Logo weiterlesen.de
Mörderische Brandung
Titelinformationen

Informationen zum Buch

»Eine großartige Lektüre.« Shetland Times

Nach langer Zeit auf See kehrt Cass Lynch als Skipper eines nachgebauten Wikingerbootes zu Filmaufnahmen auf die Shetland-Inseln zurück. Eines Abends findet sie auf dem Wikingerboot eine Frauenleiche, die Schwester der Hauptdarstellerin des Films. Der Star selbst hat bereits mehrere anonyme Drohbriefe erhalten, die Videokopien der gedrehten Szenen wurden gestohlen und am Strand verbrannt. Cass muss beweisen, dass ihr Vater unschuldig ist und dass auch sie nicht die Mörderin ist. Doch das fällt ihr nicht leicht, denn sie hat ein dunkles Geheimnis.

Ein packender Kriminalroman mit einem wilden, mörderischen Schauplatz – die Shetland-Inseln.

Marsali Taylor

Mörderische
Brandung

Kriminalroman

Aus dem Englischen von
Ulrike Seeberger

Sonntag, 8. Juni

Brae, Shetland.

Hochwasser in Brae, 00.48, 2.0

Niedrigwasser 07.09, 0.3

HW 13.37, 1.8

NW 19.20, 0.8

Mond zunehmend, Dreiviertel

001.pdf

Kapitel 1

Es war mein Langschiff. Es lag neben dem Steg des Yachtklubs wie ein Geist aus Shetlands Vergangenheit. Das rot- und ockergelbgestreifte Segel auf der schweren Rah geborgen, auf halber Höhe des hölzernen Mastes, die bemalten Schilde spiegelten sich im ruhigen Wasser des frühen Morgens.

Na gut, das Schiff gehörte der Berg Productions Ltd, aber ich war sein Skipper. Die Stormfugl, Sturmvogel. Sie war fünfundsiebzig Fuß lang, hatte einen geschnitzten Kopf mit einem Ring gefletschter Zähne im Maul, einen geschwungenen Schwanz und eine dreieckige Kajüte achtern auf einem Halbdeck. Möwen kreisten um sie herum, zankten, als hätte eine von ihnen einen Fisch fallen lassen.

Ich ließ den Motor der Chalida an und tuckerte über die Bucht auf den Yachthafen zu. Ich war nicht sonderlich erpicht darauf, dass Möwen auf meinen sauberen Decks Fische zerlegten. Die hatte ich erst gestern nach den Dreharbeiten mit dem Schlauch abgespritzt. Die Kameraleute, die Beleuchter, die Leute von der Maske und vom Kostüm, die Kameraführer und Assistenten des Elektrikers und all die hundert anderen Leute, die man anscheinend selbst für die simpelste Aufnahme brauchte, hatten den Pfad von der Straße zum Ufer zu Staub getrampelt, der an den Schaffellstiefeln meiner Wikingerruderer haftete. Am Strand war dann noch eine gehörige Portion sandiger Algen dazugekommen. Und all das hatten sie an Bord getragen. Und jetzt hatte ich nicht die Absicht, gleich am Morgen die Decks erneut zu schrubben. Ich würde den Möwen ihren Fisch über Bord werfen. Sollten sie sich doch auf dem Wasser darum zanken.

Seltsam war auch, dass Anders sie nicht gehört hatte. Selbst jemand, der wie er den Schlaf eines Toten schläft, musste doch sicherlich aufwachen, wenn die Möwen auf dem Firstbalken der Kajüte hockten und sich mit vorgereckten Hälsen ankreischten. Ich hätte erwartet, dass er schon längst auf Deck gewesen wäre, um sie zu verscheuchen.

Als ich in den Yachthafen einfuhr, bemerkte ich ein weißes Bündel, das unter den kreisenden und schnappenden Möwen auf dem Deck der Stormfugl lag. Ich wendete die Chalida in einer scharfen Kurve und brachte sie längsseits an die andere Seite des Pontons. Verdammte Norweger, die sich so auf den billigen britischen Schnaps stürzten! Offensichtlich war Anders von Bord gegangen, hatte sich volllaufen lassen, war dann nach Hause getorkelt und hingefallen und hatte sich verletzt …

Es war nicht Anders.

Ich schaute auf den Körper, der da auf dem Halbdeck lag, eine Hand in Richtung Bug ausgestreckt, und ich spürte, wie meine Beförderung zum Skipper mir aus den Händen glitt. Das hier war Maree Baker, eine vom Filmteam, das Double des Stars.

Ich schämte mich, dass ich zuerst an mich gedacht hatte, aber Maree konnte ich jetzt ohnehin nicht mehr helfen. Sie lag auf den Lärchenplanken ausgestreckt wie eine Marionette, die die Flut hereingespült hat. Ihre manikürten Fingernägel glänzten noch wie Muscheln in dem Blutbad, das die Möwen an ihren Händen angerichtet hatten. Ihr Hosenanzug aus elfenbeinfarbener Seide war mit Schmutz besprenkelt. Das rotgoldene Haar fiel ihr übers Gesicht und wehte ein wenig in der Brise, als müsste sie es sich jeden Augenblick aus den Augen schütteln und aufspringen. Ich schaute erneut auf ihren Hinterkopf, der nach oben und somit in meine Richtung zeigte. Dann sah ich die Blutlache, die sich unter der Perücke ausgebreitet hatte. Die Möwen hatten darin und auf dem gesamten Deck ihre Fußabdrücke hinterlassen. Ich kann durchaus Blut sehen, aber jetzt wurde mir schlecht. Ich brüllte den drei Möwen zu, die sich nur bis zum Pier zurückgezogen hatten und mich mit ihren orangen Augen beobachteten. Dann schaute ich wieder zu Maree zurück. Ich wollte sie nicht berühren, aber ich musste. Ich war »Ship’s Master under God« – die Führerin des Schiffs, die nur Gott verantwortlich war; Kapitän, Pfarrer und Ärztin gleich noch mit dazu. Ich schmiegte meine Hand um Marees erkaltenden Nacken und legte zwei Finger an die Halsschlagader. Kein Hauch von einem Puls.

Ich zog die Hand zurück und fischte in meiner hinteren Hosentasche nach meinem Handy. 999. Nein, mit 999 würde ich hier in Shetland wahrscheinlich irgendein Call Centre im dreihundert Meilen entfernten Inverness erreichen. Dort würde ich jeden Eigennamen zweimal buchstabieren müssen. Ich brauchte jemanden in Lerwick. Ich hechtete in den Yachtklub, um ein Telefonbuch zu suchen, und fand die Nummer. Es klingelte zweimal, dann meldete sich eine Frauenstimme.

»Northern Constabulary, Sergeant Peterson, was kann ich für Sie tun?«

Ich holte tief Luft und wünschte mir, ich wäre auf See, wo das Meldeverfahren festgelegt war. Dreimal Mayday, dreimal Hier ist und der Name der Yacht. »Ich möchte einen wahrscheinlich tödlichen Unfall melden«, sagte ich. »An Bord des Wikingerschiffs Stormfugl, das beim Delting Boating Club vor Anker liegt.«

»Das Filmschiff«, erwiderte sie aufgeweckt und selbstbewusst selbst in dieser frühen Morgenstunde. »Und Ihr Name, Madam?«

»Ich bin Cass Lynch, der Skipper des Schiffs.«

»Bleiben Sie bitte bei der Leiche, Ms Lynch. Wir schicken so schnell wie möglich einen Arzt zu Ihnen. Können Sie den Leichnam identifizieren?«

Identifizieren, dafür war Ted zuständig. »Sie liegt mit dem Gesicht nach unten. Ich wollte sie nicht umdrehen.«

»Wir sind in etwa einer halben Stunde bei Ihnen. Sorgen Sie bitte bis dahin dafür, dass niemand sich der Leiche nähert. Und rufen Sie niemanden an. Das übernehmen wir.«

»Ich bleibe bei der Leiche«, sagte ich, machte aber keine weiteren Versprechungen.

Ich hob einen Stein auf und vertrieb mit einem wütenden Wurf die Möwen.

Anders hätte an Bord sein sollen; er hatte vergangene Nacht Wache gehabt. Ich ging langsam zur Kajüte, fürchtete mich beinahe hineinzuschauen, aber sie war leer. Ich stieß zischend die Luft aus. Nicht einmal seine Sachen waren da: sein scharlachroter Schlafsack, der Rucksack, der als Waschbeutel diente, und seine Thermosflasche. Nur die Luftmatratze, die wir benutzten, um uns gegen die Härte der Planken zu schützen, lag aufgeblasen da.

Ich hatte jetzt keine Zeit, mir um ihn Sorgen zu machen. An Land war ich der Filmgesellschaft Rede und Antwort schuldig. War Mr Berg die Sorte von Kapitän, der beim ersten Anzeichen von Schwierigkeiten gerufen werden wollte? Oder war er eher einer, der einen anranzte, wenn man ihn nicht schlafen ließ, bis sein Rettungsboot gewassert war? In Gedanken sortierte ich den Mann mit den schlauen Augen in die Reihe von Skippern ein, die ich kannte, und entschied mich für die erste Variante. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie selbst die Filmwelt es schaffen sollte, Marees Tod zu vertuschen. Ich wollte ihm die Nachricht selbst überbringen, in meinem besten Norwegisch.

Er war gar nicht erfreut. »Das hatte doch nichts mit den Dreharbeiten zu tun? Was hatte sie nachts auf dem Schiff verloren?«

Diese Frage überging ich. »Ich habe die Polizei verständigt. Die kommen demnächst.«

»Das wird die Dreharbeiten aufhalten.«

»Vielleicht nicht sehr«, antwortete ich.

»Und Ihre Nachtwache? Anders. Wo war der?«

Gute Frage. »Er scheint nicht an Bord zu sein.«

Auf diesen Satz stürzte er sich gleich. »Glauben Sie, dass Anders was mit der Gewalttat zu schaffen hatte?«

Ich hatte es bisher nicht als Gewalttat gesehen. Maree war gestolpert, hingefallen und schwer mit dem Kopf aufgeschlagen. An Kopfverletzungen konnte man sterben. Alain. Der Mastbaum schwingt herüber, hebt sich mit einem Knarren, dann mit einem plötzlich tödlichen Schwung – ich unterdrückte die Erinnerung. »Ich bin mir völlig sicher, dass er nichts damit zu tun hat.« Anders war meine Wahl für den Posten des Maschinisten gewesen.

»Ich kenne seinen Vater«, sagte Mr Berg. Klar, über seine norwegischen Seilschaften. »Und Sie halten mich bitte auf dem Laufenden, wie sich die Dinge entwickeln.«

»Jawohl, Sir.«

Ich zögerte keine Sekunde und rief Ted, den Regisseur des Films, an. Denn ich wusste, dass er und sein Chefkameramann die vergangene Nacht auf Ronas Hill verbringen wollten, um zu filmen, wie die Sonne kurz ins Meer taucht und dann gleich wieder aufgeht. Sie brauchten die Aufnahme für das Filmplakat. Über den westlichen Horizont des Meeres wollten sie Favelles Gesicht legen. Nach zweimal Klingeln hörte ich seine Stimme.

»Cass?«

»Ted, es … ist … hier … ein … Unfall … geschehen, an … Bord … der … Stormfugl. Maree ist tot.«

»Ich komme sofort rüber. Hast du die Polizei schon verständigt?«

»Ja«, antwortete ich. »Und Mr Berg.« Ich hielt inne. »Ich habe keine Namen genannt.«

»Danke, Cass. Bis gleich.«

Als ich mein Handy aufgeklappt hatte, stand auf dem Display die Meldung: 1 neue Nachricht. Absender unbekannt. Der Anruf, den ich gestern Abend ignoriert hatte. Jetzt hörte ich ihn mir an und erhielt eine Nachricht von einer Toten. »Müssen reden. Komme zum Schiff. Maree.«

Ein Welle von Schuldgefühlen schwappte über mich hinweg. Ich hätte den Anruf annehmen sollen, anstatt der Welt zu sagen, sie solle mich in Ruhe lassen. Maree war im Halbdunkel zu mir aufs Schiff gekommen, war gestolpert und hingefallen. All das wäre nicht passiert, wenn ich da gewesen wäre. Das war nun schon der zweite Tod, den ich verursacht hatte.

Ich hatte gerade mein Handy wieder eingesteckt, als unterhalb des Yachtklubs ein Auto knirschend über den Kies fuhr. Der energische ältere Herr, der ausstieg, war in Kindertagen mein Arzt gewesen. Er fühlte Maree den Puls und schüttelte den Kopf. »Tot. Was ist passiert, Cass?«

»Ich war nicht hier«, antwortete ich. »Ich nehme an, sie ist gestolpert und hingefallen.«

»Warst du das, die sie bewegt hat?«

»Nein«, erwiderte ich überrascht. »Ich habe nur am Hals nach ihrem Puls getastet.«

Er hob die Augen und schaute mich von der Seite an, senkte dann erneut den Blick. »Die Polizei muss sie genau so sehen, wie sie jetzt hier liegt.«

Ich spürte, wie mein Herz in der Stille pochte. »Ist sie nicht gestolpert und hingefallen?«

Er antwortete nicht, und dann fiel es mir auch auf. Sie konnte sehr wohl über die hochstehende Kante einer Planke gestolpert sein, aber dann hätte sie sich mit den Händen abfangen können, ehe sie längs hinschlug, und es hatte sie ja kein Metallmastbaum mit der Stärke einer Halse bei Windstärke 5 am Kopf getroffen und ihr den ungeschützten Schädel eingeschlagen, sondern sie war auf ein festes Holzdeck aufgeschlagen. Das hätte ihr höchstens eine Beule, ein blaues Auge, eine blutende Nase eingebracht, nicht aber den Tod.

Tod, das bedeutete Fragen und Verdächtigungen. »Können Sie uns genau sagen, was geschehen ist? Woher wissen Sie, wie hoch die Windgeschwindigkeit war? Wer trug zu diesem Zeitpunkt die Verantwortung auf dem Schiff?«

Wir steckten alle tiefer in Schwierigkeiten, als ich gedacht hatte.

Dann hörten wir das erste Polizeiauto, dessen Motorgeräusch über das Wasser herüberhallte. Es raste nach Norden über die vierspurige Straße, bremste, um durch das Städtchen Brae zu fahren, und beschleunigte anschließend auf der geraden Straße nach Westen zum Yachtklub wieder. Schon bald wimmelte es am Pier von Polizisten, die den gesamten Bereich mit blau-weißem Tatortband absperrten. Es sah so aus, als dürften sie nichts berühren, ehe nicht das Team von der Spurensicherung und der Inspektor aus Inverness angekommen waren.

Sergeant Peterson nahm mich zur Seite. Sie war jünger, als ich erwartet hätte, hatte blondes, straff zu einem Pferdeschwanz nach hinten gekämmtes Haar und die Augen einer Seejungfrau, eisgrün und völlig unbeeindruckt von aller menschlichen Torheit. Sie nahm mir das Handy ab. »Nur eine Vorsichtsmaßnahme, Madam.« Dann geleitete sie mich ins obere Stockwerk des Yachtklubs und machte mir eine Tasse Tee. »Der Inspektor wird Ihnen Fragen stellen wollen, Madam. Sie müssen wahrscheinlich leider ziemlich lange warten.«

»Das ist mein Boot da, neben dem Wikingerschiff«, sagte ich. »Ich könnte dort warten.«

Sie schüttelte den Kopf. »Wir wären Ihnen dankbar, wenn Sie hierbleiben, Madam.« Sie ging hinaus zu den Männern in den weißen Schutzanzügen, die gerade um die arme Maree herum ein Zelt errichteten, und ließ mich warten und warten. Zeit genug, um über die möglichen Folgen nachzudenken.

Zumindest verstand ich jetzt, was Maree mitten in der Nacht an Bord der Stormfugl zu suchen gehabt hatte. Sie war an den Pontons entlanggekommen, wo normalerweise die Chalida lag, hatte den leeren Liegeplatz gesehen und gewusst, dass ich aufs Meer hinausgefahren war. Sie hatte sich wohl nicht lange draußen am Kai aufgehalten, sondern war auf dem Weg in die Kajüte auf der Stormfugl gewesen, um dort ungesehen zu warten, diskret bis zum Ende, bis jemand an Bord gekommen war und sie umgebracht hatte. Anders war verschwunden, aber warum sollte Anders Maree etwas antun wollen?

Warum sollte überhaupt irgendjemand Maree etwas antun wollen?

Schließlich nahm ich mir eine der Erste-Hilfe-Decken des Yachtklubs, legte mich auf das Sofa beim Fenster, sprach ein Gebet für Maree und schloss die Augen. Ich schlief allerdings nicht tief. Ich bin wohl alle zehn Minuten wieder aufgewacht, und jedes Mal erinnerte ich mich zu meinem Entsetzen erneut daran, dass Maree tot war. Autos kamen an und fuhren weg. Die Leute draußen sprachen in ihre Funkgeräte. Beim Gezeitenwechsel wachte ich auf, hörte Ted protestieren, dann eine gemurmelte Antwort, und schaute aus dem Fenster. Seine weiße Limousine parkte mit offener Fahrertür am Eingang zum Yachthafen. Er versuchte eine undurchdringliche Mauer von Polizisten dazu zu überreden, ihn durchzulassen. Ich konnte ihnen die Antwort von den Lippen ablesen. »Nicht ehe der Inspektor da ist. Tut uns leid, Sir. Die Identifizierung kann warten. Tut uns wirklich leid, Sir, so sind unsere Anweisungen. Wenn Sie bitte hineingehen und dort warten möchten, Sir.«

Sie führten ihn aus meiner Sichtweite ins Klubgebäude. Ich hörte auf der anderen Seite der Trennwand Stühle über den Boden scharren.

Zumindest war nun ein bisschen Bewegung in den Yachtklub gekommen, ein plötzlicher Ansturm von Stimmen war zu vernehmen. Anders, der verdutzt und ausweichend antwortete. Dann waren Schritte auf der Treppe zu hören, die Tür ging auf, und ein Beamter führte Anders herein.

Er war offensichtlich gerade erst unter der Dusche gewesen. Sein silberblondes Haar war dunkel vor Nässe und glatt gekämmt, sein sonnengebräuntes Gesicht glänzte über dem gepflegten Bart. Er sah mir bestürzt in die Augen, schaute dann an mir vorbei aus dem Fenster. Seine Augen weiteten sich, als er die Autos, das Absperrband und die Polizeibeamten erblickte. Dann bemerkte er den auf dem Deck ausgestreckten Leichnam, und seine Gesichtszüge entgleisten. In einem Schwall von Norwegisch fragte er mich: »Cass, was ist hier los?«

Der Polizist ging dazwischen. »Bitte nicht reden, Sir. Wir müssen Sie leider bitten, hier zu warten, bis die Beamten aus Inverness eingetroffen sind. Möchten Sie in der Zwischenzeit einen Kaffee?«

Anders nickte, trat zu mir ans Fenster und ließ sich mühsam wie ein alter Mann zwei Meter von mir entfernt auf dem Sofa nieder. Er schaute mir wieder voller Entsetzen in die Augen, dann erneut zu unserem Schiff. Wie reimte sich das alles zusammen? Wo war er gewesen, wenn er nicht über die Einfahrt des Yachtklubs gekommen war und einen Panoramablick auf die Szene gehabt hatte? Antwort: Der einzige Ort, an dem er nichts von dem Geschehen mitgekriegt haben konnte, war das fensterlose Untergeschoss des Klubhauses. Er hatte anscheinend in der Dusche geschlafen.

Draußen hatte sich die See allmählich von der betonierten Helling zurückgezogen und kroch nun langsam weiter zurück. Endlich entstand unten Geschäftigkeit und Bewegung. Der Beamte blickte auf. »Die Leute aus Inverness sind da. Jetzt dauert es nicht mehr lange.«

Wir schauten nach unten auf die Personen, die aus dem Auto stiegen. Die eine war ein Mann Mitte dreißig; mir fiel ganz besonders seine Aura aufmerksamer Wachheit auf. Er wirkte wie ein Seeadler auf dem Horst hoch auf einer Klippe, der dennoch jeden Vogel sah, der vorüberflog, und jeden Fisch, der an die Oberfläche kam. Dieser Mann stand am Fuß des Landungsstegs und schaute nur. Doch plötzlich schien sich die ganze geschäftige Szene um seine Reglosigkeit zu konzentrieren. Er stand wohl gute zehn Minuten da, unbeweglich inmitten des Getriebes ringsum, und schaute einfach nur. Hinter ihm zuckten zwei Ortspolizisten abfällig die Schultern. Ich lächelte vor mich hin. Die würden das schon noch kapieren. Solange dieser Mann hier das Sagen hatte, würde es keine Mätzchen geben.

Endlich bewegte er sich, trat hinter dem Polizeiauto hervor. Erst da begriff ich, was der andere Grund für das abfällige Schulterzucken war: Der Mann trug einen Kilt. Die Bewohner von Shetland waren eher Wikinger als Schotten, und daher war der Kilt hier oben nur ein importiertes Kleidungsstück für Hochzeiten. Er wurde mit kunstvoll gestrickten Socken, Zierdolchen und Felltaschen mit weißen Fransen in Verbindung gebracht, Dingen, die der männliche Bewohner von Shetland allesamt mit Verachtung strafte, dessen traditionelle Tracht eher aus einem Overall und Gummistiefeln bestand.

Endlich wandte sich der Mann aus Inverness zurück zum Klubhaus. Eine Kamera blitzte auf, und vier Gestalten in Raumfahrtanzügen traten vor, ein weißer Ring bildete sich um Marees reglose Gestalt. Sergeant Peterson redete mit dem Inspektor; der schaute zu den Fenstern des Klubhauses hinauf und schlenderte auf die untere Tür zu. Ich hörte leichte, gleichmäßige Schritte auf der Treppe, und dann kam er herein.

Er war nicht sonderlich groß, eins siebzig oder zweiundsiebzig, und kompakt gebaut; seine schmale Gestalt strahlte Kraft aus. Er war sonnengebräunt – nein, wettergegerbt. Seine Haut war die eines Mannes, der sich lieber draußen als drinnen aufhielt. Er hatte rötliches Haar, das so lang war, dass es sich ihm um die Ohren kräuselte und ihm auf dem Kopf in die Höhe stand, als hätte er die Angewohnheit, sich ständig mit der Hand hindurchzufahren. Seine Nase war ein wenig schief, als wäre er in seiner Jugend ein paarmal zu oft vom Baum gefallen. Sein Kilt war keine schicke Hochzeitskluft, sondern eher nüchterne Arbeitskleidung mit einem der gedeckteren grünen Karomuster und einem schlichten Ledersporran. Ich hätte wetten können, dass er darin ein Klappmesser aufbewahrte, eines mit einem Holzgriff und vielen Gebrauchsscharten. Der oberste Hemdknopf stand offen, weil er fehlte, und die Ellbogen seiner grünen Tweedjacke waren ausgebeult. Wäre er nicht Polizist gewesen, so hätte ich ihn gleich gemocht: Er wäre ein verlässlicher Wachleiter an Bord.

Nach zwei Schritten blieb er im Raum stehen und schaute sich lange und langsam um, als vergliche er ihn mit seinem eigenen Zimmer und notierte sich in Gedanken, was er übernehmen würde, wenn er wieder dorthin zurückgekehrt war. Er bemerkte die Seekarte von Busta Voe1, die auf den Boden gedruckt war, und ging mit ernster Miene darum herum. »Wir sind hier, nicht?« Sein Akzent war reinstes Hochland, dieser leicht zischende Singsang, der sich am Ende der Frage senkende Tonfall, den man nur westlich von Inverness zu hören bekommt. Eine gebräunte Hand deutete auf einen Punkt. Sergeant Peterson trat vor.

»Der Klub ist hier, Sir, am oberen Ende des Voe.«

»Aye, aye.« Er nickte vor sich hin, ging dann zur Bar, um die Whiskys hinter dem Gitter zu inspizieren. »Tallisker, Highland Park, Scapa Flow. Nicht schlecht, nicht schlecht.«

Sergeant Peterson räusperte sich mit kaum gezügelter Ungeduld. »Ms Lynch, Sir, und Mr Johansen.«

Der Inspektor drehte sich um und musterte uns gründlich mit verstörend weit geöffneten Augen, ehrlichen Augen, die meergrau leuchteten. Ich starrte zurück, ungläubig und plötzlich schmerzlich berührt, nicht einmal mehr zu einem Nicken fähig.

Dieser Mann hatte Alains Augen.

Der Inspektor nickte wieder vor sich hin. »Also, Sie sind wohl der Kapitän dieses Schiffs. Ich bin Detective Inspector Macrae aus Inverness.« Er schüttelte mir fest die Hand. »Cassandra Lynch. O nein, Cassandre.« Er sprach es richtig aus, wie im Französischen. »Als Erstes müssen wir einmal eine Vorstellung davon bekommen, wer das arme Mädel ist, das da draußen liegt. Können Sie uns da helfen?«

»Sie ist die Schauspielerin, die letzte Woche das Double für Favelle war.« Ich würde es Ted überlassen, falls nötig, weitere Einzelheiten beizusteuern. »Maree Baker.«

Ich spürte mehr, als ich sah, wie mich Anders verdutzt anschaute. »Maree Baker«, wiederholte der Inspektor. »Sergeant, sehen Sie mal, was Sie herausfinden können.«

»M-a-r-e-e«, buchstabierte ich. Sergeant Peterson schrieb es in ihr Notizbuch und ging fort.

»Vielen Dank, Ms Lynch. Da haben wir schon mal einen Anfang. Mr Johansen, wenn Sie bitte mit meinem Kollegen Inspektor Hutchinson gehen würden. Der nimmt Ihre Aussage auf.«

Anders warf mir einen Blick zu, den ich nicht ganz deuten konnte, irgendwas zwischen Verwunderung und Warnung, und folgte dann dem Beamten wie ein Mann, der gleich über Bord geworfen werden soll. Detective Inspector Macrae schlug das übliche schwarze Notizbuch auf. Darin stand mit dunkelblauer Tinte in Krakelschrift: Alter 29 Jahre, Vater Dermot Lynch, früher Sullom Voe, Geschäftsführer Shetland Eco-Energy. Er beobachtete mich, wie ich die Seite ganz bis unten las. Mutter Eugénie Delafauve. Opernsängerin. Frankreich.

Maman. Spezialistin für Rameau, den Komponisten aus dem 17. Jahrhundert. Auftritte in griechischen Kostümen, begleitet von Originalinstrumenten, aufgeführt vor kleinem Publikum in erlesenen Châteaus.

In Shetland aufgewachsen. Seglerin. Frankreich mit Mutter. Weggelaufen.

Das war eine Kombination aus Glück und Planung gewesen. Die Windjammer segelten von La Rochelle nach Edinburgh. Ich hatte mein Konto halb abgeräumt, um eine Koje als Azubi an Bord eines russischen Segelschiffs zu ergattern. Ich fuhr mit dem Zug nach La Rochelle. Meer. Schottischer Boden. Zuflucht.

Macrae nahm das Notizbuch in die Hand, blätterte eine Seite um. »Sie haben damals angeführt, Sie wären sechzehn Jahre alt und damit in Schottland im Gegensatz zu Frankreich bereits volljährig. Sie hatten einen britischen Pass, und die schottische Polizei konnte Sie nicht zum Umkehren überreden. Ende dieser Akte.« Er schaute wieder auf die Notizen, die ich nicht sehen konnte, und ich machte mich auf den nächsten Schritt gefasst. Alains Tod auf einer Yacht, auf halbem Weg über den Atlantik. Aber er gab keinen Kommentar dazu ab, nickte nur noch einmal, klappte das Notizbuch zu und steckte es wieder in seine Kilttasche. »Da wären Sie also wieder, damals als Teenager ausgerissen und jetzt Skipper des Wikingerboots einer Filmgesellschaft. Ergänzen Sie mir bitte die Lücken in der Zwischenzeit.«

»Jobs«, antwortete ich. »Im Sommer einfach jeder Job mit Segeln, den ich kriegen konnte. Mannschaft beim Überführen von Schiffen.« Ich hatte gebettelt und geblufft und auch mit Leuten geschlafen, um mir einen Platz an Bord von Yachten und Gaffeln und Segelschulschiffen zu ergattern. »Im Winter Arbeit in Supermärkten. Oder als Kellnerin. Ich habe mich durch alle Kurse der RYA2 hochgearbeitet, und so habe ich auch Jobs in Segelschulen im Mittelmeer bekommen. Dann habe ich meine erste Atlantiküberquerung gemacht.« Wir waren auf dem Rückweg gewesen, als Alain gestorben war. Wenn Macrae nicht darüber reden wollte, dann war mir das mehr als recht.

Er nickte, als wäre es eine völlig normale Berufslaufbahn, auf Segelbooten zu arbeiten, schaute dann wieder in seine Papiere. »Es geht hier das Gerücht, dass Sie den Job für die Ausstattung dieses Wikingerschiffs über Ihren Vater bekommen haben. Erzählen Sie mir etwas darüber.«

Es kostete mich große Mühe, das mit einem Schulterzucken abzutun. »Das stimmt nicht ganz. Ich habe in Bergen gearbeitet und dort die Direktoren des norwegischen Unternehmens kennengelernt, das den Film finanziert.«

Kennengelernt, das stimmte nicht ganz. Ich hatte als Kellnerin in einem ziemlich noblen Restaurant in einer der Hauptgeschäftsstraßen von Bergen gearbeitet. Dort wurden Touristen und wohlhabende Einheimische nach allen Regeln der Kunst bedient. Es war ein Donnerstagabend und nicht viel los. Also konnte ich den drei norwegischen Geschäftsleuten am Tisch neben dem Kachelofen meine ganze Aufmerksamkeit widmen, besonders als sie anfingen, über die Stormfugl zu reden.

Ich wusste natürlich von dem Schiff. Es war eine genaue Nachbildung des größten Grabschiffs, des Gokstadschiffs. Vor drei Jahren hatte man es rekonstruiert, um zu beweisen, dass Leif Erikson problemlos bis Amerika gesegelt sein konnte. Er hätte es schaffen können; aber die neuzeitlichen Wikinger gerieten vor Shetland in schlechtes Wetter, die Stormfugl wurde an den Strand geweht, und das ganze Projekt wurde auf Eis gelegt.

Shetland. Etwas zerrte an meinem Herzen, als hinge ich wie ein Fisch an der Angel.

»Es gibt natürlich in Amerika noch eine Nachbildung«, sagte der Jüngste von den dreien. Der Älteste, ein Mann in den Fünfzigern mit einem Spitzbart im Stil von Francis Drake und einem schmalen, rosigen Gesicht, schüttelte den Kopf.

»Das amerikanische Schiff ist ein Kriegsschiff, ganz leicht und schnell. Niemand würde je glauben, dass man in einem so flachen Boot nach Amerika segeln kann. Die Stormfugl hat einen größeren Tiefgang. Sie ist ein Handelsschiff mit einem Halbdeck achtern und einer kleinen Kajüte. Außerdem sagt Ted, dass Shetland im Film gut auch als Norwegen, als Labrador und als Island durchgehen kann. Es wird billiger, meint er, und er sorgt schon dafür, dass alles echt aussieht.«

»Aber in welchem Zustand ist denn diese Stormfugl? Wie viel wird es kosten, sie wieder seetüchtig zu machen?«

Gutes Stichwort, dachte ich. »Entschuldigen Sie«, mischte ich mich ein. Sie warfen mir den ausdruckslos höflichen Blick zu, mit dem man eine Kellnerin bedenkt, die ein wichtiges Gespräch unterbricht, um mehr Brötchen oder Kaffee anzubieten. »Ich kann Ihnen ein bisschen was über die Stormfugl erzählen«, fuhr ich fort. »Sie ist nicht beschädigt worden, als sie auf Grund lief, zumindest nicht sehr. Sie wurde an einen guten Sandstrand geweht, und man hat sie gleich wieder flottgemacht. Sie war seither nur zwei Winter an Land im Freien, so dass der Regen dafür gesorgt hat, dass ihre Planken nicht geschrumpft sind. Man müsste das Gutachten eines Experten einholen, aber ich denke, dass das Schiff in Ordnung ist.«

Jetzt hatte ich ihre Aufmerksamkeit. Der jüngere Mann sah mich mit zusammengekniffenen Augen an.

»Was haben Sie denn mit Shetland zu tun, Ms …?«

»Ms Lynch«, sagte ich. Wenn es hier einen Job gab, würde ich ihn vielleicht ergattern, wenn ich ordentlich angab. »Ich bin da aufgewachsen, und mein Vater lebt immer noch dort. Ich kenne die Gewässer um Shetland gut. Ich bin Skipper für Yachten.« Ich schenkte ihnen ein leicht melancholisches Lächeln, charmant genug, um Interesse zu erregen, aber nicht so charmant, dass sie mich gleich als Doofchen abschrieben. »Natürlich nicht im Winter. Ich gehörte vor ein paar Jahren zur Mannschaft der Sea Stallion. Das ist das Wikingerschiff, das von Schweden nach Dublin gesegelt ist. Das und meine Beziehung zu Shetland haben mein Interesse an der Geschichte der Stormfugl geweckt.«

»Ms Lynch«, wiederholte der Bärtige so nachdenklich, dass bei mir alle Alarmglocken geschrillt hätten, wäre ich nicht so wild darauf gewesen, dass man mich für irgendeinen der Jobs anheuern würde. Er schaute mich scharf an, musterte mich. Ich hielt seinem Blick stand.

»Ich bin qualifizierter RYA Ocean Yachtmaster. Sie werden einen Skipper für Ihr Wikingerboot brauchen, wenn Sie an Bord drehen wollen. Sie benötigen auch jemanden, der die Reparaturen und Ausstattung in Shetland überwacht. Das könnte ich alles für Sie übernehmen. Ich kenne Leute, die diese Art von Arbeiten machen, zuverlässige Leute.«

Es gab die typische lange Pause, und dann lächelte der Älteste. »Ms Lynch, im Augenblick sehen Sie nicht gerade wie ein Skipper aus. Warum servieren Sie nicht erst einmal ab und bringen uns unseren Kaffee, und dann …« Er fischte seine Brieftasche hervor und zog eine Visitenkarte heraus. »Das ist meine Firma, Berg Productions Limited. Kommen Sie morgen um zehn, und dann können wir über Ihre Qualifikationen sprechen.«

Es war eigentlich keine günstige Woche, denn die silberne Scheibe des Mondes nahm zurzeit ab, aber zumindest strömte das Meer gerade in den Bergen-Kanal. Einlaufende Flut, das war schon ein besseres Omen. Ich war um zehn vor zehn vor Ort, mit all meinen RYA-Ausweisen in ihren Plastikhüllen, mit Zeugnissen von einigen Unternehmen in der Karibik. Ich wurde in Mr Bergs Büro geführt, das eine Sinfonie aus Perlgrau und Elfenbein war. Schon allein der dicke Flor des Teppichs, über den ich watete, verriet mir, dass es hier um Riesenbeträge ging. Wenn ich nicht direkt vor dem Mann selbst gestanden hätte, ich hätte kehrtgemacht und wäre abgehauen, aber wer nicht wagt, der nicht gewinnt, auch keinen Skipperposten. Ich straffte also die Schultern in meinem besten Marineblazer und hoffte, dass mein Zopf noch ordentlich geflochten war.

Mr Berg deutete auf einen Sessel. »Ich möchte Ihnen erst etwas mehr über dieses Projekt erzählen, Ms Lynch. Der Film handelt von Gudrid, der ersten Europäerin, die Amerika erreicht hat, der Schwägerin von Leif Erikson. Wir sind einer der Geldgeber. Favelle Baker spielt die Gudrid, und ihr Ehemann Ted Tarrant führt Regie.«

Das war ganz großes Kino. Ted und Favelle waren eines der Traumpaare von Hollywood. Favelle war bereits ein Kinderstar gewesen, und Ted hatte in ihrem ersten Teenagerfilm die männliche Hauptrolle gespielt. Es war Liebe auf den ersten Blick gewesen. Sie hatten zwischen zwei Filmen geheiratet, dann noch zwei miteinander gedreht. Schließlich hatte Ted vom Schauspiel zur Regie gewechselt, hatte eine Reihe umweltbewusster Filme gedreht, in denen sich Favelle als kampflustige Aktivistin zum Wohl des Planeten mit den Großunternehmen anlegte. Mich hatte besonders der Greenpeace-Film beeindruckt, in dem sie es speziell auf die Ölgesellschaften und Fischer abgesehen hatte, die unsere Meere zu Wüsten machen. Die Art, wie sie in dem Streifen durch die Takelage turnte und in superschnelle Schlauchboote stieg und wieder herauskletterte, vermittelte mir das Gefühl, dass sie eine Frau ganz nach meinem Herzen war.

Außerdem war Tarrant der Schwarm meiner Teenagerjahre gewesen. Ehe er romantische Hauptrollen übernahm, hatte er in einem Mantel-und-Degen-Film über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg den John Paul Jones gespielt, einen der größten Seefahrer der Welt. Daraus hatten sich für ihn Rollen in einer ganzen Reihe von Filmbiografien ergeben: als Leichtathlet in einer Nebenrolle in einem Film über Roger Bannister, in einem Film über Kricket und in einem, in dem er einen Radfahrer spielt, der um die ganze Welt radelt. Die Presse behauptete, er hätte alle Stunts selbst gemacht. Es wäre wunderbar, ihn kennenzulernen.

»Natürlich«, fuhr Mr Berg fort, »wird der größte Teil des Films in Norwegen gedreht, aber Mr Tarrant ist sehr darauf erpicht, Shetland als Drehort für die Segelszenen zu benutzen. Favelle soll nämlich Werbung für euer grünes Energieunternehmen machen, Shetland Eco-Energy. Da wir ohnehin Geschäftsbeziehungen dorthin haben, erledigen wir das gern mit. Aber das wissen Sie sicher alles schon – es hat Einwände gegen den geplanten Windpark gegeben. Favelle soll dafür werben, wie wichtig erneuerbare Energie ist.«

Davon hatte ich noch nie was gehört. Ich nickte und versuchte so zu schauen, als unterhielte ich mich bereits beim Frühstück über Windparks.

»Deswegen brauchen wir ein Wikingerschiff, das bereits in Shetland liegt. Wenn die Stormfugl tauglich ist, dann bekommt Mr Tarrant die Außenaufnahmen, die er haben will, und wir sparen viel Zeit und Geld. Ihre Aufgabe wäre jetzt Folgendes: Sie heuern die nötige Rumpfmannschaft an, um das Schiff auszustatten, stellen später weitere Leute als Ruderer ein und sind während der Dreharbeiten für das Segeln verantwortlich.«

Nach einer Pause sah er mich geradewegs an. »Und jetzt erzählen Sie mir, warum Sie glauben, dass Sie das können.«

Ich wusste, dass ich es konnte, und dieses Wissen verlieh mir Selbstvertrauen. Diesmal war Fortuna auf der Seite der Tüchtigen, abnehmender Mond hin oder her. Am Ende des Gesprächs hatte ich mein erstes Kommando auf einem Schiff.

Wäre ich allein gewesen, so hätte ich auf dem dicken elfenbeinfarbenen Teppich ein Rad geschlagen. So lächelte ich nur, bedankte mich bei Mr Berg und ging sittsam auf die Straße, grinste erst übers ganze Gesicht, als ich sicher draußen vor der Tür stand. Ich wollte singen und rufen und feiern. Im nächsten Supermarkt kaufte ich ein Bitter Lemon und trank es gleich aus. Dann zog ich mein Handy heraus. Kontakte, Anders, auswählen. Als es klingelte, konnte ich ihn geradezu vor mir sehen: sehr ernst, in seinem grünen Overall, mit einem Ölfleck auf der rechten Wange, einem Schraubenschlüssel in der linken Hand, wie er an den Knöpfen des Handys herumfummelte.

»Goddag

»Anders? Hier ist Cass.«

Er war in der Werkstatt seines Vaters in Bildøy gleich hinter dem Ponton, wo die Chalida vor Anker lag. Hinter ihm dröhnte und schepperte es. »Yo, Cass.«

»Können wir uns heute Abend nach der Arbeit bei der Chalida treffen? Ich habe einen Job für dich.«

Anders dachte nur an das Eine. »Wieder was mit deiner Einspritzanlage?«

»Viel aufregender. Ich erzähl’s dir, wenn wir uns sehen. Tschüs.«

Mr Berg wollte, dass ich so schnell wie möglich nach Shetland ging und ihm einen vollständigen Bericht darüber lieferte, was zu tun war. Ich würde keinesfalls fliegen, wenn die Chalida mit gesicherten Segeln an ihrem Liegeplatz wartete. Im Restaurant mussten sie damit leben, dass ich ihnen mit nur drei Tagen Vorwarnung kündigte. Falls Anders es möglich machen konnte und der Wetterbericht so blieb, würden wir am Mittwoch in See stechen.

Shetland. Alain. Wenn er mich als Gespenst heimsuchen würde, dann dort.

Doch daran wollte ich nicht denken, auch nicht an meinen Dad oder an das Zuhause, das ich vierzehn Jahre nicht gesehen hatte. Ich würde im Triumph als Skipper des Langschiffs in einem wichtigen Film zurückkehren.

Mein Herz sang auf dem ganzen Weg nach Bildøy. Ich würde ein Schiff befehligen. Ganz egal, ob es der Nachbau eines Wikingerschiffs war, der havariert hatte und den man verlassen hatte. Die Stormfugl war der Beweis, dass ich es konnte. Superyachten im Mittelmeer, Yachten, die in die Karibik überführt wurden, Skipper auf Charterschiffen in Australien und Neuseeland, jetzt würde ich für all diese Aufgaben in Frage kommen.

Im Yachthafen war keine Spur von Anders zu sehen. Ich schloss die Tür zum Niedergang der Chalida auf und stieg die vier Stufen in meine kleine Welt hinunter, diesen acht Meter langen Fiberglasrumpf, der bis zur Fensterhöhe mit bernsteingelbem Holz getäfelt ist. Meine Augen lachten mir aus dem Spiegel mit dem Messingrahmen entgegen. Mamans wohlgeformte französische Wangenknochen, Dads stures irisches Kinn. Dads Locken in Mamans schimmerndem dunklem Haar. Mamans ebenmäßige Haut, vom Wetter zu Dads Sonnenbräune gegerbt. Die lange Narbe quer über die linke Wange war ein Vermächtnis von Alain. Nur die Sommersprossen, mit denen meine Nasenwurzel übersät war, gehörten mir ganz allein.

Ich hatte mich von Dads Wunsch befreit: Er wollte, dass ich wieder aufs College gehen und all die Qualifikationen nachholen sollte, die ich in Frankreich nicht erworben hatte. Ebenso von Mamans Wunsch: Sie wollte aus mir ein hübsches Mädchen machen. Jetzt würde ich zurückkehren, aber zu meinen Bedingungen.

Trotzdem wäre es mir lieber gewesen, es hätte die Stormfugl in Island an den Strand geweht.

Kapitel 2

Natürlich habe ich dem Inspektor das nicht alles erzählt. »Mr Berg war beeindruckt von meinen Qualifikationen und hat mir den Job gegeben«, sagte ich schließlich.

DI Macrae nickte. Dann herrschte Stille. Ich konnte seinen Blick förmlich auf mir spüren. Endlich zog er eine verdellte Blechdose aus seinem Sporran und klappte sie auf. Drinnen glitzerten Angelhaken, kleine Gewichte und eine Rolle durchsichtige Nylonschnur. Ungläubig schaute ich ihm dabei zu, wie er einen Haken und Gewichte auswählte, sie auf den Tisch legte, die Angelschnur aus der Dose nahm und diese dann wieder wegsteckte. »Erzählen Sie mir von Ihrer Mannschaft auf diesem Wikingerschiff.«

Seine Hände beschäftigen sich mit der Angelschnur, lenkten mich ab. Er hob die grauen und hellwachen Augen, wartete auf meine Antwort. Ich wandte den Blick von den geschickten sonnenbraunen Fingern.

»Der Maschinist heißt Anders Johansen und ist mit mir aus Norwegen rübergekommen.«

»Sie haben einen Motor auf dem Langschiff?« Um die Augen, die Alains Augen so sehr ähnelten, bildeten sich kleine Fältchen, als er lächelte. Ich hätte am liebsten ein Protestgeheul ausgestoßen. »Das ist aber doch nicht gerade authentisch, oder?«

Großer Gott, ich würde mich doch nicht von einem Gespenst aus der Fassung bringen lassen. »Nicht authentisch, aber sicherer«, erwiderte ich. »Darin war ich mir mit der Versicherungsgesellschaft einig.«

»Wie ist er denn so, dieser Mr Johansen?«

»Nicht sonderlich groß, etwa eins achtzig und kompakt gebaut«, antwortete ich. »Blondes Haar, Seemannsbart, blaue Augen, sehr attraktiv.«

»Ein Frauenheld?«

Ich prustete überrascht vor Lachen, als ich diesen altmodischen Ausdruck hörte. Genau das hatte Macrae beabsichtigt. Ich bemerkte ein zufriedenes Glitzern in seinen Augen. »Ja?«

Anders war meine Mannschaft, und die hatte ich gegen alle Außenstehenden in Schutz zu nehmen. Ich zuckte so aufreizend französisch mit den Schultern, wie ich nur konnte, so wie es sonst nur Eisenbahnangestellte und Hotelportiers machen, wenn sie eine Reservierung verschlampt oder keine Lust haben, danach zu suchen. DI Macrae nickte, als hätte ich etwas gesagt. »Warum haben Sie ihn eingestellt?«

Das war leicht. »Er ist ein guter Maschinist und ein begeisterter Segler.«

Wir hatten uns kennengelernt, als ich vor drei Jahren zum ersten Mal nach Norwegen kam. Der Motor der Chalida hatte angefangen merkwürdige Klopfgeräusche zu machen. Ich versuchte ihn zunächst selbst mit ein paar einfachen Handgriffen zu reparieren, musste mir aber schließlich eingestehen, dass hier ein Profi nötig war, und ging damit zur Werft der Johansens. Anders hatte den Motor repariert, zu einem vernünftigen Preis und so gründlich, dass nie wieder Probleme auftraten. Am meisten beeindruckte mich, dass er davon ausging, es würde mich interessieren, was kaputt gewesen war. Danach war ich mit allen mechanischen Problemen zu ihm gegangen, hatte bei den Arbeiten als zweiter Maschinist assistiert und Anders mit einem Törn zwischen den Inseln hindurch und auf die Nordsee hinaus belohnt. Er bekam Geschmack am Segeln und bestand sehr zur Entrüstung seines Vaters die theoretischen Prüfungen für den Day Skipper und Yachtmaster und war nun immer darauf aus, weitere Seemeilen für seine praktische Prüfung zu sammeln. Ich hoffte, dass er die Gelegenheit einer Überfahrt nach Shetland begeistert beim Schopf packen würde.

Ich wollte das Warten schon beinahe aufgeben, als ich spürte, dass die Chalida unter Schritten auf dem Ponton zu schaukeln begann. Ich schaute hinaus und sah Anders näher kommen. Sein blondes Haar war unter einer dunklen Mütze verborgen, und er trug noch seinen grünen Overall. Er blieb beim Cockpit stehen. Ich sah, wie sich an seiner rechten Schulter etwas bewegte, und dann tauchte eine schnuppernde rosa Nase auf: die zahme Ratte, die ihn überallhin begleitete. Ich hatte überhaupt nichts gegen Ratte, wie er sie schlicht nannte. Abgesehen von ihrem höchst bedauerlichen Umgang mit Schiffszwieback und von den Nestern, die sie in den Segeln zu bauen pflegte, machte sie weitaus weniger Umstände als ein Hund. Ich schloss die hölzerne Tür zum Niedergang der Chalida auf.

»Hi, Anders. Was ist denn da los, dass du so lange arbeitest?«

»Ein Fischerboot musste noch vor morgen fertig werden.« Er küsste mich im besten französischen Stil auf beide Wangen. Zu diesem Zeitpunkt wären die meisten anderen Frauen bereits ans andere Ende des Zimmers geflohen. Ratte schnupperte an meiner Wange, sprang mir dann geschickt auf die Schulter. Danach kletterte sie an mir hinunter, den Schwanz aufgestellt, um das Gleichgewicht zu halten, und machte sich daran, die Kielräume zu untersuchen. Die weißen Stellen in ihrem Fell würde sie sich dabei ziemlich mit Öl verschmieren, aber das war Anders’ Problem.

»Also, schöne Cass, wie geht’s?« Einem Franzosen hätte man vielleicht belle Cassandre durchgehen lassen, aber auf Norwegisch klang es einfach irgendwie ungut, als führe ein Schiff quer zur Tide. Dann gewann aber der Fachidiot in Anders Oberwasser. »Du hast doch gesagt, es geht nicht wieder um die Einspritzanlage.«

»Ich habe einen Job«, antwortete ich. »Hast du Zeit für ein Gläschen zur Feier des Tages?«

»Ich habe immer Zeit für ein Gläschen«, erwiderte er grinsend. Er setzte sich auf das Sofa, das über die ganze Steuerbordseite der Chalida verlief, und lehnte seinen blonden Kopf so weit nach hinten an das Bücherregal, dass man seinen sonnengebräunten Hals bis zu den muskulösen Schultern sehen konnte. Was für eine Verschwendung! Ich stand auf, klappte den kleinen Tisch zwischen uns herunter und nahm zwei Gläser und die Flasche Port heraus.

»Die Chalida und ich brechen nach Shetland auf«, sagte ich. »Zweihundert Meilen lang nichts als See und Himmel.«

»Einhand?«

»Könnte die Werft ohne dich auskommen?«

»Jetzt schon, denn das Fischerboot ist fertig. Der nächste Job ist eine hölzerne Yacht, die ein neues Deck braucht. Dafür benötigt mein Vater keinen Maschinisten.« Nun glänzten seine Augen, all das pseudocoole Gerede war vorbei, und er war wieder sechsundzwanzig. »Zweihundert Meilen, und es fahren ja immer norwegische Schiffe hin und her. Dann fehlen mir also nur noch – Moment mal – siebenhundert Seemeilen.«

»Könnten die es auch bis Mitte Juni ohne dich aushalten?«

»Da bin ich mir nicht so sicher.« Er grinste und zeigte seine wunderschönen geraden Zähne. »Aber ich könnte es kaum so lange ohne Geld aushalten, Cass. Ratte muss schließlich was fressen.« Seine Sprache wurde wieder sehr blumig. Ich überlegte, ob er nachts wachlag und sich diese Komplimente ausdachte. »Nicht einmal für dich, meine schöne Cass, könnte ich das einrichten. Dann muss ich dich öfter zur Schlafenszeit besuchen, und du musst mich mit feinen Getränken begrüßen und das Haar offen tragen.«

Ich warf ihm einen tadelnden Große-Schwester-Blick zu, der ihn sofort wieder zum pragmatischen Denken zurückkehren ließ. »Es sei denn, du versuchst mich zu überreden. Was ist es denn für ein Job?«

»Ein bezahlter Job für eine Filmgesellschaft.« Seine Miene hellte sich auf. »Was würdest du davon halten, einen Motor in ein Wikingerschiff einzubauen?«

Jetzt leuchtete mehr echte Begeisterung aus seinen Augen, als er für mich aufgebracht hatte. »Wie groß ist das Schiff, Cass? Wie groß der Motor? Und soll er für den Hauptbetrieb oder als Hilfsaggregat benutzt werden? Wie schnell muss das Schiff fahren?«

»Es ist fünfundsiebzig Fuß lang, und wir brauchen keinen Turbo«, antwortete ich. »Es geht um eine Reichweite von fünfzehn Meilen bei sechs oder sieben Knoten. Der Schiffskörper sollte leicht anzutreiben sein.«

Er schnitt eine Grimasse, war nicht sonderlich beeindruckt. »Trotzdem sollte die Maschine stark genug sein, um uns aus schwierigen Situationen zu retten.« Ich hob Ratte vom Boden auf, ehe sie überall kleine ölige Abdrücke hinterließ, und setzte sie auf den Tisch. Dort inspizierte sie mit neugierig bebenden Barthaaren den Rest Portwein in Anders’ Glas.

Anders nahm ihr das Glas weg und überlegte, während seine Augen auf dem kleinen zweiflammigen Herd der Chalida ruhten. Ratte kletterte auf das Regal und begann ihre Barthaare zu putzen. »Da haben wir vielleicht genau das Richtige für dich. Im Augenblick liegt bei uns ein Schiff auf der Werft, dessen Motor gerade ausgetauscht wird – der alte ist noch gut, und den könnte ein Fischerboot nach Shetland bringen.«

»Ist das ein Ja?«

»Und Ratte kann natürlich auch mitkommen?«

»Für die bist ganz allein du verantwortlich«, antwortete ich. »Es werden aber keine Schiffszwiebacke geklaut, sie schläft nicht in der Spinnakertasche, und sie fällt nicht über Bord, und du erklärst den Leuten vom Zoll ihre Anwesenheit, sollten wir welche sehen.«

Anders erhob das Glas. »Auf den wunderschönen Skipper des Langschiffs. Ich nehme den Job an, und zwar mit größtem Vergnügen.«

Wir besiegelten es mit einem Handschlag. Seine Handfläche war klebrig vom Schmierfett. Etwas zu spät warf er mir einen entschuldigenden Blick zu und wischte die Hand an seinem Overall ab. »Wann brechen wir auf?«

»Sobald der Wind stimmt. Sobald wir können. Wir haben jede Menge zu tun, wenn wir bis Mitte Mai ein halbverfallenes Wikingerschiff auf Vordermann bringen sollen.«

Er stand auf. »Ich sage also meinem Vater, dass er bis dahin ohne mich auskommen muss. Ab übermorgen bin ich reisefertig – nein, nicht am Sonntag. Am Montag.«

»Danke«, sagte ich.

Er hob zum Gruß die Hand und schlurfte davon.

Eine Woche später brachen wir auf. Ich hatte die Zwischenzeit damit verbracht, jeden Zentimeter in der Takelage der Chalida zu überprüfen und die Vorräte für die Reise aufzufüllen. Anders kam am Vorabend an Bord, kurz nachdem ich von einer Messe mit Reisesegen in der Kathedrale zurückgekehrt war. Wir genehmigten uns zusammen Eier und Speck zum Abendessen und spielten im hellen Schein der Petroleumlampe halbherzig eine Partie Scrabble. Ein unberechenbarer Spieler, unser Anders; manchmal knallte er ein offensichtliches Wort aufs Brett, manchmal grübelte er mehrere Runden lang und arbeitete auf einen Coup hin, der ihm zigtausend Punkte einbrachte. Da kam wieder der Streber in ihm durch. Ich fragte mich, wie er wohl als Schachspieler war. Danach zogen er und Ratte sich in die Vorpiek zurück und richteten sich hinter ihrem Vorhang häuslich ein. Es war seltsam, noch jemanden an Bord zu haben. Ich lag eine Weile wach und lauschte auf Anders’ Atem und das Rascheln von Ratte, zwang mich dann aber einzuschlafen.

Wir fuhren gleich zu Beginn der Ebbe unter Motor aus dem Bergen-Kanal, nahmen danach Kurs beinahe genau in westliche Richtung auf die Mitte Shetlands. Die Chalida konnte fünf Knoten fahren, uns erwartete also eine 30-stündige Reise. Bei Tag hielten wir zweistündige Wachen, einer von uns war oben im Kalten, der andere war unter Deck in der Wärme und reichte Becher mit heißem Tee oder Kaffee hinauf. Dann ließen wir endgültig den letzten grauen Schneematsch in den Straßen Bergens und das neonbeleuchtete Geklapper des Restaurants hinter uns. Ich hatte wieder die Hand am Ruder der Chalida, den Wind im Gesicht, den Geruch des Salzes in der Nase und die große hellblaue Tellerscheibe der See rings um mich unter dem vom Winter angenagten Himmel, und mein Herz sang zum Murmeln des Wassers.

Kurz nach sechs Uhr abends kamen wir an der ersten Ölbohrplattform vorbei, die Sonne versank gerade in pfirsichgelbem und blassrosafarbenem Schein hinter dem Horizont. Anders übernahm die Wache zwischen Mitternacht und vier, während ich schlief, dann löste ich ihn ab. Ratte leistete mir noch eine Weile Gesellschaft, hatte sich mir wie ein pelziger Schal um den Hals gelegt, schnüffelte sich dann wieder zurück in ihr Nest aus Sägemehl in der Vorpiek. Rings um das glänzende Band der Milchstraße schimmerten die Sterne, über mir hingen gespenstisch die Segel, und unter dem Steven der Chalida erhoben sich steil die Wellen, um anschließend an ihrer breitesten Stelle strahlend weiß zu brechen. Wir segelten in die Dunkelheit hinein, bis endlich auf der gewölbten Schale des Meeres hinter uns der erste bleiche Schimmer zu sehen war. Als es heller wurde, machte ich allmählich einen schwachen Nebel am Horizont aus, der sich zu einer Form verdichtete, die dem Wikingerschiff, um das wir uns kümmern würden, nicht unähnlich war. Von hier aus schien Shetland eine einzige über hundert Meilen lange Insel zu sein, die sich im Süden zu den hohen Klippen von Sumburgh Head aufschwang und auch im Norden nach Hermaness hin wieder anstieg, während in der Mitte der schneebedeckte Kegel von Ronas Hill aufragte. Als Anders zum Frühstück mit einer Tasse Tee hochkam, bat ich ihn, die Leuchttürme zu identifizieren und auf meinem ziemlich primitiven Navigationssystem unseren Kurs zu überprüfen, während ich erneut die Tiden nachschaute. Zur Halbzeit der Tide war der Yell Sound nicht gerade ideal für eine kleine Yacht, aber es war der schnellste Weg hinüber zur Westseite.

»Wir liegen fast genau auf Kurs«, berichtete Anders. »So kommen wir exakt am richtigen Ort an, und wir haben noch dreißig Meilen. Sechs Stunden.«

»Halbzeit der Tide um drei«, sagte ich. »Genau richtig.«

Anders übernahm das Ruder. Ich machte jedem von uns ein Brötchen mit Speck, mit einer Extrascheibe Speck für Ratte, und ging dann wieder nach unten, um noch ein wenig Schlaf zu erhaschen. Das Wasser gurgelte neben meinem Ohr ein Schlaflied, aber diesmal beruhigte es mich nicht. Alain war auch aus Shetland gewesen, ein halber Franzose, genau wie ich. Sein Vater unterrichtete an der Mid Yell Junior High Französisch, und seine Mutter war in Shetland geboren und aufgewachsen und hatte einen kleinen Bauernhof im Süden von Yell. Ich hatte ihnen geschrieben, und ich hätte sie besuchen müssen, aber ich hatte nicht gewusst, was ich ihnen sagen sollte. Ich wusste es immer noch nicht. Vielleicht konnte ich einfach nur in der Nähe von Brae bleiben, gar nicht auf die anderen Inseln gehen und mich wegschleichen, ehe sie auch nur erfuhren, dass ich dort war.

Ja, klar doch.

Als ich aufwachte, hatten wir die Gewässer um Shetland erreicht. Ich bereitete uns jedem eine Tasse Suppe und ein Sandwich und ging dann nach oben, um mich umzuschauen. Die Skerries hatten wir bereits hinter uns gelassen, und die Landspitze von Henga Ness lag nun steuerbords vor unserem Bug. Die niedrigen, mit Heidekraut bewachsenen Berge waren zu einem dunklen Schokoladenbraun verwittert, mit tarnfarbenen Flecken in Rehbraun. Weiter unten verlief die Zeile der Cottages entlang der Küstenlinie. Jedes war mit Blick aufs Meer gebaut und hatte hinter dem Haus einen vertikalen Streifen Feld. Die neuere Straße führte oberhalb der Häuserzeile entlang und zum Geschäft hinunter, endete schließlich auf einem Hof mit einer Zapfsäule für die neuzeitlicheren Transportmittel. Der Strand glitzerte olivgrün vom Tang, den die Märzstürme hochgeschleudert hatten.

Wir fuhren im Ruhewasser unter Motor durch den Yell Sound, wichen geschickt den Hochgeschwindigkeitsfähren aus und begannen unsere lange Fahrt an North Roe entlang bis zur Spitze von Mainland. Jetzt achteten wir sorgfältig darauf, Abstand zu den von der Gischt geschwärzten Klippen zu halten, auf denen die Winterstürme Steinfelder aufgetürmt hatten und wo die Klippenmöwen sich in Paaren weiß vom Gras auf den Felsvorsprüngen abhoben, die das knubblige Vulkangestein durchschnitten. Sobald wir die letzte Klippe umrundet hatten, die vom Leuchtturm des Eshaness Light überragt wurde, hatten wir es beinahe nach Hause geschafft. Jetzt waren es nur noch acht Meilen schräg über die St Magnus Bay.

Unten drehte Anders am Radiogerät herum. Aus dem statischen Rauschen schälte sich allmählich eine Melodie für Solo-Fiddle heraus, eine jener traditionellen Weisen voller schmerzlicher Melancholie, die mich sofort wieder in die Welt zurückzogen, aus der man mich gerissen hatte, als Dad den Job am Persischen Golf angenommen hatte und ich zu Maman verfrachtet wurde. Oh, ich war durchaus in der Lage, mich mit meinen neuen französischen Klassenkameraden zu unterhalten, weil Maman stets darauf bestanden hatte, dass ich Französisch mit ihr sprach, aber zu sagen hatte ich ihnen nichts. Sie waren Landratten, und ich fühlte mich bei ihnen wie die Selkie-Frau3, die als Seehund in der Strömung gelebt hatte, plötzlich mit einem Erdling verheiratet war und mit den anderen Ehefrauen über Supermarktpreise und neue Sofas reden musste. Zunächst gab ich mir Mühe; in der Schule waren ein paar ziemlich gutaussehende Jungen, für die ich zu schwärmen vorgab, und mit den Mädchen war ich kurze Röckchen und Tops einkaufen gegangen, aber alle hatten irgendwie gewusst, dass ich mich nur verstellte. Sie konnten nicht verstehen, dass ich mich mit traurigem Herzen nach den Gezeiten sehnte, die in zerklüfteten Wellen an mir vorüberzogen, nach dem schmatzenden Geräusch der Brandung am Strand, nach dem verräterischen weißen Flattern am roten Klüver der Osprey. Als die Fiddle-Melodie zu Ende war und ich die Stimme der Sprecherin Mary Blance von Radio Shetland hörte, schwappte eine gewaltige Welle des Heimwehs über mich hinweg, und das Ufer, das sich vor uns im weiten Bogen in die Ferne schwang, verschwamm. Ich blinzelte die Tränen fort, ehe Anders sie sehen konnte, und schaltete mein Handy ein.

»Steht im Yachthafen-Buch eine Telefonnummer für Brae?«

Anders las sie vor, und ich tippte sie ein. Eine Shetland-Stimme begrüßte mich. Magnie, der einer meiner Segellehrer gewesen war. Ich musste lächeln und wechselte automatisch in den Dialekt meiner Muttersprache.

»Magnie, bist das du? Hier ist Cass, Cass Lynch, weißt schon noch? Ich komm heim. Gibt’s in deinem neuen Yachthafen ein Plätzchen für eine peerie4 Yacht, die den ganzen Weg von Norwegen gekommen ist?«

Er bellte vor Lachen. »Cass, Mädel, liebe Güte. Aus Norwegen, in dieser Jahreszeit? Yea, yea, wir finden ein Eckchen für dich. Wo bist du?«

»Komm grade auf Muckle Roe zu. Sind in zwei Stunden bei dir.«

»Ich steh dann schon mit den Leinen da und wart auf dich«, versprach er.

Ich legte das Telefon weg und bemerkte, dass Anders mich anstarrte. »Ist das der Dialekt von Shetland? Das klang, als würdest du Englisch mit einem norwegischen Akzent sprechen.«

»So was Ähnliches ist es ja auch«, stimmte ich ihm zu.

»Und was bedeutet peerie? Das kenne ich nicht.«

»Klein. Ein kleines Boot.« Ich schaltete den Autopilot ab und richtete den Bug der Chalida auf den Kanal aus, der an Vementry Isle vorbeiführt. Jetzt war ich in heimischen Gewässern, aber ich hob den Blick nicht zu dem Haus, in dem ich aufgewachsen war. Es waren in mir schon genug Erinnerungen wiedererwacht. Die Chalida glitt an der Insel vorüber und in die Bucht, die nach Brae führte, ein zwei Meilen langes umgedrehtes U mit einer Ansammlung grauer Dächer am Ende. Ich hätte mit verbundenen Augen zum Yachtklub segeln können. Magnie stand da am Ende des Pontons für Dinghis, prächtig herausgeputzt mit einem auffällig gemusterten Shetland-Pullover im alten Seemannsstil, mattblauer Hintergrund mit abwechselnden vertikalen Streifen aus Zopfmuster und Ankern in Weiß. Wir legten eine Pause ein, um das Großsegel zu raffen und den Klüver wegzurollen, nahmen Kurs auf die Einfahrt zum Yachthafen und glitten zu dem Liegeplatz, den er uns anzeigte.

»Willkommen daheim, Lass«, sagte Magnie, sobald wir die letzte Leine festgemacht hatten. »Wie geht’s, wie steht’s? Da hast du aber nen schnittigen jungen Mann mitgebracht.«

Ich stellte ihm Anders vor, wies ausdrücklich darauf hin, dass er ein Freund war, und versuchte den Wasserkessel aufzusetzen, aber Magnie wollte davon nichts wissen. Er hatte eine kleine Flasche Famous Grouse-Whisky in der Tasche. »Wir müssen doch einen drauf heben, dass du endlich heimkommst.«

Also quetschten wir uns alle drei in die Kajüte der Chalida. Magnie sah müder und verhärmter aus als früher. Ich hatte mir nie viele Gedanken über sein Alter gemacht, als er uns das Segeln beibrachte; er war eben einer von den Erwachsenen gewesen, also automatisch uralt. Jetzt tippte ich auf Anfang sechzig. Er hatte schlaffe Ringe unter den Augen, und seine Wangen waren zwar so rosig wie eh und je, aber weniger voll, und sein lockiges blondes Haar wirkte zerzauster. Doch seine ureigene gute Laune hatte er nicht verloren, und er war immer noch ein Mann, der es nie so eilig hatte, dass nicht Zeit für ein kleines Schwätzchen geblieben wäre. »Auf deine gute Gesundheit.« Er leerte sein halbes Glas Whisky in einem Zug und schenkte sich gleich noch einmal ein. Mir brannte der Whisky in der Kehle. Ich lehnte mich an das Holzregal der Chalida zurück und stieß einen tiefen Seufzer aus.

»Also, du bist rübergekommen, um das Kommando beim Wikingerschiff zu übernehmen«, meinte Magnie.

Ich war überrascht, hätte es aber besser wissen sollen. Magnie grinste übers ganze Gesicht und zeigte dabei ziemlich gelbe Zähne. »Hast wohl noch nicht vergessen, dass mein Bruder David auf der Lachsfarm in West Burrafirth arbeitet, wo das Schiff liegt?«

»Ah«, erwiderte ich.

»Ich wart schon drei Tage auf dich. Wusste ja nicht, dass du rübersegelst, hätt’s mir aber denken sollen.« Er versetzte Anders einen Rippenstoß. »Die ist nie über Land irgendwohin, wenn sie auch übers Meer hinkam, unsere Cass. Also, jetzt brauchst du wohl noch einen Schlüssel fürs Klubhaus.« Er kramte in seiner Tasche und reichte mir dann einen Schlüssel mit einem hölzernen Anhänger, auf dem MARINA 1 stand. »Wirst sehen, dass sich hier n bisschen was verändert hat. Wir hatten doch vor zwei, drei Jahren hier Inter Island Games, und da ist Geld in rauen Mengen geflossen für die Verbesserung unserer Einrichtungen. In den Umkleideräumen könntest du jetzt Bälle abhalten.«

»Heiße Duschen?«, erkundigte ich mich.

»Yea, yea. Sogar Fußbodenheizung. Jetzt lass ich euch in Ruhe. Richtet euch erst mal häuslich ein. Vielleicht kommst du später vorbei und erzählst mir, was es bei dir alles Neues gibt.«

»Mach ich«, versprach ich.

Er schwang sich über die Reling und hielt auf dem Ausleger der Pontons inne. Die Röte stieg ihm ins Gesicht, als er mit gestelzter Förmlichkeit sagte: »Es hat mir leidgetan, als ich das vom Tod deines Freundes gelesen habe. Das war eine schlimme Sache, wirklich schlimm.«

In seinem Gesicht und seiner Stimme lag keine Wertung, kein Verurteilung; so was passierte eben auf See. Plötzlich wurde mir klar, dass ich hier keine Angst haben musste, dass jemand meinen Namen mit diesem alten Bericht im Yachting Monthly oder den fetten Schlagzeilen der Regenbogenpresse in Verbindung bringen würde. Die Shetland Times hatte wahrscheinlich lediglich einen schlichten Bericht veröffentlicht, und alle in Shetland würden ihn gelesen haben. Ich konnte dem Thema nicht ausweichen oder so tun, als wäre die Geschichte jemand anders passiert. Einen Augenblick lang war dieser Gedanke furchterregend, dann befreiend, als hätte ich mich von einer Gezeitenströmung gelöst und könnte endlich frei segeln.

Magnie nickte mir zu, verabschiedete sich mit erhobener Hand von Anders und spazierte über den Ponton zu seinem Auto.

»Bei euch in Shetland gibt’s wohl kein Gesetz, das Fahren unter Alkohol verbietet, wie?«, erkundigte sich Anders, der zuschaute, wie der Wagen langsam den ansteigenden Kiesweg beim Klubhaus hochfuhr.

»O doch«, antwortete ich. »Nur nicht viele Polizisten.«

Kapitel 3

Über DI Macraes Schulter hinweg konnte ich sehen, dass es auf dem Pier nur so von Polizisten wimmelte. Ich hoffte, dass Magnie so lange untertauchen würde, bis er den Alkoholtest bestehen könnte. Es verstörte den Inspektor keineswegs, dass ich oft lange schwieg. Er hatte inzwischen seine Fliege fertiggebunden und hob die Angelschnur hoch, um den Haken schwingen zu lassen, überprüfte die Knoten im Gegenlicht, änderte dann seine Taktik. »Sie kommen anscheinend nicht besonders gut mit Ihrem Vater aus, stimmt’s?«

»Doch«, antwortete ich. »Ich war nur in letzter Zeit nicht in Shetland. Wir telefonieren regelmäßig miteinander.« Das würden meine Telefonrechnungen beweisen: zwanzig Minuten alle vierzehn Tage oder so.

»Also kommen Sie gut mit ihm aus.« Darauf antwortete ich nicht. Er wickelte sich eine Schlaufe um den Finger und zog sie straff. »Ich bin mir sicher, dass Sie ihn öfter zu sehen hoffen, solange Sie hier sind. Um die verlorenen Jahre wettzumachen.«

»Natürlich.«

»Aber in seinem Haus wollten Sie nicht wohnen? Im Frühling muss es auf dem Wasser doch recht kalt gewesen sein.«

Ich antwortete wieder mit meinem französischen Achselzucken. »Die Chalida ist mein Zuhause.«

Die nächsten paar Tage hatten wir damit verbracht, es uns in Shetland häuslich zu machen. Anders war von den Einrichtungen in Brae sehr beeindruckt. Brae war die Stadt, die am dichtesten an dem riesigen Ölterminal von Sullom Voe lag, und hatte folglich mehr als die meisten anderen davon profitiert. Man konnte noch erkennen, wo das ursprüngliche Dorf Brae am Ufer entlang verlief: einige kleine Cottages, viele bis beinahe zur Unkenntlichkeit erweitert und renoviert, das Pfarrhaus aus Naturstein neben der Kirche, ein großes Haus, das inzwischen eine Frühstückspension war, die alte Schule, aus der ein Nachbarschaftszentrum geworden war, und der frühere Pier, das Geschäft und das Postamt, die nun beide Wohnhäuser waren. Hinter der Straße, die in weitem Bogen um das alte Dorf führte, standen Holzhäuser im norwegischen Stil, die der Stadtverwaltung gehörten, und dann dehnte sich bis zu den Bergen eine Siedlung mit neuen Häusern aus, jenen kleinen Schachteln, die Brae den Spitznamen »Spielzeugstadt« eingebracht hatten. Die Bevölkerung war jetzt auf über tausend angewachsen, und es gab reichlich für sie zu tun.

Den Yachtklub hatte man ursprünglich für die Männer vom Wohnlager der Ölgesellschaft gebaut und dann dem Dorf geschenkt. Er stand ein wenig außerhalb des eigentlichen Dorfs, hinter der Biegung des U. In der Ortsmitte gab es das Freizeitzentrum mit einem Hallenbad mit 16-Meter-Becken, Fitness-Räumen, einer Turnhalle und Squashplätzen, daneben die neue Schule. Nun konnten die Kinder von Brae vom Kindergarten bis zur Universitätsreife alles unter einem Dach absolvieren. Oberhalb der Schule befanden sich noch das Pflegezentrum für Senioren und der Kunstrasen-Fußballplatz, praktischerweise gleich neben der Kneipe Mid Brae Inn. Der Ort hatte natürlich auch eine Feuerwache und eine Zweigstelle der Polizei. Und sogar die nördlichste Fish-and-Chips-Bude und den nördlichsten indischen Schnellimbiss Großbritanniens. Ich beschloss, beide während meines Aufenthalts zu testen.

Für alle, die lieber selbst kochen, sorgten zwei Läden, die Tankstelle und ein Coop, der von der Gemeinde geführt wurde. Ich machte mich auf den Weg zur Tankstelle, um dort die typischen Spezialitäten Shetlands zu kaufen, zum Beispiel die mürben Wasserkekse, die man mit Margarine und Schmelzkäse bestreicht, und die dicken Haferkekse von Voe und Clove-Rock-Zuckerstangen. Die junge Frau an der Kasse war neu, aber es stellte sich heraus, dass sie die kleine Schwester eines Mädchens war, mit dem ich in die Schule gegangen war, und die Chefin erinnerte sich noch gut an mich. Anschließend ging ich beim Brae Building Centre vorbei, wo es jedes Werkzeug und Heimwerkergerät zu kaufen gab, das das Männer- oder Frauenherz nur begehrt. Der Besitzer begrüßte mich, als wäre ich nie weg gewesen: »Na, Cass, jetzt kommt schon bald der Frühling, was?«

Ich lachte und nickte. »Eh du dich versiehst, sind die Shalder wieder da.«

Shalder nannte man in Shetland die Austernfischer, diese großen Watvögel mit dem orangefarbenen Schnabel und dem eleganten Frackgefieder. Ich wusste immer, dass es an der Zeit war, Bootslack zu kaufen, wenn ich das Piep, Piep dieser Vögel unten am Strand hörte.

»Mädel, die sind schon lange zurück«

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Mörderische Brandung" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

buchhandel.de

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen







Teilen