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Nicht so schüchtern, mein Herr

Nicht so schüchtern, mein Herr

Fünf heiter-romantische Erzählungen

von Wolf G. Rahn

Der Umfang dieses Buchs entspricht 77 Taschenbuchseiten.

- So ein Pech! Ausgerechnet, als Heike dienstlich nach Japan muss, kommt ihre Schwester Sabina aus Kanada zu Besuch. Ihrem Verlobten Rolf ist das gar nicht recht, denn Sabina hat angeblich mit Männern nichts im Sinn. Und nun soll er sich um sie kümmern…

- Beate ist ratlos. Da macht ihr jemand telefonisch und schriftlich Komplimente, gibt sich aber nicht zu erkennen. Angeblich liebt er sie sogar. Sie hat den Verlobten ihrer besten Freundin im Verdacht. Aber das gibt Ärger.

- Der Typ sieht einfach umwerfend aus, wenn er nur nicht so schüchtern wäre. Heike ist entschlossen, das zu ändern. Doch all ihre erprobten Verführungskünste scheinen bei Stefan zu scheitern…

- Katastrophe! Max findet seine fast fertige Doktorarbeit nicht mehr, die er in wenigen Tagen abgeben muss. Vielleicht hätte er doch am Abend vorher nicht mit seinem Kumpel auf Sauftour gehen soll, von der seine Frau Karin nichts ahnt…

- Dass Walter sie wegen einer Jüngeren verlassen will, ist für Ursula ein Schock. Ihrer Tochter zuliebe vereinbaren sie, bis zu deren Hochzeit ‚heile Welt‘ zu spielen, doch das geht gründlich daneben. Und dann überstürzen sich die Ereignisse…

Neue heiter-romantische Erzählungen von Wolf G. Rahn

Frischer Wind aus Kanada

Heike Burkert packte gerade ihren Koffer, als ihr Verlobter Rolf Scheibel erschien.

"Was machst du denn für ein Gesicht?", wunderte er sich nach dem Begrüßungskuss. "Ich beneide dich um den Japanflug. Meine Firma hat mich bisher höchstens nach Hamburg geschickt."

Heike seufzte. "Schade, dass du nicht mitkommen kannst. Aber es gibt noch etwas viel Schlimmeres."

"Schlimmer als zehn Tage ohne mich?", zweifelte der 32Jährige und nahm sie erneut in den Arm.

"Sabina kommt zu Besuch."

Rolf dachte nach. "Doch nicht deine Schwester?"

"Doch. Fünf Jahre haben wir uns nicht mehr gesehen, und ausgerechnet morgen kreuzt sie hier auf. Wir werden uns vor meinem Abflug nicht einmal treffen."

"Na so was! Den Fotos nach zu urteilen, müsst ihr euch ja unheimlich ähneln."

"Nur äußerlich", schränkte Heike betrübt ein. "Wir sind zwar eineiige Zwillinge, aber Sabina war immer weitaus ehrgeiziger als ich. Deshalb hoffte sie auch damals auf den großen Erfolg in Kanada."

"Und hat sie sich einen Millionär geangelt?"

Heike lachte. "Mit den Männern hat Sabina nicht viel im Sinn. Sie lebt nur für ihre eigene Karriere und hat es offensichtlich drüben zu etwas gebracht. Ich bin so gespannt auf sie."

"Kann sie ihren Besuch nicht verschieben?"

"Sie hat nur ein Telegramm geschickt und ist telefonisch nicht mehr zu erreichen."

"Sie weiß also gar nicht, dass sie vor verschlossener Tür stehen wird?"

"Das kann ich ihr unmöglich antun. Du musst mir helfen, Rolf."

"Ist doch selbstverständlich. Ich besorge ihr ein Hotelzimmer und..."

"Unsinn! Sabina wohnt natürlich hier. Ich möchte dich nur bitten, dich ein wenig um sie zu kümmern. Tust du das für mich?"

Rolf schnitt eine Grimasse. "Sagtest du nicht, sie sei eine Emanze?"

Heike verdrehte die Augen. "Du sollst sie ja nicht heiraten, und Urlaub brauchst du dir ihretwegen auch nicht zu nehmen. Aber wenn du am Wochenende und nach Feierabend ein wenig nach ihr schauen würdest, wäre das wahnsinnig lieb von dir. Du weißt doch, dass wir früher in Frankfurt gewohnt haben. Hier in Nürnberg kennt sie außer mir keine Menschenseele."

"Ich wollte, ich könnte für dich nach Tokio fliegen."

"Das wünschte ich auch. Ich rufe euch regelmäßig an und versuche, einen Tag früher zurückzukommen. Du bist ein Schatz. Ich wusste, dass ich auf dich zählen kann."

Sie umarmte ihn stürmisch, und Rolf hätte ihr in diesem Augenblick keinen Wunsch abschlagen können.

Der Ankunft ihrer Zwillingsschwester sah er mit gemischten Gefühlen entgegen.

Heike bestand darauf, allein zum Flughafen zu fahren. "Du hast Wichtigeres zu tun. Es wäre nett, wenn du ein paar Blumen zur Begrüßung besorgen würdest", schlug sie stattdessen vor. "Champagner wäre auch nicht schlecht. Hier auf dem Zettel habe ich dir noch ein paar Kleinigkeiten aufgeschrieben. Geld liegt in der Schublade. Du weißt ja Bescheid."

Während der folgenden Stunden war er damit beschäftigt, sämtliche Besorgungen zu erledigen, und als seine zukünftige Schwägerin am nächsten Tag vor der Tür stand, überprüfte er gerade den Schweinebraten im Rohr. Den hatte er sich selbst einfallen lassen. Bestimmt verspürte Sabina nach fünf Jahren einen Heißhunger auf heimisches Essen.

Obwohl Rolf darauf vorbereitet war, verblüffte ihn die Ähnlichkeit der beiden Schwestern doch. Er hatte sich immer eingebildet, nach 28 Jahren würde sich das stärker verwischen.

Allerdings kleidete sich Sabina strenger als Heike, und auch ihr Haar fiel nicht in weichen Wellen über die Schultern, sondern war in einem Knoten gebändigt, der ihr nach Rolfs Empfinden etwas Gouvernantenhaftes gab.

"Herzlich willkommen!", begrüßte er sie.

"Hallo!", antwortete Sabina knapp und musterte ihn verwundert. "Wohnt hier nicht Frau Burkert?"

Rolf erklärte, warum sie nicht von ihrer Schwester empfangen wurde, und stellte sich als deren Verlobter vor.

"So, so", kommentierte Sabina kühl, um lebhaft fortzufahren: "Nach Japan, sagten Sie? Dann hat sie sich wohl endlich selbständig gemacht. Hätte ich ihr gar nicht zugetraut."

Rolf stellte richtig, dass Heike die Reise nur im Auftrag ihres Chefs angetreten hatte. "Aber sollten wir nicht du zueinander sagen?", fand er. "Schließlich sind wir schon bald verschwägert, und wenn ich dich ansehe, glaube ich, Heike vor mir zu haben."

Sabina war einverstanden. Sie stellte aber unmissverständlich klar, dass sie auf weitergehende Vertraulichkeiten keinen Wert legte.

Als sie den gedeckten Tisch sah, rümpfte sie die Nase. "Hast du gekocht?"

"Na klar!", trumpfte Rolf auf. "Extra dir zu Ehren."

Sabina schüttelte sich und beteuerte, kochende Männer seien ihr schon immer albern vorgekommen.

Albern? Zu gern hätte Rolf ihr mit entsprechender Münze herausgegeben, denn ihm waren karrieresüchtige Frauen nicht geheuer. Doch er erinnerte sich rechtzeitig, dass er sich vorgenommen hatte, besonders charmant zu sein. Er wollte ihr beweisen, dass ihre Aversion gegen Männer zu Unrecht bestand.

"Tut mir leid, dass mich Heike in der Eile nicht umfassend informieren konnte", entschuldigte er sich daher und bereute, so sparsam mit dem Knoblauch umgegangen zu sein. Vielleicht hätte diese Giftnudel dann den Mund gehalten.

Immerhin war Sabina höflich genug, mit gutem Appetit zu essen und auf Vergleiche mit ihrer eigenen Kochkunst zu verzichten. Zu einem anerkennenden Wort ließ sie sich allerdings nicht hinreißen.

Später fand Rolf noch genügend Grund, sich über Heikes Schwester zu ärgern. An allem fand sie etwas auszusetzen.

Die Wohnung war ihr zu bieder eingerichtet, Nürnberg im Vergleich zu Toronto ein Dorf, vor allem aber wollte es ihr nicht in den Kopf, dass sich Heike ins Ehejoch zwängen ließ.

"Wir lieben uns." Rolf fand diese Erklärung überzeugend.

Sabina lachte nur geringschätzig. "Liebe ist eine besonders niederträchtige Form von Egoismus. Man gibt sich selbst auf, und wenn gar noch Kinder kommen..."

"Die sind allerdings geplant", fiel ihr Rolf ungehalten ins Wort. "Wir freuen uns darauf, Tante Sabina." Er sagte dies mit boshafter Betonung. Sabina griff hastig nach ihrem Glas und spülte die Bemerkung mit einem Schluck Cognac hinunter.

Nachdem sie ihren Koffer ausgepackt hatte, erbot sich Rolf, ihr die Stadt zu zeigen. "Heike sagte mir, dass du Nürnberg noch nicht kennst."

"Ich war früher ein paarmal geschäftlich hier", klärte ihn Sabina lässig auf.

"Aber auf der Burg warst du bestimmt noch nicht. Oder im Spielzeugmuseum."

"Ich bin doch nicht mehr zwölf", lehnte Sabina entrüstet ab. "Für solchen Kinderkram ist mir meine Zeit zu schade."

Jetzt drohte Rolf der Kragen zu platzen. Er begriff nicht, wie zwei Menschen so gleich aussehen und doch so grundverschieden sein konnten. Wo blieben da die Erbanlagen? Hatte irgendein schreckliches Erlebnis Sabina derart unterkühlt?

Fast tat sie ihm leid. Beruflich schien sie zwar erfolgreich zu sein, aber wusste sie auch, was Glück ist? Hatte sie je das Gefühl kennengelernt, wenn man mit einem geliebten Menschen abends am Ufer der Pegnitz entlang spazierte, sich küsste und eine Menge nicht sehr geistreiches Zeug redete? Wusste sie, wie man von Herzen lachte oder aber verzweifelt weinte?

Heikes Bitte kam ihm in den Sinn: "Kümmere dich ein wenig um Sabina!" Würde nicht auch sie über ihre Schwester erschrecken?

Da musste etwas geschehen!

"Erzähle mir von deiner Arbeit", schlug er vor. Vielleicht entlarvte sie bereits bei diesem Thema die Ursache ihres frostigen Wesens.

Tatsächlich taute Sabina merklich auf. Sie berichtete von ihren schwierigen Anfängen in Kanada und von den wachsenden Erfolgen, bis sie durch stets waches Misstrauen die Firma, für die sie tätig war, vor finanziellem Schaden bewahrte.

"Das war der eigentliche Beginn für mich. Mr. Cocker gewährte mir ein Darlehen. Ich machte mich selbständig und bin inzwischen als sein Zulieferer unentbehrlich."

Sie schwärmte von Kanada und seinen Menschen und behauptete, dass dort alles besser sei.

Diese Bemerkung reizte Rolf erneut zum Widerspruch. Er sah in ihr einen Verrat an ihrer Heimat, der sie schließlich eine Menge zu verdanken hatte.

Diesen Einwand wollte Sabina nicht gelten lassen. "Jeder ist das, was er aus sich macht", war sie überzeugt. "Schau dich einmal selbst an. Morgen früh rennst du ins Büro mit Angst im Bauch, dich eine Minute zu verspäten. Gehorsam führst du die Befehle deiner Vorgesetzten aus und musst am Ende des Monats mit einem kümmerlichen Gehalt zufrieden sein."

"Völlig falsch", behauptete Rolf.

Sie musterte ihn stirnrunzelnd. "Du bist also glücklich mit deinem Job?"

"Jedenfalls wird deine Prophezeiung morgen nicht eintreffen, denn wir arbeiten am Sonntag nicht. Da plane ich einen Stadtbummel mit einer zornigen Lady aus dem Wilden Westen. Du darfst mir keinen Korb geben. Ich habe es Heike versprochen."

Sabina nickte gnädig. "Na schön", willigte sie ein.

Einen abendlichen Spaziergang lehnte sie ab, was Rolf nach den Anstrengungen der langen Reise sogar akzeptierte. Er selbst aber brauchte unbedingt Luft, bevor er vor Ärger platzte.

Am nächsten Morgen ärgerte er sich allerdings noch mehr. Heike hatte während seiner Abwesenheit angerufen und ihm Grüße ausrichten lassen. Schade! Er hätte ihr gerne über seine ersten Eindrücke von ihrer Schwester erzählt.

Es duftete nach Kaffee, und obwohl er bereits zu Hause gefrühstückt hatte, langte er noch einmal zu.

Sabina erschien ihm heute umgänglicher. Ein paarmal lächelte sie sogar, und als er sie auf das gleiche Grübchen hinwies, das ihn auch bei Heike jedes Mal entzückte, erzählte sie ihm ...

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