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Racheengel der Vampire 2

Angel Wagner, Revenge Angel

Racheengel der Vampire 2

Die Suche nach dem reinen Blut


Vielen herzlichen Dank an BeKoma, meinem nervenstarken Lektor und Angel8786, die überaus geduldig mit mir viele Rechtsschreibfehler durchgegangen ist! Ich hab selten so viel über meinen teils kurriosen Schreibstil gelacht! Und ein herzliches Dankeschön an Iris, die hoffentlich die letzten Schreibmängel behoben hat! Tja ... wenn noch Rechtschreibfehler vorhanden sind ... sorry, wir haben uns echt die Augen verbogen und alles gefühlte tausend Mal durchgecheckt!


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Schwangeres Durcheinander

„Echt, ich bin dafür, wir setzen sie aus und holen sie erst zurück, wenn unsere Kinder mindestens sechzehn Menschenjahre alt sind“, stöhnte Konga, während er sich ein Glas Blut abfüllte.

Irgendwie maulte Konga nur noch rum, Jack saß am Tisch und schnibbelte an seinem rohen Steak herum, kaute derweil seelenruhig auf seinem Bissen. „Was ist los?“

„Och, nix Weltbewegendes. Joy macht mich nur komplett irre. Erst sollen die Fenster auf, dann wieder zu. Erdbeeren mit Blut im Mixer, dann tun die Füße weh, dann wieder was anderes, und mir platzt der verdammte Schädel. Ich will in die Wüste. Echt, ich mach die vier Wochen - ohne einen Tropfen Blut!“

„Kann mir nicht passieren. Angel ist so süß schwanger, ich will sie eher vollstopfen.“

Als ob er das wissen wollte. Konga grollte. „Dann lass uns die nächsten zwei Monate tauschen. Ich fass auch nicht an.“

„Nee, kein Bedarf. Joy is wirklich nicht süß schwanger. Aber lass dir gesagt sein, nach der Geburt wird es wieder besser ... meistens.“

Mit einem düsteren Knurren nahm Konga Jack die volle Gabel weg und schob sich das blutende Fleischstück in den Mund.

„Eh, das is meins! Fang dir gefälligst ein eigenes Stück totes Tier. In der Kühlung rennen noch genügend Steaks rum.“

Wenn er denn schon die Genehmigung hatte, holte Konga sich auch ein Steak und klatschte es auf einen sauberen Teller. 

Obgleich Angel auf der Terrasse in ihrem Haus in Bremen saß, hatte sie Konga zugehört. Sie stand auf und ging zum Nebenhaus, das zuvor Konga und Jack bewohnt hatten.

Wie meistens saß ihre Tochter vor dem Fernseher und zappte lustlos durch die Programme.

„Süße, hast du ein bisschen Zeit zum Shoppen?“

Joyce stellte den Fernseher aus und nickte. „Wohin fahren wir?“, fragte sie missmutig.

„Kann ich nicht sagen. Das entscheiden wir unterwegs. Geh vor deine Tür. Ich hol dich ab, wenn ich den Wagenschlüssel hab.“

Während Angel über die Terrasse zurücklief, zog Joyce sich um. 

Belustigt schaute Jack Konga zu, wie der dem Fleischstück auf seinen Teller den Kampf ansagte, was er besser mit einem Steakmesser hätte tun sollte ...

„Deine Messer sind stumpf, ich hol gleich mein Tantó.“

Vom Türrahmen aus betrachtete Angel das Geschehen und blickte von einem Vampir zum anderen. Von der körperlichen Ausstattung sah sie auf zwei Kerle, denen das Testosteron aus den Poren blitzte. Kongas schwarze Haare waren so weit nachgewachsen, dass sie ihm wild vom Kopf abstanden und er sah sooo süß unglücklich und zerknirscht aus. Obwohl dieser Funke Unbeholfenheit ihn auch wieder liebenswert machte.

Wie der erste Eindruck von einem Menschen, oh Verzeihung ‚Vampir‘ doch täuschen konnte.

Anfangs hatte er sich ja nicht von seiner Schokoladenseite gezeigt und bis LA hatte Angel auch nicht das Bedürfnis, ihn überhaupt näher zu betrachten. Doch die letzten vier Monate bekam sie ein völlig neues Bild von ihm und er tat ihr wirklich leid.

Joyce war teilweise unausstehlich und Angel wollte ihm etwas zur Seite stehen.

Zunächst fand sie es als gerechte Strafe dafür, weil er bei ihr und Jack ständig dazwischengefunkt hatte, doch jetzt sträubten sich ihre Nackenhaare. Sie wusste ja auch, es war im Endeffekt nicht böse gemeint. Und er wirkte wirklich bedauernswert und hilflos.

Von seiner Beeinflussung wusste sie ja nichts mehr ...

Angel klimperte mit den Wimpern, weil ihr auffiel, wie sehr sie ihn anstarrte, und drehte sich um.

„Jack, verrätst du mir, wo die Autoschlüssel sind? In meiner Handtasche sind sie nicht.“ 

Jack stand auf und sah Angel dabei zu, wie sie das Schlüsselbrett neben der Tür absuchte und dabei mit ihrer Nase wackelte. „Wo willst du denn hin?“

„Ich bring Jo auf andere Gedanken. Es ist ihre erste Schwangerschaft und ...“

„... und es wird auch garantiert ihre allerletzte sein!“, brummte Konga aus der Küche.

„Sei du da hinten still, sonst setzte ich sie dir gleich auf den Schoß und vergesse, was ich vorhatte, um dich zu entlasten!“, drohte Angel zurück und grinste Jack an. 

Dem verbalen Gezeter zwischen Angel und Konga folgte Jack nicht, er zog die Autoschlüssel aus seiner Jeans und wackelte damit vor ihrer Nase herum. „Handy dabei?“

Blindlings zückte Angel es aus ihrer Tasche, ohne ihre Nase hineinzustecken.

Fein, so sollte es sein, dafür gab es nun auch eine Belohnung, lächelnd stellte Jack sich vor sie. „Küsschen?“

Voller Erwartung legte sie ihren Kopf in den Nacken und keuchte leise auf, weil Jack mehr als seine Lippen über ihren halb geöffneten Mund schob. Es ging nicht anders, er hob sie an, stellte sie auf die zweite Stufe zum ersten Stock, damit er sie richtig umarmen konnte. Sein Blutweib war zwar schon recht rund um die Hüften, doch im vierten Monat für eine Vampirin genau richtig. Sachte streichelte er über ihren Bauch und hoch zu ihren Brüsten, die ebenso an Volumen zugelegt hatten. Die Gier strahlte aus seinen Augen, sachte schob er ihr T-Shirt hoch.

„Nein Jack, das ist Konga gegenüber nicht fair. Er muss sooo sehr leiden.“

„Jawohl, ich leide“, rief Konga aus der Küche. Tat er wirklich … in vielerlei Hinsicht.

„Hör auf zu lauschen“, knurrte Jack und sog an Angels Brustspitze.

Himmel, musste dieser Kerl immer so gründlich sein? Erhitzt verdrehte Angel ihre Augen und kraulte ergeben Jacks Nacken. „Lass … mich … jetzt … geh. Bitte.“

„Ich würde dich lieber kommen lassen“, flüsterte Jack gegen und massierte ihre andere Brust.

„Du bist unmöglich. Denk doch mal an deinen Freund.“

Wieder kam ein Kommentar aus der Küche herübergeflogen. „Oh ja, denk an mich. Aber damit eins klar ist, ich will nicht von dir geknutscht werden!“

Gut, wenn sich schon alle gegen ihn verschworen hatten, Jack hob gesittet seine Hände und küsste Angel nur noch flüchtig auf die Wange.

„Vorsichtig sein und …“, er beugte sich vor Angels Bauch, „… und du, pass gut auf deine Mami auf.“ Nachdem er einen Kuss auf ihren Bauch gehaucht hatte, machte Jack den Weg frei.

Hinterlistig reckte Angel ihren Po raus, schlüpfte in ihre Schuhe, schob ihre Sonnenbrille auf die Nase und ging mit anzüglichem Hüftschwung durch den Flur. Jack knurrte ihr hinterher und verschwand wieder in der Küche.

Der Wagen wurde von Angel in einer Schleife aufs andere Grundstück gelenkt. Dort sammelte sie ihre Tochter ein und reichte ihr eine weitere Sonnenbrille, denn die hatte Joyce natürlich in ihrer launischen Schwangerschaft wieder vergessen.

Endlich fuhr Angel den Benz über die Einfahrt in die Nebenstraße und bog von dort aus auf die Hauptstraße Richtung Stadt ab. „Jo, du bist nicht krank, nur schwanger. Warum scheuchst du den armen Konga so herum?“

„Will ich ja gar nicht, ich muss es aber einfach machen. Er is ja lieb, aber ich bin echt voll schwanger und das is saudoof.“

„Und das willst du jetzt die nächsten zwei Monate so weitermachen?“, fragte Angel und steuerte die nächste Tankstelle an.

„Ich hab Angst“, gestand Joyce.

„Wovor?“

„Vor allem! Schwangerschaft, Geburt und vor dem Baby. Was mache ich mit dem Kind, wenn es mich anschreit?“

„Kind, warte doch erst mal ab und ich bin auch noch da. Deinen Bruder und dich hab ich auch groß gebekommen. Dein Mutterinstinkt macht das schon.“

„Meinst du?“, fragte Joyce weinerlich.

„Sicher mein Kind, ganz sicher. Aber verrate mir mal, warum du mir das nicht schon früher erzählt hast?“

Mutlos griff Joyce nach dem Taschentuch, das Angel ihr reichte. „Weil ich nicht als unfähig angesehen werden wollte.“

Kurz streichelte sie ihrer Tochter über die Wange und stieg dann zum Tanken aus. Sie zog den Zapfhahn aus der Säule und steckte ihn in den Tank. Joyce putzte derweil geräuschvoll ihre Nase und Angel beobachtete einen Motorradfahrer, der auf die Tankstelle fuhr. Er hielt hinter den Mercedes und klappte das Visier hoch. „Angel Wagner?“

Angel nickte, obwohl sie ihn misstrauisch beobachtete. 

Der Blutsauger, der unter dem Helm zum Vorschein kam, lächelte ihr mit gezückten Fängen entgegen und nahm die Röhre von seinen Schultern. „Kannst du das hier Jack geben? Mit besten Grüßen von Harlem.“

„Sicher. Was ist das?“

Schulterzuckend reichte er den Behälter an sie durch. „Keine Ahnung. Aber Jack wollte das von Harlem haben. Mehr weiß ich nicht. Bye.“ Ohne ein weitere Worte zu verlieren fuhr er wieder davon.

Nachdenklich öffnete Angel den Kofferraum, legte den schweren, ledernen, runden Behälter hinein, ging bezahlen und stieg wieder ein. 

Niedergedrückt schielte Joyce ihre Mutter von der Seite an. „Fahren wir jetzt wieder zurück?“

„Nein, warum? Geht’s dir nicht gut?“

„Doch, ich dachte nur wegen dem Ding im Kofferraum.“

Entwarnung, Angel winkte ab und lenkte den Wagen wieder auf die Straße. „Da kann er jetzt ein paar Stunden drauf warten.“

„Und wenn es wichtig ist?“

„Jo, du bist jetzt wichtiger und wir müssen deine Ängste etwas zerstreuen.“

Ein tiefer Seufzer entwich Joyce und sie kuschelte sich wieder in ihren Sitz.

Angel steuerte auf die Autobahn und fuhr brav die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit. Während der Fahrt erzählte sie ihrer Tochter, wie sie ihre beiden Schwangerschaften erlebt hatte und wie dämlich die Väter dazu gewesen waren, was ganz im Gegensatz zu Jack stand, der sich rührend um sie kümmerte.

Dass Jack eine gute Hebamme war, wusste Joyce ja mittlerweile von Felma, aber sie begriff auch, dass sie mit Konga einen guten Vater für ihr gemeinsames Kind hätte.

„Wo fahren wir denn nun hin?“

„Waterfront und dann mal sehen.“ 

Beide genossen ihren Einkauf und hatten am Ende je zwei Tüten. Damit waren sie nicht gerade üppig beladen, aber mit übermäßig viel Schwangerschaftssachen wollten sie sich auch nicht eindecken.

Auf ihrem Rückweg steuerten sie noch den Weserpark an und Angel musste etliche Male von ihrer Tochter angeschubst werden, weil sie in die Vergangenheit driftete und vor sich hin schmunzelte. Joyce bemerkte ihr dümmliches Grinsen natürlich und fragte hier und da nach. Mit einer verzückten Schnute beantwortete Angel brav ihre Fragen. Nun ja, bis auf die sexuellen Übergriffe.

Zuletzt durchstöberten beide den Babymarkt und nun nutzten sie den großen Kofferraum bis in den letzten teppichbelegten Winkel. 

Auf ihrem Heimweg wurde Joyce wieder still.

„Erzähl“, forderte Angel sie auf.

„Ich weiß nicht, wie ich mich bei Konga entschuldigen soll“, schnaufte Joyce weinerlich.

„Nimm ihn einfach in den Arm und denk nicht weiter drüber nach. Er is so stolz auf dich und deinen Bauch. Hat er mir gestern erzählt, aber ich sollte dir das gar nicht sagen, weil er nicht wollte, dass du denkst, er würde auf dicke schwangere Mädels steht.“

„Ach, er ist stolz auf den Bauch, will mich aber dünn haben?“, fragte Joyce kritisch gegen.

Irgendwie verdrehte Joyce alles so, dass daraus eine negative Aussage wurde.

„Bitte Jo, wir sind gleich wieder zu Hause und du vergisst jetzt mal deinen Bauch. Da ist ein süßes Baby drin, was dich innig lieben wird und es muss den Platz haben, um zu wachsen. Verstehst du jetzt, worauf ich hinaus will?“

Ja, Joyce schielte auf ihre Rundung und streichelte drüber. „Ich will ein Mädchen haben. Hallo du da. Du bist ein Mädchen. Falls zu viel an dir dran ist, dann schneiden wir das ab.“

Angel lachte.

„Mama, hör auf meine Tochter auszulachen.“

„Ich lache nicht sie, sondern dich aus“, kam es säuselnd zurück.

„Mäuschen, hast du das gehört, deine Oma lacht deine Mama aus.“

Mit entgleisten Gesichtszügen konzentrierte Angel sich aufs Autofahren. Pah … Oma!

Auf dem Beifahrersitz grinste Joyce Angel neckisch wie ein Honigkuchenpferd an. „Na, deinen wunden Punkt getroffen?“

„Vor einem Jahr hätte ich losgeschrien, aber jetzt sage ich mir, ich werde ja auch nicht älter. Ergo, nein.“

„Und doch wurmt es dich ein wenig, oder?“, stichelte Joyce weiter und kicherte.

„Wenn ich ehrlich sein soll ... es ist ein komisches Gefühl.“ Angel bog in ihre Einfahrt ein.

„Deine Beine sind jünger und länger, du kannst die Tüten selber rüber tragen, du missratene Tochter. Machst mich einfach zur Oma, und das in meinem zarten Alter.“

Nun grunzte Joyce einen Lacher durch die Nase. Und die Show ging munter weiter, Angel kam in Fahrt.

„Konga, komm sofort raus! Ich hab ein Hühnchen mit dir zu rupfen!“ 

Nichts ahnend öffnete Konga die Haustür und bekam die erste Tüte in die Arme geworfen.

„Was bildest du dir eigentlich ein, mich zur Oma zu machen? Hättest du nicht besser achtgeben können?“, schnaufte Angel und schmiss die nächste Tüte, deren Inhalt sich prompt vor Kongas Füßen ergoss.

Oh Mann, er hätte ja alles gefangen, aber Angel hatte ihn eiskalt erwischt und völlig aus der Bahn geworfen. So weit hatte er sich ja wegen ihr wieder im Griff. Aber sie jetzt so wild aufbrausend zu erleben … Mal ehrlich, er hätte sie nun gerne übers Knie gelegt und ihren Arsch gestreichelt!

„Und nicht mal fangen kann der Knabe. Jo, was hast du dir da bloß für einen unfähigen Typen geangelt?“ 

Um nichts abzubekommen, lugte Jack mit einem breiten Grinsen über Kongas Schulter, was ziemlich sinnvoll war, denn er brauchte sich so nur vor der nächsten durchaus flugtauglichen Tüte zu ducken. Was er aber nicht tat. Diesmal hatte Joyce ausgeholt und Jack fing die Tüte cool mit einem Handgriff. Tja, Konga stand weiter hilflos und steif da.

Zeit für eine Versöhnung, Angel blickte ihre Tochter an und machte ein Kopfzeichen zu Konga.

Mit einem weiteren Plastikbeutel bewaffnet ging Joyce auf Konga zu. Er sah die Tüte schon fliegen, doch Joyce ließ sie einfach fallen und schlang ihre Arme um seinen Nacken. Überrascht ruderte Konga fürs Erste mit den Armen, bevor er Joyces Kuss endlich erwiderte.

Die Autoschlüssel flogen in Jacks fangende Hand, Angel ging an ihm vorbei und streichelte ihn unauffällig über den Hosenstall. „Darling, leerst du bitte den Wagen“, säuselte sie ihm zu und streifte ihre Schuhe ab.

Unschlüssig zuckte sein Kopf von Angel zum Auto und dann zu Joyce und Konga, die sich immer heißblütiger küssten.

„Kann das nicht warten?“, fragte er gequält nach Mitleid haschend und linste wieder zu Angel, die dreist über ihre Brüste streichelte. Antwort genug!

„Es kann warten!“, keuchte er und friemelte Konga den Autoschlüssel zwischen die Griffel, bevor er die Haustür zuschlug. 

Mit einem triefenden Dackelblick äugte Joyce Konga an. „Nicht böse sein. Ich bin jetzt wieder lieb und ärgere dich nicht mehr.“ Sie strich ihn mit dem Finger über die Nase und über seine Lippen. Und das alles machte sie mit einem so entsetzlich reuigen Blick, dass Konga hätte schreien mögen.

„Es wird gleich regnen. Ich würde dich ja gerne ins Haus tragen, aber dann werden die ganzen neuen Sachen nass und schmutzig, und das Autodach habt ihr zwei Hübschen auch nicht verschlossen.“

„Ich mach das Dach zu und helfe dir die Tüten wieder ins Auto zu schmeißen.“ 

Tja, Konga hatte alles erledigt, noch bevor Joyce ihm die Schlüssel abnehmen konnte. Er hob sie auf seine Arme. „Was hat Angel mit dir gemacht?“

„Wir haben geredet“, antwortete Joyce.

„Ich liebe sie“, schnaufte Konga inbrünstig.

„Aber wohl hoffentlich nicht so sehr wie mich?“

Um einer ehlichen Antwort aus dem Weg zu gehen, beantwortete er ihre Frage mit einem alles vertreibenden Kuss.

Mit ihrem Po an der Bettkante stemmte Angel sich mit ihren Händen hoch.

„Dein Sohn wird bei diesem Tempo … ein Schleudertrauma bekommen“, stöhnte sie und sah Jack mit immerfort verdrehenden Augen an.

„Meinst du das echt?“, fragte Jack unsicher und wurde abrupt langsamer.

„Himmel, nein! Ich bin kurz davor und du machst jetzt wieder schneller.“

„Es schadet dem Kind wirklich nicht?“

Ein tiefer Seufzer entrann ihrer Kehle und Angel ließ sich zurückfallen. Sie hob kurz ihren Kopf, um ihn zu schütteln und rekelte sich wieder im Laken. „Wenn’s der Mutti gut tut, kann’s fürs Baby auch nicht schlecht sein“, schnurrte sie.

Hm, Jack entzog sich ihr und legte sich hinter Angel.

„Mach ihn sofort wieder dahin, wo er eben noch war!“, keuchte sie und griff sich vortastend zwischen die Beine.

„Sweety, Finger weg, das hatte ich sowieso vor.“ Er drang wieder tief in sie ein und Angel entwich dabei ein sinnliches Stöhnen.

„Nicht so fest wie sonst, aber etwas mehr wie jetzt“, schnaufte sie und streckte ihren Po durch.

Ihre Hüfte herrisch angepackt steigerte Jack seine Stöße unaufhörlich, bis Angel so heiß kam und ihn mit ihrer Scheidenmuskulatur fast herausdrückte.

Kein Ding, Jack hielt gegen und kam ebenso. „Sweety, dir is schon klar, dass wir hiermit aus unserem Kind ein sexsüchtiges Wesen machen?“

„Wie kommst du auf solch einen Blödsinn?“, fragte Angel, kicherte und beugte sich über seine Mitte, nahm seinen Schaft in die Hand und umspielte ihn temperamentvoll mit ihrer Zunge.

„Sweety, du bist sexsüchtig“, brummte Jack, als er sah, mit welchem Erfolg sie sein Teil am Aufgeben hinderte.

„Das liegt nur an dir“, sagte sie und nahm seine Spitze im Mund auf.

Hui, ein lautes Aufstöhnen kam prustend aus seinem Mund und nun ließ Jack sich nach hinten fallen. 

Während ihrer beiden anderen Schwangerschaften hatte sie nie so ein sexuelles Verlangen wie bei dieser Schwangerschaft. Jack litt nicht darunter, es stachelte ihn eher an, Angel bei jeder nur erdenklichen Situation heißzumachen. Seit dem zweiten Monat gierte sie ihn fast in einer Tour an und bis auf den Keller hatten sie jeden Winkel ihres Hauses auf sexuelle Tauglichkeit überprüft.

Sein unregelmäßiger Atem verriet Angel, er war kurz vorm Kommen, sie ließ von ihm ab, um sich auf ihn zu setzen, nahm ihn in sich auf und kreiste mit ihrem Becken.

„Hintern anheben“, knurrte Jack und stieß sie von unten. 

In dieser Position brauchte Angel nie lange und kam ein weiteres Mal.

Etwas erschöpft sank sie auf Jack nieder, rang nach Luft und sah ihm lächelnd ins Gesicht.

„Na Sweety, geschafft?“

„Ein wenig“, kam es flötend zurück und Angel kam höher. „Küss mich mein wilder Blutsauger“, schnurrte sie, legte ihren Mund auf seinen.

Jack küsste sie ebenso mit gezückten Fängen, wie sie es tat. 

„Was hast du eingekauft? Is auch was Schönes für mich dabei?“, fragte er nach ein paar Minuten.

„Da is vieles Schönes dabei, aber man kann es erst wieder ohne Bäuchlein anziehen. Is was in Rot und in Blau und in Pink und in Pastelllila.“

„Du und Pastelllila?“, hakte Jack nach.

„Ja, himmlisch süße kleine Strampler.“

Sachte schob Jack sein Weib von sich und drehte sich nun an ihre Seite. „Ach, und du hast mir nix Schönes gekauft?“, fragte er wie ein kleines beleidigtes Kind.

„Nee, für dich hab ich nur was von Harlem geschenkt bekommen.“

„Was? Wann? Wer hat es dir gegeben? Und wo ist es?“

„Was, weiß ich nicht. Wann, als ich auf der Tankstelle einen Zwischenstopp eingelegt habe. Von wem ich es bekam, ein Motorradfahrer hat es mir in die Hände gedrückt und es liegt im Kofferraum.“

Weil ihn die Neugier gepackt hatte, drückte Jack Angel einen entschuldigenden Kuss auf und schwang seine Beine über die Bettkante. Erst wollte Angel protestieren, doch dann blieb sie ruhig. 

Mit einer abgetragenen, ausgeleierten Jogginghose bekleidet, was ihm offensichtlich ausreichte, rannte Jack die Treppe runter, ließ die Haustür offen und stellte schnell fest, dass das Auto ordnungsgemäß abgeschlossen war. Mist!

Derweil zog Angel sich ein Sweatshirt von Jack über, das ihr fast bis an die Knie reichte und ging in die Küche. Trotz Spezialblut trank sie seit drei Wochen viel zu viel.

Rastlos kam Jack wieder ins Haus. „Sweety, wo ist der Schlüssel für den Benz?“

„Hast du den vielleicht Konga in die Hand gedrückt?“

„Ja doch, hab ich, danke. Bin gleich wieder da.“ 

Energisch klopfte Jack an die Tür seines ehemaligen Hauses und wartete und wartete - trommelte erneut mit seiner Faust drauflos.

„Wenn das jetzt nicht außerordentlich wichtig ist, dann schlag ich dir den Schädel vom Hals ab!“, dröhnte es aus dem Flur. Konga riss die Tür auf. „Was?“, fragte er recht bärbeißig und nur mit einem Kissen vor den Kronjuwelen.

Scheißregen, Jack sah in den Himmel, der gerade beschloss, im Strömen das Wasser freizugeben. „Gib mir die Schlüssel für den Benz und du bist mich sofort wieder los!“

Gnädig ließ Konga den halbnackten Affen im Flur warten und ging in den Wohnraum. Derweil schmulte Joyce um die Ecke. 

Jepp, Jack bemerkte, es mangelte auch ihr an verfügbarer Bekleidung und drehte sich anstandshalber um. Der Schlüssel fand sich in Kongas Hosentasche wieder. Er brachte Jack den Schlüssel nicht, nein, er warf ihm das Teil frech grinsend zu. Kommentarlos fing Jack den Autoschlüssel und sah Konga schmunzelnd an. „Wenn du Zeit hast ... Harlem hat den dritten Teil geschickt. Liegt im Wagen, ich hol ihn jetzt.“

„Noch nicht. Joy dreht mir sonst wieder das Genick um.“

„Verständlich. Komm, wenn sie Heia macht.“

Konga nickte und hörte nur noch, wie Jack die Tür zuknallen ließ. 

Hirnlos im Kofferraum kramend, bugsierte Jack dann doch erst mal die vielen Tüten in den Flur. Einschließlich der zweiten Ladung kam der längliche Behälter mit und Jack ging damit in den Wohnbereich. Er öffnete die Röhre und entrollte zwei Dinge. Das Erste war das Bild von Angel, das er in der Berliner Unterwelt von ihr gemalt hatte. Das Zweite und momentan wichtigere, war der dritte Teil einer aus vier Teilen bestehenden Karte. Die anderen bereits vorhandenen beiden Teile holte er aus dem Schrank und legte sie aneinander.

Leise aber unter Hochspannung kam Angel aus der Küche und reichte Jack ein Glas. Ruhelos blieb sie vor der Karte stehen und beäugte die Zeichnungen genauer.

„Die liegen verkehrt.“ Ohne einen Kommentar abzuwarten, drückte Angel Jack ihr Glas in die Hand und tauschte zwei Teile aus.

„Woher weißt du, dass sie jetzt richtig liegen?“

Als Antwort nahm sie ihm ihr Glas wieder ab und trank schweigsam weiter. Wortlos sah sie Jack mit einem prüfenden Blick an und verzog sich in die Küche.

Quälende Funkstille, seltsam … Jack wusste nicht, was er denken oder sagen sollte, als er ihr hinterher sah. „Sweety, ist irgendwas?“

Angel füllte sich ein halbes Glas nach. Grüblerisch blickte sie aus dem Fenster und dachte still über ihre Visionen nach, die sie am heutigen Tag schon mehrfach heimgesucht hatten. 

Irritiert, weil er sein Weib so nicht kannte, ging Jack ihr hinterher. „Was hast du?“

Mit einem schrägen Blick schaute Angel über die Schulter. „Ich weiß, wo der letzte Teil ist und ich werde es dir erst sagen, wenn unser Kind da ist.“

„Woher willst du wissen, wo der vierte Teil ist?“

„Weil ich ihn gesehen habe“, antwortete Angel ruhig und sah ihn wieder über den Rand ihres Glases an.

„Okay, und warum willst du es mir nicht sagen?“

„Weil ich dich kenne und du sofort losrennst.“

Nein, Jack konnte nicht deuten, was hinter Angels Stirn vor sich ging und es machte ihn wahnsinnig. „Das hatte ich diesmal aber nicht vor, denn unser Kind ist viel wichtiger.“

Mit angehobener Braue stellte Angel sich unter Jacks Nase und blickte ernst zu ihm auf. „Und was machst du, wenn es da ist?“

„Der Plan könnte für uns von großer Bedeutung werden.“ Mehr gab er nicht preis.

„In meiner Sprache heißt das übersetzt: Schatz, warte mal eben, ich muss die Welt bereisen und was suchen. Bleib schön brav hier, ich komm bald wieder!“

Jack sah Angel an und verstand nichts mehr. „Du könntest es verantworten, ein Baby auf so eine vielleicht gefährliche Reise mitzunehmen?“

„Nein, aber es findet sich immer ein Weg, oder nicht? Und außerdem, wie kommst du darauf, es wäre eine gefährliche Reise?“ 

Nun ging Jack stumm ins Wohnzimmer zurück und rollte alle drei Teile auf. Er verstaute sie zusammen in der Röhre und ging wieder in die Küche.

„Hier.“ Er reichte Angel die Röhre. „Alle Teile sind drin. Deine Entscheidung. Ich passe mich deinem Entschluss an.“

„Ist das dein Ernst?“

„Ich bin nicht wie mein Vater und auf die paar Jahre kommt es jetzt nicht mehr an. Ich habe dich und du bist alles!“

Kurz zögerte Angel, atmete schwer ein und reichte Jack die Röhre doch zurück. „Ein paar Jahre Zeit, um sie zu studieren. Pack sie ins Klappfach vom Sofa.“

Tat Jack und ließ sich ratlos ins Polster fallen.

Angel kam hinzu und setzte sich auf den Sessel ihm gegenüber. „Du weißt, warum ich so reagiert habe?“

„Angel, ich bin nicht dumm. Du hast Angst um mich.“

„Richtig, aber ich denke da an unser Kind, dessen Vater manchmal, weil er schon länger auf dieser Welt ist, meint, dass er vieles im Alleingang lösen kann. Jack, ich vertraue dir, aber ich vertraue den anderen nicht. Mein Leben ist lange nicht so lang wie deines, aber ich habe Personen einknicken sehen, von denen ich dachte, sie würden wie Felsen alles überstehen. Ich bin hintergangen worden und das auf übelste Weise, und ich musste es alleine wegstecken. Keiner hat mein Händchen genommen und mich getröstet. Jack, ich wusste seit unserem ersten Bluttausch, dass dein Leben immer wieder an einem seidenen Faden hängt. Dieser Plan ist im Moment dein Todesurteil. Ich hab es sofort gefühlt, als ich das Papier anfasste. Und ich konnte als Letztes sehen, wie du tot an einer Wand geklebt hast. Ziemlich filmreif, wenn du mich fragst, aber dein Kind wäre davon sicher nicht begeistert.“

Nun ja, sein Gesicht konnte sie nicht erkennen, aber die vielen Holzpflöcke, die aus seinem ganzen Körper ragten schon.

Eine Offenbarung, die ihn schlucken ließ. Jack sackte etwas in sich zusammen. „Wie oft hast du diese Eingebungen?“

Nie zuvor blickte Angel so ernst zu Jack rüber. „In der letzten Zeit weniger. Die erste Eingebung kam an der Tankstelle. Ich sah Harlem, der lachend in seinem Sessel saß und Bescheid wusste.“

Ihr Wissen jagte ihm eine Gänsehaut über den Rücken, Jack schloss seine Augen.

„Sie wollen dich aus dem Weg haben, weil du der Letzte bist ... obwohl du es nicht bist. Terrag hatte recht und er lebt noch. Diese Eingebung hatte ich eben in der Küche. Er hat eine ganze Horde in seinem Schloss. Sie werden uns aber momentan nicht angreifen, weil Terrag die Fäden über andere Wege spannt. Als Beispiel, wie dicht unsere Zukunft zusammenhängt ... Joyce kennt Konga seit ihrem sechzehnten Lebensjahr, sie ist ihm im Park begegnet und wusste seit diesem Tag, sie würde für ihn sterben. Jack, du hast keine Ahnung, was mit diesem Plan über uns kommt und doch ist es deine einzige Chance, gegen Terrag anzutreten. Conner und Fischer waren Idioten gegen deinen Vater und Harlem spielt ebenso falsch. Du kannst die Staatenvampire fragen, sie kommen am Wochenende her. Ich habe ein Hotel für sie gemietet und Sonntag kommen alle zu uns raus. Sie sind auf unserer Seite, aber du solltest feststellen, ob und wie ehrlich ihr Vertrauen ist.“

Skeptisch starrte Jack Angel an. „Die Staatenvampire verlassen ihre Städte nicht!“

„Doch, denn sie vertrauen mir, seit wir allen das Leben gerettet haben und außer dir weiß es keiner. Selbst sie haben niemandem Bescheid gegeben. Nicht mal Familienmitglieder wissen es. Es herrscht strengste Geheimhaltung. Und damit du mir glaubst. Der vierte Teil hängt auf Kevs Katamaran in dem OP-Raum über der Tür in einem goldenen Rahmen. Er ist im Übrigen Harlem nicht zugetan.“

Interessiert nahm Jack den Hinweis über den Standort des letzten Teils zur Kenntnis, ignorierte ihren letzten Satz aber. „Wann hast du die Staatenvampire eingeladen?“

Angel lächelte. „Sie hatten eigentlich mich eingeladen, aber ich wollte sehen, wie weit sie für uns gehen.“

„Wann?“

„Vor einer Woche.“

„Und wann hättest du es mir erzählt?“, wollte Jack wissen.

„Heute Nacht, damit du keinen Schlaf findest.“

„Den hab ich jetzt ohnehin nicht mehr, weil ich momentan nicht mehr weiß, was ich überhaupt noch denken soll und wem ich vertrauen kann.“

Süß, Angel neigte ihren Kopf mit einem einnehmenden Lächeln auf die Seite. „Vertraue mir.“

„Das tu ich allemal.“

„Dann solltest du Konga einweihen und ich sorge für Jo.“

„Angel, ich komm auf dich nicht klar. Wieso weißt du so viel?“

Angel legte ihren Kopf auf die andere Seite, schmunzelte und blickte Jack liebevoll an. „Ich habe meine Bestimmung gefunden und das ist, dein Leben zu schützen. Für deinen Erhalt und unser Kind bin ich da.“ 

Einen Augenblick betrachtete Jack sein Weib und lehnte sich zurück. „Welche Rolle bleibt da für mich? Bin ich das kleine Kind, auf das du aufpassen musst? Wie bin ich dann die letzten fünfhundert Jahre am Leben geblieben?“

„Missverstehe mich nicht. Ich bin nur der Übergang. Nachdem du den klärenden Teil übernommen hast, werde ich vielleicht deine Hilfe brauchen, aber dazu kann ich momentan nichts sagen. Ich weiß nur, dass unser Sohn nicht so leicht auf die Welt kommen wird. Du wirst eine Menge mit mir zu tun haben. Aber Kev wird auch da sein. Und ich werde nicht mit den Vampiren verhandeln, ich überprüfe nur, ob und wer nicht vertrauenswürdig ist.“ 

Zum ersten Mal sah Jack Angel beinahe wie einen Schutzengel an. „Hat der Himmel so viel Vertrauen in mich, dass er mir einen Engel überlässt, den ich eigentlich nicht verdiene?“

Mit einem leichten Schulterzucken stand Angel auf, ging zur Terrassentür, stellte sich auf die einzelne Stufe und sah dem Regen zu. „Gehen wir wieder ins Bett?“

Lange ertrug er es nicht, wenn sie so angespannt dastand, Jack stellte sich hinter sie und nahm sie in den Arm. Befreit von ihren quälenden Gedanken lehnte Angel ihren Kopf an seine Schulter. „Unser Leben wird ein einziges Abenteuer und Jack, bitte nach diesem Kind vorerst keins mehr.“

„Okay, aber du hast meine Frage nicht beantwortet.“

Angel drehte sich in seinen Armen, sah Jack ins Gesicht und strich ihm mit den Fingerspitzen über die stoppeligen Wangen. „Ich habe von einem unglaublichen Mann geträumt, als ich zwölf war. Ich liebe dich so sehr, dass mir alles wehtut, wenn du nicht in meiner Nähe bist.“

Vielleicht hätte Angel besser in das Gesicht dieses Vampires sehen sollen …

Tränen liefen über ihre Wangen, als Jack sie hochnahm und ins Schlafzimmer trug.

„Du willst deshalb auch so oft mit mir schlafen. Hab ich recht? Auf keine andere Art ist man sich so nah.“

Ihre Blicke versanken ineinander und Angel nickte leicht. Doch innerlich war ihre Seele eher auf einer seltsamen Suche, doch das Ziel blieb verborgen. Noch.

Als Konga in dieser Nacht kam, schickte Jack ihn mit den Worten zurück, sein Engel würde warten und alles andere könne sich dementsprechend auch in Geduld üben, einschließlich des Blutsaugers vor seiner Nase.

Kev und Felma kamen einen Tag vor den Staatenvampiren und brachten selbstverständlich Flora mit. Die junge Dame hielt alle in Atem, denn ihre Entwicklung ging rasend voran. Mit ihren knappen vier Monaten krabbelte sie wie ein Weltmeister durch Angels Haus und biss jedem, der nicht schnell genug war, ins Bein. Besonders in der Küche hielt sie sich gern auf, denn hierher kamen alle zum Blut trinken zusammen. Natürlich roch Flora den verlockenden Duft, sie versuchte ihre ersten Klimmzüge an den Stühlen, und auf Jacks Beine hatte sie es besonders abgesehen.

„Wie hältst du das mit dem Wirbelwind nur aus?“, fragte Jack Kev in einer ruhigen Minute.

„Zupacken und knuddeln oder Felma durchreichen. Sie will einen ganzen Stall voller Minibeißer haben und ich hab mich dazu bereiterklärt, wenn ich einen abgetrennten Bereich für mich bekomme. Echt, sie liebt Kinder über alles und ich muss aufpassen, sonst klaut sie unserem befreundeten Pärchen den Sohn. Ach übrigens, sie will dich als persönliche Hebamme buchen, also stell dich drauf ein und lass dir ja nicht einfallen, das abzulehnen.“

„Solange es nur das ist. Wann kommt denn das Nächste?“

„Ich ‚darf‘ es ansetzen, wenn Flora ein halbes Jahr ist oder mit dem Sprechen beginnt.“

„Dann hast du ja noch ein paar ruhige Tage.“

„Ha, ruhige Tage! Flora schläft momentan eher bei uns und sie beißt hin, wo sie etwas zu fassen kriegt und ich schlafe momentan nur auf dem Bauch. Es reicht, dass mein Hintern ein Sieb ist!“

Mitfühlend verzog Jack sein Gesicht.

„Ha, erwischt! Du überlegst gerade krampfhaft, wie du zu einem Einzelzimmer kommst, um wenigstens schlafen zu können.“

Jack nickte und schrie gleich wieder einen Schmerzlaut hervor, weil Flora hinter dem Sofa vorkam und unentdeckt seine Wade von hinten erwischte. Vorsichtig zog Jack die kleine Lady von seinem Bein ab und hob sie mit einem bösen Blick hoch.

Boah, konnte eine kleine Rotzziege unschuldiger lächeln und glucksen?

 „Und? Kannst du ihr jetzt noch böse sein?“, erkundigte sich Kev mit einem frechen Schmunzeln.

Unmöglich, Jack schäkerte mit Flora und hielt seinen Finger etwas zu lange vor ihre Nase. Sie packte zu, streckte ihre kleine Zunge raus und biss Jack fest in den Finger.

„Nee, junge Dame! So nicht, das tut weh!“ Jack streckte ihre kleinen Finger durch und tat so, als ob er zubeißen wollte.

Flora bekam große Kulleraugen, guckte zu, zog ihre Hand weg und biss sich selber in den Finger. Natürlich hackte sie, wie immer, voll zu und hielt jäh inne. 

Die beiden Vampire beobachteten sie und bemerkten, wie weh es ihr tat, aber sie verzog nur ihr Gesicht und entließ ihren Finger wieder dem Mund. Jepp, die junge Lady war hart im Nehmen. Sanft wischte Jack ihre blutigen Finger ab und blickte ihr ins nachdenkliche Gesicht. „Das tut weh, was?“

Langsam sah Flora von ihrer Hand zu Jacks, nahm seinen Zeigefinger in ihre kleine Patschhand und streichelte ihn fürsorglich. „Aua“, brabbelte sie und streichelte auch ihre Fingerchen.

Abrupt hielt Kev den Atem an. „Sag das jetzt bloß nicht Felma! Ich will noch kein zweites Kind, nur weil Flora ‚aua‘ gesagt hat.“

„Ich schweige wie ein Grab. Übrigens möchte ich mich für meine unmanierliche Art entschuldigen. Ich war auf deinem Kata nicht gerade freundlich.“

„Gegessen. Du hast Felma ja auch geholfen.“ 

Inzwischen sann Flora wieder nach einer Fluchtmöglichkeit und rutschte von Jacks Schoß. Sie sah sein Bein an und dann ihre Finger. Erwartungsvoll beobachteten beide die junge Dame und staunten. Nein, sie biss nicht mehr zu und krabbelte Richtung Küche.

„Ich hab dir übrigens mit Angels Erlaubnis etwas mitgebracht, was du gesucht hast. Ich hab das Teil von Conner. Der hat es mir zum Aufpassen gegeben, aber nun ist er nicht mehr und ich brauche es nicht. Das Abenteurerblut in mir muss mindestens zehn Kinder abwarten.“ Kev griff in seine Reisetasche und zog eine Röhre hervor.

Dankend nahm Jack den vierten Kartenteil an sich und versteckte ihn bei den anderen drei Teilen.

„Um was geht es bei der Schatzsuche?“, fragte Kev neugierig.

„Erzähl ich dir später. Die Frauen kommen und ich möchte Angel damit nicht aufregen.“

Verständnisvoll nickte Kev und lehnte sich zurück. 

Felma, Angel und Joyce kamen über die Terrasse. Konga war noch unterwegs um Blut zu organisieren.

Vorsichtig linste Angel um die Ecke. „Wo ist die beißwütige Spitzmaus?“

„In der Küche. Wo sonst?“, antwortete Jack.

„Flora, komm mal her“, rief Felma und die Kleine kam ratzfatz um die Ecke gekrabbelt, direkt auf ihre Mutter zu. Felma nahm sie hoch und reichte ihr eine Nuckelflasche mit Blutfüllung.

Freudestrahlend griff Flora sie mit ihren kleinen Händen und legte sich zufrieden in Felmas Arm zurück. Kaum, dass die Flasche mit wenigen Zügen leer war, schlief sie nach einem lautstarken Bäuerchen ein. Teamwork, Felma setzte sich zu Kev und reichte ihm seine schlafende Tochter gleich durch.

„So mag ich sie am liebsten“, gurrte Kev und bekam dafür einen Schubs von Felma.

„Hey, lass das, sonst wacht sie wieder auf!“, zischte er seinem Weib leise zu.

„Gewöhn dich dran. Ab dem Dritten ist immer eins wach.“

Kev rollte mit seinen Augen, aber so, dass Felma es nicht sah.

„Und mit den Augen rollen brauchst du auch nicht.“

Entrüstet sah Kev sich nach seinem Weib um. „Hab ich gar nicht!“, protestierte er und stoppte jedweden weiteren Kommentar mit einem verzückten Kuss.

Derweil ging Joyce mit einem Seufzer in die Küche und goss sich ein Glas ein. Halb Blut, halb Cola und sie trank diese sich seltsam verflockende Mischung zügig aus. 

Unterdessen zog Angel Jack ohne Worte vom Sofa hoch und hinter sich her.

„Wo wollen wir denn hin?“, erkundigte er sich leicht aufgekratzt.

„Keine Kinder machen, so weit kann ich Auskunft erteilen“, säuselte sie und lockte ihn hinter sich her, bis sie in der Garage landeten.

„Und was wollen wir hier?“, fragte Jack und bemerkte, wie sie ihn ansah. „Sweety, ist das jetzt nicht etwas unpassend?“

„Heb mich auf den Kofferraum ... sofort ... oder ich schreie!“

Oh Weib, Jacks Atem beschleunigte sich, denn ihre Art und Weise ließ keinen Einwand zu. „Sweety, bitte später. Wir haben Gäste.“

Na gut, dann bekam er halt eine intimere Einladung, Angel zog ihren Rock hoch und ließ ihn schräg zusehen, was sie ‚nicht‘ drunter trug. Den Kloß in seinem Hals schluckte er runter, blickte auf und in Angels glühende Augen.

„Ich will an deinem Hals saugen“, schnurrte dieses verruchte Weib und zog ihn jählings an sich.

Ihre Fänge waren längst vollständig draußen und Angel gierte mit gefletschten Beißerchen auf seinen Hals. Lächelnd blies Jack ihr sachte seinen warmen Atem ins Ohr. Animiert durch dieses irre schöne Gefühl, stöhnte Angel sinnlich und keuchte im nächsten Augenaufschlag erregt auf, weil er tief in sie eindrang.

Oh ja, das war heiß, Jack streckte seinen Hals durch und ließ Angel zubeißen. Sie sog an ihm und bekam gleichzeitig seinen Schaft in voller Länge zu spüren.

„Is dasch … geil“, schurrte sie samt Blut im Mund und sog weiter, bis Jack seinen Hals etwas von ihren Fängen abzog. Ein Zeichen, sie solle aufhören.

„Wie sieht das aus, wenn ich bleichgesichtig wieder reingehe?“, schnurrte er leise.

Damit er nicht gleich wieder auf eine Ausrede oder womöglich Fluchtidee kommen würde, bog Angel ihren Körper durch und ließ ihren Kopf nach hinten sinken. Eine offenkundige Einladung, denn so präsentierte sie ihm ihren überdehnten Hals. Selbstredend kam er vor und biss in ihre Vene. Eine weitere Gegenreaktion blieb nicht aus, sie stöhnte heftig und drückte ihr Becken drängend vor seines. Jack ließ von ihrem Hals ab, was er sonst nicht tat, und küsste sie mit dem Blutschwall, der noch in seinem Mund war. Ihr eigenes Blut lief in ihren Hals und Angel drehte immer mehr auf. Doch Jack musste die Wunden an ihrem Hals wieder verschließen und löste seine Lippen widerwillig von ihren. Als er ihren Hals wieder freigab, folgte die nächste Zerstreuung, damit er nicht zum Denken kommen konnte, sie zog seinen Kopf wieder vor ihren. „Küss mich noch mal!“

Konnte sie haben, Jack züngelte sie rasch und Angel kam schneller, als ihr lieb war.

„Ich liebe dich so abgöttisch“, keuchte sie.

Jack ergoss sich in ihr und drückte sich an sie. „Kannst du das ertragen?“, fragte er sie leise.

„Ich kann alles von dir ertragen!“ 

Zur Belohnung gab’s ’nen feurigen Zungennachschlag, bis beiden der Atem ausging.

„Besser wir gehen durchs Bad wieder rein. Wir sind beide mit Blut beschmiert, als ob wir eine Blutorgie gefeiert hätten“, summte sie ihm zu, leckte über sein Kinn und fieberte abermals auf seine Zunge, musste seinen Mund stopfen.

„Sweety, lass uns wegfahren und uns gegenseitig totficken.“

„Okay, du fährst.“

Beide lachten und gierten wieder auf ihre Münder. Jack zog Angel hoch und wieder an sich heran. „Wenn die Staatenvampiren im Haus sind müssen wir uns aber zusammenreißen.“

„Okay, ich setze mich dann nur dezent auf deinen Schoß.“

„Den Teufel wirst du tun!“, knurrte Jack und zerriss ihr Shirt.

Ihre Brüste waren ebenso nackt, wie sie unten herum war. Ja, die weichen wonnigen Dinger waren eben zu kurz gekommen, Jack beugte sich über ihre Brust und leckte über die blutverschmierte Spitze. Sinnlich bog Angel sich nochmals Jack entgegen. Mit flinken Küssen wechselte er die Seiten und sog rigoros an ihrer anderen Spitze, bis Angel ebenso spitz aufschrie. Dominant und mit einem smarten Grinsen biss Jack zu. Ein irres Gefühl durchflutete Angel, welches sie so noch nie erlebt hatte. Jack trank durch ihre Brust von ihr. Ihr Unterleib reagierte ordnungsgemäß und Angel bekam einen heißen Abgang, den sie großzügig an Jacks Hose abspritzte.

„Sweety, wenn wir unseren Gästen so unter die Augen treten, werden sie von uns denken, wir hätten in der Garage einen Verkehrsunfall gehabt.“

War ihr egal, verklärter konnte sie nicht lächeln, Angels Hände zog ihn am Nacken wieder heran.

„Nein Darling. Jetzt ist es genug!“ 

Oh, oh, Angels Augen sprühten Funken und sie hörte gar nicht, was er sagte und ihr Mund schoss abermals vor. Irgendwie nahm das hier kein Ende, Jack züngelte sie unkontrolliert und riss sich nach weiteren Minuten widerwillig von ihr los.

Eigentlich hatte Angel noch lange nicht genug, aber sie ließ sich von Jack in seine Arme nehmen und von dem verbeulten Kofferraum heben.

Ohne auf ihren Protest zu achten, trug Jack Angel wieder ins Haus und direkt an der Stube vorbei. Joyce sah die beiden an und schreckte zusammen.

Tja, beide sahen auch gefährlich blutverschmiert aus.

„Entwarnung, nix Schlimmes passiert. Wir hatten nur einen horizontalen Verkehrsunfall“, murmelte Jack breit grinsend. Derweil vergrub Angel ihr errötendes Gesicht an seiner Brust und lachte leise. „Wir sind gleich wieder da.“ 

Um weiteren Übergriffen seines Weibes zu entkommen, setzte Jack Angel neben der Badezimmertür ab. „Du duschst alleine. Ich hol dir neue Klamotten.“ Schwups war er weg.

Beim Ausziehen sah Angel sich ihre ramponierten Sachen an und stellte sich seitlich vor den Badezimmerspiegel, um ihren Babybauch zu betrachten. „Jared“, murmelte sie schmunzelnd.

„Gefällt mir“, flüsterte Jack, der wieder im Türrahmen stand und streichelte ihr - keine Sekunde später - von hinten über den Bauch. „Aber verrate mir, warum du annimmst, dass es ein Junge wird?“

„Keine Ahnung, aber es wird ein Junge“, sagte sie leise und lächelte Jack durch den Spiegel an. „Jo wird enttäuscht sein. Ich denke, sie wird vielleicht auch einen Jungen bekommt.“

„Und sie möchte lieber ein Mädchen?“, hakte er nach.

„Ja“, seufzte Angel und fügte dramatisch hinzu, „Sie will dann aber alles Überflüssige abschneiden.“

Von der bloßen Vorstellung verzog Jack sein Gesicht. „Das tut doch weh!“

Süß, wie verkniffen er guckte, Angel zwinkerte ihm frech durch den Spiegel zu. „Och, das kriegen wir schon hin.“

„Eh, macht keinen Scheiß! So ein kleines Lümmelchen wird irgendwann groß und hat eine Funktion.“

„Ach, und Mädels haben keine Funktion?“, fragte Angel anzüglich.

„Ich werde das Konga petzen! Jawohl!“

Nochmals seufzte Angel und ging unter die Dusche. Nicht weniger mit Blut beschmiert, zog Jack es jedoch vor, nach Angel zu duschen.

Inzwischen zeigte Angel ihm frivol ihre bezaubernde Rückseite. „Schrubb mir mal den Rücken.“

Kein Thema, sie hatte ihn weiterhin voll im Griff, er starrte sofort auf ihren Po und fing auch dort an zu waschen.

„Oben is auch noch etwas Rücken“, flötete Angel.

„Ja gleich. Dein Po ist so furchtbar schmutzig. Denk doch an den bösen dreckigen Kofferraumdeckel!“

„Sicher, du hast ihn ja schon so lange nicht mehr gewaschen ... Wann war es doch gleich? Heute Morgen?“

„Sweety, sei doch nicht so pingelig.“

„Was? Wer wäscht denn meinen Hintern pausenlos? Ich hab da bald keine Haut mehr darauf.“ Angel wusste schon, dass er ihn eher streichelte, aber nun neigte sie ihren Oberkörper vor und Jack sah etwas auf sich zukommen, das einer besonderen Reinigung bedurfte.

„Von einer Innenwaschung ... hatte ich aber ... nicht gereeedet“, keuchte sie erhitzt.

„Junior mag es sauber“, brummte Jack lümmelhaft und schob seinen Finger tiefer.

„Ach ... jaaa?“, stöhnte sie und hielt sich an der Duschstange fest.

„Sweety, sei leiser. Unten können sie alles hören. Wir haben nur Vampire zu Besuch.“

„Dann mach ... schneller.“

„Dein Wunsch sei mir Befehl.“

Als Jack ohne Angel wieder zurückkam, grinsten Kev und Felma ihn wissend an.

Joyce spielte, um sich abzulenken, mit Flora und warf Jack eher einen cholerischen Blick zu. „Ich hab Kev und Felma angeboten, bei uns zu schlafen. Die beiden halten es bei euch sicher keinen Tag aus.“

Kopfkratzend griente Jack verlegen in die Runde. „Wäre vielleicht besser“, gab er zu.

Gedankenversunken und mit einem Lächeln im Mundwinkel warf Felma ihrer Tochter einen kleinen weichen Ball zu, den die Kleine sauber auffing. „Sie sind seelennah, da kommt es vor, dass sie ihre Finger nicht voneinander lassen können. Meiner Schwester geht es ähnlich. Ich hab damit kein Problem.“ Sie warf Kev einen rotzigen Blick entgegen.

„Konga kommt“, murmelte Jack, um der Situation die aufkeimende Spannung zu nehmen, denn er hörte seinen Wagen schon, bevor er in die Einfahrt einbog.

„Dann mach ihm auf“, sagte Joyce eine Spur zu grantig und fing den Ball, den Flora ihr zuwarf.

Jäh sprang Jack auf und war sichtlich froh, dieser peinlichen Lage zu entfliegen.

Beladen mit etlichen Kisten gingen die beiden Vampire in die Küche.

„Wo hast du das alles her?“

„Wenn die Bude am Sonntag voll wird, was willst du deinen Gästen dann reichen?“, entgegnete Konga und packte eine Erweiterung für die Pumpe aus.

„Is schon klar, aber sind das nicht ein bisschen viele Kisten?“

„Soll ich sie wieder wegbringen?“

Kopfschüttelnd half Jack Konga, die Pumpanlage zu vergrößern.

Mittlerweile stand auch Angel im Türrahmen und beäugte die Kisten. „Na hoffentlich reicht das!“

Entsetzt fuhr Jacks Kopf herum. „Sweety, wie viele Vampire hast du eingeladen?“

„Wenn alle meiner Einladung folgen, dann werden über fünfzig Vampire kommen.“

„Himmel“, stöhnte Konga, „muss ich jetzt noch mal los?“

Nachdenklich blickte Angel von Jack zu Konga. „Jack und ich könnten ja noch ein paar Kisten besorgen.“

„Nee, Sweety. Ich liebe dich, aber wenn wir zusammen losfahren, dann kommen wir ja gar nicht erst aus der Garage.“

„Stimmt“, gab sie kleinlaut zu.

Mit einigen Gläsern und dementsprechenden Blutkonserven ging Jack wieder in die Wohnstube. 

Inzwischen half Angel Konga beim Auffüllen der Anlage, indem sie ihm die Konserven reichte. Beide verhielten sich ungewöhnlich still, ließen sich aber auch kaum aus den Augen. Lange war es her, dass Angel dermaßen unsicher war und nicht wusste, was sie sagen sollte.

„Ich schaff den Rest auch allein“, murmelte Konga leise.

„Ich weiß“, flüsterte Angel und reichte ihm doch den nächsten Blutbeutel. Zumindest war das geplant, doch irgendwie konnte sie den Beutel nicht loslassen und beide hielten ihn fest.

Eine seiner Brauen zuckte kurz in die Stirn. „Angel, lass los!“

‚Sieh mich nicht so an!‘ Warum blickte er sie so durchdringend an? Warum ließ er denn nicht los? Und warum sollte sie loslassen?

Ihr Blick musste sinken, denn sie wollte seinen dunklen Augen entfliehen, nun wanderten ihre Pupillen an ihm herunter. Doch mit dem anhaftenden Blickkontakt in Höhe seiner Mitte lösten sich endlich ihre Finger vom Beutel. Erschrocken von ihrem eigenen Verhalten, drehte sie bei und wollte gehen. 

Achtlos, weil sie völlig verwirrt war, knallte Angel, keine zehn Zentimeter weiter, prompt mit Kev zusammen, der Floras Fläschchen ausspülen wollte. Kurz verlor sie ihr Gleichgewicht, landete in Kongas fangenden Armen und damit rücklings vor ihm.

Nicht wissend, wo er so schnell unverfänglich zupacken sollte, gerieten seine Hände absolut an die falschen Stellen. Rechts wie links landeten seine Finger, durch ihr Zurücktorkeln, unter ihren Achseln hindurch seitlich an ihren Brüsten.

„Angel, du solltest Spiegel anbringen, die den toten Winkel von der Küche in den Flur gefahrloser gestalten!“, kicherte Kev und ging, ohne etwas zu merken, an ihren beiden erschütterten Gesichtern vorbei zur Spüle.

„Sollte ich“, murmelte Angel konsterniert und schloss wegen Kongas heißen Händen an ihren Brüsten die Lider.

Keinen Millimeter konnte sie sich bewegen und seine Hände waren auch auf ihr erstarrt. 

Die Situation geriet immer mehr außer Kontrolle, denn ihre nicht weichende geistige sowie körperliche Trägheit übertrug seine Wärme nun auch dort, wo sich ihre Körper berührten.

Und Angel fühlte ihn an ihrem gesamten Rücken! Es glich einem Griff an einen offenen Stromkreis, der sich durch beide vereinte und keine Trennung mehr zuließ. Aber anstelle des Stromzuckens schlug ihr Herz bis zum Hals empor.

Der unfreiwillige Anstandswauwau Kev bekam davon nichts mit. Das klebrige Blut in der Flasche war etwas angetrocknet.

Apropos klebrig, Kongas Hände hafteten nicht mehr an ihr, wollten aber auch nicht hergeben, was sie hielten und begannen gedankenlos zu wandern, streichelten über ihren Bauch. Ebenso drängte er sich an sie, als seine Handrücken die unteren Wölbungen ihrer Brüste berührten. Jäh packte Angel zu und schob seine Hände höher!

Warum konnte sie nicht klar denken, wenn er sie berührte? Ihr Kopf sank mit geschlossenen Augen nach hinten an seine Brust. Dem verräterischen Verhalten ihres Körpers konnte sie sich auch nicht entziehen und wurde sinnlich mürbe in seinen Armen. Mit leicht offenem Mund atmete sie lautlos ein und dann machte sie einen Schritt vor, wollte … musste sich von ihm trennen.

‚Nee mein Kätzchen, zu spät! Hiergeblieben!‘ Kongas Kiefer mahlten aufeinander, er ließ sie nicht gehen, knetete sanft ihre Hügel, deren Spitzen zart und gleichzeitig hart in seine Handflächen stachen.

Seine massierenden Hände löschten jeden Gedanken an einen weiteren Fluchtversuch in Rauch auf, unaufhörlich wurde sie weicher und immer samtartiger in seiner Umarmung, die stetig an Eroberung zunahm. 

Wo er bisher nichts wahrnahm ... hob Kev nun seine Nase hoch, denn beide verströmten Pheromone, die sich explosionsartig in der Küche ausbreiteten.

Kaum, dass er sich umblickte, erstarrte Kev, denn Konga sah ihm vorsorglich tief in die Augen.

Freiraum, Konga brauchte ein paar Sekunden mehr!

Die ganzen Wochen war nichts dergleichen passiert!

Alles lief ohne Zwischenfälle dieser Art ab und er glaubte schon daran, dass alles seinen richtigen Weg ging, doch nun … in diesem Augenblick.

Angels unvorhersehbare Reaktion, nach ihrer ungewollten Berührung, war maßgeblich an seinen wieder aufkeimenden Gefühlen schuld.

Wenn Angel sich umgedreht hätte … ihm womöglich noch eine Backpfeife gegeben hätte … aber ihre erblühende Hitze ließ auch ihn nicht mehr klar denken … 

Konga sah wieder kurz zu Kev und schickte ihn mental wieder in die Stube, mit dem Auftrag zu sagen: Angel und Konga würden die Anlage noch auffüllen.

Allein … er war wieder einmal allein mit ihr in einem Raum gelandet und konnte sich nicht richtig bändigen.

„Lass los“, wimmerte Angel und drängte sich doch rücklings - definitiv - fest an ihn.

„Du wirst nicht stehen können, wenn ich das tu!“, kam es dunkel schnurrend und dicht an ihrer Ohrmuschel zurück.

Heiliges Verlangen! Er knabberte so hingebungsvoll an ihrem Ohr, leckte warm um den Rand und ein sengender Stich raste durch ihre Scheide. Nicht aufhören! Niemals aufhören!

„Konga … lass das“, jammerte sie superleise und stöhnte auf.

„Ich soll aufhören?“, hauchte er ihr zu, während er feinfühlige warme Küsse unter ihr Ohr hauchte.

„Ja … nein … doch … nicht …“

„Was denn nun? Aufhören oder weitermachen?“, kam es rau über seine küssenden Lippen.

Ihm so nahe, sah sie sich halb über die Schulter und kam somit sehr dicht vor sein Gesicht. Seine schwarzen Augen blickten in ihre. „Einen Kuss und ich lass dich gehen“, blies er ihr zu.

Das hätte er nicht sagen müssen, denn sie schielte schon auf seine weichen Lippen, die gerade zuvor auch noch ihren Hals zärtlich küssten.

„Ich liebe Jack … du liebst Jo“, wimmerte sie, denn seine Finger spielten mit ihren harten Nippeln. Was für ein einnehmendes Gefühl, weil er ihr dabei tief in die Augen sah und alles um sie herum in einem Strudel verwirbelte.

„Sicher, doch das ist keine verhandlungsfähige Option zu meiner bestehenden Forderung“, surrte er sinnlich.

Dieses Schwarz seiner Augen bannte sie, ließ keinen klaren Gedanken aufkommen. Die Worte aus seinem Mund bekamen kein Gehör, aber sie zogen ihr unter die Haut. 

Um ihr keine Ausweichchance zu gewähren, kam sein Mund näher … zu einem kurzen zarten Kuss, der sofort wieder endete.

Gänzlich verwirrt, weil er sie nicht bedrängte, schoss ihr Mund vor und saugte sich nun provokativ an seinem fest.

Es ging auch nicht anders, denn ohne diesen Kuss hätte sie angefangen zu schreien!

Himmel, der feuchte Rettungsanker zu ihren butterweichen Knien schob sich zwischen ihre Lippen, die bebend seine vereinnahmten. Was so wild wieder aufgenommen wurde, änderte sich jäh in einen hauchzarten Kuss, der ihre Zungenspitzen sich gegenseitig erforschen ließ.

Zeit und Raum dehnten sich aus und zogen sich wieder zusammen, doch davon bekamen die beiden nichts mit.

Das hier passierte in einem anderen Universum … in ihrer beider Universum …

Ganz sachte drängte er sie auf den Küchentisch zu, bis ihre Pobacken auf der Platte landeten.

Weggetreten fand Angel sich allein auf dem Küchentisch sitzend wieder.

Warum war sie erregt?

Warum fühlten sich ihre Lippen angeschwollen an, was sie sonst doch nur taten, wenn sie im Vorfeld heftigst geknutscht hatte?

Woher kamen die butterweichen Knie?

Warum pochte es in ihrem Spalt, als ob sie kurz vor dem Kommen war?

Oder hatte sie schon einen Orgasmus gehabt?

Sie leckte sich über die Lippen, nahm einen Geschmack war … der nicht von Jack kam!

Angel schob die Beine vom Tisch und glaubte zu träumen, denn sie lief aus!

Wo kam der verfluchte Blackout her?

Zuletzt erinnerte sie sich daran, mit Kev zusammengestoßen zu sein. Konga hatte sie aufgefangen und abgestellt!

Nein … es war anders!

Wo er ihren Geist vernebeln konnte … da verrieten nun die Reaktionen ihres Körpers die Wahrheit! Angel fühlte nochmals jede Berührung, jeden Kuss … dann sah sie seine schwarzen Augen vor sich! 

Diesmal hatte er sein Können überschätzt! 

Augenblick um Augenblick offenbarte sich ihr!

Himmel ... was hatte er mit ihr angestellt? Ihr ganzer Körper war in Aufruhr, jede Berührung kribbelte auf ihrer Haut nach.

Das Letzte, was er tat, bevor er die Küche mit hängenden Schultern und einem traurigen Blick verließ … er hatte sie mitten auf dem Küchentisch … geleckt und irre gut gefin… 

Das wilde Herzklopfen setzte wieder ein. ‚Bitte komm zurück! Bring es zu Ende!‘, schrie es durch ihre Gedanken.

Angel kam zitternd aus der Küche, ging durch den Flur und hielt im Türrahmen zur Stube an. Keiner nahm sie wahr, alle unterhielten sich. Flora stand mal wieder im Mittelpunkt des Geschehens.

Kurz sah sie nur ihn an, dieses Herzrasen hörte nicht auf!

Was war das?

Warum schmerzte es überall in ihr?

Alles fühlte sich so taub und benommen an!

Es musste an ihrer Schwangerschaft und den Hormonen liegen, anders konnte sie es sich nicht erklären!

„Ich leg mich kurz hin“, murmelte sie, sah einen Augenblick zu Jack, doch dann rauschte ihr Blick über alle hinweg zu Konga, der ebenso von Flora aufsah. 

Ach. Du. Scheiße!

Er erkannte sofort, dass sie - warum auch immer - genau wusste, was geschehen war! Und nicht nur die vergangenen Minuten lagen in ihrem Blick! Aber die ganze Wahrheit zum Glück auch nicht, denn dann hätte sie anders reagiert!

Leider übersah er in seiner Verzweiflung etwas Entscheidendes … denn da loderte für eine Sekunde lang ein tief verborgenes Gefühl in ihren Augen auf!

Wäre er in diesem Moment aufgestanden, sie wäre in seine Arme geflogen … nichts und niemand hätte sie aufhalten können … doch er blieb erstarrt sitzen … 

„Ist dir schlecht? Soll ich mitkommen?“, fragte Jack fürsorglich.

„Nein, mir geht’s gut! Ich fühle mich im Kopf nur ‚mehrfach überrumpelt‘ und muss das verarbeiten.“ Mit dem letzten Satz sah sie wieder Jack an und lächelte spöttisch. „Manchmal werden einem seltsame Gedanken aufgezwungen, die man weder will noch braucht. Ich denke, ich wollte diese echten Gedankengänge und die Tatsache, wie sie real stattgefunden haben.“

Keiner kam auf ihre Worte klar, nur Konga wusste, dass sie ihn direkt angesprochen hatte, obwohl sie nun ohne Unterbrechung zu Jack blickte.

Ein bitteres Lächeln konnte sie für einen Augenblick nicht verhindern. „Aber ich beende dieses Überrumpeln meines Kopfes nun ein für alle Mal.“ 

Was wollte sie Konga damit vermitteln?

Mann gut, dass seine Gedanken hinter der Stirn verborgen blieben, denn in seinem Kopf tobte ein ausgewachsener Tornado!

Alles in ihm kribbelte, doch er folgte seinem Gefühl nicht! Konga unterdrückte sein Verlangen, ihr sofort zu folgen und sie voller Leidenschaft an sich zu reißen!

Der Vormittag ging ohne weitere Vorkommnisse vorbei.

Angel und Jack vermieden es ja auch, sich vor ihren Gästen ein Sofa zu teilen. Aber allen fiel mit hereinbrechender Nacht auf, wie Angel Jack immer länger und seltsamer ansah.

Felma machte den Anfang, wollte Flora in ihr Bettchen bringen, sie nahm ihre Tochter und ging mit Joyce rüber. Jack ging mit Konga und Kev noch eine Weile auf die Terrasse.

Angel blieb allein auf dem Sofa zurück und sah fern.

Eine Weile spukte Konga noch in ihrem Kopf herum, doch es würde ohnehin nie wieder so weit kommen!

Folglich vergrub sie jeden weiteren Gedanken und beschloss, sie würde sich nie wieder allein mit ihm in einem Raum aufhalten, niemals wieder!

Fortan würde sie, wenn sie sexuell erregt war, lieber gleich Jack anspringen, dann würde sie sich auch nie mehr zu anderen Dingen, Schrägstrich, Vampiren hinreißen lassen! Es konnte sowieso nur an der seltsamen Spannung zwischen ihr und Konga liegen, mehr war da nicht! Punkt.

Wie gut man doch verdrängen konnte, was man dachte oder fühlte, doch das Herz log nie und man konnte es auch nicht bescheißen … 

In einer Werbepause blickte sie kurz zur Terrasse und in diesem Augenblick suchte sie eine neue Vision heim. Heiß und kalt lief ihr der Schweiß vom Rücken, sie sprang vom Sofa auf und schwankte. Die Bilder vor ihren Augen verschwammen und ihre Nase begann zu bluten.

Instinktiv hob Jack draußen seinen Kopf. „Sweety? Alles klar?“, rief er von der Terrasse in die Stube.

„Ja, alles klar.“ Angel hielt sich am Sofa fest und wartete ab, bis ihre Beine wieder Halt fanden.

Auch Konga hatte diese ängstliche Spannung, die von Angel ausging, gefühlt und unterdrückte ein bedrohliches Knurren! Angel log, doch er durfte nicht handeln! Fortan musste er sich besser in den Griff bekommen.

Die ersten Staatenvampire kamen am frühen Nachmittag an. Viele mieteten sich Autos und einige fuhren mit Motorrädern vor. Angel bewirtete alle mit einem Willkommensschluck. Den meisten Saugern war Angel ja ohnehin von Terrags Insel bekannt und so begrüßten sie ihre Retterin sehr zuvorkommend und freundlich.

Das Haus füllte sich und Flora wurde von einem Arm zum nächsten gereicht, was der kleinen Ziege außerordentlich gefiel. Alle waren von der kleinen Blutmaus mit den spitzen Zähnen begeistert. Kaum einer, der sie nicht knuddeln wollte.

Wo Flora nicht ausreichte, da sorgte Angel für angenehme Unterhaltung, denn sie musste genauestens schildern, wie Terrag besiegt wurde und seinen torkelnden Abflug, über den die heißesten Spekulationen entbrannten.

Beobachtet wurde sie dabei von zwei Augenpaaren, in deren Wertschätzung sie mit jedem Augenblick stieg. Keiner der beiden hätte in Angel so eine vorzügliche Unterhalterin erwartet.

Nicht, dass sie es bereits bewiesen hatte, aber unter so vielen fremden unberechenbaren Vampiren, das bedurfte schon viel Einfühlungsvermögen.

Gegen frühen Abend waren dann endlich bis auf vier Vampire sämtliche da.

Joyce zog sich mit Felma und Flora in ihr Haus zurück. Das Gewühl wurde den beiden zu viel und Flora musste ohnehin ins Bett.

Bereits zwei Tage zuvor hatte Angel den Garten vorbereitet, es würde genügend Stühle und Tische geben und nun nahmen alle Platz.

Sie sah in die Runde der Vampire und lächelte. Jack hörte die restlichen Besucher kommen und gab Angel Bescheid.

Nun waren alle da, und als jeder sein Glas hatte, stand Angel auf und ging zwischen den Tischen hindurch. Sie blieb neben Jack stehen und hielt ihm einen Zettel vor die Nase. Jack las es und sah Angel sorgenvoll an.

„Ich erledige das“, sagte sie leise und ging kurz ins Haus.

Mit einem Dolch und einem Handschergerät kam Angel wieder und die Menge wurde mit Blick auf sie sehr ruhig.

„Ich möchte euch nochmals begrüßen und mich für euer Erscheinen bedanken! Wir werden heute und hier ein neues Bündnis schließen, dem jeder voll und ganz vertrauen kann. Keiner wird hintergangen, denn von solchen Vampiren wollen wir Abstand halten. Conner und Fischer sind Paradebeispiele für ihre Arroganz. Ihre angebliche Vereinigung hatte nur einen Zweck ... unseren Untergang. Mit unserer letzten Begegnung sind viele Jäger gestorben und wir wissen, was Terrag MacDragon mit unserer Zukunft vorhatte. Keiner sollte überleben.“ Angel trank einen Schluck und sah in die Gesichter der lauschenden Vampire. Sie ließ den Vampiren eine Minute, um das Gehörte zu verdauen.

„Ich würde es keinem übel nehmen, wenn er sagte, ich solle in dieser Position nicht den Mund allzu weit aufmachen, weil ich noch lange nicht mitfühlen kann, was ihr über Jahrhunderte erlebt habt. Aber jeder fängt mal an und mich suchen Visionen heim, an denen ich absehen kann, was auf unsere Rasse zukommen wird. Vielleicht handle ich mir dadurch ein paar verständnisvolle Blicke ein und kann euch von meinem festen Willen überzeugen, gegen alle Feinde von uns vorzugehen. Die Zeit, die vor euch liegt, wird von neuen Jägern bestimmt. Terrag manipuliert Vampire, schneidet ihnen das halbe Gehirn heraus und lässt sie töten, wenn sie nicht mehr benötigt werden. Es waren weit über zweihundert Lager geplant und wir konnten maximal die Hälfte der Jäger töten. Terrag hat auch Geborene in seinem Stamm, die die Welt neu mit der reinen Rasse von Vampiren bevölkern sollen. Für diesen Zweck sollten wir verschwinden. Als eines seiner wichtigsten Ziele der Vernichtungsaktion gilt nun sein eigener Sohn, denn sehr wahrscheinlich, ist nur Jack imstande seinen Vater auszuschalten. Doch das ist momentan nicht von Belang. Wir sind hier zusammengekommen, um die Jäger und damit seine globale Macht zu eliminieren. Es ist somit dringend erforderlich, dass wir jeden Vampir überprüfen und Veränderungen sofort bemerken müssen. Den manipulierten Vampiren fehlen zwei entscheidende Faktoren, die sie zu dem machen, was uns ausmacht. Die Blutgier und sie können ihre Zähne nicht mehr ausfahren.“ Angel blickte erneut in die Runde und die Vampire sahen sich untereinander an.

„Wir haben sogar zwei Beispiele hier.“

Schlagartig breitete sich Unruhe unter den Vampiren aus.

„Ja. Wir werden selbst hier ausspioniert. Wenn ihr wollt, dann zeige ich euch was und wen ich meine?“ Der Dolch lag ruhig in ihrer Hand, Angel ging auf die voll besetzten Tische zu.

Jack packte sie am Arm. „Nein Angel! Das ist viel zu gefährlich!“

Mit einem einnehmenden Lächeln blickte Angel zu ihm auf und drehte ihren Arm aus seiner Hand. „Ich habe es gesehen. Vertrau mir.“

Bedenklich blickte Jack in ihre Augen.

„Wir wollen hier Vertrauen schaffen und ich mache den Anfang.“

„Hier sind über fünfzig Vampire, die dich innerhalb von Sekunden zerfleischen und in winzige Fetzen reißen können!“, warnte Jack nochmals.

Seelenruhig lächelte Angel weiter und schaute zu den Vampiren. „Ich habe Vertrauen“, sagte sie unumstößlich und ging los.

Im krassen Gegensatz zu Jack blieb Konga äußerst gelassen. Hier und heute würde Angel nichts geschehen, denn er würde ohne Rücksicht auf Verluste handeln, selbst wenn er Dinge preisgeben müsste, die selbst Jack nicht von ihm wusste. Ihre Sicherheit ging vor allem!

An den ersten drei Tischen, die mit je sieben Vampiren besetzt waren, ging sie vorbei. Am vierten Tisch hielt sie an und sah in jedes Gesicht. Ihre Augen blieben an einer Person haften und alle sahen den blonden Vampir an. Angel zückte das Schergerät und legte es auf den Tisch. Erwartungsvoll sah der blonde Vampir sie an und zog seine Brauen hoch.

„Kannst du bitte den Vampir zu deiner rechten Seite etwas von seinen Haaren befreien?“

Der blonde Vampir nickte, wollte es tun. Er griff nach dem Gerät und in dem Augenblick sprang der beschuldigte Vampir auf, wollte flüchten. Doch die anderen griffen beherzt ein und hielten ihn fest.

„Mach es. Eine kleine Stelle hinter seinem Ohr reicht aus.“

Der rothaarige Vampir wehrte sich wie ein Irrer, fluchte in Angels Richtung, doch seine Haare flogen und legten eine Narbe frei, die um den gesamten Hinterkopf verlief.

„Noch kein fester Grund“, sagte Angel und hielt ihm ihr Handgelenk vor den Mund.

„Na, keinen Durst?“, fragte sie und sah ihm in die Augen.

„Lasst mich los“, brüllte der Vampir, während die anderen ihn hielten, und spuckte in Angels Richtung. Er verfehlte sie und fluchte wieder.

„Ich warte“, sagte Angel leise.

Nichts an seinem Gebiss änderte sich. „Ich will nichts trinken! Ich hatte genug!“

Angel nahm den Dolch und ritzte sich den Arm an. Sofort sahen alle auf ihr frisches Blut, nur er nicht.

Überall schossen Zähne hervor, nur bei ihm nicht.

‚Nein Angel!‘ Kongas Muskeln begannen sich anzuspannen. Sie wagte sich mit ihrer Handlung nun doch eine Spur zu weit vor, denn tropfendes Vampirblut löste die Gier anderer Vampire viel schneller als menschliches aus.

„Darf ich die Damen und Herren darauf hinweisen, dass wir hier zusammen sind, um ein Bündnis zu schließen?“ Angel verschloss ihren tropfenden Blutfluss, sah in die Runde und reichte den Dolch an den blonden Vampir weiter. Dieser gierte zwar auf den Tropfen an der scharfen Klinge, drehte sich aber und schnitt dem manipulierten Vampir den Kopf bis zur Wirbelsäule, ab.

Die haltenden Wirbel und Knorpel brachen, als sein Haupt nach hinten fiel.

Abermals nahm Angel die beiden Sachen an sich und blickte über die Tische. Sie drehte sich, ging zum ersten Tisch zurück, kurz vor dieser sitzenden Gruppe wandte sie sich dem zweiten Tisch zu und holte mit dem Dolch aus. Sie warf ihn und er blieb bis zur Hälfte in einem Kopf stecken.

Nun hielt Jack die Luft an. Seit wann konnte Angel so gezielt Messer werfen?

Der Vampir sah an sich nach oben, aber der Blickwinkel stimmte nicht und so nahm er an, der Dolch hätte ihn nur gestreift. Allerdings sahen die anderen nicht an ihm vorbei.

Nebenbei bemerkt ... es war schon reichlich merkwürdig, dass dieser Blutsauger nicht mal den Ruck der eindringenden Klinge richtig registriert hatte ...

„Halbe hohle Birne würde ich mal sagen“, flachste Angel staubtrocken und diesmal wurde der Vampir zerfetzt.

Ein Vampir reichte Angel den Dolch zurück und verbeugte sich vor ihr.

Seelenruhig schritt Angel durch die aufgebrachten Vampire und stellte sich neben Jack, bevor sie sich den Vampiren wieder zuwandte. „Die beiden anwesenden Spione sind hiermit ausgeschaltet, doch es sind beileibe nicht die einzigen ... Dimitri Sean, Hores Fander, Flad Morgan, Jeff Briggs, Emil May und Conny Meyer. Steht ihr bitte auf. Euch wird nichts geschehen. Von euch geht keine Bedrohung aus.“

Die sechs Vampire erhoben sich nach und nach.

„Ihr seid in potenzieller Gefahr. Je einer von euch hat in seinem Stab einen Spion. Sie schlagen zu, wenn ihr wieder zurückkehrt. Ich habe nur eure Namen gesehen, leider nicht die derer, die euch bedrohen. Traut niemandem, der euch seine Fangzähne nicht zeigen kann. An alle anderen: Auch bei euch werden über kurz oder lang Spione eingeschleust. Zögert nicht, wenn sie Anzeichen zeigen, die wir hier gesehen haben. Terrag will euch alle tot sehen. Und er wird sein Ziel über eure Leichen erreichen, wenn ihr nicht endlich aufwacht.“

Ein Raunen ging durch die Menge.

Mit verschränkten Armen gab Angel den Vampiren eine weitere Denkpause.

„Glaubt nicht, er würde euch aufnehmen und euer Leben verschonen! Keiner von euch ist es ihm wert! Harlem wird das in wenigen Augenblicken erfahren. Er dachte, er könne seinen Arsch so retten. Kev, bitte ruf bei ihm durch und stell den Mithörer an.“

„Der pennt doch jetzt.“

„Mach es!“, sprach Angel besänftigend aber hartnäckig.

„Und wenn er mir dann den Kopf abreißt?“

„Wird er nicht. Er denkt, du vertraust ihm. Traust du ihm?“

„Nein.“

„Dann ruf ihn an!“

Das Zwiegespräch wurde von einem sich räuspernden Vampir unterbrochen. „Warte! Warum vertraust du Harlem nicht? Bisher hat er uns immer gewarnt.“

Ungerührt und äußerst ruhig sah Angel dem aufgestandenen Vampir in die Augen. „Wovor hat er dich gewarnt? Vielleicht vor den Jägern, die mit ihren Containern kamen?“

„Nein. Aber ...“

„Aber was? Gib mir nur einen Grund, Harlem zu vertrauen! Er hat Jack etwas geschickt und wusste, wo er mich unterwegs antreffen würde, damit mir der Bote es überreichen konnte. Er hat überall seine Kontakte und seine Spione und ist nur auf sich selber bedacht. Und glaubt mir, ich bin ihm für seine Hilfe durchaus dankbar, aber wenn die Sache so einen Hintergrund hat, dann muss auch ich umdenken!“

Angel sah in die Runde und ihr Blick blieb an einer schwarzhaarigen Vampirin hängen.

„Und du legst jetzt sofort dein Handy auf den Tisch!“

Die Vampirin sah Angel scharf an und Angel holte mit dem Dolch aus. Sofort lag das Telefon auf dem Tisch.

„Kev, geh doch mal lauschen, wer da am anderen Ende ist.“

Kev sah auf das Display. „Das ist Harlems Geheimnummer. Aber er hat das Gespräch beendet.“

Angel raste zu der schwarzhaarigen Vampirin und blieb neben ihr stehen. „Welche eingespeicherte Nummer werde ich wohl bei den beiden toten Vampiren finden?“

Die Vampirin zuckte mit den Schultern.

„Kev, ruf ihn an“, wiederholte Angel.

Kev nahm sein Handy und wählte mit Mithörer. Alles wurde mucksmäuschenstill.

„Ja?“, meldete sich eine männliche Stimme.

„Hey Harlem, wie geht’s?“

„Angel, bist du das?“

„Jepp.“

„Mir geht’s blendend und selber?“

„Soweit gut, ich hab gerade einen Dolch an Sades Hals und spiele damit durch ihre Locken“, antwortete Angel.

Am anderen Ende wurde es ruhig. Harlem räusperte sich.

„Harlem tu mir bitte einen Gefallen und stell dich an deine Tür und guck mal raus. Ich hatte vorhin eine interessante Vision.“

Alle Vampire hielten den Atem an, damit ihnen kein Ton entging.

„Und schon bei der Tür?“

„Sicher“, antwortete Harlem und öffnete die Tür.

„Was willst du hier ...“, stöhnte Harlem im nächsten Moment, dann hörte man nur noch ein Röcheln, welches aber klar verständlich ein letztes Wort enthielt: ‚Terrag.‘

Ein folgendes Scheppern ließ zweifelsohne darauf schließen, dass das Handy auf den Boden aufgeschlagen war. Stille am anderen Ende der Leitung und unter den Vampiren, die allesamt die Luft angehalten hatten. Kev drückte das Gespräch weg.

Mit festem Blick schaute Angel der Schwarzhaarigen über die Schulter. „Und, vertraust du ihm immer noch? Kann er dich wirklich vor Terrag schützen?“

Die Gesichtszüge der Saugerin hätten gereicht, dennoch schüttelte sie den Kopf.

„Terrag verlässt sich nicht immer auf seine Leute und greift bei höheren Vampiren gerne selbst ein. Das liegt auch teilweise daran ... er hat ähnlich Neigungen wie Fischer. Ich weiß, was er jetzt mit Harlem macht und es ist äußerst unappetitlich.“

Unruhig sahen sich die Vampire untereinander an. „Und was sollen wir jetzt tun? Wenn er überall seine Leute hat, wie sollen wir derer Herr werden?“

Angel stellte sich wieder vor alle. „Gründet Kampfeinheiten, die eure Städte sicher machen. Sichert eure Zonen. Doch dazu müsst ihr Jack euer Vertrauen schenken. Für Strategien, die dem Kampf dienen, bin ich nicht der richtige Ansprechpartner. Ich habe nur den Weg geebnet, um euch zu verdeutlichen, was auf uns zukommt. Keiner überlebt es, wenn wir nicht endlich gemeinsam handeln.“

Die schwarzhaarige Vampirin machte den Anfang und stand auf, um sich vor Angel zu verbeugen. Ein Ruck ging durch die Gruppe und alle folgten ihrem Beispiel.

Beeindruckt nahm Jack Angels Hand und küsste ihren Handrücken.

Was Angel bewegt hatte, das grenzte an ein wahrhaftiges Wunder! Selbst Jack hatte so seine Problemchen, wenn er eine europäische Versammlung einberief. Dann noch alle von sich zu überzeugen … hatte ausgeprägten Seltenheitswert. Vampire waren und blieben keine Herdentiere! Jeder für sich, keiner für alle! Nur die Gesetze der Vampirgöttin waren relevant und wurden bedingungslos befolgt, denn ihren Zorn wollte sich keiner zuziehen.

Aber wie es aussah, kam endlich eine Wende zustande.

„Angel, ich will den anderen nicht nacheifern, aber du hast es verdient.“

Jack fiel vor ihr auf die Knie und hielt ihre Hände in seinen.

„Heute, jetzt, für die Ewigkeit. Willst du, Angel Wagner, meine Frau werden?“

Alle hielten den Atem an. 

Besonders Kongas Gesichtsfarbe wich sekundenschnell aus seinem Gesicht, sein Herz setzte ebenso für irre viele Schläge aus. Ob es je wieder anfing … doch … nun hämmerte es in seiner Brust auf Teufel komm raus! Zwei Handgriffe und … nein … aus und vorbei!

Mit diesem schnellen Antrag hatte er nicht gerechnet ... 

Angel strahlte Jack an.

„Ja, Jack MacDragon, ich will.“

„Als anwesender Geborener verlange ich, dass diese Ehe von allen anerkannt wird und sieben Vampire es weitertragen“, sprach Jack und drückte Angel einen besiegelnden Kuss auf.

Die Vampire gratulierten ihnen, indem sie schwiegen und sich vor beiden anerkennend verbeugten.

„Sweety?“

„Ja?“

„Ich liebe dich.“

„Und ich liebe dich.“

Nun johlten alle, bis Angel sich ihnen wieder zuwandte. „Ich überlasse euch nun Jack und hoffe, alles nimmt ein gutes Ende. Reines Blut für alle!“

Den letzten Satz wiederholten alle lautstark und Angel zog sich ins Haus zurück.

Sie kickte ihre Schuhe unter den Tisch und sank erschöpft aufs Sofa. Ihren Teil hatte sie erfüllt und nun besprachen sie weitere Pläne mit Jack und Konga, wobei Letzterer nicht bei der Sache war!

Niemals hätte Jack solch eine Einigung herbeiführen können. Nur Angels weibliche Intuition und ihre Visionen konnten so weit greifen. Der Grundstein war gelegt. Terrag mit seinen manipulierten Jägern würde sein blaues Wunder noch erleben.

Nun galt es vorerst, den süßen Fratz in ihr gesund auf die Welt zu bringen. Sie würden in den kommenden Tagen Bremen verlassen müssen. Terrag wusste, wo sie wohnten und das Risiko war nicht einzuschätzen.

Nach drei Stunden sah Angel nach dem Rechten und kam auf die Terrasse. Alle Vampire sahen auf und lächelten ihr zu.

„Hallo Angel. Schön, du gesellst dich noch mal zu uns. Uns allen brennt noch etwas auf der Seele.“

Neugierig blickte Angel in die Runde. Die Vampire hatten die Tische zusammengestellt und saßen dichter beisammen.

Anthony Cage aus North Dakota erhob sich und verbeugte sich vor Angel. „Wir haben nicht lange für unseren Entscheid gebraucht, Angel MacDragon, wärst du bereit, dich vor uns zu stellen und den Platz einer Beraterin der oberen Vampire der Staaten einzunehmen? Wir haben diesen Wunsch einstimmig gefasst.“

Erstaunt blickte Angel von Anthony zu Jack. „Ich wäre gerne dazu bereit, aber fürs Erste möchte ich mich nicht zum ultimativen Ziel von Terrag erheben.“ Sie fühlte über ihren Bauch und lächelte verlegen in die Runde.

„Dafür haben wir natürlich Verständnis und werden unseren Wunsch zu gegebener Zeit wieder an dich richten.“

„Danke. Ich danke euch allen für euer Verständnis und werde natürlich immer für Fragen bereitstehen. Visionen, die euch betreffen, werde ich auch umgehend weiterleiten.“

Liebevoll nahm Jack Angel in seine Arme und drückte seine Nase in ihr Haar. „Wir haben noch nicht alle Punkte durchgesprochen. Willst du hier bleiben oder soll ich dich hochbringen?“

„Ich gehe allein und du bleibst hier.“

Jack musterte Angel, sah ihr in die Augen und stimmte ihr nickend zu. Er dürfte sie wirklich nicht hochbringen, denn sonst …

Kurz fiel ihr Blick auf Konga und Angel sah etwas, das sie aus dem Gleichgewicht brachte. In seinen Augen spiegelte sich eine tiefe Traurigkeit, die sie nie zuvor an ihm gesehen hatte. Es war höchste Zeit sich sofort zurückzuziehen, denn ihr Herz spielte ihr schon wieder einen stechenden Schmerz zu.

Die Vampire brachen im Morgengrauen auf und Jacks Nerven waren ausgelaugt. Er brauchte jetzt einen großen Schluck Blut und setzte sich mit seinem Glas vor den Fernseher. Konga war mit Kev rüber gegangen und so sinnierte er allein über das, was heute und für die Zukunft beschlossen und auf den Weg gebracht worden war.

Wie wäre sein Schicksal ohne diesen Autoschlüssel verlaufen? Was wäre passiert, wenn er sie damals nicht in ihrem Auto an sich gezogen hätte?

Hatte er sie verdient?

„Du grübelst zu viel.“ Angel kam zu ihm und kuschelte sich in seine Arme.

„Hast du schon geschlafen?“

„Ein bisschen“, flüsterte sie und drückte ihren Kopf an seinen Hals.

„Soll ich dich ins Bett bringen?“

Angel schob ihre Hände unter sein Shirt, um seine warme Haut zu fühlen. „Nein, ich will in deiner Nähe bleiben.“

„Muss ich jetzt immer fragen, ob das mit einer Vision zusammenhängt?“

„Nein. Wir hatten bloß seit gestern so wenig Zeit füreinander. Und ab nächste Woche müssen wir uns ja auch wieder einschränken.“

„Warum müssen wir uns einschränken?“, fragte er neugierig und deckte ihre Beine mit einer Decke zu.

„Der Katamaran ist zu hellhörig und eigentlich mag ich keine Seereisen.“

„Wir verreisen?“

„Müssen wir. Terrag weiß, wo wir wohnen und du musst mich doch beschützen. Das geht auf dem Meer am besten.“

„Ach, und da hast du mal eben beschlossen, dass wir Kevs Einladung annehmen und mit drei Pärchen auf diesem winzigen Ding durch die Gegend paddeln?“

„Winzig?“, fragte Angel an seinem Hals und küsste ihn sanft.

„Ja, winzig. Darf ich diese Planung übernehmen und mein Paddelboot vorschlagen?“

„Sicher“, säuselte Angel und kraulte seine Brust liebevoll. „Ist dein Schlauchboot größer?“

„Paddelboot meine Liebe, Paddelboot und ja, es ist etwas größer.“

„Gut“, schnurrte Angel und leckte sinnlich über seinen Hals.

„Sweety, bist du rollig?“

„Miau, bin ich.“

„Und dein Kater hätte jetzt auch nichts dagegen“, knurrte Jack und neigte seinen Mund auf ihren.

Gegen Mittag schlief Angel eingekuschelt in mehreren Decken und Kissen ein. Jack machte ein paar Anrufe und packte einige Sachen. Er informierte Konga und Kev und alle standen in den Startlöchern. Konga fuhr mit Kev und den Frauen samt Flora vor.

„Sweety, wach auf.“

„Nein ... will kuscheln“, maulte sie und versuchte Jack am Kragen zu packen.

„Nein Sweety. Wir fahren gleich los und du stehst jetzt auf.“ Jack zeigte auf die Taschen. „Ich bring die jetzt in den Kofferraum und du ziehst die Sachen an, die da an Fußende liegen.“

Durstig schielte Angel eher auf das volle Glas und schwang ihre Beine vom Sofa, griff danach und trank. „Wo fahren wir denn hin?“

„Das verrate ich dir nicht.“

„Ist es weit weg?“

„Nein, wenn ich gut durchkomme, fahren wir eine knappe halbe Stunde.“

Angel blickte über den Glasrand und sah Jack hinterher. Sie stellte das leere Glas ab und zog sich an.

Nach ein paar Minuten kam Jack wieder rein und lächelte. „Fertig Sweety?“

„Darf ich meine Tasche mitnehmen?“

„Ist schon im Wagen. Kommst du?“

Während ihre Schnute vor sich hin gähnte, schlüpfte Angel in ihre Schuhe. „Drängel doch nicht so.“

Dass dieses Weib so grrr, immer süß und … Jack hob Angel tief seufzend auf seine Arme.

„Ich kann allein laufen“, protestierte sie und zappelte mit ihren Beinen.

Ohrtaubheitsvortäuschungen waren gelegentlich sehr vom Vorteil, gerade jetzt suchte solch eine Sinnesstörung ihn heim. Jack reagierte sehr gehörlos und trug sie zum Wagen, bevor er sie absetzte. „Hops rein, mein Schnuckelchen.“

Er schloss die Haustür ab und ließ sich in den Fahrersitz fallen.

„Fertig?“, fragte Angel und schob ihren Schmollmund vor.

„Sicher Sweety. Lehn dich zurück und schlaf meinetwegen weiter.“

„Mach ich auch“, maulte sie mit halb zugeklappten Augen.

Über ihren süßen Dickkopf konnte er nur schmunzeln, als er losfuhr.

Eigentlich wollte Angel weiter schmollen und linsen, wo die Fahrt hinging, aber sie war noch so erschöpft, sodass sie trotz gegenteiliger Anstrengung einschlief.

Jack hörte ihren ruhigen Atem und fuhr so sinnig, wie es der Verkehr zuließ, seinem Ziel entgegen.

Erst als Jack in eine Tiefgarage fuhr, erwachte Angel. „Wo sind wir?“, fragte sie verschlafen.

„In Bremerhaven.“

„Cool, gehen wir jetzt in den Zoo oder ins Klimahaus oder was?“

Mit einem Grinsen im Mundwinkel zog Jack eine Braue in die Stirn, parkte den Wagen und half Angel beim Aussteigen. „Eher ... ‚oder was‘.“

„Nun sag mir endlich, wo wir hinwollen“, schurrte Angel.

Noch ließ er sie zappeln und griff nach den Taschen auf dem Rücksitz. „Das siehst du gleich selber.“

Angel sah ihm zu und nahm seine Hand, als er sie ihr reichte. „Jack?“

„Ja, mein Kätzchen?“

„Ich komme mit, wo immer du mich hinführst, aber ich brauche jetzt zum Wachwerden einen Kuss.“

Zuerst schob Jack Angel in den Fahrstuhl, dann drückte er sie vorsichtig an die Wand. „Nur einen Kuss oder mehr?“, fragte er leise, hielt dabei den Finger kreisend über der Stopptaste.

Angel sah von seinem Finger auf seinen Mund. „Wann haben wir die nächste Möglichkeit allein zu sein?“

„In fünfzehn bis zwanzig Minuten.“

„Echt?“

„Jepp!“ Jack nickte ruhig.

„Dann reicht mir ein stürmischer Kuss.“

Dem winzigen Wunsch kam er umgehend nach.

Schade, er hätte das Ganze auch ein wenig weiter ausgereizt, aber im nächsten Stock kamen weitere Personen in den Fahrstuhl. 

Zuvorkommend ließ Jack den beiden zugestiegenen Frauen den Vortritt und verließ mit Angel als Letztes den Fahrstuhl. Zielstrebig geleitete Jack Angel zu einem Taxistand und nannte sein Ziel.

Das Taxi hielt an einem Hafenbereich, in dem nur exklusive Jachten lagen.

Ergriffen schaute Angel sich mit großen Augen um und bekam den Mund nicht mehr zu. „Besichtigen wir jetzt Jachten?“, fragte sie beeindruckt. „Die da ist heiß“, stöhnte sie gleich danach und beäugte die gigantische und luxuriöse Jacht.

„Und wie gefällt dir die da hinten?“

„Wow, die is ja noch größer! Und da hinten steht ein Heli drauf. Und guck mal, die hat ja mindestens fünf Decks.“

„Willst du die mal von innen sehen? Ich kenne den Besitzer.“

Mit großen Kulleraugen nickte Angel sprachlos und hatte völlig vergessen, dass Kev ihr mal ein paar Infos zugesteckt hatte.

Oh Mann, er musste sich auf die Zunge beißen, damit er nicht dümmlich grinste. Jack lotste Angel über einen breiten Steg auf die Jacht und ließ die Taschen erst los, als sie den Hauptraum betraten. Wow, Angel kullerten die Augen immer weiter raus und sie zog ihre Schuhe von den Füßen.

„Tun dir die Füße weh?“, fragte Jack fürsorglich.

„Nein, aber ich will hier nichts kaputt machen.“

Aufs Neue musste er sich ein Grienen verkneifen und Jack hielt Angel in seinen Armen fest. „Ist dir Geld eigentlich viel wert? Brauchst du Luxus?“

„Geld ist insofern wichtig, da es dafür sorgt, dass man was zu kauen und zum Anziehen hat, und ich brauche keinen derartigen Luxus. Wer kann sich für solch ein Schiff schon eine Putzfrau leisten?“

„Die Jacht wird alle zwei Monate grundgereinigt und der Besitzer vermietet das Schifflein, dann wird auch meist das Personal gleich mit gechartert.“

Dieses Schiff war eindeutig zu groß, Angels Augen verengten sich. „Und du hast es jetzt gemietet?“

„Nein. Warum sollte ich ... es gehört mir.“

Okay, das war zu viel Information, nee, eher zu viel Schiff, Angel ließ sich auf einen der weißen Sessel plumpsen.

„Es ist eine von fünf Jachten, die die Weltmeere durchkreuzen und die Zweitkleinste.“

„Verschlingt das nicht Unmengen an Geld?“, polterte es ihr heraus.

„Sicher, aber ich fahre Plus ein.“

Nochmals blickte Angel sich staunend um. „Deine?“

„Angel, ich kann es mir leisten.“

Mit einem leisen Ruck sprangen die Motoren an, das Schiff begann sich zu bewegen und prompt sprang Angel in Jacks Arme.

„Konga hat gesehen, dass wir da sind, und fährt jetzt los.“

Trotzdem schluckte Angel und klammerte sich an Jack fest.

„Auf dem Katamaran warst du doch seefest oder?“

„Ja, aber ich bin noch nie auf so einem Schiff gewesen.“

„Und jetzt hast du Bammel?“

„Und wie!“

Sicher, ihre Reaktion war süß, aber Jack atmete geräuschvoll und hielt Angel fest. „Dir passiert hier nichts. Komm, ich zeige dir unser Reich.“

Nach kurzem Zögern ließ Angel sich von Jack führen, hielt seine Hand aber eisern fest.

„Hast du hier Personal drauf?“, fragte sie, nachdem sie einen Saal betreten hatten, der bestimmt dreimal so groß war, wie die gesamte Wohnfläche ihres Hauses in Bremen.

„Nein, momentan fahren wir ohne, weil Konga und Kev alles im Griff haben und wir keine Verpflegung, außer für Joy, brauchen.“

„Jack, wenn wir mal Urlaub machen sollten, dann bitte etliche Nummern kleiner.“

„Kein Problem Darling.“

„Ich fühle mich hier verloren“, gab sie zu.

„Dann lass uns weitergehen.“ Er führte sie in einen Wohnbereich, der einer großen Wohnung gleichkam.

„Hier wohnt eigentlich das Personal. Ich wollte dir das nur zeigen, falls du dich hier wohler fühlen würdest. Jetzt zeig ich dir meinen Privatbereich. Dort darf keiner rein, auch nicht, wenn ich sie vermiete.“ 

Sein Privatdeck lag zwei Decks höher und war rundherum verglast. Selbst die Wände zwischen den Zimmern bestanden aus Sicherheitsglas. Jack sah Angel ihre nächste Frage an. „Ich behalte gerne den Überblick. Wir können rausgucken aber keiner kann sehen, was sich hier drinnen abspielt. Selbst wenn hier die Lichter an sind und draußen finstere Nacht herrscht.“

„Wir können hier poppen und keiner sieht es?“

Jack lachte. „Das gefällt dir, stimmt’s?“

Angel nickte heftig und streifte ihre Hose ab.

„Willst du gleich loslegen?“, fragte Jack etwas beunruhigt.

„Ja, ich will diese geniale Duschkabine antesten. Guck doch mal! Alles hier ist vollverglast, das ist wie nackig im Freien duschen! Alle können vorbeigehen und ich …“

„Ach so“, flüsterte er beinahe enttäuscht.

Sie schmulte zu ihm hoch. „Das eine schließt doch das andere nicht aus, oder?“

„Kleines, ich muss erst mit Kev und Konga etwas besprechen. Wir sind reichlich spontan ohne Vorbereitung aufgebrochen. Kannst du auf mich warten?“

Nö, wollte sie nicht, Angel streifte ihr Shirt bereits über den Kopf. „Nein, ich werde selber Hand anlegen“, seufzte sie und ließ sich nackt auf das riesige schwarz bezogene Bett fallen.

Ein Knurren rutschte über seine Lippen, Jack kam über sie. „Mein Weib, ich hab jetzt etwas mehr zu melden.“

„Ach ja, was denn?“

Wenige Sekunden später war Angel ans Bett gefesselt und in ihrer Bewegung so weit eingeschränkt, dass sie nichts mehr machen konnte.

„JACK!“, schrie sie und zerrte an ihren Fesseln.

„Ja Sweety?“

„Ich muss mal.“

„Nee, nicht mit mir. Vampire müssen so gut wie gar nicht mehr.“

„Dann werde ich brav sein und keine Hand anlegen.“

„Das seh ich auch so. Schön warten.“ Jack zog sich sein Shirt aus und legte es auf ihren Bauch. „Damit unser Zwerg nicht friert. Bis gleich.“

„JACK MACDRAGON! MACH MICH LOS!“, brüllte Angel, doch Jack schloss die Glastür bereits.

„Das wirst du bereuen!“, fluchte Angel und zerrte an den Ketten. „Woraus sind die Scheißteile?“, grollte sie und pure Wut schnürte ihre Kehle zu.

Als sie sich nach einer Lösung umsah, entdeckte Angel nur Jack, der draußen entlanglief und ihr zugrinste. Wieso wusste er, wo sie war? Konnte man das von draußen abschätzen oder doch sehen?

Panik aus einer verdrängten, unschönen Zeit flackerte in ihr auf, ab dem Augenblick, als Jack die erste Fessel befestigt hatte. Nun wuchsen die Angstzustände stetig an und übernahmen die Oberhand. Angel drehte durch, zerrte an den Handgelenken, trat mit ihren Füßen verzweifelt um sich ...

Gerade als Jack vorbeikam, tauchte Joyce aus dem beheizten Pool auf. „Wo ist Mama?“

Für einen Moment setzte Jack sich zu Kev auf die Liege.

„Angel ruht sich aus.“

„Warum? Sie kann doch auch hier relaxen“, brachte Joyce ein.

„Sicher. Wird sie nachher auch müssen.“

Entnervt, weil ihr das Getue der beiden auf den Keks ging, rollte Joyce mit ihren Augen und tauchte wieder unter.

„Danke für die Kinderbox“, sagte Kev und zeigte auf Flora, die in einer Luxusausführung von einem riesigen Kindergatter mit unendlich vielen Spielzeugen saß und immer wieder Neues entdeckte. „Keine Ursache. Für die kleine Maus machen wir doch alles. Gehen wir ein Stück?“

Felma stieg gerade in den Pool, als die Männer sich zu Konga auf den Weg in den Steuerraum machten.

Ein Plan musste her. Die Vampire besprachen die Route und wer wen wann ablöste. Eine gute halbe Stunde planten sie auch die Anlaufstellen für Besorgungen.

„Soll ich das notieren oder merken wir uns das so?“, fragte Konga.

„Mach, was du willst. Angel ist ans Bett gefesselt, und bevor sie völlig ausflippt, muss ich jetzt wieder zu ihr.“

Auch wenn es ihm so derbe gegen den Strich ging, dass er sich lieber selber schleunigst auf den Weg gemacht hätte … „Du hast es gewagt, Angel ans Bett zu fesseln und hast sie auch noch allein gelassen?“, rief Konga aus und begann Jack mit Nachdruck aus der Tür zu schieben.

„Was ist los?“

„Oh Mann, wenn dir dein Leben lieb ist, dann renne! Joy hat mir erzählt, wie sehr Angel es hasst, gefesselt zu werden. Ihr erster Partner wollte das regelmäßig, hat sie stundenlang allein gelassen und hat sich dann mehr oder weniger an ihr vergangen. Du hast jetzt echt Ärger am Laufen, weil Angel eine Phobie gegen jede Art von Fesseln entwickelt hat. Das war ein denkbar schlechter Schachzug. Beweg deinen Arsch im Vampirtempo!“

Jack schluckte und rannte los.

Kaum, dass er die Tür geöffnet hatte, roch er Angels Furcht. Alle Gelenke hatte sie sich blutig gezerrt. In Vampirgeschwindigkeit löste er die Ketten und Angel zog sich ans Kopfteil zurück, sie kauerte sich zusammen und starrte ins Leere.

„Angel, ich wollte dir keine Angst machen“, sagte er sanft, aber er drang nicht zu ihr durch. Tief in ihre Angst versunken war Angel nicht mehr ansprechbar.

Reuig und hilflos näherte Jack sich ihr vorsichtig und versuchte ihr über die Schulter zu streicheln, doch sie zuckte wie ein verängstigtes Tier zurück. „Sweety, es ist alles okay, keiner tut dir weh. Ich hab großen Mist gebaut und werde es nie wieder tun.“

Weiterhin zeigte Angel keine Reaktion und Jack zweifelte an seinem Verstand. Er hatte sie doch schon mal gefesselt, auf Fischers Insel in der Schaukel.

Warum reagierte sie jetzt so? Lag es nur daran, weil er den Raum verlassen hatte?

Oh ja! Aber woher sollte er das wissen?

„Sweety, Angel? Wie kann ich das wiedergutmachen? Baby, sag doch was!“

Mehr als ein Wimmern kam nicht, Angel versteckte ihr Gesicht unter der Decke, die sie immer dichter an sich zog.

Äußerst langsam kam Jack ihr näher und löste ihre Starre dadurch. Urplötzlich fauchte sie ihn an, fuhr Krallen und Fänge nach ihm aus, versuchte ihn zu schlagen. Beherzt packte Jack ihre Hände und Angel wandte sich, trat nach ihm, wollte ihn von sich wegstoßen.

„ANGEL!“, schrie er und packte sie an den Schultern.

Nein, keine positive Reaktion, Angel wälzte sich wieder und biss Jack in den Oberarm. Aufschreiend schüttelte Jack Angel. Auch das half nicht, sie war wie von Sinnen. Nun ahnte er, wie weggetreten sie war, und konnte sie nur mit einem weiteren Schock aus ihrer Lage rausholen. Aus purer Verzweiflung holte Jack aus und stoppte kurz vor ihrer Wange. Nein!

Er konnte und wollte sie nicht schlagen.

Ihrerseits hatte Angel intuitiv mit dem Schlag gerechnet und blinzelte, als seine Hand nicht auf ihrer Wange landete. Sie sah Jack an und brach in Tränen aus. Nun ließ sie sich von ihm in die Arme nehmen und heulte Rotz und Wasser.

„Mach das nie, nie wieder! Ich will nicht alleine in einem Raum gefesselt sein, niemals wieder!“, schluchzte sie und würgte gleichzeitig, weil sie sich so ins Weinen reingesteigert hatte.

Reumütig drückte Jack sie fester an sich. „Niemals wieder, niemals!“, flüsterte er ihr zu. „Ich wusste das doch nicht. Sonst hätte ich es nie gemacht.“

Wie ein kleines, verängstigtes Kind kauerte Angel sich in seine Arme und wimmerte leise.

„Sweety, ich möchte in den nächsten Stunden von dir erfahren, was Angst in dir auslöst und was dir alles passiert ist. Egal wie schlimm es war. Denn ich möchte keine Fehler machen, die ich vermeiden könnte, um dir nicht noch mal wehzutun.“ 

Was er in den nächsten Stunden von ihr hörte, machte ihm sehr bewusst, was Angel in ihrem kurzen Menschenleben alles verarbeiten und verdauen musste. Vieles davon machte Jack im Nachhinein so wütend, dass er die Personen, die Angel das angetan hatten, am liebsten gesucht und gekillt hätte.

„Ich will nicht mehr reden“, endete Angel, obwohl sie mit den harten Erlebnissen noch gar nicht angefangen hatte.

„Soll ich dir was zu trinken bringen?“

„Ja, bitte.“

„Baby, du brauchst mich darum nicht bitten.“ Jack drückte ihr einen Kuss auf die Stirn und ging los. 

Ihr Blick ruhte auf dem Wasser, Angel stand an der vorderen Glasfront und hatte sich ein Handtuch umgewickelt. Gedankenversunken strich sie mit ihren Fingern über das kalte Glas und drückte ihre Stirn dagegen.

Vorsichtig kam Jack von hinten an sie heran, hob ihr Kinn sanft empor. „Angel, egal was war, ich liebe dich und keiner wird dir je wieder wehtun.“

Traurig sah Angel in seine Augen, denn sie hatte eben eine Vision, die anderes aussagte. Jack würde nicht verhindern können, dass man ihr wehtun würde.

Mit zitternden Fingern nahm sie ihm das Glas ab und leerte es unverzüglich.

„Wie geht es unserem Zwerg nach der Aufregung?“

Seelisch immer noch erschöpft sah Angel an sich herab. „Er hat mich getreten.“

„Echt, macht er das schon?“, fragte Jack neugierig. „Lass mich fühlen.“

„Tu deinen Gefühlen keinen Zwang an. Aber momentan kann ich fast sein Schnarchblubbern hören und am Daumen schmatzen tut er auch.“

Keiner konnte nachvollziehen, wie sehr er sich auf sein erstes Kind freute, so schob er seine Hand unter ihr Handtuch und streichelte über ihren Bauch. „Wie hörst du das?“

Angel zog Jack zum Bett und legte sich rein. „Leg dein Ohr rauf und lausche.“

Bisher war nicht viel zu fühlen oder zu hören gewesen. Deshalb nahm Jack sich vor, genau auf jede Regung zu achten.

„Etwas tiefer. Momentan hat er seinen väterlichen Dickschädel tiefer.“

Ihr scharfer Unterton ließ Jack aufsehen, Angel war noch lange nicht über das Erlebnis von eben hinweg. „Du kannst mich ans Bett fesseln und mit mir machen, was du willst, aber hör bitte mit dem Gestänker auf. Ich liebe dich und wusste über dein bisheriges Leben nicht Bescheid.“

So leicht konnte Angel die Vergangenheit nicht wieder runterschlucken und sah Jack demzufolge bedrückt an. Natürlich wusste sie, dass Jack nicht der Mann war, der ihr das angetan hatte. Doch ihre Furcht saß so tief, sie konnte nicht über ihren Schatten springen. „Gib mir Zeit. Ich muss das erst verdauen.“

Sanft legte Jack sich an ihre Seite und sah ihr in die Augen. „Wenn du dich von mir beeinflussen lassen würdest, könnte ich dir die Angst und die Erinnerungen daran nehmen.“

„Kannst du aber nicht und ich muss damit leben.“

„Du machst es mir nicht einfach, an dich heranzukommen. In dir steckt so viel, ich glaube ich werde eine Ewigkeit brauchen, um alles zu ergründen.“

Leise atmend legte Angel sich auf die Seite, blickte ihm ins Gesicht, nahm seine Hand und legte sie unter ihren Bauch. „Stütz deinen Sohn mal etwas ab. Er liegt gerade günstig, um dir in die Hand zu treten“, flüsterte sie, legte ihre Finger in seinen Nacken und zog ihn vor ihr Gesicht. „Deine Augen sind so grün, ich möchte darin versinken. Ich könnte dir beim Schlafen auch immer über den Nasenrücken streicheln und deine Lippen küssen.“

„Wenn du das machen würdest, dann bekäme ich nicht viel Schlaf, weil ich gegenküssen würde“, flüsterte Jack und senkte seinen Mund auf ihren. Ihre Zungen umspielten sich leicht und sinnlich.

Gerade als Jack sie stürmischer küssen wollte, drückte etwas in seine Handfläche. Er fühlte den kleinen Fuß seines Sohnes an seinen Fingern. Jäh löste Jack sich von Angels Mund und sah lächelnd auf ihren Bauch.

„Soll er dich noch mal treten?“

„Wie willst du das anstellen?“, fragte Jack.

„Ich habe eine Verbindung zu ihm. Die beinhaltet, dass ich ihn beruhigen kann und andersherum kann ich ihn zum Zappeln bringen.“

„Wie hast du das herausgefunden?“

„Vor zwei Tagen hat er gezappelt wie ein Irrer und dann habe ich ihn mit einem tiefen Summton beruhigt.“

„Und wie bringst du ihn zum Zappeln?“

Was für eine Frage, grinsend zog Angel eine Braue hoch und sah Jack schief an.

„Nee! Er wacht auf, wenn wir miteinander schlafen?“

Sie nickte und zog Jack stürmisch an sich.

In den folgenden drei Stunden erwachte Jared immer mal wieder und schlief zwischendurch in den Ruhephasen wieder ein.

Die nächsten vier Wochen erlebte Angel als die schönste ihrer drei Schwangerschaften, denn Jack kümmerte sich rührend um beide. Er versorgte Angel mit Fußmassagen und Sex, der unglaublich zärtlich war, denn er hatte sich zum Ziel gesetzt, seinen Sohn auch mal nicht zu wecken, wenn er mit seiner Mutter schlief. Gelang ihm allerdings nur ein einziges Mal.

Dafür genoss Angel das volle Verwöhnprogramm.

„Sweety, soll ich beim Laufen deinen Bauch tragen? So von hinten.“

Fast blieb Angel der Blutschluck im Halse stecken, sie musste lachen und das eben im Mund gewesene Blut schoss ihr aus der Nase wieder heraus.

Reaktionsschnell sprang Jack in Deckung und sah Angel wie ein Dackel an. „Soll ich nun?“

„Nee, dass krieg ich eben noch allein gebacken. Oder wolltest du mir jetzt durch die Blume sagen, wie fett ich bin?“, hüstelte sie.

„Niemals! Meinetwegen kannst du noch dreißig Kilo drauf packen“, meuterte Jack voller Inbrunst und wischte ihr das Blut aus dem Gesicht.

„Nein!“, rief Angel fassungslos und setzte sich an den Beckenrand.

Wie ein ungezogener Junge sprang Jack neben ihr in den Pool, ließ das Wasser aufspritzen, schwamm wieder zurück, streckte ihr seine Arme entgegen und Angel ließ sich ins Wasser gleiten.

„Sweety, ich habe unzüchtige Gedanken. Was soll ich dagegen machen? Dein dicker Bauch macht mich sowas von an.“

Mit einem bösen Schmollmund spritzte Angel Jack Wasser ins Gesicht, worauf dieser sich schüttelte und sie an sich zog. „Ehrlich, ich will dich.“

Um ihr das zu verdeutlichen, zog Jack Angel hinter sich her ins flachere Wasser und drückte sie an den Rand, neigte seinen Kopf und hauchte ihr einen Kuss auf den Hals. Umgehend reagierte Angel und seufzte leise.

„Das kannst du besser“, flüsterte Jack und biss sie in den Hals.

Ja konnte sie, Angel keuchte auf und ergab sich seinem Saugen.

Seit sie schwanger war, produzierte Angel dank ihres Dursts immer zu viel Blut, sein Absaugen senkte ihren Blutdruck, wonach sie sich besser fühlte.

Etwas länger als sonst ließ sie Jack an ihrem Hals trinken, schickte ihre Hand auf Wanderschaft zu seiner weiten Badehose, befreite seine Erregung und fuhr seinen Schaft rauf und runter, bis er aufhörte zu saugen.

Mit einem Räuspern hockte Konga sich neben den Beckenrand. „Ich unterbreche euch nur ungern, aber wir können den nächsten Hafen nicht ansteuern. Die frischen Blutvorräte sind allerdings fast alle.“

Kein Blut mehr, das war ein echtes Problem, Angel ließ von Jack ab.

„Wo ist das Problem mit dem Hafen?“, fragte Jack, während er sein Rohr wieder in die Badehose schob.

„Viele einfarbige Limousinen und alle gehören einem Vampir. So wie es aussieht, sind sie an einigen Containern interessiert und ich möchte die Aufmerksamkeit nicht auf uns lenken.“

Nach dieser Aussage konnte Jack ohne Erregung aus dem Wasser und stemmte sich am Rand hoch. Weil mit seinem Ausstieg ein Wasserschwall auf sie einprasselte, prustete Angel wild drauf los.

„Konga, mein Mann ist so ein Flegel, macht mich einfach nass. Hilfst du mir? Ich möchte aus dem Wasser.“ Was war schon dabei, Jack stand ja fast daneben!

„Sicher.“ Konga kniete sich hin, griff unter Angels Achseln, zog sie mit einem kraftvollen aber sanften Ruck aus dem Wasser und mit einer Drehung dicht an sich. Ihre Blicke trafen sich und für den Bruchteil einer Sekunde wurde Angel warm in seinen Armen. Ihr Oberteil war verrutscht oder war es, weil Jack mit ihr intim werden wollte? Egal, mehr Sorgen machte sie sich darüber, wie ihre Brustspitze an seine warme Brust stieß und sich wahnsinnig schnell aufrichtete.

Verstört peilte sie an sich herunter, und bevor Angel reagieren konnte, zog Konga den dünnen Stoff vor ihre Brüste und hielt wieder für eine flüchtige Zeitspanne seine Fingerkuppen zu lange auf ihrer erregten Brustspitze. Ihre Sinne schwanden, als dann noch sein Mund sich dem ihren näherte. „Alles klar mit dir?“, fragte er und starrte unbewusst auf ihre Lippen.

„Ja, mir ist nur etwas schwindelig.“

„Konga, bring Angel ins Bett und komm nach, wir müssen planen.“

Wortlos sah Konga zu ihm auf und nickte. Leider fehlten ihm die Worte, weil Angels dichte Nähe ihn irritierte, sonst hätte er Jack einen Vogel gezeigt und ihm unmissverständlich gegeigt, das doch selber zu machen!

„Warum bringst du mich nicht?“, fragte Angel Jack, während sie gleichzeitig versuchte, Kongas intensivem Blick auszuweichen.

„Weil ich dann Stunden brauche, um unser Reich wieder zu verlassen“, gestand er ihr.

Angel ließ sich von Jack auf die Beine ziehen, um Konga aufstehen zu lassen.

„Tragen oder laufen?“, fragte Konga sie.

„Ich bin nur schwanger und nicht gehbehindert“, schmollte Angel und schwankte an Konga vorbei.

Sofort gab Jack ihm ein Zeichen und Konga ging hinter Angel, hob sie kraftstrotzend in seine Arme.

„Lass mich runter! Ich kann allein gehen!“, maulte sie mit zappeligen Beinen.

Stur sowie schweigend mied Konga ihren bösen Blick. Angel nahm seinen sich wandelnden Geruch auf und wurde urplötzlich sehr still. Sie beobachtete ihn, schluckte mit einem Mal.

„Wo ist Jo?“, fragte sie, um sich von ihren aufkeimenden seltsamen Hirngespinsten abzulenken.

Konga blickte auf Angel runter, die ihren Kopf an seine Schulter schmiegte und mit ihrer Wange sicher irrtümlich über seine heiße feste Haut rieb. „Sie schläft. Soll ich sie wecken?“

Verzweifelt suchte sie nach Worten, um diese intime Nähe zu entschärfen. „Nein, ist schon gut ... Ich wollte nur wissen, wie es ihr geht.“

Irgendwas lag in der Luft und es fühlte sich stark nach Spannung an. Extrem elektrische geladene Spannung ... mit ganz viel Hormonüberschuss.

Jäh dachte Angel an die letzte seltsame Begegnung in ihrer Küche, bekam Herzklopfen und versuchte vergeblich, dieses Bild aus ihrem Kopf zu bekommen.

„Es geht ihr gut, sie ist nur müde“, murmelte Konga und ließ seinen Blick an Angel hinabwandern, er witterte ebenso, dass sich ihr Duft verändert hatte ... und atmete tief und gründlich ein.

Was für ein dreister Blick, offensichtlicher konnte er ihr nicht auf die Brüste starren, Angel wollte ihn zurechtweisen, doch ihr Augenmerk folgte seinem.

Binnen Sekunden bohrten sich ihre Brustspitzen durch den schwarzen dünnen Stoff ihres Bikinis. Angel errötete, als sie wieder zu Konga aufsah und merkte, wie er sie intensiv betrachtete. Wie konnte das sein? Sie war schwanger und so boah ... schwanger.

„Ich denke, du schaffst die paar Meter zum Bett allein“, räusperte er sich mit rauer Stimme und ließ Angel bedächtig an sich herabrutschen.

Taub, alles war taub, Angel konnte sich nicht rühren, ihre Beine knicken mit dem ersten Bodenkontakt in sich zusammen. Scharf einatmend hob Konga sie wieder an. „Weiche Knie?“, fragte er dezent, blickte aber mit seinen schwarzen Augen tief in ihre.

Trockenzeit, eine fette Dürre auf der Zunge, Angel nickte, ihre Kehle war restlos staubig.

Verdrossen trat Konga vors Bett und sah von ihr zu dem zerwühlten Laken.

„Lass mich runter“, krächzte Angel.

„Nein“, flüsterte Konga emphatisch, wobei er seinen Blick nicht von ihr ließ.

Himmel, Angel erlag nur wegen dieses einen Worts einem Schweißausbruch. Er kniete sich auf das Bett und legte sie sanft in die Kissen. „Soll ich dir noch irgendwas bringen? Handtuch, Blut ... einen Bademantel, damit du dich ausziehen kannst.“

Warum musste er das Wort ‚ausziehen‘ jetzt so lang dehnen?

Gedankenvollverlustanfall mit rasendem Pulsschlag, ihr Atem beschleunigte sich, wieder schwanden ihr die Sinne, als sein Mund so dicht vor ihrem war. Eigentlich wollte sie ihm die Leviten lesen und ganz böse gucken, weil er doch immer in ihrem Geist rumpfuschte … eigentlich … 

Konga zog seine Arme unter ihr hervor und streichelte über ihre Wange. „Oder willst du schlafen?“, fragte er sanft und streichelte mit seinen Fingerkuppen zärtlich über ihre Schulter. Irgendwie fühlte sie seine Finger auf ihrer Haut auch dann noch, wenn er sie nicht mehr berührte.

Angel sah von seinen Augen auf seinen Mund.

„Du könntest mir die Schultern massieren“, entwich es ihr leise.

Seine bisher ausdruckslose Miene wich einem schelmischen Lächeln und doch intensivierte sich sein Blick nochmals, wenn das überhaupt noch zu toppen war. „Nein. Das ist mir zu gefährlich und er würde es mir übel nehmen.“

Angels Brustkorb hob und senkte sich schneller, als sie auf seine Hand schielte, die immer noch auf ihrer prickelnden Haut lag. Konga schmunzelte darüber und streichelte über ihren runden Bauch. Mit einem aufgehauchten Kuss auf ihre Schulter zog er sich zurück.

„Ruht euch aus.“

Blutiger Höllenhimmel, seine raue Stimmlage ließ ihren Körper erschauern.

Wie benommen sah sie ihm hinterher, wobei sie über die Stelle streichelte, wo sein Mund sie berührt hatte.

Warum konnte sie nicht klar denken, wenn er ihr so nahe war?

In den folgenden Wochen mied Angel es wie die Pest, mit Konga allein zu sein. Nur hin und wieder warf sie ihm einen Blick zu, doch das ließ schnell nach, weil Jared sie quälte und ständig gegen ihren Magen trat.

Es musste an ihren Hormonen liegen, dass sie so intensiv auf andere männliche Blutsauger reagierte, nun ja ... Kev war nicht interessant. Trotzdem oder vielleicht gerade wegen diesem Umstand wollte sie sich in diese Richtung kein Fantasiefutter mehr geben.

„Dein Sohn zielt so genau, ich könnte annehme, ihr habt euch gegen mich verschworen.“

„Sweety, was denkst du denn von mir? Natürlich schützt er dich.“

Alle schauten von Jack auf Angel, die ihm einen bedrückten Blick zuwarf.

„Wovor schützt er mich denn?“

„Ich denke, er mag es jetzt nicht mehr, wenn ich ihm vor den Kopf stoße.“

Alle bis auf Angel und Konga lachten.

Endlich schnallte Angel auch, was er meinte und verschränkte eingeschnappt ihre Arme vor der Brust.

„Dauert höchstens eine Woche, dann ist er da und kann uns von nichts mehr abhalten“, versuchte er Angel zu beruhigen.

Felma nickte zustimmend.

„Ach, ihr seid euch also einig?“, fragte sie in die Runde.

Alle grinsten ... bis auf Konga, der nur schmunzelte und das war in diesem Augenblick schon zu viel! Was Angel ihm jetzt heimzahlen würde. Warum auch immer! „Ist das bei dir auch so?“, fragte sie Joyce spöttisch.

Entsetzt klappte Joyce der Mund auf, weil sie es eher vermied, in Gegenwart ihrer Mutter über ihr Intimleben zu plaudern.

Tat hier aber auch keiner gezielt, es wurden ja nur Andeutungen gemacht.

Konga sah zu Joyce, übernahm die Antwort für sie und sah Angel dabei gezielt fest in die Augen. „Sex kann auf viele Arten ausgeführt werden. In den letzten Wochen sollte man mehr auf gründliche Zungenspiele ausweichen.“

Musste er sich nun dabei auch noch über die Lippen lecken?

Angel sah über den Tisch zu Konga und ein Ziehen schoss durch ihren Unterleib.

Keine Wehe. Nein, sie war in ihre Fantasie abgeglitten. Fühlte eine Zunge zwischen ihren Beinen. Fahrig griff sie nach ihrem Glas und trank zu hastig. Etwas Blut lief über ihren Mundwinkel. Jack bemerkte es und nahm ihr das Glas ab. Sie sah Jack in die Augen und das Drumherum versank, als er ihr das Blut sanft ableckte.

Wie immer stöhnte Joyce gekünstelt auf, weil sie das bei ihrer Mutter nicht sehen wollte. „Verzieht euch“, knurrte sie und schmollte in ihr Glas, denn Konga tat diese Dinge nicht mit ihr, jedenfalls nicht so oft, wie sie es sich wünschte. Zärtlichkeit tauschten sie momentan sowieso weniger aus, weil Joyce ihren Starrkopf, den Anfang zu machen, einfach nicht in den Griff bekam.

„Deine Tochter ist neidisch“, flüsterte Jack und zog Angel aus dem Stuhl.

Angel warf Konga einen letzten Blick zu, den er allerdings nicht sah, weil er in sein Glas stierte. Um der dicken Luft zu entkommen, hob Jack Angel an und trug sie davon.

Joyce ging ebenso, aber ohne Konga.

Kev stand auf. „So, ich gehe hoch, wir fahren gleich weiter.“

Herzhaft gähnend wünschte Felma Konga eine gute Nacht. Er selber blieb sitzen und sah lange auf den Platz, wo eben noch Angel gesessen hatte.

Wieder fraßen sich die letzten sechsundzwanzig Jahre durch seine Gedärme.

Oh ja, er hatte sehr wohl mitbekommen, dass er an Angels Fragestellung gegenüber Joyce schuld war, nur der Grund wollte sich ihm nicht offenbaren.

Sie wusste alles, was zwischen ihnen passiert war, seit Jack ihr das allererste Mal über den Weg lief, und trotzdem reagierte sie weiterhin auf ihn. Tja, damit hatte er nicht gerechnet, wo sie doch vor ein paar Wochen reichlich direkt darauf hinwies … Moment! Was genau hatte sie eigentlich angedeutet? Jedenfalls nicht, dass es ihr nicht gefallen hätte! Oder brannten ihm nun die Sicherungen durch? Falls ja, warum?

Drei Tage später begannen bei Joyce die Wehen und Konga war völlig aufgelöst.

Professionell übernahm Felma den Platz hinter Joyce und handelte nach Anweisungen von Jack, der zur Hebamme der vampirischen Frauenwelt mutiert war. Er strahlte eine Ruhe aus, der kein anderer das Blut reichen konnte. Nach acht Minuten war alles vorbei und Jack drückte Konga seine Tochter in den Arm. Joyce war völlig erschlagen, denn der Anteil an Menschenblut war bei ihr noch viel zu hoch für eine so schnelle Geburt.

Vor Stolz heulte Konga Rotz und Wasser, als er das Würmchen in seinen Armen anschaute.

Derweil kümmerte Angel sich um ihre bleiche Tochter, Joyce sah wirklich nicht gut aus. „Jack?“

„Was ist Sweety?“

„Warum ist Jo so blass?“

Sofort erfasste Jack ihren Zustand und sah von ihrem bleichen Gesicht zu Konga. „Wann habt ihr die letzte Blutgabe gemacht?“

„Zu Anfang der Schwangerschaft“, antwortete er und sah bestürzt zu Joyce.

„Dann reich mir dein Kind und hol das sofort nach! Ihr habt viel zu lange gewartet!“, knurrte Jack.

Tja, Angel stand dichter bei Konga und ließ sich von ihm ihre kleine Enkeltochter in den Arm drücken. Hier war alles so weit klar und Jack musste Kev zum nächsten Hafen einige Informationen geben, er verließ zuerst die Kabine. Nach einem kurzen Blick auf das süße neue Baby musste auch Felma los, denn Flora schlief in letzter Zeit nicht gut.

Von dem eingewickelten Bündel in ihren Armen sah Angel zu Konga, der sich bereits auf das Bett kniete und ihr einen letzten Blick zuwarf.

„Alles okay bei dir?“, fragte sie ihn.

„Kannst du bleiben?“

Nein, wollte sie nicht, doch Angel nickte und setzte sich mit dem Baby auf das Sofa im Wohnbereich. Sie sah zum Bett rüber und Tränen um das Wohlergehen ihre Tochter rannen über ihre Wangen und gleichzeitig füllte ein anderes Gefühl sie aus. Ihr Blick wurde bittersüß und sie senkte ihn, als Joyce an Kongas Hals sog. Sie wollte das nicht sehen, stand auf und wandte sich ab.

Wie schneidende Messer, die sich in ihren Magen bohren, hörte Angel Joyces saugende Geräusche und konnte sich nicht mehr halten. Schnurstracks ging sie aufs Deck und kuschelte sich auf einer der vielen Sonnenliegen mit dem kleinen Mäuschen in eine wärmende Decke.

Konga kam etwas später in Boxershorts zu den beiden rüber.

„Wo ist Jack?“, fragte er leise, weil er seine Tochter nicht wecken wollte.

„Keine Ahnung, ich denke, er wollte irgendwas mit Kev besprechen. Wie geht’s Jo?“

„Besser, wesentlich besser. Sie will ihre Baby sehen.“

Abwesend fiel sein Blick auf seine Tochter, Konga setzte sich neben Angel auf die Liege und seine Körperwärme drang durch die Decke an ihren Bauch. Ohne sich der Nähe bewusst zu werden, beugte er sich über sein Kind und drückte der Minilady einen Kuss auf die Stirn.

Dabei kam sein Hals ihrem Sichtbereich bedrohlich nahe, Angel schluckte.

Die noch frischen Bisswunden über seiner Halsvene zogen sie magisch an, ließen sie mit ihren Fingern darüberfahren und sein Blut auf ihre Fingerkuppen nehmen. In diesem Moment blickte er ihr in die Augen.

Beschämt von diesem intimen Augenblick wollte Angel ihre Hand an der Decke abwischen, aber Konga hielt ihr Handgelenk fest.

„Verschwende es nicht“, sagte er zärtlich und führte ihre Finger zu ihrem Mund.

Angel leckte es ab. Nicht nur seine Augen waren so intensiv, auch sein Blut bot vieles in diese Richtung. Ihr Blick wurde weicher und Konga näherte sich ihrem Mund, bis ihre Lippen einen hauchzarten Kontakt bekamen. Zu mehr kam es nicht.

„Jack kommt. Lass mich Heaven reinbringen“, flüsterte er Angel zu und strich sich ein letztes Mal selber über den blutverschmierten Hals und fuhr mit seiner Fingerkuppe über Angels Lippen.

Nun leckte sie blindlings das Blut von seiner Fingerspitze. Er warf ihr einen letzten durchdringenden Blick zu und nahm seine Tochter auf die Arme.

Wortlos ging er davon.

Jack bog um die Ecke und in den kommenden Stunden versuchte Angel vergebens, diese erneut seltsame Begegnung mit Konga zu vergessen.

Lebensretter

 

 

 

Exakt eine Woche später fuhr Angel mit stechenden Schmerzen im Bett hoch, Jack schlief neben ihr. Sie waren über ihr Liebesspiel eingeschlafen. Draußen ging die Sonne auf. „Jack.“

Nee schlafen, Jack grummelte vor sich hin, was sich wie ein ‚Machen wir später‘ anhörte.

„Jack!“, rief Angel lauter und nun saß er senkrecht im Bett.

„Was ist Sweety? Brauchst du was?“

„Ja. Deine Hilfe!“

Seine Augen gingen nicht richtig auf. „Warum?“, fragte er schlaftrunken, was nach der kurzen Nacht nicht verwunderlich war.

„Jack, dein Sohn will raus!“, sagte sie nun mit mehr Nachdruck.

Jetzt war er wach, sprang aus dem Bett. „Ich hole Felma“, grunzte er.

„Jack!“

„Was?“, fragte er und hatte die Türklinke schon im Griff.

„Zieh dir vorher wenigstens etwas über, sonst rennt sie weg.“

Okay, er zog sich seine kurze Jeans an, zugleich bekam Angel eine neue Wehe und schrie vor Schmerzen. Mit offener Hose rannte Jack los, verschloss sie im Laufen.

Auf dem Deck saß Konga und sah aufs Meer. „Wo ist Felma?“

„Mit Kev Blut holen. Warum?“

Jack ignorierte seine Gegenfrage. „Wo ist Joy?“

„Sie quält sich mit dem Stillen ab und hat mich rausgeschmissen. Warum?“

„Dann muss du deinen Hintern bewegen, los komm!“

Konga erkannte wohl den Ernst in Jacks Stimme, aber nicht worum es ging. Jack zog ihn bereits am Arm hoch.

„Ich komm ja schon“, grummelte Konga und folgte Jack.

Erst in Jacks Wohnbereich blickte er, was Jack von ihm wollte. „Das kann ich nicht! Lass mich Joy holen!“

„Nein, dadurch verlieren wir zu viel Zeit!“

Konga knurrte und Angel schrie erneut auf. Mit ein paar Schritten war er neben dem Bett und saß kurz darauf hinter ihr. Angel krümmte sich wieder und schrie.

„Das is nich normal“, murmelte Konga und zog Angel an seine Brust.

Jack zog ihren Po tiefer und fühlte nach, ob der Muttermund weit genug offen war. Gleich darauf sah er Konga an und schüttelte seinen Kopf.

„Wie viele Minuten ist sie dabei?“, fragte Konga sichtlich angespannt.

„Zwei vielleicht drei.“

„Dann weite sie“, knurrte Konga und kämpfte gegen Angels Wunsch zu pressen an. „Babe, bleib locker“, sagte er sanft in ihr Ohr.

„Lenk sie ab!“, knurrte Jack und versuchte ihre Gebärmutteröffnung zu weiten.

„Wie?“

„Mir Latte, nur tu was! Sie darf jetzt nicht pressen!“

Nach der abklingenden Wehe beruhigte Angel sich, sie bemerkte, wer hinter ihr saß und begann vollautomatisch animalisch zu schwitzen.

Völlig überfordert fiel Konga nichts Besseres ein, als auf ihren Hormonschub zu reagieren. „Hey Babe. Gib mir einen Kuss“, sagte er zärtlich und neigte seinen Mund auf ihren. Wenn das keine ausreichende Ablenkung war, dann wusste Konga auch nicht weiter.

Er schlang seine Arme um ihren Bauch und schob sie sanft unter ihre bloßen Brüste. Mit den Handflächen Richtung Bauch, versteht sich.

Jack war viel zu beschäftigt und momentan war ihm Angels Leben wichtiger, als dass er Konga für seine übertriebene Zärtlichkeit einen reinwürgen würde.

Angel küsste sanft gegen und ihre Zungenspitzen trafen sich vorsichtig. Unweigerlich drehten sich auch Kongas Hände und streichelten ihre vollen Brüste. Jack sah es und unterdrückte ein böses Knurren.

Von einer weiteren Wehe geschüttelt biss Angel Konga in die Zunge.

„Sie hat mich gebissen!“, nuschelte Konga in ihren Mund.

„Geschieht dir recht. Warum steckst du ihr auch deine Zunge in den Hals?“, brummte Jack und fühlte ihren Bauch ab.

„Der Bengel liegt quer ... Warum?“

Konga wollte etwas sagen wie: ‚Gleicher Dickschädel wie bei euch‘, doch Angel keuchte und gierte wieder nach seiner Zunge und so verschwamm es in ein unverständliches Gebrabbel.

„Kannst du sie nicht anders ablenken?“, fragte Jack unwirsch und drückte seinen Sohn wieder in die richtige Position.

Widerwillig riss Konga seinen Mund von Angels und grunzte lautstark. „Klar bring mir einen Kniffelblock und Würfel. Ich könnte auch: ‚Ich sehe was, das du nicht siehst‘, mit ihr spielen!“

Jack dehnte ihren Geburtskanal wieder. „Nein verdammt, knutsch sie lieber, dann ist sie unten lockerer.“

Ach …

Zärtlich sah Konga in Angels Augen und sie erwiderte seinen Blick mit ebenso viel Gefühl. Nun vergaß Konga Jack gänzlich und neigte sich liebevoll über ihr Gesicht. Verdrängte Erinnerungen schossen durch seinen Schädel ...

„Küsschen gefällig?“, fragte Konga hingebungsvoll und wartete keinen Augenblick ab, denn ihre Lippen öffneten sich bebend.

Wimmernd umspielte Angel seine zärtliche Zunge. Sie legte ihre Hand über seine, die wieder auf ihrem Bauch lag, und schob sie über ihre Brust. Die zweite Hand folgte ohne Aufforderung.

Konga verfiel seinen verdrängten Gefühlen zu ihr und massierte ihre Brüste behutsam. Synchron entspannte sich ihr Beckenbereich und Jack atmete einzig wegen dieses Umstands auf. Eine neue Wehe kam und Konga zog seine Zunge aus ihrem Mund, küsste ihren schweißnassen Hals, sog leidenschaftlich an ihrer Haut.

„Wenn ich euch kurz unterbrechen dürfte. Mit der nächsten Wehe muss Angel pressen und du drückst von oben.“

Wortlos sah Konga kurz auf, nickte und senkte seinen Mund wieder auf ihren zarten Hals. Seine Fänge wuchsen. Angel keuchte vor Hitze, dann kam die nächste Wehe, sie presste und Konga konzentrierte sich auf den konstanten Druck auf ihren Bauch, kämpfte gleichzeitig gegen den Wunsch an, ihr in die Halsvene zu beißen. Seine großen Hände ruhten unter ihren Brüsten und drückten sanft nach unten.

Jack fühlte und atmete schwer ein. „Aufhören! Beide!“

Mürrisch und maulig sackte Angel etwas zusammen und lehnte sich an Kongas warme, nackte Brust.

„Ich will nicht mehr! Geburten tun sooo weh!“, knurrte sie und schob einen verkniffenen Schmollmund vor.

Dieses Weib, selbst jetzt konnte sie trotzig sein, Jack verdrehte die Augen und Konga lachte. „Angel, du bist so einmalig.“

„Pflichte ihr nicht noch bei!“, schnaufte Jack und sah, wie sich ihr Schmollmund wieder schmerzhaft verzog. Warnend warf Jack Konga einen Blick zu. Die nächste Wehe kam über sie.

Angel gab alles und Konga ebenso, wieder umsonst.

„Höchstens zwei Minuten noch“, zischte Jack Konga zu.

Er fühlte nochmals nach der Lage seines Sohnes und knurrte böse. „Hör auf dich zu drehen! Ich versohle dir sonst als Erstes den Hintern!“

„Ich mach das!“, warf Konga ein und legte seine Hände seitlich an ihren Bauch, so bekam der kleine Jared keine Möglichkeit sich nochmals zu drehen. Die nächste Wehe trieb die Geburt etwas voran, denn das Köpfchen lag endlich im Beckenkanal.

 

„Soll ich dich ablösen?“ Felma stand plötzlich neben dem Bett und sah Konga an.

„Nee, der bleibt, wo er ist!“, knurrte Jack und half Konga mit der nächsten Wehe, die äußerst heftig über Angel kam.

Sie würgte vor Anstrengung. Konga stemmte sich hoch und presste ihren Bauch mit mehr Druck nach unten.

„Köpfchen ist da!“, rief Jack erleichtert, während er in Angels Gesicht sah und daraufhin aschfahl anlief. 

Sang und klanglos war Angel bewusstlos zusammengesackt und somit würden auch die Wehen aussetzen.

„Hau ihr eine!“, schrie Jack Konga zu.

„Kann ich von hier aus nicht“, grollte Konga zurück.

Felma rannte ins Bad und kam mit einem kalten Lappen wieder und klatschte ihn Angel ins Gesicht ... nichts. Sie streifte ihre Schuhe ab und stellte sich über Angel. „Geh hinter ihr weg! Sie muss richtig liegen!“

Zügig stemmte Konga sich hoch, krabbelte aus dem Bett. Wie ein nasser Sack glitt Angel in die verschwitzten Kissen und Felma hockte sich über ihren Bauch.

„Lass Kev ran!“, schnauzte Felma Jack an, alles musste jetzt schnell gehen.

Kev tauschte mit ihm und drückte seine Finger zur Entlastung des Babys in den Geburtskanal, damit Jared nicht erstickte. Fachmännisch drückte Felma von oben sachte den Bauch nach unten.

„Jack, dreh ihn an seinen Schultern heraus und Konga, mach sie damit wach.“ Felma reichte ihm ein kleines Fläschchen, das sie aus ihrer Hosentasche zog.

Vorsichtig hob Jack das Köpfchen seines Sohnes an und fühlte mit seinen Fingern nach seinen kleinen Schultern. Konga hielt ihr das Riechsalz unter die Nase, worauf Angel die Augen aufschlug und jäh drauflos presste.

„Nein!“, rief Kev, doch Jack handelte und nahm ihren Druck von oben, band ihn in sein Ziehen ein und Jared war draußen. In seinen kleinen Fingern hielt er noch die Nabelschnur, die augenblicklich begann, sich aufzulösen, weil der kleine Mann sie so sehr quetschte. Felma atmete auf und wischte sich den Schweiß von der Stirn, als sie wieder neben dem Bett stand. Jared begann zu zappeln und krähte lautstark los.

Alle wollten erleichtert darüber auflachen, doch Angel presste auf einmal eine Ladung Blut hervor und sank wieder bewusstlos zusammen.

„Sofort in den OP!“, schnauzte Kev die beiden Männer an und rannte voraus. Felma nahm Jared an sich und Konga war eine Spur schneller und hob Angels schlaffen Körper in seine Arme.

„Halte die verdammte Tür auf und nimm sie mir im Fahrstuhl ab!“

Jack, der sie eigentlich tragen wollte, nickte hilflos.

 

Kev legte Angel sofort einen Schlauch über die Nase in den Magen und ließ langsam Blut hineinlaufen, einen Venenzugang brauchte man ihr in dieser Lage gar nicht erst legen. Die Selbstheilung würde den Zugang ständig herausdrücken und darauf konnte jetzt keiner achten.

„Wartet draußen! Jack, nimm Felma Jared ab und schick sie zu mir.“

Nein, er wollte bleiben, Jack ließ sich von Konga hinterherziehen, denn er wollte nicht gehen, sondern helfen.

In der Eile hatte Felma Jared notdürftig in ein weiches Handtuch gewickelt. „Er braucht Blut nach dieser Anstrengung.“

„Jack, soll ich den Zwerg zu Joy bringen? Felma hat abgestillt.“

Unschlüssig blickte Jack von Felma zu Jared und nickte Konga zu, der ihm seinen Sohn vorsichtig aus den Armen nahm.

Ohne auf Kevs oder Felmas Protest zu achten, ging Jack in den OP zurück und nahm Angels kalte Hand in seine.

Kev suchte in Angel eine ganze Weile nach der offenen Wunde. Literweise floss oben neues Blut ein und unten ihres heraus.

„Warum heilt die Wunde nicht?“, fragte Jack und konnte den Blick auf die Blutlache nicht mehr ertragen.

„Wunden in diesem Bereich heilen gründlich und langsam. Hätten wir kein Vampirblut besorgt, Felma hatte so eine Ahnung, dann wäre sie schon verblutet.“

Endlich fühlte Kev den Blutstrom, und damit die innerliche Wunde, und zog sie mit seiner Hand vorsichtig zusammen. Er musste eine gute Stunde so verharren, bis der Blutfluss abnahm.

„Jetzt wird es kritisch“, murmelte Kev und zog seine Hand langsam aus Angels Gebärmutter.

„Warum wird es kritisch?“, fragte Jack angespannt.

„Ihr Körper reagiert völlig normal, sie heilt sich und ich muss die Wunde jetzt verlassen. Alles wird wieder normal weit, zieht sich zusammen, wenn du verstehst. Sie hätte durch meinen Arm unnütze Schmerzen, aber ich kann nicht sagen, ob mein Pressen ausgereicht hat, den Blutfluss einzudämmen. Achte auf ihren Unterbauch, wölbt er sich zu viel, dann staut sich das Blut in ihr und ich muss es ablassen. Jack, ich will nicht um den Brei reden, bete! In solch einem Fall steht die Überlebenschance unter zehn Prozent.“

Jack schluckte und sah auf Angels Brustkorb, der sich unter dem dünnen Stoff nur sehr wenig anhob. Kev behielt den unteren Blutfluss im Auge und stellte zunächst eine Besserung fest. Doch das hatte nichts zu sagen, wenn sie innerlich verblutete.

„Ich werde eben nach Jared sehen. Achte darauf, sie muss gleich noch zwei Konserven bekommen. Lass die Leitung nicht leerlaufen.“

Gequält sah Jack auf, nickte und zog seinen Stuhl neben ihr Kopfkissen.

 

Jared war lieb und brav und Joyce stillte ihn gerade, als Kev kam. „Na, wie geht’s dem Baby?“

„Er is so süß“, schwärmte Joyce und strich ihm über die Wange. „Und er ist so vorsichtig, beißt kaum und saugt so herrisch. Heaven hackt ihre Zähne immer so tief ins Fleisch.“

Kev schmunzelte verkniffen. „Wird er auch bald machen. Nur Mischkinder haben erst mit einem halben Jahr Fänge, die dann auch nur wenige Monate bleiben. Hat er gleich getrunken oder hast du ihn mit dem Finger anlocken müssen?“

„Alles hat sofort geklappt“, schwärmte Joyce und streichelte über den Bauch ihrer schlafenden Tochter, die in ihrem Schneidersitz lag.

„Denk dran, du musst mehr Blut trinken, wenn du zwei Babys stillst.“

„Konga versorgt mich im Überfluss und stopft mich alle halbe Stunde mit einem halben Liter voll. Meine Brüste fühlen sich an, als ob ich fünf Babys stillen könnte“, schnaufte Joyce.

Oh ja, Joyce Brust war wirklich sehr stramm und voll.

„Wo ist Konga?“

„Er steuert das Boot zum nächsten Hafen und will dort noch mehr Blut besorgen. Wie geht’s Mama?“

„Momentan möchte ich dazu noch nichts sagen. Wir müssen die nächsten achtundvierzig Stunden abwarten, dann kann ich mehr sagen.“

„Kümmre dich gut um sie“, sagte Joyce und weinte leise. „Sie muss doch meinen kleinen Bruder aufziehen.“

 

Wie konnte es nur so weit kommen?

Konga war mit der Welt und sich selber unzufrieden. Er wollte niemanden sehen, musste allein sein.

Wann war der Augenblick gekommen, in dem er den Abstand zu Angel wieder einmal nicht mehr klar einhalten konnte?

Wann war es passiert?

Und warum?

Bisher behielt er - meistens - seine Kontrolle, denn es durfte nicht sein!

Sein erstes Gefühlschaos brach an diesem verdammten Pool in Mallorca über ihn herein. Damals, als sie vor ihm zurückgeschreckt war, sich von ihm nicht aufhelfen lassen wollte. Dann die Begegnung im Krankenhaus, diese großen Augen in ihrem erstaunten Gesicht, als sie mit ihren wackeligen Krücken vor ihm stand und ihn ansah. Und in Kairo, zuletzt das ultimative Highlight auf Fischers Insel.

Dann kam Joyce und vorübergehend war alles klar abgegrenzt … Und doch … log er sich nicht schon vorher in die eigene Tasche? Hier auf dem Schiff verschmolzen seine Gefühle wieder zu einem undefinierbaren Widerspruch. So viele Jahre waren vergangen und doch konnte sein Kopf die Erinnerungen nicht mehr verdrängen ...

Keine Frage, Joyce war eine anziehende junge Lady.

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