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Nichts ist scheißer als Platz zwei

Inhalt

  1. Cover
  2. Über die Autorin
  3. Titel
  4. Impressum
  5. Vorwort
  6. KAPITEL 1 - »Die im Dunkeln sieht man nicht«: Im ewigen Schatten des ewig Besseren
    1. Bro’Sis: PAM-PAM-PAM! im Popstars-Himmel
    2. Burger King: Die fetten Jahre sind vorbei
    3. Damon Hill: Wenn der Gentleman Gas gibt
    4. Eva: Der Erste, die Zweite und der Zankapfel
    5. Frank Sinatra jr: Auf ausgetretenen Pfaden
    6. Heinrich Mann: Es bleibt in der Familie
    7. Prinz Philip: Einer geht noch
    8. Opel Kadett/Astra: Von Sternchen und Winden
    9. Robert Falcon Scott: »Großer Gott! Dies ist ein schrecklicher Ort.«
    10. Robin: Superhelden in Strumpfhosen
    11. The Dark Side of The Moon: Völlig losgelöst von der Erde
    12. Tonya Harding: Eiskalt abgezogen
    13. Willi: Ein Pollenklößchen kommt selten allein
  7. Die Wutrede: Lassen Sie es raus
  8. KAPITEL 2 - Abgewählt und aussortiert: Von Verlierern und Verlorenen
    1. Al Gore: Ozone Man und der Kampf gegen die Bushs
    2. Ariadna Gutiérrez: 15 Sekunden Ruhm
    3. Deutsch als Weltsprache: Ein Ü auf Abwegen und der lange Weg zur Legende
    4. Die Kartoffel: Alles hat ein Ende
    5. Gesine Schwan: Immer wieder Horst
    6. Jan Ullrich: Bis aufs Blut
    7. Maximilian I. von Mexiko: Des Kaisers neue Länder
    8. Meryl Streep: Tausendmal berührt
    9. West-Sandmännchen: Das doppelte Sandsäckchen
  9. Das Verkackt-Rätsel: Suchen und Finden
  10. KAPITEL 3 - Wenn das letzte Quäntchen fehlt: Von Pechvögeln und anderen schrägen Kreaturen
    1. Alfred Russel Wallace: Survival of the Fittest
    2. Anna Ziegler: Die zweite Frau
    3. Bayer Leverkusen: Alle gegen einen
    4. Claudia Effenberg: (K)eine Frau für die zweite Liga
    5. Gabriella Grimaldi: Wer zuerst kommt, den bestraft das Leben
    6. Georg VI.: Stotter-Schorsch und der wilde Sprachfehler
    7. Julius Cäsar und die Römer: »Ach, rutsch mir doch den Buckel runter!«
    8. Maria Stuart: Wärst du doch in Edinburgh geblieben
    9. Marius Müller-Westernhagen: Ich bin so froh, dass ich kein Herbert bin
    10. Mond: When the moon hits your eyes like a big pizza pie
    11. Pepsi: When there’s no coke
    12. René Adler: Im Strafraum ist die Hölle los
  11. Tipps: Was man zu einem Zweitplatzierten niemals sagen sollte
  12. Kapitel 4 - War was? Vergessen und übersehen
    1. Johann Strauss, der Ältere: Jeder will die erste Geige spielen
    2. Karl Jatho: Dem Himmel so nah
    3. Mileva Marić: Relative Liebe
    4. Nebenniere: Alle auf den Kleinen
    5. Nellie Bly: Mit nichts als Fernweh im Gepäck
    6. Johann Ulrich Mayr: Copy and paste im Bilderrahmen
    7. Richard Trevithick: Puff-Puff und der lahme Teufel
    8. Roscoe Arbuckle: Dick im Geschäft
    9. Steve Wozniak: Freak macht erfinderisch
    10. StudiVZ: Alle meine Freunde
    11. Tenzing Norgay: Ein Tiger im Hochgebirge
    12. Zelda Sayre Fitzgerald: Der Feind in meinem Bett
  13. Die Checkliste: Sind Sie ein Verlierertyp?
  14. Kapitel 5 - Wer zuletzt lacht, lacht am besten
    1. Abraham Bell: Wenn das Schlitzohr zweimal klingelt
    2. Alexander Duszat: Der Letzte macht das Licht aus
    3. Buzz Aldrin: Von einem, der auszog, den Mond zu erobern
    4. Camilla Parker Bowles: Ein Königreich für ein Lama
    5. Deutschland: Verloren? Egal, wir feiern wie die Sieger
    6. Frank Busemann: Bis einer heult
    7. Julia Roberts: Drum prüfe, wer sich ewig bindet
    8. Justine Pasek: Das Fleisch ist willig
    9. Liam Hemsworth: Hör mal, wer da hämmert
  15. Das Abschlussquiz: Testen Sie Ihr Wissen
  16. Nachwort
  17. Lösung für das Verkackt-Rätsel

Über die Autorin

Victoria Seconda (Jahrgang 1976) lebt in Hamburg, der zweitgrößten Stadt Deutschlands. Sie ist die zweitgeborene Tochter einer Familie, in der beim Abendbrottisch gern skurrile Geschichten erzählt wurden. Zwischen all den Zweitplatzierten der Weltgeschichte fühlt sie sich sehr wohl, auch wenn sie beim Vorlesewettbewerb 1984 einmal den ersten Platz gemacht hat. Wie sich später he­rausstellte, passierte das aber nur, weil sich kein anderer aus ihrer Altersklasse angemeldet hatte.

Victoria Seconda

Nichts ist scheisser
als Platz zwei

Die größten Verlierer der Geschichte

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Vorwort

Kennen Sie das? Sie brennen für eine Sache und scheuen auch den Wettkampf nicht. Sie tun schließlich alles dafür, um die oder der Beste zu sein. Monatelange Vorbereitungen, zahlreiche Entbehrungen, seelische und vielleicht sogar körperliche Qualen lassen Sie dabei nicht einknicken. Na gut, der Gedanke aufzugeben geistert hin und wieder durch Ihre Hirnwindungen. Aber Sie hören nicht auf, sich zu geißeln und nach vorn zu treiben.

Doch warum eigentlich? Warum tut man sich so etwas an? Und vor allem: wo? Beim Weitsprungwettbewerb bei den Bundesjugendspielen? Beim Messen mit dem besten Freund um das höchste Jahresgehalt? Beim jährlichen Wettbewerb im Kleintierzuchtverein auf der Suche nach dem größten Rammler? Im Diätklub für die schlankste Bikinifigur bis zu den Sommerferien?

Von Ironman-Läufern (angeblich die härtesten Sportler der Welt) hört man das immer wieder. Dass man sich irgendwann im Laufe des Wettbewerbs fragt, ob die Qualen, die man erleidet, die ganze Mühe am Ende überhaupt wert sind. Die Großpackungen Nudeln und hochkalorischen Lebensmittel, die man sich in den Tagen vor dem Rennen einverleibt hat. Die wunden und mit Blasen übersäten Füße, die man seit Kilometer 33 nur noch als blasse Erinnerung an ein ehemals zu einem gehörendes Körperstück wahrnimmt. Der Sonnenbrand, der dafür sorgt, dass sich die Haut in Fetzen vom eigenen Körper schält, und das knappe Funktionsshirt, das an genau diesen Stellen unangenehm das rosafarbene Fleisch aufscheuert.

Aber was soll’s! Sie sind auf Hawaii, haben wie ein Wahnsinniger trainiert und einen Haufen Kohle für den 20-stündigen Flug ausgegeben – mal abgesehen von den ganzen leidigen Erklärungen, die Sie Ihrem Umfeld abgeben mussten. Drei Komma acht Kilometer durch den Pazifik schwimmen. 180 Kilometer Radfahren. 42 Kilometer Rennen. An einem Tag. Das ist total plemplem, das wird Ihnen in diesem Moment auch klar. Aber jetzt ist es zu spät zum Aufgeben! Ohnehin sind es nur noch ein paar Meter bis ins Ziel. Und Sie haben sich schon vor Stunden vom Verfolgerfeld abgesetzt. Der Einzige, den Sie jetzt noch besiegen müssen, sind Sie selbst.

Doch wo bleibt nur die Zielgerade? Oje, noch tausend Meter. Noch tausendmal einen Schritt vor den anderen setzen. Wie gut, dass es die frenetisch jubelnde Menge am Straßenrand gibt, die Sie vorwärtspeitscht. Fahnen werden geschwenkt, Hymnen gesungen, alle rufen Ihren Namen. Natürlich werden Sie gewinnen. Das ist sicher. Nur der Körper schmerzt so entsetzlich wie noch nie. Und die Glückshormone sind nach neun Stunden auch langsam aufgebraucht. Sind die Verfolger noch da? Sicher haben Sie alle abgehängt. Dennoch, ein kleiner Blick über die Schulter zurück kann nicht schaden. Man weiß ja nie …

Sie erstarren. Hinter Ihnen, in Ihrem Windschatten, rennt einer, der genauso fertig aussieht wie Sie. Sie wissen nicht, wer das ist, aber Sie wissen, was er vorhat: Er will Sie überholen. Auf den letzten Metern, obwohl Sie die ganze Zeit in Führung lagen.

Es kommt, wie es kommen muss. Am Ende verlieren Sie. Sei es aus Missgeschick, Pech, einer Laune der Natur, einem göttlichen Witz oder einfach, weil Sie nicht zum Siegen geboren wurden.

Immerhin eines könnte Sie trösten (nach Wochen des Elends, in denen Sie Ihr Leben verfluchen und sich den Verlust des greifbaren Sieges einfach nicht verzeihen können): Sie müssen nicht beinahe den Iron Man gewinnen, um sich als Zweitplatzierter so richtig bescheiden zu fühlen. Dafür reichen schon die kleineren Wettbewerbe des Lebens, bei den Meisterschaften im Kegelverein, beim Kampf um die elterliche Aufmerksamkeit oder bei der Wahl zum Bundespräsidenten. Überall da, wo man Erster werden kann, muss es auch Zweitplatzierte geben. (Außer beim Hamburger Grundschul-Vorlesewettbewerb 1984 in Eimsbüttel, bei dem die Autorin als Einzige in ihrer Altersgruppe an den Start ging und prompt gewann – ein Sieg, der sich bis heute wie eine Niederlage anfühlt, lassen Sie sich das gesagt sein.)

Aber Zweiter sein, das gehört sich nicht. »Nichts ist scheißer als Platz zwei«, sagte einmal der Fußballprofi Erik Meijer, der zweimal deutscher Vizemeister wurde und dann auch noch das Pokalfinale 2004 verlor. Wenn man als Zweiter ins Ziel kommt, als Zweiter den Fuß auf fast unberührte Erde setzt, auf den zweiten Platz gewählt wird, dann hat man ganz eindeutig den ersten Platz verloren. Als Dritter ist man noch unter den besten drei, man gilt als glücklich. Besser dritter als vierter Platz, bei Olympia sogar: besser Bronze als Silber. Der zweite Platz ist und bleibt aber der erste Verlierer. Oder wie viele Bücher haben Sie schon gelesen, in denen es um die zweite große Liebe ging?

Dabei kann es viele Gründe geben, wieso man eben nur der Zweite geworden ist. Man hat einfach Pech, weil man in der Ära von Boris Becker, dem größten deutschen Tennisspieler aller Zeiten, aktiv ist (Michael Stich). Man setzt auf Mobiltelefone, obwohl man ganz formidabel Gummistiefel produziert (Nokia). Man wird im wahrsten Sinne des Wortes sang- und klanglos vergessen (Antonio Salieri, Zeitgenosse Mozarts). Man wird geschichtlich ausradiert (Rembrandts Schüler). Oder man verarmt, bevor man seine Entdeckung an den Markt bringen kann, was dann der lachende Konkurrent für einen erledigt (Antonio Meucci, eigentlicher Erfinder des Telefons).

All denjenigen, die von den Geschichtsschreibern ignoriert, unterschlagen oder fälschlicherweise als Zweiter deklariert wurden, ist dieses Buch gewidmet. Es will zeigen, dass auch zum zweiten Platz eine Menge dazugehört: Mut, Erfindergeist, Neugierde und Leidensfähigkeit, vor allem dann, wenn man von der Menschheit vergessen wird. Zum ZweiterSein gehört nicht nur das, was auch die Erstplatzierten zum Siegen benötigen. Man muss darüber hinaus auch noch die mentale Stärke haben, sich aus der Niederlage wieder aufzurappeln und weiterzumachen. Auf den zweiten Plätzen der Weltgeschichte stehen in den seltensten Fällen die vom Glück Gesegneten – es sind die Stehaufmännchen des Lebens, die sich mit dem matten Silber zufriedengeben müssen. Nicht Gustav Gans, sondern Donald Duck. Nicht Glücks-, sondern Pechmarie.

Aber immerhin eines gewinnen sie: die bessere Pointe. Die Geschichte auf einer Cocktailparty zu erzählen, wie man beinahe zum Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wurde, ist doch so viel unterhaltsamer als die albernen Hofknickse der duckmäuserischen Bewunderer, wenn man zur Audienz lädt.

Denken Sie daran, wenn Sie das nächste Mal als Zweiter auf die Zielgerade auf Hawaii einbiegen. Immer noch besser, als zu Hause tatenlos auf der Couch sitzen zu bleiben und nicht mal vom Sieg träumen zu dürfen.

In diesem Sinne, viel Spaß beim Träumen, äh pardon, Lesen.

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KAPITEL 1
»Die im Dunkeln sieht man nicht«:
Im ewigen Schatten des ewig Besseren

Warum wird man Zweiter? In der Regel, weil es einen gibt, der vor einem ist. Einen, der immer eine Nasen- oder Radlänge Vorsprung hat, einen, den das Glück im entscheidenden Moment heimsucht, dem das Schicksal wohlgesonnen ist. Es sind die Ole Einar Bjørndalens, Bill Gates’ und Stefan Raabs dieser Welt, die den ersten Platz für sich beanspruchen. Alle, die danach kommen, können so begabt, gefördert und leidensfähig sein, wie sie wollen – sie werden gegen diese fleischgewordene Übermacht immer den Kürzeren ziehen. Eine besondere Tragik, denn diese Zweitplatzierten sind beileibe keine Verlierer, ganz im Gegenteil, sie sind gut in dem, was sie tun. Nur eben nicht gut genug.

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Bro’Sis

PAM-PAM-PAM! im Popstars-Himmel

Stellen Sie sich das mal vor: Sie sind ein Niemand. Allerdings ein Niemand mit gewissen Talenten. Sie können ein bisschen tanzen, ein bisschen rappen, vielleicht sogar ein bisschen singen, und so richtig schlecht sehen Sie auch nicht aus. Klar, Ihr Migrationshintergrund hat es Ihnen nicht immer leicht gemacht. Als Tochter oder Sohn einer aramäischen Mutter und eines ukrainischen Vaters, in der indischen Wüste geboren und mit den Liedern Ihrer peruanischen Großmutter im Ohr aufgewachsen, war es nicht leicht in einem Land, das sich vor allem für die Fische interessiert, die mit dem Strom schwimmen. Unglücklicherweise haben Sie deswegen auch keine nennenswerten Erfolge in Schule und Beruf sammeln können. Ihre Ausbildung als Automechanikerin oder Reiseverkehrskaufmann oder Nageldesignerin haben Sie kurz vor dem Ende abgebrochen – Sie träumen von Größerem. Von der Showbühne. Vom Fernsehen. Von Titelschlagzeilen und Homestorys in der BUNTEN.

Im Jahr 2000 sitzen Sie vor dem Fernseher und sehen mit offenem Mund dabei zu, wie eine Handvoll Mädchen aus dem Nichts heraus zu Popstars wird. Diese Mädchen sind … niemand. Aber ihr Migrationshintergrund ist so vielfältig wie eine Benetton-Anzeigenkampagne in den späten Neunzigern. Lucy, Vani, Sandy, Nadja und Jessy können ein bisschen tanzen, ein bisschen rappen und sogar ein bisschen singen. Es ist die perfekte Geschichte: von der Jeansverkäuferin zur Ballkönigin. Plötzlich Prinzessin, und das gleich in fünffacher Ausführung – wow!

Sie sind begeistert, genau wie 1,7 Millionen andere Zuschauer. Und Sie leiden mit den fünf jungen Frauen, wenn sie von Detlef D! Soosts gebrülltem »PAM-PAM-PAM!« in seinem berühmt-berüchtigten 900-Kalorien-in-30-Minuten-Workout getriezt werden. »Du bist zu schwach?«, brüllt er sie an, und die rotgesichtigen, schwitzenden Mädchen werfen entweder in Folge 5 das Handtuch oder kneifen im doppelten Wortsinne die Hinterbacken zusammen. (Wer Popstars nicht gesehen hat und D und sein Ausrufezeichen nicht kennt: Das ist so eine Art stiernackiges Fräulein Rottenmeier, allerdings mit eigenem Diätprogramm und Trainings-DVDs.)

Über 15 Wochen hinweg verfolgen Sie gespannt, wie aus fünf Nobodys Popstars werden, wie die fünf Frauen gedrillt, gedresst und gestylt werden, und als die Single Daylight in Your Eyes erscheint, sind Sie einer der Ersten, der in den Plattenladen stürmt (ja, damals gibt es die noch).

Und dann geschieht es. Der Moment, der Ihr Leben für immer verändert: ProSieben startet ein halbes Jahr später die zweite Staffel Popstars.

Spätestens zu diesem Zeitpunkt hängen Sie die halbwegs gesicherte Existenz an den Nagel und werfen sich rein ins Vergnügen. Sie gehen zu einem der sechs Castings in Deutschland, kommen in den Recall, den Re-Recall und den Workshop, dürfen nach Ibiza und schließlich wieder nach München reisen und stellen plötzlich und zu Ihrer eigenen Überraschung fest, dass Sie in der Band sind. Obwohl Sie eigentlich alles nur ein bisschen können. Ein bisschen tanzen, ein bisschen rappen, vielleicht sogar ein bisschen singen, und so richtig schlecht sehen Sie auch nicht aus.

Gott sei Dank ist Ihre Mutter halbe Aramäerin. So bringen Sie ein bisschen Würze in den faden deutschen Quark, und Sie verfügen über eine der wichtigsten Eigenschaften, wenn man nach der Jahrtausendwende in der Medienlandschaft was reißen will: credibility. Glaubwürdigkeit. Sie sind echt. Sie kommen von der Straße. Aus dem Getto, bäm! Ihr Deutsch ist gebrochen? Macht doch nichts, das lernen Sie noch. Für irgendwas wurden die Vocal-, Fitness-, Stage-Performance- und Sprachcoaches ja engagiert. Und diese charmante kleine Grammatikschwäche bei der/die/das, die hat doch Charme. Blöd nur, dass selbst das einzige fremdsprachige Bandmitglied besser verstanden wird als Sie …

Wie dem auch sei. Die Welt liegt Ihnen zu Füßen. Der Produzent hat Großes mit Ihnen vor. Gesucht wurde eine Band in der Tradition der Fugees – auch in puncto Erfolg. R&B, Hip-Hop, Gangsta-Rap und ein paar melodische Textzeilen im Refrain. PAM-PAM-PAM! Das wird die deutsche Musiknation aufrütteln!

Sie sind heiß. Sie sind bereit. So lange schon haben Sie auf diesen Moment gewartet. Jetzt können Sie es allen beweisen. Dem Basketballtrainer, der Sie einfach nicht für die A-Mannschaft vorschlagen wollte. Dem Ausbildungsleiter, der nicht begreifen konnte, dass Sie als Künstler nichts in einem Reisebüro verloren haben. Dem Deutschlehrer, der nicht verstand, dass Ihre selbstverfassten Rhymes so gar nichts mit Jambus und Trochäus zu tun haben wollten.

Der Vorhang geht auf, Sie stehen im Scheinwerferlicht. Die Crowd kreischt, die Bässe stampfen, die ersten Töne erklingen.

»Baby I believe that you were meant for me

And if there’s somebody then baby I believe

That somebody is you and everything you do

’Cause baby I believe, I believe in you«

Ähm … Ja. Das ist nicht ganz der Gangsta-Rap, den Sie sich so vorgestellt haben. Sie wissen auch nicht, ob Ihnen Ihr neues Styling gefällt. Sie tragen Unterhemden. Und müssen sich die Naturkrause glätten lassen. Die Augenbrauen ein bisschen zu präzise konturieren. Zugegeben, mit Hip-Hop hat das nur noch was im weitesten Sinne zu tun, und eigentlich auch nur, weil Sie nicht singen, sondern den Songtext schlicht sprechen.

Aber egal. Sie machen Karriere! Ganz bestimmt. Diesen ersten lächerlichen Popsong, diese musikgewordene Geistlosigkeit, Herrgott, das verkraftet man irgendwie. Da denkt später keiner mehr dran. Danach geht es aufwärts, wenn einen die Masse erst mal kennt, dann kann man auch mit eigenen Ideen kommen. Bis dahin überlässt man dem Manager das Sagen. Fugees, o Mann, das ist das musikalische Vorbild …

Aber warum klingen Sie dann wie Milli Vanilli?

Egal. Ihr erster Song steigt in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf Platz eins ein. In der ersten Woche verkauft sich die Single mehr als 800.000-mal, damit verweisen Sie sogar die No Angels, Wegbereiter und ärgste Konkurrenten zugleich, auf den zweiten Platz. PAM-PAM-PAM! BÄM! So macht man das!

Es folgen Monate des rasanten Ruhms. The Dome, Bravo Hits, Starschnitte. Fast zwei Jahre lang geht das so, zwei Jahre lang auf der Überholspur. Ruhm, Ehre, Anerkennung – Sie haben es geschafft. Das erste Album wird ein Hit. Dann kommt das zweite, und einer Ihrer Bandkollegen macht die Biege. Angeblich wegen unterschiedlicher musikalischer Auffassungen. Unüberbrückbare Differenzen – kennt man auch von anderen arrangierten Ehen.

Das zweite Album versinkt in der Bedeutungslosigkeit. Vielleicht, weil in diesem Jahr, 2003, schon wieder die nächste Popstars-Band gesucht wird, diesmal sogar eine Mädchen- und eine Boyband, die dann im direkten Duell gegeneinander antreten sollen. BÄM! So macht man das. Und die No Angels nehmen Ihnen mittlerweile auch wieder die Butter vom Brot.

Spätestens ein Jahr darauf ist Ihr Schicksal besiegelt. Denn auch die nachfolgenden gecasteten Bands der Sendung landen nur noch einen großen Hit, bevor sie im musikalischen Nirwana versinken. Jetzt beginnt das große Resteficken. Sie müssen sehen, dass Sie noch einen der hinteren Plätze im Tourbus der C-Promis belegen, ansonsten ist es ganz schnell vorbei mit Ihnen. Im Idealfall heiraten Sie jemanden, der berühmter ist als Sie. Oder Sie heiraten jemanden, der so mittelmäßig berühmt ist wie Sie, aber machen eine Sendung über Ihre Heirat. Oder Sie kündigen eine Solokarriere an, die es aber nie aus dem Tonstudio hinaus schaffen wird. Bäm.

Leider hat die Zeit als Star Spuren hinterlassen. Nicht nur, weil Sie kein Fräulein Rottenmeier mehr haben und ein bisschen aus dem Leim gegangen sind. Der Lack ist ab. Sie sind einer von denen, die mal bei so einer Casting-Band dabei waren. Der mediale Pansen wird Sie noch ein paar Mal hochwürgen, wenn Sie sich nicht schnell genug in den Darmschlingen verstecken. Sie werden es in einige Sendungen schaffen, in denen Leute wie Sie entweder Chart-Erfolge von anno dazumal kommentieren oder eklige Tiere im australischen Dschungel essen müssen. Oder andere C-Promis bekochen oder gegen sie beim Hardcore-Shopping antreten. Was man halt so macht.

Immerhin läuft es damit besser bei Ihnen als bei den No Angels. Die haben es mittlerweile so richtig vergeigt. Leider beim größten Musikwettbewerb der Welt, wo sie sich 2008 den letzten Platz mit Polen und dem Vereinigten Königreich teilen. Gerade mal 14 Punkte hat es von Resteuropa für die Performance von Disappear (nie passend!) gegeben – und die kamen auch nur zustande, weil Lucy douze points aus ihrem Heimatland Bulgarien abräumen konnte. Es lebe der Migrationshintergrund! »Die Blamage von Belgrad«, unter dieser Überschrift geht einer der dunkelsten Abende der deutschen Grand-Prix-Geschichte in die Historie ein. Nur ein paar Jahre später wird die Google-Suchleiste beim Schlagwort »No Angels« als Erstes einen Song einer anderen Band vorschlagen, der genauso heißt.

Ein rasanter Absturz, von der beliebtesten Mädchenband Deutschlands zum absoluten Niemand – in weniger als 2,35 Sekunden. Umgekehrt hat es länger gedauert.

Gott sei Dank bleibt Ihnen als Mitglied der nur halb so erfolgreichen Nachfolger-Band Bro’Sis dieser Absturz erspart. Sie haben sich nicht die Finger beim Eurovision Song Contest verbrannt, deswegen lädt man Sie zur medialen Zweitverwertung der besseren Art ein. Wenn Sie richtig viel Glück haben, werden Sie als Coach und Special Guest bei der neuen Staffel von Popstars ausgespuckt. Dort sollen Sie den Kandidaten erzählen, wie es ist, das Leben als Megastar. Worauf man achten soll. Was man nie vergessen darf. Wo man herkommt, zum Beispiel. Wer man ist.

Sie helfen ein paar echt netten Nobodys mit Migrationshintergrund dabei, in die Band zu kommen. Sie können ein bisschen tanzen, ein bisschen rappen, vielleicht sogar ein bisschen singen, und so richtig schlecht sieht sowieso keiner mehr aus, da die Geschichte vom hässlichen Entlein zum schönen Schwan schon viel zu oft erzählt wurde. Außerdem haben alle der Casting-Bewerber natürlich die Popstars-Staffeln gesehen, alle 23, jeden Donnerstag auf ProSieben! Bäm.

Sie hingegen wissen mittlerweile, dass es noch mehr gibt im Leben als Fame. Eine abgeschlossene Berufsausbildung. Echte Freunde. Ein Bausparvertrag. Und credibility.

Burger King

Die fetten Jahre sind vorbei

Burger King oder McDonald’s? Die Frage ist so alt wie die nach Henne und Ei. Welches Fast-Food-Restaurant amerikanischer Herkunft ist das erfolgreichste? Ganz klar: Geschmack ist in diesem Fall nicht King.

Die erste McDonald’s-Filiale wird 1940 eröffnet, in San Bernardino/Kalifornien. Und zwar von den Donald-Brüdern Dick und Mac, und auch wenn es sich wie zwei Einwohner von Entenhausen anhört, die beiden Brüder gab es wirklich. Aber erst acht Jahre nach Eröffnung wird das Restaurant auch über die Stadtgrenzen hinweg bekannt, als Dick und Mac nämlich auf Selbstbedienung umstellen und eine innovative Art der Hamburgerzubereitung einführen. Schon 1953 gibt es das erste Franchise-Unternehmen von McDonald’s, in den florierenden Fünfzigern entstehen zahlreiche weitere im ganzen Land. Das Unternehmen wächst, unter anderem auch durch einige sehr hilfreiche Eheschließungen mit anderen Firmen, in etwa der Coca-Cola-Company oder Disney. 1961 verkaufen die Donald-Brüder den Konzern für 2,7 Millionen Dollar an den Subunternehmer Ray Kroc, und der hochkalorische Siegeszug rund um die Welt beginnt.

Burger King indes kommt aus Florida. Das Unternehmen steigt 1954 in den Kampf um die Buletten ein. Genau wie McDonald’s setzt Burger King auf Franchise-Partner – ein lukratives Geschäft, da man, obwohl man die anderen arbeiten lässt, an jeder Pommes, die über den Tresen wandert, mitverdient. Im Gegensatz zum Marktführer favorisiert das Unternehmen aber Grillen über offener Flamme – und genau hier machen echte Kenner einen geschmacklichen Unterschied aus.

Aber über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Zahlen sind da viel aussagekräftiger. Und hier hat Burger King, obwohl gerade in Amerika oft beliebter, das Nachsehen: McDoof hat einen Markenwert von 90 Milliarden Dollar, Burger King dümpelt bei nur 2,4 Milliarden. Das sind so oder so sehr viele Pommes, die im Frittierfett schwimmen.

Auch bei den Filialen zieht Burger King den Kürzeren: 12.700 Filialen in 73 Ländern gegen 34.000 Filialen in 118 Ländern. Das heißt, selbst in abgelegenen Amazonasgebieten ist die Wahrscheinlichkeit höher, auf eine McDonald’s-Filiale zu treffen als auf Burger King.

Keine Frage, das goldene M ist das erfolgreichste Schnellrestaurant der Welt, Burger King sein angeblich schärfster Konkurrent. Aber stimmt das so überhaupt? Nö. Zwischen Mäckes und dem Burgerbrater aus Florida stehen, bezogen auf die Markenwerte, ganze sieben andere Schnellrestaurantketten, die allesamt einen höheren Markenwert als Burger King haben: Starbucks, Subway, Kentucky Fried Chicken, Pizza Hut und noch ein paar andere, von denen noch nie jemand jenseits des Atlantiks gehört hat. In Deutschland ist der Umsatz von Burger King gerade mal halb so groß wie der des großen Bruders.

Aber warum ist McDonald’s überhaupt so erfolgreich? Das Unternehmen, das den etwas unheimlichen Clown Ronald McDonald als Maskottchen und Markenbotschafter hat, verfügt über die besseren Standorte (wenn auch nicht über so gute wie Konkurrent Starbucks: Der sogenannte »Starbucks-Effekt« lässt die Immobilienpreise von Stadtvierteln in die Höhe schnellen, teilweise bis zu 171 Prozent in Boston). Außerdem sind McDonald’s-Filialen besser ausgestattet, vor allem seit es die McCafés gibt, die die Verweildauer der Besucher verlängern und dazu einladen, noch mehr Geld dazulassen. Ein drittes Kriterium ist die höhere Kundenaffinität: Durch die strategische Ausrichtung auf Kinder als die Burger-Esser von morgen (beispielsweise durch die umstrittenen Happy Meals oder Spielplätze neben dem Restaurant) bindet McDonald’s seine Besucher frühzeitig an sich. Nicht zuletzt spielt auch die Werbung eine entscheidende Rolle: In den USA gibt McDonald’s fast 790 Millionen Dollar für Werbung im Jahr aus, Burger King nur knapp 50 Millionen. Kein Wunder, dass Finanzexperten die Kaufkraft einer Währung gern mithilfe des Big-Mac-Index errechnen. Der vergleicht die Preise eines Big Macs in verschiedenen Währungen der Erde, ausgehend von der Annahme, dass jeder dieser Burger in standardisierter Größe, Zusammensetzung und Qualität in verschiedenen Ländern unterschiedlich viel kostet. Haben Sie nicht kapiert? Macht nichts. Wichtig ist: McDonald’s wird von Finanzheinis verwendet, um irgendwas auszurechnen. Burger King nicht.

Es läuft also nicht gerade gut für die Whopper-Braterei – obwohl die Burger angeblich besser schmecken, schenkt man Burger-Gourmets Glauben. Auch eine Untersuchung der Stiftung Warentest aus dem Jahr 2013 ergibt, dass die Burger im direkten Vergleich zu McDonald’s geschmacklich vorn liegen, allerdings sind die »Lebensmittel« (wir setzen das bewusst in Anführungszeichen) so schadstoffbelastet, dass sie trotzdem auf dem zweiten Platz landen.

Grund genug für Burger King, zum Waffenstillstand einzuladen. Im September 2015 sollte er stattfinden, pünktlich zum Weltfriedenstag wollte Burger King in einer gemeinschaftlichen Aktion mit dem ärgsten Konkurrenten den sogenannten McWhopper verkaufen, eine Mischung aus dem Whopper von Burger King und dem Big Mac von McDonald’s. In einem offenen Brief fordert der Geschmackskönig den Marktführer dazu auf, sich an der Aktion zu beteiligen – eingeleitet wird die Einladung mit den Worten: »Guten Tag, McDonald’s, wir kommen in Frieden. Wir wissen, dass wir so einige Differenzen hatten, aber wie wäre es mit einer Auszeit von dieser sogenannten Burger-Schlacht?«

Na, na, na. Das klingt ja fast zu gut, um wahr zu sein (und könnte den ewigen Beziehungsstreit, welche Hamburgerbraterei die bessere ist, endlich beenden). Doch Mäckes erteilt Burger King eine Absage. Wäre für Burger King ja auch zu schön gewesen, sich mit dem King of Burger ganz eng zusammenzubrutzeln, um endlich auch einmal den Fast-Food-Olymp zu erklimmen.

Damon Hill

Wenn der Gentleman Gas gibt

Wie muss es sich anfühlen, dem erfolgreichsten Piloten der Formel-1-Geschichte ein Leben lang hinterherzufahren? Damon Hill hat sicher eine Antwort darauf. Er hat sich seine ganze Karriere über mit dem Mann aus Kerpen herumschlagen müssen und seine Abgase eingeatmet.

Hill wird 1960 in London geboren. Mit 32 Jahren, im Jahr 1992, fährt er zum ersten Mal in der höchsten Motorsportklasse. Nur sieben Jahre wird seine Karriere als aktiver Fahrer andauern, bevor er Funktionär im Motorsport wird. Denn er hat ein großes Problem. Und das heißt Michael Schumacher.

Der drahtige Mann, der in den Neunzigerjahren für Jordan, Benetton und Ferrari fährt, hat einfach immer die Nase vorn. Vielleicht eher das Kinn. Das zeigt die Statistik: Während Schumacher in seiner insgesamt über einen Zeitraum von 20 Jahren andauernden Karriere 155 Podestplätze, 91 Siege und sage und schreibe sieben Weltmeistertitel einfährt und in seiner aktiven Zeit 1566 WM-Punkte kassiert, was keinem anderen Piloten jemals gelungen ist und vermutlich für eine sehr lange Zeit nicht gelingen wird, muss sich Damon Hill mit deutlich weniger begnügen. 42 Podestplätze, 22 Siege und ein Weltmeistertitel führen zu 360 WM-Punkten – gerade mal ein Viertel im Vergleich zu Schumacher.

Das Absurde: Hill ist kein mittelmäßiger oder auch »nur« guter Fahrer, nein. Er ist sehr gut, einer der besten. Und dennoch kann er gegen Schumi kaum einen Stich machen.

Das ist die Tragik, die viele Sportler kennen. Die armen Seelen etwa, die in einer Zeit aktiv sind, in der Tausendsassa wie Lance Armstrong, Usain Bolt, Michael Phelps oder Ole Einar Bjørndalen antreten. Es ist schon komisch, wie das Leben manchmal so spielt. Da trainierst du Jahre, ach was Jahrzehnte in nach alter Gummisohle stinkenden Turnhallen, verbringst Wochen im chlorigen Hallenbadwasser und hast einen Winter nach dem anderen nichts Besseres zu tun, als dir bei Minustemperaturen und Dauergraupel den Arsch abzufrieren, und was ist das Ergebnis? Du startest blöderweise immer von der Position hinter demjenigen, der in dieser Zeit gerade deine Sportart dominiert. Und dabei ist es ganz egal, ob der andere einfach nur besser dopt oder wirklich besser läuft/fährt/schießt/schwimmt. Du hast das Nachsehen, du wirst immer nur Silber und halb so gut dotierte Werbeverträge bekommen.

Kein Wunder, dass man eine gewisse, sagen wir: Antipathie gegeneinander hegt. Wer mag schon ständig hinterherlaufen? In den Neunzigern sind sich Schumi und Hill auch wirklich spinnefeind. Sie lassen kaum eine verbale Auseinandersetzung aus, um sich gegenseitig ans Bein zu pinkeln. Hill wird beispielsweise gern vorgeworfen, er fahre zu zurückhaltend und verhalte sich vor allem bei Überholmanövern wie der britische Gentleman, als der er erzogen worden ist. Eine feine Sache, Anstand und Manieren – außerhalb der Rennstrecke. Hill indes kontert, so rücksichtslos wie Schumacher wolle er gar nicht werden. Und in der Tat gilt der Kerpener als ein Fahrer, der den Fuß nur dann vom Gas nimmt, wenn sich das Security Car direkt vor ihm einreiht, manchmal nicht mal dann. Bei allen anderen legt er einen niedrigeren Gang ein und zischt bei der ersten sich bietenden Gelegenheit vorbei, Risikofreude inbegriffen.

Auf die Spitze getrieben wird der Hahnenkampf 1994. Nachdem Ayrton Senna zu Beginn des Jahres infolge eines schweren Unfalls verstorben ist, gibt es nur zwei rechtmäßige Thronfolger beim Kampf um die Weltmeisterschaft: Schumacher und Hill, wobei der Deutsche die Schnauze vorn hat. Es scheint, als würde es eine Sonntagsausfahrt für Schumacher werden, den Titel zu gewinnen.

Dann kommt das Rennen in Silverstone, bei dem sowohl Schumacher als auch sein Rennstahl nicht gut wegkommen. Hill startet von der Pole-Position, Schumacher vom ungewohnten Platz zwei. Aber noch während der Einführungsrunde überholt Schumacher den Erstplatzierten und fährt im Zickzackkurs vor dem Rivalen her. Bestimmt nicht, weil er einen gezwitschert hat oder mit Hill gern mal das Tanzbein schwingen will. Nein, er verstößt gegen das Reglement. Bewusst. Eine Zeitstrafe, die er daraufhin bekommen soll, befolgt sein Team nicht, und auch die schwarze Flagge, die kurz darauf vor seine Nase gehalten wird, ignoriert Benetton fröhlich. Die Fahranweisung lautet: »Keep going! Fahr weiter!«, und Schumi tut, wie ihm befohlen. Trotzdem wird er nur Zweiter – und nachträglich disqualifiziert, weil er die schwarze Flagge missachtet hat. Und als Sahnehäubchen setzt man ihm zwei Sperren für die folgenden Rennen obendrauf. Er verpasst die Grand Prix von Portugal und Italien, und plötzlich ist der Titel wieder in Gefahr. »Schummel-Schumi« heißt es in der Presse kurz darauf, als er auch beim Rennen im belgischen Spa ausgeschlossen wird – die Holzplatte am Unterboden seines Wagens ist offenbar nicht regelkonform.

Hill nutzt die sich bietende Gelegenheit. Während Schumi mit Abwesenheit glänzt, gewinnt der Brite die Rennen von Portugal und Italien, und mit einem Mal sieht es so aus, als ob er Weltmeister werden könnte. Doch Schumacher gewinnt Jerez und ist wieder im Spiel. Das letzte Rennen in Australien wird über den Titel entscheiden, doch Schumacher touchiert jedoch nach einem Fahrfehler die Mauer, kommt zurück auf die Strecke und kollidiert: ausgerechnet mit Hill. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Beide fallen aus, aber Schumacher reicht der Punktvorsprung. Er gewinnt glanzlos die Meisterschaft, Hill kocht vor Wut. Der Titel wird mit gemischten Gefühlen von der Presse aufgenommen, zu unsauber waren die Aktionen, mit denen Schumacher in der letzten Saison von sich hat reden machen.

Er wird diesen ersten Titel seiner Karriere, zudem die erste gewonnene Meisterschaft von einem Deutschen überhaupt, in den kommenden Jahren ...

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