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Riskante Versuchung

Alle Rechte, einschließlich das des vollständigen oder auszugsweisen Nachdrucks in jeglicher Form, sind vorbehalten.

Der Preis dieses Bandes versteht sich einschließlich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Umwelthinweis:
Dieses Buch wurde auf chlor- und säurefreiem Papier gedruckt.

PROLOG

Es war nicht besonders schwer, in das Apartmentgebäude zu gelangen. Er drückte unten im Eingangsbereich einfach alle Klingelknöpfe und wartete, dass jemand den Türsummer für die Innentür betätigte. Sobald er drin war, lief er rasch die Treppe in den dritten Stock hinauf.

Er öffnete die Tür einen Spaltbreit, gerade weit genug, um den Flur entlang bis zu ihrer Wohnung sehen zu können.

Er war ihr gefolgt, während sie ihre Besorgungen erledigt hatte, so wie jeden Samstag. Bei der Videothek hatte er aufgehört, ihr nachzustellen, da er wusste, dass sie noch ihre Wäsche abholen und dann nach Hause gehen würde. Sie hatte keine Ahnung, dass er auf sie warten würde.

Keine ahnte je etwas.

Als sie aus dem Fahrstuhl trat und auf ihr Apartment zuschritt, nahm seine Anspannung noch weiter zu. Das Timing musste perfekt sein. Er musste sich gedulden, bis sie die Tür aufschloss und hineinging …

Er machte einen Satz auf sie zu.

Ihr blieb nicht einmal Zeit, zu schreien. Seine Hand lag auf ihrem Mund, das Messer an ihrem Hals. Ihr war klar, wer das Sagen hatte, und sie wehrte sich nicht. Jetzt waren sie allein in ihrer Wohnung, und endlich würde das Spiel zum Ende kommen.

Er konnte es kaum erwarten.

1. KAPITEL

„Es war eine dunkle und stürmische Nacht“, sagte Doris am anderen Ende der Telefonleitung, „als plötzlich ein Fremder aus dem Nebel auftauchte.“

Jess Baxter lachte und spähte durch die Fliegentür hinaus in den kleinen Lichtkegel, den die Außenlampe auf ihre hintere Veranda warf. „Erstens, es mag zwar Nacht sein, allerdings habe ich sämtliche Lichter eingeschaltet“, erklärte sie der älteren Frau, die die Tagesmutter ihrer Tochter und ihre langjährige Freundin war. „Es ist also nicht dunkel. Zweitens ist es nicht stürmisch, und Nebel ist auch nicht in Sicht. Und Rob ist wohl kaum ein Fremder.“

„Doch er ist auch nicht gerade Elmer Schiller“, konterte Doris in Anspielung auf den schüchternen älteren kleinen Mann, der der Vormieter des kleinen Anbaus neben Jess‘ Haus gewesen war.

„Nein, ist er nicht“, musste Jess einräumen. Sie hörte ein merkwürdiges polterndes Geräusch. Das musste Rob Carpenter sein, ihr neuer Mieter, der irgendetwas Schweres die Verandatreppe hoch und zu seiner Wohnung schleppte.

„Mal ehrlich, was weißt du denn wirklich über diesen Typen?“, hakte Doris nach.

„Ach komm schon.“ Jess lief zurück in die Küche und schenkte sich ein Glas Eistee ein. „Er wohnt seit Monaten ein Stück die Straße hinunter.“ In den vergangenen sechs Monaten hatte Rob das Haus ihrer Nachbarn gemietet, während diese in Europa unterwegs waren.

„Wo kommt er her?“, fragte Doris. „Wo hat er gewohnt, bevor er in das Haus der Hendersons gezogen ist? Wie ist seine Familie? Wo ist er aufgewachsen? Irgendwelche tief verwurzelten psychischen Probleme? Irgendwelche Neigungen zu Gewalt? Bevorzugt er ein Messer oder eine Schusswaffe, wenn er einen Mord begeht?“

„Du hast zu viele schlechte Fernsehfilme gesehen“, spottete Jess und bemühte sich, nicht durch die Fliegengittertür zu schauen, an der der Mann, um den sich das Gespräch drehte, gerade einen weiteren Karton vorbeitrug.

„Darf ich dich daran erinnern, dass ein Serienkiller frei herumläuft?“, ließ Doris nicht locker. „Tatsache ist doch, dass du diesen Typ so gut wie gar nicht kennst.“

„Nächstes Mal nehme ich ‚Wahl der Mordwaffe‘ in den Bewerbungsbogen für die Mieter auf“, entgegnete Jess trocken.

„Ich mache mir Sorgen um dich und Kelsey“, erwiderte Doris. „Ihr lebt da ganz allein. Vielleicht solltet ihr euch einen großen Hund anschaffen.“

„Vielleicht solltest du einen Kurs zum Thema Stressbewältigung besuchen.“

„Das ist doch der Kerl, der zu all deinen Shows auftaucht, oder?“, fragte Doris. „Der, von dem du mir erzählt hast.“

„Ja, stimmt schon“, gab Jess zu und malte auf der beschlagenen Außenseite ihres Glases herum. „Ich habe ihn ein- oder zweimal erwähnt.“

„Na, ein bisschen öfter, würde ich sagen. Ich hab schon einiges über Rob gehört, den soliden, verlässlichen Geschäftsmann, der so höflich ist und hübsche Augen hat. Man könnte glatt meinen, du gedenkst ihm eine größere Rolle zu als nur die deines Mieters.“

Jess verdrehte die Augen. „Doris!“

„Ich glaube, du hast dir überlegt, er könnte ein guter Vater sein.“

„Ehrlich, fang nicht wieder damit an.“

„Schätzchen, ich werfe dir ja gar nichts vor“, verteidigte Doris sich. „Es ist zwei Jahre her, seit du Ian hinausgeworfen hast. Da ist es nur verständlich, dass du dich nach ein wenig männlicher Gesellschaft sehnst. Und weiß der Himmel, du könntest Unterstützung gebrauchen - sowohl finanzielle als auch bei Kelseys Erziehung. Aber häng dich nicht an einen Typen, den du nicht richtig kennst, nur um …“

„Doris …“, unterbrach Jess den Wortschwall ihrer Tagesmutter.

„Ich meine ja nur, wenn in seiner Nähe dein Herz wie wild klopft und es echt knistert zwischen euch, dann wunderbar. Sorg dennoch dafür, dass du dir im Klaren darüber bist, worauf du dich einlässt.“ Doris redete schnell, weil sie es so eilig hatte, alles loszuwerden. „Ian Davis taugte nichts, allerdings war er nie gewalttätig - zumindest nicht gegen dich oder Kelsey. Aber man hört doch immer wieder von diesen höflichen, stillen Männern, die am Ende mit einer Maschinenpistole …“

„Na fabelhaft, ich werde heute Nacht bestimmt gut schlafen“, sagte Jess.

„Dieser Rob könnte der gesuchte Serienkiller sein“, fuhr Doris unbeirrt fort.

„Er könnte ebenso gut Elvis Presley sein“, entgegnete Jess. „Verkleidet, um sich vor seinen Fans zu verstecken.“

„Jess, das ist mein Ernst.“

„Rob brauchte eine Wohnung“, erklärte Jess ihrer Freundin nicht zum ersten Mal. „Und zwischen uns läuft überhaupt nichts. Dabei soll es auch bleiben, wenn es nach mir geht. Ich habe dringend einen Mieter gesucht. Wegen des Geldes und weil andernfalls Stanford Greene eingezogen wäre, wenn Rob die Wohnung nicht genommen hätte.“

Das brachte Doris für einen Moment zum Schweigen. „Du liebe Zeit“, presste sie schließlich hervor.

„O ja“, pflichtete Jess ihr bei, stieß die Fliegentür auf und trat mit ihrem tragbaren Telefon hinaus auf die Veranda. „Kann man wohl sagen.“

„Dieser unheimliche Typ, der mit seinen ebenso unheimlichen Eltern nebenan lebt?“, wollte Doris wissen.

„Genau der.“ Jess schaute zum Haus ihrer Nachbarn, das dringend einen Anstrich und ernsthafte Reparaturen nötig hatte. Unheimlich, allerdings - sowohl das Haus als auch die darin wohnenden Leute. Stanford Greenes Mutter fand, da ihr kleiner Junge auf die vierzig zuging, sei es für ihn an der Zeit, zu heiraten. Sie war außerdem davon überzeugt, Jess wäre genau die richtige Braut für ihren Jungen. Sowie Mrs Greene erfahren hatte, dass Elmer Schiller aus Jess‘ Anbau auszog, um bei seiner Tochter in Fort Myers zu leben, hielt sie Stanfords Einzug in die frei gewordene Wohnung für die Gelegenheit, dass ihr kleiner Sohn Jess besser kennenlernte. Jess sah das anders. Im Geiste hatte sie den dicklichen Stanford vor Augen, wie er sein Ohr an die papierdünnen Wände drückte, damit er ihre Telefonate mithören konnte. Sie konnte sich sehr gut vorstellen, wie er sie jeden Tag von der Veranda aus anstarrte statt von der anderen Seite des Holzzauns zwischen den beiden Gärten.

„Ich nehme alles zurück“, wandte Doris schaudernd ein. „Na, einiges jedenfalls.“

Jess lehnte sich an das Verandageländer und schaute auf die Auffahrt unter ihr. Der Kofferraum von Robs Wagen stand offen, erhellt vom Schein der schwachen Garagenbeleuchtung. Ihr neuer Mieter war jedoch nirgends zu entdecken.

„Entschuldigung, mache ich zu viel Lärm?“, hörte sie plötzlich eine sanfte Stimme hinter sich und fuhr erschrocken herum.

„Ich weiß, es ist spät, und ich will Ihre Tochter nicht aufwecken.“

Rob musste in seiner Wohnung gewesen sein. Jess hatte weder mitbekommen, wie die Tür aufging, noch hatte sie seine Schritte auf der Veranda vernommen. Er schien einfach plötzlich aufgetaucht zu sein, so als könne sie ihn allein durch ihre lebhafte Vorstellungskraft herbeizaubern.

Er war größer als in ihrer Erinnerung. Und obwohl er noch gut fünf Schritte von ihr entfernt stand, schien er viel zu nah zu sein.

„Sie haben mich erschreckt“, sagte sie atemlos.

„Tut mir leid.“

Seine Augen waren braun, ein ganz normales Braun, nicht dunkel wie Schokolade oder bernsteinfarben. Einfach nur braun. Sein Blick war fest und ein wenig verdeckt durch seine silberfarbene Nickelbrille. Doch jedes Mal, wenn sie einander anschauten, schien es heiß und gefährlich zwischen ihnen zu knistern. So wie auch dieses Mal.

Seine Haare und sein Gesicht glänzten feucht vom Schweiß, aber er hatte die Ärmel nicht hochgekrempelt. Nicht einmal die Krawatte hatte er gelockert.

Obwohl Jess es Doris gegenüber bestritt, fand sie ihn sehr attraktiv. Das würde sie ihrer Freundin gegenüber nicht zugeben. Doch es vor sich selbst leugnen konnte sie auch nicht.

Auf den ersten Blick wirkte Rob eher durchschnittlich. Sein braunes Haar war konservativ geschnitten, und er war mittelgroß. Er hatte stets die gleiche Kleidung an und war angezogen wie ein Computerprogrammierer. An diesem Abend trug er noch seine Arbeitskleidung - eine Kakihose sowie ein langärmeliges Hemd mit nichtssagender Krawatte. In einem Fahrstuhl voller Geschäftsleute würde er überhaupt nicht auffallen.

Es sei denn, man schaute genauer hin.

Seine Schultern waren breit, er hatte einen schlanken Körper, und sein Po zeichnete sich geradezu verboten knackig unter der Hose ab. Der Mann hatte unbestreitbar einen tollen Hintern und noch dazu ein anziehendes Lächeln. Seine Zähne waren ebenmäßig und weiß, und um die Mundwinkel bildeten sich auf charmante Art und Weise Grübchen. Nein, er sah wesentlich besser als durchschnittlich aus. Hinter dieser Brille und dem langweiligen Haarschnitt verbarg sich ein erstaunlich attraktiver Mann. Sein Gesicht war schmal und markant - mit einer geraden, nahezu vollkommenen Nase. Sein Mund war sinnlich geformt, und wenn er lächelte, funkelten seine braunen Augen belustigt. Doch es wirkte oft so, als ob sich hinter diesem Lächeln auch immer ein Anflug von Traurigkeit verbarg, die Andeutung einer Tragödie.

Vielleicht war es das, was Jess so attraktiv fand, dieses Geheimnisvolle, das ihn umgab.

Möglicherweise lag es auch an der Tatsache, dass Rob das genaue Gegenteil von Ian Davis zu sein schien, Jess‘ Exmann. Rob verkörperte von den Haarspitzen bis zu seinen polierten Halbschuhen all das, was der manische, unbeherrschte Ian mit seinen Hawaiihemden, den langen gewellten blonden Haaren und den kalten blauen Augen nie gewesen war.

„Jess, bist du noch da?“, fragte Doris.

Jess wusste, dass sie Rob anstarrte, deshalb zwang sie sich, woandershin zu sehen. „Ich muss Schluss machen“, sagte sie zu Doris.

„Denk an meine Worte, Schätzchen.“

„Bis bald“, erwiderte Jess und legte auf, ehe sie sich an Rob wandte. „Tut mir leid.“

„Ist schon in Ordnung“, meinte er gelassen.

„Sie sind nicht allzu laut“, erklärte sie. „Ich hörte Sie vorfahren, während ich telefoniert habe. Eigentlich wollte ich herauskommen und fragen, ob Sie Hilfe brauchen. Soll ich Ihnen bei den restlichen Sachen zur Hand gehen?“

„Nein, das geht schon.“ Rob schaute über das Geländer zu seinem Wagen in der Auffahrt unten. „So viel Zeug besitze ich gar nicht, und ich bin auch fast fertig. Es sind nur noch zwei Kartons.“

„Bei denen kann ich Ihnen doch helfen.“

Rob schüttelte den Kopf. „Nein, wirklich. Die beiden sind zu schwer. Da sind meine Gewichte drin, die ich einfach hineingeworfen habe.“

Rob stemmte also Gewichte. Komisch, darauf wäre sie nie gekommen. Falls er eine Bodybuilderstatur hatte, versteckte er die unter dem weit geschnittenen Hemd. Auf den ersten Eindruck wirkte er mehr wie ein Computerfreak, kaum fähig, eine schwere Aktentasche zu heben. Und doch verfrachtete er nun eine Gewichtheberausrüstung in ihre Wohnung.

Ihre Wohnung? Jetzt war es seine Wohnung. Am Nachmittag hatte er einen Vertrag über sechs Monate unterschrieben und würde damit ihr am nächsten wohnender Nachbar sein.

Sowie sie ihm in die Augen schaute, verspürte Jess erneut dieses Kribbeln und Knistern.

Aber dann wandte er sich ab. „Tja, ich hole mal lieber meine restlichen … äh …“

„Ich bringe Ihnen Eistee“, bot Jess an und lief zur Küchentür. „Sie sehen aus, als könnten Sie ein kaltes Getränk vertragen.“

„Das wäre nett“, erwiderte Rob, blieb auf der obersten Treppenstufe stehen und schaute sich mit einem vagen Lächeln zu ihr um. „Danke.“

Dann ging er leise die Treppe hinunter, und Jess öffnete ihre Fliegengittertür.

In einem Punkt wenigstens hatte Doris recht - Rob ließ ihr Herz höherschlagen. Nur ein kleines Lächeln, und ihr Puls beschleunigte sich.

Sie nahm ein zweites Glas aus dem Küchenschrank und den Eiswürfelbehälter aus dem Gefrierfach. Dann gab sie ein paar frische Eiswürfel in ihr Glas, das noch immer auf dem Küchentresen stand. Draußen ging Rob leise an ihrer Tür vorbei, mit einer großen, schwer wirkenden Kiste, in der sich seine Gewichte befanden. Die Kiste sah unhandlich und sperrig aus, doch er trug sie, als wiege sie fast nichts.

Erneut bewegte er sich beinah lautlos an ihrer Tür vorbei. Jess griff sich den Krug mit dem Eistee aus dem Kühlschrank und füllte die beiden Gläser.

Was wusste sie eigentlich wirklich über diesen Mann?

Rob arbeitete als Softwareberater für eine Computerfirma - an den Namen erinnerte sie sich nicht - und reiste viel durch Florida und den Südosten. Manchmal absolvierte er acht oder neun Geschäftsreisen pro Monat.

Ihr war bekannt, dass er aus dem Norden nach Sarasota gezogen war - aus welchem Bundesstaat genau, konnte sie nicht sagen. Wahrscheinlich hatte er das ihr gegenüber noch gar nicht erwähnt.

Er hatte hübsche Augen, war höflich und nett, vielleicht sogar ein wenig schüchtern.

Jess wusste außerdem, dass er einen biederen dunkelgrauen Taurus fuhr.

Er hörte gern Folkmusik und war zu fast allen ihren Auftritten erschienen. Er war da gewesen, wenn sie in den örtlichen Clubs Gitarre spielte und sang. Oft hatte er einen Kollegen mitgebracht, einen freundlichen Mann namens Frank. In weiblicher Begleitung war er jedoch nie aufgetaucht.

Sie hatte herausgefunden, dass Rob das Essen im „China Boat“ mochte, einem kleinen Restaurant drei Blocks südlich von hier. Einmal hatte sie im Vorbeifahren gesehen, wie er Essen von dort mit nach Hause nahm. Natürlich bedeutete das nicht gleich zwangsläufig, dass er das Essen vom „China Boat“ wirklich mochte. Möglicherweise hieß das einfach nur, dass er nicht gern kochte.

Bis jetzt hatten sie höchstens ein- oder zweimal miteinander gesprochen. Im Gegensatz zu seinem Freund Frank, der äußerst gesprächig war, blieb Rob nie lange genug nach ihren Auftritten da, damit sie reden konnten. Es war, als hätte er Angst, aufdringlich zu wirken.

Man konnte also nicht gerade behaupten, dass sich viel zwischen ihnen abspielte. Allerdings war es auch nicht schwer, sich Rob Carpenter in ihrem Leben vorzustellen. In ihrem Leben und in Kelseys. Ihre sechsjährige Tochter kannte ihn besser als sie. Kelseys beste Freundin wohnte neben dem Haus, das Rob vorher gemietet hatte. Kelsey hatte Jess erzählt, dass Rob oft im Garten ihrer Freundin gewesen war, um mit den beiden Kindern und dem Vater ihrer Freundin Baseball zu spielen. Offenbar hatte er ein Händchen für Kinder. Kelsey, die Männern gegenüber eigentlich sehr zurückhaltend war, liebte ihn jedenfalls. Er hatte den beiden Kindern Spitznamen gegeben - ihre Freundin hieß Beetle, Kelsey Bug, was so viel bedeutete wie „Käferchen“ und „Käfer“.

Doris hatte recht - Jess wusste nicht viel über seine Vergangenheit. Doch Kelsey hatte ihn gern, und für Jess war das schon einiges wert.

Während sie den Krug mit dem Eistee wieder in den Kühlschrank stellte, lief Rob mit der letzten Kiste an ihrer Tür vorbei. Kurz darauf klopfte er sacht gegen die Fliegengittertür.

„Kommen Sie herein“, rief sie.

Er öffnete die Tür und trat rasch ein, damit er keine Insekten hereinließ, die draußen um die Lampe schwirrten. Zaghaft lächelnd überreichte er ihr ihre Abendzeitung.

„Ich habe mich gefragt, auf welcher Seite der Auffahrt ich meinen Wagen parken soll“, meinte er. „Wenn es Ihnen lieber ist, kann ihn auch an der Straße abstellen.“

„Nein, parken Sie ihn ruhig in der Auffahrt“, erwiderte sie, legte die Zeitung auf die Arbeitsfläche und reichte ihm eines der beiden Gläser mit Eistee. „Hauptsache, Sie versperren die Garage nicht, falls ich morgens mal vor Ihnen wegmuss. Und sollten Sie mal über Nacht Besuch haben, eine …“ Eigentlich wollte sie „Freundin“ sagen, doch sie zögerte, plötzlich unsicher geworden. Was, wenn er schwul war? Das war nicht möglich, oder? Nein, so wie er sie anschaute, fiel es ihr sehr schwer, das zu glauben. Trotzdem … „Na ja, Freunde halt“, fuhr sie fort. „Dann lassen Sie die am besten auf der Straße parken.“

Rob registrierte ihre bewusst geschlechtsneutrale Formulierung und hatte Mühe, sich nichts anmerken zu lassen. Jess glaubte tatsächlich, er könne schwul sein. Er wusste nicht, ob er lachen oder beleidigt sein sollte. Oder erleichtert.

Denn er befand sich hier in Jess Baxters Küche, keine zwei Meter von ihr entfernt, und sie trug ein knappes T-Shirt, das nicht einmal bis zum Bund ihrer Jeansshorts reichte. Obwohl sie nicht sehr groß war, hatte sie lange schlanke Beine. Wie sie so barfuß dastand und man einen Streifen ihres flachen gebräunten Bauches erhaschen konnte, schien sie der Fantasie eines Beachboys entsprungen zu sein.

Das kurze dunkle Haar umrahmte ihr herzförmiges Gesicht, und ihre Augen mussten vom dunkelsten Braun sein, das er in seinem ganzen Leben gesehen hatte.

Gleich bei ihrer ersten Begegnung, nach seinem Umzug nach Sarasota, war ihm klar gewesen, dass er sich von ihr lieber fernhalten sollte. Als er sie zum ersten Mal mit Kelsey gesehen hatte, hatte er inständig gehofft, sie sei verheiratet. Er hatte gebetet, sie möge jemanden haben, den sie liebte, der sie liebte und beschützte.

Natürlich war sie geschieden und alleinerziehend. Sie war mit niemandem zusammen, hatte nicht einmal einen Freund. Seine Pechsträhne schien nie enden zu wollen.

Immerhin hatte er es bis jetzt geschafft, auf Distanz zu ihr zu bleiben. Doch konnte er nicht aufhören, sie anzuschauen. Er nahm sie wahr, wenn sie draußen mit Kelsey spielte. Er beobachtete sie, wenn sie im Garten arbeitete. Und er spionierte ihr hinterher, wenn sie jeden Donnerstagmorgen sehr früh Lebensmittel einkaufte, pünktlich wie ein Uhrwerk. Er hatte ihr sogar bei der Zubereitung ihres Abendessens zugesehen, weil sie keine Vorhänge vor dem Küchenfenster hatte. Außerdem ging er zu ihren Konzerten, wo er sie Gitarre spielen und singen hörte.

Ihr Lächeln war süß und einladend wie ein warmer Frühlingsmorgen und ihre Augen geheimnisvoll wie der dunkelste Nachthimmel. Ihre Stimme mit dem leichten Südstaatenakzent klang samtweich - rau, sanft und unfassbar sinnlich.

Sowie die Hendersons ihm von ihrer bevorstehenden Rückkehr geschrieben hatten, hätte er sofort auf die andere Seite der Stadt ziehen sollen. Diese Frau verdiente die Art von Ärger nicht, den er mitbrachte. Allerdings schien sie ebenso verzweifelt einen Mieter gesucht zu haben wie er eine Wohnung.

„Möchten Sie Zucker?“, erkundigte sie sich, auf das hohe Glas deutend, das sie ihm gerade gegeben hatte. Sie trat zum Küchenschrank und holte eine Zuckerschale heraus. In ihren Jeansshorts kam ihr straffer Po perfekt zur Geltung, und beim Gehen hatte sie einen leichten, natürlich wirkenden Hüftschwung. Du lieber Himmel, wenn sie ahnen würde, was ihm so durch den Kopf schoss, hätte sie nicht mehr den geringsten Zweifel an seiner Heterosexualität. „Oder möchten Sie Limone?“, fügte sie hinzu.

„Zucker“, hörte er sich antworten. „Danke.“

Er sollte von hier verschwinden. Er sollte in seine neue Wohnung gehen, seine Sachen einräumen, seine Trainingsgeräte aufbauen und sich irgendeinen Blödsinn im Fernsehen anschauen. Auf jeden Fall sollte er Jess Baxter in Ruhe lassen, statt in ihrer Küche zu stehen, ihre Beine anzustarren und gefährliche Dinge zu denken. Aber nein, er setzte sich ihr gegenüber an den Küchentisch.

„Mir ist aufgefallen, dass ich nicht viel über Sie weiß“, meinte Jess, trank einen Schluck von ihrem Eistee und musterte Rob mit ihren dunklen Augen. Dann schob sie die Zuckerschale und den Löffel zu ihm hinüber.

Sie würde ihm Fragen stellen. Persönliche Fragen. Rob rührte Zucker in sein Glas und ließ sich nichts anmerken, obwohl er gegen die aufsteigende Wut ankämpfte. Himmel, er hasste Fragen. Er hasste Lügen, er hasste das alles. Er hasste sein ganzes Leben und verabscheute das, wozu er geworden war. Sei langweilig, ermahnte er sich. Sorg dafür, dass du unglaublich langweilig klingst, dann wird sie das Thema schnell wechseln. „Da gibt es auch nicht viel zu wissen“, erklärte er äußerlich ganz entspannt. „Ich arbeite für Epco, Inc. in der Innenstadt. Ich habe mit Computern zu tun, Softwareberatung. Nichts Aufregendes.“

Wie er Small Talk verabscheute. Aber mehr war nicht drin, denn eine echte Unterhaltung war viel zu nervenaufreibend und obendrein zu riskant, womöglich etwas zu verraten, das jemanden veranlassen könnte, einen genaueren Blick auf ihn zu werfen. Deshalb beließ er es stets bei Small Talk. Immer. In den vergangenen acht Jahren hatte er alle echten Gespräche lediglich in seinem Kopf geführt, mit sich selbst. Manchmal glaubte er sich auf dem besten Weg in den Wahnsinn. Doch er musste seine Kommunikation mit anderen Menschen nun einmal auf ein Minimum beschränken. Er musste langweilig wirken und unsichtbar bleiben.

„Ich reise viel“, erklärte er. „Allerdings sehe ich nur Bürogebäude von innen.“

Jess nickte und musterte ihn nach wie vor. „Wie schade.“ Ihre Wimpern waren erstaunlich dunkel und sehr lang. Sie schien nicht im Geringsten gelangweilt. Im Gegenteil, sie sah interessiert aus. Mehr als nur interessiert. Die schöne, lebhafte, sexy Jess Baxter schien sich tatsächlich zu dem langweiligen, sanftmütigen, uninteressanten Rob Carpenter hingezogen zu fühlen.

Ihre Wangen röteten sich ganz leicht, sowie er ihr in die Augen sah und sich fragte, ob sie wohl seine Fassade durchschaute. Hatte er sich irgendwie verraten? War ihm etwas herausgerutscht? Sie wandte den Blick ab. War sie verlegen oder nervös? Zur Nervosität hatte sie in seiner Gegenwart auch allen Grund.

„Bei meinem Pensum bleibt mir gar keine Zeit für etwas anderes neben der Arbeit“, fügte er hinzu, in der Hoffnung, dass sie die Doppeldeutigkeit seiner Worte erfasste. Er hatte keine Zeit für etwas anderes, schon gar nicht für die Liebe. Er durfte sich auf keine Affäre einlassen, die nach dem Austausch kleiner Geheimnisse und intimer Geständnisse verlangte.

Jess trank einen weiteren Schluck Eistee und erwischte mit der Zungenspitze einen Tropfen auf ihren Lippen. Es handelte sich um eine ganz unbewusste sexy Geste, doch Rob reagierte sofort darauf. Verdammt, es war einfach schon zu lange her …

„Keine Hobbys?“, wollte sie wissen und zog eine Augenbraue hoch. „Keine Holzschuhtanzkurse?“

Nun musste Rob lachen. „Nein“, antwortete er. „Den musste ich aufgeben. Traurig, aber wahr.“

„Wie steht es mit Musik?“, ließ sie nicht locker. „Sie müssen sich für Musik interessieren - ich habe Sie nämlich bei einigen Folkfestivals entdeckt und bei meinen Konzerten. Sie haben sogar Ihren Freund mitgebracht - Frank. Ich habe mich über Ihre Unterstützung im Publikum gefreut.“

„Ja, ich mag Musik“, gestand er. Das stimmte zwar, doch zu diesen Konzerten und Festivals war er nur gegangen, weil er Jess singen hören wollte. „Aber Frank habe ich nie mitgebracht. Wir sind gar nicht befreundet, eher Bekannte. Wir trafen uns zufällig auf einem der Folkfestivals und kamen ins Gespräch, weil wir beide für Epco arbeiten.“

Jess nickte und trank erneut einen Schluck von ihrem Eistee. „Wie steht es mit Filmen?“, erkundigte sie sich. „Kelsey und ich haben Sie ein paarmal im Kino in der Gulf Gate Mall gesehen.“

Das war etwas, über das er reden konnte. Rob lächelte und entspannte sich ein wenig, zumindest für eine Weile.

„Wir gehen gern ins Kino“, fuhr sie fort und strich sich eine Locke hinters Ohr. „Wir schauen uns alles an, was ab sechs Jahren freigegeben ist. Inzwischen bin ich eine echte Disney-Expertin geworden.“

„Ich persönlich stehe eher auf ‚Pulp Fiction‘ statt auf ‚Pocahontas‘“, räumte er ein. „Ich bin ein Spielberg-Fan. James Cameron mag ich auch. Er hat die ‚Terminator‘-Filme gemacht. Erinnern Sie sich an die?“

„Aha.“ Lächelnd trank Jess noch einen Schluck. „Wenn Sie so viele Filme gesehen haben, um Fan eines bestimmten Regisseurs zu sein, haben Sie auch ein Hobby.“

„Keine Ahnung, es ist ein wenig passiver als Holzschuhtanz“, scherzte Rob und schaute in ihre braunen Augen. Wow, sie war vielleicht hübsch.

„Das ist Briefmarkensammeln auch.“

„Gewonnen“, gab er nach. „Ja, vermutlich habe ich ein Hobby.“

„Wir haben Sie außerdem in Books-A-Million entdeckt“, sagte sie. „Dort haben Sie sich einen ganzen Stapel Bücher gekauft.“

„Ich lese auch gern. Hauptsächlich Romane.“

„Doch ich habe Sie keine Bücherkartons hineinschleppen sehen“, stellte sie fest und stützte das Kinn auf die Handfläche, während sie ihn über den Tisch hinweg betrachtete.

Rob zuckte mit den Schultern. „Bis jetzt habe ich nirgendwo gewohnt, wo genug Platz für Bücherregale war. Ich spende meine ausgelesenen Bücher dem Altenheim.“

Ihre großen dunklen Augen nahmen einen sanften Ausdruck an. „Das ist süß.“

Er hätte glatt in diesen Augen ertrinken können. Er könnte hineinfallen, für immer darin verschwinden und sie mitnehmen. Sie würden beide einfach untertauchen und nicht mehr zurückkehren.

„Sie sind aus dem Norden hergezogen“, meinte Jess und fragte sich, ob er ihre Nervosität bemerkte, ihre leicht atemlose Stimme, und ob er wusste, dass es an der Art lag, wie er sie anschaute. „Nicht wahr?“

Rob nickte und widmete sich seinem Eistee, in den er einen weiteren Löffel Zucker hineintat und wieder umrührte.

Jess erkannte, dass sie sich in ihm getäuscht hatte. Sie hatte ihn für schüchtern gehalten, doch in seinen Augen deutete überhaupt nichts auf Schüchternheit hin. Im Gegenteil, sein Blick war fest und selbstbewusst. Rob Carpenter war keineswegs schüchtern, nur eben … höflich. Reserviert. Still. Und er fühlte sich genauso zu ihr hingezogen wie sie sich zu ihm.

„Woher kommen Sie?“, fragte sie.

„Von überallher“, lautete seine Antwort, die er mit einem flüchtigen Lächeln unterstrich.

Konnte man sich unbestimmter äußern? Jess trank einen weiteren Schluck Eistee. „Ich bin hier in Florida aufgewachsen“, sagte sie. „Auf Siesta Key. Meine Eltern besitzen heute noch ein Strandhaus in der Gegend. Manchmal bin ich dort, wenn ich einen Auftritt im Pelican Club habe.“

Er kommentierte das nicht und gab auch keine Informationen darüber preis, wo er aufgewachsen war. Stattdessen betrachtete er Jess einfach weiter.

„Inzwischen leben meine Eltern in Montana“, fuhr sie fort, eher um das Schweigen zu beenden, nicht weil sie ernsthaft glaubte, er interessiere sich für den Wohnort ihrer Eltern. „Sie haben sich zur Ruhe gesetzt und sind viel mit dem Wohnmobil unterwegs. Kennen Sie diesen riesigen silbernen Zylinder auf Rädern? Camping, ohne der schrecklichen Natur ausgeliefert zu sein?“

Daraufhin schenkte er ihr ein weiteres echtes Lächeln. Und eine Antwort. „Sie sind in Montana? Das ist ziemlich weit weg - und anders als Florida.“

„Ich war nie in Montana“, erwiderte sie. „Sie etwa?“

Er bejahte, ohne näher darauf einzugehen. Sie stellte eine weitere persönliche Frage, die er knapp beantwortete. Offenbar war er nur bereit, über oberflächliche Dinge zu sprechen, nicht über sich. Aber dann rückte er zu ihrer Überraschung doch noch mit ein paar privaten Informationen heraus. „Ich habe ungefähr anderthalb Jahre an der Westküste gelebt.“

„Dann kommen Sie tatsächlich von überallher“, meinte Jess. „Wo sind Sie aufgewachsen?“

Sein Lächeln erstarb, dennoch sah er sie unverwandt an. In seinen Augen war jetzt noch etwas anderes zu lesen. Wachsamkeit? Vorsicht? Warum sollte eine Frage zu seiner Kindheit ihn beunruhigen?

„Jersey“, erwiderte er schließlich, und als wisse er selbst, dass er auch diesmal viel zu vage war, fügte er hinzu: „In der Nähe von New York City.“

„Ehrlich? Wo genau?“

„Auf der anderen Seite des Hudson River.“

So viel zu ihrer Frage, wo genau. „Lebt Ihre Familie noch dort?“

„Ich habe keine Angehörigen.“ Weiterhin schaute er sie unverwandt an.

„Das tut mir leid“, murmelte sie.

„Mir nicht.“ Er sagte das so gelassen daher, dass sie einen Moment brauchte, um seine Worte zu verarbeiten. Wie konnte er es nicht bedauern, keine Familie zu haben?

Ihr erster Gedanke war, dass er seine ganze Familie ermordet hatte und nun unter falschem Namen lebte, weshalb er nicht verraten wollte, wo er aufgewachsen war. Doris wäre stolz auf sie. Natürlich war das lächerlich. Oder?

Es war jedoch nicht zu leugnen, dass der Mann ganz offenkundig etwas zu verbergen hatte. Oder war er einfach ein verschlossener Mensch, der gegenüber einer Fremden nicht gern über persönliche Dinge sprach?

Rob blickte Jess über den Tisch hinweg an. Misstrauisch beobachtete sie ihn. Ihm war bewusst, dass er sie nervös machte, ihre Augen verrieten es. Aber er erkannte auch, dass sie sich zu ihm hingezogen fühlte. Es knisterte unbestreitbar zwischen ihnen. Und zwar heftig.

Ohne den geringsten Zweifel wusste er, dass sie die Hand nicht wegreißen würde, wenn er seine jetzt auf ihre legte. Und er konnte sich sehr gut ausmalen, wohin diese eine Berührung führen würde. Das war das Problem.

Schnell stand Rob auf. „Ich sollte gehen. Danke für den Eistee.“

Jess erhob sich ebenfalls. „Kommen Sie ruhig jederzeit vorbei“, bot sie an. „Kelsey und ich sind abends meistens zu Hause.“ Sie schob die Hände in die Taschen ihrer Jeansshorts, eine rührend nervöse Geste, die einen weiteren Zentimeter ihres flachen gebräunten Bauches entblößte. „Wir sind jetzt Nachbarn, und ich hoffe, wir werden auch Freunde.“

Freunde. Rob fasste nach dem Griff der Fliegengittertür. Er und die schöne Jess Baxter würden Freunde werden. Unwillkürlich fragte er sich, wie sehr sie denn mit ihm befreundet sein wollte.

Verdammt, er hätte hier nicht einziehen dürfen. Für Jess wäre es besser gewesen, wenn er weit, weit entfernt eine Wohnung genommen hätte. Denn ihm war absolut klar, dass er nicht imstande sein würde, ihr zu widerstehen. Wenn er ihr Verhalten richtig deutete und sie sich tatsächlich zu ihm hingezogen fühlte, würde er keine Chance haben, auf Distanz zu bleiben. Sollte sie auch nur den kleinsten Versuch unternehmen, ihn zu verführen, würde er sofort kapitulieren. Er war zwar stark, doch so stark nun auch wieder nicht. Und in was für eine Situation würde ihn das bringen? In welche Lage würde es Jess bringen?

Rob trat hinaus auf die Veranda und schloss die Tür hinter sich. „Noch mal danke.“

Er wartete nicht auf ihre Antwort, sondern machte sich gleich auf den Weg zu seiner Wohnungstür am anderen Ende der Veranda.

Er mochte Jess mehr, als er sich je vorgestellt hätte. Es hatte nichts mit der körperlichen Anziehung zu tun, dass er sie ständig ansehen musste, sondern mit ihrem freundlichen Lächeln, der netten Unterhaltung und Jess’ lockerer, positiver Lebenseinstellung.

Ja, er mochte sie, und er hatte an diesem Abend erkannt, dass auch sie sich zu ihm hingezogen fühlte. Deshalb sollte er auf der Stelle verschwinden - um ihretwillen. Er sollte in seinen Wagen steigen und einfach davonfahren.

Jess spülte die Eisteegläser aus und räumte sie in die Spülmaschine. Sie fühlte eine seltsame Unruhe in sich. Insgeheim hatte sie sich vorgenommen, ein paar Fakten über ihren geheimnisvollen Mieter herauszukriegen, doch alles, was sie nun hatte, waren weitere Geheimnisse.

Er hatte keine Familie und war froh darüber.

Er war irgendwo in der Nähe von New York City aufgewachsen, aber als sie sich erkundigte, wo genau, war er ihr ausgewichen.

Jess griff nach der Zeitung, die Rob mit hereingebracht hatte, und machte sich auf den Weg, um nach Kelsey zu schauen. Eigentlich war es deren Aufgabe, abends die Zeitung hereinzuholen, allerdings vergaß ihre Tochter das manchmal. Das gehörte bei Sechsjährigen nun mal dazu.

Kelsey schlief tief und fest und hatte die Bettdecke um sich gewickelt wie eine römische Toga. Jess strich ihr die feuchten braunen Haare aus dem warmen runden sommersprossigen Gesicht. Sie hatte nicht erwartet, dass ihr leises Gespräch mit Rob in der Küche ihre Tochter aufwecken würde. Kelsey würde im lautesten Gewitter tief und fest schlafen. So leicht war sie nicht wach zu bekommen.

Das war vermutlich eine Art Selbstschutz, ein Überbleibsel aus der Zeit, in der Kelseys Vater noch mit ihnen zusammengelebt hatte. Ian Davis, mit seinen wilden blonden Locken und den spöttischen blauen Augen, war erster Geiger und Konzertmeister des Sarasota Symphony Orchestra. Er war schrill, arrogant und selbstbezogen. Außerdem ständig laut, grob und ausfallend. Jess‘ Exmann war rasend eifersüchtig gewesen und hatte sogar einmal wegen eines harmlosen Lächelns, das sie einem Tankstellenangestellten geschenkt hatte, einen Streit vom Zaun gebrochen.

Im Gegenzug war eheliche Treue in Ians Vokabular nicht vorgekommen.

Jess erinnerte sich noch sehr gut daran, wie frei und beschwingt sie sich an jenem Tag vor zwei Jahren gefühlt hatte, als sie Ians Sachen gepackt und an die Orchesterverwaltung geschickt hatte, zusammen mit einem Brief ihres Anwalts.

Sie ging mit der Zeitung in der Hand ins Wohnzimmer. Doris hatte sich geirrt. So schwierig Jess‘ finanzielle Situation auch sein mochte, einen Mann brauchte - und wollte - sie nicht. Kelsey und sie schafften es auch gut alleine.

Ian war da anderer Ansicht. Er glaubte, ihre Beziehung sei keineswegs vorbei. Dauernd tauchte er bei ihr auf und hinterließ seinen Wohnungsschlüssel in ihrem Briefkasten, auf ihrer Veranda, in ihrem Wagen. Dachte er wirklich, sie würde zu ihm zurückgekrochen kommen? Beim letzten Mal hatte Jess ihm den Schlüssel zurückgeschickt und ihn einige Tage später wieder irgendwo gefunden. Am Ende hatte sie ihn in ihre Schublade, in der sie allen möglichen Kram aufbewahrte, gesteckt. Sollte Ian ruhig denken, er habe gewonnen.

Als Jess die Zeitung auf den Couchtisch legte, sprang ihr die Schlagzeile ins Auge. Wie üblich ging es um den Sarasota-Serienkiller. Das war wirklich erstaunlich, denn Sarasota war keine besonders große Stadt. Natürlich gab es auch hier Kriminalität, aber doch keine solchen Verbrechen. Es war beunruhigend, sich vorzustellen, dass irgendwo dort draußen ein Irrer unterwegs war, der jungen Frauen auflauerte und sie umbrachte.

Sein neuestes Opfer war eine Zweiundzwanzigjährige. Sie war zu Beginn der Semesterferien auf dem Weg zu ihren Eltern gewesen. Man hatte ihre Leiche in ihrem eigenen Zimmer gefunden, wo sie vergewaltigt und ermordet worden war. Jess schauderte, während sie das Interview mit der Polizei las.

Das Morden dauerte nun schon sechs Monate an. Allerdings wussten die Medien und die Öffentlichkeit erst halb so lange davon. Das FBI hielt sich bedeckt bei der Frage nach Verdächtigen. Es warnte alle Bewohner in der Gegend - besonders Frauen -, ihre Türen abzuschließen, die Fenster geschlossen zu halten und möglichst nicht allein hinauszugehen, schon gar nicht nachts.

Jess stand auf und schloss ihre Haustür ab.

Mit Rob als Mieter des Anbaus sollte sie sich eigentlich sicher fühlen. Die Wände waren so dünn, dass sie nicht einmal sehr laut schreien müsste, damit er es hörte. Es sei denn, dachte sie ironisch lächelnd, sowie sie sich an Doris‘ Worte erinnerte, Rob selbst war der Sarasota-Serienkiller.

So witzig war das gar nicht. Sicher, Doris verhielt sich so melodramatisch wie üblich, dennoch blieb es eine Tatsache, dass Jess absolut nichts über Rob wusste. Er war ein Fremder, überdies einer, der ganz zufällig sechs Monate zuvor nach Sarasota gezogen war - kurz bevor die Morde anfingen.

Jess tadelte sich im Stillen. Seltsamer Zufall? Sie wurde schon genauso paranoid wie Doris. Ja, er war erst seit sechs Monaten in der Stadt, aber das waren viele andere Leute auch. Das war nicht seltsam, sondern einfach purer Zufall.

Rob war ein netter, stiller Mann, der nicht gern über seine Vergangenheit sprach. Keine große Sache. Jess redete auch nicht gern über ihre Ehe mit Ian. Deshalb war sie noch lange keine Axtmörderin. Vielleicht war Rob mit einer unerträglichen Frau verheiratet gewesen. Vielleicht hatte er eine schlimme Kindheit gehabt. Vielleicht sprach er jedoch auch einfach nicht gern über sein Privatleben. Als sie ihn nach Büchern und Filmen gefragt hatte, war er sehr schnell aufgetaut. Natürlich war das auch nur besserer Small Talk gewesen.

Nein, Rob war ein netter, stiller Typ.

Trotzdem erhob sich Jess und sperrte die Hintertür zu.

Dieser Teil war der beste. Natürlich hatte er das Seil dabei und das Messer. Er liebte ihren Gesichtsausdruck, wenn er das eine Ende des Seils um seinen eigenen Knöchel band. Und noch mehr liebte er es, wenn er sie aufforderte, sich das andere Ende um ihr Bein zu binden.

Doch zuerst forderte er sie auf, sich zurechtzumachen - Make-up aufzulegen, während er sich auszog.

Zu diesem Zeitpunkt weinte sie schon, doch das war in Ordnung. Da weinten sie alle.

Und schon bald würde sie damit wieder aufhören.

2. KAPITEL

„Hey, Bug, wie geht‘s?“

„Rob!“ Kelseys Stimme war aus dem Garten gut im Haus zu hören. „Du bist zu Hause!“

Jess trat ans Küchenfenster und schaute zu, wie ihre Tochter von der Schaukel sprang und zu Rob rannte.

Sie sah zur Uhr. Es war fast fünf. Er kam früher als sonst.

Es waren erst zwei Wochen, doch Jess kam es vor, als wohnte Rob schon immer nebenan.

Es hatte nicht lange gedauert, bis sich eine Art Routine zwischen ihnen entwickelt hatte. Wenn er von der Arbeit kam, spielte er mit Kelsey im Garten. Nach einer Weile ging Jess hinaus und lud ihn zum Abendessen ein. Er lehnte ab, es sei denn, sie hatte nicht gekocht. Wenn sie eine Pizza oder chinesisches Essen kommen ließ, erklärte er sich einverstanden, mit ihnen zu essen - jedoch nur, wenn er die Rechnung übernehmen durfte. Seit letztem Montag bestand Jess darauf, sich die Rechnung mit ihm zu teilen.

Warum? Weil sie in letzter Zeit sehr häufig Pizza und chinesisch gegessen hatten.

Auch an den Abenden hatte sich rasch eine Routine entwickelt. Für gewöhnlich wollten Jess und Kelsey ein Spiel spielen oder sich einen Film ausleihen. Dazu luden sie Rob ein. Manchmal blieb er, manchmal fuhr er mit seinem Wagen weg. Wohin, das sagte er nie, und Jess wagte nie, ihn danach zu fragen.

Rob wich weiterhin persönlichen Fragen aus und redete stattdessen lieber über das Wetter, Baseball oder Kelseys Schule. Small Talk eben. Letzte Woche allerdings war Ian zur Sprache gekommen, nach einem besonders unerfreulichen Besuch ihres Ex.

Jess hatte gemerkt, wie Rob sie beobachtete, nachdem Ian endlich wieder gegangen war. Sie versuchte zu lächeln und sagte: „Tut mir leid.“

Rob winkte ab. „Ich war mir nicht sicher, ob ich lieber gehen soll, damit Sie ungestört sind.“

„Ich bin froh, dass Sie geblieben sind“, stellte Jess klar. „Ian war mal wieder betrunken, und er ist schon im nüchternen Zustand ziemlich unberechenbar.“ Sie lachte bitter. „Er trinkt, und dann glaubt er, dass er mich zurückhaben will. Ich habe keine Ahnung, warum. Als wir verheiratet waren, wollte er mich jedenfalls nicht.“

Rob lehnte sich an das Verandageländer und betrachtete sie schweigend.

„Wie gesagt, es tut mir leid“, wiederholte sie und versuchte, nicht allzu deprimiert wegen Ians Besuch zu sein. „Ich will gar nicht so verbittert klingen.“

„Er ist ganz schön kaputt“, bemerkte Rob und senkte zögernd den Blick auf die fleckigen Holzdielen der Veranda, ehe er fortfuhr: „Darf ich Ihnen eine persönliche Frage stellen, Jess?“

Sie nickte. Diese ganze Unterhaltung war sehr persönlich. Sie hatte halbwegs damit gerechnet, dass Rob nach Ians Besuch möglichst rasch verschwinden würde, um auf Distanz zu ihrem erbärmlichen Leben zu gehen. Doch er stand da am Geländer und machte keine Anstalten, irgendwohin zu gehen.

Er schien seine Worte sorgfältig zu wählen. „Hat Ian Sie oder Kelsey jemals … geschlagen?“

„Nein“, antwortete sie aufrichtig. „Das hat er nie. Er hatte Wutausbrüche und hat ein paarmal das Wohnzimmer verwüstet. Einmal hat er sogar ein ganzes Porzellanservice an die Wand geworfen.“

„Aber er hat Ihnen nie wehgetan?“, wollte Rob wissen.

„Nicht absichtlich“, antwortete Jess. „Einmal zerbrach er ein Fenster, und ich habe mich an einer umherfliegenden Scherbe geschnitten. Aber das war ein Unfall.“

„Auf diese Weise fängt es an“, erklärte Rob. „Eine versehentliche Verbrennung, ein versehentlicher Schnitt.“ Seine Stimme klang härter, rau vor unterdrückten Emotionen. „Ein versehentlicher Fausthieb.“

Ungläubig starrte Jess ihn an.

„Ich finde, Sie sollten eine gerichtliche Verfügung erwirken“, fuhr er fort. Seine Augen hinter den Brillengläsern blickten beinah kalt. „Was, wenn er hier auftaucht und ich nicht da bin? Was, wenn er beim nächsten Mal ‚aus Versehen‘ Kelsey wehtut?“

Jess war geschockt. „Auch wenn er sich nie groß um Kelsey gekümmert hat, würde er ihr doch niemals wehtun“, protestierte sie. „Er ist schließlich ihr Vater.“

Rob lachte bitter. „Ich bitte Sie. Sie haben keine Ahnung, was ein Vater einem Kind antun kann.“

„Aber Sie schon, oder?“, fragte sie, ehe ihr klar wurde, was er da sagte.

Seine Miene veränderte sich, als sei er sich plötzlich der Tatsache bewusst geworden, dass er zu viel preisgegeben hatte. Eine Vielzahl von Emotionen spiegelte sich in seinem Gesicht wider. Nervös schaute er zur Wohnungstür, und Jess wusste, dass er am liebsten vor dieser Unterhaltung geflohen wäre.

Aber er ging nicht, sondern sah ihr ins Gesicht und antwortete einfach: „Ja.“

Mit einem Mal begriff Jess, dass sie und Kelsey ihm wichtig waren - wichtig genug, um zu riskieren, etwas aus seiner Vergangenheit zu offenbaren, die er ansonsten peinlich genau unter Verschluss hielt.

Sein Vater hatte ihn misshandelt. Für Jess gab es daran keinen Zweifel.

„Auch das hat mit versehentlichen Unfällen angefangen“, meinte Rob leise. „Sie hatten Glück, rechtzeitig aus Ihrer Beziehung rauszukommen. Diese Möglichkeit hatte ich nicht.“

Jess‘ Augen füllten sich mit Tränen, während er sich aufrichtete.

„Überlegen Sie sich lieber, ob Sie nicht doch eine Unterlassungsverfügung erwirken“, sagte er noch einmal und beendete die Unterhaltung, indem er sein Apartment betrat.

Er brachte das Thema danach nicht wieder zur Sprache, doch Jess konnte diesen winzigen Einblick, den er ihr gewährt hatte, nicht vergessen. Sie war überzeugt davon, dass er ihr nur deshalb davon erzählt hatte, weil er Kelsey vor einem ähnlichen Schicksal bewahren wollte.

Obwohl er sich dieses eine Mal geöffnet hatte, wahrte er weiter Distanz. Er blieb niemals, nachdem Kelsey im Bett war.

Eigenartigerweise schien sich Kelseys Schlafenszeit neuerdings immer weiter nach hinten zu verschieben.

Jess war sich nicht sicher, ob sie froh oder beleidigt sein sollte, dass Rob sie noch nicht gebeten hatte, mit ihm auszugehen. Immerhin bemerkte sie jedes Mal, wenn sie ihm in die Augen schaute, diese auf Gegenseitigkeit beruhende Anziehung. Ein bisschen gefiel es ihr auch, dass er nicht mit der Tür ins Haus fiel. Es war gentlemanlike und romantisch. Jedenfalls war das mal etwas anderes.

Dann wieder fand sie es unglaublich frustrierend, denn in ihren Träumen erlebte sie heiße, erotische Szenen mit ihrem neuen Nachbarn - da küsste er sie leidenschaftlich und streichelte sie zärtlich, da schmiegten sich ihre nackten Körper aneinander und vereinigten sich …

Die traurige Realität sah jedoch so aus, dass Jess sich glücklich schätzen konnte, wenn Rob bis nach dem Abendessen blieb und „Candy Land“ mit ihnen spielte.

Kopfschüttelnd ging Jess hinaus auf die Veranda. Sie konnte Rob und Kelsey sehen, wie sie auf dem Boden hockten und die Köpfe zusammensteckten, während sie etwas in der einen Ecke des Gartens untersuchten.

Als Jess die Verandastufen hinunterstieg, schaute Rob auf. Für einen kurzen Moment bemerkte sie wildes Verlangen in seinem Blick aufflackern. Doch es war so rasch wieder verschwunden, dass sie sich fragte, ob sie es sich nur eingebildet hatte. Ihr Mund war jedenfalls plötzlich so trocken, dass sie sich die Lippen befeuchten musste, ehe sie sprechen konnte.

„Hallo.“ Das war geradezu brillant. Kein Zweifel, er war von ihrer Redegewandtheit sicher zu beeindruckt, um darauf etwas zu erwidern.

Immerhin lächelte er, offenbar nicht eingeschüchtert, erhob sich und klopfte sich die Hände ab. „Hey.“

„Wir haben einen Wurm gefunden“, informierte Kelsey sie. „Aber der ist schon ganz vertrocknet und eklig.“

„Kelsey, bitte mach dich …“ Jess seufzte, da ihre Tochter ihre matschigen Hände an ihrem sauberen T-Shirt abwischte. „… nicht so dreckig.“ Sie warf Rob einen gespielt bestürzten Blick zu. „Zu spät.“

„Entschuldigung“, erwiderte Kelsey zerknirscht.

„Ach, das wasche ich wieder raus. Aber jetzt geh nach oben und zieh dich um, ja?“, bat Jess sie. „Wir müssen nämlich los.“

Kelsey rannte mit der für sie typischen Geschwindigkeitsexplosion zur Verandatreppe. Sie war wie eine Miniaturrakete - entweder stand sie still, oder sie bewegte sich mit Schallgeschwindigkeit.

Jess wandte sich an Rob. „Sie sind früh zu Hause. Ich war mir sicher, wir würden schon weg sein, wenn Sie heimkommen.“

Er erkundigte sich nicht, wohin sie und Kelsey wollten. Wenn sie es sich genau überlegte, hatte er bis auf das eine Mal nie auch nur annähernd persönliche Fragen gestellt.

„Es gab eine Party im Büro“, sagte er. „Die Musik war mir zu laut, sodass ich nicht arbeiten konnte. Da dachte ich, ich könnte ebenso gut nach Hause gehen.“

Wohin wollt ihr? Er stellte die Frage nicht, doch Jess konnte sie in seinen Augen lesen. Er wollte es wissen. Warum fragte er dann nicht einfach?

„Ich hatte vor, Ihnen eine Nachricht an die Tür zu heften“, erklärte Jess trotzdem. „Ich habe einen Anruf vom Pelican Club auf Siesta Key bekommen. Der Künstler für heute Abend hat abgesagt, und man bat mich, einzuspringen. Ich muss in einer Stunde da sein.“

„Der Pelican Club.“ Rob bohrte die Schuhspitze in den Rasen und vergrub den mumifizierten Wurm unter einem Erdklumpen. „Nettes Lokal. Ich habe Sie dort schon mal spielen sehen.“

„Ich weiß“, sagte sie und beobachtete ihn dabei.

Wieder einmal schien die Luft um sie herum zu knistern. Rob senkte den Blick, sodass die sich in seinen Brillengläsern spiegelnde Sonne seine Augen verbarg.

„Möchten Sie uns begleiten?“ Die Worte waren heraus, ehe sie nachdenken konnte. Als sie sie ausgesprochen hatte, wurde ihr klar, dass sie Rob mehr oder weniger unverblümt fragte, ob er mit ihr ausgehen wollte. Deshalb ruderte sie gleich ein bisschen zurück, indem sie hinzufügte: „Doris kann heute Abend nicht babysitten, und die Kids aus der Nachbarschaft sind bei einer Tanzveranstaltung der Highschool. Also bleibt mir nichts anderes übrig, als Kelsey mitzunehmen. Sie wird sich bestimmt freuen, mit jemandem zu Abend essen zu können, während ich spiele.“ Wow, das hörte sich ja so an, als wollte sie Rob als Babysitter dabeihaben. Und das stimmte absolut nicht. „Oh, das klingt alles ganz falsch“, fuhr sie beinah verzweifelt fort.

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