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Pick the Boss (01) – Liebe ist Chefsache

Zu diesem Buch

Was tust du, wenn du nach einer durchzechten Nacht neben einem One-Night-Stand aufwachst und panisch feststellst, dass du ausgerechnet an deinem ersten Arbeitstag zu spät kommst? Als wäre das noch nicht genug, übersieht ein Kerl die rote Ampel und fährt dir direkt ins Auto. Mit Müh und Not schaffst du es noch ins Büro, und vor dir stehen deine neuen Chefs, die dir sehr bekannt vorkommen: rechts Mr. Autounfall, der Rot von Grün nicht unterscheiden kann, und links Mr. One-Night-Stand, dessen Name dir einfach nicht einfallen will …

KAPITEL 1

Emma

Es ist so weit. Nach jahrelangen Bemühungen und harter Arbeit habe ich mein berufliches Ziel erreicht. Stolz lasse ich den Blick zur Bühne schweifen, wo eine füllige Frau mit schneeweißem Haar und britischem Akzent von meinen Erfolgen in der Marketingbranche berichtet. Ich erhalte den Lady of the Year Award. Normalerweise wird er Schauspielerinnen, Sängerinnen oder anderen Prominenten verliehen. Ein Grund mehr, mich geehrt zu fühlen.

»Und nun bitte ich um einen riesigen Applaus für die Frau der Stunde. Unsere diesjährige ›Lady of the Year‹: Emma Reed!«, sagt sie in ihrem schwarzen Hosenanzug und beginnt, euphorisch zu klatschen.

Mit einem strahlenden Lächeln, das locker einem Model aus der Zahnpastawerbung Konkurrenz machen könnte, erhebe ich mich in einem burgunderroten Designerkleid, das mir auf den Leib geschneidert ist. Mein brünettes Haar, das mir sonst bis zur Brust fällt, ist hochgesteckt und würde wie in einer Haarspraywerbung sogar einem Orkan standhalten. Alles ist perfekt, die Deko, die Gäste und der Award, der die Form einer gläsernen Aphroditestatue hat.

Mit gestrafften Schultern und breitem Grinsen betrete ich die Bühne, gleite elegant zum Rednerpult, das ebenso aus Glas gefertigt ist. Bevor ich allerdings sprechen kann, fangen sämtliche Veranstaltungsgäste lauthals an zu lachen.

Völlig verwirrt runzle ich die Stirn, bis ich aus einer Eingebung heraus meinen Blick senke. Entsetzt muss ich feststellen, dass ich nicht länger den Traum eines Abendkleids trage, sondern einen Pyjama. Als wäre das nicht schon schlimm genug, ist es ausgerechnet der pinke Schlafanzug mit den rosa Kätzchen darauf, dazu die quietschgelben Häschenpantoffeln. Nicht gerade ein Outfit, mit dem ich einen der Top-Designer überzeugen könnte, mich zu seiner nächsten Muse zu ernennen.

Den Tränen nahe mache ich kehrt und versuche zu flüchten. Doch ich wäre nicht ich, wenn ich nicht noch einen drauflegen würde. Drei Stufen. Nur drei verdammte Stufen werden mir zum Verhängnis. Ich stolpere über meine eigenen Füße und falle auf den glatt polierten Parkettboden. Der Aufprall übertönt sogar das schallende Gelächter. Mein Körper schmerzt, mein Kopf nimmt die Farbe einer überreifen Tomate an, und die Haare gleichen einer Katastrophe. Diese doofe, doofe Werbung! Von wegen, die Frisur hält!

Von der »Lady of the Year« werde ich degradiert zu Emma Reed. Keine erfolgreiche Marketingmitarbeiterin, sondern lediglich eine junge Frau, die versucht, mit einem Job in einem Coffeeshop über die Runden zu kommen. Mein Körperbau gleicht auch nicht dem einer knallharten Geschäftsfrau, die in Filmen meist schlank dargestellt werden, sondern eher einer Frau mit ein paar Pfündchen mehr auf den Rippen. Ich bin Emma Reed, eine Frau mit Hang zu Dramatik, Schokoladensucht und Tollpatschigkeit.

Mit einem kurzen Schrei öffne ich die Augen und starre an die Schlafzimmerdecke. Mein Kopf schmerzt und zwingt mich, die Lider erneut zu schließen. Das Gelächter aus meinem Traum hallt mir noch im Schädel nach.

»Was für ein Albtraum!«, stöhne ich und zische laut auf. Ein hämmernder Schmerz erfüllt meinen Kopf. Ich vergrabe meine Hände in den Haaren und versuche, die Ursache für diese Qualen zu finden. Mein Erinnerungsvermögen lässt allerdings zu wünschen übrig, und mir fällt nichts anderes ein, als mir die Schläfen mit kreisenden Bewegungen zu massieren, um ihm auf die Sprünge zu helfen.

Wie sich auflösender Nebel kommen die Erinnerungsfetzen zurück. Gestern Abend war ich duschen, wollte früh ins Bett und habe mir mein Outfit für den heutigen Tag zurechtgelegt.

»Oh nein«, flüstere ich, nachdem ich weitere Puzzleteile zusammensetze.

Ich erinnere mich an den überglücklichen Aiden, der seine Promotion bestanden hat und mit mir feiern gehen wollte. Obwohl ich heftig protestierte, wickelte mich mein bester Freund um den Finger.

Das laute Schnarchen meiner Katze reißt mich aus den Gedanken, bis mir bewusst wird, dass ich gar keine besitze. Wie in Zeitlupe drehe ich mich um und starre auf einen mir unbekannten Mann. Ich schlucke, hebe die Bettdecke an und sehe meinen splitternackten Körper.

»Oh Gott«, hauche ich und presse mir vor Entsetzen beide Hände vor den Mund. Das sieht mir gar nicht ähnlich, einfach einen Wildfremden mit nach Hause zu nehmen.

Seine Gesichtszüge sind markant, dazu hohe Wangenknochen, heller Teint und schwarze Haare, die postkoital in alle Richtungen stehen. Er ist äußerst attraktiv, und sein nackter Oberkörper lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. Nicht, dass er ein übertriebenes Sixpack hätte, vielmehr verfügt er über feste Muskeln, die danach schreien, von mir berührt zu werden. Mit einem Mal ist die Erinnerung an vergangene Nacht wieder da, und ich sehe alles klar.

Die Glocke der Grundschule, die neben dem Apartment liegt, läutet, und mein Herz rutscht mir in die Hose. »Verdammt noch mal, ich komme zu spät!«, rufe ich wie von Sinnen und werfe die Decke zu Boden. Die Armbanduhr zeigt mir mit drohenden Ziffern an, dass es bereits acht Uhr früh ist.

Eigentlich habe ich mir diesen Morgen ganz anders vorgestellt. Ich wollte um halb sieben aufstehen, gemütlich duschen, mich anziehen, frühstücken und mit Elan den Weg ins Büro antreten. Heute ist mein erster Arbeitstag, und anstatt fit und munter zu sein, habe ich Augenringe, stinke nach Alkohol, und mein Kopf fühlt sich an, als ramme mir jemand tausend Nadeln ins Gehirn.

Trotz aller Bemühungen verlasse ich gehetzt und viel zu spät die Wohnung. Der Fremde schnarcht noch immer in meinem Bett vor sich hin, doch in der Eile habe ich keine Zeit, mich mit einem zugegebenermaßen äußerst sexy One-Night-Stand auseinanderzusetzen.

Er wird schon selbst rausfinden; außerdem habe ich ihm noch schnell eine kleine Nachricht neben der Kaffeemaschine hinterlassen. Mein knallroter Cityflitzer blinkt mir einladend entgegen, nachdem ich ihn entriegelt habe. Hastig öffne ich die Tür und steige ein.

Ich trommle wild auf das Lenkrad und verfluche diesen Morgen. Ich bin bereits fünf Minuten zu spät und versuche mein Möglichstes, durch den dichten New Yorker Straßenverkehr zu rasen, was aber eher einem Spaziergang gleichkommt. Wütend schnaube ich, nachdem die Ampel auf Rot schaltet, bremse notgedrungen ab und fluche laut.

Vielleicht wird Mister Coleman wegen meiner Verspätung noch ein Auge zudrücken. Beim Bewerbungsgespräch wirkte er sehr freundlich.

Aber welche Ausrede soll ich benutzen?

»Sorry Boss, ich habe mich gestern volllaufen lassen und hatte heißen Sex mit einem Unbekannten«, wird wohl nicht besonders gut ankommen.

Coleman & Sons ist eine der renommiertesten Marketingagenturen New Yorks. Im Gegensatz zur Konkurrenz ist sie seit zwei Generationen ein reines Familienunternehmen. Aus den Medien weiß ich, dass Coleman Senior bald in Rente gehen und seinen beiden Söhnen Liam und Sean das Unternehmen übergeben wird. Mit Wehmut stelle ich fest, dass ich ab heute drei Vorgesetzte habe. Als wäre ein Boss nicht genug!

Die Ampel schaltet auf Grün. Erleichtert trete ich das Gaspedal durch. Wie aus dem Nichts ertönt ein lauter Knall und ich werde mit dem Auto im Kreis geschleudert.

Panisch kralle ich mich ans Lenkrad. Angst schnürt mir die Kehle zu und mein Puls schießt nach oben. Nachdem mein geliebter Flitzer zum Stehen kommt, sehe ich schwer atmend und völlig fassungslos aus dem Fenster. Ein schwarzer, überaus teurer SUV ist mir in die Beifahrerseite gefahren. Eigentlich sollte ich jetzt verängstigt oder erschrocken sein. Doch nur ein Gefühl erfüllt meinen Körper: Wut. Rasende, ätzende Wut! Der heutige Morgen ist der schlimmste Tag aller Zeiten! Nicht nur, dass ich bis in die Morgenstunden gefeiert, mit einem Fremden geschlafen und dann verschlafen habe. Nein, ich komme auch noch zu spät, sehe trotz Make-up total verkatert aus, und irgendein Vollidiot kann die Farbe Rot nicht von Grün unterscheiden.

»Das reicht!«, schnaube ich, schnalle mich ab und reiße die Autotür auf. Aus dem schicken Wagen steigt ein junger Mann im grauen Anzug aus und starrt mich entsetzt an.

»Oh mein Gott! Ist alles in Ordnung?«, fragt er sichtlich mitgenommen, doch für mich gibt es kein Halten mehr. Ich explodiere wie ein Vulkan; anstatt Lava spucke ich Schimpfwörter. Wie von Sinnen haste ich auf ihn zu, baue mich vor ihm auf und funkele ihn böse an.

Na ja, es wirkt wohl eher lustig, denn er ist einen ganzen Kopf größer als ich, hat breite Schultern und sieht verdammt gut aus. Nun stehe ich hier vor diesem Fremden im exzellent geschnittenen Anzug, und auf einmal klopft mir das Herz bis zum Hals. Sein Haar ist strohblond, perfekt frisiert, und ein Dreitagebart ziert sein Gesicht, der ihn ungeheuer attraktiv macht. Mein Blick bleibt an seinem Oberkörper hängen, denn sogar durch den Stoff des Anzugs erkenne ich, dass er durchtrainiert ist. Plötzlich überkommt mich das Verlangen, ihm durch die Haare zu fahren, um herauszufinden, ob sie so weich sind, wie sie aussehen.

Was? Wie bitte? Wo kommen denn diese Gedanken her? Der Idiot ist, so heiß er auch sein mag, gerade in mein Auto gebrettert. »Sag mal, hast du sie noch alle, du Arsch? Bist du blind oder bist du einfach zum Spaß über Rot gefahren?«, schreie ich ihn heiser an. Na toll, eigentlich wollte ich gefährlich rüberkommen, doch es klingt wie die verzerrte Stimme eines Kinderspielzeugs.

Er runzelt die Stirn und hebt beschwichtigend die Hände. »Hören Sie, es tut mir leid«, sagt er mit seiner tiefen, sexy klingenden Stimme.

Sexy? Was ist denn nur los mit mir? Dieser Arsch hat mich gerammt und ich finde ihn attraktiv? Ich muss einen Hirnschlag haben, genau das muss es sein!

Er kommt auf mich zu, blickt mich besorgt an. Mit einem Mal ist er mir so nah, dass ich sein herbes Parfüm riechen kann. Ein wunderbarer Duft, der mich aus dem Konzept bringt. Ich bin versucht, die Augen zu schließen und tief einzuatmen. »Alles okay? Haben Sie sich den Kopf gestoßen? Ich rufe lieber einen Krankenwagen.«

Panik erfüllt mich, lässt mich scharf die Luft einziehen. »Jetzt muss ich mich auch noch mit einem sexy Anzugträger herumschlagen«, murmele ich vor mich hin.

»Wie bitte?«

»Ich habe nicht mit Ihnen geredet!«

Er hebt überrascht eine Braue. »Was war das mit dem sexy Anzugträger?« Er grinst mich schief an. Genießt er es etwa, mich in Verlegenheit zu bringen?

Was? Wie? Oh Mist, ich habe wieder laut gedacht! Nur nichts anmerken lassen. Ich hole tief Luft und wende mich ihm wieder zu. Ein Fehler, wie sich herausstellt, denn seine Augen sind so faszinierend, dass ich mich in den Tiefen der türkisen Iris verliere. Komm schon Reed, reiß dich zusammen!

»Hören Sie, ich komme an meinem ersten Arbeitstag viel zu spät. Geben Sie mir einfach Ihre Telefonnummer und wir besprechen alles Weitere später.«

»Wie Sie wünschen, aber soll ich nicht doch lieber einen Arzt rufen? Sie sehen fertig aus.«

Das bringt das Fass zum Überlaufen. »Mich interessiert Ihre Meinung nicht! Geben Sie mir endlich Ihre verdammte Nummer!«, zische ich mit zusammengebissenen Zähnen.

»Okay, okay. Wenn Sie mich so nett bitten.« Mit leicht amüsiertem Gesichtsausdruck greift er in sein Jackett und zieht eine Visitenkarte heraus.

Wutentbrannt kralle ich mir das Stück Papier, ohne einen Blick darauf zu werfen, und steige in mein verbeultes Auto.

Während der Fahrt, die Gott sei Dank ohne weitere Komplikationen verläuft, bekomme ich den attraktiven SUV-Fahrer nicht aus dem Kopf. Sein Lächeln war derart charmant, dass ich tatsächlich kurz vergessen hatte, sauer auf ihn zu sein.

Sein wohlduftendes Parfüm, dazu noch sein muskulöser Körper, den man durch den Anzug nur erahnen konnte. Doch was mich wirklich fesselte, waren seine warmen, türkisfarbenen Augen.

Ich schüttle schmunzelnd den Kopf und versuche, mich auf die Straße zu konzentrieren. Männer und ich, das hat bis jetzt immer zu einem gebrochenen Herzen geführt – meistens war es meins.

»Mister Coleman, es tut mir schrecklich leid, dass ich am ersten Tag zu spät komme. Ich hatte einen Autounfall!«, wimmere ich meinem Boss entgegen und drücke theatralisch auf die Tränendrüse. Seine Miene wandelt sich augenblicklich von verärgert zu besorgt.

»Oh mein Gott, Miss Reed, geht es Ihnen gut? Wieso sind Sie nicht im Krankenhaus?« Erleichtert stelle ich fest, dass er genauso reagiert, wie ich es von ihm erwartet habe.

»Mir ist nichts passiert, Sir. Ich kann arbeiten, ich wollte mich nur persönlich bei Ihnen für die Verspätung entschuldigen.«

Sein kurzes Haar ist schneeweiß, er hat eine schlanke Statur und warme blaue Augen. Der Körper ist vielleicht vom Alter gezeichnet, doch sein Geist ist lebendig, strahlt Autorität aus. Er tätschelt mir väterlich den Rücken. »Danke, mein Kind. Ich bin froh, dass Ihnen nichts weiter zugestoßen ist. Es trifft sich sogar gut, dass Sie in mein Büro gekommen sind. Ich möchte Ihnen gerne meine beiden Söhne vorstellen. Sie werden schon bald meinen Platz einnehmen und das Unternehmen leiten.«

Ich folge diesem fürsorglichen Mann, der mich ein wenig an meinen verstorbenen Großvater erinnert, durch den Flur zu einer zweiflügligen Milchglastür. Die Namen von Liam und Sean sind in schwarzen Lettern neben dem Eingang angebracht. Mit einem Klopfen tritt Coleman Senior in das Büro, und ich folge ihm.

»Guten Morgen, meine Herren. Ich möchte euch unsere neue Assistentin vorstellen, Emma Reed.«

Ich senke meinen Blick, stelle entsetzt fest, dass der unterste Knopf meiner Seidenbluse offen ist. Schnell knöpfe ich sie zu und hebe den Kopf.

Da ist wieder das Ohnmachtsgefühl von vorhin, und ich glaube, den Boden unter den Füßen zu verlieren. Vor mir stehen zwei große, äußerst attraktive Männer, denen ich schon zuvor begegnet bin. Während der eine blondes, kurzes Haar, breite Schultern und einen gebräunten Teint aufweist, ist sein Bruder das genaue Gegenteil. Helle Haut, schwarzes, wild zerzaustes Haar und hohe Wangenknochen. Eigentlich könnte ich ja froh sein, dass meine Vorgesetzten gut aussehend sind, das Auge isst ja schließlich mit, auch bei der Arbeit, doch ich bin es nicht. Denn links steht mein unbekannter One-Night-Stand und rechts der sexy Arsch, der mir ins Auto gefahren ist. Ich versuche zu lächeln, was mir jedoch gänzlich misslingt.

Na, das kann ja heiter werden!

KAPITEL 2

Emma

Das ist doch ein Scherz, oder? Ich meine, gleich wird ein Kamerateam erscheinen und mir erklären, dass ich bei einer Prank-Show bin. Ich warte, doch nichts passiert.

Ich schlucke nervös. Natürlich geschieht so was immer mir. Dass ich mit einem meiner zukünftigen Bosse geschlafen und den anderen beschimpft habe. Ich schaue drein, als würden Weihnachtsmann und Osterhase gleichzeitig vor mir stehen. Drei Augenpaare sind auf mich gerichtet, und ich versuche, mich zu sammeln.

»Freut mich sehr, meine Herren«, piepse ich, strecke ihnen die Hand entgegen und entlocke den Männern der Stunde sogleich ein Schmunzeln. Mister One-Night-Stand lässt nicht lange auf sich warten und ergreift meine Hand.

»Sean Coleman. Miss Reed, es ist mir wahrhaftig eine Freude, Sie wiederzusehen. Haben Sie gut geschlafen?«, fragt er ohne jegliche Scham und grinst mich verführerisch an. Genau dieses Lächeln ist mir gestern Abend zum Verhängnis geworden. Ich schlucke, mein Mund ist trocken, und die Zunge klebt an meinem Gaumen.

Sean Coleman hat eine besondere Wirkung auf mich, der ich mich nicht entziehen kann. Der Blick von Charles und Liam huscht von Sean zu mir, und ich bin kurz davor, zu hyperventilieren.

Die müssen ja sonst was denken, und sie haben nicht mal unrecht! »Da-Danke, Sir. Ja, ich habe sehr gut geschlafen«, stottere ich verlegen. Warum soll ich lügen? Er ist wirklich grandios im Bett.

Nun reiche ich seinem Bruder die Hand. »Liam Coleman, freut mich. Was für eine Überraschung, Miss Reed. Wir hatten ja heute schon das Vergnügen.« Er lächelt, und irgendwie bringt mich dieses schiefe Grinsen genauso unerwartet aus dem Konzept. Seine Hand ist rau, aber er drückt meine nur ganz sanft. Ich schlucke erneut, und die Hitze schießt mir in die Wangen.

»Ähm … ja, stimmt. Es tut mir leid wegen vorhin. Ich wollte Sie nicht beschimpfen«, sage ich zu Kreuze kriechend. Das wird wohl mein erster und letzter Arbeitstag sein. Verabschiede dich von der Marketingbranche, Emma!

»Ist schon okay. Schließlich war es meine Schuld«, antwortet er salomonisch.

»Ihr drei kennt euch bereits?«, fragt nun Coleman senior. Seine Stimme scheint nicht mehr freundlich, eher verärgert. Oh ja, game over, Miss Reed.

»Vater, ich bin heute Morgen in Miss Reeds Auto gefahren. Wir hatten einen kleinen Unfall.«

Mein Blick gleitet zu dem Mann neben mir, der mit den Kiefern mahlt und seine Söhne mit Adleraugen beobachtet. »Du bist der armen Miss Reed ins Auto gefahren? Wo hast du denn deine Augen, Liam? Warst du allein?«

Ob er allein war? Was ist das denn bitte für eine Frage?

»Ja, Vater. Ich war allein.«

Er wendet sich wieder mir zu. »Miss Reed. Sie können nun zu Miss French gehen und sich alles erklären lassen. Ab heute sind Sie ihre Assistentin.«

Mit eingezogenem Kopf verlasse ich das Büro, lehne mich gegen die Tür, nachdem ich sie hinter mir geschlossen habe, und atme erst einmal tief durch. Anscheinend bin ich noch Assistentin bei Coleman & Sons. Die Frage ist nur, wie lange?

Miss French ist eine schlanke, vollbusige, überaus künstlich wirkende Puppe. Eine bessere Beschreibung will mir nicht einfallen. Ihr weißblondes Haar fällt ihr bis zur Taille, ihr Teint ist blassrosa, und ihr Körper wohlgeformt. Sie trägt ein knappes Kleid, das wirklich nicht mehr viel Spielraum für die Fantasie lässt.

Und ab heute bin ich ihre persönliche Sklavin. Miss French kaut auf einem Kaugummi und erklärt mir halbherzig den Arbeitsbereich. Wie zum Teufel hat sie es geschafft, Abteilungsleiterin zu werden? Ein Blick auf den prallen Hintern, der hin und her wippt, lässt es mich erahnen.

Zu meinem Leidwesen bin ich fürs Kaffeekochen, Post sortieren und Beantworten und Abtippen von Briefen verantwortlich. Von einer glänzenden Karriere in der Werbebranche bisher keine Spur.

»Hast du noch Fragen?«, will Jazabell wissen. Ja, das ist kein Witz, ihr Name ist wirklich Jazabell. Ihre Eltern müssen sie wohl hassen.

»Nein. Habe ich nicht.«

Sie schnaubt und sieht mich missbilligend an. Der Grund dafür ist mir jedoch schleierhaft. »Jetzt kannst du schon mal in die Küche gehen und frischen Kaffee aufsetzen.« Sie schnalzt mit der Zunge und verschwindet in ihrem Einzelbüro.

Der Bürokomplex ist ein modernes, mit schwarzem Glas verkleidetes Hochhaus. Im Untergeschoss befindet sich die große Cafeteria für die Mitarbeiter. Die erste Etage fällt in den Bereich des Empfangs und der Presseabteilung. Die nächste in den des Sicherheitsdienstes. In den zwei Stockwerken darüber befinden sich die Buchhaltungs-, Rechts- und Personalabteilung. Die letzten fünf Geschosse sind den aktiven Mitarbeitern vorbehalten, die mit den direkten Kundenaufträgen beschäftigt sind.

Den ganzen Vormittag habe ich Flyer sortiert, Kaffee gekocht und Bestellungen fürs Mittagessen aufgenommen. Mein Kopf brummt, ich bin todmüde und sterbe vor Hunger. Liam und Sean sind mir seit unserer peinlichen Vorstellungsrunde nicht mehr über den Weg gelaufen, und ich danke Gott auf Knien dafür.

Das Großraumbüro ist recht modern ausgestattet, wirkt schlicht und funktionell. Neben den hochwertigen Rechnern stehen viele Grünpflanzen und abstrakte Kunstwerke. Auch wenn das Mobiliar hauptsächlich weiß und schwarz ist, peppt eine rote Couch hier und eine gelbe Vase da das Ganze auf. Es versprüht eine entspannte Atmosphäre. Ich fühle mich wohl in diesem Unternehmen, es ist heimisch und gemütlich. Nicht so, wie ich es mir von einer der größten Marketingagenturen der Stadt erwartet habe.

Ich lehne in der Büroküche an der Arbeitsplatte und warte darauf, dass es endlich dreizehn Uhr wird und ich Mittagspause machen kann. Pünktlich auf die Minute läutet auch schon mein Handy.

»Hey, Principessa«, begrüßt mich ein überschwänglicher Aiden. Ich will ihn am liebsten durchs Telefon ziehen und erwürgen. Von einem Kater keine Spur.

»Spar dir deine Principessa, du elender Mistkerl!«, zische ich und stoße mich mit Schwung von der Küchenzeile ab. »Wegen dir habe ich verschlafen und bin neben einem fremden Mann aufgewacht!.«

Er lacht. »Ach, komm schon. Ich habe dir zwar die ersten zwei Shots aufgezwungen, aber die restlichen hast du freiwillig getrunken und dich nicht beschwert.«

»Das stimmt doch gar nicht!«

»Und wie das stimmt! Nach deinem zehnten Shot hast du noch gerufen, und ich zitiere: ›Scheiß auf die Arbeit als Marketingmanagerin, ich werde Backgroundtänzerin!‹ Und dann hast du wild getanzt. Mann, war ich stolz auf mein Mädchen.«

Mit der flachen Hand klatsche ich mir auf die Stirn. Wie peinlich ist das denn?

»Außerdem war der Typ heiß! Schade, dass er nicht auf Männer steht, sonst hätte ich ihn mir sicher geschnappt.«

»Na ja, so toll war er auch nicht«, versuche ich abzulenken, doch der Gedanke an Sean Coleman, der jeden Zentimeter meines Körpers geküsst hat, lässt mir die Schamesröte ins Gesicht schießen.

»Ich kenne dich, Baby, und ich weiß, wann du lügst. Gib’s zu, er war der Hammer im Bett, oder?«

Ich kann mir sein breites Grinsen regelrecht vorstellen. »Okay, er war heiß und der Sex göttlich, aber er ist jetzt mein Boss«, beichte ich und kneife die Augen zusammen. Die Tatsache, dass ich mit meinem Boss geschlafen habe, liegt mir schwer im Magen.

Ich habe mir diesen ersten Arbeitstag ganz anders vorgestellt, wollte alle von den Socken hauen und ihnen zeigen, dass ich etwas auf dem Kasten habe und genau in diese Agentur gehöre. Doch ich habe mich vor den Chefs wie eine Piepsmaus auf LSD verhalten.

»Mister Göttlich ist dein Boss?«, fragt Aiden, und ich kann seine Verwunderung deutlich heraushören.

»Ja, Aiden. Mister Göttlich ist mein neuer Boss.«

Ein Räuspern hinter mir lässt mich vor Schreck zusammenfahren. Wie von der Tarantel gestochen drehe ich mich um. Da steht Sean Coleman in seiner ganzen Herrlichkeit und grinst mich frech an.

War ja klar.

KAPITEL 3

Emma

»Emma? Emma, bist du noch dran?«, ruft Aiden verunsichert durch das Handy. Sean lehnt mit verschränkten Armen an der Küchentheke und mustert mich intensiv. Sein Blick ist abschätzend und lüstern zugleich und verrät mir sofort, dass er an vergangene Nacht denkt. Er schmunzelt über meine Sprachlosigkeit und reibt sich amüsiert das Kinn.

»Ähm, Aiden, ich ruf dich zurück!« Ohne auf eine Antwort zu warten, drücke ich ihn weg.

»Mister Coleman. Hallo«, sage ich schließlich nach einer gefühlten Ewigkeit und betrachte meinen Boss noch einmal eingehender. Weiche Gesichtszüge, die dennoch männlich sind, sein schwarzes, etwas länger geschnittenes Haar fällt im frech in die Stirn und gibt ihm etwas Verwegenes. Geschwungene Brauen, volle Lippen und ein spitz zulaufendes Kinn zieren sein Gesicht. Der dunkelblaue Anzug mit hellblauen Nadelstreifen sitzt wie eine zweite Haut. Seine Krawatte harmoniert mit dem Outfit, und er wirkt nicht mehr wie der Typ, den ich in der Bar kennengelernt habe. Gestern habe ich einen Halbgott in Jeans und Lederjacke geküsst. Hier im Büro sieht er trotz des Anzugs immer noch verboten gut aus, dass ich aufpassen muss, nicht zu starren.

Ich schlucke und werde augenblicklich nervös, wenn ich an unseren Sex denke. Er war hemmungslos und voller Leidenschaft. Normalerweise bin ich eher der Beziehungstyp, aber Sean kitzelte die Femme fatale aus mir heraus, von der ich nicht einmal wusste, dass sie in mir existiert. Noch immer spüre ich seine geschickten Finger auf mir, die mir den heftigsten Orgasmus meines Lebens beschert haben.

Berühr mich hier, raunte er verführerisch und führte meine Hand langsam an seinen Schoß. Ich tat nur zu gern, was er befahl, genoss es, ihn zu verwöhnen, zu streicheln und seinem erregten Atem zu lauschen.

Okay, ich habe ihn nackt gesehen. Aber das ist nicht allein der Grund meiner Nervosität. Ich hoffe und bete, dass er von dem Gespräch mit Aiden nichts mitbekommen hat.

»Mister Göttlich also, hm«, sagt er schließlich amüsiert, und ich kneife die Augen fest zusammen, als hätte mir jemand eins mit dem Hammer übergezogen. Mist, verdammter!

Verlegen zucke ich mit den Achseln. Er stößt sich von der Arbeitsplatte ab und geht ein Stück auf mich zu. Instinktiv weiche ich zurück. Doch ihn lässt das kalt. »Hören Sie, Mister Coleman –«

»Sean.«

»Was?«

»Nenn mich Sean«, raunt er, und mein Herz setzt einen Schlag aus. Seine Stimme ist rau und trieft vor Sex. Oh ja, Sex!, schreit mein Unterbewusstsein, und ich schüttle verärgert den Kopf.

Was ist denn mit mir los? Wir sind doch nicht auf der Highschool, sondern im Büro. Diese Tatsache ernüchtert mich, und endlich bin ich wieder ganz bei Verstand.

»Nein, ich möchte Sie nicht beim Vornamen nennen.«

»Ich habe es keiner vor dir angeboten, also kannst du dich ruhig geschmeichelt fühlen.«

Wie bitte?

»Sie sind mein Boss, das wäre nicht richtig.«

Ich trete zurück, bis ich die kalte Wand im Rücken spüre. Sean gleicht einem Panther, der seine Beute ins Visier nimmt, um dann zuzuschlagen. Mir gefällt diese Situation ganz und gar nicht.

»Wieso willst du mich nicht mit dem Vornamen ansprechen?

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