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Phantastische Abenteuer

Detlef Schumacher

Phantastische Abenteuer

Zwei unglaubliche Geschichten


In Liebe meinem Urenkel Tim


BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Die Abenteuer des Hasen Hoppel und des Ritters Rumpel

„Sah ein Bub ein Mägdlein schön ...“ -

Die Hasen auf der Wiese wunderten sich, wer am frühen Morgen schon Lust am Singen hat. Haupthase Hoppel befahl: „Monatsgänge Mai, Juni, Juli sofort antreten! Ein Feind ist im Anzug!“

Wenn er nun nackt ist?“, fragte Hase Stummelschwanz.

„Unsinn! Er ist im Anzug!“, stellte Hoppel richtig und seine Löffel hoch. „Hört ihr ihn singen?“

„Jawoll!“ antworteten die angetretenen Hasen.

Forsch hoppelte Hoppel vor ihnen auf und ab und erklärte: „Jetzt geht’s um Leben oder Tod. Das heißt: Wir müssen kämpfen! Und sei es bis zum letzten Hasen. Schließlich sind wir keine Angsthasen.“

„Was geschieht mit dem letzten Hasen?“, erlaubte sich Stummelschwanz, noch einmal zu fragen.

„Der verschwindet schleunigst.“

„Wer darf der Letzte sein?“, wollte Hase Buschelohr wissen.

„Ich!“ betonte Hoppel.

„Du?“, fragten alle erstaunt.

„Selbstverständlich! Der Haupthase ist der hauptsächlichste Hase.“

„Wenn aber noch jemand übrig bleibt, was wird mit dem?“

„Der bekommt meine Tochter zur Frau.“ – Hoppel grinste.

„Dann möchte ich lieber sterben“, murmelte Buschelohr.

Hoppel stellte das Grinsen ein. „Buschelohr, du erhältst drei Stunden Arrest!“

Buschelohr wurde abgeführt.

Hoppel streng: „So verfahre ich mit jedem Frechdachs – äh – Frechhasen.“

„Sah ein Bub ein Mägdlein schön, Mägdlein sich entkleiden...“

Der Sänger war inzwischen auf Sichtweite herangekommen.

„Das ist der Feind!“, rief Hoppel und „Umstellt ihn!“

„Warum sollen wir ihn umstellen?“, meinte einer. „Er singt und ist lustiger Dinge. Ein lustiger Mensch kann nicht unser Feind sein. Es wäre auch schwierig, ihn zu umstellen, denn er ist beritten. Sein Pferd würde uns tottreten.“

Die Hasen liefen ängstlich davon.

„Sah ein Bub ein Mägdlein schön, Mägdlein sich…“

Dem Haupthasen verschlug es die Sprache. Alle hatten sich feige verdrückt. Wo blieb die geforderte Kampfbereitschaft? Er schäumte vor Wut. Zu allem Übel nervte ihn auch der Gesang des völlig unmusikalischen Reiters. 

„Saha ein Buhub ein Mähägdlein schön...“, sang der unschön weiter.

Zur Abwechslung nieste er und sagte verschnupft: „Ich glaube, ich habe die Sommergrippe.“

Nun bekam auch Hoppel Angst. Sommergrippe ist ansteckend und kann zum Tode führen, hatte seine Oma gesagt, bevor sie an Sommergrippe starb. Kurz entschlossen ließ sich Hoppel auf den Bauch fallen, streckte alle Viere von sich und verhielt sich reglos.

Der singende Reiter war heran.

‚Hoffentlich erfassen mich die Pferdehufe nicht’, wünschte sich Hoppel. ‚Ich mache auf toten Hasen. Der Reiter wird mich verschmähen, denn hier herrscht Tollwutgefahr.’

„Sah ein Bu…Bu…Hatschiii! – Scheiß Grippe! – ein Mägdlein schön...“

Zum Singsang des Reiters gesellte sich das Schnaufen des Pferdes, das Hoppel dicht über sich vernahm.

„Saha ein Buhub ein - Hüh, Lieselotte! – ein Mägdlein schöhön...“

Hoppelmanns Herz wollte aus der Brust hüpfen.

„Brrr, Lieselotte! Pass auf, vor dir liegt ein toter Hase! - Was heißt tot? Vielleicht ist er nicht tot. Dann lebt er noch und wird ein schöner Sonntagsbraten. – Nun bleib schon steh`n, Lieselotte!“

Hoppel stockte der Atem. Er bereute, nicht auch die Flucht ergriffen zu haben. Ergriffen wurden er nun vom Reiter, der feststellte: „ Na klar lebt der Hase noch.“

Hoppel besah ihn aus Augenschlitzen an. Er war ein dicker Mensch, umhüllt von angerostetem Blech. Ein Bauer war er gewiss nicht.

Die Freude über den lebenden Hasen öffnete des Reiters sangesfreudige Kehle erneut.

„Saha ein Buhub ein ..., nein, Lieselotte! Die gleiche Melodie, aber ein anderer Text. Saha ein Ritter ein Häschen liegen, Häschen schön und fein...“

Singend ritt er eine geraume Zeit weiter. An einem Waldbach brachte er Lieselotte zum Stehen.

„Hier wollen wir rosten, äh – rasten“, sagte er zufrieden.

Schwerfällig rutschte er vom Gaul und gab ihm einen Klaps aufs Hinterteil.

„Trink und friss, mein schmucker Renner! Bald geht`s weiter.“

Dem Hasen band er die Pfoten zusammen und legte ihn neben sich ins Gras. Bald darauf schnarchte er, und zwar so heftig, dass das Laub der umstehenden Bäume zitterte.

Hoppel erkannte die günstige Gelegenheit zu verschwinden. Doch war das nicht möglich, weil seine Pfoten gefesselt waren. Er starrte zum Himmel, als könnte von dort her Rettung kommen.

Plötzlich flog ein bunter Vogel herzu. Er landete neben dem Hasen und schimpfte in der Vogelsprache: „Quivittipiepstirrilitoktok! Tschilp?“

„Nix versteh`n, Kamerad“, erwiderte der Hase, „ich beherrsche nur die internationale Tiersprache!“

„Aha“, sprach der Vogel, „du bist Ausländer. Willstwohl zur Futtermesse nach Dumdideldingsda?“

„Nein, in die Bratpfanne! Der Blechmann neben mir will mich verspeisen.“

„Verstehe, du bist eine Weihnachtsgans.“

Hoppels Fell sträubte sich.

„Eine Weihnachtsgans? Du beleidigst mich. Ich bin Haupthase Hoppel, Befehlshaber aller Wiesenhasen.“

Der Vogel knallte die Krallen zusammen.

„Zu Diensten, Herr Haupthase! Herrn Haupthasen ist sicherlich ein kleines Missgeschick widerfahren.“

Hoppels Befehlsgewalt kehrte zurück.

„Kleines Missgeschick? Ein großes Missgeschick! Einziger Gefangener einer furchtbaren Schlacht. Alle Hasen tot. Mausetot!“

„Hasentot“, verbesserte der Vogel.

„Natürlich hasentot. Jetzt mein Abtransport ins Gefangenenlager.“

„In die Bratpfanne“, berichtigte der Vogel wieder.

Hoppel wurde es wieder himmelangst.

„Ist es gestattet, Herrn Haupthasen befreien zu dürfen?“, fragte der buntgefiederte Vogel.

„Deshalb bist du doch sicherlich hierher gekommen.“

„Deshalb nicht. Ich wollte nur nachsehen, wer hier die Bäume des Waldes absägt. Ich bin nämlich der Specht und brauche die Bäume, weil in ihnen mein Futter steckt.“

„Und? Wer sägt hier Bäume ab? Etwa ich?“

„Eine Sinnestäuschung, Herr Hauptmann. Der Blechmann neben Ihnen schnarcht so laut, dass man glaubt, die Holzfäller von Dumdideldingsda würden Bäume fällen. Bäume benötigen die Menschen zum Entfachen eines Feuers.“

Hoppel war an sein mögliches Ende in der Bratpfanne erinnert.

„Vogel Specht, ich belohne dich fürstlich, wenn du mich sofort befreist.“

„Der Befreiung steht nichts im Wege, Herr Hauptmann. Hoffentlich wird der Blechmann nicht wach. Welche Belohnung darf ich erwarten?“

Hoppel grinsend: „Du erhältst meine Tochter zur Frau.“

Der Specht schluckte verlegen. „Ich ernähre mich ausschließlich von Würmern und Insekten. Hasenfleisch schmeckt mir nicht.“

„Seine Frau frisst man nicht. Man liebt sie ihr Leben lang“, meinte Hoppel ernst.

„Ich liebe nur Würmer und Insekten“, wiederholte der Specht.

„Schon gut“, raunte Hoppel, der merkte, dass der Vogel nur Fressen im Kopf hatte. „Befreie mich, und ich zeige dir einen Baum, in dem viele fette Würmer wohnen.“

Das hörte der Specht gern. Flugs hatte er die Fesseln des Hasen durchgehackt.

 „Wo ist der Baum?“, fragte er den Hasen.

„Dort!“, sagte Hoppel und zeigte zu irgendeinem Baum. In Gedanken sah er sich wieder zu Hause.

Fröhlich flog der Vogel zum angezeigten Baum. Hoppel verschwand schleunigst.

„Der verlogene Kerl!“ schimpfte der Specht, als er feststellte, dass der Baum vertrocknet war.
„Undank ist der Welten Lohn. Der Lümmel soll mich nicht straflos am Schnabel herumgeführt haben!“

Zornig flog er zum schlafenden Ritter, setzte sich auf dessen Blechkleidung und beklopfte sie heftig.

Wie von einer Biene gestochen fuhr der in die Höhe und guckte erschrocken um sich. Sekunden später sah er, dass der Hase nicht mehr an seinem Platz lag.

„Raubio! Raubio!“, tobte er und rief die grasende Lieselotte zu sich.

„Auf, auf, mein Pferdchen! Man hat mich in schamloser Weise bestohlen. Den Hasen muss ich wiederhaben.“

Lieselotte knickste, und der Wutschnaubende kletterte auf ihren Rücken.

„Vorwärts, Lotte!“ Er gab dem Pferd die Sporen.

Das gesättigte Pferd preschte aus dem Wald. Querfeldein ging die wilde Jagd.

„Da ist er ja!“, rief der Reiter erfreut, als er den Hasen nach einiger Zeit hoppeln sah. „Ausgerissen ist er. Aber wart` nur, Bürschchen, du gehst mir nicht noch einmal durch die Lappen. Auf keinen Fall. Bleib stehen Hase, du sollst in der Bratpfanne brutzeln!“

Der Blechmann lachte laut. Diese Hetzjagd war ganz sein Fall. Am Waldbach hatte er geträumt, dass er endlich die Tochter des Kaufmanns Raffke als Braut auf seine Burg führen könnte, wenn er ihr einen anständigen Hochzeitsschmaus biete.        

„Hoho!“, rief er, „ich will nicht mehr Ritter Rumpel sein, wenn ich nicht den Hasen und Tusnelda kriege.“

Hoppel war entsetzt, dass seine Flucht so rasch entdeckt war. Rasch war auch die klapperdürre Mähre des Reiters. Schon war sie bedrohlich herangekommen. Schnell schlug Hoppel einen Haken. Lieselotte bremste auf der Stelle. Ritter Rumpel sauste über ihren Kopf hinweg zu Boden.

„Rindvieh!“, fluchte er und hangelte sich wieder auf sie. „Ihm nach!“

Lieselotte rührte sich nicht von der Stelle. Sie war beleidigt.

„Schönes Tier, braves Pferdchen“, liebkoste der Ritter und tätschelte ihr zärtlich den Hals. „Nun aber schnell ihm nach, Lieselottchen!“

Noch sehr gekränkt tapste Lieselotte weiter, jedoch so langsam, dass selbst die Jagd nach einer Schnecke erfolglos ...

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