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Mercy, die Straßenritze 6

Lumen Gasmo

Mercy, die Straßenritze 6

Vorhölle


Für Tobias


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Copyrighthinweise

Mercy, die Straßenritze 6

"Vorhölle"

Lumen Gasmo

 

Mercy, die Straßenritze 6 "Vorhölle"

Copyright©2016 Lumen Gasmo

All rights reserved.

Text: Lumen Gasmo

Kontakt: BookRix GmbH & Co. KG

Sonnenstraße 23

D - 80331 München

E-Mail: LumenO.Gasmo@gmx.de

Facebook: Lumen Gasmo - Autorin

Coverdesign: www.pixabay.com (Bild: art-3133054)

 

 

Personen und Handlung sind von mir frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Dieses Buch ist ausschließlich für Leserinnen und Leser, die volljährig sind und keinen Anstoß an der Darstellung sexueller Handlungen und an obszönen Beschreibungen haben. Ein Teil der Handlung schildert auch Gewaltakte und Religiöses. Der komplette Inhalt meiner Romane und die Meinungen und Ansichten der Romanfiguren spiegeln nicht die Meinung und Ansicht von mir, der Autorin, wider. Alles von mir Beschriebene ist völlig fiktiv und dient nur der bloßen Unterhaltung für Erwachsene. Ich schreibe ausschließlich fantasievolle und satirisch überzeichnete Belletristik und keine Sachbücher oder Ratgeber.

Fiktive Romanfiguren können auf Kondome verzichten.

In der Realität gilt: Safer Sex!

 

Alle Rechte vorbehalten.

Nachdruck oder eine andere Verwertung, auch auszugsweise, nur mit meiner schriftlicher Genehmigung.

 

Meine E-Books sind nicht übertragbar und dürfen nicht weiterveräußert werden.

Bitte respektieren Sie mein Eigentum und erwerben eine legale Kopie.

Jeder Verstoß gegen mein Urheberrecht wird zur Anzeige gebracht und zieht

gezielt rechtliche Konsequenzen nach sich!

 

Vielen Dank für den Kauf meines Romans und gute Unterhaltung bei meinen Fantasien!

 

Lumen Gasmo, 08.05.2018

Statt eines Prologs, Psalm 23, nach Luther

Ein Psalm Davids.

Der HERR ist mein Hirte; mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und

führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele;

er führet mich auf rechter Straße

um seines Namens willen.

Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

Gutes und Barmherzigkeit

werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause

des HERRN immerdar.

1. Kapitel, Wer in Gottes Namen sind Sie?

»Hallo ... schön, dass Sie mich wieder begleiten! Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie mich nicht verlassen haben!!

Es sieht schlecht aus! Zum Kotzen schlecht! Wir hängen hier in einer Art Kellergewölbe! Ja, sie haben richtig verstanden: Wir hängen! Lydia und ich, beide nackt, gefesselt, geknebelt, unsere gebundenen Hände und nach oben gestreckt, eingehängt an einem Fleischerhaken, der von der Decke an einer Kette herunterbaumelt! Wir stehen auf Zehenspitzen - schon allein das ist eine entsetzliche Qual! Lydia ist immer noch bewusstlos! Ihr Körper ist wie meiner verdreckt und mit Schlamm verkrustet. Wir haben Schürfwunden, die höllisch brennen! Ich weiß nicht, wie lange wir schon in diesem feuchten Drecksloch sind. Minuten oder Stunden? Wer weiß das schon? Ich war ja ebenfalls bewusstlos gewesen! Mein Kopf dröhnt! Ich stehe in meiner eigenen stinkenden Pisse! Ekelhaft! Keiner sonst ist in diesem Raum, in diesem Halbdunkel! Die Wände sind aus feuchtem Stein, an manchen Stellen mit Moos bewachsen! Vorn fern höre ich das gleichmäßige Stampfen von Maschinen - ein rhythmisches Geräusch, das irgendwie beruhigend und einschläfernd wirkt! Ein Witz, wenn man die Umstände betrachtet! Ob wir noch in Dubai sind? Ich habe keine Antwort darauf! Ich bin nur eine von Gott auserwählte Straßenritze in einer ... verfickten Situation! Wären wir doch nur nicht in dieses Drecksboot eingestiegen! Unsere Retter entpuppten sich als unsere ärgsten Feinde, nämlich die Dunklen!

Wenigstens haben sie uns nicht vergewaltigt. Lydia sieht nicht danach aus - und bei mir fühlt es sich nicht danach an!

Aber ... das kommt vielleicht noch - und Schlimmeres!

Wo sind unsere Engel? Wenn man sie braucht, sind sie nicht da! Fuck, zum Kotzen! Jetzt sind Lydia und ich in die Fänge dieses Dieners geraten! Dieser widerliche Ficker, dieser Diener des Ur-Bösen, von dem Bharati und Stephanie sprachen! Der, den es aufzuhalten gilt! Ich höre Stephanie noch sagen: Er wird in Bälde in Kontakt mit euch treten! Ja, das sieht ganz danach aus, Steph! Unsere Lage könnte beschissener nicht sein! Ich betete ... schon zigmal! Wo ist Steph? Wo ist Bharati? Gott kann uns doch nicht in dieser verdammten Scheiße hier krepieren lassen, oder doch? Hat er seinen Plan ... geändert?«

Das laute Kreischen eines Metallriegels riss Mercy Bowlers aus ihren Gedanken heraus. Jemand drückte gewaltvoll die Stahltür zu dem Gewölbe auf. Angst durchzuckte die Blondhaarige in heftigen Wellen. Das Herz schlug ihr bis zum Halse. Ihr Atmen war von Panik durchzogen.

Zuerst hörte sie ein sachtes Scheppern, dann ein leichtes Rattern, wie wenn Räder eines Handgepäckkoffers, eines Trolleys, über den Steinboden gezogen werden. Ein hochgewachsener Mann, in einem schwarzen Anzug, mit weißem Hemd und passender dunkler Krawatte, kam herein. Er schob einen mit einem schwarzen Tuch abgedeckten Servierwagen vor sich her. Der Kerl würdigte Mercy keines Blickes. Graugesichtig, hager, Schatten um die Augen - er konzentrierte sich ausschließlich auf seine Arbeit. Der Dunkle stellte den Servierwagen direkt vor die bewusstlose Lydia van Bush hin, dann näherte er sich der hängenden Frau. Mit vor Angst geweiteten Augen beobachte Mercy die bedrohliche Szene. Der Mann betrachtete ausführlich den nackten Körper, berührte Lydia an verschiedenen Stellen, auch zwischen den Beinen. Dann legte er sein rechtes Ohr an ihren Bauch und lächelte das diabolischste Lächeln, das Mercy Bowlers je gesehen hatte. Dieses Lächeln war abgrundtief böse und verdorben.

Im nächsten Moment fasste der Dunkle in die Innentasche seiner Anzugjacke hinein und holte einen breiten, schwarzen Filzschreiber hervor. Schwungvoll markierte der Mann damit Lydias Unterbauch mit einem dünnen Strich. Dann wandte er sich dem Servierwagen zu und riss das schwarze Tuch herunter. Zuerst erkannte Mercy eine blaue Rolle mit Plastikmüllsäcken, wie man sie oft in Haushalten benutzte.

Daneben lag eine Vielzahl von Küchenmessern.

Oh mein Gott! Das Baby!, schrie eine grauenhafte Erkenntnis in Mercy Bowlers Verstand hinein.

Der Dunkle nahm ein Messer in die Hand, besah die Spitze und schritt auf Lydia van Bush zu. Mercy betete ein weiteres Mal zu Gott, sendete ein Stoßgebet zum Himmel, bat um Beistand. Und in ihrem Inneren hörte die verzweifelte Frau die beruhigende Stimme von Ansgar Gradener sagen:

Alles wird gut, Mercy! Alles wird gut!

Trotz Furcht und Todesangst vertraute Mercy Bowlers auf diese Worte.

Wieder einmal.

Just in dem Augenblick, als der Schlachter der Dunklen sein entsetzliches Blutwerk vollbringen wollte, hielt ihn eine heisere Stimme energisch zurück:

»Halt, Brunorius! Der Todesschnitt an der Hure und ihrem Bastard wurde verschoben!«

Ohne Worte zu entgegnen, ohne etwas zu hinterfragen und jegliches Zögern legte der Schlachter Brunorius das scharfe Messer auf die Ablagefläche des Servierwagens zurück.

Mercy Bowlers Blick fiel zur offenstehenden Tür des Kellergewölbes hin. Im Türrahmen stand ein Mann, den sie vor Jahren auf dem Bronxer Straßenstrich schon einmal gesehen und gesprochen hatte.

In seinem weißen Seidenhemd, über dem er eine dunkle Weste trug, wirkte er, wie Mann aus einem längst vergangenen Jahrhundert. Unterstützt wurde dieser Eindruck durch ein Monokel, das seinem rechten Auge einen strengen und unerbittlichen Charakter verlieh. Das hohlwangige, blasse Gesicht und die blauhäutigen Strichlippen, die sein kaltes, fast wächsernes Aussehen fast vollkommen machten, war ein Antlitz, das an einen lebendigen Leichnam erinnerte.

Damals hat er Sex ohne Kondom gefordert!, erinnerte sich die Blondhaarige.

Mercy Bowlers hatte dies jedoch aus Selbstschutzgründen abgelehnt.

Die rothaarige Hure Wanda Micker war daraufhin zu dem bleichen Mann in sein Sportcoupé eingestiegen und hatte den ungeschützten Fick durchgezogen.

Wanda, die sich später als die verrückte Ehefrau des grausamen Nuttenmörders Benjamin Micker in Mercy Bowlers’ Gedächtnis eingebrannt hatte.

Doch, wer war dieser Mann hier wirklich, der aussah wie ein verstorbener Aristokrat?

Benston, der dunkle Diener des Ur-Bösen, stellte sich Mercy nicht mit seinem Namen vor. Namen waren Schall und Rauch für ihn. Außerdem hatte er schon die bittere Erfahrung machen müssen, dass man Namen missbrauchen konnte, wenn man diese in Gebete an Gott einfließen ließ.

Ein bisweilen schmerzlicher Unfug, den im besonderen Maße die Hellen gutgläubig praktizierten und mit dieser religiösen Handlung den auf das Böse eingeschworenen Mächten einen elementaren Widerstand leisten konnten.

Benston hatte einige Vasallen daran schon vergehen sehen, deren Namen zuvor in Stoßgebeten genannt worden waren.

Diese Gebete, diese prompte Kommunikation der Guten zu ihrem Gott, durfte man keinesfalls unterschätzen, wenn man ein tiefgläubiger Böser war und nicht unversehens in die Hölle fahren wollte.

Nein, Benston war im Laufe der Jahrtausende vorsichtig geworden, jedem Dahergelaufenen seinen wahren Namen zu nennen - und einer von Gott auserwählten Straßenritze schon gar nicht!

Mit einem Fingerzeig wies er Brunorius an, Mercys Knebel zu lösen.

Die Blondhaarige holte tief Luft, um ihm im nächsten Moment geifernd entgegenzuschleudern:

»Wer in Gottes Namen sind Sie?«

Die harte Frage bohrte sich verletzend in sein schwarzes Herz hinein, und wieder einmal war Benston darin bestätigt worden, dass die Guten eine geradezu lebensgefährliche Sprache pflegten, wenn man einer der Bösen war.

»Gott hat nichts mit mir zu tun«, sagte er mit heiserer Stimme, während sein Herz ein weiteres Mal schmerzte. Selbst das Wort »Gott« schien eine Waffe gegen ihn zu sein.

Benston fand, dass es die Dunklen nicht leicht hatten, von ihrem großen Gegner zu reden, ohne ihn schmerzlos benennen zu können.

Also ertrug er kurz die kurze Pein und hoffte, dass Mercy, die er gerne als »auserwählte Schlampe« titulierte, nicht in jedem zweiten Satz von Gott sprechen würde.

Foltern wollte er sich schließlich nicht lassen, nicht von einem Menschen, nicht von einem für ihn schwächlichen Weib!

»Wer sind Sie?«, schrie die blondhaarige Frau und zerrte an ihren Fesseln und an dem Fleischerhaken, an dem sie hing.

Statt einer Antwort begutachtete Benston die beiden nackten Frauen näher und schritt an die noch immer bewusstlose Lydia heran. Grob umfasste er ihre prallen Brüste und ließ seine knochigen Hände forschend über ihren Körper gleiten.

»Lydias Tätowierungen gefallen mir sehr gut. Ihre archaischen Fantasyfiguren, die ihren erregenden Leib zieren, haben einen exzellent düsteren Touch. Voller Gewalt und voller Kraft!« Mit seiner spitzen Zunge leckte er geschwind über eine Brustwarze der Braunmähnigen. »Und wie herrlich sie doch schmeckt! Schade, dass mir meine eigenen Jüngerinnen nicht so lieblich munden!«

»Hören Sie damit auf, Sie Schwein!«, zischte ihn Mercy an.

Flugs war er vor ihr, wie eine Katze war herangesprungen, um nur einen Lidschlag später mit seinem Mittelfinger gewaltsam in Mercy zartgelockte Ritze einzudringen.

Mercy schrie schmerzhaft auf.

»Und? Tut das gut, Hure? Mehr davon, ja?«, raunzte er ihr ins Gesicht, während sie sich auf die Unterlippe biss.

Dann ließ er von ihr ab.

»Fick dick!«, kreischte sie und spuckte ihn verächtlich an.

Benston unheimliches Lachen schwoll an, füllte in wenigen Momenten das düstere Gewölbe vollends aus, schallte entsetzlich von den feuchten, mit Moos überwucherten Mauersteinen zurück.

»Was für ein erfrischender Beginn, Miss Bowlers!«, jubelte er beinahe.

Brunorius, der schweigende Schlachter, fuhr indes den Servierwagen aus dem steinernen Verlies heraus.

Sein Talent wurde aktuell nicht benötigt.

Doch später gewiss.

Darin war er sich ziemlich sicher.

Sein dunkles Herz freute sich schon darauf.

2. Kapitel, Schlechte Nachrichten

Nachrichten können ansteckend sein.

Gezielt befallen sie Körper, Geist und Seele und fressen sich regelrecht in einen Menschen hinein.

Sind sie schlecht, können sie den Zuschauer oder Zuhörer maßlos belasten.

Sind sie ausschließlich gut, werden sie erst gar nicht gesendet oder gedruckt.

Das ist eine Frage der Vertriebspolitik - war es, ist es und wird es immer sein!

Schlechte Nachrichten machen sich bezahlt!

Wer will schon gute Nachrichten zur Prime Time sehen?

Als Thomas Bendermann vor seinem japanischen LED-Schirm hockend, hektisch getrieben von einem Nachrichtensenderkanal in den nächsten schaltete, wünschte er sich gerade das, was er in der Pressewelt nur spärlich zu sehen bekam: nämlich gute Nachrichten.

Natürlich war nur das Wunschdenken eines verzweifelten, älteren Mannes, der im Hinterland Dubais vor Entsetzen und Furcht gebannt, die grauenhaften Neuigkeiten erfasste und in seinem inzwischen 73-jährigen Gehirn verarbeiten musste.

Übereilige Kommentatoren sprachen reißerisch, manchmal polemisch unsachlich von einer gezielten Terrorwelle, die über die Skyline Dubais hereingebrochen war.

Sicherlich, es sah ganz danach aus und passte haarklein ins aktuelle Weltgeschehen hinein: erst ein mörderischer Anschlag in einem Hotel, dann eine verheerende Flugzeugkatastrophe mit einer noch unbekannten Anzahl von Toten und Verletzten.

Eine Terrorwarnstufe war von den Behörden ausgerufen worden.

Polizisten und Rettungskräfte waren im Dauereinsatz, bis zur totalen Erschöpfung versuchten diese, Herr über das Chaos zu werden. Dubai befand sich in einem nie dagewesenen Ausnahmezustand.

Die Hölle war in die Metropole aus Glanz und Gigantomanie hereingebrochen.

Schlagartig, unbarmherzig und unberechenbar war dies geschehen.

Die Stadt der grenzenlosen Luxusträume hatte sich in einen Alptraum verwandelt - und das in nur einer einzigen Nacht!

Dass es sich bei dem Grauenhaften nicht um normalen Terrorismus handelte, konnten weltweit weder Muslime, Christen, Juden oder andere Religionsangehörige ahnen. Um die aktuellen Geschehnisse in Dubai richtig deuten zu können, musste man erstmal die unfassbare machende Möglichkeit in Betracht ziehen, dass der Mensch beziehungsweise dessen Seele nur ein Spielball zwischen zwei uralten Kräften war: den Hellen und den Dunklen.

Mehr noch, es war auch hilfreich, eine ausgeprägte Phantasie zu besitzen, mit der man die simplen Zusammenhänge einfacher erklären konnte.

Schlechte Nachrichten informierten nicht nur, sondern speisten auch das innere »Gaffer-Verlangen« des Menschen. Dieses angeborene Verhaltensweise war geradezu ein fruchtbarer Nährboden der unzufrieden machenden, der depressiv stimmenden und der aggressionsfördernden Gefühle.

Der daraus resultierende Pool an negativen Energien war für die bösen Mächte gleichsam bedeutend wie das köstliche Abendbuffet für einen All Inclusive-Pauschalurlauber.

Man konnte sich einfach hinsetzen, der Maßlosigkeit frönen und sich den Bauch vollschlagen!

Und das Böse liebte es, sich den Bauch vollzuschlagen - nur wurde es dummerweise niemals satt!

Auch Thomas Bendermann, der irgendwann einmal in Deutschland als Christ getauft worden war, kam es in keinster Weise in den Sinn - trotz seiner immensen Sorge um das Wohl und das Leben seiner Verlobten Mercy - , einfach in Stille auf die Knie zu gehen und Gott um Beistand zu bitten.

Statt eines Gebetes schaute er vorrangig die sich immer und immer wiederholenden Nachrichten aus Dubai an, obwohl er bereits tiefherzig geschockt und ängstlich, geradezu von Furcht zerfressen war.

Ja, Thomas Bendermann war letztendlich auch nur Gaffer, ein Gaffer vor dem Herrn.

3. Kapitel, Breaking News von Marc Bowlers

»Mein Name ist Marc Bowlers. Dubai ist zu einem absoluten Chaos geworden! Erst haben wir einige vergnügliche »Kennenlern-Tage« in dieser geilen Skyline verbracht. Thomas Bendermann wollte, dass wir hier richtigen Spaß zusammen haben. Anfänglich hatte es auch wunderbar geklappt! Gerade mit Karl und Lydia kann man wirklich extrem viel Fun haben! Und meine Schwester Marcy, die ich monatelang für tot gehalten hatte, war ebenfalls mit von der Partie! Dubai ist schon 'ne fette Nummer! Alles war easy! Wir hatten sogar unsere eigenen Leibwächter - von Bendermann spendiert - mit dabei! Cooper und Miller hießen die beiden Typen. Das waren zwei seltsame Brüder - im wahrsten Sinne des Wortes!

Seltsam ist auch das richtige Adjektiv für die Ereignisse, die dann stattgefunden haben. Da gab es eine Krähenfeder, die ein kleines Mädchen namens Tabitha hat durchdrehen lassen! Auf eine stark befahrene Verkehrsstraße ist die Kleine gesprungen, ihr Gesicht zu einer diabolischen Fratze verzerrt! Als wäre das Böse in sie hineingefahren! Ehrlich, ich war dabei! Karl konnte die Kleine gerade noch retten! Dabei gab es einen Unfall mit mehreren Autos! Glücklicherweise wurde niemand verletzt! Irgendwie haben diese unheilvollen Krähen mit diesen sonderbaren Dingen zu tun!

Richtig irre wurde es dann in unserem Luxushotel! Das glauben Sie jetzt nicht!! Lydia und Mercy wurden beinahe von der rothaarigen Lizzy aus Texas erschossen - auf der Damentoilette! Gleichzeitig haben Cooper und Miller durchgedreht und in der Lobbybar mit einer brutalen Schießerei ein Blutbad angerichtet! Karl und Ansgar Gradener, Bendermanns Assistent, haben die beiden Arschlöcher gestoppt - für immer!

Seitdem waren wir ohne Pässe auf der Flucht. Ansgar konnte uns davon überzeugen, dass wir alle in Gefahr sind! Er kann sehr überzeugend sein, glauben Sie mir! Die Killerin Lizzy schleppten wir mit, um sie zu verhören. Inzwischen hatte die Polizei alles wegen des Anschlages in der Lobbybar abgeriegelt. Eine Terrorwarnstufe wurde verhängt! Voll das Durcheinander, echt wahr! Unsere einzige Chance heil aus der Geschichte zu kommen, wäre ein Anruf zu Thomas Bendermann gewesen. Der hat nämlich Kohle und Einfluss! Doch wir hatten kein funktionierendes Smartphone! Wir mussten untertauchen!

Ein Koch und eine Küchenhilfe, Maurice und Bharati, nahmen wir zwangsweise als Geiseln mit! Die haben uns inzwischen unsere irrwitzige Story abgenommen. Sie glauben uns auch, dass wir eigentlich die Guten in diesem komischen Spiel sind - und keine Terroristen oder schlimmere Typen! Und wir durften eine Weile in 'ner abgelegenen Villa mit ihnen untertauchen, beziehungsweise uns verstecken. Ansgar hat dort angefangen, Lizzy aus Texas brutal zuverhören! Das fand ich nicht lustig! Finger wurden abgeschossen, Zähne ausgeschlagen! Gesagt hat diese Verrückte trotzdem nichts! Bendermann schickte uns drei Angestellte mit Firmenlimousinen vorbei. Die sollten uns zum Flughafen bringen! Bendermanns Privatmaschine steht dort!

Auf der Fahrt zum Airport kam es dann zu einer schrecklichen Katastrophe! Ein riesiges Passagierflugzeug ist über Dubai abgestürzt und hat eine befahrene Brücke in eine Feuerhölle verwandelt! Das Inferno hat uns alle getrennt! Ich habe keine Ahnung, wo meine Schwester und Lydia stecken! Ansgar ist ebenfalls missing! Nur Maurice und Karl sind bei mir! Rettungsmannschaften haben uns aufgelesen! Wir wurden zu einem Sammelpunkt für Überlebende der Katastrophe gebracht! Wir warten hier erstmal ab! Keine Ahnung, was wird! Die Freundin von Maurice, diese Bharati, fehlt ebenfalls noch! Hoffentlich haben die Frauen diese Scheiße hier überlebt. Oh Gott, nicht auszudenken, wenn die anderen tot wären! Irgendwie müssen wir Bendermann erreichen! Ich denke, er ist unsere einzige Chance, aus der verdammten Geschichte herauszukommen! Hoffentlich.«

4. Kapitel, Wenn sich einer Gedanken macht

»Mein Name ist Karl Wisemeyer! Ich muss mit Ihnen sprechen - vor den anderen, vor Marc und Maurice, kann ich das nicht! Ich bin ziemlich fertig! Die Katastrophe, diese ganzen verrückten Ereignisse haben mich ziemlich mitgenommen, doch diese Blöße will ich mir vor Marc nicht geben. Er ist jünger als ich, er verlässt sich auf mich! Es ist fast so, als wäre ich eine Art großer Bruder für ihn! Angst habe ich auch!

Mercy und Lydia sind noch nicht aufgetaucht! Mir wird schlecht, wenn ich daran denke, was ihnen vielleicht zugestoßen sein könnte. Lydia, unser Kind ... ich habe Panik deswegen! Wir rennen hier ziemlich ziellos umher. Ein riesiges Durcheinander!

Auf der Brücke ist die Feuerhölle noch nicht unter Kontrolle gebracht worden! Überall sind Leute, Verletzte, Tote - es ist schrecklich, so unvorstellbar! Meine Worte reichen nicht aus, dieses ganze Leid und Grauen zu beschreiben. Verkohlte Leichen, grässliche Schreie der Verletzten, dazwischen blecherne Megaphonstimmen, die in den Ohren dröhnen! Immer wieder Explosionen, Autos fliegen in die Luft! Glassplitter und Metallteile regnen vom Himmel herab! Diese Scheißsirenen rauben mir den letzten Nerv!

Dazu bekomme ich ständig Flashbacks! Es ist erschreckend, was sich da in meine Erinnerung drängt! Die Todesangst in der Limousine, als wir in das Wasser stürzten! Dann dieser Kampf mit dieser durchgeknallten Lizzy! Dieses verfickte Scheißweib! Liddi hat ihr mit einem Stein immer und immer wieder ins Gesicht geschlagen! Ich wünsche normalerweise niemandem den Tod. Doch ich hoffe, dass diese Drecksfotze elendig ersoffen ist! Später, als wir durchs Wasser schwammen, wurden Lydia und ich getrennt! Scheinbar bin ich bewusstlos geworden. Ich war ich wohl in einer Art ... Zwischenreich! Gleißend hell war es und total still. Dort bin ich auf Alexandra getroffen!

Sie ist mein Engel! Ja, sie haben richtig gehört! Sie hat mir von meinen drei Aufgaben erzählt, wegen denen ich geboren wurde! Und von meinem zukünftigen Tod wusste sie auch! Nämlich dann, wenn ich Tabitha ein weiteres Mal retten werde!

Sie erinnern sich noch an Tabitha? Das ist die 5-Jährige, die auf die Verkehrsstraße in Dubai gelaufen war! Ich habe sie vor dem Tod bewahrt. Diese Tabitha wird als erwachsene Frau wichtig für die Welt werden! Das behauptet jedenfalls Alexandra. Ich werde Tabitha als Erwachsene wieder beschützen und dabei sterben. Krass, was? Würden Sie Ihrem Engel glauben oder an seinen Worten zweifeln? Glücklicherweise ist diese Zukunft noch weit entfernt!

Wir müssen die Ladys finden und Bendermann kontaktieren! Schon irgendwie eigenartig für mich. Wir rennen hier durch dieses Desaster, durch diese Katastrophe! Menschen sterben vor meinen Augen! Überall ist der Tod und wütet, und ich weiß, dass ich ebenfalls sterben werde! Aber ... nicht heute, nicht morgen, sondern dann, wenn ich Tabitha wiedersehen werde! Wenn sie erwachsen sein wird! Könnten Sie sich das vorstellen? Können Sie nachempfinden, was in mir abgeht? Nein, sicherlich nicht! Warum sollten Sie auch? Sie sind nicht ich! Und Sie haben eine ganz eigene Geschichte in Ihrem Leben - Ihre Lebensgeschichte!

So, ... ich muss weiter! Marc und Maurice benötigen mich! Danke fürs Zuhören, und wenn ich Sie wieder zum Quatschen brauche, dann sprech ich Sie einfach an!«

5. Kapitel, Plausibel

Ein bulliger Mann, der der Uniform nach zu den offiziellen Rettungsmannschaften gehörte, ermahnte sie mit seinem gehaltvollen Stimmvolumen, hinter der Absperrung zu bleiben.

Marc, Maurice und Karl hatten die Sammelstelle für Gerettete verlassen und waren in Richtung der brennenden Brücke vorangegangen, um in der lautstarken Szenerie aus Leid, Tod und Zerstörung ein Lebenszeichen der Ladys entdecken zu können.

Ein hastig aufgestellter Zaun hatte ihre kurzentschlossen entschiedene Entdeckungstour beendet.

»Das hat keinen Sinn«, meinte Maurice Xavier. »Hier kommen wir nicht weiter.«

Innerlich war der 55-jährigen Koch sehr angespannt, denn seine Freundin Bharati war noch immer vermisst.

Genauso erging es Karl Wisemeyer und Marc Bowlers. In beiden Männer nagte eine entsetzliche Ungewissheit, da es noch keine Lebenszeichen von Mercy und Lydia gab.

Um Ansgar Gradener machten sich die drei Suchenden kaum Gedanken.

Warum auch?

Stand es doch in den menschlichen Genen niedergeschrieben, dass man sich zuerst um die Nahestehenden sorgte - und Ansgar hatte sich in den letzten Stunden schlicht als kaltschnäuziger und brutaler Mann präsentiert. Besonders bei dem Verhör der rothaarigen Lizzy aus Texas war der Mann mit einer geradezu verachtenswerten Gewalt vorgegangen. Karl Wisemeyer dachte in diesem Moment daran, wie diese Lizzy in der im Dubai Creek untergehenden Limousine versucht hatte, ihn zu ersäufen! Lydia hatte schließlich mit verzweifelten Schlägen diese Verrückte gestoppt - mit einem Stein gestoppt!

Woher war dieser Stein gekommen?, fragte sich Karl, wurde jedoch von Marc unterbrochen.

»Wir sollten versuchen, mit Bendermann in Kontakt zu treten«, sagte der lockenköpfige Mann. »Wenn die Frauen überlebt haben, werden sie dies gewiss auch tun!«

Das klang plausibel!

»Wenn es euch nichts ausmacht, möchte ich euch begleiten«, bat Maurice plötzlich.

Das klang nicht plausibel!

Denn Maurice gehörte nicht zur ursprünglichen Gruppe, war eher zwangsweise, als eine Art »Geisel« mitgenommen worden.

Warum hatte er den Wunsch, Karl und Marc zu begleiten?

Er war doch längst frei, konnte jederzeit gehen, hatte sogar ein Apartment in Dubai, war offiziell gemeldet und registriert.

Sicherlich, er war sehr besorgt um seine Freundin Bharati.

Doch ... warum suchte er die Gemeinschaft von Karl und Marc?

In der Not rauft man sich zusammen - egal mit wem!, dachte Karl Wisemeyer und nickte dem französischen Koch zu.

Wisemeyer sah natürlich nicht Bharati, die langhaarige Frau aus Sri Lanka, die unsichtbar neben Maurice stand und in sein Ohr hineinflüsterte:

»Bleib bei Ihnen! Alles wird gut! Vertraue darauf!«

Auch Marc nickte zustimmend.

»OK«, sagte Mercys Bruder. »Bleiben wir zusammen.«

Schließlich sah er die beiden anderen Männer fragend an:

»Habt Ihr einen Plan, wie wir Bendermann in seinem Palast erreichen können? Im Telefonbuch steht er ja gewiss nicht, oder?«

Nein, gewiss nicht die Privatnummer!, durchschoss Karl ein wahrer Gedanke. Die Telefonanschlüsse in Bendermanns Anwesen im sandigen Hinterland Dubais waren sicherlich geheim. Es gab jedoch einen Hoffnungsschimmer.

»Bendermann hat doch eine Filiale in Abu Dhabi! Von dort aus hat er uns doch die Limousinen geschickt, nicht wahr?«

»Ja, du hast recht!«, durchzuckte es Marc gleichsam motiviert. »Das ist unsere Kontaktmöglichkeit zu Bendermann!«

Sind sie endlich draufgekommen!, freute sich Bharati und verschwand so unbemerkt, wie sie gekommen war.

Sie hatte noch andernorts einen Termin, der dringend war.

Irgendwo auf der Welt.

6. Kapitel, Im Schneidersitz

»Was mich am aktuellen Fußball abnervt, ist die Häufigkeit der Fouls, die gang und gäbe geworden ist. Immer grätscht irgendein Spieler einem anderen zwischen die Beine, zerrt an seinem Trikot oder bringt ihn zu Fall! Von Fairness kann ich da nicht reden!«

Der zehnjährige Tobias plapperte seit einer Viertelstunde - ohne Punkt und Komma!

Fußball war seine größte Leidenschaft.

Ansgar Gradener ging gar nicht erst auf das Thema ein und hoffte inständig, dass sein Desinteresse, den Jungen veranlassen würde, endlich zu schweigen.

Sie waren seit zwanzig Minuten unterwegs, hatten sich von der Katastrophenstelle entfernt und waren den Strand des Dubai Creek stadteinwärts gelaufen. Von fern leuchtete die Flammenhölle in den Nachthimmel hinein. Ansgar hatte beschlossen, keine der Sammelstellen für Überlebende aufzusuchen. Einer inneren Stimme folgend hatte er Tobias mitgenommen und stapfte mit ihm durch den Sand. Immer wieder brausten Boote den Meeresarm entlang, um Rettungskräfte zum Unglücksort zu transportieren. Obwohl sie immer wieder in die grellen Lichtkegel von Suchscheinwerfern gerieten, sprach sie niemand an.

Eigenartig ist das schon, als würden sie uns nicht wahrnehmen!, sinnierte Ansgar, während Tobias über die stressige Situation der Torleute bei einem Elfmeter philosophierte.

»War bestimmt nicht einfach, als deine Mum einfach gegangen ist, oder?«, hörte er Tobias plötzlich mit einer unschuldigen Kleinjungenstimme fragen. »Du warst erst zehn - wie ich!«

Der schwarzhaarige Mann in dem durchnässten Leinenanzug blieb ruckartig stehen und schloss kurz die Augen, als ob ihn etwas schmerzte. Dann atmete er hörbar durch.

»Hör zu, Kleiner!«, antwortete Ansgar schroff und fasste Tobias grob an der Schulter an. »Ich kann dein Gelabere nicht mehr ertragen! Wenn du bei mir bleiben willst, dann halt endlich deine Klappe!«

»Du tust mir an der Schulter weh, Ansgar!«, protestierte der Junge plötzlich laut.

Ansgar erschrak und zuckte mit der Hand zurück.

»Du kannst einen Zehnjährigen nicht so hart anfassen! Mann, das tut man nicht!«

Tobias’ Blick durchbohrte den Mann regelrecht. Gradener verspürte eine intensive Mischung aus Mitgefühl und einem schlechten Gewissen. Es fetzte direkt in sein Herz hinein.

»Sorry, Kleiner«, sagte er mit schuldbewusster Stimme. »Ich wollte dir nicht weh machen, ehrlich!«

Ansgar kniete sich zu ihm hinunter in den Sand, befand sich mit Tobias auf Augenhöhe.

»Es war unkontrolliert, ich war genervt ...«, versuchte er mit Worten, sein Verhalten zu rechtfertigen.

Die blauen Augen des Jungen wirkten sehr betrübt und auch anklagend.

»Du bist rasch gereizt - und bei Gewalt hast du kaum Hemmungen, nicht wahr?«

Ansgar Gradener fehlten die Worte, etwas schien ihn geradezu zu blockieren. Sein Herzschlag erhöhte sich, die Übelkeit in seinem Magen blieb wie ein träger Klumpen hängen.

»Du kannst nicht immer alle büßen lassen, Ansgar«, sagte Tobias nun in einem ruhigen Tonfall. »Das ist nicht gut! Du beschmutzt damit deine Seele - und die von anderen Menschen!«

Woher kennt der Kleine meinen Namen?, überlegte Ansgar, während sich sein Innerstes zusammenkrampfte. Gradener war sich ziemlich sicher, dass er seinen Vornamen gegenüber Tobias bisher nicht erwähnt hatte. Und von was redet dieser Tobias eigentlich?

»Ich wollte doch nur von dir wissen, ob du deine Mum immer noch vermisst! Und du packst mich, als wäre ich eine Bedrohung, ein Feind!«, schleuderte ihm Tobias entgegen und spitze trotzig seine Lippen.

Ansgars Sinne schwanden, der Kreislauf sackte ein wenig ab. Er schloss seine Augen und rieb sich mit den Fingern über seine Stirn. Laut atmete er durch, wollte das Schwächegefühl wegatmen - was ihm natürlich nicht gelang!

Erschöpft hockte er sich auf den Boden und schlug die Handflächen vors Gesicht, verbarg sein Antlitz.

Tobias setzte sich zu ihm, im Schneidersitz, wie Engel es gerne machen, wenn sie mit Menschen reden. Dann legte er ihm behutsam beide Handflächen auf die Schultern und wartete geduldig ab.

Wenn längst vergrabene Gefühle sich durch raue Schalen fraßen, um zum Vorschein zu kommen, war es ratsam, den Menschen Zeit dafür zu lassen und nicht zu sprechen.

Emotionen, die so abrupt offenbar wurden wie bei Ansgar, bei denen waren wahrlich Engelsgeduld und Sensibilität gefragt.

Beide Eigenschaften besaß Tobias in einem Höchstmaß, und er verstand es, diese im Sinne des Guten einzusetzen.

Als Ansgar nach einer Weile die Hände von den Augen nahm, sah der kleine Junge ehrliche Tränen im Mondlicht glitzern.

Endlich weinst du, Ansgar!, dachte der Junge und streichelte sanft das Gesicht des Mannes. Endlich weinst du und reinigst deine Seele!

»Und nun, Ansgar«, forderte Tobias mit tröstender Stimme. »Erzähl mir ein wenig von deiner Mum.«

7. Kapitel, Das kleine Rad

»Mein Name ist Gonzales Ortiz! Meine Familie und ich stecken ziemlich in der Klemme! Zwei falsche Paketzusteller haben mich in meiner Wohnung überwältigt! Nun sitze ich gefesselt und geknebelt mit meiner Frau Esmeralda und meinen drei Kindern am runden Esstisch in der Küche und werde von einer lächelnden Blondhaarigen mit einer Pistole bedroht. Neben ihr sitzt ein dicker Kerl, der mich permanent versucht zu beruhigen! Das macht mich nur noch panischer, als ich sowieso schon bin! Ja, glauben die beiden Killer, dass es mir nicht längst klar ist, weswegen sie gekommen sind?

Scheiße, das musste ja irgendwann mal passieren! Ich hätte längst aussteigen sollen, aber das Geld hat mich gereizt. Das Syndikat zahlt mir gut Kohle, wenn ich illegales Geld wasche. Man schätzt mich sehr! Der Job war verlockend! Ich hab mir da rasch einen guten Namen gemacht! Man vertraut mir! Und ich habe als Buchhalter einen allumfassenden Einblick in die weltweite Syndikatsstruktur erhalten.

Natürlich ahnt meine Frau von diesen »speziellen« Geschäften nichts! Sie glaubt, dass ich der redlich arbeitende Inhaber einer Vertriebsfiliale für »Horror- und Voodoo-Artikel« bin! BLACK CHIMAERA heißt die Firma, für die ich offiziell arbeite. Wir sind 'ne große Nummer in der Branche! Gerade in den Südstaaten reißen sie uns das Sortiment quasi aus den Händen!

Horror-, Esoterik- und Voodoo-Krimskrams - das Business mit dem Okkulten und Übernatürlichen boomt fast so wie in den mit Marihuana umnebelten 1960er- und 1970er-Jahren. Horror sells!

Nun ja, der »echte Horror« sitzt gerade an meinem Esstisch mir gegenüber und versetzt mich in Angst und Schrecken! Es war eine Frage der Zeit, bis irgendeine Bande oder Organisation im Bereich »Menschenhandel« damit beginnt, die Konkurrenten auszuknipsen!

Wieso fangen sie bei mir an? Mutter Gottes! Ich bin doch nur ein kleines Rad im Getriebe! Meine Familie! Meine Kinder! Scheiße, Scheiße, Scheiße ...!«

8. Kapitel, Plauderei am Esstisch

»Ich werde Ihnen nun den Knebel lösen, Gonzales«, sagte Sandrina Rossi in einem ruhigen Tonfall, als ob man einem Kleinkind etwas erklärte. »Falls Sie nun in Ihrem kubanischen Gehirn darüber nachdenken, mit einem Hilfeschrei Aufmerksamkeit zu erregen, sollten sie fairerweise darüber Bescheid wissen, dass ich in den letzten zehn Jahren einundsiebzig Menschen bestialisch getötet habe!«

Das Ehepaar Ortiz weitete synchron die Augen vor Entsetzen, die drei Kinder Marilena, Ria und Pablo wimmerten gleichzeitig los.

»Sch-sch-sch«, beruhigte Arthur McFadden die Kleinen und hob beschwichtigend die Hände in die Höhe. »Es wird euch nichts geschehen! Onkel Arthur verspricht es euch! Großes Ehrenwort!«

Gonzales blickte seine Frau direkt an. Esmeralda war starr vor Angst.

Wenn wir das hier überleben sollten, und es sieht nicht danach aus, dann bringt sie mich um! Ganz gewiss!, dachte der Geschäftsmann absurderweise in diesem Augenblick der eindeutigen Gefahr.

Der Mann nickte Sandrina zu, signalisierte damit, dass er sie klar verstanden hatte.

Sandrina legte ihre Pistole auf den Esstisch und schritt zu dem Gefesselten hinüber. Mit einem Ratschen entfernte sie das graue Klebeband von seinem Mund. Ein paar Bartstoppeln segneten dabei das Zeitliche.

»Auuutsch!«, schrie der Mann, um sich sofort wieder zu beruhigen.

»Sorry, Gonzales«, entschuldigte sich die Blondhaarige. »Normalerweise bevorzuge ich Stoffknebel, doch wir hatten keine Zeit mehr, Stoffservierten oder Taschentücher zu kaufen. Das Klebeband haben wir aus einem Baumarkt, in dem ich neulich schon mal Einkaufen war. Der Laden ist supergünstig! Dort habe ich auch ein paar Schokoriegel mitgenommen. Die gibt’s da an der Kasse.«

Gonzales Ortiz war wegen der quasselnden Killerin sichtlich verwirrt. Ständig wechselte sein aufgeregter Blick von Sandrina zu Arthur und Esmeralda und wieder zurück.

»Sie hat 'ne Art Schokoladensucht«, ergänzte Arthur McFadden das Gesagte um ein winziges Detail.

»Aber, ... ohne Zucker müssen die Süßigkeiten sein!«, lächelte Sandrina. »Meinen Zähnen darf nichts geschehen.« Sie öffnete ihren Mund und zeigte hinein, dann erzählte sie: »Mein jetziger Auftraggeber hat mir einen Sender, eine Sprengkapsel und ein Toxin in einen Backenzahn implantiert. Wenn ich nicht spure, drück er ein Knöpfchen und lässt meinen Zahn hochgehen! Verstehen Sie, was ich meine?« Gonzales verstand nichts, glaubte gerade, er wäre Teil einer irrwitzigen, schwarzhumorigen Thrillerkomödie zur besten Sendezeit!

»Mein Boss«, bemerkte Sandrina mit einem zynischen Lächeln im Mundwinkel, »ist Thomas Bendermann. Sie kennen Bendermann sicherlich, oder?«

»Ja«, antwortete Gonzales schnell, um bei der Signora nicht in Ungnade zu fallen. »Er hat die Sektion »New York« unter sich.« Schnell schob er nach: »Ich bin ihm allerdings noch niemals persönlich begegnet.«

Sandrina glaubte ihm. Sie hatte viele Menschen beim Lügen zugesehen und zugehört. Meist waren diese von der Killerin bedroht worden. Gonzales log nicht. Das war klar an seiner Stimme und an seiner Mimik zu erkennen.

»Jemand hat begonnen, ältere Syndikatsmitglieder auszuschalten. Bendermann denkt an einen machtzerfressenen Aufstrebenden aus den eigenen Reihen.« Die Blondhaarige, die in ihrer zu groß geratenen Paketzustelleruniform alles andere als elegant aussah und sich genau so fühlte, nahm wieder die Pistole in die Hand, was Gonzales' Herzschlag erhöhte. Wieder wimmerten die Kinder hinter ihren Knebeln. Arthur beruhigte sie sogleich: »Nur keine Angst! Die Frau wird eurem Dad nichts tun!«

Esmeralda, die Gattin, und auch Gonzales selbst waren sich hierbei nicht so sicher wie Arthur McFadden.

Die Blonde hat einundsiebzig Menschen umgebracht! Warum sollte sie mich verschonen?, dachte Gonzales Ortiz und betrachtete die Mündungsöffnung der Pistole.

»Haben Sie eine Idee, wer hinter den Anschlägen auf Helena Morrow und Sergej Sokolow steckt?«

Sandrina wartete einige Augenblicke, doch Ortiz schwieg.

Früher hätte ich jetzt mit dem Foltern begonnen!, durchzuckte es Sandrina kurz.

Doch die Killerin hatte dem Bösen widersagt, hatte einen neuen Weg beschritten und den Pakt mit den Dunklen verraten.

Ich werde Ortiz nicht quälen und nicht töten!, sagte sie sich immer wieder in ihrem Inneren. Wenn ich Gewalt anwende, jubiliert das Böse!

»Vielleicht rede ich ja undeutlich, Gonzales«, meinte sie augenzwinkernd. »Also, haben Sie eine Ahnung, wer innerhalb der Syndikatsmitglieder bereit ist, so eine große Aufräumnummer durchzuziehen?«

»Wenn ich rede, werden diese Leute mich und meine Familie töten«, sagte Gonzales und bekam eine riesen Angst, die Blondine mit dem italienischen Akzent zu verärgern.

»Diese Leute sind Ihr geringstes Problem, Gonzales«, entgegnete die Frau. »Vielleicht haben Sie schon von mir gehört. Ich bin Sandrina Rossi.«

Gonzales’ Kinnlade klappte nach unten. Jeder in der Branche kannte diese Durchgeknallte, diese perverse Killerin namens Sandrina Rossi. Viele hielten sie für einen Mythos, einige für ein Gespenst, wiederum andere für eine Ausgeburt der Hölle.

»Ich selbst wurde von Mittelsmännern des Syndikats beauftragt, Helena Morrow und Sergej Sokolow zu liquidieren. Das dritte Opfer, Thomas Bendermann, hat dann den Spieß umgedreht und mich rekrutiert, um den oder die Hintermänner der Morde ausfindig zu machen.« Sandrina schnaufte erschöpft durch. »Beginnen wir nochmal, Ortiz! Nicht zuletzt, weil ich ihre Familie mag und weil Familie für Italienerinnen und Kubaner gleichsam heilig und wichtig ist!«

Esmeralda Ortiz deutete mit einem Laut an, sprechen zu wollen. Arthur blickte Sandrina an, diese nickte. McFadden riss das Klebeband vom Mund herunter.

»Gonzales Ortiz, kannst du mir sagen, in was für eine Scheiße du uns da gebracht hast?« Esmeralda war trotz der bedrohlichen Lage außer sich vor Zorn.

»Ich ... hätte dir das irgendwann erklärt, Liebes«, stammelte Gonzales halbherzig herum.

»Ach ja?«, giftete sie ihn an. »Jetzt wäre ein guter Zeitpunkt! Besser kann er gar nicht sein!«

Da hat sie recht!, dachte Sandrina. Besser kann der Zeitpunkt für den lieben Gonzales gar nicht sein! Besser geht es wirklich nicht!

9. Kapitel, Jedes Ding hat seinen Namen

Hilfe, lieber Gott! Hilf uns!

Diese ersten Gedanken peitschten durch Mercy Bowlers Verstand hindurch, als sie aus einer tiefen Bewusstlosigkeit erwachte.

Hektisch und ängstlich sah sie sich um. Der Fleischerhaken zu ihrer Rechten war leer. Einsam hing dieser an einer rostigen Kette von der Decke herab.

Wo ist Liddi? Um Himmel willen! Wo ist sie?

Wild zerrte die nackte Blondhaarige an ihren Fesseln, konnte sie jedoch nicht lösen.

Panik und endlose Angst bissen sich in ihren Magen und in ihr Herz hinein, schienen riesige Brocken herauszureißen. Erst jetzt bemerkte sie die Spuren von Rot an ihrem Körper. Ein brennender Schmerz grub sich in ihren Geist hinein, als sie die Bissspur an ihrer linken Brust bemerkte, die dicht neben den alten Narben waren.

Diese alten Narben, die ihr einst Benjamin Micker, der psychopathische Nuttenmörder der Bronx, brutal zugeführt hatte.

Eine grauenvolle Erinnerung durchwühlte Mercy.

Mit diesen grässlichen Erinnerungsbildern setzte zeitgleich flammende Pein in ihrer wund gescheuerten Vagina ein.

Dieser elende Scheißkerl!, durchschoss es die Frau in einer Welle aus aufschäumender Wut und grenzenlosem Hass. Erneut zerrte sie vergeblich an den strammen Stricken, mit denen sie an einem Fleischhaken hing. Schließlich brüllte sie ihre Verzweiflung aufs Heftigste hinaus. Ihre Schreie hallten von den feuchten Kellerwänden ab und dröhnten in ihren Ohren. Sie gab sich dieser Unbändigkeit aus Leid und Furcht einige Minuten hin, schließlich brach sie erschöpft ab.

Es wird niemand kommen - ich bin ganz allein!, flammte ein einsamer Gedanke in ihr auf, um im nächsten Moment zu erlöschen.

Mit starker Wucht wurde die Stahltür am Eingang des Verlieses aufgestemmt. Metall schabte rau am Boden entlang. Benston, der Diener des Ur-Bösen, kam herein und lächelte erfreut. In seinem schwarzen Anzug und dem weißen Hemd hatte er das Aussehen eines kränklich wirkenden Leichenbestatters.

»Wo ist Lydia?«, raunzte Mercy in an. Tränen des Zorns und der Erschöpfung flossen über ihr Gesicht.

Benston, der Mercy seinen wahren Namen nicht verraten hatte, da er einen Angriff der gläubigen Frau durch ein Gebet mit Namensnennung befürchtete, schritt vor die Nackte hin und leckte über die frische Bissstelle.

»Wie köstlich eine Auserwählte doch mundet«, sagte er überheblich und schnalzte mit der Zunge.

Die Blondhaarige spuckte ihm daraufhin auf das Monokel, das er trug.

»Verrecke an meinem Geschmack, Bastard!«

Gemächlich holte der Mann ein schwarzes Stofftaschentuch aus seiner Hosentasche heraus und reinigte das Glas seiner Sehhilfe von Mercys Spucke.

»Oh, wie mir scheint, bist du eine kleine Wildkatze, nicht wahr?«, sagte er, und seine Mundwinkel formten ein fieses Lächeln.

»Gottes kleine Wildkatze!«, zischte Mercy Bowlers durch ihre Zähne.

Bei der Erwähnung Gottes stach es in Benstons schwarzes Herz hinein. Es war für ihn ziemlich lästig, schon bei der Erwähnung des Herrn gepeinigt zu werden. Mit einer barschen Ohrfeige, die Mercys blondes Haar zur Seite wirbeln ließ, versuchte er seine Schwäche zu überspielen.

»Wenn du einen Namen benötigst, Schlampe, dann such dir einen aus! Meinen richtigen Namen nenne ich dir nicht!«

Die Blondhaarige spürte einen kupferartigen Geschmack in ihrem Mund. Wegen der Ohrfeige hatte sie sich auf die Zunge gebissen. Das Gemisch aus Schleim und frischem Blut spie sie mit einem verächtlichen Laut auf Benstons schwarze, blank polierte Salonschuhe. Der Dunkle weitete entsetzt seine Augen, da er sich das teure Paar erst vor kurzem hatte anfertigen lassen - und die exquisiten Schuhmacherwerkstätten in London waren gewiss nicht billig! Rasch beugte er sich nach vorne und wischte mit dem Taschentuch über die Schuhspitzen. Unvorsichtigerweise kam er der Frau zu nah. Mercy winkelte blitzschnell ihr rechtes Knie an und fetzte es gnadenlos in sein Gesicht hinein. Ein überraschter, sehr weibisch klingender Schmerzensschrei ertönte. Benommen torkelte der Mann zurück und landete hart auf dem Hintern. Sein Monokel war ihm vom Auge gefallen. Glücklicherweise hatte dieses zur Sicherung ein feines Goldkettchen, das an einem Knopfloch seiner Anzugjacke eingehakt war. Nun hatte Benston den Geschmack von Kupfer auf seiner Zunge.

Wortlos stand er auf und blickte Mercy abschätzend an.

»Das könnte zwischen uns beiden ... sehr unterhaltsam werden«, stellte er mit einer heiseren Grabesstimme fest.

Mercy ignorierte sein Gerede.

»Wo ist meine Freundin?«, wollte sie unbeirrt ein weiteres Mal von ihm wissen.

»Tot«, antwortete er knapp. »Oder hast du geglaubt, ich lasse die Stimme und ihren Balg am Leben?«

Mercy Bowlers wusste, wann ein Mann log oder nicht. Dabei war es gleichgültig, ob dieser zu den Hellen oder Dunklen gehörte. Sie war eine Straßenritze, eine Hure mit viel Gespür für solche Einzelheiten.

Männer waren nicht sonderlich talentiert, wenn es ums Täuschen oder Lügen ging.

Frauen ebenfalls nicht - doch die meisten Männer taten sich generell schwer damit, zu verstehen, was eine Frau wirklich meinte, wenn sie redete.

»Du lügst«, stellte sie klar in den Raum hinein und war sich sehr sicher bei dieser Aussage.

»Ach, du denkst, dass ich Unwahres verbreite? Wie amüsant! Es war ein Vergnügen Ihnen dabei zuzusehen ...«, meinte Benston und verstummte absichtlich, um Mercy zu verunsichern.

»Zuzusehen? Wem?«, herrschte Mercy ungehalten heraus, von einer plötzlichen Ungewissheit gepackt. Spricht dieser Scheißer doch die Wahrheit?

Trotz der Sorge um Lydia, die sie nun vollends beherrschte, empfand sie ein durchdringendes Ekelgefühl, wenn sie den aristokratisch wirkenden Mann nur anblickte. Diese Abscheu schien stärker zu sein als alle Furcht vor dem Bösen, stärker als die Unklarheit, was den Verbleib ihrer Freundin anbelangte.

»Meine Vasallen«, flüsterte der Mann bedrohlich sanft und gierte dabei in Mercys blauen Augen hinein, »haben sich leidenschaftlich an Lydias Weiblichkeit vergangen. Zu Dutzenden haben sie das getan, inbrünstig ihren Samen hinausgetrieben.«

Ein ungutes Gefühl machte sich schleichend in Mercys Herz breit, dennoch vertraute sie ihrem Instinkt und ihren Erfahrungen mit Menschen.

»Nur Gerede, Shitface! Ich glaub dir kein Wort!«

Auf Benstons kalkblasser Stirn zeigten sich Falten des Überraschtseins.

»Shit ... face? Warum nennst du mich so?«

»Weil du mir deinen richtigen Namen nicht nennst - du sagtest, ich könne mir einen aussuchen. Schon vergessen?«

Der Dunkle spitzte angewidert seine blauhäutigen Lippen.

»Ich kenne mich mit den amerikanischen Sprachentgleisungen nicht aus! Übersetze ich das richtig mit ... Scheißgesicht?«

Mercy lachte kehlig heraus, was in Anbetracht der Umstände einem wahren Wunder nahekam.

»Nein, Shitface bedeutet schlicht ... Arschgesicht!« Zwinkernd schob sie brüsk nach: »Wahrscheinlich passt der Name sogar besser zu dir als dein richtiger.«

Benston war außer sich vor Wut. Seine dunklen Augen glühten regelrecht. Unbewusst ballte er die Fäuste.

»Du elende Fotze ...!«, schwappte es aus ihm hervor, um dann von Mercy schroff ausgebremst zu werden.

»Oh, danke!«, unterbrach sie Benston. »Ist doch bestens«, erklärte sie mit beißendem Zynismus in der Stimme. »Du sagst Fotze zu mir - und ich habe naturbedingt eine!« Lachend ergänzte sie ihre vulgären Ausführungen: »Deswegen nenne ich dich auch ... Shitface!«

Der Diener des Ur-Bösen zwang sich, zu schweigen.

»Du hast übrigens recht«, sagte die blondhaarige Straßenritze abschließend als freches, kurzes Resümee. »Das könnte zwischen uns beiden ... wirklich sehr unterhaltsam werden.«

Weiter so, Kleine! Lass dich nicht unterkriegen!, flüsterte ihr der unsichtbare weibliche Schutzengel Stephanie Moody ins Ohr hinein. Und dieses ... Shitface ist ja sowas von originell, obwohl ich dir ja eigentlich das Schimpfwort »Loser« zugeflüstert habe!

Mercy antwortete ihr in Gedanken.

Gott gab mir den freien Willen hierzu! Und ich bin sehr kreativ bei so etwas! Ich hab in der Bronx gearbeitet!

Stephanie war sehr amüsiert über Mercys Dreistigkeit, flüsterte oder dachte jedoch nichts dazu.

»Und? Wie geht das hier nun weiter?«, fragte die Blondhaarige den Dunklen in einem fordernden Tonfall.

Doch Benston sagte weiterhin keinen Ton, forschte ernst blickend in seiner Gedankenwelt herum. Äußerlich zeigte der Mann keinerlei Regung, doch eine erfahrene Frau wusste das natürlich besser.

Mercy grinste eine Spur herablassend den innerlich zur Weißglut gereizten Benston an, dessen wirklichen Namen sie erst in dreißig Jahren erfahren wird.

Eines Tages werde ich dich töten!,

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