Logo weiterlesen.de
Midsommarhitze

image

1. KAPITEL

ENDLICH EINSAMKEIT

Lena hielt an und studierte noch einmal die E-Mail. Vor etwa zehn Kilometern hatte sie das beschriebene Gehöft hinter sich gelassen. Nun sollte sie die nächste Straße rechts nehmen. Als Straße hätte sie das nun wirklich nicht bezeichnet, aber weit und breit gab es keine andere Einmündung. Das musste es sein. Sie bog also in das ein, was man mit Wohlwollen noch als Wirtschaftsweg bezeichnen konnte, eine Schotterpiste mit Grasstreifen und Schlaglöchern, die tiefer in den Wald hineinführte.

Im Schritttempo rumpelte Lena zwischen sattgrünen Birken, Blaubeerbüschen und dicken Moospolstern hindurch.

„Ein Wunder, wenn ich mir hier nicht die Ölwanne aufreiße!“, fluchte sie, während sie dicht hinter der Windschutzscheibe klebte, um die Schlaglöcher rechtzeitig ausmachen zu können.

Sie wollte gerade aufgeben und umkehren, als sie erkannte, dass der Weg in einigen hundert Metern Entfernung eine Biegung machte, hinter der sich der Wald zu lichten schien.

Als sie um die Kurve kam, trat sie unwillkürlich aufs Bremspedal.

Der Anblick, der sich ihr bot, war unglaublich.

„Wow!“

Vor ihr lag, von Birken und Kiefern gesäumt, der See, so ruhig und unbewegt, dass sich die am Himmel hinwegsegelnden Schönwetterwölkchen auf seiner Oberfläche spiegelten. Einige Meter weiter, unweit vom Seeufer, entdeckte sie das Ferienhaus. Es sah genauso aus wie im Katalog. Der blassgelbe Anstrich leuchtete in der Sonne, und mit seinen hübschen weißen Fensterrahmen und dem schiefergedeckten Dach wirkte es wie aus einer Spielzeuglandschaft.

Ihre Laune besserte sich schlagartig, als sie das Auto die letzten paar Meter zur Auffahrt lenkte. Den Schlüssel hatte sie zuvor im Vermietungsbüro abgeholt und danach einen Supermarkt angesteuert, um sich zu bevorraten.

Sie beschloss, den Koffer und die Kiste mit den Lebensmitteln zunächst im Wagen zu lassen und sich das Haus anzusehen.

Gut gelaunt lief sie die Stufen zur Haustür hinauf und schloss auf. Das Haus war altmodisch, aber gemütlich eingerichtet. Die Eigentümer hatten lediglich die Küchengeräte modernisiert. Mit Wohlwollen registrierte Lena, dass es einen Geschirrspüler gab. Schließlich sollte sie hier rein gar nichts vom Schreiben ablenken. Unten gab es zwei Schlafräume, einer mit einem Queen Size Bett, einer mit einem Etagenbett.

Die braunen Ledersessel im Wohnzimmer waren zwar eine Beleidigung für das Auge, aber – wie Lena beim Testsitzen feststellte – irre bequem. Der ideale Platz, um es sich abends mit dem Laptop bequem zu machen. Da störten dann auch das hübschhässlich gemusterte Tischdeckchen und das angestaubte Stoffblumengesteck nur marginal.

Tagsüber, das war jetzt schon klar, würde sie ohnehin unter freiem Himmel schreiben. Auf dem kleinen Balkon oder auf der schattigen Terrasse – oder vielleicht direkt am Seeufer auf dem Steg.

Es war herrlich hier. Genau so hatte sie es sich gewünscht. Ruhig, abgeschieden, mitten in der Natur. Keiner, der ihr auf die Nerven ging, kein Partylärm, kein Kindergeschrei, keine dröhnenden LKW – keine komplizierten Beziehungskisten und emotionalen Dramen, sondern einfache Einsamkeit und Ruhe. Hier würde sie kreativ sein können wie nie. Schließlich saß ihr die Deadline für ihren neuen Erotikroman im Nacken, und zwei andere Projekte mussten überarbeitet werden. Ihr turbulentes Privatleben der letzten Monate hatte definitiv nicht dazu beigetragen, die Arbeitsmoral zu heben, und ihr Zeitmanagement erheblich durcheinandergebracht.

Im Obergeschoss fand Lena das dritte Schlafzimmer, das sie sich bereits im Katalog ausgesucht hatte. Es handelte sich um das Zimmer mit dem Balkon, in dem es ein großes, bequem aussehendes Doppelbett gab und einen Schaukelstuhl, den sie sicher auf den Balkon stellen konnte. Lena lächelte zufrieden, als sie sich ausmalte, wie sie mit dem Laptop auf den Knien gemütlich dort saß und über den See hinausblickte. Zum Glück gab es Fliegengitter vor den Balkontüren. So konnte sie bei geöffnetem Fenster schlafen, ohne von Mücken, Motten und sonstigem Getier heimgesucht zu werden. Ach, es war herrlich!

Als sie nach draußen trat, um das Gepäck aus dem Auto zu holen, beglückwünschte sie sich noch einmal zu ihrer Entscheidung, dem Berliner Großstadttrubel den Rücken gekehrt und sich in die schwedische Waldeinsamkeit geflüchtet zu haben. Womöglich hatte sie sich auch darum gedrückt, ein paar wichtige Entscheidungen zu treffen oder sich Gedanken zu machen. Doch vielleicht konnte sie mit etwas Abstand Klarheit darüber gewinnen, was sie von ihrem Leben erwartete.

Schließlich waren die Lebensmittel eingeräumt, ihr Koffer nach oben ins Schlafzimmer geschafft und die Kleider im Schrank verstaut. Sie hatte die Balkontüren geöffnet, da sich unter dem Dach die Hitze staute. Trotz der Klimaanlage im Auto fühlte sich Lena nach der langen Fahrt schwitzig. Eine ausgiebige Dusche würde jetzt guttun. Sie nahm Handtuch und Kulturbeutel und stieg die schmale Holzstiege hinunter ins Erdgeschoss, wo sich das Badezimmer befand.

Sie konnte es kaum erwarten, unter die Dusche zu kommen, zog eilig Shorts, Top und Unterwäsche aus und ließ die Sachen einfach im Flur liegen. Was für eine Wohltat, diesen vermaledeiten Push-up-BH loszuwerden, den sie sich blind aus der Kommode gegriffen hatte. Während der Fahrt hatte sie sich mehrfach verflucht, kein bequemeres Modell angezogen zu haben.

Lena drehte die Dusche auf, ließ das warme Wasser über ihren verschwitzten Körper laufen und wusch sich die Haare. Sie massierte die Druckstellen, die der unbequeme Büstenhalter hinterlassen hatte. Sie drehte das Wasser ab, presste eine großzügige Portion Duschgel aus der Tube in ihre Handfläche und rieb es genüsslich zu einem satten Schaum, den sie mit kreisenden Bewegungen auf ihrem Körper verteilte.

Wehmütig wurde sie sich dabei bewusst, dass zwei Wochen schwedische Waldeinsamkeit auch zwei Wochen ohne Tom bedeuteten. Auch wenn ihr Beziehungsstatus nach wie vor ungeklärt war, der Sex war phänomenal. Erst letzte Woche hatten sie es am helllichten Tag auf seinem Balkon getrieben, und dabei war es ihr vollkommen gleichgültig gewesen, ob die Arbeiter auf dem Dach gegenüber sie sehen konnten. Im Gegenteil. Irgendwie hatte es die Sache noch heißer gemacht. Lena hatte sich später über sich selbst gewundert. So kannte sie sich gar nicht. Eigentlich war sie in solchen Dingen eher zurückhaltend, aber Tom hatte einfach etwas an sich. Etwas, das Lenas inneres Feuer herauskitzelte.

Sie schloss die Augen und sah Tom in seiner sexy dunkelblauen Uniform vor sich, bevor sie sich ihn nackt vorstellte. Sein gebräunter, definierter Körper, der flache Bauch mit dem leichten Sixpack, die trainierten Oberarme, der knackige, feste Po. Dieser Mann war einfach nur unwiderstehlich. Lena tat sich etwas schwer, dem besten Stück eines Mannes so etwas wie Ästhetik abzugewinnen, aber Tom – das konnte sie wirklich nicht anders sagen – Tom hatte wirklich einen schönen Penis. Glatt, gerade, nicht zu groß und nicht zu klein, die Eichel hell und gut geformt, und dieser Mann wusste auch, damit umzugehen. Nach Toms Penis hätte man ein Dildomodell anfertigen können.

Wenn sie so darüber nachdachte, traute sie es ihm sogar durchaus zu, dass er sich für so etwas hergeben könnte. Er verfügte über ein unerschütterliches Selbstbewusstsein. Kein Wunder. Tom war von oben bis unten ein Prachtkerl, und sie würde ihn und sein modellwürdiges Liebeswerkzeug zwei ganze Wochen missen müssen. Unwillkürlich war ihre Hand zwischen ihre Schenkel geglitten, während sie an ihn dachte. Ein sehnsüchtiges Ziehen in ihrem Unterleib ließ sie aufstöhnen. Kein Wunder, dass sie in der letzten Zeit mit ihren Romanen in Verzug geraten war. Wer sollte sich denn dabei konzentrieren?

Es war definitiv die richtige Entscheidung gewesen, für eine Weile zu verreisen. Zumal sie auf diese Weise vielleicht einmal mit klarem Kopf darüber nachdenken konnte, ob ihr eine Beziehung, wenn sie es überhaupt so nennen konnte, wie diese überhaupt reichte. Immer wenn sie glaubte, endlich zu wissen, was sie wollte, funkten die Hormone dazwischen. Vielleicht war es naiv, von einer idealen Beziehung zu träumen, von Treue, Verbindlichkeit und großen Gefühlen. Womöglich war das, was sie mit Tom hatte, einfach ehrlicher. Sie konnte doch eigentlich nicht klagen.

Lena drehte das warme Wasser wieder auf und begann, den duftenden Schaum von ihrem Körper zu spülen, wobei sie die Hände über ihre Brüste gleiten ließ, sie sanft reizte und mit den Fingernägeln über ihre Nippel strich. Automatisch kehrten ihre Gedanken zu Tom zurück, seiner warmen Zunge und seinen weichen Lippen, die ihre Brustwarzen neckten und mit ihnen spielten, seinen kräftigen Händen, die über ihre Haut streiften, mit denen er ihre Hüften packte, um sie an seinen warmen, festen Körper zu ziehen. Wieder wanderte Lenas Hand zwischen ihre Oberschenkel, wo ihre Finger dem Kribbeln nachspürten, ihre empfindliche Knospe reizten und rieben, während sie sich vorstellte, wie Tom sie küsste. Heiß, fordernd eroberte seine Zunge ihren Mund, während sich ihre Becken hungrig aneinanderschmiegten. Seine harte Männlichkeit presste sich gegen ihren Unterleib. Ihre Finger teilten die weiche Haut zwischen ihren Beinen, glitten in die warme Feuchte, rieben über ihre empfindlichsten Stellen, während sie sich vorstellte, wie Tom sie gegen die Wand drängte, ihren Po fest mit den Händen packte, sie hochhob und in sie eindrang. Wie sie die Beine um seine Hüfte schlang und er zunächst langsam und gefühlvoll, dann immer schneller und heftiger in sie stieß. Seine Finger, die er in ihre Pobacken krallte, während er stöhnend in ihr kam. Lena entfuhr ein lustvoller Schrei, als sie ihren Höhepunkt erreichte. Ein bisschen laut vielleicht? Egal! Hier hörte es ja keiner. Noch einmal kam ein wohliges Seufzen über ihre Lippen, während sie ihre Hand zwischen die Schenkel presste und ein Zucken ihren Unterleib durchlief.

Wunderbar erfrischt stieg Lena aus der Dusche und hüllte sich in das flauschige Handtuch, das nach Weichspüler duftete. Sie machte sich nicht die Mühe, sich abzutrocknen. Die restliche Feuchtigkeit würde in der Sommerhitze ganz von alleine trocknen und ihr noch ein wenig Abkühlung bringen.

Fröhlich pfiff sie eine Melodie vor sich hin und öffnete die Badezimmertür.

Doch als sie in den Flur hinaustrat, entfuhr ihr ein Schrei. Instinktiv zog sie das Handtuch fester um ihren Körper. Mitten im Flur stand ein hochgewachsener, blonder Mann, und in seiner Hand baumelte ihr BH.

2. KAPITEL

EINE UNLIEBSAME ÜBERRASCHUNG

„Was zum Teufel machen Sie hier?!“, schrie Lena – auf Deutsch, weil ihr gerade nichts Besseres einfiel. Der Blonde sah mindestens ebenso erschrocken aus wie sie, schien sich in diesem Moment wieder bewusst zu werden, was er in der Hand hielt, und grinste verlegen. Eine deutliche Röte überzog sein Gesicht. Er zuckte entschuldigend mit den Schultern, antwortete etwas auf Schwedisch, das Lena nicht verstand, und legte den BH zurück auf den Klamottenhaufen am Boden. Dann glitt sein Blick wieder zurück zu ihr und musterte sie neugierig. Lena hielt krampfhaft das Handtuch fest, sodass bereits die Fingerknöchel ihrer Hand weiß hervortraten.

Oh mein Gott! Das kleine Liebessolo unter der Dusche fiel ihr wieder ein. Sie war nicht gerade leise gewesen.

„Wie lange stehen Sie schon hier draußen?“, zischte sie. „How long have you been standing here?“, schickte sie auf Englisch hinterher. Die paar Brocken Schwedisch, die sie gelernt hatte, würden ihr in dieser Lage nicht weiterhelfen.

Die Miene des Mannes hellte sich auf.

„Ah, you speak English.“ Lena konnte seine Begeisterung für die Beseitigung dieser Kommunikationshürde nicht teilen.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Midsommarhitze" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

buchhandel.de

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen







Empfehlen