Logo weiterlesen.de
Meine Schwiegertochter

Rigor Mortis

Meine Schwiegertochter


DANKE Meinen besonderen Dank gilt, Reinhard ohne den diese Geschichte nicht mehr aus meinen Ordner gekommen wäre. Sissi die sich einer mühevollen Überarbeitung hingegeben hat. Ingrid und Monika die sich die Mühe machten, meine Fehler zu beseitigen. Simone, Chris, Arinmoon, Crazy und Uschi. Ohne euch wäre es nicht so einfach gewesen.


BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Meine Schwiegertochter




Es ist mittlerweile mehr als zwölf Jahre her, dass ich Samantha das erste Mal sah. Dass sie meine Schwiegertochter würde, das stand schon seit ihrer Geburt geschrieben und doch war ich überrascht, was für ein hübsches Wesen mir nun schüchtern entgegen blickte. Ihre haselnussbraunen Haare, mit bei Lichteinfall kupferfarbigen Strähnen, schienen unmessbar lang, nur durch die Locken über dem Boden gehalten zu werden. Ihre grünen Augen schauten unschuldig in die weite Welt und dieses Lächeln, was sie auf den Lippen trug, war einfach nicht zu beschreiben. Es fesselte, versuchte gelesen zu werden, doch wusste es genau, wie es Geheimnisse verbergen konnte.

Damals war sie fünfzehn Jahre jung, kaum drei Jahre später heiratete sie Jonathan, meinen Sohn. Er war nicht minder attraktiv als sie, seine braunen Haare, dazu diese dunklen Augen, hatten etwas Geheimnisvolles an sich, seine markanten Gesichtszüge. Wenn er lächelte, bildeten sich kleine Grübchen um seine Augen und mit seiner Größe und seinem muskulösen Körper war er eine sehr gute Partie.

Sie waren ein wirklich schönes Hochzeitspaar, schienen schier glücklich, als sie tanzten, sich immer wieder für Fotos küssten und irgendwann versuchten, ganz heimlich den Ballsaal zu ihren Flitterwochen zu verlassen. Es misslang, seine Freunde hatten sie entdeckt und genötigt, noch einige Hochzeitsspiele zu tätigen.


Doch wie ich gerade schrieb, sie schienen schier glücklich, waren es aber nie. Auch in der heutigen Zeit, und das mitten in Amerika, gab es noch, nun in der heutigen Zeit nennt man es wohl Zwangshochzeit, doch bei uns heißt es: Sie machten eine gute Partie. Meine Welt ist voller technischer Errungenschaften - auch wir sind im zwanzigsten Jahrhundert angekommen - doch wiederum ist sie eine andere, fast zurückgebliebene Welt.

Voller Regeln, voller fast altertümlicher Bräuche und Sitten. Wir sind nicht adelig - oder in den seltensten Fällen - doch hatten sich unsere Familien seit Jahrhunderten dazu entschieden, ihren Kindern die Entscheidung der Ehe abzunehmen.

So auch Samanthas Familie, es war nie anders gewesen, ihre Eltern wurden vermählt, deren Eltern und deren Großeltern, so war auch ihr Schicksal geschrieben.

Nun, ich muss zugeben, sie ist eine ganz besondere junge Frau, sehr belesen, ein freundliches Wesen und perfekt erzogen, wenn auch für unsere Verhältnisse zu frei. Mir wurde mein Sohn nach der Geburt aus den Armen genommen und eine Bedienstete kümmerte sich seither um ihn. Mich nannte er Mutter, doch ich hatte weder die Pflichten einer solchen noch die Rechte. Samantha hingegen wurde von ihrer Mutter erzogen. Sie war ein so herzliches Mädchen, dass es mir das Herz brach, sie so zu sehen, ohne dieses Lächeln, das war seit der Hochzeit eine schöne Erinnerung gewesen, nicht mehr, doch auch nicht weniger.

Ihre Miene war versteinert und trotzdem jederzeit freundlich. Nun waren es bald acht Jahre her, dass sie Jonathan jr. geboren hatte, einen kleinen Wonneproppen. Doch auch ihr wurde der Sohn genommen, sie war nicht für seine Erziehung oder Ähnliches zuständig. Hatte ich mir doch so sehr gewünscht, dass es ein Mädchen würde. Samantha war nur dazu verpflichtet einen Stammhalter mit meinem Sohn zu zeugen, seither waren ihnen getrennte Zimmer gestattet und an ein Liebesleben keineswegs mehr zu denken. Gerade mein Sohn war sichtlich angetan davon, von nun an ging seine, ich nannte sie bei so vielen Namen, dass mir ihr Name gänzlich entfallen ist, Geliebte, hier ein und aus. Selbst Samantha war dies keineswegs entgangen, doch sie hatte ihren Stolz, grüßte immer freundlich, wünschte einen guten Tag und lächelte mit ihrer versteinerten Miene selbst diese Frau an.

Ich hatte es gemerkt, sie war erleichtert, dass ihr diese Pflicht abgenommen worden war. Ich kann mich nicht erinnern, wann sie mit Jonathan noch ein Wort wechselte, das außerhalb des Gewöhnlichen lag. Innerlich hatte ich sicherlich gehofft, dass dieses Paar sich doch noch Zuneigung schenkte, mir mehr als ein Enkelkind gegönnt würde, doch diese Hoffnung blieb nur eine solche. Ich kann nicht sagen, ob ich noch welche habe, dass eventuell irgendeine von Jonathans Geliebten sein Kind in den Armen halten könnte. Doch dies interessierte mich nicht, es war mir nicht zugetragen worden, bis heute nicht.

Jonathan jr. war nun sieben Jahre alt und wie jeden Tag betrat er morgens den Frühstückssaal unserer Familienvilla.

Er nickte mir freundlich zu: "Guten Morgen, Großmutter." Dann ging sein Blick zu seinem Vater: "Vater, auch Euch einen guten Morgen." Erst dann wandte er sich seiner Mutter zu: "Auch Euch Mutter, einen guten Morgen."

Er war sehr gut erzogen, selbst in diesem zarten Alter hatte er die Umgangsformen eines Erwachsenen, was Samantha jedes Mal eine Träne in die Augen hauchte, doch es war ihr nicht gestattet zu weinen. Sie blinzelte diese Träne weg und wandte sich ihrem Essen zu.

Jonathan sah von seiner Zeitung hoch, wie jeden Morgen, nach seinem ersten Kaffee:

"Samantha, du hast heute Termine?" Sie nickte wortlos.

"Gut und mein Sohn?"

Jonathan jr. sah auf:

"Vater, ich werde meinen schulischen Pflichten nachkommen."

"Sehr gut, dann werden wir uns heute Abend um sechs zum Abendessen treffen, ich erwarte euch." Mit diesen Worten verkündete er nicht mehr, als auf Wiedersehen und einen schönen Tag.

Sein Stuhl stand am oberen Ende des Tisches, somit ging er erst an mir vorbei, küsste, wie es sich gehörte, meine Wange, dann wandte er sich in die andere Richtung des Tisches, ging zu seinem Sohn und drückte dessen Schulter und als Letztes ging er zu Samantha. Ihr hauchte er einen Kuss auf die Stirn und somit war seine Verabschiedung, wie jeden Tag, vollkommen.

Jeden Tag sah ich ihre Blicke zu ihrem Sohn, ich kannte diese Blicke, die nicht mehr als Verlangen ausdrückten. Selbst hatte ich diese Blicke vor Jahren meinem Sohn zugeworfen, jedoch wurden sie nie wahrgenommen, genau wie bei Samantha. Ich hatte mir gewünscht, Jonathan in die Arme zu nehmen, mit ihm spielen zu dürfen, doch all dies war mir nicht vergönnt gewesen und auch Samantha hatte sich diesen Regeln zu unterwerfen. So war sie erzogen, nicht von ihren Eltern. Nein dies war meine Aufgabe gewesen und mir fiel es immer schwerer, diese Regeln aufrecht zu halten. Doch wieso hätte ich ihr Freiraum geben sollen, den ich selbst nicht gehabt hatte?

Doch, dass dieser Tag der Anfang großer Veränderungen war, damit hatte ich nicht gerechnet. Ich hätte alles unterbunden, es im Keim erstickt, aber nun war es zu spät. Das Schicksal lehrte mich, dass Meinungen da waren, um geändert zu werden und ich sitze in der Familienvilla, sehe raus auf den Garten und schreibe zwischendurch diese Zeilen. Ich möchte meine Erinnerungen festhalten, die Erinnerungen, an meine Schwiegertochter.

Es war ein sonniger Tag, wie immer, nachdem mein Sohn das Haus verließ, hielt es kaum einer mehr lange in diesem. Jeder ging seinen Verpflichtungen nach, mein Enkel in die Schule und Samantha in die Stadt. Jonathan ermöglichte ihr ein sorgenfreies Leben, er hatte die Firma meines Mannes übernommen, was finanzielle Absicherung und mehr hieß. Uns ging es seit Generationen mehr als nur gut, wir waren wohlhabend, sind wir heute noch. Ich schickte wie immer meine Beobachter los, die mir jeden Tag Bericht darüber erstatteten, was sie getan hatte. An diesem Abend erfuhr ich dann von diesem Mann. Doch ich möchte alles erzählen.

Samantha hatte ihren Tagesablauf, zuerst ging sie zum Frühstück in den Golfclub, wo sie sich mit Freundinnen traf, Gleichgesinnten, jedem erging es gleich, sie teilten das gleiche Leid und auch Freud. Selbst hier war ihre Miene immer versteinert, selbst unter Freundinnen. Meist gingen sie gemeinsam durch die Stadt, sahen sich Geschäfte an, brachten etwas in die Reinigung, oder holten es ab. Nicht dass es hierfür keine Bediensteten gab, doch es war schon immer so, dass es die Ehefrauen taten, ihre Flucht aus dem Zuhause, aus ihrem golden Käfig.

Allerdings war es an diesem Tag anders, Samantha musste zur Führerscheinstelle, ihren Führerschein verlängern lassen, ein kurzer Seh- und Hörtest, manchmal, auch etwas Schriftliches, mehr sollte es nicht sein, doch es dauerte an diesem Tag. Es war wohl Schicksal, denn genau hinter ihr stand dieser Mann, der nervös immer wieder auf seine Armbanduhr sah und dann nach vorne blickte, ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Meine Schwiegertochter" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

buchhandel.de

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen







Teilen