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Mord ist auch eine Lösung – Honey Driver ermittelt

Jean G. Goodhind

Mord ist auch eine Lösung

Honey Driver ermittelt

Kriminalroman

Aus dem Englischen von Ulrike Seeberger

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Inhaltsübersicht

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 45

Kapitel 46

Kapitel 47

|5|Kapitel 1

Der Empfangsbereich im Green River Hotel wurde gerade vollkommen neu gestaltet, und Honey Driver war so aufgeregt wie ein Kind kurz vor der Bescherung an Heiligabend. »Jetzt habe ich es drei Jahre in Draculas Salon ausgehalten. Es wird höchste Zeit, dass ein bisschen Licht hier reinkommt.«

Sie hatte sich für einen Louis-Quatorze-Look entschieden: alles in Kobaltblau und Cremeweiß mit funkelnden Kronleuchtern und kunstvoll verzierten, auf Französisch getrimmten Spiegeln.

Der rote Teppich war verschwunden, sämtliche Holzelemente waren abgeschmirgelt, und Philippe Fabiere, ein dunkelhäutiger Typ mit wasserstoffblondem Haar aus dem Londoner East End, hatte bereits die nötigen Lacke, Tapeten und Möbel bestellt.

Philippe Fabiere, erste Sahne unter Baths Innenarchitekten, war bei Hoteliers ungeheuer gefragt, die ihre Häuser aufrüsten wollten und damit ihr Geschäft aufzuwerten hofften. Er war außerordentlich extravagant, tyrannisch und irgendwie natürlich auch ein Blender. Sein Pseudonym hatte er so gewählt, dass es sehr à la française wirkte. Zu allem Überfluss hatte er sich auch noch einen dazu passenden Akzent antrainiert. Das war eigentlich verständlich, denn man hatte ihn auf den Namen George Theodore Washington getauft, der nun gar nicht passte, wenn man ein megaehrgeiziger Innenarchitekt war und blondgefärbtes Haar, kastanienbraune Haut und einen künstlerisch angehauchten – genauer gesagt: papageienbunten – Kleidungsstil hatte. Er hatte Honey einmal anvertraut, sein Vater sei begeisterter |6|Hobby-Historiker und interessierte sich besonders für amerikanische Geschichte. Da sein Nachname tatsächlich Washington war, hatte er bei der Geburt seines Sohnes der Versuchung einfach nicht widerstehen können.

Abgesehen davon war George – beziehungsweise Philippe, wie er lieber genannt wurde – inzwischen der angesagteste Innenarchitekt, um den sich alle kultivierteren Hoteliers von Bath rissen. Honey musste ihn einfach engagieren. Wenn alles nach Plan lief, würden die Arbeiten innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen sein.

Zufrieden strahlend ließ Honey die Augen über die nackten Wände, die abgeschliffenen Fußbodendielen und die abgeschmirgelten Sockelleisten schweifen. Im Augenblick sah es allerdings noch eher nach der Höhle von Fred Feuerstein aus als nach dem Versailles Ludwig des Vierzehnten. Deprimierend eigentlich. Zum Glück besaß sie eine lebhafte Phantasie.

»Wartet mal ab, bis das alles hier fertig ist«, seufzte sie.

Ein Maler in einem schmuddeligen Overall, der mit Tausenden verschiedener Farbspritzer verziert war, hebelte gerade mit einem Spachtel eine Farbbüchse auf. Der Deckel löste sich mit einem vertrauenerweckenden »Plop«. Nun, es klang nicht gerade wie ein Champagnerkorken, aber doch irgendwie nach einer Feier. Die erste Farbrolle mit Kobaltblau wurde auf die Wand aufgetragen, und schon wehte das Aroma frischer Farbe durch den Raum. Stillschweigend gratulierte Honey sich, dass sie so vernünftig gewesen war, keine Zimmerreservierungen anzunehmen. Gäste mochten einfach keine Unordnung, auch wenn sich damit auf lange Sicht ihr Komfort erhöhen würde. Es hätte nur Beschwerden gehagelt. Also hatte sie Philippe zwei Wochen Zeit für die Renovierungsarbeiten gegeben und erst einmal alle Gästebuchungen abgelehnt.

Sie brachte ihre Zufriedenheit laut zum Ausdruck. »Bin ich froh, dass wir keine Gäste haben.«

Lindsey knurrte irgendetwas Unverständliches. Im Augenblick |7|schaute nur das hintere Ende von Honeys Tochter unter dem Empfangstresen, einem großen, eingebauten Möbel mit vielen Fächern, Schubladen und Regalbrettern, hervor. Lindsey versuchte gerade, verschiedene Computerkabel zu entwirren, die sich zu einem großen, unordentlichen Knäuel verheddert hatten. Denn auch der Empfangstresen sollte eleganter gestaltet werden, um besser zu Philippes künstlerischen Vorstellungen zu passen.

»Dieser Kobaltton ist wirklich genau die richtige Farbe«, fügte Honey verträumt hinzu und verschränkte zufrieden die Arme, während eine nackte Gipswand allmählich dunkelblau wurde.

Völlig verstaubt kam Lindsey auf Knien hinter dem Tresen hervorgekrabbelt. Sie rümpfte das Näschen. »Stinkt ein bisschen.«

Honey nahm eine gute Lunge voll von der nach frischer Farbe riechenden Luft. »Es ist so ein sauberer Geruch. Ein neuer Geruch.«

Der gleiche rote Teppich, mit dem der Empfangsbereich ausgelegt gewesen war, hatte auch die geschwungene Treppe geziert, die zu den Gästezimmern hinaufführte. Nun würde das tiefe Rot durch einen strapazierfähigen, aber luxuriösen Läufer in tiefstem Herbstgold ersetzt werden. Inzwischen klapperten die Schritte von Mary Jane – klipp-klopp – die Stufen hinunter. Mary Jane, der einzige noch übriggebliebene Gast des Hotels, kam nach unten.

»Ich habe eine Beschwerde«, sagte Mary Jane.

Honey zwinkerte. Es war noch früh am Morgen, und Mary Janes apfelgrüner Trainingsanzug würde garantiert jeden aus dem Tiefschlaf aufwecken. Sie hatte dieses schrille Teil zu einem stark reduzierten Preis auf einem Flohmarkt erstanden, Mary Jane hatte ihn sogar noch ein ganzes Stück weiter heruntergehandelt. Kragen und Manschetten waren in Quietschrosa abgesetzt, und auch der Reißverschluss prangte in dieser leuchtenden Farbe. Das Ganze blendete so sehr, dass die Vorbesitzerin wahrscheinlich heilfroh war, das |8|Ding endlich los zu sein. Mary Janes Turnschuhe schillerten in allen Regenbogenfarben und passten wiederum glänzend zu den hölzernen Papageien-Ohrringen, die an ihren Ohrläppchen baumelten.

Honey war höchst verständnisvoll. »Das tut mir leid, Mary Jane. Was gibt es denn?«

Feiner Staub rieselte von Mary Janes Wangen, während sie redete. Sie neigte dazu, sehr viel Puder zu verwenden. Überall, wohin sie ging, hinterließ sie eine Spur, einschließlich eines deutlichen Gesichtsabdrucks auf ihrem Kopfkissen.

»Es geht um Sir Cedric«, sagte sie nun mit hohler Stimme und blickte verstohlen über die Schulter.

»O je«, meinte Honey. Sie hatte viel Geduld mit Mary Jane. Die war eine sehr nette Person. Es hatte nicht lange gedauert, bis Honey die unendlichen Gespräche über längst verstorbene Ahnen, die Mary Jane zufällig regelmäßig besuchten, als vertrauten Teil ihres Lebens empfand. Sir Cedric zum Beispiel lebte in einem Wandschrank in Mary Janes Zimmer, hatte Mary Jane ihnen berichtet.

»Ihn bringt der Farbgeruch völlig aus der Fassung. Er mag es nicht, wenn sich etwas ändert. In diesem alten Haus ist im Laufe der Jahrhunderte schon zu viel verändert worden.«

Mary Jane wohnte ständig im Hotel. Sie war zufällig in diesem Zimmer gelandet, als sie sich vor einigen Jahren in Bath zu Besuch aufhielt, und hatte beschlossen, dass dies der Ort war, wohin sie gehörte. Schon bald danach hatte sie den Sonnenschein Kaliforniens gegen das eher wechselhafte Wetter Englands eingetauscht.

Honey hatte gelernt, über Sir Cedric zu sprechen, als sei er einfach nur ein weiterer Gast – der allerdings nicht den üblichen Zimmerpreis bezahlte, aber andererseits auch die Hoteleinrichtungen kaum benutzte. Sie entschuldigte sich entsprechend wortreich. »Bitte übermittle ihm meine aufrichtige Entschuldigung, aber es musste einfach sein. Ich bin sicher, dass ihm die neue Ausstattung gefallen wird, wenn die Arbeiten erst beendet sind.«

|9|Honey nahm an, dass Sir Cedric nachts umherwanderte. Sie wollte lieber nicht in die Einzelheiten gehen. Denn wenn sie das geringste Interesse zeigte, würde Mary Jane stundenlang über ihren Familienstammbaum reden.

»Du verstehst das nicht«, antwortete Mary Jane, und ihre Augen hatten das seltsame Leuchten, wie immer, wenn sie von Sir Cedric sprach. »Geister, die in einem Haus residieren, hassen es, wenn ihre alten Gewohnheiten gestört werden, und reagieren dann mit Anzeichen größten Missmuts.«

Honey blickte auf die Uhr. »Nun, ich bin sicher, wenn wir die Fenster weit aufmachen, wird er nicht allzu sehr gestört.«

Mary Jane wirkte ein wenig unsicher.

»Schau mal«, fuhr Honey fort und fragte sich nicht zum ersten Mal, warum sie all das anstandslos hinnahm. Aber da sie sich verpflichtet fühlte, ihren einzigen Gast zu besänftigen, gab sie Mary Jane ein Versprechen.

»Ich sag dir was: Sobald Philippe kommt, rede ich mit ihm ein Wörtchen darüber. Ich bin sicher, wir können eine Lösung finden – und wenn wir nur eine weniger stark riechende Farbe kaufen.«

Mary Jane war noch immer nicht überzeugt. »Braucht dieser Philippe noch lange, bis er herkommt?«

»Nein«, antwortete Honey und schüttelte energisch den Kopf. »Ich erwarte ihn jeden Augenblick. Überlass das alles nur mir. Ich krieg das hin.«

Mary Janes Gesicht sah noch immer nicht sonderlich beruhigt aus.

»Hast du schon gefrühstückt?«, fragte Honey, die dringend das Thema wechseln wollte.

Bei der Erwähnung von Essen wandelte sich Mary Janes Miene.

»Doris hat mir das Frühstück aufs Zimmer gebracht. Es wartet oben auf mich. Dann gehe ich mal wieder hoch und lasse es mir schmecken. Bis ich fertig bin, ist dein Innenarchitekt sicher längst dagewesen und wieder fort.«

|10|»Zweifellos«, sagte Honey mit mehr Gewissheit in der Stimme, als sie verspürte. Es war bereits nach neun, und Philippe hatte versprochen, um acht zu kommen. Bis jetzt hatte er sich noch nie verspätet. Aber einmal war ja immer das erste Mal, überlegte sie. Oder nicht?

Mary Jane stakste auf ihren langen Beinen wieder durch den Eingangsbereich und die Treppe hinauf.

Honey schaute zu Lindsey herunter, die immer noch auf den Knien lag. »Sir Cedric wird nicht gern gestört.«

»Ich hab’s gehört«, meinte Lindsey, stand auf und wischte sich den Staub von den Händen. »Meinst du, er checkt aus?«

»Das geht in Ordnung, solange er seine Rechnung zahlt. Etwa zweihundert Jahre zu einem mittleren Preis von fünfzig Pfund pro Nacht – das wären etwa fünfzigtausend, ein paar Tausend mehr oder weniger …«

»Der pflegeleichteste Gast, den wir je hatten«, murmelte Lindsey, während sie wieder zu ihrem Kabelsalat unter den Tresen krabbelte.

Honey nahm einen Stift zur Hand und sah ein paar Zimmeranfragen durch. Manche waren mit der Post gekommen, andere per E-Mail. Zum Glück waren sie alle für eine Zeit, zu der die Renovierungen wahrscheinlich abgeschlossen sein würden. Honey verbrachte etwa eine Stunde mit diesen Schreibarbeiten, schaute dann auf ihre Armbanduhr und die alte Schuluhr, die im Büro an der Wand hing. Zehn Uhr. Philippe Fabiere war noch immer nicht da.

Die Maler hatten gerade eine Teepause eingelegt. Als sie zurückkamen, spazierte einer von ihnen auf Honey zu.

»Tut mir leid, wenn ich Sie störe, meine Liebe. Aber Philippe sollte uns noch Grundierleim mitbringen.«

»Grundierleim?« Was war das denn? Sie hatte keine Ahnung, aber sie versuchte, zumindest so zu schauen, als wäre sie voll im Bild.

»Die Versiegelung, die wir auf den alten Gips aufbringen müssen, ehe wir die Wände streichen. Sie wissen, was ich meine?«

|11|»Überlassen Sie das nur mir. Ich rufe ihn an.«

Genau das machte sie auch. Sie wählte Philippes Privatnummer zu Hause. Keine Antwort. Beim achten Klingelton schaltete sich der Anrufbeantworter ein. Sie hinterließ keine Nachricht, sondern wählte Philippes Handy-Nummer. Auch da keine Antwort. Sie entschied sich, als »Anruf in Abwesenheit« aufgeführt zu werden, und legte auf. Eine Flut von Postwurfsendungen drohte ihren Schreibtisch völlig zu überschwemmen. Das musste alles weg. Sie hatte gerade die Arme ausgebreitet, um alles in einer einzigen Zangenbewegung zu greifen und in einen Müllsack zu stopfen, als das Telefon klingelte. Philippe Fabieres Nummer leuchtete auf dem Display ihres Telefons auf.

»Hallo, Phil. Sind Sie das?«

»Wer ist am Apparat?«

»Ich.« Sie erkannte Steve Dohertys Stimme. Na, das war aber mal eine Überraschung!

»Honey? Warum hast du denn unter dieser Nummer angerufen?«

»Warum sollte ich nicht?«

Sein Tonfall ließ sie Schlimmes ahnen, aber sie erklärte es ihm trotzdem.

»Ich wollte meinen Innenarchitekten erreichen. Der sollte heute Morgen kommen. Moment mal. Das hat vorhin nicht gut geklungen, Steve. Ich will mal in meine Kristallkugel schauen. Du wirst mir gleich eine schlechte Nachricht übermitteln. Stimmt’s?«

Es folgte eine Pause, eine gedankenschwere Pause.

»Er wird wohl gar nicht kommen.«

Doherty hatte die Stimme eines Super-Machos, die aber total sinnlich und verlockend klingen konnte, wenn sie nicht gerade an einem Fall arbeiteten. Jetzt ging es eindeutig um Arbeit.

»Das hört sich schlimm an.«

»Schlimmer geht’s nicht.«

»Mord.«

|12|»Du sagst es, Babe. Hast du ihn sehr gut gekannt?«

Sie spürte, wie sich ein Kloß in ihrem Hals festsetzte. Philippe war ein netter Kerl, vielmehr ein netter Kerl gewesen, und sie hatte ihn inzwischen recht gern. Er legte eine solch energiegeladene Begeisterung für seinen Beruf an den Tag, dass seine Augen glänzten, wenn er ein besonders luxuriöses Stück Stoff, eine interessante Farbe oder eine schillernde Tapete anschaute. Er warf scheinbar ohne großen Plan alle möglichen Dinge zusammen, und immer sah das Ergebnis phantastisch aus.

»Er war ein netter Kerl. Und dazu noch ein toller Innenarchitekt. Alle arbeiteten mit ihm. Er war nicht billig, aber ganz bestimmt der Allerbeste. Die anderen waren da weit abgeschlagen.«

Wieder diese unheilvolle Pause. Doherty wälzte schwere Gedanken.

»Steve?«

»Er hatte also Konkurrenten? Weißt du, wer die waren und ob es in letzter Zeit da Streitigkeiten gegeben hat?«

»Das kann ich mit ein paar Anrufen schnell rausfinden.«

»Meld dich wieder.«

»Wo bist du denn?«

»St. Margaret’s Court.«

»Lass mich nur machen. Sobald ich was rausgefunden habe, sage ich Bescheid.«

Als sie auflegte, spürte sie, dass Lindsey sie von unten herauf anschaute und auf eine Erklärung wartete.

»Philippe ist ermordet worden.«

»Von einem seiner Konkurrenten?«

Honey zuckte die Achseln. »Wer weiß?«

»So was würde Casper wissen.«

Da hatte sie recht. Der Vorsitzende des Hotelfachverbands von Bath war eine Quelle interessanter Informationen, besonders wenn es um Ästhetik, Kunst und Kultur ging, vor denen die Stadt Bath nur so strotzte. Honey rief bei ihm an und erzählte ihm, was geschehen war.

|13|»Der arme Junge«, rief er. »Er war nicht nur der beste Innenarchitekt in unserem kleinen Winkel der Welt, er war ganz gewiss der beste im ganzen Land!«

Honey musste ihm zustimmen.

»Gibt es viele Eifersüchteleien in diesem Gewerbe?«

Casper lachte laut los. »Natürlich! Diese Leute sind Künstler! Kreative Leute, meine Liebe, haben Unsicherheiten, die wir anderen uns gar nicht vorstellen können. Sie leben von ihrem guten Ruf. Mehr noch: sie müssen den unanfechtbaren Ruf haben, der Allerallerbeste zu sein.«

»Wo sollte ich anfangen?«

»Na, zunächst mal wäre da Julia Porter. Dann Dylan Sylvester vom Sugar Moon Design House. Ich melde mich, wenn mir noch jemand einfällt.«

»Zu gütig von Ihnen.«

Sie hatte nicht sarkastisch sein wollen. Es war ihr einfach nur so herausgerutscht. Casper erwartete Großes von ihr. Sie sollte dabei helfen, die Verbrechensrate in der Stadt so gering wie möglich zu halten, aber er selbst wollte sich seine sorgfältig manikürten Finger nicht mit den dreckigen Einzelheiten schmutzig machen. Das überließ er ihr.

Seine Stimme wurde ernst und grimmig. »Ich will, dass der Schuldige so schnell wie möglich eingekerkert wird. Es ist mir völlig egal, wie Sie das hinkriegen. Sehen Sie einfach zu, dass Sie es hinkriegen.«

Sobald der Hörer aufgelegt war, sprach Lindsey aus, was Honey durch den Kopf gegangen war.

»Ich wette, es ging um Konkurrenzneid.«

»Wieso denkst du das?«

»Die würden doch jeden Wettbewerber erdrosseln, wenn sie glaubten, dass sie so ihren eigenen Ruf steigern könnten. Natürlich nur mit einer Seidenschnur. Oder mit etwas ähnlich Geschmackvollem in der Art.«

Honey dachte an ihre kurze Bekanntschaft mit Philippe zurück, daran, wie er beinahe sabberte, wenn er Stoffe oder Farben anschaute, an seinen verletzten und defensiven |14|Blick, wenn er kritisiert wurde, an seine Eifersucht, wenn der Name eines Konkurrenten fiel.

Sie schaute zu ihrer Tochter hinunter, die wieder unter dem Tresen herumwühlte.

»Du hast recht«, sagte sie. »Du hast völlig recht.«

|15|Kapitel 2

Es war die schlimmste Situation, die man sich vorstellen konnte. Die Sache wäre weniger kompliziert gewesen, wäre nicht draußen auch noch ein Reisebus vorgefahren. Der große, glänzende Bus war in einem eleganten Rote-Bete-Ton lackiert, den vornehmere Menschen wahrscheinlich als Burgunderrot bezeichnen würden. In goldenen Lettern prangte der Name des Unternehmens auf der Seite des Fahrzeugs.

Doherty beäugte die bunt gemischte Touristengruppe, die aus dem Bus kletterte, obwohl man sie gebeten hatte, sitzen zu bleiben. Wenn man sie so sah und die babylonische Sprachverwirrung anhörte, konnte man beinahe glauben, dass der Bus sie gerade auf einer wilden Fahrt rund um den Globus eingesammelt hatte. Viele von ihnen waren Senioren. Kaum hatte Doherty sie erblickt, da wusste er schon, dass es Ärger geben würde.

Die Seniorentruppe war aus dem Bus ausgestiegen und wurde nun unten an der hochherrschaftlichen Treppe aufgehalten, die zur ebenso eindrucksvollen Eingangstür des St. Margaret’s Court Hotels hinaufführte. An den erhobenen Stimmen und den geschwenkten Spazierstöcken konnte man ablesen, dass die Leute nicht sonderlich glücklich darüber waren. Wie eine Schar wütender Gänse hatten sie sich um den Reiseleiter und zwei Polizisten in Uniform versammelt, von denen man erwartete, dass sie die Öffentlichkeit in Schach hielten. Aber die Reisegesellschaft war nicht der Meinung, dass sie »Öffentlichkeit« wäre. Sie waren Touristen. Sie waren Gäste, die gutes Geld gezahlt hatten, um in einem Original-Herrenhaus aus der Zeit Elisabeths I. |16|zu übernachten. Und nun erklärte man ihnen, sie dürften nicht hinein.

Hauptsächlich für die gehbehinderten Gäste hatte man auf eine Hälfte der Treppe eine mit Teppich überzogene Rampe gelegt. Einer der Polizisten kam mit besorgter Miene auf dieser Schräge zu Doherty hinaufgelaufen. Er schob seine Mütze ein wenig nach hinten, ehe er zu sprechen anfing.

Doherty betrachtete ihn aus dem Augenwinkel. Constable Shaun Jones, sonst meist als »Jonesey« bekannt, war jung und hatte ein frisches Gesicht. Doherty verspürte leichten Neid. Auch er war einmal so jung und begeistert gewesen und so aufgeregt, als er seinen ersten Mordfall erlebte. Wie das frische junge Gesicht würde mit der Zeit auch der Enthusiasmus verschwinden und der sarkastischen Einsicht weichen, dass es unter den Menschen genauso viel Boshaftigkeit wie Güte gab.

»Die Leute sind gar nicht zufrieden, Sir.«

»Der Typ da drinnen auch nicht«, knurrte Doherty, der noch nicht ganz wieder aus seinem nostalgischen Rückblick aufgetaucht war. Er machte eine Kopfbewegung zu dem Eingangsbogen hinter ihnen. »Der ist sogar verdammt viel unzufriedener als die da unten, der ist nämlich tot!«

Der junge Polizist hatte auch Schneid. Er blieb beharrlich. »Jawohl, Sir. Die Herrschaften sagen, sie hätten dafür bezahlt und man könnte sie nicht daran hindern, das Hotel zu betreten.«

Doherty zog ungläubig eine Augenbraue in die Höhe. »Ach, wirklich?«

Der junge Beamte schaute ein wenig wie ein Schaf. »Tatsache ist, Sir, dass sie ja irgendwo übernachten müssen und nicht im Bus schlafen können. Da haben sie wirklich recht, Sir. Wir sind verpflichtet, uns um sie zu kümmern. Einige sind nicht mehr ganz jung.«

Doherty blickte finster drein. Hier musste eine Lösung gefunden werden, wenn es auch sicherlich nicht seine Aufgabe |17|war, Übernachtungsmöglichkeiten für eine Busgesellschaft zu organisieren. Schließlich war er kein Hotelier, verdammt noch mal!

Jonesey schwenkte auf ein anderes Thema um. »Ich habe mir sagen lassen, dass das Hotel einem Russen gehört, Sir.«

»Stimmt«, knurrte Doherty. Tanja, die junge Frau am Empfang, hatte ihm das auch erzählt.

»Die sind ja heutzutage wirklich überall, nicht? Denen gehören Fußballvereine und so und überhaupt.«

Doherty antwortete nicht. Dieser spezielle Russe wollte also lieber ein Hotel als einen Fußballverein besitzen? Das konnte man nicht gegen ihn halten.

Doherty fiel ein, dass er selbst schon in einigen Hotels übernachtet hatte – geschäftlich und privat. Er schaute auf die Fassade aus dem sechzehnten Jahrhundert und überlegte, dass er gar nichts dagegen hätte, hier abzusteigen. Er liebte alte Gemäuer. Ihm gefiel ihre besondere Atmosphäre viel besser als die in den modernen Häusern mit all dem Glas und der minimalistischen Einrichtung. Er wollte wirklich sehr gern einmal hier übernachten. Deswegen hatte er ganz entgegen seinen sonstigen Gewohnheiten ein Los für die Tombola erworben. Die wurden am Empfang verkauft, und der Erlös ging an Wohlfahrtseinrichtungen. Der erste Preis war ein Luxusaufenthalt für zwei Personen mit allem Komfort.

Constable Jones war außerordentlich aufmerksam.

»Haben Sie die Lose für die Tombola gesehen, Sir? Fünf Pfund! Würde mir nicht im Traum einfallen, so viel für ein Los auszugeben. Völlig verrückt!«

»Wir sind nicht hier, um über Lospreise zu debattieren, Jonesey«, sagte Doherty. Mit einem Blick auf die Senioren, die kurz vor einem gewalttätigen Aufstand zu stehen schienen, schob er rasch das soeben erworbene Los in die Jackentasche. Ein Luxusaufenthalt für zwei Personen! Was würde wohl Honey davon halten? Ihr Hotel lief im Augenblick wegen der Renovierungsarbeiten nur auf Sparflamme. Da hatte sie keine Entschuldigung dafür, nein zu sagen.

|18|Doherty stand am oberen Ende der Treppe vor dem Haupteingang und genoss die wunderbare Aussicht auf die einspurige Straße, die sich durch das St. Margaret’s Valley in der idyllischen Umgebung von Bath zum Haus hinaufschlängelte. Es war ein herrliches Tal, schmal, grün und dünn besiedelt mit höchst begehrenswerten Anwesen größeren Kalibers, alle mit eigener Zufahrt und ein, zwei Stallgebäuden hinter dem Haus.

Im Augenblick hätte das Panorama nicht reizvoller sein können. Doch dann sah er etwas, das seinen – bisher eher verbissen verkrampften – Mund entspannt offen stehen ließ.

Ein rosa Cadillac fuhr in nicht gerade gemäßigtem Tempo das Tal hinauf. Die Kavallerie kam zur Rettung!

 

Mary Jane blieb unten an der Treppe stehen. Sobald die Amerikaner in der Gruppe sie als eine der Ihren erkannt hatten, wurde sie mit Beschwerden und Fragen überhäuft.

Der junge Polizeibeamte begleitete Honey die Treppe hinauf zu Doherty. Sie versuchte, Steves Gesichtsausdruck zu deuten. Unmöglich. Er schaute ernst, wie immer, wenn es einen Job zu erledigen galt.

»Du siehst blass aus«, merkte Doherty an.

»Was hättest du erwartet? Mein Wagen ist in der Inspektion. Mary Jane hat mich hergefahren. Nach ein paar Sekunden auf festem Boden geht es mir bestimmt gleich wieder besser.«

Mary Jane und ihr Auto waren in Bath inzwischen fast schon berühmt-berüchtigt. Ihr Cadillac war keine riesige Limousine mit Bremslichtern von der Größe eines mittleren Esstellers und einem Kühlergrill, der so breit war wie ein Canyon. Nein, es war ein einfaches kleines Coupé aus dem Jahre 1961. Und rosa – zartrosa. Mary Janes Fahrkünste waren gleichermaßen berühmt. Bisher hatte sie einfach Glück gehabt. Oder die Verkehrspolizisten hatten schlicht keine Lust, jede Menge Formulare auszufüllen. Tatsächlich war ihr Fahrstil haarsträubend, aber sie hatte mit dem Wagen |19|noch nie einen Unfall gebaut. Vielmehr schien ein Zauber das Auto zu schützen. Mary Jane pflegte es hingebungsvoll. Sie liebte ihren Cadillac. Sie wollte, dass er ein langes Leben hatte.

Das fand Honey in Ordnung. Sie wollte auch gern ein langes Leben.

Sie folgte Doherty durch den mit Eichenholz getäfelten Empfangsbereich und schritt über die schwarz-weißen holländischen Bodenfliesen. Spots waren geschickt auf mittelalterliche Gobelins, auf Rüstungen und Zinnteller gerichtet. St. Margaret’s stand innen wie außen unter Denkmalschutz. In der richtigen Beleuchtung und zur richtigen Tageszeit war es ganz einfach, sich vorzustellen, dass Damen in Schnürmiedern und bärtige Herren in Wams und eng anliegenden Hosen die Eingangshalle bevölkerten.

»Hier entlang«, sagte Doherty.

Sie folgte ihm durch einen holzgetäfelten Korridor. Die uralten Eichendielen knarrten leise unter ihren Schritten.

Die Leute von der Forensik waren gerade fertig geworden. Das Badezimmer war auf altmodische Weise luxuriös. Die Wanne war riesig und hatte Löwenfüße. Die dunkelgrünen Kacheln sahen aus, als stammten sie aus viktorianischer Zeit. Ein blank poliertes Messingrohr verband die blau-weiß gemusterte Toilettenschüssel mit dem darüber angebrachten Wasserkasten. Alles wunderschön und historisch, wenn auch zum Saubermachen vielleicht nicht allzu praktisch. Honey bemerkte, dass die Spülkette fehlte.

Das Fenster stand weit offen. Eine Glasscheibe war eingeschlagen, und überall auf dem Boden lagen Scherben. Doherty zog das Fenster zu.

»Man hat den Manager geholt, damit er mit seinem Schlüssel die Tür aufsperrt, aber es ging nicht. Die Badezimmertür war von innen verriegelt.«

»Wer hat ihn dann gefunden?«

»Die Arbeiter, die hinten ein Gerüst aufgebaut haben, damit die Steinmetze ein paar Fensterpfosten ausbessern können. |20|Der arme Kerl, der ihn entdeckt hat, ist beinahe von seinem selbstgebauten Gerüst gefallen, als er zum Fenster hereingeschaut hat.«

»Todesart?«, erkundigte Honey sich knapp.

»Philippe Fabiere ist mit der Spülkette der Toilette erwürgt worden, und dann hat man ihm noch den Griff von dem Ding in den Hals gerammt. Der war rombenförmig, aus Porzellan mit blau-weißem chinesischem Muster, aus der Herstellung von Wedgwood – sagt zumindest die Forensik.«

Wenn sich Honey Philippe – jemanden, den sie ziemlich gut kannte –, mit dem Griff in der Luftröhre vorstellte, wurde ihr ganz übel. Also sagte sie etwas ziemlich Dummes.

»Es kann demnach kein Selbstmord gewesen sein.«

Doherty schaute sie fragend an, eine Augenbraue hochgezogen, einen Mundwinkel nach unten, als hätte sie eine Möglichkeit angesprochen, die er noch nicht in Betracht gezogen hatte. Dann verwarf er den Gedanken.

»Absolut unmöglich. Es sei denn, er hatte eine Vorliebe dafür, Porzellan zu verspeisen. Es hat ihn jemand über die Toilettenschüssel nach hinten gedrückt und die Kette abgerissen. Und dieser Jemand war stark. Philippe hat Blutergüsse seitlich am Hals. Es gibt natürlich jede Menge Fingerabdrücke. Dies ist eine Toilette, die von vielen benutzt wird.«

»Wie schade! Na ja, Philippe hat bei seinen Renovierungsarbeiten immer genauso Regie geführt wie früher, als er noch am Theater war. Er setzte stets die volle Mannschaft ein. Und was ist mit dem Riegel?«

Doherty untersuchte den Riegel, der so fest vorgeschoben gewesen war. Er runzelte die Stirn und schüttelte den Kopf. »Sauber abgewischt.«

»Also ganz bestimmt Mord. Aber wie konnte die Tür von innen verriegelt sein?«

Honey bemerkte, dass Doherty über diese Frage nicht gerade erfreut war. Er schaute den Riegel so grimmig an, |21|als wäre er allein für den grausigen Mord verantwortlich. Er grummelte: »Ein von innen verriegelter Raum, in dem sich niemand befindet, außer einer Leiche. Klingt wie aus einem Roman von Agatha Christie.« Er schob den Riegel hin und her und rieb dann Daumen und Zeigefinger aneinander. »Schmierfett.«

»Vaseline«, sagte jemand aus dem Forensik-Team. »Dann lässt er sich besser hin und her schieben. Nicht, dass er nicht ohnehin gut beweglich war. Es ist ein ziemlich altes Stück. Die neuen wären ein bisschen schwerer gegangen. Aber der hier nicht.«

Honey zuckte die Achseln. »Ja, und?«

»Zweifellos wird mir bald jemand genau erklären, wie das bewerkstelligt wurde«, sagte Doherty in einem Ton, als hätte die Polizei immer alle Antworten parat, was Honey ernsthaft bezweifelte.

Honey hatte ihren eigenen Trumpf im Ärmel. »Ich frage Lindsey. Die kann prima solche Rätsel lösen.«

»Ich krieg’s vor dir raus.«

»Wollen wir wetten?«

»Zehn Pfund.«

»Topp! Die Wette gilt.«

Wieder lief Honey ein kalter Schauer über den Rücken, als Doherty und sie durch den eleganten Empfangsbereich schritten, wo einst Lord und Ladys gespeist und getanzt hatten. Diesmal hatte sie die Gänsehaut aber nicht wegen der Geister der Vergangenheit, sondern beim bloßen Gedanken an Philippes Ableben. Und der Griff der Toilettenkette in der Luftröhre – selbst wenn es eine echte Antiquität war –, das war ziemlich makaber. Zum Glück hatte man den Leichnam schon vor ihrer Ankunft abtransportiert.

»Was ist also mit seinen Konkurrenten?«, fragte Doherty.

»Zwei Hauptrivalen hatte er.« Sie nannte ihm die Namen, die sie von Casper erfahren hatte. »Casper erwartet, dass bald jemand verhaftet wird«, fügte sie hinzu.

|22|Doherty schaute sie ironisch an. »Casper erwartet immer, dass bald jemand verhaftet wird.«

Das alles war ziemlich schlimm. Honey konnte nicht ahnen, dass es bald noch schlimmer kommen sollte.

Mary Jane stand mit selbstgefälligem Gesicht vor der Gruppe der betagten Touristen.

»Honey, diese armen Leute haben gerade gesagt bekommen, dass sie hier unmöglich übernachten können, jedenfalls nicht vor übermorgen. Die Polizei will ihre Befragungen und Untersuchungen machen, ohne dass ihr ständig Gäste vor die Füße laufen. Das ist natürlich verständlich …«

»Natürlich«, erwiderte Honey.

»Aber irgendwo müssen sie ja schlafen …«

»Das nehme ich an«, sagte Honey und ging zum Auto. Als sie mit den Fingern den Türgriff berührte, war ihr, als stünde das Ding unter Strom. Eine blitzartige Erkenntnis schoss wie Elektrizität durch sie hindurch. Es kribbelte ihr in den Fingerspitzen. Doch sie wusste, dass es keine Elektrizität war. Es war ein Verdacht, ein tiefer, besorgniserregender Verdacht, dass Mary Jane etwas getan hatte, was sie besser gelassen hätte. Zumindest hätte sie Honey vorher fragen sollen.

Honey schaute mit misstrauischem Blick zu ihrer leicht verdrehten Freundin hin, die bereits auf dem Fahrersitz saß.

Mary Jane lächelte. »Ich habe das alles schon organisiert«, verkündete sie in nüchternem Ton und zog mit lautem Knall die Autotür hinter sich zu. »Ich habe denen gesagt, dass bei dir alle Zimmer leer stehen und dass sie da übernachten können, wenn es ihnen nichts ausmacht, dass es nach Farbe stinkt und kein Teppich auf dem Boden liegt.«

Honey wollte erwidern: Kommt gar nicht in Frage. Wir sind mitten in den Renovierungsarbeiten. Doch ehe sie eine Chance dazu bekam, winkte Mary Jane schon ihren neuen Freunden.

»Geht in Ordnung, Leute«, rief sie ihnen durch das offene Wagenfenster zu. »Ich hab alles im Griff. Lasst euch |23|vom Busfahrer einfach mit eurem Gepäck am Green River Hotel absetzen.«

Aufgeregt wurden wieder Hände und Gehstöcke geschwenkt. Laute Begeisterungsrufe erschallten. Mary Jane hatte ihre gute Tat für den Tag getan. Honey hatte immer noch Bedenken. Kaum jemand war mäkeliger als Hotelgäste über fünfundsechzig.

Die Rückfahrt nach Bath wurde wie immer von lautem Hupen der anderen Verkehrsteilnehmer begleitet, während Mary Jane fröhlich über irgendetwas mit Tarotkarten plapperte, wenn Honey auch nicht recht ausmachen konnte, worum es da eigentlich ging.

Sie war ein wenig ungehalten, dass Mary Jane vor dem Hotel die Nummer mit dem Barmherzigen Samariter abgezogen hatte, während sie drinnen Hercule Poirot gespielt hatte. Doch eigentlich kreisten ihre Gedanken unweigerlich immer wieder um Philippe Fabiere. Wer um alles auf der Welt würde so etwas Makabres tun? So etwas … Originelles?

 

Sie erreichten Bath vor dem Reisebus. Wie in einem Traum trat Honey in den Empfangsbereich. Erst als Lindsey sich nach Einzelheiten erkundigte, fiel ihr ein, dass sie ihr von dem verriegelten Badezimmer erzählen wollte. Zunächst hatte sie nur gejammert, dass man ihr einen ganzen Bus voller Gäste auf den Hals gehetzt hatte.

»Du kriegst aber doch was dafür, dass du sie hier aufnimmst?«, meinte Lindsey.

»Nun … ja.«

»Dann ist es doch nicht so schlimm. Also, jetzt zu diesem Rätsel. Um wie viel hast du mit Doherty gewettet?«

»Zehn Pfund.«

»Kinderspiel«, sagte Lindsey und grinste übers ganze Gesicht. »Komm mal mit.«

Lindsey trottete auf die Herrentoilette. Verwirrt und neugierig folgte ihr Honey in eine der drei Kabinen.

|24|An die Wandfliesen gelehnt, schob Lindsey den Riegel hin und her. Sie hatte eine ernste Miene aufgesetzt. Lindsey konnte richtig gut logisch denken. Wo sie das herhatte, vermochte sich Honey nicht vorzustellen. Von ihr jedenfalls nicht. Und von ihrem Vater Carl auch nicht. Der war eher ein Partylöwe gewesen. Und das war Lindsey nun wirklich nicht. Und nach ihrer Großmutter kam sie auch nicht; weder Honey noch Lindsey hatten mit dieser Dame viel gemeinsam. Honey trug lieber Jeans als Outfits von Jaeger, und Lindsey mochte lieber legere Sachen als klassischen Stil. Das war nur etwas für Gloria Cross, Honeys Mutter.

Lindsey schob also den Riegel hin und her. »Der geht ein bisschen schwer, aber solange er nicht klemmt, ist es eigentlich ein Kinderspiel. Man braucht eine starke Kordel oder Angelschnur.«

»Na dann, Professor Hawking, erklären Sie mir das mal.« »Ich zeige es dir lieber.«

Sie gingen zum Empfang zurück. Lindsey schnitt ein längeres Stück Baumwollzwirn aus dem Notfall-Nähzeug ab, das hinter dem Tresen aufbewahrt wurde. Dann machten sie sich wieder auf zur Toilette – diesmal entschieden sie sich für die Damentoilette. Lindsey legte den Zwirn in einer Schlaufe um den Griff des Riegels und behielt die beiden Enden in der Hand.

Honey hatte bemerkt, dass der Riegel ziemlich leicht ging, und sagte das auch.

»Doris poliert hier alles mit Bienenwachs. Davon gleiten natürlich die Riegel leichter.«

»Vaseline kann man auch nehmen, denke ich mal«, murmelte Honey vor sich hin.

Lindsey wies sie an, die Tür zu schließen. Honey gehorchte.

Die Fadenenden hingen draußen, und Lindsey zog vorsichtig mit beiden Händen daran. Der Riegel ging zu. Als sie sicher war, dass er fest saß, zog sie nur an einem Fadenende. |25|Langsam, aber sicher hatte sie immer mehr Faden in der Hand, bis er schließlich ganz herausgezogen war.

Honey drückte mit beiden Händen gegen die Tür. Sie bewegte sich keinen Zentimeter.

»Phantastisch! Sie ist verriegelt.«

Lindsey grinste. »Und das, meine Damen und Herren, war unser heutiger Zaubertrick!«

|26|Kapitel 3

Selbst jetzt, da alle Zimmer belegt waren, schien noch die Stille durch das Hotel zu hallen. Aber Honey hatte keine Zeit, sich weiter um die Atmosphäre zu kümmern. Einige Mitarbeiter hatten die Renovierungsarbeiten zum Anlass genommen, ihren Jahresurlaub anzutreten. Das war in Ordnung, wenn es auch bedeutete, dass Honey und Lindsey wesentlich mehr zu tun hatten. Honey hatte die Zubereitung des Frühstücks übernommen, da Doris ihre Koffer gepackt hatte und in die Ferien gefahren war.

Honey ging den Korridor entlang zum Empfangsbereich. Dort standen die Maler in einer Gruppe zusammen. Philippes Assistentin Camilla Boylan hielt sich ein wenig abseits. Honey vermutete, dass es einen Disput gegeben hatte.

Sie blieb aber nicht lange genug stehen, um herauszufinden, was los war, sondern stieg die Treppe hinauf zum Wäscheschrank. Außer dass Honey, jetzt, da Doris im Urlaub war, höchstpersönlich Berge von Speck, Würsten und Bioeiern zu verarbeiten hatte, musste sie sich auch noch um die Hauswirtschaft kümmern. Doris hatte die Wäsche bestens organisiert hinterlassen: Laken, Leinentischdecken und Berge von Badehandtüchern, die sie jeden Tag brauchten. Bisher hatte die Tatsache, dass sie – dank Mary Jane – nun alle Zimmer belegt hatte, noch keine größeren Probleme verursacht.

Das Restaurant war von den Renovierungsarbeiten nicht betroffen; dort ging es so lebhaft zu wie immer. Die Senioren schienen mit der ganzen Angelegenheit locker fertig zu werden. Die vielen Betten zu beziehen, das war schon ein bisschen problematischer gewesen. Außerdem hatten Honey |27|und Lindsey die Heizung in den Zimmern abgedreht und alle Räume gründlich gelüftet. Es hatte also ein paar Grummeleien über eiskalte englische Hotelzimmer gegeben, aber das Problem hatten sie rasch bewältigt. Dank der Bemühungen des Reiseleiters, den die Gruppe mitgebracht hatte, und einiger Erklärungen von Mary Jane hatten sich Honeys Gäste inzwischen gut eingelebt.

Bettenbeziehen war für Honey eigentlich beinahe eine Therapie und half ihr ein bisschen, die Art und Weise, wie Philippe Fabiere gestorben war, besser zu verarbeiten. Wer würde so was machen? Und warum?

Sie strich gerade ein Kopfkissen glatt, als Doherty anrief.

»Ich dachte, du wüsstest vielleicht gern den neuesten Stand der Ermittlungen.«

Seine Stimme klang niedergeschlagen. Sie fühlte sich selbst auch nicht viel besser, und das wusste er wahrscheinlich.

Sie seufzte und ließ das Kissen aufs Bett fallen, das sie gerade bezog. »Ich kann es noch immer nicht glauben. Ich denke, sogar Casper ist völlig sprachlos. Er hat mich bisher kein einziges Mal angerufen, um sich nach dem Fortschritt der Untersuchung zu erkundigen.«

»Nein«, antwortete Doherty, »er hat mich angerufen, und er ist keineswegs sprachlos. Er war sogar ziemlich wortgewaltig. Er will, dass ich auf der Stelle losziehe und jemanden verhafte.«

»Ich könnte eine kleine Pause gebrauchen«, fuhr Doherty fort. »Wie wäre es, wenn du heute Abend zum Essen zu mir kommst? Ich verkrafte solche Fälle besser. Ich habe da mehr Erfahrung.«

»Du willst mir doch nicht weismachen, dass du schon mal Mordopfer gesehen hast, die man mit der Spülkette einer Toilette erdrosselt hat?«

»Eher selten.«

Honey schaute zum Fenster, wo die Frühlingssonne versuchte, die ersten zartgrünen Triebe an Büschen und Bäumen hervorzulocken. Ein ganzes Heer von Osterglocken reckte |28|die strahlend gelben Trompeten zum Himmel, als wollten sie einen stummen Willkommensgruß entbieten.

Die Sonne weckte auch in ihr den Wunsch, den Winter endlich hinter sich zu lassen.

»In Ordnung. Legere Kleidung oder Abendrobe?«

»Was immer deine Figur am besten zur Geltung bringt.«

Ihr Gespräch wurde unterbrochen. Philippe Fabieres Assistentin, die sich immer noch im Hotel aufhielt, war nun wohl ungeduldig geworden und hatte Lindsey geschickt, um Honey zu rufen. Also entschuldigte sie sich bei Doherty und legte auf.

Camilla Boylan hatte ein herzförmiges Gesicht und kohlrabenschwarze Augen, außerdem rote Lippen und pechschwarzes Haar, das zu einem geometrischen Bob geschnitten war. Sie wirkte dadurch sehr distanziert, was im krassen Gegensatz zu ihrer direkten Ausdrucksweise stand.

»Die Männer wollen nicht bleiben. Ich kann da nichts machen. Das hängt mit dem Erbe zusammen. Sie bekommen ihr Geld erst, wenn da alles geklärt ist.«

Honey fluchte leise vor sich hin. »Warum zum Teufel hat Philippe kein Testament gemacht?«

Camilla zuckte mit den schmalen Schultern. »Weil er nicht damit gerechnet hat, dass er sterben würde. Tun wir doch alle nicht, oder?«

»Aber ich habe doch einen Vorschuss gezahlt!«

Einen Vorschuss von dreitausend Pfund. Für eine Bank war das vielleicht nicht sonderlich viel, aber doch genug, um den Filialleiter nachdenklich zu stimmen, ehe er den Überziehungskredit genehmigte. Honey schaute an die Stelle, wo die blaue Wandfarbe aufhörte und der nackte Putz begann. Irgendwie sah der Gips neben dem Blau ein bisschen aus wie ein Buckelwal. Und ein kleiner Farbtupfer wirkte wie ein Auge.

Als Camilla erklärte, was für Probleme es mit dem Erbschein gab und dass man Philippes Konten eingefroren hatte, froren auch Honeys Gesichtszüge ein. Sie hatte keine |29|Lust, auf einem halbfertigen Wandgemälde hocken zu bleiben.

»Warten Sie mal«, sagte sie und streckte die Hand vor, wobei die Handfläche zu Camillas Porzellanpuppengesicht zeigte. »Haben Sie eine Ahnung, wie sich das auf meine Geschäfte auswirkt? Ich habe für die nächsten beiden Wochen keine Zimmerbuchungen angenommen, weil ich davon ausgegangen bin, dass danach alles fertig ist. Einschließlich Sitzgruppen in nerzbraunem Wildleder und hochglanzpolierten Sofatischen. Und jetzt erzählen Sie mir, dass Sie bis dahin nicht einmal mit den Malerarbeiten fertig werden?«

Honey sagte sich, es wäre ja wohl egal, dass sie vergessen hatte, zu erwähnen, dass sie sich inzwischen in Sachen Zimmerbelegung anders entschieden hatte. Das hatten schließlich eher die schrecklichen Umstände für sie entschieden.

»Ich denke, ich könnte es vielleicht mal bei seinem Rechtsanwalt probieren.« Camilla blinzelte und schien einen Augenblick lang wahrhaftig Mitgefühl mit ihr zu haben, ehe sie wieder auf distanziert umschaltete. »Andererseits wird Sie das wohl kaum daran hindern, die Zimmer zu vermieten, oder?«

»Aber natürlich tut es das!«

Gerade in dem Augenblick kam ein älteres, Deutsch sprechendes Ehepaar die Treppe herunter. Camilla sah die beiden und wandte sich mit fragend hochgezogener Augenbraue zu Honey um.

»Das war ein Notfall«, sagte Honey rasch. »In St. Margaret’s Court können sie nicht übernachten, bis die Polizei dort fertig ist. Sie bleiben nur eine Nacht hier.«

Camilla reckte ihr ach so keckes Kinn vor. Es war schwer auszumachen, ob sie Honey glaubte oder nicht. Camilla war die Art von Frau, die darauf spezialisiert war, immer recht zu haben. Viele Freunde hatte die bestimmt nicht, überlegte Honey.

Das deutsche Ehepaar winkte ihr zu. »So schön hier«, sagte der Mann.

|30|»Ein wunderbares Zimmer«, meinte seine Frau. »Wir haben ein Himmelbett«, fügte sie hinzu und richtete ihren Kommentar an Camilla. »Ist das nicht herrlich? Es ist, als wären wir noch mal auf Hochzeitsreise.«

Nach dem zufriedenen Gesicht ihres Mannes zu schließen, sprach sie die absolute Wahrheit.

»Ich bin so froh, dass es Ihnen gefällt«, sagte Honey und gab sich redlich Mühe, nicht rot zu werden, weil Camilla sie streitbar anfunkelte.

»Wunderbare Farbe«, meinte der Ehemann und deutete auf die halb angestrichene Wand, während er hinter seiner Gattin zur Hoteltür ging. »Sollte nicht mehr allzu lange dauern, bis das fertig gestrichen ist.«

»Das will ich hoffen. Also«, sagte Honey und wandte sich wieder zu Camilla, sobald die beiden alten Leutchen draußen waren, »wie wäre es, wenn ich die Löhne der Maler bezahle und dann das Geld wiederbekomme, sobald die Erbangelegenheiten geregelt sind?«

Camilla schürzte die blutroten Lippen, während sie über den Vorschlag nachdachte. »Da müsste ich erst mit den Rechtsanwälten sprechen.«

»Mir wäre lieber, Sie sagen es zuerst den Malern«, erwiderte Honey, die bemerkt hatte, dass die Herren ihre Sachen zusammenpackten, anstatt Farbe an die Wand zu bringen. »Wenn Sie es nicht machen, dann tu ich’s.«

»Gut. Sagen Sie es ihnen. Ich frage den Rechtsanwalt, ob das in Ordnung geht.«

»Prima!«

Camilla schwang sich ihre Tasche über die Schulter. »Dann bin ich mal weg.«

»Noch nicht«, erwiderte Honey und hielt die junge Frau am Ellbogen fest. »Ich habe noch eine Frage.«

Ein leichtes Runzeln erschien auf den porzellanzarten Zügen. »Wirklich? Und das wäre?«

»Hat irgendjemand Philippe bedroht? Hatte einer seiner Konkurrenten noch ein Hühnchen mit ihm zu rupfen?«

|31|Camilla zuckte die Achseln. »Da gibt’s immer welche. Wir arbeiten in einer sehr wettbewerbsorientierten Branche. Philippe war richtig gut und noch dazu ein prima Geschäftsmann. Die Leute werden schnell neidisch, wenn andere Erfolg haben. Das ist eine Tatsache.«

»Wer erbt Philippes Vermögen?«

Camilla ging in Verteidigungsstellung. »Ich weiß nicht, was Sie das angehen sollte …«

»Ich spreche nicht als Honey Driver, Besitzerin des Green River Hotels, mit Ihnen, sondern als Honey Driver, Verbindungsfrau des Hotelverbands zur Kriminalpolizei. Ich arbeite in diesem Fall mit der Polizei zusammen. Entweder stelle ich Ihnen die Frage, oder die Polizei kommt und fragt Sie das Gleiche.« Sie zuckte die Achseln. »Die Entscheidung liegt bei Ihnen.«

Die in weite Ferne blickenden Augen der jungen Frau wurden stahlhart. Die Mundwinkel der grellroten Lippen verzogen sich ein wenig nach unten.

»Es ist eine ausgemachte Sache. Als überlebende Geschäftspartnerin bekomme ich alles.«

»Sonst niemand?«

»Er hat keine Familie. War’s das?«

Honey verschränkte die Arme vor der Brust und sah die Innenarchitektin mit einer Mischung aus Belustigung und Boshaftigkeit an. Camilla Boylan war einfach zu perfekt.

»Denken Sie nun nicht, dass die Polizei nicht zu Ihnen kommt. Sie sind jetzt unsere Hauptverdächtige. Todsicher.«

|32|Kapitel 4

Irgendwie war es beinahe eine Erleichterung, als Doherty kam, obwohl er seinen Besuch nicht angekündigt hatte.

»Ich bin amtlich hier«, sagte er. »Wie gut hast du Philippe Fabiere gekannt?«

»So gut«, antwortete Honey und deutete mit einer ausladenden Handbewegung auf die unfertigen Malerarbeiten. «Gut genug, um ihm zu glauben, dass ich das hier renoviert bekommen würde, aber nicht gut genug, um zu wissen, dass er dafür ausersehen war, auf eine Art und Weise zu sterben, die ihm einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde sichern würde.«

»Daran hatte ich noch gar nicht gedacht. Aber du hast recht. Volle Punktzahl für Originalität, wer immer der Täter war.«

Trotz des finsteren Themas schaute Doherty belustigt drein. Er strich sich nachdenklich über seinen Dreitagebart. Natürlich trug er seine Privatsachen, aber der Bart war so etwas wie seine Uniform. Polizisten in Zivil passten sich gern an den Stil der Straße an.

Honey erklärte ihm die Geschichte mit dem Erbschein und erzählte ihm auch, dass Camilla Boylan die einzige Erbin sein würde, da kein Testament existierte.

Seine nächsten Worte überraschten sie.

»Doch, es gibt ein Testament. Miss Boylan hat mich angerufen und mir berichtet, man hätte eines gefunden. Es sollte also nicht allzu lange dauern, bis der Erbschein ausgestellt ist.«

Honey verzog das Gesicht. »Wie überaus praktisch für Miss Boylan.«

|33|Das deutsche Ehepaar, das ihr beim Betreten des Hotels zuwinkte und zulächelte, konnte Honey auch nicht aufheitern.

»Sie wirken ein wenig deprimiert, meine Liebe«, sagte Frau Hoffner.

»Wir haben Ihnen ein Stück Kuchen mitgebracht«, fügte ihr Gatte hinzu.

Er war groß und breitschultrig, und sein Gesicht glänzte, als hätte man es regelmäßig mit Bienenwachs poliert.

»Das nennt man Cremehörnchen«, sagte seine Frau, die munter weiterlächelte.

Honey merkte, dass Doherty hinter vorgehaltener Hand grinste, dankte den beiden und erklärte ihnen, sie würde es später essen.

»Wir wissen ja, dass Sie Engländer gern Kuchen zum Tee essen«, meinte Herr Hoffner.

Honey klärte ihn nicht darüber auf, dass sie viel lieber schwarzen Kaffee trank. Der englische Tee war auch nicht mehr das, was er einmal war.

Auf dem Weg nach oben zu ihrem Zimmer blieben die beiden noch auf einen kleinen Plausch bei den Malern stehen.

»Wann soll denn das hier fertig werden?«, erkundigte sich Doherty.

Honeys Aufmerksamkeit richtete sich wieder auf die Arbeit, die zu erledigen war.

»In zwei Wochen. Ich hatte Glück, dass ich Philippe dafür bekommen konnte. Er war so sehr gefragt, aber er hat es geschafft, meine Renovierung einzuschieben, während er St. Margaret’s Court umgestaltete. Seine genauen Worte waren: ›Die Typen dort sind ziemlich anstrengend. Da brauche ich eine nette kleine Abwechslung.‹«

Doherty runzelte verwundert die Stirn. »Du warst die nette kleine Abwechslung? Die Arbeit hier war eine nette kleine Abwechslung?«

Honey zuckte die Achseln.

|34|Doherty zog sein Blackberry aus der Tasche und suchte etwas. »Ich habe versucht, mir auf dem Ding hier Notizen zu machen. Schien mir eine gute Idee zu sein, wo ich doch immer meine Kulis verliere.«

Honey nickte weise. »Die Dinger sind wirklich praktisch. Ich möchte meines nicht mehr missen.«

»Du weißt also, wie man mit so was umgeht?«, fragte er.

Sie überhörte den hoffnungsvollen Ton, der in seiner Stimme mitschwang. »Meines ist von einem anderen Hersteller.«

Sie ignorierte auch seinen skeptischen Blick.

»Also, dann wollen wir mal«, meinte er, zu Recht überzeugt davon, dass sie genauso viel oder so wenig über das verdammte Ding wusste wie er.

Sie schaute ihm zu, wie er den kleinen Bildschirm interessiert betrachtete. »Das ist sehr schick«, ...

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