. »Ein Kind einzuspannen ist Unrecht, ganz abgesehen von den Prügeln.« Er brach ab. »Das war schlimm. Heute käme er dafür ins Gefängnis.« Krogmann sann zweifellos schlimmen Erinnerungen nach, die aus seinem Gedächtnis aufstiegen, und verbannte sie dann abrupt. »Ein Glas Wein, Herr Kommissar?«, fragte er betont locker und ging hinaus.

»Gern«, antwortete Caselli. Es war nach acht Uhr. Seine Dienstzeit war mehr oder weniger zu Ende.

»Ich habe vorhin etwas in den Ofen geschoben!«, rief Krogmann. »Mögen Sie Toast mit Champignons, Tomaten und Käse?«

»Machen Sie sich doch bitte …«, setzte Caselli an, doch sein Magen könnte tatsächlich etwas vertragen.

»Ach was, ist reichlich da!« Krogmann war bereits in der Küche. »Sie decken den Tisch, ja? Sie finden alles auf dem Bord.«

Caselli war überrascht, dann lächelte er und stand auf. Die zwanglose Atmosphäre, die der Künstler schuf, gefiel ihm. Er schob seinen Stuhl zu dem weißen Klapptisch und dem weiteren Stuhl vor den Kamin und ging zu einem gemauerten, gekalkten Regal, das an der Außenwand lehnte. Es beherbergte rigoros weißes Geschirr, verschiedene Gläser, jeweils im Dutzend, einen Besteckkasten, fein säuberlich gestapelte Packungen roter Papierservietten, sowie eine Kiste mit weißen Stearinkerzen. Caselli deckte den Tisch. Ihm fiel auf, dass die Gläser blitzblank gespült waren und vor Sauberkeit glänzten. Er legte die Bestecke neben die Teller und setzte sich. Das Kaminfeuer knisterte. Durch das Fenster sah er, dass Wind aufkam und die Wipfel der Bäume nach Süden bog. Nach einer Weile kam der Maler wieder.

»Bitte schön! Zweimal die Nummer drei!«, sagte er und balancierte ein beladenes Tablett. »Prima, der Tisch ist gedeckt, wir können essen!« Er schob mit einem Kuchenheber duftende Toasts mit knuspriger Käsekruste auf die Teller, lehnte das Tablett an die Wand und setzte sich. Dann entkorkte er die Flasche, die auf dem Tisch stand und schenkte ein. »Prost!«

Caselli hob sein Glas. »Ausgezeichnet!«, lobte er, als er den vollmundigen Roten gekostet hatte.

»Ja, manchmal leiste ich mir was Gutes«, schmunzelte der Künstler. »Ab und an ein guter Bordeaux. Ich bin eigentlich kein Freund von Chianti und Lambrusco. Und? Schmeckt‘s?« Er lächelte zufrieden, als er Caselli nicken und eifrig kauen sah.

»Hmm!«, machte Caselli nur.

»Nummer drei gelingt immer. Ist bei mir ein bisschen wie im China-Lokal. Nummer zwei: Nudelsuppe, Nummer eins: Pfannkuchen. Mehr steht nicht auf der Karte. Immerhin, für einen alten Mann nicht schlecht, was?« Er leerte sein Glas auf einen Zug und goss sich nach. Caselli schob noch ein Stück Toast in den Mund und hob eine Augenbraue.

»Übrigens, Ihr Deutsch ist ausgezeichnet. Sie hatten am Telefon ja Ihren deutschen Großvater erwähnt …«, fuhr Krogmann fort.

»Danke, Ihr Italienisch ist auch schon recht gut«, gab Caselli das Kompliment zurück. Er hob das Glas und nahm noch einen Schluck Wein.

Krogmann winkte ab. »Da ist es noch lange hin. Ich bringe es mir selber bei.«

»War Signorina Mendel in Schwierigkeiten?« Caselli hob die Hand. Der Maler hatte sein Glas zum zweiten Mal bis zum Rand nachgeschenkt.

»War ein nettes Mädchen, begabt, aufgeschlossen, herzlich. Nur ein Irrer kann diesen Mord begangen haben.« Krogmann stellte die Flasche ab. »Was für eine Untat, einen Menschen töten! Wer tut so was, wer?« Sein Blick schweifte ins Leere. »Was für ein Mensch muss das sein? Niemand hat das Recht dazu!« Er ereiferte sich, rasch atemlos geworden. »Geben Sie mir recht, Herr Kommissar? Sie geben mir doch recht!« Er sah Caselli mit einem gequält verknitterten Gesichtsausdruck an.

»Ja, natürlich«, sagte Caselli. Krogmanns Ausbruch wirkte auf ihn anrührend naiv, aber wahrscheinlich gehörten diese Eigenschaften zum Künstlerdasein. »Kennen Sie Simona Mendels Freundeskreis?«, fragte Caselli weiter und behielt das Glas in der Hand, damit Krogmann ihm nicht sofort wieder nachschenkte.

»Wenig, eigentlich gar nicht. Ich lebe hier zurückgezogen. Über ihre Liebschaften wollte ich nichts wissen«, sagte Krogmann matt, »ich habe es vorgezogen, mir vorzustellen, sie käme irgendwann zu mir … habe mich an meine Illusionen geklammert, das Einzige, was einem keiner nehmen kann. Nicht wahr, Herr Kommissar?« Krogmann drehte den Korken in die Flasche und drückte mit dem Handballen nach. »Ich sollte nicht so viel trinken, Mäßigung!«, entschied er und lächelte. »Man braucht einen klaren Kopf zum Schaffen. Bin keiner, der sich drei Linien Kokain reinzieht und dann Farbkleckse an die Wand spritzt. Ich bin alte Schule!« Er machte stolz eine ausladende Handbewegung, um Caselli auf seine Werke aufmerksam zu machen, die an der weißgekalkten Längswand hingen. Eine Metallschiene mit Strahlern schwebte über ihnen. Krogmann stand auf und schaltete die Beleuchtung an. Die Wirkung war eklatant, jedes Bild wurde exakt ausgeleuchtet. Rote, blaue und gelbe, schmale und breite Streifen waren geometrisch angeordnet.

»Toll, der Lichteinfall!«, bemerkte Caselli geistesgegenwärtig.

»Ja, nicht wahr? Der Raum ist auch meine Galerie, mache hier Vernissagen. Die Bilder gefallen Ihnen wohl weniger, was?« Der Künstler folgerte das offenbar aus einem Gespür für sein Gegenüber heraus. »Ich mag’s gern wild!«, erläuterte er und lachte.

Caselli fand diesen Ausdruck sehr passend.

»Kraftvoll, mit Power, keine Larifari-Häuschen-Pinien-Hügel-Malerei! Die Leute wollen immer Dächer … auf Dächer sind alle total scharf!« Krogmann fuhr sich mit der schwieligen Hand über das Gesicht. »Häuserbilder mit Pinien davor werden gekauft wie nix, aber nicht mit mir! Da muss es schon Spitz auf Knopf stehen. Wenn ich nur noch zehn Euro in der Tasche habe, dann, ja dann male ich Dächer und fahre am Sonntag nach Civita Castellana auf den Trödelmarkt. Die gehen weg wie warme Semmeln, die Dächer …«, grummelte er, dann packte ihn ein Energieschub, und er fuhr hoch. »Schauen Sie«, rief er, »da drüben stehen ein paar meiner Plastiken.« Er ging mit großen Schritten in den angrenzenden Raum und schaltete einige Spotlichter an. »Aluminium, wunderbares Material«, sagte er euphorisch.

Caselli legte seine Serviette weg und stand auf, um ihm zu folgen.

»Lasse ich gießen, in Torvaianica. Gibt da eine Gießerei direkt am Meer. Bruno, ein paar Jahre jünger als ich, der versteht sein Handwerk.«

Caselli nickte anerkennend. »Sehr schön, überaus modern. Und was ist das?«, fragte er und deutete auf ein Objekt, das in einer dunklen Ecke lehnte und seine Aufmerksamkeit auf sich zog.

»Das ist mein Venenentstauungsgerät«, antwortete Krogmann und grinste. »Stinkteuer, hat meine Krankenkasse bezahlt, als ich noch eine deutsche Kasse hatte. Tja, Krampfadern, was will man machen. Aber es ist vor allem das Herz«, sprach Krogmann verhalten weiter. »Zu viel Aufregung, als ich mein Haus in Deutschland verlor. Zwanzig Jahre habe ich dieses Haus geliebt, mit ganzem Herzen. Dann kamen die schweren letzten Jahre, als mir die Bank im Nacken saß, und am Schluss haben sie es für ein Butterbrot zwangsversteigert, diese Halunken und Halsabschneider … für ein Butterbrot.« Seine Augen schimmerten verräterisch. »Die haben mich über den Tisch gezogen, die feinen Pinkel von der Bank in ihren Nadelstreifenanzügen, kaltblütig haben die mich erledigt. Mein Haus und das Grundstück mit den alten Ulmen, zwanzig Ulmen, waren zusammen über zwei Millionen Mark Wert, mindestens. Natürlich war alles belastet bis zum Anschlag, aber trotzdem. Wissen Sie, wie viel mir blieb?« Er lachte bitter und sprach weiter, ohne auf eine Antwort zu warten. »Achtzigtausend Mark! Als der Bagger kam und meinen Bungalow abriss, in dem ich über zwanzig Jahre gelebt habe, hatte ich einen Herzanfall.«

*

»Simona hat mit geholfen, wir kannten uns aus Deutschland. Sie kam vor Jahren zu einer meiner Vernissagen, als sie ihre Mutter besuchte. Im Sommer kam sie immer nach Deutschland. Ihre Mutter hat ein Haus in meiner Gegend. Vor Kurzem ist sie allerdings wieder nach Italien gezogen. Tolle Frau, Simonas Mutter, früher Fotomodell in Mailand. Lebt allein jetzt in der Nähe von Lucca. Aber für so eine Frau braucht man Geld, und das habe ich nicht. Nun, ich habe mich damals sofort in Simona verliebt, sofort, und wollte ihr ein Aquarell schenken, ein ganz spontaner Einfall. Ich sagte, suche dir eins aus! Und wissen Sie, welches sie genommen hat? Mein Bestes! Meer und Berge, aus einem Boot in der Türkei gemalt. Herrlich, die Chromatik war mir ausgezeichnet gelungen. Ihr gefiel mein bestes Bild! Sie hatte ein Auge dafür, natürlich. Hätte ich gewusst, dass sie Kunst studieren wollte … nein, ich hätte es ihr trotzdem geschenkt, alles, alles … hätte ich ihr geschenkt, alles, was ich hatte.« Krogmann hielt inne. »Wir blieben telefonisch in Kontakt, und wenn sie nach Deutschland kam, kam sie zu mir«, fuhr er fort. »Nach meinem Bankrott, also Jahre später, nachdem wir uns kennengelernt hatten, hat sie das Haus hier gefunden und für mich gemietet. Ich habe mich hier verkrochen, an Arbeiten war nicht zu denken. Sie hat den Makler bearbeitet, mit dem Preis herunterzugehen, damit ich mir die Hütte leisten konnte. Man braucht ein Dach über dem Kopf. Sie hat mir Lebensmut gegeben, meine Simona. Ich hätte alles hingeschmissen, wissen Sie, mir war alles egal. Ich hätte Schluss gemacht, wahrscheinlich ist eh bald Schluss. Eine Herzklappe ist verkalkt und müsste mal ordentlich durchgepustet werden, aber ich bin in keiner Kasse. Ich müsste blutverdünnende Mittel einnehmen, aber ich nehme sie nicht. Es friert mich dann immer so …«

Caselli bemerkte die bläulichen Lippen. Er empfand Mitgefühl. Krogmann war sympathisch, bis darauf, dass er wahrscheinlich soff. Er würde sich erkundigen, vielleicht konnte man etwas mit der USL arrangieren.

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