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Nano

Friedrich

Sie trägt ein Beatles Retro-Shirt, die Jungs sahen noch nie so gut aus – besonders Paul und Ringo. Lässig werfe ich ihr den Datenstick zu. Monika fängt ihn geschickt, lächelt kokett und lädt sich die 1k Credits in ihre goldene Breitling, denn wie alle Hostessen besteht sie traditionell auf Barzahlung: „Danke, du Hengst!“

Skype Log record!

Mein Name ist Friedrich Femto und ich bin ein glücklicher Mann.

Genüsslich sauge ich an der Placeborette, greife nach den prallen Mondgesichtern und reflektiere diesen Umstand:

Was ist Glück?

Ist es Erfüllung?

Bin ich erfüllt?

Ist Erfüllung nicht attraktiven, charismatischen Männern vorbehalten, die attraktive charismatische Frauen an den Palmenstränden Stockholms in ihre knackigen Aprikosenärsche ficken?

Macht Glück tatsächlich an Höhe wett, was ihm an Länge fehlt?

Ich bin 73 Jahre jung und Realist, habe schütteres graues Haar, zu große Ohren, eine Knollennase, einen Bauch und einen Spiegel. Daher vögele ich Nutten. Attraktive und charismatische Callgirls, die besten, die für Geld zu haben sind, obschon dies nichts an der Tatsache ändert, dass es sich um Nutten handelt. Doch als fatalistischen Triebtäter stört mich das nicht. Die wenigen, furchtbar anstrengenden Beziehungen, die ich geführt habe, waren von vornherein ob genau dieses Fatalismus’ zum Scheitern verurteilt gewesen. Wofür das alles? Um sich von unterdurchschnittlich charismatischen Frauen anschreien zu lassen?

Um unterdurchschnittlich attraktiven Sex zu haben?

Nie wieder! Habe ich nicht nötig. Mir gehört der Reichstag! Ich bin Nobelpreisträger! Scheiß auf die Weiber!

Völlig entspannt fühle ich Ringos süße Schwere warm in meiner Hand lasten und lasse den Daumen zärtlich um seine Nase kreisen. Das Sujet versteift sich prompt, was dem Drummer der Beatles eine surreale Plastizität verleiht. Zärtlich küsse ich Paul McCartney auf die Stirn, nehme noch einen tiefen Zug und lehne mich relaxt zurück: „Blas mir einen!“

Ich weiß auch nicht, warum ich meine Geschichte so beginne und nicht anders. Wirft kein gnädiges Licht auf mich, oder? Aber ich denke, es sagt etwas über mich aus. Auch wenn es mir stets um die rücksichtslose Verfolgung meiner egoistischen Ziele geht, bleibe ich immer objektiv. Nie bin ich eitel oder gar heuchlerisch. Das ist was für junge, nette, gut aussehende Männer. Ich bin ein hässliches altes Arschloch. Ich belüge Sie nicht.

Warum erstelle ich dieses Skype Log?

Es geschehen merkwürdige Dinge. Ich habe Angst. Nicht direkt Angst, es äußert sich vielmehr als eine Art physisches Unbehagen, das untrügliche körperliche Gefühl, dass etwas nicht stimmt. Fast jede Nacht erlebe ich denselben Traum. Ich liege auf einer saftigen Wiese und spüre ein Kribbeln. Es ist eine Ameise, die meinen Arm hinauf krabbelt. Ich schnippe sie weg. Doch da ist noch eine. Und noch eine. Plötzlich sind sie überall. Ich liege umwogt in einem Meer von Ameisen, versinke in ihnen, werde hinab gezogen in ihre Tiefe. Ich schließe die Augen. Mein Mund füllt sich mit Ameisen. Ich ersticke an ihnen. In diesem Moment wache ich jedes Mal auf. Ich will schreien, doch ich huste nur.

„Ja, Darling, du weißt ja, wo die Upper sind. Genau, in der Lounge hinter dem Jacuzzi …“

Wo war ich? Ach der Traum. Also, als ich diesen Traum einem Psychoanalyseprogramm erzählte, diagnostizierte es bei mir eine arachnophobe Agoraphobie. Neuerdings eine Volkskrankheit. Durch den Rückzug von der Natur haben sich die Menschen Ende des 21. Jahrhunderts Berührungsängste zugelegt. Speziell alles, was krabbelt, kreucht und fleucht, macht ihnen Angst. Dies in Verbindung mit der Wiese, einem weiten Naturraum ohne schützende Wände und Decken, sei eine langweilige Standardphobie, die man durch künstliche Zimmerpflanzen und den Besuch eines Hochsicherheits-Terrariums leicht therapieren könne – selbstverständlich unter dem massiven Einsatz von Tranquilizern, um den Schock einer realen Begegnung mit der Natur nicht allzu traumatisch werden zu lassen.

Ich weiß, dass es sich um eine Fehldiagnose handelt, auch wenn diese Programme fast narrensicher sind. Fragen Sie mich nicht, warum ich es weiß! Ich weiß es einfach. Vielleicht, weil ich Naturwissenschaftler bin und kein normaler Simplizissimus, der sich vor Flora und Fauna fürchtet. Ich verstehe die Zusammenhänge, habe sie studiert.

Die Menschen von heute machen sich nicht wirklich Gedanken darum, wo ihre Nahrung herkommt. Jeder weiß, dass, wenn er ein Rinderfilet bestellt, niemand deswegen einer Kuh das Leben nimmt. Die wenigen Kühe, die Das Große Sterben überlebt haben, fristen ihr Dasein in irgendwelchen exotischen Zoos und sind viel zu kostbar, um sie zu essen. Das heutige Rinderfilet ist eine exakte Kopie des besten Rinderfilets des besten Kobe-Rindes, das irgendwann Anfang des 21. Jahrhunderts in einem Land namens Japan lebte, welches vor rund 50 Jahren fast völlig im Pazifik versank. Nicht die Schuld des Kobe-Rindes. Egal. Vielleicht sind Ihnen ja die Shinto-Inseln ein Begriff, ein Unterwassermuseum auf dem Haupteiland Fujiyama zeigt Ihnen noch heute authentisch, wie primitiv die Menschen damals lebten. Aber zurück zu dem Filet. Bereits Ende des 20. Jahrhunderts gelang es der Wissenschaft, das Genom zu entschlüsseln und somit den genetischen Fingerabdruck eines jeden Lebewesens. Der erste Klon war ein Schaf. Doch erst die Liberalisierung der Stammzellenforschung ermöglichte den nächsten Schritt: die Produktion einzelner hoch spezialisierter Zellen. Man entnahm dazu dem Knochenmark ein paar Stammzellen, die quasi nicht nur die Gene, also den Bauplan des Individuums enthielten, sondern auch die genauen Baupläne jeder einzelnen Zelle des Individuums. Man vermochte jetzt Leber-, Lungen- oder auch Hautzellen zu züchten.

Den Beginn der medizinischen Anwendung stellten hingegen genau jene Knochenmarkzellen dar, deren Transplantation man ebenfalls meist benötigte, um einer Krankheit zu begegnen, die man Krebs nannte, so einer antiken, unkontrollierten Zellmutation.

Es existierten bereits sehr gute Medikamente und die Letalität lag Ende des 21. Jahrhunderts bei nur zwei Prozent, doch der endgültige Durchbruch gelang uns. Uns, den Genies von der GEC!

Kaum zu glauben, dass das erst 50 Jahre her ist. Auch meine persönliche Karriere ist Teil dieser Geschichte. Ich hatte gerade in molekularer Biochemie promoviert, summa cum laude versteht sich, als mich die Genetic Engineering Corporation rekrutierte. Die Firma hatte damals einen Börsenwert von gerade mal 2 Milliarden Credits, es war fast noch ein junges Start-up-Unternehmen und wir die erste Reihe von Pionieren.

Naja, eigentlich die zweite Reihe, da Alexander Atto, der Firmengründer, den Multilayer-Zellendrucker bereits erfunden hatte, als ich noch kurze Hosen trug.

3D-Drucker existierten schon, seit ich denken kann. Eine beliebige Form, sagen wir eine Skulptur, wurde mit Laserstrahlen gescannt, berechnet und dann, zum Beispiel mit Kalziumstaub, durch mikroskopisch feine Düsen Schicht auf Schicht von unten nach oben einfach ausgedruckt. In jedem beliebigen Maßstab. Atto verfeinerte dieses Prinzip, ersetzte den Laserscanner durch einen selbst weiter entwickelten Computertomografen, die Skulptur durch eine seiner Nieren, den Kalziumstaub durch seine aus Stammzellen gezüchteten Nierenzellen und druckte sich eine Niere aus. Wie die Kohärenz dieses Zellverbundes hergestellt wird, führt hier zu weit. Nur so viel für die wissenschaftlich interessierten Heuchler unter Ihnen oder den pickeligen Reporter einer verkackten Schülerzeitung:

Die Zellkontakte werden im Wesentlichen durch Proteine gebildet, den Zelladhäsionsmolekülen, welche einerseits aus den Zelloberflächen herausragen und andererseits als intrazelluläre Ankerproteine eine cytoplasmatische Plaque bilden. Sie haben die Aufgabe, das Gewebe zusammenzuhalten und die Kommunikation von Zellen miteinander zu ermöglichen. Viele der Zelladhäsionsmoleküle sind Transmembranproteine, die auf beiden Seiten, innen und außen, über die Zellmembran hinausragen. Diese Proteine können Signale von außen, beispielsweise von anderen Zellen, ins Innere weiterleiten, oder Signale von der Zelle an die Nachbarzellen weitergeben. Atto gelang es – und dies war das wirklich Revolutionäre an seiner Leistung – auch die Transmembranproteine voll funktionsfähig nachzubilden, so dass er wie all die Wissenschaftler vor ihm nicht nur einen einfachen lebensfähigen Klumpen Nierengewebe, sondern eine funktionstüchtige Niere hergestellt hatte, aus seinen eigenen Stammzellen. Dadurch war, quasi als Nebeneffekt, gewährleistet, dass keinerlei Abstoßungsreaktion erfolgen konnte.

Wieso erzähle ich Ihnen diesen Scheiß? Sie sind nicht real. Wenn alles normal weiter läuft, bedeutet das nur, dass ich an einer weiteren Psychose leide, es bedeutet noch mehr Synthohol, mehr Nutten und vor allem bedeutet es, dass niemand je von dieser abgedrehten Geschichte erfährt, die ich auf dieses bescheuerte Skype Log quatsche.

Na ist ja auch völlig Banane, jedenfalls ließ sich Atto 2102 in einer legendären PR-Aktion öffentlich seine Nieren entfernen und durch die ausgedruckten Implantate ersetzen – live auf Skype TV!

Die Aktienkurse von GEC stiegen in Schwindel erregende Höhen, denn durch sein Patent war niemand mehr auf Spenderorgane angewiesen. Ethische Vorwürfe wischte Atto, ob seiner Eloquenz beliebter Gast in vielen Skype-Talkshows, mit einem Lachen beiseite: „Ich habe mir meine eigenen Nieren implantiert. Was soll daran verwerflich sein? Und jenen Todkranken, die in Scharen zu mir kommen, implantiere ich ebenfalls ihre eigenen Organe und nicht irgendwelche Importe aus Schwarzafrika oder Südostasien wie so viele meiner hoch geschätzten Kollegen, die mich hier verurteilen – aus Gründen die ich Ihnen gewiss nicht näher erläutern muss …“

In der Tat stellte der internationale Organhandel noch immer eine gewichtige Industrie dar. In Zeiten, da wohlhabende Bürger der damaligen Industrienationen bereits meist über 120 Jahre alt wurden, stieg die Nachfrage nach frischen Organen, eine Nachfrage, welche zwielichtige Quellen aus Drittweltländern zu befriedigen wussten, wo das Verschwinden einiger junger Menschen aus ärmlichen Verhältnissen leicht zu vertuschen war.

Und so hatte Atto die öffentliche Meinung auf seiner Seite, die internationalen Kapitalmärkte und eine globale zahlungskräftige Kundschaft sowieso. Doch der kometenhafte Aufstieg von GEC zum Big Global Player war nur der Anfang.

Das Große Sterben begann, wie Sie wissen, mit der fast völligen Ausrottung des Nutzviehs.

Schon immer gab es Pandemien. Die Pest Mitte des 14. Jahrhunderts, die Spanische Grippe zu Beginn, oder BSE Ende des 20. Jahrhunderts. Vogel- und Schweinegrippe nach der Jahrtausendwende, Katzen- und Hundegrippe in den letzten beiden Dekaden des 21. Jahrhunderts. Im Nachhinein mutet es dümmlich an, dass es keinem Wissenschaftler in all den Jahrhunderten je in den Sinn gekommen war, dass die Viren sich dabei langsam, aber sicher die Evolutionsleiter hinaufgearbeitet hatten. Dabei ist es doch so offensichtlich:

Die Pest hatte sich noch über Mäuse und Ratten übertragen, doch allmähliche Fortschritte in der Medizin, der persönlichen Hygiene und vor allem des allgemeinen Lebensstandards ließen den Kontakt der Menschen mit Rattenkot als Überträger immer seltener, und daher eine Pandemie immer unwahrscheinlicher werden. Die erste wirkliche, also globale Pandemie, die Spanische Grippe, welche von 1918 bis 1920 wütete, wurde durch einen ungewöhnlich virulenten Abkömmling des Influenzavirus, den Subtyp A/H1N1 verursacht und forderte etwa 50 Millionen Todesopfer weltweit.

Begonnen hatte sie – wie Virologen durch Exhumierungen erst ein Jahrhundert später herausfanden – in einem Dreckskaff namens Haskell County. Drei Männer aus diesem Ort in Kansas wurden Ende Februar 1918 zum Wehrdienst in das US-Army-Ausbildungslager Camp Funston eingezogen. Am 4. März erkrankte ein Koch an der Grippe, drei Wochen später waren in dem Ausbildungslager, in dem sich durchschnittlich 56.000 Rekruten befanden, 1.100 Schwerkranke und 38 Todesfälle zu beklagen.

Mit US-amerikanischen Truppentransportern gelangte die Krankheit offenbar nach Frankreich. Für Anfang April 1918 sind Grippeerkrankungen aus der französischen Hafenstadt Brest belegt, von wo sie sich sowohl in der Zivilbevölkerung als auch unter den Soldaten in konzentrischen Kreisen ausbreitete. In den französischen Lazaretten wurden die ersten grippeerkrankten Soldaten am 10. April eingeliefert. Ende April hatte die Grippewelle Paris erreicht und auch die Schützengräben des 1. Weltkrieges, wo die Männer dicht an dicht unter erbärmlichen hygienischen Bedingungen im Schlamm kauerten.

In den ersten zwei Wochen im Mai 1918 meldete die britische Marine über 10.000 Krankheitsfälle und sah sich außerstande, auszulaufen. Im Juni wurden zahlreiche Fälle aus Indien, China, Neuseeland und den Philippinen gemeldet. Auch in Deutschland lag der Höhepunkt der ersten Welle im Juni. Im Hafen von Manila erkrankten über zwei Drittel der Dockarbeiter, sodass Schiffe nicht mehr entladen werden konnten. Dänemark und Norwegen waren vor allem im Juli betroffen. In Holland und Schweden kulminierte der Höhepunkt der ersten Grippewelle im August. Selbst in Australien erkrankten 30 Prozent der Bevölkerung Sydneys im September an der Grippe. Die Spanische Grippe hatte die Welt umrundet und sollte noch zwei weitere Wellen folgen lassen, bevor sie sich zurückzog.

Die Viren hatten einen neuen Weg gefunden, sogar Ozeane zu überqueren, ob auf einem Truppenschiff oder in einem Flugzeug, der Anfang war gemacht.

Im fortschreitenden 20. Jahrhundert verbesserten sich die Lebenszustände der meisten Menschen. Bessere Medizin, bessere Nahrung, bessere Behausung. Diese Umstände ermöglichten es, virale Pandemien, die durchaus auftraten, ich erinnere nur an das HIV- oder das Ebola-Virus, derart abzufedern, dass sich die Anzahl der Opfer in Grenzen hielt. Auch wenn man keine Möglichkeit der Heilung fand, vermochte man jedoch, die globale Ausbreitung einzudämmen und die Letalitätsrate niedrig zu halten. BSE, die Vogel- und die Schweinegrippe um die Jahrtausendwende forderten kaum noch Todesopfer – jedenfalls wenn man einige Tausend Tote weltweit ins Verhältnis zu anderen Erkrankungen setzte: es starben mehr Menschen an Fischvergiftung oder durch Elektrogeräte, die in ihre Badewanne fielen – lächerlich!

Dennoch zeigten diese drei Beispiele einen neuen Trend. Die Viren bedienten sich nicht mehr der Ratten oder Mäuse, sondern nunmehr unseres Nutzviehs als Überträger. Schlimmer noch: die Virenstämme mutierten derart, dass sie immer mehr unterschiedliche Wirte befallen konnten, also zum Beispiel Vögel plus Paarhufer plus Primaten, und dazu noch stetig resistenter gegen jede Form von Antibiotika wurden. Bereits die Katzengrippe im Jahre 2088 ließ sich nur durch Quarantäne und das Einschläfern sämtlicher Haus- und Wildkatzen eindämmen. Heilung erfolgte nach dem Zufallsprinzip: war dein Immunsystem gut genug, überlebtest du, war es schlecht, warst du am dritten Tag nach der Infektion nur noch gefährlicher Biomüll zu dessen Verbrennung sich nicht mal die nächsten Verwandten einfanden.

Die Hundegrippe zeigte sich dagegen zwar ebenfalls global aber sehr kurz. Längst stand Haustierhaltung unter Strafe, alle Zoos arbeiteten vollautomatisch und der Homo sapiens hatte sich endgültig und total vom Hund und vom Rest der Fauna durch Panzerglas und Bioschleusen abgegrenzt.

Dachte er.

In einem Krankenhaus in Lyon mutierten die letzten verbliebenen Erreger der Hundegrippe. Man vermutet, dass total resistente Krankenhaus-Virenstämme sich mit ihnen verbanden. Jene kleinen Teufel, die gern in Sagrotan baden und Antibiotika zum Frühstück futtern. Nicht totzukriegen! Der aus dieser unheiligen Verbindung stammende Influenzavirus, Henry, A/H1N1-LY-180304-Coubertin, benannt nach Henry Coubertin, der am 18. März 2104 daran erkrankte, sollte die Welt in ihren Grundfesten erschüttern. Der wackere Henry besaß ein ausgezeichnetes Immunsystem, das ihn ganze vier Tage am Leben erhielt. Doppelt so lange wie die meisten anderen Menschen.

Ihr kennt die Geschichte, verdammt, ich sage jetzt einfach „Du“, weil ,es mir zu doof ist, ein Skype Log zu siezen, also wie ihr wisst, war Lyon binnen einer Woche entvölkert, Frankreich binnen zwei Wochen, Mitte April fast ganz Europa. Amerika, Asien und Australien Ende April, nur in Afrika überlebten noch fast 20 Prozent der Bevölkerung den Mai. 21 Milliarden Menschen lebten im Frühjahr 2104 auf diesem Planeten. Den Sommer erlebten keine 100 Millionen.

Wer immer diese meine Geschichte einmal hört, ist wahrscheinlich zu jung, um sich daran zu erinnern. In Deutschland überlebten ungefähr drei Millionen Menschen Henry, doch Das Große Sterben hatte zu diesem Zeitpunkt erst begonnen. 2105 lebten noch etwa 900.000, nur wenige waren verhungert. Zwei Drittel waren Plünderungen oder Bandenkriegen zum Opfer gefallen. Interessanterweise überlebte so fast niemand in ländlichen Gegenden. Nur in den großen Städten gelang es, die Infrastruktur und vor allem so etwas wie eine öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten. Es lebten etwa 200.000 in Berlin, je 150.000 in Ruhr-City, München und Hamburg, etwa 50.000 in lokalen Zentren wie Stuttgart, Frankfurt oder Dresden, doch dazwischen herrschte die Wildnis. Siedlungen von weniger als 10.000 Menschen existierten nicht, da marodierende Horden diese sonst überrannten. Man schätzt, dass auf die knappe Million deutscher Bürger, die sich in ihren wenigen Städten verschanzten, etwa eine weitere Million Nomaden kam, hauptsächlich arabischer und afrikanischer Herkunft. Die Weltbevölkerung lag 2106 bei 110 Millionen, allesamt immun gegen Henry. Sie stieg in den Städten und sank bei den Nomaden, weil diese unorganisiert waren und über keinerlei Virenupdates verfügten – Henry hatte Nichten und Neffen! – doch global war die Talsohle überwunden.

Dennoch stellten diese ersten Dekaden des 22. Jahrhunderts die finstersten der Menschheitsgeschichte dar. Stadtmauern wurden errichtet wie im dunkelsten Mittelalter. Jeder Fremde war ein Feind, denn er hätte ein potentieller Überträger sein können, nein, Leute, seid bloß froh, dass ihr zu jung seid!

Wir hatten uns mit dem Ausbruch der Pandemie in unserer Abteilung verbarrikadiert. Es befand sich genug Biomasse in den Tanks, das Gebäude war energieautark, lieferte gefilterte Luft und Wasser und so verbrachten wir die ersten drei Monate des Großen Sterbens in unseren Laboren und druckten uns Organe aus. Ich habe gewiss zig Dutzend Mal Alexander Attos Niere gegessen, bis ich auf die Idee kam, unsere Gendateien auf schmackhaftere Kost zu durchforsten. Ich druckte mir tatsächlich die Bizepse und sogar die Ärsche diverser Berühmtheiten aus, doch erwies sich diese Kost als zu belastend für meinen Cholesterinspiegel. Dann fand ich die Daten von Ursain Bolt. Der wurde Anfang des 21. Jahrhunderts weltbekannt, weil er als erster Athlet die 100 Meter unter 9.5 Sekunden lief. Seine Oberschenkel stellten eine Delikatesse dar. Man hätte uns von der GEC als Kannibalen bezeichnen können, da wir uns durch unsere Abschottung von der Außenwelt gezwungenermaßen von Menschenfleisch ernährten, doch das ist weder rechtlich noch moralisch zutreffend, da es sich um Repros handelte, noch dazu von Menschen, die zumeist seit vielen Jahrzehnten verstorben waren.

Und die Alternative sahen wir durch unsere Bürofenster unten in den Straßen: Nachdem rund 90 Prozent der Menschen an Henry gestorben waren, begannen die Plünderungen. Was dort an konservierter Nahrung in den Malls und Superstores lag, hätte die wenigen Überlebenden noch länger als ein Jahr ernähren können, doch sie bekämpften einander wie wilde Tiere. Wahrscheinlich aus Furcht, nicht genug abzubekommen. So ging das Monate lang. Man musste nur aus dem Fenster schauen, um Raub, Mord und Vergewaltigungen zu sehen. Sie versuchten auch, den GEC-Tower zu stürmen, doch wir hatten die Fahrstühle deaktiviert und saßen im 35. Stock hinter gepanzerten Türen. Die wenigen Marodeure, die es über die Treppenhäuser bis zu uns hinauf schafften, gaben schnell wieder auf.

Der Sommer 2104 war heiß. Berlin war 40 Grad gewöhnt, normal im Sommer, alle Gebäude waren klimatisiert, doch unten in den Straßen muss es der Horror gewesen sein. Der bestialische Gestank von Verwesung lag noch ein Jahr später in der Luft.

Was uns schließlich rettete, war Skype. Tatsächlich floss ununterbrochen Strom aus den Solarparks der Sahara. Das war sekundär für die höher entwickelten Gebiete Europas, deren Stromversorgung sich im 21. Jahrhundert zunehmend dezentralisiert hatte, doch den strukturschwachen Regionen, wo noch nicht jedes Gebäude energieautark war, brachte es Stabilität. Fast sämtliche Wirtschaft war zum Erliegen gekommen, auch die Medien, doch dank des Internets vermochte sich der Rest der Menschheit zu verständigen. Skype war die größte Plattform. Mehr als das! Initiiert von den Leuten von Skype London – die genau wie wir in einem Hochhaus festsaßen – bildete sich eine Bürgerwehr, Industrieeinsätze wurden organisiert und vor allem die gerechte Verteilung der Nahrung aus den Fabriken und Laboren an die Menschen. Langsam bauten wir eine zumindest rudimentäre Infrastruktur wieder auf. Formal bestanden noch immer Regierungen, doch das EU-Parlament war verwaist und wirkliche Exekutivmacht besaßen nur die lokalen Bürgerwehren. So entwickelten sich die heutigen Stadtstaaten, jede Stadt versorgte sich selbst und interregionaler Handel schien damals noch undenkbar.

Im Frühjahr 2105 kamen die ersten Nomaden nach Berlin. Es waren Afrikaner. Stark bewaffnet. Sie kamen mit Armeetrucks und sogar Kettenfahrzeugen.

Doch auch unsere Bürgerwehren hatten sich in den antiken Museumskasernen mit schweren Waffen eingedeckt. Panzerbrechende Boden-Boden- und auch Boden-Luftraketen, die ein einzelner Kämpfer abfeuern konnte und die computergesteuert zu 100 Prozent ihr Ziel trafen, nachdem man es mit GPS eingegeben oder mit Laser markiert hatte. Dazu der Vorteil des Geländes, die Nomaden hatten keine Chance. Man zerstörte vorzugsweise in einer Häuserschlucht zuerst das erste und dann das letzte Fahrzeug eines Konvois und bombardierte dann den Rest dazwischen über GPS. Dafür konnte man Kilometer weit entfernt auf dem Dach eines Hochhauses stehen. Bald gaben die Nomaden es auf, die Städte anzugreifen. Es hieß, die Überlebenden wären nach Osten Richtung Putinstan geflohen, doch wer weiß das schon?

Auf jeden Fall wurden sie Vegetarier, Kannibalen oder sind ausgerottet.

Eine echte Ökonomie entwickelte sich erst in den 20er Jahren des 22. Jahrhunderts. Bis dahin wurden die Stadtkerne wieder hergerichtet, Mauern, Wachtürme und Befestigungsanlagen gebaut sowie die wichtigste Infrastruktur zurückerobert. Wasserwerke, Krankenhäuser, Feuerwehr, es erinnerte ein wenig an das 18. Jahrhundert, nur dass uns in vielen Bereichen die Technologie des ausgehenden 21. Jahrhunderts zur Verfügung stand - plus unbegrenzte Energieressourcen, denn was in den Sonnenfeldern der Sahara, den Offshore-Windparks der Nordsee oder den Wasserkraftwerken Skandinaviens an Strom produziert wurde, war auf zwei Milliarden Europäer ausgelegt. Overabundance! Die ersten Großkuppeln wurden gebaut, nur um bald mit anderen verbunden zu werden und schließlich den Megakuppeln aus Duroplast zu weichen, die ganze Städte beheimaten sollten, doch das dauerte noch fast 20 Jahre.

Die Weltbevölkerung war, wie ich vielleicht bereits erwähnte, schlagartig von 21 Milliarden auf gut 100 Millionen dezimiert worden, 2120 waren es schon 160 Millionen. Als am 1.1.2129 um 12:00:00 MEZ von allen Stadtstaaten eine neue, föderale Weltregierung gebildet wurde, lebten exakt 179.834.226 Menschen auf der Erde. Heute sind wieder fast eine Milliarde, aber das wisst ihr ja alles aus der Schule.

In den Dreißigern ging es richtig bergauf. Die Infrastruktur funktionierte in allen Bereichen. Überdimensioniert, jeder hätte zwischen Dutzenden von Häusern wählen können, es wären Hunderte gewesen, hätte sich die Natur nicht in jenen drei dunklen Dekaden nach dem Großen Sterben so vieles zurückgeholt. Und so wurde alles planiert. Aus Furcht! Statt in prächtigen Villen zu wohnen, zogen es die Menschen trotz der Kuppeln vor, in voll klimatisierten Hochhauskomplexen zu leben, wo keines der Panzerglas-Fenster zu öffnen war, wo man durch vier Schleusen, einen Tunnel oder eine Arkade und dann noch einmal vier Schleusen musste, nur um ins Nachbargebäude zu gelangen. Und wenn auf einer Außenhülle zufällig mal ein Vogel saß, dann schrien die Kinder in panischer Angst und ihre Eltern zogen sie rasch in Sicherheit. Dabei hätte dieser Vogel auch mit einem großkalibrigen Gewehr eine Duroplastkuppel schwerlich zu durchdringen vermocht.

Ja, so seid ihr! Ein Haufen Schisser voller Fracksausen vor der Natur!

Es gründete sich die bis heute populäre Sky-Sekte, die am liebsten ins Weltall ausgewandert wäre. Schließlich hatten wir fünf Raumstationen, eine Kolonie auf dem Mond und eine auf dem Mars. Erstere bot immerhin 820 Menschen Lebensraum, die Besatzungen der ISS 1-3, der Putin und der Chang evakuierten beim Ausbruch der Pandemie dorthin, jedoch bewirkten über 20 Jahre Quarantäne, dass die Kolonisten völlig atrophisch wurden und auf der Erde sofort unter ihrem eigenen Gewicht zusammengebrochen wären. Selbstverständlich leben sie seitdem in freiwilliger Isolation, wenn auch nicht wegen des Muskelschwunds …

Und die 24 armen Schweine auf dem Mars hatten drei Jahre ohne Versorgungsschiff ausgehalten und sich nur von ihrem mickrigen Treibhaus und den Notreserven ernährt, bis auch diese aufgebraucht waren. Daraufhin hatte eine Gruppe von 14 Wissenschaftlern beschlossen, Selbstmord zu begehen, weil das Treibhaus maximal 10 Menschen auf Dauer zu erhalten vermochte. Noch immer leben, wie ihr wisst, drei Männer, vier Frauen und vier Kinder dort, und auf dem Mond hält sich die Bevölkerung stabil um die 700.

Doch diese Basen sind für uns verloren. Vermutlich ist von all diesen Menschen im All keiner immun gegen Henry. Jeder Kontakt mit der Erde würde ihren Tod bedeuten und eine Impfung ihrer durch geringe Gravitation und sterile Umgebung geschwächten Körper zöge eine sehr hohe Todesrate nach sich. Das wissen sie und so hat sich die Mondkolonie aus ihren Grabungslasern zwei Flakgeschütze gebaut, mit denen sie jedes Shuttle von der Erde abschießen würde. Ich weiß also nicht, was diese debilen Sky-Spinner glauben, wie man das Weltall erobern könnte, ohne Mondbasis, nur von fünf Raumstationen aus, die seit einem halben Jahrhundert im Orbit treiben und garantiert bereits von Raumschrott leck geschlagen sind. Aber sie sind ja auch eine Sekte, also müssen es ja wohl Spinner sein, das gehört sich doch so, oder?

Egal. Ich fasse mal lieber kurz die letzten 20 Jahre und was sie für mich bedeuteten zusammen, damit ihr begreift, wer ich überhaupt bin.

Die GEC hatte Das Große Sterben überlebt und dies als Global Player. Während andere unsere Zivilisation wieder aufbauten, versuchten wir, uns für den nächsten Virus zu wappnen, denn der wird unweigerlich kommen. Und wenn nicht, ist auch gut, denn das eigentliche Geschäft machen wir ja nicht mit dem Virus, sondern mit der Angst. Organe sind schön und gut, aber die sind mittlerweile so billig geworden, dass ich für eine neue Lunge …

„Ja, Monika, bis nächste Woche, wir skypen! Morgen habe ich Lust auf einen Dreier mit Nadine und Karin, mach bitte einen Termin gegen 21:30 für mich! Ja, danke Darling, ich dich auch!“

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja, Organe, also für eine neue Lunge kann ich Monika keine fünfmal durchficken, zum Glück verkaufe ich genug von dem Zeug. Die Leute stehen auf Designerprodukte, bei einer Lebenserwartung von mittlerweile 130 auch kein Wunder, aber das treibt auch Stilblüten. Wenn so eine Hundertzehnjährige einmal im Jahr ihre Lunge neu gemacht haben will, weil sie ihrem auf olympischer Marathonläufer getrimmten Organ einfach nicht genug Belastung verschafft, dann mag das zwar en vogue sein und mich zu einem reichen Mann machen, doch hirnloser Schwachfug bleibt es trotzdem.

Ich schweife ab, also die letzten zwanzig Jahre und die Angst vor dem nächsten Virus:

Ich wurde 2129 zum stellvertretenden Leiter der mikrobiologischen Forschungsabteilung der GEC befördert.

Mit 53 Jahren! So blutjung hatte das seit vielen Jahrzehnten niemand mehr geschafft, allerdings hatten wir auch zahlreiche sehr gute Mitarbeiter verloren, die sich zu Beginn der Quarantäne nicht in den firmeneigenen Labors befunden hatten. Nachdem wir endlich einen Henry-Impfstoff entwickelt hatten, war kein einziger von ihnen mehr am Leben.

Die Entwicklung des Henry-Impfstoffs war schwierig, denn das ist so ein zäher kleiner Bastard - wahrscheinlich existiert kein Lebewesen auf dieser Erde, das so tough ist wie Henry! Genau genommen ist Henry kein Lebewesen, denn die Definition desselben verlangt, dass zwei Voraussetzungen erfüllt werden: Stoffwechsel und Fortpflanzung.

Diese Bedingungen erfüllt jeder primitive Einzeller, doch Viren sind ein Sonderfall der Evolution, denn sie pflanzen sich fort, jedoch ohne Stoffwechsel, denn den übernehmen die Zellen für sie, die sie befallen.

Stellt euch ein Virus wie ein kleines, rundes Raumschiff mit einem Stachel vor. Das Raumschiff ist der Behälter für die DNS, der Stachel Enterhaken und Penisersatz zugleich. Ein Virus dockt an eine Zelle an, rammt seinen Stachel hinein, entleert seine DNS in die Zelle und verreckt. Doch die DNS ist eine Kuckucks-DNS. Statt sich selbst zu reproduzieren, verzehrt sich die befallene Zelle nun von innen und produziert aus ihrem eigenen Körper Viren, bis ihre nutzbare Zellmasse aufgebraucht ist und sie stirbt. Wie ein Wirt, der von Larven aufgefressen wird, besteht ihre einzige Hinterlassenschaft nun aus lauter neuen Viren, die sich neue Zellen suchen und weiter vermehren. Dieser Vorgang beschleunigte sich wie eine nukleare Kettenreaktion, gäbe es da nicht die Antikörper. Auch sie sind kleine Raumschiffe, allerdings den körpereigenen Zellen wohlgesonnene Patrouillenboote. Sie vermögen Freund und Feind zu unterscheiden, beziehungsweise körpereigene von körperfremden Zellen. Enddecken sie einen Feind, docken sie ihrerseits an, entern ihn und fressen ihn auf. Bei einer gefährlichen Viruserkrankung ist die einzige Frage, die essentielle Frage, die über Leben und Tod des Körpers entscheidet, jene, wie viele Patrouillenboote wie vielen feindlichen Raumschiffen gegenüberstehen und ob sie es schaffen, die neu produzierten schnell genug aufzufressen. Eine Impfung ist eine kleine Invasion weniger feindlicher Schiffe, die im Körper bewirkt, dass Alarm ausgelöst wird und die Produktion von Patrouillenbooten massiv erhöht wird. Wenn dann die tatsächliche Invasion der feindlichen Raumschiffe beginnt, lauern unsere Patrouillenboote, äh, Verzeihung, das ist Gewohnheit, Leute. So erkläre ich Virologie immer Kindern in der zweiten Klasse, also: beim geimpften Körper lauert eine Armee von Antikörpern im Hinterhalt auf die Invasion der Viren. Das Problem bei Henry war, dass dies die Invasion verlangsamte, aber nicht hatte stoppen können. Kennen sie sich in der menschlichen Frühgeschichte aus? 1944? Die Invasion der Alliierten in der Normandie? So müssen sie sich das vorstellen. Unzählige starben beim Versuch anzulanden, aber es rückten immer mehr nach und als sie erst einmal Fuß gefasst hatten, waren sie nicht mehr aufzuhalten. Und wir waren wie die Deutschen vor 200 Jahren. Alle Wunderwaffen, die sie ausprobierten, nützten nichts. Sie waren dem Untergang geweiht. Wir auch.

Bis wir die Nanos einsetzten.

Die Idee war – und darauf gründete sich mein Nobelpreis und noch heute mein Reichtum und internationales Renommee – bei aller Bescheidenheit die meine.

Ich war vor dem Großen Sterben in der Weiterentwicklung der firmeneigenen Nanobots beschäftigt. Das waren große klobige Dinger von bis zu 0.2 Millimetern Durchmesser, die bei Angina Pectoris die Herzkranzgefäße freibaggerten, Nierensteine abtrugen oder Organe funktional unterstützten. Eine altbewährte Technologie aus den Sechzigern des 21. Jahrhunderts. Wir arbeiteten an der Verkleinerung dieser grobkörnigen Bots. Der Durchbruch gelang mir durch die Codierung bestimmter Molekülketten. Sie verliehen den Nanos selbst so etwas wie eine eigene DNS. Jeder Nanobot wusste nun um seinen Bauplan und war in der Lage, sich Nachfolgemodelle zu bauen, indem er nicht benötigte Moleküle, zum Beispiel aus dem Darm oder von gesundheitsschädlichen Gelenk- oder Gefäßablagerungen nutzte, um die erforderlichen Molekülketten zu produzieren. Hatte er genug davon, fügte er sie zusammen und hatte quasi seinen eigenen Klon geschaffen. Das brachte den entscheidenden Quantensprung in der Miniaturisierung. Wir gaben Nanos Baupläne für kleinere Nanos, die wir selbst nicht bauen konnten, doch die Nanos stellten sie problemlos für uns her. Bald hatten wir Nanobots geschaffen, die kleiner als eine Zelle waren. Nehmen wir eine durchschnittliche Menschliche Zelle mit einem Durchmesser von 20 Mikrometern, also 20 Tausendstel Millimeter. Unsere ersten von den Nanobots selbst produzierten Nanos besaßen einen Durchmesser von 1.7829 Mikrometern. Sie waren also bereits klein genug, um in eine Zelle einzudringen, ohne die Zellmembran irreparabel zu beschädigen. Die zweite Generation war nur noch 671 Nanometer, also 671 Millionstel Millimeter groß! Klein genug, um sogar in einen Virus einzudringen, und ihn von innen auszuhöhlen, was wiederum neues Baumaterial für weitere Nanos ergab. Nicht, dass die lächerliche Anzahl von Molekülen, welche die Nanos für ihre Reproduktion benötigten, für einen riesigen Organismus wie den unseren ins Gewicht gefallen wäre – in jedem feuchten Furz existiert genug Baumaterial für Millionen neuer Nanos!

Ich konzentrierte meine Forschung nun völlig auf „Mutternanos“, wie ich sie nannte. Das waren Nanos, die keinen für den Organismus direkt wirksamen Sinn erfüllten, doch indirekt schuf ich die ultimative Waffe, denn die Mutternanos kannten nur einen Zweck: kleinere Nanos zu bauen, die programmiert waren, ihrerseits noch kleinere Nanos zu bauen, welche sich sodann auf Henry stürzten, um sich dort zu klonen. Es war eine wahre Freude, unter dem Mikroskop zu beobachten, wie jedes einzelne Virus von ein paar Nanos angegriffen wurde, um sich kurz darauf in einer ganzen Wolke neuer Nanos aufzulösen, die sich sofort auf die anderen Viren stürzten.

Ich hatte es vollbracht: Henry war besiegt und mit ihm jeder weitere Virus der noch evolvieren sollte.

Ich war ein Held und der größte Wissenschaftler der Welt.

Den Rest kennt ihr ja: Geld, Ruhm, Synthohol, Upper, Downer und jede Menge Weiber!

Und jetzt geh ich pennen, den Rest erzähle ich ein andern mal.

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