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Professor Zamorra - Folge 1063

Der Satanische Pfad

Von Stephanie Seidel

Die Sonne sank. Tanzlokale und Biergärten waren schon gut besucht; Musik, Lachen und Gläserklirren erfüllten die Luft.

Unten auf der Rheinpromenade schlenderten zwei 16-Jährige dahin, vertieft in die wichtige Frage, welcher Beatle süßer war: Paul oder George. Den Hund, der ihnen aus der Dämmerung entgegenkam, beachteten sie nicht.

Bis er zum Spurt ansetzte.

Urplötzlich flammten seinen Augen auf, rot wie Höllenfeuer, und noch ehe die Mädchen reagieren konnten, war er heran. Es gab kein Entrinnen vor den Reißzähnen, den scharfen Krallen, dem unnatürlichen Hass. Nacheinander stürzten zwei zerfetzte Körper in den Fluss.

Dann war alles wieder ruhig.

Kleine Wellen schwappten ans Ufer. Als wäre nichts geschehen …

Februar 2015

»Na, bravo!«, sagte Professor Zamorra zu der Wasserlache auf den Dielen.

Letzte Nacht hatte ein Wintersturm die uralten Mauern von Château Montagne umtost und heulend versucht, sich irgendwo Einlass zu verschaffen. Im oberen Stock der Bibliothek war es ihm schließlich gelungen. Ein kleines Turmfenster hatte dem Druck der rauen Böen irgendwann nicht mehr standhalten können. Beim Aufspringen musste es mit Wucht gegen die Wand geschlagen sein, denn außer ein paar zersplitterten Holzstreben war nichts mehr von ihm da.

»Seien Sie vorsichtig, Monsieur!«, warnte Butler William, als der Schlossherr näherkam. Er unterbrach seine Aufräumarbeiten für einen Moment und wies auf das nasse Halbdunkel zu seinen Füßen. »Hier liegen überall Scherben!«

»Danke, William! Ich pass schon auf.« Zamorras Stimme klang gefasst. Doch er ballte die Fäuste beim Anblick der Zerstörung in der alten Bibliothek. »Wie konnte das denn nur passieren?«

William hatte den Kopf aus dem Fenster gestreckt und sah nach oben, wo die automatischen Rollläden im Mauerwerk verschwanden. »Es sieht aus, als habe dieser Rollladen geklemmt, weshalb der Sturm bei diesem Fenster leichtes Spiel hatte. Monsieur Lafitte hat gestern bis spät gearbeitet, es ist ihm in der Dunkelheit sicher nicht aufgefallen, dass bei diesem Fenster eine Fehlfunktion vorlag, als er die Rollläden herunterließ.«

Zamorra sah auf die Bescherung herab. Meterweit hatte der Sturm seine unangenehme Fracht durchs Fenster gestoßen: Regen und welkes Blattwerk. Was im Weg war, musste weichen, was sich nicht bewegen ließ, wurde ertränkt. Bücher waren überall verstreut, aus Regalen gezerrt und von Pulten gestoßen. Eines hatte sich beim Fallen geöffnet, lag auf dem Rücken, mit flatternden Seiten. Wie ein verunglückter Vogel.

Unweit der leeren Fensterhöhle stapelten sich braune Kartons. Sie glänzten vor Feuchtigkeit. Und auch die alte Ritterrüstung aus England hatte der Sturm kalt erwischt. Ein Fuß stand noch auf dem Marmorpodest. Das restliche Blech war buchstäblich vom Winde verweht.

»Ich werde als Erstes die Kartons wegschaffen«, entschied Zamorra, während er die Pfützenlandschaft überstieg. Achtsam, wie William ihm geraten hatte, denn es trieben nicht nur tote Spinnen, Putz und Staubinseln darauf. Auch das ehemalige Fenster lag noch irgendwo dort. Glas zerknirschte unter seinen Schuhen.

»Dann müssen wir Raumtrockner aufstellen! So schnell wie möglich, damit mir hier nicht alles verschimmelt.« Zamorra beugte sich über die Fensterbank und warf einen Blick hinaus auf die fahle Winterwelt. Im Moment war es ruhig draußen, doch in der Ferne formierte sich schon das nächste dunkle Wolkenband. Frierend zog er die Schultern hoch und trat zurück.

Kälte drang ungehindert in die Bibliothek, und vom Sims fielen noch immer Tropfen herab. William hatte zwar die gröbste Überschwemmung aufgewischt, doch der Jahrhunderte alte Boden war uneben, und in den Mulden begann sich erneut Wasser zu sammeln.

William versuchte zu trösten. »Das Schlimmste wird bald überstanden sein, Monsieur. Es ist schon jemand aus dem Dorf hierher unterwegs. Er bringt eine Folie mit, um das Fenster provisorisch abzudichten, und gleich morgen früh bestelle ich ein neues.«

Zamorra nickte stumm. Er teilte den Optimismus des Butlers nicht. Das Schlimmste war für ihn dann überstanden, wenn er sicher sein konnte, dass nichts Wichtiges zerstört worden war. Zwar befanden sich die wertvollsten seiner Folianten und Artefakte in der unteren Etage der Bibliothek, weshalb Zamorra auf dem eiligen Weg nach oben Nicole gebeten hatte, nachzusehen, ob Wasser durch die Decke drang.

Es gab allerdings auch hier, im betroffenen Abschnitt des oberen Stockwerks Dinge, deren Verlust den Meister des Übersinnlichen geschmerzt hätte, und es erschreckte ihn, wie nahe er dieser Möglichkeit gekommen war.

Madame Claire hatte das Unglück entdeckt. Die Köchin war an ihrem freien Tag und trotz des schlechten Wetters zum Schloss gefahren, um ›ihrem‹ Professor und seiner Gefährtin Nicole Duval das Sonntagsfrühstück herzurichten. Zamorra hatte ihr zwar gestern Abend noch versichert, es wäre nicht nötig zu kommen, denn heute stand ausnahmsweise einmal nichts in seinem Terminplan, und der Dämonenjäger wollte gern ausschlafen.

Doch die gute Seele ließ sich nicht beirren, wenn es um das Wohl ihrer Herrschaften ging. Man könnte ja auch im Bett frühstücken, war ihre Antwort gewesen, und Zamorra hatte auf Widerspruch verzichtet – eine Entscheidung, über die er jetzt, im Licht des grauen Wintermorgens, herzlich froh war. Auch wenn er von dem avisierten Frühstück noch nichts gesehen hatte.

Denn wäre Madame Claire zu Hause geblieben, hätte wahrscheinlich niemand das zerbrochene Fenster bemerkt. Zumindest nicht so schnell. Und unversorgt wäre aus dem Schaden in der Bibliothek möglicherweise eine Katastrophe geworden.

Eine Etage tiefer nämlich, genau unter den nassen Dielen der Galerie, stand eine unersetzliche Kostbarkeit: Das magisch versiegelte Drachenkästchen des Ersten Kaisers Qin Shihuangdi. Es enthielt ein fast zweitausend Jahre altes Seidenband. Die Schriftzeichen darauf ergaben einen machtvollen Bann, der Attentäter fernhielt. Allerdings änderten diese Zeichen, las man sie vom falschen Ende des Bandes her, ihre Bedeutung in einen extrem gefährlichen chinesischen Fluch. Der Erste Kaiser hatte dies zu spät bemerkt. Er war an dem Fluch gestorben.

»Unfassbar!«, murrte Zamorra, während er den obersten Karton vom Stapel wuchtete und ins Trockene trug. »Ich habe diese Bibliothek doppelt und dreifach gesichert, vor Dämonen, Höllenfeuern, Dieben, schwarzmagischen Angriffen … nur der Gedanke, dass mal ein Fenster kaputt gehen könnte, ist mir nie in den Sinn gekommen. Warum eigentlich nicht?«

Sein Butler gab keine Antwort. William war damit beschäftigt, die Bücher zu versorgen, die der Sturm aus den Regalen geschleudert hatte. Jene, die dem Regen am stärksten ausgesetzt gewesen waren, kamen zuerst an die Reihe. Sorgfältig, fast liebevoll, trug er sie einzeln zu einem Lesetisch. Etliche Rollen Küchenpapier und ein Fön warteten dort schon auf ihren Einsatz.

Zamorra stellte den schweren Karton ab und ging sofort zurück, um den nächsten zu holen. Es lagerte nichts wirklich Wichtiges in diesen Behältern, das merkte man schon daran, dass der zum Teil Jahrzehnte alte Staub auf den Deckeln völlig unberührt war. Und doch hatte ihr Inhalt seinen Wert. Denn all die halb vergessenen Zeugnisse, Dissertationen, Briefe, Fotos und dergleichen mehr dokumentierten Zamorras Leben.

Eitelkeit war ihm fremd, trotzdem ärgerte sich der Professor beim Blick auf die nassen Stellen am zweiten Karton. Er war mit Harvard University beschriftet. Musste doch nicht sein, dass Papiere aus dieser bedeutenden Zeit von Wasserflecken verunziert wurden!

Auch Oxford und Sorbonne waren angeweicht. Am schlimmsten aber hatte es Freiburg getroffen, den untersten Karton. Er stand in der Pfütze unterhalb des Fensters, und Zamorra war klar, dass man ihn nicht mehr hochheben konnte. Also umfasste er die nasskalte Pappe vorsichtig und versuchte, den Karton auf trockenen Boden zu ziehen.

Das funktionierte auch.

Allerdings nur mit den Seitenteilen.

»Ach – SHIT!«, entfuhr es Zamorra, als die Pappe riss und er das Gleichgewicht verlor. Die hochfliegenden Kartonstücke bedachten ihn mit einem Tropfenschauer.

Sein Ausraster war Zamorra peinlich, und er warf einen hastigen Blick auf den Butler. Doch William schien nichts gehört zu haben. Er stellte die wahrscheinlich unbeteiligtste Miene der Welt zur Schau, während er stocksteif am Lesetisch verharrte und den Hexenhammer fönte.

Grinsend wandte sich der Meister des Übernatürlichen wieder seiner Arbeit zu.

Er verzichtete auf einen weiteren Versuch, den durchweichten Karton zu bewegen, entfernte stattdessen den Deckel und griff hinein. Die Papiere waren tropfnass, klebten aneinander. Zamorra nahm eine Handvoll heraus und legte sie neben sich auf den Boden. Er beschloss, erst den kompletten Inhalt zu bergen und dann zu prüfen, ob und was sich noch retten ließ.

Doch Freiburg enthielt nicht nur Dokumente. Nach und nach förderte Zamorra ein buntes Sammelsurium von Dingen ans Tageslicht, deren Existenz er längst vergessen hatte. Da war ein Studentenausweis der Uni Freiburg, verblasst und unansehnlich nach all den Jahren. Fotos, alle mit Erinnerungen verknüpft, die schlagartig neu erwachten. Anstecker. Eine Sonnenbrille. Der Prospekt einer Museumsausstellung. Eine Zugfahrkarte nach Bonn.

Zamorra lächelte nicht mehr, als er das Ticket sah.

Es hatte ganz unten in der Kiste gelegen, fest verpappt mit dem nassen Deckblatt seiner Exmatrikulationsbescheinigung des IGGP[1]. Er nahm das Dokument heraus, und sein ohnehin schon ernstes Gesicht verdüsterte sich, als ihm dabei eine Plastikdose in die Hand rollte. Es war ein unscheinbares Ding, schwarz mit blauem Deckel. Irgendwann hatte ein Kleinbildfilm darin gesteckt. Auch jetzt war noch etwas da.

Etwas, das klackerte.

Mit zwei Fingern hob Zamorra die Dose hoch. Er brauchte sie nicht zu öffnen, denn er wusste nur zu gut, was sie enthielt. Lange starrte er sie an, schweigend, zornig, während aus den Nebeln der Vergangenheit ein Widerhall jenes fernen Tages drang, an dem Zamorras heile Welt für immer zerbrach.

Es war der Tag der Bestie …

***

Sommer 1969

»Morgens ein Joint, und der Tag ist dein Freund«, rezitierte Willem van Kamp vergnügt, während er Tabak und andere Krümel auf ein Zigarettenpapier rieseln ließ.[2]

»Es ist Viertel nach Vier«, murmelte sein Studienkollege, ohne von dem Buch aufzusehen, in dem er gerade las.

»Na, und? Das weiß doch der Morgen nicht!« Mit geübten Griffen verzwirbelte Willem das vordere Ende seiner speziellen Zigarette zu einer Art Lunte und zündete sie an. Er nahm einen Zug. Und verharrte in stillem Entzücken, die Augen halb geschlossen, bevor er den Rauch gemächlich aus der Nase kräuseln ließ.

Dann hielt er den Joint seinem Freund hin. »Willst du auch mal, Zammy?«

Ein kleines Silberamulett blinkte auf, als der Angesprochene mit gekonnter Bewegung die langen Haare zurückwarf. Er zog seine runde, blaue Sonnenbrille ein Stück herunter und starrte Willem über den Rand des Nickelgestells durchdringend an. »Zum letzten Mal, Mann: Nenn mich nicht Zammy

»Wenn du mir deinen Vornamen nicht verrätst.«

»Hab ich doch.«

»Echt? Wann soll das gewesen sein?«

»Letzten Monat. Beim Einkaufen in Amsterdam.« Zammy legte das Buch beiseite und nahm Willem den Joint aus den Fingern. »Vielleicht sollten wir das nächste Mal in einen anderen Coffee-Shop gehen! Das Zeug hier scheint deinem Gedächtnis zu schaden.«

»Peace, man!«, verlangte Willem, und die beiden grinsten sich an.

Sie waren ungleiche Freunde, der blonde Holländer mit der Brian Jones-Frisur und der Franzose mit dem spanischen Namen Zamorra. Nicht einmal in ihrer Sichtweise auf das von beiden belegte Nebenfach Parapsychologie stimmten sie überein. Dennoch traf man nur selten den Einen ohne den Anderen an.

Entspannt saßen sie auf den Stufen des Psychologischen Instituts der Universität Freiburg. Die Semesterferien standen unmittelbar bevor, alle Klausuren waren geschrieben. Man musste sich also nicht mehr zwingend vor seinen Professoren verstecken.

Es war Sommer. Der Sommer, der Geschichte schrieb und darin den legendären Summer of Love 1967 noch übertrumpfte. Flower Power war angesagt. Sexuelle Revolution. Überschäumende Lust auf Leben, auf Farben und Musik. Die Jugend befreite sich wie keine Generation vor ihr von den verstaubten, verklemmten Attitüden der immer noch obrigkeitshörigen Gesellschaft. Und für diesen einen Sommer gehörte ihr die Welt.

Easy Rider premierte auf dem Filmfestival in Cannes. Elvis sang In the Ghetto, und Neil Armstrong betrat als erster Mensch den Mond. Präsident Nixon versuchte unterdessen genauso erfolglos wie sein Vorgänger, die USA mit einem Rest von Ehre aus dem Vietnamkrieg herauszuholen.

»Was liest du da eigentlich, Zammy?«, erkundigte sich Willem beiläufig, während sein Blick den beiden Mädchen folgte, die barfuß in bunten, wehenden Hippiekleidern an ihm vorbeischlenderten. Ihr Ziel war die von Studenten bevölkerte Rasenfläche vor dem Institut.

»Das Buch des Gesetzes von Aleister Crowley.«

»Affengeil«, sagte Willem so andächtig wie sehnsuchtsvoll hinter den Mädchen her. Erst als sie sich setzten und er sie in der langhaarigen Menge aus den Augen verlor, erreichte ihn Zamorras Antwort.

Er fuhr herum. »Wat hebt je gezegt? Wiederhol das nochmal!«

Der Student aus Scheveningen hatte die Angewohnheit, in seine Muttersprache zu verfallen, wenn ihn etwas sehr bewegte – und Zamorras Worte waren dazu angetan, ein mittleres Erdbeben in ihm auszulösen.

Willem richtete sich auf, gespannt, voll ungläubiger Freude. »Du liest Crowley? Zammy, der alles verneint, was auch nur im Entferntesten mit Magie zu tun hat? Sag bloß, ich hab dich am Ende doch noch überzeugt.«

Sein Freund verdrehte die Augen.

»Ich lese diesen Quatsch, damit ich mitreden kann, wenn mir mal wieder jemand was von satanischen Ritualen und Sexualmagie erzählen will. Und nein: Du hast mich nicht überzeugt, dass es Vampire, Gespenster oder Dämonen gibt. Wie könntest du auch? Solche Gestalten sind nur Produkte einer gestörten Psyche.« Er klappte das Buch hörbar zu. »Das müsstest du wissen als angehender Therapeut.«

»Aha.« Willem nickte langsam. Er wirkte sehr gekränkt. »Das heißt also, dass du mir eine Störung attestierst, weil ich sehr wohl an die Existenz dieser Gestalten glaube. Und belegte Spukfälle wie Eleonore Zugun oder den Spuk von Oppau wischst du einfach vom Tisch, ja?«

Zamorra seufzte. »Paranormale Phänomene sind interessant und wissenschaftlich ernst zu nehmen und etwas ganz anderes als der Aberglaube und seine Begleiterscheinungen, wie Werwölfe und Zombies. Oder der Weihnachtsmann.«

»Ich glaub doch nicht an den Weihnachtsmann!«, schnappte der 23-Jährige beleidigt, und sein Freund brach in lautes Gelächter aus. Es war ansteckend, wenn Zamorra lachte. Willem musste grinsen, und sein Ärger verflog.

Die Beine ausgestreckt, Ellbogen auf den Stufen und beide Hände lässig herunterhängend saß er da. Über sich den blauen Himmel, vor sich die bunten Studentengrüppchen. Jemand hatte ein Kofferradio mitgebracht. Frank Elstner von Radio Luxemburg sagte gerade die brandneue Scheibe der Rolling Stones an: Honky Tonk Women. Willem schnippte die Finger im Takt.

»Weißt du, Zammy, manchmal fühle ich mich dir eine Winzigkeit unterlegen.« gestand er nach einer Weile. »Ich meine: Du bist vier Jahre älter als ich, hast schon promoviert und die Welt gesehen und …« »Das macht doch aus dir keinen dummen Jungen!«

»Ich sagte unterlegen, nicht dumm!«

Zamorra winkte ab. »Reden wir über was anderes. Apropos Welt: Ich will nächsten Monat nach Amerika reisen.«

»Tatsächlich? Lass mich raten: San Francisco.«

Zamorra schüttelte den Kopf. »Besser! Im Bundesstaat New York ist ein dreitägiges Musikfestival geplant. Das soll eine große Sache werden, da treten Janis Joplin, The Who und Jimi Hendrix auf. Und Creedence Clearwater Revival haben als Erste unterschrieben! Werde ich mir auf keinen Fall entgehen lassen.«

»Super! Wo findet es statt?«

»Ach, auf irgendeiner Farm in einem Kaff namens White Lake. Die Veranstaltung heißt The Woodstock Music and Art Fair. Magst du mitkommen?«

Willem verzog das Gesicht. »Würde ich gern. Aber meine Mutter dreht mir den Hals um, wenn ich mich nicht endlich mal wieder zu Hause blicken lasse.«

»Ist sie telekinetisch begabt?«, fragte Zamorra schmunzelnd.

Willem feilte noch an einer passenden Antwort, da rief eine Dragonerstimme hinter den beiden: »Doktor Zamorra? Hallo! Doktor Zamorra!«

Die Reaktion vieler Studenten – ein simultanes, unverzügliches Umdrehen, obwohl alle außer dem Genannten sicher sein konnten, dass sie gar nicht gemeint waren – erinnerte ein wenig an Pawlowsche Experimente. Um diesen Effekt zu verstehen, musste man Fräulein Eisele kennen.

Graue Locken, Brille, Perlenkette, Bluse, Strickjacke. Etwas übergewichtig und ein kleines, schwarzes Haar am Kinn. So sah sie aus, die Vorzimmerdame von Professor Bender. Wer den Wissenschaftler sprechen wollte, musste zuerst an Martha Eisele vorbei. Drachen zähmen war einfacher.

Mädchen in Miniröcken mochte sie nicht – so etwas »Unanständiges« lenkte den Herrn Professor nur von seiner wichtigen Arbeit ab. Jungs in Schlaghosen und mit viel zu langen Haaren brauchten bei ihr ebenfalls nicht auf Gnade zu hoffen. Was sollte der Herr Professor denken, wenn ein »Gammler« sein Büro betrat?

Überhaupt war die Jugend von heute eine einzige Katastrophe! Schreckliche Mode, schlechte Manieren, grau-en-haf-te Musik und ein rapide fortschreitender Sittenverfall. Früher hätte es so was alles nicht gegeben. Wo waren sie nur hin, die guten alten Zeiten?

Fräulein Eisele vertrat diese Ansicht beileibe nicht allein. Nur zögerte die alte Schnappschildkröte im Gegensatz zu anderen Universitätsangestellten niemals auch nur eine Sekunde, sie auszusprechen. Das hatte schon so manchen unsicheren Studienanfänger in die Krise getrieben.

Bei Zamorra war die Lage anders. Er sah zwar genauso schlampig aus wie die anderen »Gammler«

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