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Owen Tikaani

Liam Rain

Owen Tikaani


Danksagung: Ein ganz besonders herzlicher Dank geht an das Team der Lese-App Snipsl! Durch euch habe ich vorab schon Kontakt zu einigen Leserinnen & Lesern bekommen, ganz tolles Feedback erhalten und so den Mut gefasst meine Lykaner auch zu veröffentlichen!   An dieser Stelle auch DANKE an meine Abschluss-Korrektur-Leserin Gabi ❤   Natürlich danke ich ganz besonders Euch, meinen Leserinnen & Lesern, dass ihr Interesse an meinen Jungs habt!   Danke, ihr seid die Besten! Euer Liam Rain


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Owen - Ausbildung

Wie sehr ich die Army hasste, doch anders wäre ich, wie eine Ratte in der Gosse gelandet und zum Stehlen verdammt gewesen.

„Teekanne, Sie träumen ja schon wieder! Runter und zwanzig Liegestützen!"

„Das wird Tee-kah-nee ausgesprochen, Sir."

„Widerworte geben Sie auch noch! Wegen Ungehorsams, will ich jetzt fünfzig sehen und zählen Sie laut mit!"

Mit einem leisen Knurren ging ich runter und legte los.

„EINS, ZWEI, DREI, VIER ..."

Da stellte sich ein schwerer Kampfstiefel zwischen meine Schultern und drückte mich in den Dreck, zumindest versuchte der Wichser es. Meine Bizepse wölbten sich gewaltig, durch den zusätzlichen Druck, doch ging ich nicht runter. Selbst als der Mann sich mit beiden Füßen draufstellte, bekam er mich nicht klein.

„Verdammt!"

Er ging von mir runter.

„Weitermachen, Soldat!", bellte er und ich machte weiter. Ein wölfisches Grinsen legte sich auf mein Gesicht, das würde der Bastard eines Tages büßen, schwor ich mir.

„FÜNF, SECHS, SIEBEN, ACHT ... FÜNFZIG."

Unglauben legte sich auf das Gesicht des Instruktors, als er strammen Schrittes vom Ende der Reihe zu mir zurückkam.

„Wollen sie mich verarschen Soldat?"

„Nein, Sir"

„Wie können sie so schnell fünfzig Liegestütze erledigt haben?"

„Ich trainiere sehr viel, Sir."

Eine seiner Augenbrauen wanderte nach oben.

„Na, wenn das so ist und ihnen fünfzig zu einfach sind," ein fieses Grinsen umspielte seine Mundwinkel „erhöhe ich auf hundertfünfzig - mit einem Arm auf dem Rücken!"

Er sah mich herablassend an, dabei musste er jedoch den Kopf leicht in den Nacken legen, um mir in die Augen zu sehen.

„Runter und laut zählen - von vorne!"

Wieder drängte sich ein Grollen in mir auf, doch tat ich, was er mir befohlen hatte.

„EINS, ZWEI, DREI, VIER, FÜNF ..."

Noch, ehe er wieder bei mir ankam, hatte ich das geforderte Pensum erreicht und stand stramm.

„Sie sind echt ein zäher Hund Teekanne! Das gefällt mir! Mal sehen ob Sie, später, im Krieg genauso schwer unterzukriegen sind!"

„HOOAH!", gab ich artig zurück.

Wenn der kleine Mann wüsste, mit wem er sich da anlegte, er würde schreiend um sein Leben rennen.

Owen – Krieg

„Happy Birthday Teekanne, sie dürfen nach Afghanistan! Dort können sie dank ihrer Ausbildung, hoffentlich, endlich mal etwas Vernünftiges zustande bringen!"

„HOOAH!", rief ich.

Die Ausbildung war lang und zum Teil alles andere als angenehm gewesen. Vor allem der Instruktor hatte einen Narren daran gefressen, zu testen, wie viel ich ertragen konnte. Andererseits war ich echt froh, denn sonst wäre ich garantiert in der Gosse gelandet und bei meiner Natur, hätte es wohl nicht lange gedauert und ich wäre zum Verbrecher oder schlimmer zum Mörder geworden. Heute war endlich mein dreiundzwanzigster Geburtstag und ich müsste mit viel Glück diesen Kerl nie wiedersehen. Lieber sollte mir eine Bombe auf den Schädel fallen, als dass ich den Bastard noch mal sehen musste. Obwohl.

Ein wölfisches Grinsen breitete sich in meinem Gesicht aus, dann könnte ich ihm alles heimzahlen. Der kleine Mann stand vor mir und runzelte verwirrt die Stirn.

„Sie müssen verrückt sein, Soldat, sich derart auf den Krieg zu freuen!"

„HOOAH!"

Kopfschüttelnd ließ mich der Instruktor stehen, während unser Einsatzleiter vortrat und uns über die Einzelheiten aufklärte.

„Tee-kah-nee, sie und Jones werden aus dem Hinterhalt einfallen. Keine Gefangenen!"

„HOOAH!"

Jones stand neben mir, mit einem irren Funkeln in den Augen. Auch wenn es mir nicht befohlen wurde, beschloss ich ein Auge auf ihn zu haben, schließlich sollten wenigstens Frauen und Kinder verschont bleiben, dachte ich.

„Was passiert mit Alten, Frauen und Kindern, Sir?", fragte ich scheinbar beiläufig.

„Die Order lautet: keine Gefangenen, Soldat. Haben sie das verstanden?"

„HOOAH!"

Noch während er weitersprach, zerbrach ich mir den Kopf, wie ich mich um diese Order drücken konnte.

„Denk nicht mal dran. Wenn du damit ein Problem hast, übernehme ich das gerne für dich. Wegen denen sind mein Paps und meine Brüder tot, da habe ich was zugute.", zischte mir Jones zu. In meinem Inneren rumorte es, niemals würde ich das zulassen können. Doch erst galt es, überhaupt an die Front zu gelangen.

„Abflug ist um Zero Six Hundred, Sierra Time, Ladies. Viel Erfolg."

„HOOAH!", grölten wir im Chor und salutierten. Dann marschierten wir zurück in die Kaserne, wo wir unsere Sachen packten und uns anschließend schlafen legten.

***

Um fünf Uhr standen wir auf, damit wir noch vor dem Flug ein letztes Check-up machen konnten, ob wir auch an alles gedacht hatten.

Waschen, Essen, in Reih und Glied zum Flugzeug marschieren, einsteigen - all das lief wie in einem Film an mir vorbei. Erst als unser Colonel unruhig wurde, bemerkte ich, dass wir gleich am 'Lieferpunkt' waren.

„Ladies, Zeit das Röckchen festzuschnallen, Jones, Tee-kah-nee in Sixty Seconds ist Absprung, viel Glück."

„HOOAH!"

Wenige Handgriffe später unterzog mich der Colonel einer letzten Kontrolle.

„Kommen sie mir bloß heil zurück Junge, das ist ein Befehl!"

Er hatte doch tatsächlich feuchte Augen.

„Noch eine Info, da ihr Einsatz auf Vollmond fällt, habe ich unseren Kontaktmann, Codename 'Kaktus', eingeweiht. Er ist vertrauenswürdig", flüsterte er mir leise ins Ohr, während er mich väterlich umarmte. Erstaunt sah ich ihn an und nickte. Der einzige den ich in der Army vermissen würde, war der alte Mann.

Er war immer fair gewesen und hatte stets ein offenes Ohr für seine Jungs.

„Twenty Seconds!"

„Lass mich zuerst springen."

Schon hakte Jones sich an der Laufleine ein und drängte an die Laderampe. Um nichts in der Welt würde er es sich nehmen lassen vor mir unten anzukommen, also nickte ich.

„Three Seconds, gute Reise Jungs!"

Jones klinkte sich aus und sprang raus, kurz darauf zog er die Reißleine und schwebte langsam Richtung Boden. Schnell sprang ich nach, dann war ich im freien Fall und auf dem Weg nach unten. Von hier oben wirkte der Landstrich wie leergefegt, doch wusste ich, dass durchaus Zelte unter Tarnnetzen dort sein konnten.

Jones war schon ein Stück weiter unten, da tauchte ein Kampfflieger auf und eröffnete das Feuer. Einige Kugeln durchsiebten den Fallschirm meines Kameraden.

Als ich sah, dass er abstürzen würde, wurde mir mulmig zumute. Instinktiv legte ich die Arme an den Körper an und ging in den Sturzflug über. Eine Böe bauschte seinen Schirm etwas auf und trieb ihn noch mal ein Stück hoch. Nun war ich endlich auf gleicher Höhe mit ihm, da stellte ich fest, dass er schwer verwundet und bewusstlos in den Seilen hing.

Daher klammerte ich meine Beine um seine Hüfte, zog meine Reißleine und durchschnitt die Seile seines Fallschirms, dabei hoffte ich, das zerlöcherte Teil würde den Kampfpiloten ablenken. Der Reserveschirm war ebenfalls durchlöchert, sodass ich mir die Mühe sparen konnte, ihn zu öffnen.

Schon glitten wir schnell dem Boden entgegen. Sobald seine Füße den Sand berührten, rollte ich über die rechte Schulter ab und kugelte mit meinem Kameraden weiter. Sofort entledigte ich mich des Sprunggurtes samt Fallschirm, hob Jones auf die Arme und rannte bis zu einem nahen gelegenen Felsvorsprung. Glücklicherweise entpuppte sich das als kleine Höhle und ich kroch mit ihm hinein.

Jetzt endlich konnte ich mich um seine Verletzung kümmern. Ein Streifschuss hatte ihn an der Schläfe erwischt und eine Kugel war in die Schulter eingeschlagen.

Behutsam zog ich ihm das Oberteil des Kampfanzugs aus und stellte erleichtert fest, dass es ein glatter Durchschuss war, der knapp die Arterie in der Achsel verfehlt hatte. Das Sanitätspack und ein Schlauch mit destilliertem Wasser durften nun ran, damit wusch und verband ich die Wunden. Den Verwundeten legte ich behutsam, mit dem Kopf auf seinen Rucksack und packte ihn in eine Wärmdecke.

Dann robbte ich vorsichtig an den Rand der Höhle, darauf bedacht im Schatten zu bleiben. Ob ich es wohl riskieren sollte, meinen Fallschirm einzusammeln? Das Risiko würde ich eingehen, aber erst nach Einbruch der Nacht.

***

Während hinter mir der ruhige Atem von Jones ging, richtete ich meine volle Konzentration nach draußen. Die Abenddämmerung brach bereits herein. In einiger Entfernung standen Männer bei meinem Fallschirm. Sie sprachen leise in einer, für mich, fremden Sprache.

Nach einer Weile trennten sie sich und einer kam direkt auf unser Versteck zu. Ich zog mein Kampfmesser und kauerte im Schatten, bereit zuzuschlagen. Doch der Mann drehte sich wieder ab und ging davon. Nachdem, selbst für meine feinen Sinne, die Schritte der Männer nicht mehr zu hören waren, entspannte ich mich. Schnell kontrollierte ich den Zustand meines "Patienten" und flitzte dann hinaus in die Dunkelheit.

Gerade hatte ich den Schirm halbwegs zusammengerollt, da ertönte ein Motorengeräusch.

Ein Geländewagen hielt direkt auf die Stelle zu, wo ich mit dem Fallschirm stand. Schnell packte ich den Stoff und die Seile auf die Arme, darauf bedacht keine Schleifspuren zu hinterlassen, und rannte zur Höhle zurück. Mit einem Sprung hechtete ich gerade noch rechtzeitig hinein, da hielt auch schon der Wagen und einige Männer sprangen heraus.

Sie diskutierten miteinander, dann bekam einer in den Nacken geschlagen und die umstehenden Leute lachten. Der Getroffene gab etwas in mürrischem Ton von sich und der Trupp stieg wieder ein. Doch als der Wagen wendete, strahlte der Scheinwerfer zu unserem Versteck und mir direkt in die Augen. Plötzlich bremsten sie und drei Männer kamen, mit den Schusswaffen im Anschlag, auf mich zu.

Am Himmel zogen die Wolken schnell vorbei, ein Luftzug streifte meine Handgelenke und der kalte klare Mondschein fiel herab - Vollmond, wie praktisch. Schon spürte ich den ersten Schmerz im Kiefer. Die Metamorphose ging schnell vorbei, doch fiel mir sofort auf, dass ich in eine Art Kampfform gewandelt hatte.

Als der erste Mann in die Höhle zielte, schoss ich mit einem gewaltigen Satz hinaus. Er verlor mit einem Klauenstreich den Kopf. Der Zweite stand wie eine Salzsäule da und starrte mich aus weit aufgerissenen Augen an. Dann begann er hysterisch, in seiner Sprache, zu schreien, und eröffnete das Feuer. Die Kugeln pfiffen an mir vorbei, weil er in seinem Schockzustand nicht zielen konnte. Nah an den Boden geduckt, sprintete ich mit langen Sätzen auf ihn zu, um ihn umzurennen. Als er unter mir lag, öffnete ich mein Maul und schloss den Kiefer mahlend um seinen Hals.

Der Letzte rannte schreiend los, wollte wohl zu dem Wagen zurück. Doch schon bald musste er feststellen, dass seine Kameraden ihn im Stich gelassen hatten, denn der Wagen war weg. Mit weiten Schritten schlich ich mich an ihn heran, dann berührte ich mit einer meiner Klauen seine Schulter und konnte direkt darauf den Geruch von Urin empfangen. Angewidert verzog ich die Lefzen, er drehte sich langsam um und war kreidebleich angelaufen. Seine schreckgeweiteten Augen blickten durch mich hindurch. Als ich ihm, mit einem schnellen Handgriff, das Genick brach, musste ich an schlecht gemachte Horrorfilme denken.

Die nächsten Stunden war ich damit beschäftigt, die Leichen wegzutragen und zu verbuddeln.

Der Morgen graute bereits, als ich in die Höhle zurückkam. Gerade hatte ich mich zurückverwandelt, da hörte ich ein entsetztes Keuchen. Fuck! Jones war wieder bei Sinnen und hatte mich gesehen.

„Alter, sag' mir, dass ich gerade 'ne Fieber Halluzination hatte und du kein Monster bist!"

Wie er da so bleich saß und mich zweifelnd ansah, tat er mir schon leid.

„Wenn ich ein Monster wäre, hätte ich nicht deinen Arsch gerettet."

Darüber schien er nachzudenken, dann nickte er.

„Wie geht's jetzt weiter? Wir haben eine Mission zu erledigen."

„Erst mal Essen fassen, dann sehen wir weiter."

Dieser Vorschlag wurde auch prompt von seinem knurrenden Magen quittiert und wir mussten beide grinsen. Hoffentlich würde er dichthalten, wenn wir wieder heimkamen. Während wir aßen, hielt ich meine scharfen Sinne nach draußen gerichtet. Derart abgelenkt, bekam ich nicht mit, wie Jones sich hinter mir erhob und mir dann den Gewehrkolben ins Genick schlug. Kampfstiefel am Eingang der Höhle waren das Letzte, was ich sah, dabei dachte ich FUCK! Jones gehört zum Feind!

Da gingen mir auch schon die Lichter aus.

***

Mein Schädel fühlte sich an, als ob ein kleines Männchen mit einem Presslufthammer seilspringen würde. Die Augen waren verklebt und wollten sich nicht öffnen lassen, die ausgetrockneten Lippen waren schon spröde und meine Zunge war dabei mit meinem Gaumen zu verschmelzen. Vorsichtig bewegte ich meine Gliedmaßen, dabei klirrte Metall und ich riss nun gewaltsam die Augen auf. Schnell musste ich feststellen, dass ich in einer Grube saß und fest gekettet war. Von oben brannte die Sonne erbarmungslos herab. Gegenüber in dem Halbschatten bewegte sich etwas und ich sah einen anderen Mann dort sitzen, ebenfalls angekettet.

An einer Wand wurde eine versteckte Tür geöffnet und Jones kam herein. Neben ihm lief ein Mann mit einem großen Hund. Der Mann kam einige Schritte auf mich zu, doch als Jones etwas sagen wollte, wurde er rüde unterbrochen und rausgeschickt. Murrend verließ er das Gefängnis. Der Mann sagte etwas zu mir, das ich nicht verstand, dann deutete er mit der Hand auf mich und sagte etwas zu dem Hund. Das Tier zerrte knurrend an der kurzen Kette, mit dem es geführt wurde. Der Mann sagte noch etwas zu dem Tier, ließ die Kette los und es sprang zähnefletschend auf mich zu. Mein Knurren spürte ich bereits, noch lange bevor es hörbar aus der Kehle trat.

Selbst der Mitgefangene auf der anderen Seite des Raumes hob den Kopf und zerrte panisch an seinen Fesseln, dabei rief er was in der Sprache des Fremden.

Ehe der reagieren konnte, war sein Tier fast bei mir angekommen. Der letzte Sprung sollte wohl an meine Kehle führen, doch soweit kam es nicht. Unter gewaltiger Kraftanstrengung riss ich die Arme nach unten und zerschmetterte dem Tier, mit den ineinander geballten Händen, den Schädel. Der Fremde sah mich entsetzt an, während hinter mir die Ketten, deren Verankerung aus der Wand gerissen war, laut klirrend zu Boden fielen. Dann rief er etwas und die Tür wurde aufgerissen. Einige Bewaffnete drängten sich in den Raum, mit ihnen tauchte Jones auf.

„Ich wollte es ihm ja sagen, doch wer nicht hören will ... Alter halt die Pfoten still, sonst kann man dich gleich als Sieb nehmen. Die Jungs hier haben nervöse Finger.”

Ein Schnauben war die einzige Antwort, die er von mir bekam.

Der Fremde ging auf mich zu und zog vorsichtig seinen toten Hund von mir weg. Dann unterhielten er und Jones sich flüsternd, während der Mann gegenüber immer noch verzweifelt an seinen Ketten zog. Das Klirren übertönte das Gespräch und tat mir höllisch in den Ohren weh.

Wieder spürte ich das Knurren in mir aufsteigen, doch die Gewehre in meinem Gesicht hielten mich davon ab, es laut werden zu lassen. Einer der Bewaffneten ging zu dem Gefangenen und schnauzte ihn an. Die leise Antwort des Gefesselten schien ihm nicht zu gefallen. Sein Kopf ruckte herum und er sah mich, mit verengten Augen an. Dann ging er zu seinem Anführer und störte das Gespräch zwischen diesem und Jones.

„Diese netten Leute haben ein Angebot für dich, über das du nachdenken sollst. Schließ dich ihnen an und verhöre den Gefangenen. Wenn sie mit dir zufrieden sind, bekommst du auch einen Knochen."

Sein dämliches Grinsen, trieb mich fast zur Weißglut.

„Lieber sterbe ich, als mich dem Feind anzuschließen."

Zähneknirschend starrte ich ihn an. Schulterzuckend ging er davon.

„Wenn du keinen Knochen magst, tut's vielleicht auch eine Schüssel Wasser."

Nacheinander verließen, der Fremde, die Wachen und er den Raum. Seufzend schloss ich die Augen, was sollte ich bloß tun?

***

Als Jones das nächste Mal hereinkam, war er allein. Mit dem Rücken zu dem anderen Gefangenen und der Tür gedreht sagte er:

„Alter, du solltest echt über das Angebot nachdenken, sonst wirst du das hier nicht lange überleben.”

Dabei zwinkerte er mir zu. Was zur Hölle sollte das jetzt?

„Niemals”, knurrte ich leise.

„Du verstehst echt nicht. Du musst das Angebot annehmen, um zu überleben. Ohne dich wäre die Party langweilig.”

Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich meinen er versuchte mir etwas zu sagen, ohne dabei Verdacht zu erwecken. Fragend zog ich eine Augenbraue nach oben.

„Du glaubst, ich bin so blöde und mach da mit? Irrtum, ich bin kein Verräter.”

Er rollte mit den Augen, doch konnte er nichts mehr erwidern, da einer der Fremden in die Zelle kam. Vor dem anderen Gefangenen baute er sich auf und sprach ihn an. Die Antwort schien ihm nicht zu gefallen, denn er schlug dem Mann mit dem Gewehrgriff ins Gesicht. Er verließ die Grube und rief dabei Jones etwas zu, der machte Anstalten mich zu verlassen.

„Alter, egal, was kommt, lass den Pelz im Schrank, sie wissen nichts von deiner Vorliebe für Fell.”

Schnellen Schrittes verließ er den Raum und schloss die Tür.

Auch wenn meine Ketten mich nicht mehr an der Wand hielten, so hinderte ein Gewehrlauf mich daran in der Zelle umherzulaufen. Einen grimmigen Blick zu dem Schützen werfend legte ich mich auf den Boden. In Gedanken ließ ich das seltsame Gespräch mit Jones Revue passieren.

FUCK! Wenn ich nicht so verbohrt gewesen wäre, hätte ich gleich gemerkt, dass er mir versteckte Hinweise gegeben hatte. Stand er doch noch auf meiner Seite?

Wenn ich ihn richtig verstanden hatte, musste ich demnächst mit Folter rechnen und der Feind wusste noch nichts von meiner wahren Natur. Doch wie viel wusste der andere Gefangene und würde er dichthalten?

„Verstehst du mich?”, fragte ich ihn auf Englisch und bekam keine Reaktion. Dann probierte ich es mit französisch „Me comprenez-vous?” wieder keine Reaktion. Resigniert schloss ich die Augen.


***

Einer der Bewaffneten betrat die Zelle, hinter ihm schob ein anderer mit einer Plastikschürze einen, mit einem Tuch, abgedeckten Servierwagen herein. Langsam stand ich auf und beobachtete das Geschehen. Bei jeder vollen Umdrehung quietschten die Reifen und einer schien zu blockieren, denn der Mann musste immer wieder die Fahrtrichtung korrigieren, was ein schabendes Geräusch auf dem Boden verursachte. Die Wache richtete direkt seine Waffe auf mich, während 'Schürze', wie ich ihn insgeheim taufte, sich dem anderen zuwendete.

Er fragte ihn etwas und bekam eine leise Antwort. Das klatschende Geräusch, als er ihm mit der behandschuhten Rückhand ins Gesicht schlug, schallte durch die Zelle. Die Wachen, oben und vor mir, lachten. Der Gefangene aber blieb unnatürlich ruhig. Der Mann vor mir kam einen Schritt auf mich zu und stupste mich mit der Waffe vor die Brust, dabei sagte er etwas, das ich nicht verstand.

An seiner Tonlage und dem ernsten Gesicht, deutete ich es jedoch als Drohung mich nicht einzumischen. Vorsichtig hob ich die Hände auf Hüfthöhe an und ging einen Schritt rückwärts, wo ich mich hinhockte. Zufrieden nickte er und stellte sich seitlich zu mir, wobei seine Waffe immer noch auf mich zielte. Insgeheim hätte ich lachen können, denn es wäre ein Einfaches für mich gewesen, ihn zu überwältigen. Doch hielt ich mich an das, was Jones mir gesagt hatte und tat nichts. 'Schürze' hatte in der Zwischenzeit das Tuch von dem Serviertisch gezogen und die darauf liegenden Instrumente zum Vorschein gebracht. Man konnte nun eine Kombizange, ein Skalpell, eine Lochzange und einiges mehr erkennen. Wollte der dem Gefangenen einen Ohrring stechen oder wofür war die Lochzange gedacht? Als er einen Bunsenbrenner aus dem unteren Teil des Wagens holte und anzündete, überkam mich ein ungutes Gefühl.

Der Folterer sprach den Gefangenen noch mal an, doch der grinste nur seltsam vor sich hin. Dann hielt 'Schürze' die Lochzange in die Flamme, bis sie dunkelrot glühte, nur um sie direkt auf die gefesselten Arme zu drücken. Jedes Mal fragte er den Gefangenen etwas, der antwortete nicht oder scheinbar nicht das Erhoffte, da wurde er erneut gebrannt. Seine Schreie gingen mir durch Mark und Bein, wieso redete er nicht einfach?

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