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Mercy, die Straßenritze 5

Lumen Gasmo

Mercy, die Straßenritze 5

Der eigentliche Feind


Für Sandrina Rossi


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Copyrighthinweise

Mercy, die Straßenritze 5

"Der eigentliche Feind"

Lumen Gasmo

 

Mercy, die Straßenritze 5 "Der eigentliche Feind"

Copyright©2016 Lumen Gasmo

All rights reserved.

Text: Lumen Gasmo

Kontakt: BookRix GmbH & Co. KG

Sonnenstraße 23

D - 80331 München

E-Mail: LumenO.Gasmo@gmx.de

Facebook: Lumen Gasmo - Autorin

Cover: www.pixabay.com (Bild: horror-1046143)

 

 

Personen und Handlung sind von mir frei erfunden.

Ähnlichkeiten mit lebenden oder verstorbenen Personen sind rein zufällig.

Dieses Buch ist ausschließlich für Leserinnen und Leser, die volljährig sind und keinen Anstoß an der Darstellung sexueller Handlungen und an obszönen Beschreibungen haben. Ein Teil der Handlung schildert auch Gewaltakte und Religiöses. Der komplette Inhalt meiner Romane und die Meinungen und Ansichten der Romanfiguren spiegeln nicht die Meinung und Ansicht von mir, der Autorin, wider. Alles von mir Beschriebene ist völlig fiktiv und dient nur der bloßen Unterhaltung für Erwachsene. Ich schreibe ausschließlich fantasievolle und satirisch überzeichnete Belletristik und keine Sachbücher oder Ratgeber.

Fiktive Romanfiguren können auf Kondome verzichten.

In der Realität gilt: Safer Sex!

 

Alle Rechte vorbehalten.

Nachdruck oder eine andere Verwertung, auch auszugsweise, nur mit meiner schriftlicher Genehmigung.

 

Meine E-Books sind nicht übertragbar und dürfen nicht weiterveräußert werden.

Bitte respektieren Sie mein Eigentum und erwerben eine legale Kopie.

Jeder Verstoß gegen mein Urheberrecht wird zur Anzeige gebracht und zieht

gezielt rechtliche Konsequenzen nach sich!

 

Vielen Dank für den Kauf meines Romans und gute Unterhaltung bei meinen Fantasien!

 

Lumen Gasmo, 26.06..2018

Prolog, New York, vor 16 Jahren

»Mum, können sich böse Menschen ändern?«

Die 12-jährige Marcy Bowlers, die später unter dem Pseudonym »Mercy« ihren Lebensunterhalt als Straßenhure verdienen wird, bestrich sich eine Scheibe Toastbrot mit frischer Erdnussbutter. Mutter Madeleine saß ihr in einem geblümten Morgenmantel gegenüber, während Vater Mathew mit dem kleinen Marc hinterm Haus einem ledernen Fußball hinterherjagte.

Sonntagmorgen im Hause der Bowlers.

»Ob sich böse Menschen ändern können? Hm, kommt ganz darauf an«, meinte Madeleine ohne eine weitere Erklärung. Gedankenversunken nippte sie an ihrem Kaffee, schien die nächsten Worte sorgfältig zu überdenken.

Marcy schätzte ihre Mum für ihre Ratschläge sehr. Es war nicht immer einfach mit der konservativen Mutter, die sowohl beim christlichen Glauben als auch bei den Grundsätzen für Moral und Anstand strenge Ansichten vertrat und diese gerne mit feurigen Reden untermauerte.

Dennoch liebte Marcy ihre Mutter über alles! Sie spürte, dass Madeleine trotz ihrer Konflikt- und Redefreudigkeit ein absolut gutes Mutterherz in sich trug.

Und bei Fachfragen zu Religion hatte Madeleine Bowlers die höchste Kompetenz in der Familie. Zudem konnte man bei ihren Erklärungen immer davon ausgehen, dass diese wohl durchdacht waren.
So auch heute.

»Marcy, als du heute Morgen aufgestanden bist, hast du doch schon Entscheidungen getroffen, oder?«, begann Madeleine nach ihren Überlegungen. »Ja, sicher, aber was hat das mit meiner Frage zu tun?« Mutter Bowlers lächelte wissend.

»Mehr als du denkst, Kleines.«

Marcy, 12-jährig, Pubertätseinsteigerin, hasste es abgrundtief als »Kleines« bezeichnet zu werden, doch da ihr die Beantwortung der Frage wichtig war, sah sie heute mal darüber hinweg und stritt nicht mit ihrer Mum herum.

»Was haben meine Entscheidungen damit zu tun, ob sich ein Mensch ändern kann?«
Marcys Interesse war geweckt. Madeleine antwortete mit einer Gegenfrage.

»Welche Dinge hast du heute Morgen entschieden?«

Das blonde Mädchen lachte herzhaft.

»Na, ob ich lieber Erdnussbutter oder Erdbeermarmelade zum Toast mag.«

»Sehr gutes Beispiel!«, schmunzelte die Mutter und sah ihre Tochter direkt in die wunderschönen, blauen Augen hinein. »Und welchen Aufstrich hast du gewählt?«

»Aber Mum, das siehst du doch - die Erdnussbutter natürlich!«, entgegnete Marcy mit einem amüsierten Schmunzeln auf den Lippen. Madeleine nahm einen Schluck Kaffee, ehe sie weitersprach.

»Wer hat dich dazu gezwungen, ausgerechnet die Erdnussbutter zu wählen und nicht die leckere Marmelade?«

»Gezwungen? So ein Quatsch, Mum!«, lachte das blondhaarige Mädchen der Frau entgegen. »Niemand zwingt eine Bowlers zu etwas, was sie nicht mag!« Halb lachend schob sie nach: »Jedenfalls beim Essen!«

»Wirst du morgen wieder die Erdnussbutter zum Toast nehmen?«, fragte Madeleine Bowlers unberührt nach und lächelte sanft.

»Morgen? Weiß noch nicht, Mum! Wenn mir danach ist!« Schließlich erinnerte sich das Mädchen an ein vergangenes Gespräch mit seiner Mutter und erklärte freudestrahlend: »Freie Wahl, freier Wille! So hast du es uns beigebracht, nicht wahr?«

»Endlich verstehst du, was ich wirklich sagen will, Kleines«, antwortete Madeleine.

»Auch der böse Mensch kann sich jederzeit für ... Erdnussbutter entscheiden!«
Marcy Bowlers machte ein nachdenkliches Gesicht.

»Einfach so?«

»Ja, einfach so, Marcy! Gott hat uns den freien Willen geschenkt und gleichzeitig auch die Verantwortung, damit umgehen zu können und zu wollen!« Die 12-Jährige weitete ihre Augen.

»Dann kann ein böser Mensch sich wirklich ändern, wenn er sich nur dazu entschließt?«
Madeleine schüttelte leicht ihrer Kopf.

»Das ist nur der Einstieg ins Team, Marcy!«

»Ins Team? In welches Team?« Das hübsche Gesicht des Mädchens war ein einziges Fragezeichen.

»Reden wir jetzt von Football, Mum?« Nun lachte

Madeleine herzlich über die Bemerkung ihrer Tochter.

»Aber nein, Kleines! Ich meine das Team der Guten!« Marcy grübelte kurz.

»Ach, und was muss dann derjenige tun, der ins Team gewechselt hat, um von den anderen Mitspielern anerkannt zu werden? Er war doch ein Böser!« Die Mutter sah ihre Tochter mit einem wohlwollenden Blick an.

»Wie beim Sport auch, Marcy! Ein Neuer im Team muss sich richtig anstrengen, um allen anderen zu beweisen, dass er sich wirklich dauerhaft entschieden hat, mitzuspielen - nach den neuen Teamregeln natürlich!«

»Und wenn er es nicht schafft, Mum?«

Madeleine nippte an ihrer Tasse.

»Ein gutes Team unterstützt die Neuen, Marcy!« Schließlich hängte sie an: »Und über allen Spielern wacht ein großer Trainer! Und der freut sich ganz besonders über die Neuzugänge in seinem Team!« Madeleine wirkte ein wenig ernst, als sie anschließend erklärte: »Letztendlich geht es darum, im Finale ein gutes Spiel zu machen, um zu gewinnen!«

Die Küchentür wurde aufgerissen. Der kleine, lockenköpfige Marc Bowlers stand strahlend im Türrahmen.

»He, Marcy! Spielst du mit Fußball?« »Gerne!«, antwortete seine Schwester Marcy sofort.

»Aber nur dann, wenn du in einem wirklich guten Team spielst!« Dann lachte sie selbst am lautesten über ihren zweideutigen Witz, und Mutter Madeleine wusste, dass die Tochter die Worte verstanden hatte. Ganz gewiss hatte sie es. Sie war doch so ein bezaubernder Engel mit blonden Haaren.

1. Kapitel, Gestrichen voll

»Es ist schön, dass Sie mich wieder begleiten!
Wir stecken nämlich wieder ziemlich tief in der Scheiße! Nun ja, beim Angriff auf Rastiastan damals war es nicht weniger gefährlich als in Dubai - aber es reicht mir langsam!

Lydia und ich sind auf der Damentoilette unseres Hotels von einer Rothaarigen angegriffen worden! Diese Lizzy wollte mich erschießen! Können Sie sich das vorstellen? Währenddessen haben Cooper und Miller, zwei Bodyguards, die uns Thomas Bendermann zum Schutz mitgegeben hatte, in der Lobbybar durchgedreht und ein Blutbad angerichtet! Echt irre! Karl und Ansgar haben diese beiden Wahnsinnigen gestoppt!

In dem Chaos sind wir aus dem Hotel geflohen! Ansgar hat die Vermutung, dass wir alle in Gefahr schweben - wir glauben ihm! Diese Lizzy schleppen wir mit - Ansgar will sie zum Reden bringen! 

Unterwegs haben wir zwei Geiseln genommen - ja, Sie haben leider richtig gehört! Wir mussten ja untertauchen! Wir sind bewaffnet, haben die rothaarige Killerin Lizzy als Gefangene und Maurice und Bharati als Geiseln! Wirklich wahr!

Maurice und Bharati haben uns in die unbewohnte Villa ihres Freundes geführt! Langsam glauben sie uns auch unsere haarsträubende Geschichte!
Ich würde dies nicht tun! Ganz gewiss nicht!

Ansgar hat Thomas angerufen!

Tom hat versprochen, uns schnell zu helfen!

Was hatte ich doch früher für ein sorgloses Leben! Und jetzt? Jetzt bin ich eine Auserwählte vor dem Herrn mit einer Prophezeiung am Hals und muss ständig um mein Leben bangen! Ich könnte gerade abdrehen! Ich will nur noch nach Hause! Und damit meine ich nicht den Bendermann-Palast in der Scheißwüste!

Ich will zurück in die Staaten, ich will nach New York!

Ich hab die Schnauze voll! Gestrichen voll! Es reicht mir!«

2. Kapitel, Weitere 9

»Wer hat dich geschickt?«
Ansgar Gradeners harter Handrücken traf erneut die verletzte Lippe der rothaarigen Frau. Doch Lizzy aus Texas schwieg beharrlich und spuckte verächtlich ein wenig Blut vermischt mit Schleim auf den Fußboden.

»Nichts werde ich dir sagen, Bastard! Du wirst mich schon töten müssen!«, zischte sie aggeressiv.

»Schon möglich«, erwiderte Ansgar kalt und schlug noch einmal zu.

»Ansgar!«, bremste Karl Wisemeyer ihn aus. »Das reicht jetzt!« Der schwarzhaarige

Gradener blickte Wisemeyer ernst an.

»So, glaubst du? Die Fotze hat versucht, Mercy und Lydia umzubringen!« Schließlich wandte er sich wieder Lizzy zu. »Ich glaube nicht, dass das reicht«, meinte er und boxte der gefesselten Rothaarigen mit der Faust in den Magen hinein. Nach einem kurzen Schmerzensschrei ging die Frau japsend zu Boden und krümmte sich wimmernd.

»Nun frage ich dich aufs Neue«, sagte Ansgar mit fordernder Stimme. »Wer ... hat dich geschickt?« Lizzy schnaubte ein unmissverständliches »Fuck You« heraus. Ansgar Gradener sagte daraufhin nichts, stand regungslos da, schien zu nachzudenken.

Maurice Xavier, der zusammen mit seiner Freundin Bharati auf einem Sofa in der Nähe saß, beobachtete das Verhör der Rothaarigen. Als Koch hatte er viele Länder bereist und unzählige Menschen getroffen und gesprochen. Der Mann kannte die Menschen und hatte dabei eine ausgeprägte Menschenkenntnis erworben. Seit er und Bharati in diese Geisel-Situation geraten waren, kreisten seine Gedanken unablässig um das Geschehen. Sein Verstand raste regelrecht, Synapsen in seinem Gehirn liefen auf Hochtouren heiß - immer und immer wieder, pausenlos!

Er blickte hinüber zu den beiden Frauen. Die Blonde und die Braunmähnige sahen nicht wie Terroristinnen oder Mörderinnen aus. Zudem schienen beide die brutale Vorgehensweise des Schwarzhaarigen, der sich ihnen als Ansgar vorgestellt hatte, zu missbilligen. Auch der lockenköpfige Mann und dieser muskulöse Kerl, der Karl hieß, waren gewiss keine eiskalten Typen, die skrupellos jemanden umbrachten.

Doch, ... dieser Ansgar, der ohne Zweifel der Anführer der Gruppe war, strahlte genau die Kaltblütigkeit und die Entschlossenheit aus, die notwendig waren, um moralische Grenzen zu verletzten und zu überschreiten.
Dieser Mann war nicht nur bereit dazu einem anderen Menschen Gewalt anzutun, er würde - falls erforderlich - jemanden töten!

Diese Lizzy sollte besser reden, bevor es zu spät dafür ist!, schlussfolgerte Maurice innerlich angespannt, als er sah, wie sich Ansgar niederkniete und der Rothaarigen eine schallende Ohrfeige gab. Wieder spuckte sie Blut.

»Ihr werdet alle verrecken!«, kreischte sie höhnisch. Ansgar Gradener zog den Metallschlitten seiner Pistole zurück, lud sie und schob den Lauf der Waffe in den Mund der Frau hinein.

»Nein, Ansgar! Nicht!«, schrie Mercy entsetzt auf.

»Halt dich da 'raus, Mercy!«, schnauzte der Mann knapp, dann atmete er tief durch.

»Probieren wir es ein letztes Mal, Lizzy!« Mit einer furchterregend emotionslosen Stimme, in der jegliche Kompromissbereitschaft fehlte, schob er klar nach: »Es ist mir egal, ob du stirbst! Und dann werde ich die finden, die zu dir gehören - und sie büßen lassen ... für dein Schweigen!«
In diesem Moment glaubte jeder im Raum Ansgar Gradener aufs Wort - auch Lizzy aus Texas!
Keiner sagte einen Ton, keiner schien zu atmen.

»Ich zähle jetzt von 3 ab ... rückwärts«, meinte Ansgar unaufgeregt mit einem Blick aus purem Eis. 

»3 ... 2 ... 1!«

Ansgars Smartphone läutete plötzlich schrill. Fast jeder zuckte zusammen - auch Lizzy aus Texas!
Er nahm den Finger vom Abzug, ließ die Waffe jedoch im Mund der Frau stecken, als er das schrillende Smartphone, das er von Maurice Xavier bekommen hatte, aus der Innentasche seines Jacketts fischte.
Es war Thomas Bendermann.

»Ansgar, hör zu! Ein 3er-Team wird euch in zirka einer Stunde abholen. Sie kommen mit großräumigen Limousinen.« Gradener stutzte.

»Limousinen?«, fragte er überrascht nach.

»Ja«, antwortete Bendermann. »Sie haben Werbeaufkleber von Bendermann’s Basics auf den Seitentüren!
Aus meiner Filiale ... in Abu Dhabi!« Ansgar konnte das Gehörte kaum fassen.

»Du lässt uns mit Firmenwagen abholen? Ist nicht dein Ernst, oder?«

»Je auffälliger desto unauffälliger ... die City von Dubai ist wegen des Anschlages im Hotel polizeilich abgeriegelt worden. Man sucht Terroristen - keiner wird in offensichtlichen Firmenfahrzeugen danach suchen!«

In dem Chaos klang das Absonderliche sogar einleuchtend - dies musste sich Ansgar Gradener eingestehen.

»Und wer gehört zu dem Team, das uns abholt?«, fragte der Mann bei seinem Chef nach. »Sind sie bewaffnet?«

»Eher nicht«, entgegnete Thomas Bendermann zögerlich. »Stephanie Moody ist meine Geschäftsführerin in Abu Dhabi. Und die beiden anderen Damen gehören zur Buchhaltung.«

»Du schickst uns ... Buchhalterinnen?« Gradener schnaubte gereizt. »Thomas, wir sind hier in einer Krisensituation! Ist dir schon klar, oder?«

»Wollt Ihr schnell aus der Krise 'rauskommen? Oder nicht?«, antwortete Bendermann eindringlich.

Ansgar schwieg, sah sich im Raum um: zwei - glücklicherweise ruhige - Geiseln auf dem Sofa, eine zusammengeschlagene hartnäckig schweigende Killerin auf dem Fußboden, dazu Karl und Marc, die ziemlich gestresst wirkten und es auch waren - ihnen gegenüber, in Ledersesseln hockend, Mercy und Lydia, die wegen seiner brutalen Vorgehensweise ziemlich geschockt aussahen.

»Ja, Thomas«, sagte Ansgar schließlich. »Wir wollen hier schnell 'rauskommen!«

»Ich habe Stephanie diese Mobilfunknummer gegeben. Sie wird dich anrufen, wenn sie mit den Limousinen vor dem Haus stehen! Hast du etwas aus dieser Killerin herausbekommen?«, wollte Thomas abschließend wissen.

»Noch nicht«, entgegnete Ansgar trocken. »Ich wollte sie gerade erschießen

Ein kurzes Zucken ging durch Lizzys Augen - ein Zeichen von Angst!

Gut so!, dachte Ansgar, als er es bemerkte.
Dann wurde das Telefonat mit Thomas Bendermann beendet. Gradener steckte das Smartphone zurück in sein helles Jackett hinein und widmete sich wieder Lizzy aus Texas.

»Ich bin fair und zähle erneut rückwärts, einverstanden?«, sagte er nüchtern und schob die Pistole tiefer in ihren Rachen hinein, was sie mit einem kurzen Würgegeräusch quittierte. »3 ... 2 ... 1!«

»Verdammt! Reden Sie endlich!«, schrie Karl Wisemeyer plötzlich laut los. »Sie haben keine Ahnung, was Ansgar mit Ihren Verwandten anstellen wird! Der genießt das Abschlachten von Wehrlosen! Ich kenne diesen Mann schon sehr lange!« Karl sah Ansgar direkt an. »Zu lange!« Schließlich blickte Wisemeyer Lizzy an. »Er ist ein verdammter Psycho, der macht auch vor alten Damen und Kindern nicht halt!«

»Würdest du mir die Show nicht wieder versauen, Karl, ja? Immer bist du so ein Weichei! Damals, in L.A., als ich dem kleinen Kind den Kopf weggeschossen habe, hast du auch so doof rumgeflennt! Lass mich meinen Job machen! Bendermann bezahlt uns dafür, okay?«, brüllte Ansgar streng.

»Hören Sie, Lizzy!«, machte Karl auf drängend. »Ansgar wird ihre Verwandten zu Tode quälen! Sie haben ja keine Ahnung, zu was ...«

»Karl, geh 'raus und rauch 'ne Kippe, wenn du die Scheiße hier nicht verträgst! Wie immer!«

»Du weißt, dass ich dagegen bin, dass du die Hinterbliebenen folterst! Ein sauberer Schuss reicht aus!«, blaffte Karl Ansgar an.

»Das ist deine Methode! Ich brauch mehr - mehr Spaß!«

»Spaß? Du bist krank, Ansgar! Total krank!«

Marc Bowlers, Mercys Bruder, war zuerst geschockt, dann verblüfft, schließlich innerlich amüsiert.
Die Inszenierung, die Ansgar und Karl hier spontan vorführten, wirkte völlig authentisch.
Mercy und Lydia mischten sich nicht ein, scheinbar hatten die beiden Frauen ebenfalls verstanden, dass es nur darum ging, die gefesselte Lizzy zu täuschen und zum Reden zu bringen.

»Bendermann hat uns freie Hand gegeben, Karl«, erklärte Ansgar energisch. »Wir sollen die Fotze zum Sprechen bringen - egal wie!«

»Die wird nicht reden«, sagte Karl. »Schau sie dir doch mal an! Die wird eher sterben!«

Ansgar lächelte schief.

»Hoffentlich hat die Schlampe Kinder!«

Lizzy deutete an, sprechen zu wollen. Ansgar zog den Lauf seiner Pistole aus ihrem Mund heraus. Es sah so aus, als ob die Show endlich Wirkung zeigte. Die Frau lachte kurz.

»Ich glaub euch kein Wort, Jungs!«, frohlockte die Rothaarige verächtlich.

»Ihr macht mir hier etwas vor! Ihr seid keine Killer!«

Ansgar Gradener drehte die gefesselte Lizzy auf den Bauch, nahm seine Pistole und hielt den Lauf der Waffe an den kleinen Finger ihrer rechten Hand. Ein ohrenbetäubender Knall ertönte, Lizzy schrie gellend auf. Der abgeschossene Finger klatschte an die gegenüberliegende Zimmerwand. Mercy und Lydia hielten sich vor Entsetzen gleichzeitig die Hand vor den Mund. Marc und Karl standen blass, wie angewurzelt da.
Maurice Xavier hatte das Ganze kommen sehen.

Sie hätte besser geredet!, dachte er und hoffte inständig, dass Bharati und er diese Nacht überlebten.
Lizzy aus Texas kreischte vor Wut und Schmerz, wälzte sich hin und her.

»Okay, das war Nummer eins!« Ansgars Tonlage triefte vor Zynismus. »Noch weitere 9 Finger ... und 10 Zehen!« Schließlich forderte er sie erneut auf: »Also, ... wer hat dich geschickt?«

3. Kapitel, Worte einer frisch Entschlossenen

»Ich weiß, dass Sie mich vor meiner Veränderung gehasst haben!
Und ich kann das verstehen, wirklich!
Ich habe mich selbst gehasst für das, was ich war!
Doch, ich bin damals ... in Italien ... als Kind ... einen unseligen Pakt mit dem Bösen eingegangen, der mich zu einer widerwärtigen Person hat werden lassen! 

Verstehen Sie? Ich wollte meine Eltern schützen - und Nonna Maria, meine Großmutter! Die Dunklen hätten sonst alle abgeschlachtet und ihre Seelen in alle Ewigkeiten verdorben! Ich habe meine Unschuld geopfert, um meine Familie zu retten! 

Ja, ich habe Menschen gequält und getötet! Ich wurde zu einer Auftragskillerin, um den Dunklen zu dienen! Wohlstand und Gesundheit für mich und meine Eltern waren die Gegenleistung hierfür! Ich wurde abhängig von einem berauschenden Gefühl, das mir die Dunklen schenkten, wenn ich jemanden elendig sterben ließ! Die Dunklen haben mich im Laufe der Jahre krank gemacht und süchtig werden lassen! Süchtig werden lassen, Böses zu verrichten, Böses zu genießen! 

Dabei haben die Dunklen eines nicht bedacht: Gott scheint auch einen Plan für Psychopathinnen zu haben!
Anders kann ich das nicht erklären, denn als ich in den Sümpfen Floridas auf Arthur McFadden getroffen bin, hat mein Leben einen grundlegend anderen Verlauf genommen! 

Arthur ist ein besonderer Mann - und wir haben uns nur an einem einzigen Tag ineinander verliebt!
Niemals mehr werde ich diesen Sonntag vergessen, an dem er mich mit seiner Liebe und Entschlossenheit rettete!
Und ich danke Gott dafür und hoffe, dass er jemandem wie mir überhaupt zuhört!
Danke von ganzem Herzen! Grazie!«

4. Kapitel, Motel

Der dicke Mann brüllte laut auf, als es ihn erfasste.
Der milchig-weiße Samenschuss traf die Blondhaarige mitten ins Gesicht, weiteres Sperma spritzte in einer gehörigen Menge zwischen ihre festen Brüste hinein und triefte in wirren Bahnen über ihren schweißnassen Bauch.
Ein letzter Klecks landete auf ihrer blank rasierten Scham. Schließlich zog Sandrina den keuchenden Arthur zu sich heran und verbiss sich in seine Lippen zu einem leidenschaftlichen Kuss.

»Du machst mich wahnsinnig«, flüsterte sie und rieb mit ihrer rechten Hand den letzten Tropfen aus seiner abklingenden Männlichkeit heraus.

»Nein«, japste er. »Du bist der Wahnsinn.« Dann legte er sich seitlich und nahm die Frau in seine starken Arme. Während er sie erneut innig küsste, spürte sie wie sein Mittelfinger in ihre Ritze flutschte und sie spielerisch neckte und reizte. Später dann, als sie in einem gewaltigen Höhepunkt seinen Namen kreischte und ihn liebte wie nie einen Menschen zuvor in ihrem Leben, fühlte Sandrina Rossi, dass sie es geschafft hatte.

Die Dunklen konnten sie nicht zwingen, Arthur McFadden ein Leid zuzufügen.
Sie hatte entschlossen gewählt ... und war nun frei!
Einfach so. Arthur hatte dies bewirkt, sie mit seiner Liebe unterstützt.

Er hat mich gerettet!, dachte die Frau, als die Welle der Erregung sichtlich verebbte und sie zufrieden ausstöhnte, als sie sich befriedigt reckte und streckte - und sich so unbeschreiblich glücklich fühlte!
Für Sandrina war dies ein völlig neues Gefühl, eine gute Empfindung, die sich warm und angenehm in ihrem gesamten Körper ausbreitete.

Ich werde geliebt ... und ... ich liebe ihn! Oh, wie schön!
Die Blondhaarige schloss die Augen und lächelte.
Engelslächeln.

Nach einer Weile der Stille und des Ausruhens stellte er ihr eine Frage.

»Was geht durch deinen wunderschönen ... italienischen Kopf?« Sandrina schmunzelte.

»Diana schweigt in meinem Inneren!« Schließlich fügte sie an: »Sie hat keinen Einfluss mehr auf mein Handeln!

Die Bitch ist weg!«
Dann drehte sie sich zu McFadden hin und sah in sehnlichst an: »Du tust mir gut, Art. So gut.« Arthur streichelte sanft ihr Gesicht.

»Schon 'ne witzige Fügung, dass du die Ratten bei mir gekauft hast.« Sandrina kuschelte sich an seinen dicken Leib heran und umschlang ihn mit ihren Schenkeln.

»Da fällt mir ein, ich habe dich noch nicht dafür bezahlt«, ließ sie Humor aufblitzen und küsste seine lange Bauchnarbe. Er lachte knapp.

»Darüber können wir verhandeln, wenn du dich abgeduscht hast«, entgegnete er.

»Ich hab' dich ja völlig eingesaut!«

Mit der Hand wischte sie sich das Sperma von den Wangen und leckte ihre Fingerspitzen ab.

»Mmh, ich mag es, wenn es noch warm! Darauf steh' ich voll, Art!«
Schließlich küsste sie ihn wieder tief und leidenschaftlich, spürte seine Nähe, fühlte den Halt, den er ihr gab.
Arthur McFadden, der Tierfänger aus dem Sumpf. Ja, er hatte sie gerettet!

Nachdem sie seine Hütte in Brand gesetzt hatten, waren sie die ganze Nacht durchgefahren, um schließlich in diesem kleinen Motel abzusteigen - irgendwo, am Rande vom Nirgendwo!

Sandrina dachte an den Deputy und die beiden Widerlinge, die versucht hatten, Arthur und sie umzubringen und die tödlich deswegen bereut hatten. Ihre Leichen waren sicherlich bis zur Unkenntlichkeit verkohlt. Die Identifizierung der Toten würde eine Weile dauern - diesen zeitlichen Vorsprung hatten sie bereits! Es war klar, dass jemand die Spur zu ihnen aufnehmen würde - wenn nicht die Polizei, dann derjenige, der die Killer geschickt hatte! Schlimmstenfalls würden die Krähen kommen!

Im Augenblick wollte Sandrina Rossi darüber nicht nachdenken - sie wollte sich nur endlos wohlfühlen!
Endlich konnte sie dies!
Endlich ... nach all der Zeit des Verlorenseins und der Verdammnis.

»Bist du schon müde?«, fragte sie ihn neckisch und zupfte an seinen verschwitzten Brusthaaren herum.

»Was schwebt dir vor, Signora?«, antwortete er ruhig und gelassen. Sie zwinkerte ihm keck zu.

»Leck mich, ... leck mich, bis ich besinnungslos werde ... vor Glück!«
Und genau das tat Arthur McFadden dann!
Genau das.

5. Kapitel, Ich bin der Glaube!

»Noch vor wenigen Monaten war ich eine Mathestudentin in New York - und eine entschlossene Jungfrau! Dann wurde ich von dem Menschenhändler Thomas Bendermann entführt und an einen Prinzen im sonnigen Rastiastan verkauft. Für 10 Millionen US-Dollar! Ehrlich wahr! 

Sind sie mal eine entschlossene, streng katholische Jungfrau in einem Harem!
Das ist alles andere als lustig gewesen! Ich wurde von den anderen Damen regelrecht gemobbt!
Na ja, meine krampfhafte Entschlossenheit war dann eher krankhafter Natur. Ein tiefes Kindheitstrauma! 

Doch meine Begegnung mit Mercy Bowlers hat mein Leben in eine gute Richtung gelenkt.
Wir sind beide blond, blauäugig, frech, direkt und ... New Yorkerinnen!
Dieser blonden Hure verdanke ich sehr viel, und wir sind gute Freundinnen geworden. Ich habe mein Hymen und mein Herz an den Prinzen, meinen glutäugigen Sahid verloren! 

Ein gemeinsames Lebenswerk mit Mercy wurde mir während einer Bewusstlosigkeit offenbart.
Ja, ich hatte einen Kontakt - und Sie wissen schon mit wem!
Ich mag den zweifelnden Blick, den Sie gerade haben!
Genau diesen hatte ich auch! Jetzt weiß ich es besser - viel besser! 

Mercy und ich sind - gemeinsam mit der Rocksängerin Lydia van Bush - die 3 Auserwählten!

Die Stimme, der Glaube, die Macht! Ja, wirklich! Glauben Sie mir, seitdem hat sich viel getan! 

Zwischendurch wollte sich Mercy umbringen - wohl aus Verzweiflung! Wenn man deren kompliziertes Liebesleben hätte, könnte man glatt die Scheiße nachvollziehen, die sie da vorgehabt hatte. 

Behüteterweise konnte ich sie von dem sündigen Schwachsinn abhalten. Dabei bin ich selbst in tödliche Gefahr geraten! Ich wäre fast wegen einer angreifenden Krähe in die Tiefe gestürzt! Im letzten Moment wurde ich von Mercy und Lydia gerettet! Echt wahr, so phantastisch unglaublich, das auch klingen mag! 

Übernatürliches berührt das Dasein von uns drei Frauen. Vieles ist für mich nicht greifbar, so übermenschlich groß! Manches macht mich immer wieder fassungslos - anderes erfüllt mich regelrecht, macht mich dankbar und atemlos vor Freude! Ich hoffe, Sie können verstehen, was ich meine! Besser kann ich es nicht ausdrücken! Glücklicherweise gibt es in der anderen Waagschale die schlichten, ja, die weltlichen Dinge! Obwohl ... so schlicht und weltlich sind diese gar nicht! 

Mercy wird diesen Bendermann heiraten - und liebt heißblütig dessen Bodyguard Ansgar!
Lydia, schwanger von Karl, der früher in Mercy verschossen war, versucht zusammen mit Marc Bowlers, Mercys Bruder, den sie für eine Reinkarnation ihres verstorbenen Jugendfreundes Tim hält, eine wichtige Nachricht für sich und uns zu entschlüsseln. 

Nach blicken Sie noch durch? Ich habe so manchmal meine Probleme damit!
Zudem haben wir Mädels jeder für sich eine zu erfüllende Prophezeiung am Hals!
Und zur Krönung, um das Chaos zu komplettieren, gibt es als Dreingabe düstere, unheilvolle Krähen im Auftrag einer bösen Macht! 

Halt, das hätte ich doch beinahe vergessen! Das Sahnehäubchen der bisherigen Geschichte ist natürlich Gärtner Samuel, der mich aus heiterem Himmel heraus in Rastiastan besucht hat und mit seinem Zelt in unseren wunderschönen Palastgarten eingezogen ist! 

Ach ja, Samuel ist natürlich kein Gärtner im herkömmlichen Sinne!
Aber das haben Sie sicherlich schon geahnt!
Langeweile? Sie glauben doch selbst nicht, dass ich Langeweile habe, oder?«

6. Kapitel, Die Qual der Wahl

Estelle Brukner stand nackt vor dem Kleiderschrank und war - typisch weiblich - kritisch und unschlüssig zugleich.
Ihre Leibdienerin Rana, in einer hellblauen Tunika und einer farblich abgestimmten Hijab, stand daneben und wartete geduldig auf die Entscheidung der Madame. Erfahrungsgemäß konnte dies dauern, denn Estelle, Mitte 20, blondhaarig, von anmutiger Gestalt, kam ursprünglich aus New York. Und wenn eine New Yorkerin vor einem bunt gefüllten Kleiderständer stand, wurde für Außenstehende Geduld zu einer wahren Härteprobe.

»Denkst Du, ich soll schlichte, helle Kleidung tragen oder eher etwas bunt Verspieltes?«, fragte Estelle Brukner in französischer Sprache. Rana schaute die Blondhaarige an und verneigte sich leicht.

»Madame, meine Worte hierzu sind nicht wichtig. Ich bin nur Ihre Zofe.«

Estelle runzelte ärgerlich die Stirn.

»Jetzt hör' mit diesem unterwürfigen Gequatsche auf - das haben wir beide schon lange nicht mehr nötig!

Ich brauch deinen Rat als Frau! Verstehst du?«

Rana, 28-jährig, mit wunderschönen, braunen Augen, die wie Edelsteine um die Wette funkelten, aufgewachsenen als Tochter eines aserbaidschanischen U-Bahn-Zugführers in der dortigen Hauptstadt Baku, hatte sich inzwischen an den ziemlich provokant anmutenden Kommunikationsstil der Amerikanerin gewöhnt.
Estelle Brukner war eben eine Ausländerin - und Rana tolerierte gnädig die forsche Wesensart ihrer Herrin.
Denn, dass diese ungewöhnliche blondhaarige Frau aus dem fernen New York ein gutes Herz besaß, konnte jeder sofort erkennen - nein, man konnte dies regelrecht fühlen!

»Ich würde ein helles Gewand mit einer petrolfarbenen Hijab wählen, Madame. Beides passt ganz hervorragend zu Ihren Riemensandalen«, sagte sie schließlich und bemühte sich dabei nicht unterwürfig zu klingen.
Estelle spitze die Lippen und besah prüfend die empfohlene Kleiderkombination.

»Madame, es ist eh gleichgültig«, schob Rana sanft nach. »Euer Gebieter, unser Herrscher von Rastiastan, liebt seine Gebieterin in jeder Kleidung.« Estelles Kopf fuhr überrascht herum.

»Sahid?«, entgegnete sie kurz. »Es geht mir dabei doch nicht um Sahid. Ich treffe mich gleich mit Samuel in seinem Zelt.«

Oh ja, Samuel!, dachte Rana. Samuel, der Gärtner!
In der Küche sprach das Personal schon über diesen seltsamen Mann, der so plötzlich wie aus heiterem Himmel auf dem Anwesen von Prinz Sahid erschienen war: Samuel. Dieser Gärtner hatte dann zusammen mit den ehemaligen Haremsdamen und einigen Wachleuten ein Zelt im Palastgarten errichtet - und lebte seitdem dort!
Eigenartig war nur, dass einige Bedienstete bei Samuel von einer Frau sprachen und nicht von einem jungen Mann, so wie Rana ihn gesehen hatte. Manche hier müssen sich eine Brille zulegen!, schmunzelte die Dienerin in sich hinein.

»Du hast recht«, pflichtete Estelle Rana bei. »Petrol ist eine seriöse Farbe.« Schließlich fügte sie humorvoll an:

»Sonst lenke ich den kauzigen Kerl noch vom Wesentlichen ab!«

Kauziger Kerl? Rana fand, dass diese Bezeichnung für einen sehr offensichtlich maskulinen Mittzwanziger ein wenig merkwürdig war. Vielleicht braucht Madame ebenfalls eine Brille!, witzelte sie in ihrem Inneren.

 

Es klopfte an der Zimmertür.

»Wer ist da?«, wollte Estelle Brukner wissen.

»Sahid, dein dich liebender Prinz!«, rief der Herrscher durch das Holz hindurch. Estelle deutete auf die gewählte Kleidung, und Rana legte sie ihr rasch an.

»Moment noch, Schatz«, trällerte die blondhaarige Frau. »Bin gleich vorzeigbar!«

 

Nach 5 Minuten klopfte Prinz Sahid erneut an.

»Gleich, Schatz! Gleich!«, hörte er Estelle gestresst rufen. Es verstrichen weitere endlos wirkende 7 Minuten, ehe Rana die Tür zum Gemach öffnete. Die Dienerin verneigte sich, der Herrscher trat ein und sie verließ den Raum.

»Meinst du, ich soll das Kopftuch abnehmen, wenn ich in Samuels Zelt bin?«, plapperte Estelle los, ohne eine weitere Begrüßung auszusprechen.

»Hat Samuel etwas gegen eine Hijab einzuwenden? Oder glaubst nur du, dass er etwas dagegen haben könnte?«, antwortete Prinz Sahid mit zwei Gegenfragen.
Estelle schürzte die Lippen als Zeichen von trotziger Nachdenklichkeit.
Der Prinz schob eine weitere Anmerkung nach: »Wieso die »Kopftuch-Frage«? Glaubst du, dass er ein Engel ist, der nur für die Christen und deren Traditionen zuständig ist, Estelle?« Der Unterkiefer der blondhaarigen Frau klappte nach unten; Sahid fand dies sehr erheiternd.

»Du redest schon wie Samuel«, stellte sie nicht ohne Witz fest.

»Aber du hast recht. Ich mache mir wahrscheinlich zu viele Gedanken ...«

Der Prinz atmete hörbar durch.

»Nach dem Gespräch, das ich mit ihm hatte, mache ich mir pausenlos Gedanken über ihn.«

»Also hat er dich ebenfalls überzeugt?«, drängte es in Estelle.

»Sagen wir es so - er hat mir zu denken gegeben«, erklärte der Mann und setzte sich auf einen mit Fell bezogenen Hocker hin. »Er wusste Dinge aus meiner Kindheit, die niemand wissen kann. Und scheinbar war er auch bei meiner Geburt anwesend.«

»Bei deiner Geburt ...?« Estelle weitete ihre Augen. »Warum war er da dabei?« Sahid rieb sich mit seiner Handfläche die Stirn, holte Vergangenes aus seiner Erinnerung hervor.

»Du musst wissen, ich bin in einem Nomadenzelt in der Wüste zur Welt gekommen. In jener Nacht fegte ein gewaltiger Sturm über das Gebiet.« Der Prinz machte eine kurze Gedankenpause, ehe er weitersprach: »Samuel war mir kurzfristig als Schutzengel ...

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