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Realität

Isabella Kohl

Realität


Ich danke allen Leseren herzlich und wünsche viel Spaß beim Lesen


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München




Melanie schlug die Augen auf. Was ist denn nun wieder los? Fragte sie sich genervt. Wieso liege ich im Bett und wo bin ich? Eben noch hat sie die Zwillinge versorgt. Stefan wurde langsam ungeduldig.
„Stehst jetzt auf, du Schlafmütze! Der Tag beginnt. Ich freue mich schon riesig aufs Tauchen! John wartet schon auf dem Schiff. Dein Bruder und Claudia warten ebenfalls ungeduldig.“ Sie starrte ihren Mann an. Was ist denn jetzt nun wieder los? Tauchen? Dann schaute sie sich im Zimmer genauer um.
Die weißgetünchten Wände, die Bastmöbel, der Ventilator an der Decke. Sprachlos blickte sie auf die Terrasse hinaus, entdeckte den Strand und das türkisschimmernde Meer. Das ist doch ihr Apartment, im Urlaub im Karibischen Meer, Cat Island, Bahamas. Aber das kann doch nicht sein. Hier hat doch alles angefangen.
Das kann sie unmöglich alles geträumt haben. Stefan hielt beim Anziehen plötzlich inne und schaute erstaunt in Melanies Augen. Was ist das denn? fragte er sich. Sie blinzelte und das grüne Funkeln in ihren Augen war verschwunden. Er dachte, er bildete es sich nur ein. Doch nach einem weiteren blinzeln war es wieder da. „Was ist mit deinen Augen?“ Wollte Stefan neugierig wissen. „Siehst du irgendwie schlecht?“ Er näherte sich ihr, um dieses grüne Funkeln besser betrachten zu können. Es faszinierte Stefan. Wieso ist es mir nicht vorher aufgefallen, überlegte er. Das kann ich nie im Leben übersehen haben. Er konnte es sich nicht erklären.
Melanie hörte seine verzweifelten Gedanken. „Was soll denn damit sein?“ fragte Sie unschuldig. Sie wusste genau was Stefan meinte. Gleichzeitig war sie total verwirrt. Was sollte das für einen Sinn haben wieder hier zu sein. Er versuchte zu ihr erklären. „Naja, so ein grünes Funkeln. Mitten in deiner Pupille, Stecknadel groß. Schau in den Spiegel.“ Melanie raffte sich aus dem Bett und stellte sich vor den Spiegel. Ja, da war es, ihr kleiner grüner Stern. Sie verstand aber trotzdem nicht warum sie wieder hier war. Sie wusste genau was auf sie zukommt. Was ist wenn ich nicht zum Tauchen mitgehe, fragte sie sich, ich stelle mich einfach krank. Doch sie wusste, dass sie es nicht verhindern konnte. Gedankenlesen kann ich schon, ging es ihr durch den Kopf. Und das Grün in meinen Augen erschien erst nach dem Tauchen, erinnerte sie sich. Was geht hier vor sich? Tausende Gedanken liefen durch ihren Kopf. Gequält fragte sie sich, ob sie wieder durch alle das gehen musste, was sie bis jetzt erlebt und über sich herausgefunden hatte. Das sichere Gefühl kam in ihr hoch, dass es so ist. Das kann doch wohl nur ein Scherz sein? Schrie Melanie innerlich. Dann hielt sie jedoch inne. Moment, wenn ich den grünen Schimmer jetzt schon habe, dann kann ich doch auch schon alles andere. Ich weiß doch was auf mich zukommt. Aber warum bloß? Fragte sie sich immer wieder verzweifelt. Wie aus der Ferne hörte sie eine vertraute warme Stimme. „Du wirst schon erfahren warum. Sei nicht immer so ungeduldig. Ich habe dir ja gesagt alles wird körperlicher und bewusster.“ Melanie grinste gequält. „Danke für den hilfreichen Hinweis!“ –„Bitte, gern geschehen.“ Stefan war irritiert. Was war bloß mit seiner Frau heute los. Sie hat sich doch auch so aufs Tauchen gefreut und jetzt war sie nicht aus dem Bett zu kriegen. Irgendwie ist sie heute nicht dieselbe. Vor kurzem hatten sie den Tauchkurs erst beendet. Sie war so ungeduldig, erinnerte sich Stefan und jetzt seltsam ruhig, sie wirkte irgendwie abwesend. Er konnte sich keinen Reim auf Melanies Verhalten machen. Sie seufzte schwer und entschied sich, das Spiel erst mal mit zu spielen und erinnerte sich wie alles begann. Wie sollte sie das alles ihren Mann und den anderen erklären? Das kann doch nur ein Alptraum sein! Dann lief alles bisher Geschehene wie ein Film vor ihr ab, wie ferngesteuert machte sie sich für den Ausflug bereit. Sie erinnerte sich aber auch an die Gedanken und Gefühle ihres Mannes und ihren Freunden. Melanie durchlebte wieder das bisher Geschehene oder das was noch vor ihr lag.

Johns Schiff brachte sie damals aufs offene Meer hinaus. Sie machten sich bereit und plapperten aufgeregt durcheinander und bewunderten die tiefblaue Farbe des Meeres. Nur Melanie schien abwesend, zog sich mechanisch um. Nacheinander sprangen alle fünf aufgeregt in ihre Tauchausrüstung ins Meer, tauchen in eine fremde Welt ab. Als die Gruppe in die leicht undurchsichtige Konsistenz des Meeres abtauchte, erweckte es bei den Ersttauchern ein unheimliches Kribbeln in Bauch. Sie sahen sich neugierig um und folgten John immer tiefer in die unbekannte Welt. Doch dieses unbestimmte Gefühl der Unsicherheit verflog schnell und machte einem sich ausbreitenden Glücksgefühl Platz. Es war faszinierend. Diese Vielfalt an großen und kleinen Fischen, die sich seltsam, biegenden Pflanzen und dann diese unendliche, undurchsichtige Tiefe. Es war einfach nur beeindruckend, all die verschiedenen Meeresbewohner, die nur einen Hauch entfernt an einem vorbei schwammen, wagten sich neugierig an die seltsamen Besucher heran, um wieder blitzschnell irgendwo im tiefen Wasser zu verschwinden.
Nach einigen getauchten Metern, sah John verdutzt zu wie Melanie sich von den anderen entfernte und in eine ganz andere Richtung schwamm. Er machte Stefan auf Melanie aufmerksam, gab Stefan ein Zeichen bei den Anderen zu bleiben und zu warten, dann folgte er ihr. Das kann ja wohl nicht wahr sein, wo will sie denn hin,raste es durch Johns Kopf, bemüht sie zu erreichen. Stefan blieb bei der Gruppe und sah besorgt zu, wie John versucht seine Frau zu erreichen. Was ist heute nur los mit ihr, fragte er sich verständnislos. Im nächsten Augenblick bemerkten sie verdutzt wie Melanie das Mundstück aus ihren Mund heraus zog, aber unbeirrt weiter schwamm. Als Stefan dies sah, konnte er es kaum glauben. Er konnte jetzt nicht mehr einfach zuschauen. Panisch schwamm er John hinter her und holt ihn dann endlich ein, sie warfen sich einen kurzen verständnislosen Blick zu. Melanie schwamm unbeirrt weiter. John konnte nicht glauben wie lange sie ohne Sauerstoff auskommen konnte. Das schaffte er noch nicht mal. Vor allem frustrierte ihm, dass er es nicht schaffte ihr näher zu kommen. Nach einer Weile stoppte Melanie plötzlich und packte panisch die Hände an ihren Hals, riss den Mund auf und schluckte Wasser, mehr und mehr und mehr. Erschrocken steigerte John nun sein Tempo, doch er war zu weit weg. Stefan hatte Probleme Johns Tempo zu halten und viel zurück. Sie schien immer tiefer und weiter weg zu treiben, und das ständig in eine andere Richtung. Schatz, was treibst du da bloß? Fragte sich Stefan verzweifelt, konnte einfach nicht fassen was seine Frau da macht. er sah wie sie verzweifelt nach Luft schnappte, mit den Beinen strampelte und dabei noch mehr Wasser schluckte. Er kam sich so hilflos vor. Endlich war John Melanie nah genug. Er packte sie um ihre Taille und wollte langsam nach oben schwimmen. Doch sie wehrte sich mit Händen und Füßen, schien ihm immer wieder zu entgleiten, er hatte alle Mühe sie zu halten. Stefan, der diese Szene entsetzt verfolgte, traut seinen Augen nicht. „Nein?" Schrie er innerlich verzweifelt auf, musste hilflos mit ansehen wie seine Frau in sich zusammen sank, und schlaff in Johns Armen liegen blieb. John begann langsam mit dem Aufstieg. Er ermahnte sich ständig nicht zu schnell zu werden. Langsam, immer schön langsam. Claudia und Rolf folgten entsetzt. Stefan schwamm neben John her, es kam ihm wie eine Ewigkeit vor. Was sollte er tun, wenn sie nicht mehr aufwacht? Panik machte sich in ihm breit. Wir müssen schneller rauf, schneller, doch er wusste, tauchen sie zu schnell auf, können sie alle einen Schock erleiden. Endlich war es weit.
Die Besatzung des Schiffes half Melanie auf das Schiff zu hieven. Stefan schrie verzweifelt nach dem Sanitäter, der direkt zur Stelle war und lebensrettende Maßnahmen ergriff. Stefan kniete neben seiner bewusstlosen Frau und redete verzweifelt auf sie ein. Nach unendlich langer Zeit, würgte Sie mit einem mal das geschluckte Wasser aus. Alle atmeten keuchend auf. „Noch mal gut gegangen!“ Der Sanitäter untersuchte sie noch mal gründlich, ihr Kreislauf war zum Glück stabil. Stefan betrachtete seine Frau erleichtert während er sie in eine der Kajüten trug. Sie war sehr benommen und ihre blauen Augen blicken ihn ausdruckslos und leer an, sie schien nichts wahrzunehmen. Sobald er und Claudia, Melanie aus dem Taucheranzug geschält hatten und sie auf das übergroße Sofa legten, rollte sie sich unter der warmen Wolldecke wie eine Katze ein und schlief. Stefan schaute sie lange und traurig an, etwas erleichtert ging er dann zu seinen Freunden. Sie lebt und das ist die Hauptsache. „Und wie geht’s ihr?" fragte John. „Sie schläft." Stefan setzte sich an den Tisch und wischte sich mit den Händen angestrengt übers Gesicht und wiederholt gedankenversunken. „Sie schläft." In seinem Kopf schwirrt es und es erschien ihm als wäre er tausend Kilo schwer, er senkt seinen Kopf nach unten und atmet schwer aus. Mit so etwas hat er überhaupt nicht gerechnet. Rasend liefen die schlimmsten Gedanken durch seinen Kopf. wollte sie sich vielleicht umbringen, aber warum? Es wollte ihm kein Grund einfallen. John war genauso ratlos. „Seit fast fünf Jahren mache ich hier Tauchführungen, aber so etwas habe ich noch nie erlebt." Sie kannten sich schon lange. Als er hörte dass sie ihren Urlaub auf Cat Island verbringen, lud er sie zum Tauchausflug ein. Aber mit so einem Verhalten hätte er nie gerechnet. Er schüttelte fassungslos den Kopf. "Das ist doch irrsinnig, sich das Atmungsstück aus dem Mund ziehen. Ist sie lebensmüde oder einfach nur blöd.“ Stefan blickte zu John wütend auf. „Pass auf was du sagst OK!" John hob entschuldigend die Hände. „Tut mir Leid aber ich begreife es einfach nicht, jeder weiß doch, dass man unter Wasser nicht atmen kann. Sie ist noch eine ganze Weile einfach weiter geschwommen, wie hat sie es geschafft so lange ohne Sauerstoff auszukommen?" Stefan zuckte nur wortlos mit den Schultern. Claudia kam aus Melanies Kajüte. „Stefan, sie kommt wieder zu sich.“ Er sprang auf, lief zu ihr und setzte sich zu ihr auf Sofa. Sie räkelte und streckte sich genüsslich, gähnte herzhaft, kuschelte sich halb an Steffan und sah Ihn strahlend von unten an: „Ich habe so gut geschlafen. Bist du schon lange wach Schatz?" Stefan schaute sie entgeistert an und schob sie etwas von sich um ihr ins Gesicht zu sehen, ob sie scherzt: „Was habe ich?" Melanie musterte nun ebenfalls ihren Mann. „Ich frage dich, ob du auch gut geschlafen hast?"
„Wieso geschlafen? Wir waren eben Tauchen.“ Jetzt starrte Melanie ihren Mann ungläubig an. „Tauchen? Davon wüsste ich was" Seine Verzweiflung verwandelte sich langsam in Wut. Er starrte in ihr Gesicht doch da spiegelte sich nur Ahnungslosigkeit. Aufgebracht und unbeherrscht berichtete er ihr was passiert ist." Warum hast du das gemacht?" fragte er zum Schluss. Sie musterte Stefan, das kann doch nicht sein. Aber er schien sie nicht zu veräppeln, doch warum sollte sie so etwas tun? Dachte sie. „Das ist doch Blödsinn!" Platzte es aus es ihr heraus. Stefan war nun endgültig der Kragen geplatzt. Unkontrolliert brüllte er seine Frau an: „Du spinnst wohl. Meinst du ich denk mir so etwas aus! John hat wohl recht, entweder bist du lebensmüde oder blöd. Also was war da unten los?“ Melanie sah ihren Mann verständnislos an. Sie suchte in seinem Gesicht, doch er spielte nicht, sie erkannt seine Besorgnis. Sollte er doch Recht haben? Stefan wandte sich ab und ging aus dem Raum. Er konnte es nicht ertragen sie anzusehen. Er hatte solche Angst. Was ist wenn sie sich wirklich umbringen wollte, es jetzt nicht zugeben will, und es womöglich nochmals versucht. Melanie blieb Gedanken versunken sitzen. Sie konnte es einfach nicht glauben. Es war doch erst morgens. Doch dann schaute sie sich um. Das war nicht ihr Bett, nicht ihr Hotelzimmer. Es schaukelte seltsam: „Ich bin auf einem Schiff.“ erkannte sie, jetzt total verwirrt. Claudia und Ralf betraten gespannt das Zimmer. „Wie geht es dir?" fragte Ralf besorgt. „Was machst den für Sachen Schwesterchen?“ Melanie zuckte mit den Schultern: „Bis eben noch gut.“ und schaute Claudia fragend an. „Wie spät ist es jetzt?" Claudia schaute auf ihre Uhr. Schon so spät, das kann doch nicht sein. In Melanies Bauch machte sich ein seltsames Gefühl breit. Irgendetwas stimmte hier absolut nicht. Was war passiert, dass sie sich an den ganzen Tag nicht erinnern konnte. Claudia setzte sich besorgt zu Melanie. "Was ist los? Du bist erst von uns weg geschwommen und hast dir dann das Mundstück heraus gezogen und bis fast ertrunken. Du musst dich doch erinnern können." Sie überlegte noch mal angestrengt, erwiderte denn aber kleinlaut: "Ich kann mich wirklich an nichts erinnern, ich dachte, ich wäre erst jetzt aufgestanden. Ich habe gar nicht mitbekommen, dass wir Tauchen waren.“ Entsetzt blickte Sie von ihrer Freundin zu ihrem Bruder. Es war kaum zu glauben dass sie Geschwister waren. Melanie war dunkelhaarig und klein, Ralf aschblond und groß gewachsen. Flüsternd und enttäuscht setzte sie hinzu: -„Und ich habe mich so sehr drauf gefreut." Claudia glaubte es kaum:" Du kannst dich wirklich an den ganzen Tag nicht erinnern?" Melanie starrte ihre Freundin entsetzt an und schüttelte den Kopf. Die Verzweiflung wuchs nun in ihr. Was sollte das alles? Wer vergisst einfach einen Tag. Sollte Stefan recht haben und ich habe wirklich versucht mich umzubringen, wenn ja, warum? Dann wurde ihr auf einem Schlag bewusst, sie wollte sich auf keine fall umbringen. Sie liebte das Leben und wollte noch so viel erleben.
Stefan kam nun wieder ins Zimmer, er hatte Tränen in den Augen. Er setzte sich neben seiner Frau, nahm ihr Hand streichelte diese und schaute sie Gedanken versunken an. „Schatz, ich wollte dich nicht anschreien. Aber versteh doch." Dabei schaute er verlegen in ihre Augen auf. „Ich liebe dich. Ich hatte so Angst dich zu verlieren. Ich habe eben mit angesehen wie du fast ertrunken wärst, und dass noch durch dein eigenes Verschulden.“ Er schluckte und schüttelte den Kopf: „Ich kann einfach nicht glauben, dass du dich an nichts erinnerst. Wieso hast du das bloß getan? Was ist los mit dir?" Melanie sah ihren verzweifelten Mann neben sich sitzen und es zerbrach ihr das Herz. Es tat ihr alles so leid, aber was sollte sie ihm antworten, sie weiß doch selber nicht was los war. Eine Gänsehaut zog sich über ihren Rücken. Es erschien ihr, als hörte sie die Geschichte einer anderen Person, aber nicht ihre Eigene. Nach dem was sie hier hörte, müsste sie sich jetzt schlapp und erschöpft fühlen. Aber sie fühlte sich bestens, energiegeladen und ausgeruht. Doch es mischte sich ein anderes unbestimmtes Gefühl ein, sie konnte es nicht deuten, aber irgendetwas war mit ihr geschehen. Sie spürte, in ihr hat sich etwas verändert, oder etwas war erwacht, etwas das tief in ihrem Inneren verborgen lag. Sie sah Stefan eindringlich in die Augen.
„Schatz ich liebe dich, und eins weiß ich ganz genau, ich wollte mich bestimmt nicht umbringen. Ich weiß gar nicht was passiert ist, Ich kann mich an den ganzen Tag nicht erinnern. Bitte glaube mir, bitte!" Dabei drückte sie hoffnungsvoll seine Hand. Irgendein Teil in Stefan glaubte ihr, doch ein anderer Teil war skeptisch. Etwas war anders an ihr, aber was. Er sah ihr wieder in die Augen. Da war es! Waren ihre Augen nicht blau. Sie waren zwar jetzt auch blau, doch nun mit einem leicht grünlichen Schimmer in mitten der schwarzen Pupille, das immer intensiver funkelte. Vorher hatte sie das nicht, oder bemerkte er es einfach nicht. Doch das konnte er nicht glauben, er liebte ihre wasserblauen Augen, sah oft hinein. Er betrachtet diese fasziniert. Doch so ein intensives grün wäre ihm aufgefallen. Melanie lächelte ihn nun aufmunternd an, blinzelte einmal mit den Augen und Stefan war noch überraschter, denn das Grün war nun verschwunden. Ach, das bilde ich mir nur ein. Nach einem erneuten blinzeln seitens Melanies Augen war der Funken wieder da. Sie versuchte ihn aufzumuntern." Schatz ich lebe noch, das ist doch die Hauptsache. Ich geh auch nicht mehr ins Meer." Dieser letzte Satz tat ihr auf einmal tief in der Seele weh, sie liebte das Meer. Sie wollte im Meer schwimmen und Tauchen. Wann ergab sich noch mal so eine Gelegenheit. Auf einmal fühlte sie ein Widerstreben in sich aufsteigen, ins Meer zu steigen, oder überhaupt mit Meereswasser in Berührung zu kommen. Aber wieso? Wieder kroch ihr die Gänsehaut den Rücken hinunter. Stefan sah das betrüben in Melanies Augen, zog und drückte sie verlangend an sich. Er wollte sie nie mehr loslassen. Sie kuschelte sich an ihren Mann, bei ihm fühlte sie sich geborgen. Sie sog den Geruch ihres Mannes in sich auf und genoss seine Wärme.
Noch in Stefans Armen fiel Melanie nun langsam der Traum ein, den sie geträumt hat.

Sie stand am Strand und hörte von weit her eine Melodie, die sie magisch anzog. Eine Melodie, die aus ihrem Inneren zu kommen schien und doch von weiter Ferne über dem Meer erklang. Melanie schaute suchend über die Wellen hinweg, doch sie konnte nichts weiter sehen als das weite Meer. Es ist eine sanfte, gleichzeitig starke und impulsive Melodie. Sie schmerzte und erbaute Melanies Gefühle gleichzeitig. Über Ihre Wangen rannen Tränen, aber ihr Gesicht strahlte vor Glückseligkeit. Die Melodie schien sie ins Meer zu ziehen. Wie von einem Tau gezogen, folgte Melanie der Melodie. Instinktiv bewegten sich ihre Füße dem Meer entgegen, ohne den Blick vom Wasser abzuwenden schritt Melanie wie in Trance darauf zu. Sie wurde aus ihren Gefühlen gerissen als das kalte Meerwasser ihre Füße berührte und wieder davon floss. Sie erschrak und schaute auf ihre nackten Füße. Das kalte Wasser belebte sie wieder und sie fühlte die Frische und Energie. Ihre Sinne explodierten als die sprudelnde Wassergicht erneut ihre Füße überflutet, ihr den Sand zwischen die Zehen schob, sich wieder zurückzog, um dann mit voller Wucht wieder zurück zu kommen. Eine wohlige Gänsehaut zog sich über ihren Körper und sie erschauert. Es hätte stundenlang so weiter gehen können. Plötzlich befand sich Melanie unter Wasser. Sie schwebte im tiefen blauen Nichts. Kein Grund unter ihr, links, rechts, über ihr nur Wasser und vereinzelte Fische, die neugierig um sie herum schwammen. Sie war erstaunt, dass sie unter Wasser atmen konnte, freute sich wie ein Kind und atmete bewusst ein und aus. Es war nicht viel anders als an der Luft, nur langsamer und bewusster. Aber wie war das möglich? Sie fühlte, dass Wasser an ihrer Haut, doch gleitzeitig verspürte sie, wie das Wasser ihre körperliche Barriere durchdrang. Sie fühlte sich eins mit dem Meer, spürte diese enorme Energie in ihrem Inneren. Sie genoss diesen Zustand der Verbundenheit. Ihr Körper schien sich mit dem unendlichen Meer zu verschmelzen, aber ihre Körperform blieb erhalten. Sie drehte sich und sah sich in der weiten Leere um. In weiter Ferne erblickte Melanie einen kleinen Punkt, der immer größer, und wie aus diesem Punkt eine undeutliche Gestalt wurde, die rasend schnell näher kam. Sie kniff die Augen zusammen, und erkannte erschrocken was da auf sie zukam. Ein riesiger Orca schwamm mit offenen Maul auf sie zu. Melanie war steif vor Schreck. Diese Zähne. Panik ergriff sie, und das Adrenalin schoss durch ihre Blutbahnen. Die Haare standen ihr zu berge. Dieses Tier wird auch Killerwal genannt. Und diesen Namen hat das Tier nicht umsonst. Nur weg hier. Die Gedanken rasten durch ihren Kopf. Nein besser nicht bewegen, vielleicht zieht er vorbei. Doch der Orca klappte nur sein Maul wieder zu und ließ sich von seinem Kurs nicht abbringen. Gerade als Melanie flüchten wollte, vernahm sie wieder die Melodie und eine Ruhe durch zog ihren Körper. Seelenruhig sah sie den riesen Meeressäuger auf sich zu schwimmen. Nase an Nase blieb der Orca vor Melanie stehen. Er musterte sie mit seinen dunklen Augen und schwamm um sie herum. Melanies Herz klopfte im Takt ihrer Melodie laut, dieses mächtige Tier schaute ihr direkt in die Augen.
Doch ihre Angst löste sich mehr und mehr auf, Geborgenheit und Sicherheit machten sich breit. Das Tier fixierte sie weiterhin. Eine tiefe, angenehme Stimme bohrte sich im Melanies Kopf. Er sprach zu ihr, schaute sie aber auch ganz ruhig an und bewegte sich kaum. „Komm mit mir, wir kennen uns. Komm mit nach Hause, nach Hause, nach Hause….. Ich warte, warte, warte…Du musst dich erinnern….." Dann wendete sich er ab und schwebte langsam davon. Melanie hörte die Worte wie ein Echo in ihrem Kopf widerhallen. „Du weißt wer du bist, du bist, du bist. Nach Hause, nach Hause. Ich warte, warte......." In Ihr pulsierte weiter hin die Melodie. Sie wollte dem Orca hinterher schwimmen, kam aber nicht vorwärts, egal wie sie sich auch bemühte. Sie schaute zu ihren Füßen und sah ungläubig wie ihre Beine an einen kräftigen Baum, mit saftig grünen Blättern gefesselt waren. Sie hing an einer langen Ranke des Baumes wie ein Luftballon im Wind. Die Ranke schien sie immer tiefer, näher an den Baum zu ziehen. Sie erschrak davor noch mehr als vor dem Orca, zog und zerrte verzweifelt an der Ranke, doch es war umsonst. Nun konnte sie ihre Panik nicht mehr zügeln, sie schrie und ruderte kräftig mit den Armen, doch es half nichts. Irgendwann war Melanie zu erschöpft und ließ sich treiben wie ein Luftballon an der Hand eines Kindes. Die Melodie die sie immer wieder hörte beruhigte sie wieder, und sie betrachtete neugierig den Baum. Der Stamm war kräftig und hoch, sein Wuchs war nicht ganz gerade. Die Blätterkrone war weit und hoch, die üppigen Blätter wiegten leicht hin und her wie im Wind. Zwischen den mächtigen Ästen und den starken Wurzeln leuchteten, erloschen und leuchteten wieder hunderte winzig kleine gelbe Lichter. Diese Lichter flogen um den Baum herum wie Glühwürmchen. Die starken Wurzeln verschwanden scheinbar haltlos in Dunkeln der Tiefe. Es war ein bizarrer Anblick. Dann entdeckte sie das Wort "ZU HAUSE". Es war groß und dick in die Rinde des Baumes eingeritzt. Sie spürte wie die Energie des Baumes zu ihr herauf kroch und sie ganz erfüllte. Doch es machte ihr fast schon Angst. Dann entdeckte Sie wie ein weißer kleiner Krebs auf dem Seil hockte, er schielte sie von unten an. Auf einmal krabbelte er flink die Ranke herauf, blieb dann kurz vor Melanies Füßen hocken. Melanie rollte sich nach unten, um diesen weißen Krebs besser zu betrachten. Empört weiteten sich ihre Augen, dieser kleine freche Krebs grinste sie an. Er krabbelte kurz rückwärts, schaute zu ihr auf, grinste ein bisschen mehr und durchtrennte mit seinen übergroßen Zangen die Ranke. In diesem Augenblick hatte sie eine Erkenntnis. „Zu Hause!“ Innerhalb einer Sekunde erinnerte sich Melanie, alles war klar. Doch es war zu spät. Sie hat zu lange gebraucht um zu erkennen. Die Erkenntnisse, die sie eben hatte, verblassten immer mehr. Wie eine Stadt im Nebel. Sie spürte eine Welle der Trauer, die sich durch ihren Körper rollte. Es war fast unerträglich. Sie streckte beide Arme nach dem Baum und schrie verzweifelt, „Nein!" Es nützte nichts, sie wurde immer höher nach oben weggetrieben, gleichzeitig wurde die Melodie immer leiser. Der Baum verschwand immer mehr in Dunkeln, der Krebs war nur noch als ein kleiner weißer Punkt zu sehen, bis auch er im schwarzen Nichts verschwand.

Wieder an Land im Auto, auf dem Rückweg zum Apartment schaute Melanie sehnsüchtig aus dem Fenster. Die Traumhafte Küstenlandschaft flog nur so an ihr vorbei. Sie wollte so gerne Tauchen. Sie hatte sich wie die anderen darauf vorbereite. Doch irgendetwas ist schief gelaufen. Ihre Freunde plapperten über den Ausflug und bedankten sich bei John, der sie wieder ins Hotel fuhr.
Claudia fragte ihre Freundin besorgt, ob es ihr gut ging. Melanie riss aus ihren Gedanken. „Ah… ja. Mir geht es gut. Ich find nur schade, dass ich nichts mitbekommen habe. Ich kann das echt nicht verstehen.“ John überlegte laut. „Vielleicht ist das so eine Art Selbstschutz, dass du es vergessen hast. Die Erinnerung kommt dann bestimmt wieder.“ Sie schaute zu Stefan und drückte seine Hand. „Aber ich verstehe nicht, warum Ich mir das Atmungsstück herausgenommen habe. Das ist doch Blödsinn.“
„Du sagst es, Schwesterchen!“ bemerkte Ralf. „Vielleicht warst du so überwältigt von dem Eindruck, dass du es irgendwie automatisch gemacht hast. Aber eins wollte ich dich auch noch fragen. Wie hast du es geschafft so lange die Luft an zu halten?“
Alle schauten Melanie gespannt an. John, den diese Frage auch auf den Fingern brannte, bemerkte vom Lenkrad aus. „Das ist mir auch ein Rätsel. So was hab ich noch nie gesehen. Ich kenne einige trainierte Taucher, die lange Luft anhalten können, aber nicht so lange und du bist außerdem absolut untrainiert. Wie hast du das gemacht?“ Melanie schaute überrascht in die Gesichter, doch sie meinten es ernst. „Ihr wollt mich verarschen?“ Fragte sie unsicher. Sie schüttelten einvernehmlich mit dem Kopf. Claudia sah in Melanies Augen genauer hinein. Was ist das? überlegte sie. Dieser grüne Schimmer war doch vorher nicht da. Fasziniert beobachtete Claudia dieses grüne Funkeln in Melanies Augen. Es hat etwas Beruhigendes. Ob die anderen es auch bemerkt haben? Ging es durch Claudias Kopf, und sie fühlte sich angenehm gelassen und erheitert. Melanie lächelte ihre Freundin an, blinzelte mit den Augen und das Funkeln war weg.
Melanies Abend endete sehr schnell, sie war nach kurzer Zeit sturzbetrunken, obwohl sie nicht viel Alkohol zu sich nahm. Stefan brachte sie in ihr Zimmer. Auf dem Weg ins Zimmer kicherte sie und erzählte Blödsinn." Hast du Angst vor Orcas, eh Killerwallen? Den ich getroffen haben war nett" Dann versuchte sie in eine andere Richtung zu gehen. Doch Stefan hielt sie fest. „Ich muss nach Hause." begann sie zu flehen. „lass mich nach Hause gehen." Doch Er hielt sie eisern fest, sie konnte eh nicht alleine laufen. Er versuchte sie zu beruhigen. „Wir gehen doch nach Hause, schau wir sind gleich da.“ Melanie versuchte sich weiterhin zu befreien. „Aber das ist nicht mein zu Hause, ich muss nach Hause!" Er lächelte über seine Frau. „Wo ist denn dein zu Hause?" Sie schaute ihn traurig an. „Weiß nicht." Das grün in ihren Augen funkelte mal intensiv mal schwach. Dann strahlte sie ihren Mann an und schaute ihm tief und klar in die Augen. Er versank in den grünen, funkelnden Augen seiner Frau. „Bei dir ist mein Zuhause." Sagte sie sanft und streichelte sacht mit ihren Handrücken Stefans Wange. Endlich erreichten sie ihr Zimmer." Schau wir sind zu Hause" witzelte Stefan. Sie starrte die Tür an:" Das ist mein zu Hause?" Sie betastete die Tür und schaute dann zu ihm auf. „Das ist kein Baum, wo sind denn der Baum und der Orca?" Stefan öffnete die Tür, trug Melanie mehr oder weniger ins Zimmer, sie vergaß ihre Beine zu bewegen. So betrunken hat er sie noch nie erlebt. Na ja, dachte er, es ist wohl noch die Anstrengung von diesem seltsamen Tag. Er legte sie aufs Bett. Melanie lag bewegungslos da, sie schien eingeschlafen zu sein. Während er sie auszog betrachtete er sehnsüchtig ihren Körper. Schade dass sie schläft! Dachte er und seufzte tief. Sein Blick versank in ihren runden Formen. Ihre langen, lockigen pechschwarzen Haare verdeckten halb ihren Busen. Stefan seufzte noch mal tief vor Verlangen. Plötzlich öffnete sie wieder ihre Augen. Ihr Blick war klar und herausfordernd. Das Grün in ihren Augen flackerte so intensiv, dass Stefan dachte, es springt gleich auf ihn über. Sie beobachtete ihn ohne ein Wort zu sagen und Stefan war so von ihren Augen fasziniert, dass er den Blick nicht abwenden konnte. Automatisch zog er sie weiter aus und sie ließ es sich gefallen. Er hatte das Gefühl, dass sie sein Verlangen lesen kann. Er fühlt sich auf einmal durchschaubar, errötet und schaute wieder weg. Doch er musste immer wieder in ihre Augen schauen. War das Funkeln immer noch da? Es war da, dieses grüne Schimmern in Melanies Augen, es schien ihn zu hypnotisieren. Sie beobachtete ihn weiter, dann strahlte sie Stefan liebevoll und wissend an, sie streckte die Arme nach ihm aus, packte ihn an seinem Hemd, zog ihn verlangend zu sich hinunter und küsste ihn leidenschaftlich. Stefan wusste gar nicht was ihm geschah, doch er ließ es sich gefallen. Nun begann sie, ihn auszuziehen, bis beide nackt Körper an Körper da lagen. Er vergaß die ganze Welt um sich herum, es zählten nur Melanie, und die Gefühle, die sie für einander empfanden. Später lagen beide eng umschlungen aneinander und schliefen. Erst am nächsten Tag erwachten sie. Stefan räkelte und streckte sich zufrieden.
"Mein Schatz“. Er nahm Melanie in seine Arme und schwärmte weiter, „das war vielleicht toll gestern Abend." Sie sah ihn fragend an." Was war toll?" Stefan sah Melanie prüfend an und berichtete was sich gestern Abend zwischen ihnen ereignet hat. Sie betrachtete ihn skeptisch, kratzte sich dann nachdenklich den Kopf. "Kann mich nicht erinnern, ich habe tief und fest geschlafen. Schade es war bestimmt toll." Es bestürzte sie nichts mitbekommen zu haben, ließ sich jedoch nichts anmerken.
Stefan war ihr Traummann. Groß, dunkelhaarig und vor allem, durchtrainiert, Muskulös. Er liebte seinen Sport. Sehnsüchtig drückte sie ihn an sich. Stefan konnte es irgendwie nicht fassen. „Das kann doch nicht sein. Aber wahrscheinlich warst du doch zu betrunken.“ Melanie sah Stefan unsicher an. „Ja der Alkohol ist mir ganz schön in den Kopf gestiegen. ich weiß gar nicht wie ich ins Bett gekommen bin." Er grinste belustigt und nahm sie in seine Arme. „Aber dafür weiß ich es noch umso besser. Ich liebe dich mein Schatz." Doch in seinem Gehirn arbeitete es. Das ist schon das zweite Mal, dass sie eine Situation nicht wahrgenommen hatte. Wie kann das sein. Er war endtäuscht, fast beleidigt, verbarg es aber vor ihr. „Was hältst du davon, wenn wir es jetzt nachholen?“ Flüsterte sie ihm zu. Die Sonne brannte grell vom Himmel auf den weißen Sand und blendete Melanie. Sie war frustriert und hatte keinen Blick übrig für den traumhaften, von Palmen übersäten Sandstrand. Sie war mit sich selbst beschäftigt. Sobald sie wieder schwimmen gehen wollte, bemerkte sie ein seltsames Gefühl in sich, etwas in ihr schien sie daran hindern zu wollen ins Wasser zu gehen. Sie hatte plötzlich Angst, wusste aber nicht wieso. Es war ihr unheimlich, doch sie ließ sich nichts anmerken. „Ich geh dann mal die Gläser wegbringen. Geht ihr schon mal vor." Sie küsste Stefan flüchtig und versuchte ihm dabei nicht in die Augen zu sehen. Sie drehte sich schnell weg und nahm ein Glas nach dem anderen. Doch er zog sie an sich und betrachtete forschend ihr Gesicht. „Willst du wirklich nicht mitkommen Schatz?" Überrascht bemerkte er wieder dieses grüne schimmern in ihren Augen, es funkelte ihn an. Er konnte seinen Blick kaum noch abwenden. „Ich komm später, Schatz. Viel Spaß." Sie drückte ihm noch ein Kuss auf den Mund, machte sich dann los und sammelte wieder die Gläser ein. Dann drehte sie sich noch mal zu Stefan um und strahlte ihn an, das grün flackerte noch mal kurz auf und dann war es verschwunden. Während sie die Gläser wegbrachte, zerbrach sie sich den Kopf, wieso hab ich auf einmal so eine Abneigung gegen Wasser? Sie liebte das Meer und hatte sich so auf diesen Urlaub gefreut. Aber es stimmt, der Tauchgang gestern war ihr erster richtiger Tag im Meer. Das Tauchen lernten sie in einem Spezialbecken. Sie sind jetzt eine Woche hier, waren aber ständig auf Ausflügen unterwegs oder gingen abends am Strand spazieren. Heute ist ihr erster Badetag. Sie beschloss am Strand spazieren zu gehen, ihre nackten Füße bohrten sich bei jedem Schritt tief in den feinen Sand. Sie schloss die Augen und spürte die warmen Sandkörner. Es tat so gut, wie eine sanfte Fußmassage. Sie drehte sich um und sah ihre Fußabdrücke im Sand, die letzten Ausläufe einer Welle füllten ihre Fußabdrücke mit Wasser, dann blieben von den Fußabdrücken nur noch schwache, verformte Umrisse. Melanie setzte sich in den Sand und beobachtete wie das Wasser den Rest ihrer Fußabdrücke mit sich zieht und von ihnen nichts mehr übrig bleibt. Irgendwo im Wasser entdeckte sie ihre Freunde.
So, ich gehe jetzt auch ins Wasser. Angst ist da um sie zu überwinden, entschlossen stellte sie ihre Füße ins Meer. Doch was dann passierte, ließ sie sofort wieder aus dem Wasser springen. Sie wusste nicht ob sie erst lachen oder weinen sollte. Irgendetwas war nicht in Ordnung, ganz und gar nicht in Ordnung, wie konnte so etwas sein, wie konnte sie so etwas fühlen. Sobald sie die Zehen im Wasser hatte, fühlte sie diese kraftvolle Welle die sich in ihrem ganzen Körper ausbreitete. Sie spürte die Welle bis in die Haarspitzen, sogar die kleinen Luftbläschen, die sich im Wasser bildeten, spürte sie prickeln. Doch es war nicht unangenehm, nur die kraftvolle Energie, die sich durch ihren Körper rollte, erschreckte sie. Es war als sei sie mit dem Meer verbunden, als wäre das Wasser in ihr und sie im Wasser. Melanie war wie in ihrem Traum, eins mit dem Meer. Sie fühlte es. Sie musste herzhaft lachen, als hätte sie etwas gefunden was sie seit Ewigkeiten suchte, ein Welle des Glücks und der unendlichen Liebe überkam sie in dem Moment indem das Wasser ihre Füße berührten. sie fühlte gleich würde sie von der kraftvollen Welle in die Luft gehoben um dann mit den Wellen wieder ins Wasser gespült werden, der Sog der sie anscheinend wieder ins Wasser zog wurde immer stärker und schneller, es fühlte sich an als würde sie in einen Strudel gezogen der immer schneller wurde. Doch bevor dieses passieren sollte, zog sie ihre Füße so schnell wie möglich aus dem Wasser und stand im Trockenen. Dies alles geschah innerhalb weniger Sekunden. Ein Rest dieses Gefühls blieb mit den restlichen Tropfen Wasser auf ihren Füßen. Sie fühlte sich leicht benommen und schlendert Gedanken versunken zurück zu ihrem Platz. Ihre Freunde amüsierten sich immer noch im Wasser. Melanie war noch verstört. Was war das eben bloß. So etwas hatte sie noch nie gefühlt, sie hatte noch nie etwas Vergleichbares gehört. Es war fast wie ein Rausch, von dem man mehr bekommen möchte. Eigentlich wollte sie sich sofort in die Fluten stürzen um noch mehr davon zu erleben. Dieses Gefühl mit den Haien und Delphinen in gleicher Geschwindigkeit schwimmen zu können, dieses Gefühl des vollkommenen Glücks und der Vollkommenen Zufriedenheit. Doch etwas in ihr sagte Stopp, langsam noch nicht. Und dann diese Kraft, die dahinter steckt, sie spürte die reine unbändige Kraft der Natur des Wassers. Nichts vergleichbar Starkes gab es noch mal auf der Welt und nichts was diese Naturkraft aufhalten konnte, erkannte Melanie. Diese enorme Kraft konnte alles Leben entstehen und leben lassen, aber auch alles zerstören, das fühlte Sie genau. Ihr war diese Kraft unheimlich und sie beschloss traurig vom Meer Abstand zu halten. Wie sollte sie damit umgehen, und vor allem was sollte das Ganze? Je mehr sie darüber nachdachte und keine Antworten fand, desto unheimlicher wurde ihr die Sache. „Na du bist ja doch nicht gekommen, mein Schatz." Stefan riss Melanie aus ihren Gedanken und küsste sie mit seinem nassen Gesicht, am ihren Nacken, wo ihre langen, schwarzen Haare zu einem Zopf hoch gebunden waren. Wie in Zeitlupe spürte Melanie wie Stefans Meereswassertropfender Mund sie berührt. Jedes einzelne Wasserpartikel nahm ihr ganzer Körper wahr. Sie fühlte wie sie die Gefühle, Gedanken, die sie eben schon überkamen, nun mit dieser klitzekleinen nassen Berührung neu überfluteten, doch diesmal nur sehr schwach, nur die Kraft spürte sie in ihrer reinen unbändigen Form. Die Energie reichte jedoch aus, dass sie erschrocken hochsprang und sich am Nacken rieb. „ Ne! Ich hatte keine Lust, kannst du dich nicht erst abtrocknen bevor du dich so anschleichst." Fuhr sie ihren Mann an. Stefan war entsetzt, so hatte sie noch nie auf ihn reagiert. Verwirrt starrte er sie an, nahm aber ein Handtuch und rieb sich beleidigt trocken ohne ein Wort zu sagen. Sie merkte wie sehr sie ihren Mann verletzt hat, es tat ihr in der Seele weh. Sie wollte ihn nicht von sich stoßen. Sie wollte es wieder gut machen und Stefan umarmen, wartete jedoch bewusst ab, bis er sich abgetrocknet hat. Erst dann schmiegte sie sich an ihn. „Schatz es tut mir leid, ich hab nicht nur so erschrocken, ich hab dich nicht bemerkt." Stefan murrte undeutlich ein OK.
Später wurde es Claudia langweilig und sie wollte sich wieder in die Fluten stürzen. Die Jungs pluderten wieder über Fußball. Melanie schob ihr Buch vor und log. „OH nö, heute hab ich wirklich keine Lust." Doch Stefan und die anderen kannten Melanie schon langen und erkannten diesen bestimmten Unterton. Den hatte sie jedes Mal wenn sie etwas aus vollen Herzen möchte, aber aus Sturheit oder irgendeinem anderen Grund absagte. Stefan versuchte sie zu überreden. "Schatz geh doch mit." Sie wollte ruhig antworten, doch es gelang ihr nicht ganz. "Seid ihr taub? Ich gehe heute nicht ins Wasser. Habt ihr es jetzt verstanden." Sie nahm stur ihr Buch wieder und tat so als würde sie lesen.
Sie war so wütend, wieso konnten sie sie nicht einfach in Ruhe lassen. Ihre Freunde starrten sie ungläubig an. Stefan wusste, dass sie böse werden konnte, das hatte er schon oft erlebt. Aber was hier abging war ihm zu hoch. Sie liebte das Meer. Das hat bestimmt was mit dem Tauchgang zu tun. Das war bestimmt noch der Schock. Aber das würde sich schon legen, hoffte er. Jeder hing so seinen Gedanken nach, auch Melanie. Sie konnte es doch niemanden erzählen, dass glaubte ihr eh keiner.
Diesen Abend ging sie wieder früh schlafen, anscheinend machte sie der Alkohol total müde, obwohl sie nicht viel getrunken hatte. Diesmal brachte Stefan sie wieder ins Bett und ging dann zu den anderen. Später als sie wieder aufs Zimmer wollten lief Melanie in ihrem ausgeliertem Schlafhemd an ihnen vorbei, im Begriff die Apartmentanlage zu verlassen. Stefan rief ihr verdutzt hinterher. Als sie nicht reagierte, ging er energisch auf sie zu, packte sie sanft am Arm und drehte sie zu sich. „Schatz, wo willst du denn hin?" Doch Melanie schien durch ihn durch zu schauen. Da begriff er, dass seine Frau schlafwandelte. Er nahm sie behutsam auf den Arm und trug sie wieder ins Bett. Ihm war noch nie aufgefallen, dass seine sie schlafwandelte. Was sollte das Ganze, seit dem schiefgelaufenen Tauchausflug hatte sich Melanie verändert. Er lag noch lange neben ihr wach, erst später schlief er dann doch ein. Plötzlich wachte er durch ein Geräusch auf. Automatisch tastete er im Bett neben sich, Melanie war weg. Wie von einer Tarantel gestochen sprang er aus dem Bett und rannte zur Tür. "Scheiße, jetzt ist sie weg." Stefan riss die Tür auf und schaute hektisch links und rechts den Flur hinunter, doch seine Frau war nirgends zu sehen. Er wollte schon los laufen, als zum Bad die Tür aufging. Melanie musterte ihren Mann belustigt von oben bis unten und fragte gähnend. "Wo willst du denn hin, und dazu nur in Unterhosen?" Stefan sah an sich runter, er konnte nichts sagen und kam sich verdammt lächerlich vor, langsam schloss er die Tür.
Melanie lachte über das seltsame Verhalten ihres Mannes. Er bemerkte wieder dieses grüne Schimmern in ihren Augen, es war intensiver als an den Tagen zuvor. Immer wieder irritierte und faszinierte es ihm. Melanie gähnte herzlich, Stefan ließ sich anstecken und folgte ihr wieder ins Bett. Hier kuschelten sie sich eng aneinander. Er wollte sie nicht mehr los lassen, und so ist er in einen unruhigen Schlaf gefallen. Als er wach wurde, lag Melanie noch schlafend neben ihm. Auf dem Weg zum Bad entdeckte er verwirrt eine Sandspur auf den Boden. Sein Blick folgte der Sandspur von Melanies Bettseite aus, bis zur Tür. Das konnte doch nicht sein. Stefan war entsetzt, er lag neben ihr und bemerkte nicht, dass sie das Apartment verlassen hatte? Stefan hob neugierig die Decke am Fußende des Bettes, selbst am Melanies Füßen klebte noch der nasse Sand, stellte er entsetzt fest. Er nahm sich vor abends die Tür zu abzuschließen. Was da alles passieren konnte. Ein Glück, dass sie von dieser Schlafwanderung wieder kam. Mal schauen was sie sagt wenn sie auf wachte, grübelte Stefan. Er äffte Melanie in seinen Gedanken nach. „Ich soll das gewesen sein? Ich kann mich an nichts erinnern.“ Endlich erwachte die Langschläferin. Stefan horchte auf jedes Geräusch das aus dem Schlafraum erklang. Er erwartete ungeduldig Melanies Reaktion auf die Sandspur. Sie grummelte vor sich müde hin. Es schien eine Ewigkeit zu dauern bis sie sich aus der gemütlichen Bettdecke schälte und langsam die Füße aus dem Bett schwang. Müde stützte sie ihre Ellenbogen auf die Knie, legte dann ihren schweren Kopf in ihre Hände, und gähnte laut. Mehrere Sekunden saß Melanie so da, bis sie endlich ihre schweren Augen öffnete. Sie rieb sich schläfrig die Augen und folgte mit diesen ungläubig der Sand Spur bis zur Zimmertür. Die Stimme seiner noch verschlafenen Frau erklang endlich. „Schatz, wie kommt den der Sand hier her?“ Er nahm die Zahnbürste aus dem Mund. „Sag du es mir?“ Melanie schaute überrascht zum Bad. „Ich, wieso ich? Ich hab tief und fest geschlafen.“ „Das habe ich gemerkt.“ bemerkte Stefan sarkastisch.
„Die Spuren gehen von deiner Seite aus.“ Melanie sprang vom Bett und lief zum Bad. Sie schaute Stefan skeptisch an. „Ja und? Was willst du mir damit sagen?“ Er erzählte besorgt. „Das warst du, mein Engel. Du bist schlafgewandelt.“ Sie verschränkte stur die Arme vor der Brust und schielte Stefan ungläubig an. „Ich, sicher. Quatsch. Ich schlafwandele nicht.“
Er konnte sich ein gequältes Grinsen nicht verkneifen. „Ich wusste, dass du das sagst.“ Er hielt sich die rechte Hand aufs Herz. „Schatz, Ich schwöre! Ich denk mir doch nicht so was aus. Ich und die anderen haben dich doch gesehen. Du bist echt seltsam seit dem Tauchausflug.“ Sie konnte es nicht fassen. Erst ertrank sie fast und konnte sich an den kompletten Tag nicht erinnern. Dann hatte sie wohl mit Stefan unbeschreiblichen Sex, konnte sich nicht erinnern. Und nun schlafwandelt sie. Was sollte sie ihm antworten. Sie zuckte nur mit den Schultern. „Ich mach den Sand weg.“ Doch Stefan nahm Melanie in den Arm und sie krallte sich an ihm fest, und genoss seine Wärme. „Ich werde auf dich aufpassen. Keine Sorge, wir kriegen das wieder hin.“ Er küsste sie von oben herab auf ihren Haaransatz. „Du bist schon eine harte Nuss. Aber deswegen habe ich dich vor einem Jahr geheiratet. Du kannst mir doch alles sagen. Das weißt du doch?“ Sie drückte sich an ihn. Wie sollte ich ihm das alles erklären. Ihr fehlten die Worte. Melanie blieb am Strand zurück, als die Anderen wieder schwimmen gingen. Ralf, ihr Bruder war neugierig, er blieb bei seiner Schwester. Vielleicht konnte er ja was herausfinden. Er machte sich große Sorgen um seine kleine Schwester. Er ergriff die Gelegenheit um mit Ihr zu sprechen. Ralf plauderte und versuchte sie aus der Reserve zu locken, doch Melanie ging nicht darauf ein. Er kannte seine Schwester, wenn sie was bedrückt. Sie erzählte ihm sonst auch alles. Ralf wusste genau auf welche Knöpfe er bei ihr drücken musste, um sie zu knacken. Doch keine Reaktion. Sie war mit ihren Gedanken weit weg.
Was passierte mit ihr? Sie wollte so gern ins Wasser, doch etwas hielt sie noch zurück. Als würde ihr jemand zuflüstern:" Warte es ist der falsche Augenblick, habe Geduld." Schwebte es durch ihren Kopf. Ralf stichelte weiter. -„Die Angst vor dem Wasser ist doch nur gespielt, oder." Melanie riss aus ihren Gedanken und wandte den Blick ruckartig vom Meer ihren Bruder zu, und lächelte ihn sanft wie ein Lämmchen an, wieder mit diesem Funkeln in ihren Augen, gab sie ihn zu Antwort. „Mein lieber Bruder, ich habe kein Angst vor Wasser, ich wasch mich ja auch jeden Tag.“ Sie drehte sich um und ging davon. Ralf sah ihr verdutzt nach. Melanie schlenderte am Strand entlang und versuchte an etwas anderes zu denken als an das Meer und was mit ihr los ist. Doch es gelang ihr nicht. Wieso spürte sie das Meer so intensiv, diese Kraft der Natur. Was hatte das mit ihr zu tun. Sie war ein Mensch und kein Fisch. Was hatte der Mensch schon mit der Natur zu tun, außer dass er die Natur, in der er lebt systematisch zerstörte. Nach einer Weile ging sie gedankenversunken zurück.
Claudia kam schnell aus dem Wasser gelaufen, ohne dass Melanie sie bemerkte und bespritzte sie mit ihren nassen Haaren. Melanie spürte wieder diese Energie. Hektisch begann sie sich abzutrocknen, kicherte dabei und beschimpfte ihre Freundin. Sobald sie sich abgetrocknet hatte, bespritzte Claudia sie wieder mit Wasser. Ein Teil in Melanie würde am liebsten, mehr gib mir mehr, brüllen. Sie rief zu Claudia. „Na warte, wenn ich dich erwische“, und lief auf sie zu.

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