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Inhalt

Prolog

Erbschaften

Vom Bauch zum Busen

In der Stripteaselounge des Herrn Professor

Countdown mit Störungen

Die 1. Operation

»Nothing is so easy as it looks«

Troubleshooting

Frauen und Freundinnen

Beim Busenpapst

Kolloquium beim Herrn Professor

Abenteuerspielplatz mit Kriminalambiente

Auftakt zur nächsten Runde

Plastische Chirurgen auf dem Catwalk

Reoperation der Reoperation

Behandelte, Patientin, Kundin

Krankheit oder Lifestyle?

Referat für den Herrn Professor

Kriminalrätsel

Finale

Medizinisches Glossar

Literaturverzeichnis und Quellen

Websites

Zitierte Websites

Prolog

Jede Frau hat einen Busen.
Klein, groß, echt, falsch, schön, hässlich, schlaff, hängend, straff, jung, alt …

Operiert oder nicht operiert.

Auch ich habe einen Busen.

Ich habe ihn dreimal operieren lassen.

Das erste Mal als Jugendliche im Alter von 19 Jahren. Keine Schönheitsoperation, nicht aus Jux und Tollerei, sondern aus medizinischen Gründen. Genetisch bedingt hatte sich bei mir in der Pubertät eine Hypertrophie, ein übergroßes Wachstum meiner Brust, entwickelt.

Diese Operation war ein voller Erfolg.

Für die nächste Operation im Alter von 57 Jahren war vielleicht ein wenig Eitelkeit der Anlass. Darüber hinaus jedoch auch eine medizinische Notwendigkeit. Nach dreieinhalb Jahrzehnten war mein Busen wieder zu gewaltigen Dimensionen herangewachsen, die auch nicht mehr mit den Proportionen meines übrigen Körpers zusammenpassten.

Diese Operation wurde ein gründlicher Misserfolg.

Trotzdem und gerade deshalb zeigten meine Operateure ein umfassendes Bemühen, mich mit subtilen Manipulationsversuchen bis hin zu offensichtlichen Täuschungsmanövern vom Gegenteil zu überzeugen. Damit wurde aus der simplen Brustverkleinerungsoperation ein Kriminalabenteuer.

Die dritte und letzte Operationsrunde acht Monate später ging schließlich wieder gut aus. Dieses Ergebnis habe ich allerdings weitgehend meinem Kampfgeist, Durchsetzungswillen und detektivischem Spürsinn zu verdanken. Zusätzlich waren mir meine Erfahrungen als Ärztin aus über 30 Jahren Tätigkeit nützlich.

Denn als Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychiatrie, Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin bin ich mit der Welt von Krankenhäusern und der universitären Medizin vertraut. Mit wachen Sinnen habe ich daher so manches beobachten und entdecken können, was anderen Patienten entgangen wäre.

Ich habe meine Erlebnisse aufgeschrieben, weil sie in ihrer Art ungewöhnlich und ziemlich einzigartig sein dürften. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass sich einige Aspekte dieser Erfahrungen schon häufig ereignet haben und sich noch häufiger ereignen können. In allen Sparten der Medizin, keineswegs nur in den OPs der Plastischen Chirurgie.

Somit kann ich mein Busenabenteuer zwar als Unterhaltungslektüre empfehlen, dennoch auch als ein ernsthaftes Lehrstück. Eine dringliche Warnung an alle, die sich in einen Operationssaal begeben müssen, in Narkose operiert werden oder sich auch nur der Autorität eines Arztes anvertrauen wollen.

Trotz aller Strapazen, die mir meine letzte Busenoperation beschert hat, habe ich seit meiner Jugend schon sehr von den Möglichkeiten der Plastischen Chirurgie profitiert und bin von deren Nutzen überzeugt. So soll die Geschichte meines Busens auch andere zu einem überlegten Einsatz dieser Chancen der heutigen Medizin motivieren.

Als überzeugte Vertreterin der Medizin, die sich in der Psychosomatik mit den Wechselwirkungen zwischen Geist, Psyche und Körper beschäftigt, muss ich gleichzeitig auch auf die Grenzen der Schönheitschirurgie hinweisen. Kein noch so straffer Busen oder perfekt geliftetes Face können einen müden Geist verbergen. Selbst ein plastisch-chirurgisch umfassend überarbeiteter Körper wird in Haltung und Bewegungen immer noch eine gelangweilte Psyche spiegeln.

Die Geschichte meines Busens hat sich so, wie sie hier zu lesen ist, abgespielt. Genau so und nicht anders. Ich habe nichts erfunden oder erdichtet, ich habe an keiner Stelle übertrieben oder wichtige Details verschwiegen. Viele Zitate konnte ich wörtlich wiedergeben, andere treffen in Sinn und Tenor die Worte der Akteure. Für die Lesbarkeit als Kriminalabenteuer habe ich Kleinigkeiten umgestellt.

Es ist nicht meine Absicht, die Protagonisten der Ereignisse an den Pranger zu stellen. Es würde niemandem nutzen, Häme und Schadenfreude der ärztlichen Kollegen zu provozieren. Daher habe ich meine Kreativität und Fantasie bemüht, um die Schauplätze des Geschehens und die Identität aller Beteiligten zu kaschieren.

Im Interesse meiner Patienten muss ich auch für mich die Anonymität wahren. Obwohl ich mit 60 Jahren das Alter erreicht habe, in dem die Mehrzahl der Berufstätigen schon auf den ersehnten Ruhestand wartet, beabsichtige ich noch zahlreiche Jahre in meinem Beruf tätig zu sein. Nicht zuletzt als mentales Anti-Aging. Wenn sich meine Patienten zukünftig an meinem Busenabenteuer erfreuen könnten, wäre das in keiner Weise mit der Forderung nach professioneller Neutralität und Abstinenz in Psychotherapie und Psychoanalyse zu vereinbaren.

Daher stelle ich mich meinen Lesern unter dem Namen Hippolyte vor.

In der griechischen Mythologie war Hippolyte eine Königin der Amazonen, einem Volk von selbstständigen Frauen. Ohne Männer an ihrer Seite stellten sich diese dem Lebenskampf und verstanden im Krieg als Reiterinnen mit Pfeil und Bogen ebenso gewandt umzugehen wie andere Frauen mit dem Kochlöffel. Um sich beim Spannen des Bogens mit ihrem Busen nicht selbst im Wege zu stehen, sollen diese Frauen die drastische Lösung gewählt haben, schon den kleinen Mädchen die rechte Brust auszubrennen oder zu amputieren. Daher auch der Name: άμαζος – amazos, ohne Busen. In freier Interpretation das erste Beispiel einer Operation der Plastischen Chirurgie, durchgeführt von Chirurginnen in der Antike?

Um mein Busenabenteuer zu bestehen, habe ich mich vom Mut der Amazonen und ihrer Entschlossenheit inspirieren lassen.

Die medizinischen Fachbegriffe werden in einem Glossar erläutert. Wie in der Medizin üblich, habe ich in dem Buch für alle Patienten, weiblich wie männlich, die männliche Form gewählt.

Erbschaften

Die Geschichte meines Busens beginnt mit meiner Urgroßmutter Hannah. Ich sehe sie vor mir auf einem arrangierten Familienfoto, inmitten ihrer Familie, an der Seite ihres Gatten, einem Frauenarzt, vor sich ihre beiden Töchter.

Eine Frau, die das Selbstbewusstsein und die Selbstverständlichkeit der gutbürgerlichen Welt ausstrahlt. Ihren Kopf trägt sie stolz auf hochgerecktem Hals, das Kinn leicht gehoben, ihr volles Haar hat sie kunstvoll gesteckt. Die ebenmäßigen Gesichtszüge spiegeln gemessene Würde und Selbstachtung. Vielleicht keine Schönheit, aber eine Frau mit Ausstrahlung.

Was meine Blicke seit der Kindheit bannte, war jedoch etwas anderes. Unter einer fein plissierten, von einer edlen Brosche zusammengehaltenen Bluse, wölbt sich ein weit ausladender Busen, der mächtig und majestätisch Bewunderung fordert. Der Blick meines Urgroßvaters, einem aufrechten Mann mit energischem Fluidum, vermittelt den Eindruck, dass er die weiblichen Formen seiner Frau zu schätzen weiß.

Die beiden Töchter meiner Urgroßmutter, auf dem Foto noch kleine Mädchen, gingen in ihrem Leben unterschiedliche Wege. Gemeinsam war beiden die genetische Ausstattung ihrer Mutter mit einem ebenfalls übergroß angelegten Busen.

Meine Großtante Lotte, lebensfroh und extrovertiert, eine hochgewachsene Schönheit, heiratete nahezu von der Schule weg einen Gutsbesitzer und war zeitlebens bemüht, ihre Weiblichkeit zu leben und zu pflegen. Nach dem Krieg verarmt betätigte sie sich erfolgreich als Kosmetikberaterin. Bis zu ihrem Tod mit 92 Jahren zeigte sie selbst in fortgeschrittenem Alter mithilfe von straffen Korsagen und gekonnt angepassten – wenn nicht angesichts der Übergröße ihres Busens sogar maßgeschneiderten – Büstenhaltern eine wohlmodellierte Silhouette. Ich kenne sie als strahlende Erscheinung. Trotz knapper finanzieller Mittel in figurbetonte modische Kleidung verpackt war sie immer eine attraktive Frau, die mit erhobenem Haupt, das von einer zunächst blonden, später weißen Lockenpracht umrahmt war, durch ihr Leben schritt. Auch hochbetagt strahlte Tante Lotte noch Zufriedenheit mit sich und ihrem Erscheinungsbild aus.

Ganz anders meine Großmutter Eva. Klein, still und introvertiert stand sie im Schatten ihrer jüngeren Schwester Lotte. Seit Kindertagen war sie nach einem tragischen Unfall mit einer Pferdedroschke durch eine leicht gekrümmte Nase gekennzeichnet. Ihr Vater hatte für sie schon frühzeitig zum Lebensmotto erklärt:

»Wichtig ist das, was du in deinem Kopf hast, nicht das, was darauf ist.«

So nahm meine Großmutter ein Studium der Zoologie und Botanik auf, das sie mit einer Promotion abschloss. Bis ins hohe Alter ging sie ihren intellektuellen Hobbys wie Übersetzungen von Caesar und Cicero nach.

Wie ihre Mutter und Schwester war auch meiner Großmutter ein Busen von weit überdurchschnittlichem Ausmaß gegeben. Doch welch ein Unterschied. Eine amorphe, schlaffe Masse hing an ihr irgendwie herum und nach unten, eine Ansammlung von Gewebe und Fett, die jegliche Struktur und Form, wie sie an einem weiblichen Körper gewünscht werden, vermissen ließ. Ich kenne meine Großmutter nur in weiten, ich muss leider sagen, sackartigen Kleidern und düsteren Gewändern, dazu praktische Schnürschuhe. Obwohl sie von der Natur ebenso wie ihre Schwester Lotte mit prachtvollem Haar gesegnet war, presste sie dieses zeitlebens mit vielen Nadeln zu einem kleinen Knoten, ihrem »Kauz«, zusammen.

Bei diesen genetischen Vorgaben ihrer Ahnen nimmt es nicht wunder, dass auch meiner Mutter Luise hinsichtlich ihres Busens genau diese Konstitution mitgegeben war. Auch für sie hatte das biologische Vermächtnis übergroß angelegte Brüste vorgesehen. Darüber hinaus trugen drei Schwangerschaften, langes Stillen und eine zeitlebens mollige bis adipöse Figur dazu bei, dass ich seit meiner frühen Kindheit auch die Brust meiner Mutter nur als unförmiges Etwas kennengelernt hatte.

Immer wieder hörte ich sie über ihren »Busento« klagen, der ihr lästig war und den sie nach dem Beispiel ihrer Mutter nicht stolz zeigte oder gar schmückte, sondern lieblos verhüllte. Schlimmer noch: Meine Mutter folgte in jeder Hinsicht der Tradition ihres eigenen mütterlichen Vorbilds. Sie vertrat und lebte die Überzeugung, dass sie als studierte und promovierte Germanistin erhaben über Eitelkeit und weiblichem Tand zu sein habe. Stattdessen hielt sie für sich ein Nietzsche-Zitat bereit:

»Um schön zu werden, darf ein Weib nicht für hübsch gelten wollen.«

Der Einsatz von auch nur simplen Verschönerungsmaßnahmen wie Haarefärben und Schminken, die bekanntlich seit der Antike von Frauen genutzt werden, erschien ihr ebenso wie die Beschäftigung mit Mode als Ausdruck eines Mangels an Intellekt.

Somit überrascht es nicht, dass ich mit dem Beginn der Pubertät meiner Zukunft mit Sorgen entgegenblickte. Denn wie angesichts meiner weiblichen Ahnentafel kaum anders zu erwarten, zeichnete sich bei mir frühzeitig ab, dass auch ich mit dem Potenzial eines hypertrophen Busens ausgestattet war. Ein Schicksalsschlag.

Nur nebenbei. Wie wir wissen, sind Leben und Schicksal nicht gerecht. So hat meine jüngere Schwester Claudia eher unterentwickelte Brüste, die sich bis zum Beginn ihres nunmehr sechsten Lebensjahrzehnts gut gehalten haben.

Spätestens seit meinem 13. Geburtstag erwies sich mein weibliches Erbe als uneingeschränkt entwicklungsfähig. In der Sprache der Dessousfabrikanten: Ich dürfte es im Alter von 14 Jahren bei meinem BH auf ein D-Körbchen gebracht haben. Unangenehm, sogar grauenhaft, gestalteten sich die Einkäufe von Büstenhaltern und Badeanzügen. Ein Bikini stand wegen der Fülle meiner Brüste gar nicht erst zur Diskussion. Nach dem Vorbild meiner Mutter war ich bemüht, meine schwellenden Formen möglichst dezent unter schlabbrigen Pullovern, überweiten Hemden und wallenden Kleidern zu verbergen.

Nachdem ich in diesen Zeiten über den Busen hinaus auch insgesamt zu rundlichen Formen neigte, versuchte ich zunächst, das Problem mit radikalen Diätmaßnahmen bis an die Grenze einer beginnenden Magersucht unter Kontrolle zu bringen. Schon in meinem Teenageralter zeichnete sich allerdings eine Tendenz ab, die bis heute fortbesteht. Obwohl ich mich damals auf eine nahezu anorektische Figur herunterhungerte, blieb meine Brust in überproportionalem Umfang erhalten. Getoppt wurden diese Gegebenheiten noch durch eine andere unglückselige, wenn auch konsequente Entwicklung. Trotz meiner Jugend folgte mein Busen den Gesetzen der Schwerkraft und begann gemäß dem genetischen Muster meiner mütterlichen Linie nach unten abzusacken.

Von Muttergottheiten des Neolithikums abgesehen konnte ich in den Darstellungen von Weiblichkeit nirgendwo derart gestaltete Busen finden, wie ich sie bei verstohlenen Blicken auf meine Mutter in der Dusche entdeckte oder unter den Gewändern meiner Großmutter ahnte.

Sollte das meine Zukunft werden? Eine furchtbare Perspektive.

In den Haushalten anderer Familien gehörten bunte Zeitschriften und spannende Magazine zur regelmäßigen Lektüre. In meinem hyperakademischen Elternhaus lagen neben grauen Zeitungen vor allem eine Vielzahl von medizinischen Zeitschriften herum. Denn mein Vater war Internist und glaubte, für nahezu nichts anderes außer für seine Praxis Zeit zu haben, noch nicht einmal für seine Fachlektüre. Also stapelten sich diese sogar im Wohnzimmer zu einem ungelesenen Haufen.

Das sollte meine Rettung werden.

Denn beim flüchtigen Blättern im Deutschen Ärzteblatt entdeckte ich einen Artikel über die »Mammareduktionsplastik «, also einer Operation zur Verkleinerung der Brust. Nicht nur im fernen Amerika, sondern auch in Deutschland wurden derartige Operationen durchgeführt. Von einem Pionier der Plastischen Chirurgie, dem Chirurgen Herbert Höhler aus Frankfurt, war die Technik der Brustverkleinerung weiterentwickelt worden.

Aufgewachsen im Haus eines leidenschaftlichen Mediziners waren für mich Maßnahmen der ärztlichen Kunst und alles, was dazu gehörte, eine Selbstverständlichkeit. Daher konnte mich der Gedanke an eine Operation meines Busens, sei sie auch beschwerlich und schmerzhaft, in keiner Weise schrecken. Sie erschien mir als eine willkommene, realistische Chance auf die Befreiung von meinem Unglück.

Seit meiner frühen Kindheit mussten sich meine Eltern mit meinem Durchsetzungswillen abfinden. Hatte ich mir etwas in den Kopf gesetzt, mobilisierte ich schon damals Tod und Teufel, um meine Wünsche zu realisieren und mein Ziel zu erreichen. Trotzdem zeigte sich meine Mutter gegenüber meinem neuen Projekt skeptisch, hatte sie doch zum damaligen Zeitpunkt selbst über mindestens 30 Jahre ihre Brust ertragen. Mein Vater hingegen fand die Möglichkeiten der modernen Medizin spannend und war anders als meine Mutter meinen Plänen gegenüber aufgeschlossen.

Gesagt, getan. Es fand sich ein Chirurg, der vermutlich bei Höhler in die Lehre gegangen war und sich rühmen konnte, schon einige Brustverkleinerungen durchgeführt zu haben. Bald nach meinem Abitur ging es los. Über diese erste Operation meines Busens gibt es nichts weiter zu berichten. Ich habe wenig Erinnerungen daran. Alles verlief glatt und unproblematisch.

Wenn ich mit meinen heutigen Kenntnissen diese allererste Operation beurteile, so brachte diese nach dem aktuellen Standard der Plastischen Chirurgie kein wirklich optimales Ergebnis. Vielleicht infolge der geringen Erfahrung des Operateurs waren meine Brüste etwas ungleich geraten und die Mamillen, also die Brustwarzen, zu weit in der Mitte meines Oberkörpers gelandet. Aber das war für mich überhaupt nicht schlimm. Denn mein Busen war nun unauffällig und vor allem in Einklang mit den Proportionen meines übrigen Körpers. Für mich war das somit ein optimales Ergebnis.

Ich brauchte keinen Idealkörper, ich wollte nur Normalität – »schön normal« (Paula-Irene Villa 2008).

Diese Operation im Alter von 19 Jahren war eine der besten Entscheidungen meines Lebens. Wie manch ein Sprössling hatte auch ich an meinen Eltern so einiges auszusetzen. In der Frage meiner Brustreduktion haben sie mich sinnvoll und verantwortungsbewusst unterstützt.

Denn das Ausmaß meiner Brusthypertrophie ging weit über eine normale und übliche Brustentwicklung hinaus und hatte damit den Charakter einer angeborenen Fehlbildung, die nach den Kriterien der Plastisch-rekonstruktiven Chirurgie eine operative Korrektur notwendig machte. Damit war diese Operation keine Schönheitsoperation, also keine Maßnahme der Ästhetischen Chirurgie, sondern eine Rekonstruktion, also eine Behandlung, für die eine medizinische Indikation vorlag.

Hätte ich mit einer anderen Mutter mein Busenproblem durch ein größeres Selbstbewusstsein lösen können? Voll Stolz auf die Segnungen meiner Anatomie zu schauen und in dem Bewusstsein zu leben, vom Schicksal durch besonders weibliche Formen begünstigt worden zu sein? So, wie ich es bei meiner Urgroßmutter und Großtante Lotte entdecken konnte. Sicherlich nicht. Denn neben der psychischen Belastung entwickelten sich als körperliche Folgen der hypertrophen Brust bei mir Haltungsschäden mit Rückenschmerzen und durch das Einschneiden des BHs noch bis heute auf den Schultern sichtbare Kerben.

Vielleicht hätten auch meine selbstbewussten Ahnfrauen heutzutage die Segnungen der Plastischen Chirurgie für sich genutzt? Nicht nur die Zeiten haben sich geändert, sondern auch die Möglichkeiten der Medizin.

Glücklicherweise kamen meine Eltern damals nicht auf die Idee, mir statt der Operation eine Psychotherapie vorzuschlagen. Inzwischen habe ich nicht nur dreimal meinen Busen operieren lassen, sondern beschäftige mich als Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychiatrie, Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin seit nahezu drei Jahrzehnten mit der menschlichen Psyche. So erlaube ich mir festzustellen: Mein Busen wäre auch nach 500 Sitzungen Psychoanalyse unproportional zu meinen Körperformen und damit eine körperliche und psychische Bürde geblieben.

Psychosomatik ist die Wechselwirkung von Körper und Seele, in der Geist und Psyche unser körperliches Befinden bestimmen und gleichermaßen auch der Körper unser geistiges und psychisches Wohl beeinflusst. Der Mensch hat ein intuitives Empfinden für Harmonie und Proportionen. Wir alle können uns nicht dem Zeitgeist und den gesellschaftlichen Normen entziehen, die das aktuelle Schönheitsideal beeinflussen. Damit bedeutet es gerade für Jugendliche eine Behinderung in der Entwicklung ihres Selbstwertgefühls, wenn sie von der Natur mit körperlichen Besonderheiten ausgestattet sind, die nicht unter das Spektrum des Üblichen und Normativen fallen.

Nach der damaligen Gesetzgebung war ich mit 19 Jahren noch minderjährig. Für die Operation war dieser Zeitpunkt dennoch ganz und gar richtig. Meine Brust war ausgewachsen, sodass aus gynäkologischer Sicht keine Einwände bestanden. Für mein psychisches Befinden bedeutete die abnorm hypertrophe Brust eine erhebliche Belastung.

Meine damalige Operation war eine Unterstützung, mir »bei der freien Entfaltung der Persönlichkeit zu helfen«, wie 1979, also wenige Jahre danach, eine der Protagonisten der Plastischen Chirurgie in Deutschland, Frau Professor Dr. Ursula Schmidt-Tintemann, erklärte (SPIEGEL 1979).

Die Problematik von ästhetisch-plastischen Operationen bei Minderjährigen wird seit einigen Jahren als Folge der Popularisierung solcher Maßnahmen diskutiert. Ein gesetzliches Verbot konnte nicht durchgesetzt werden. Die Indikation für eine Operation wird dann als ethisch und medizinisch verantwortungsbewusst anerkannt, wenn die Maßnahme eine Stigmatisierung durch soziale Auffälligkeit verhindern kann. Gerade auch nach meinen eigenen Erfahrungen möchte ich betonen, dass nach einer strengen Indikationsüberprüfung, die körperliche und psychische Aspekte berücksichtigt, eine plastisch- rekonstruktive Operation für Jugendliche eine sinnvolle Hilfe bedeuten kann. »Psychologie mit dem Skalpell« nannte es Dr. Gerhard Sattler, Ärztlicher Direktor der Rosenparkklinik (Sattler 2008). Vielleicht in Kombination mit einer Psychotherapie, in der die psychischen Folgen des körperlichen Problems bearbeitet werden.

Im Jahr 1974 stellte meine Operation in Deutschland noch eine relative Rarität dar, auch wenn für dieses Jahr keine Statistik vorliegt.

Der Anfang der Brustverkleinerungsoperationen reicht allerdings weit zurück und begann mit dem Chirurgen Dieffenbach, der 1848 mit radikalem Schnitt eine Frau von einem Teil ihrer Riesenbrust befreite, gefolgt im 20. Jahrhundert von Pionieren wie Thorek und Lexer, die erstmals dabei auch ästhetische Aspekte berücksichtigten, bevor die Technik der Schnittführung und Busenneugestaltung von bekannten Namen wie Strömbeck, McKissok, Lassus und Lejour (sogar eine Chirurgin!) zum aktuellen Standard weiterentwickelt wurde.

Inzwischen sind Brustverkleinerungsoperationen populär geworden. Für das Jahr 2011 führte die »Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen« (DGPRÄC), die führende Fachgesellschaft, unter ihren Mitgliedern eine statistische Erhebung zur Häufigkeit von ästhetisch-plastischen Operationen, also den »Schönheitsoperationen «, durch.

Insgesamt wurden 13 890 Brustverkleinerungen angegeben. Davon waren 7 070 ästhetisch-plastische Operationen, weitere 6 820 fanden als Rekonstruktion, als medizinisch notwendige Maßnahme, statt. Nachdem es weitere Fachgesellschaften der Plastischen und Ästhetischen Chirurgen gibt und auch Gynäkologen Busen operieren, dürfte die tatsächliche Anzahl noch deutlich über diesen Zahlen liegen.

Trotz und wegen dieser zunehmenden Popularität mit jährlich um 10 % steigenden Zuwachsraten gibt es auch skeptische Stimmen. Unter Psychoanalytikern und anderen Behandlern der menschlichen Psyche werden körperverändernde Maßnahmen wie »Schönheitsoperationen« kritisch gesehen. Häufig gelten sie als Ausdruck von Minderwertigkeitskomplexen oder einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, die in ihrem übertriebenen Bemühen um Vervollkommnung auch den menschlichen Körper einbezieht.

Professor Dr. phil. Christa Rohde-Dachser bezeichnete solche Operationen als »unbewusste Lösung eines inneren Konflikts, der nicht mentalisiert werden kann und deshalb auf dieser Ebene ausgetragen werden muss« (Rohde-Dachser 2007).

Die Psychoanalytikerin Brigitte Ziob meinte: »Im Vergleich mit den an ihn herangetragenen Bildwelten erlebt sich [heutzutage] der Mensch defizitär in seinem äußeren Erscheinungsbild. Der Wunsch, einem Ich-Ideal zu entsprechen, steht für den Wunsch nach Anerkennung, Bewunderung und Bestätigung « (Ziob 2007).

Diese Berufsgruppen fordern vom Menschen die Entwicklung von Selbstakzeptanz des Körpers und die Klärung von unbewussten Konflikten, um auf diese Weise, also über die Stabilisierung der inneren Balance, das Selbstbewusstsein zu stärken und den eigenen Körper anzunehmen. Obwohl auch ich ausgebildete Psychoanalytikerin bin, kann ich mich dieser Meinung nur eingeschränkt anschließen – sonst wäre dieses Buch nicht entstanden!

Es gibt in dieser Branche aber auch andere Perspektiven. Der Effekt einer Brustverkleinerungsoperation wurde von Professor Dr. phil. Ada Borkenhagen 2004 an 40 Patientinnen untersucht. Dabei zeigten sich deutliche Verbesserungen in der Zufriedenheit mit dem eigenen Körperbild, dem gesamten Körpererleben und der Gesundheit (Borkenhagen 2004).

2013 wurde eine Studie über die psychologischen Effekte von Ästhetischer Chirurgie veröffentlicht, die unter Leitung von Professor Dr. phil. Jürgen Margraf, Ruhr-Universität Bochum, durchgeführt worden war (Margraf 2013). Diese Studie war bisher mit 544 Patienten und zwei Kontrollgruppen weltweit die größte zu diesem Thema. Auch in dieser Studie wurde ein deutlicher Therapieerfolg der Ästhetischen Chirurgie in Hinblick auf psychologische Merkmale festgestellt, was sich bei den Patienten in einem Zugewinn an Lebensfreude, Zufriedenheit und Selbstwert bemerkbar machte. Zusätzlich stellte sich heraus, dass diese positiven Effekte dazu tendieren, mindestens über den beobachteten Zeitraum von einem Jahr relativ anhaltend zu sein, während sonst bei anderen positiven Lebensereignissen die Auswirkungen auf ein gutes Lebensgefühl schneller abklingen.

Und schließlich stellte Professor Dr. med. Dr. phil. Urban Wiesing, Direktor des Instituts für Ethik und Geschichte der Medizin Tübingen, fest:

»Die bewusste ästhetische Selbstgestaltung verfolgt der Mensch auf zahlreichen Wegen, seien es Kleidung, Kosmetik, Pflege oder Sport. Diese Möglichkeit gehört zu der conditio humana. Es wäre also allenfalls das verwendete Mittel – die chirurgische Intervention –, das zu einer besonderen Bewertung Anlass gibt. Doch für ein Verbot dieses Mittels lassen sich kaum überzeugende Gründe finden. Warum sollten gerade operative Mittel für die ästhetische Gestaltung des eigenen Körpers nicht erlaubt sein?« (Wiesing 2006).

Hoffentlich habe ich meine gespannten Leser, denen ich ein Kriminalabenteuer in Aussicht gestellt habe, nicht mit so viel wissenschaftlicher Theorie und Zahlen verschreckt.

Keine Sorge. Wie ich bereits angekündigt habe, war meine erste Operation nur der Anfang. 37 Jahre später ging ich in die nächste Runde. Wäre diese Operation ebenso unspektakulär verlaufen wie die erste, hätte ich vielleicht ein praktisches Handbuch präsentieren können.

Mit der nächsten Operationsrunde begann mein Kriminalabenteuer.

Vom Bauch zum Busen

Bis zum Beginn meines sechsten Jahrzehnts interessierte ich mich wenig für mein Älterwerden und schon gar nicht für mein Alter, das sich allmählich am Horizont abzeichnete. Da wie bei vielen unter uns auch mein Blick in den Spiegel nicht objektiv ist, gelang es mir erfolgreich, die scheinbar geringfügigen Wandlungen meines Körpers zu übersehen. Wenn ich sie dennoch einmal entdeckte, waren sie mir ziemlich egal.

Bekanntlich hinkt bei der Mehrzahl von uns das Lebensgefühl dem kalendarischen Alter um viele Jahre hinterher, acht bis zehn Jahre sollen es in der Regel sein. Bei mir könnten es noch einige mehr sein. Mein Denken und Fühlen schienen jenseits von Zeit und Wandel zu sein, ich lebte mein Leben wie ehedem. Damit ignorierte ich konsequent, dass mein Körper sich veränderte. Niemals entsprach ich den üblichen Kriterien einer echten Schönheit. Ich war weder hässlich noch schön, ich war immer ziemlich normal.

Dennoch oder gerade deshalb bin ich seit meiner Jugend um ein gelungenes Erscheinungsbild bemüht. Mein Kleiderschrank ist immer gut sortiert, ich möchte besser nicht ausrechnen, welche Summen ich schon in meine Outfits investiert habe. Abgesehen von kurzfristigen Abstechern in modische Mätzchen habe ich seit meiner Schulzeit einen klassischen Stil bevorzugt, Kollektionen von Hemdblusen, T-Shirts, Jeans und Blazern sind durch meine Schränke gegangen. Besonders körperbetont habe ich mich selten gekleidet, viel Haut wollte ich schon gar nicht zeigen.

Lange lebte ich nach dem Motto von Winston Churchill »No Sports«. Erst mit Mitte 40 beugte ich mich den Erkenntnissen der Forschung und den Mahnungen meines Rückens. Und mit ähnlicher Konsequenz, mit der ich zuvor leichten Herzens auf sportliche Aktivitäten verzichtet hatte, stellte ich mich fortan unter ein von mir selbst auferlegtes Kuratel. Seitdem mache ich regelmäßig in den Morgenstunden, wo auch immer ich mich befinde, von Kopf bis Fuß meine gymnastischen Exerzitien. So lästig mir diese tagtägliche Fronarbeit ist: Der Erfolg der stringenten Maßnahmen, die ich nun seit rund 15 Jahren durchziehe, ist überzeugend. Denn damit habe ich meine körperlichen Formen halbwegs auf dem Level meiner Jugend gehalten.

Dummerweise war ich nicht an allen Regionen meines Körpers gleichermaßen erfolgreich. Bauch und Busen konnte ich mit meinen sportlichen Bemühungen nur sehr eingeschränkt erreichen.

Obwohl ich auch meine Bauchmuskulatur trainierte, entwickelte sich jenseits der 50 an meinem Unterbauch eine unschöne Fettformation, die sich trotz Intensivierung meiner Bauchübungen hartnäckig meiner Kontrolle entzog. Merkwürdig? Aber so war es tatsächlich. Diese Fettmasse schob sich gar in der Mitte zusammen und kumulierte damit zu einem kleinen Hügel, der Assoziationen an einen Spitzkühler aufkommen ließ. Damit begann meine Silhouette unproportioniert zu werden und das Profil einer Matrone anzunehmen.

Rückblickend kann ich feststellen, dass sich zu diesem Zeitpunkt bei mir die Erkenntnis und vor allem das Gefühl durchsetzten, dass auch ich der Vergänglichkeit unterstehe. Wenn ich mich an meine Großmütter in gleichem Alter erinnere, dann sehe ich diese in der Mitte ihres sechsten Jahrzehnts tatsächlich als ältere oder gar alte Frauen. Das waren sie damals und wollten auch nichts anderes sein.

Souverän oder genügsam?

Ich bin vermutlich weder das eine noch das andere und kann mich dem Zeitgeist nicht entziehen. Es ist nicht zu unterschätzen, wie sehr eine solitäre Fettmasse, die von den Lebensjahren, dem Schicksal oder der Anatomie an falscher Stelle platziert ist, das gesamte Erscheinungsbild bestimmen kann. Wer auch nur ein wenig eitel ist, wird nicht umhin kommen, mir beizupflichten.

Übertriebene Eitelkeit? Kann sein.

Was nützten angesichts meines kugelförmig gewölbten Bauchs noch die gut angepassten Jeans, der klassische Bleistiftrock, das schmal geschnittene Etuikleid? Ein noch so stylischer Gürtel über dieser Kugel war hinausgeworfenes Geld.

Ich hatte keinen wirklichen Leidensdruck, ich war nicht verzweifelt, ich fühlte mich nicht unglücklich. Ganz simpel: Ich war mit meiner Silhouette einfach nicht mehr zufrieden.

Die Plastische Chirurgie bietet die Liposuktion an. Eine Möglichkeit, überflüssiges Fett gezielt an einer bestimmten, umgrenzten Stelle abzusaugen. Ich will mich mit diesem Aspekt nicht lange aufhalten. Schließlich habe ich meinen Lesern die Geschichte meines Busens angekündigt. Nur so viel: Die Liposuktion, die ich ambulant in der Abteilung für Plastische Chirurgie einer Universitätsklinik, in einer knappen Stunde quasi im Vorbeigehen, für ein angemessenes Honorar durchführen ließ, war von überzeugendem Erfolg. Die 500 Gramm Fett, die den kleinen Kumulus im Zentrum meines Unterbauches gebildet hatten, waren verschwunden und ich habe sie seitdem an dieser Stelle dank nachhaltiger Kalorienkontrolle und regelmäßigem Training mit Sit-ups, Crunches und Pilates nicht mehr nachwachsen lassen. Mein Bauch passt seitdem wieder harmonisch zu den übrigen Proportionen meiner Figur.

Ich bin übrigens nicht die Einzige, die sich einer solchen Prozedur unterzogen hat. Laut Angaben der »International Society of Aesthetic Plastic Surgeons« (ISAPS) stand im Jahr 2011 die Liposuktion mit 1 268 287 OPs weltweit an erster Stelle der ästhetischen Eingriffe, die von Plastischen Chirurgen dieser Gesellschaft durchgeführt wurden.

Im selben Jahr fand sich bei der schon erwähnten statistischen Erhebung unter den Mitgliedern der »Deutschen Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen« (DGPRÄC) die Liposuktion mit 18 290 solcher Maßnahmen in Deutschland immerhin an dritter Stelle der ästhetischen Operationen.

Weltweite Spinnerei? Überflüssiger Luxus? Vielleicht.

Für mich war es bestimmt eine Investition in meine Zufriedenheit. Sicherlich nicht mit der Illusion verbunden, mir damit anhaltende Jugend zu kaufen. Garantiert keine Maßnahme, um mein weibliches Selbstwertgefühl aufzumotzen. Ich nutzte vielmehr die Möglichkeiten der Plastischen Chirurgie, gerade weil ich ein ausreichendes Selbstbewusstsein habe! Und als Vertreterin der Psychosomatischen Medizin konnte ich mich sogar auf einen prominenten Gewährsmann berufen. Der griechische Philosoph Aristoteles erkannte bereits im 4. Jahrhundert v. Chr.:

»Ändert sich der Zustand der Seele, so ändert dies auch das Aussehen des Körpers und umgekehrt; ändert sich das Aussehen des Körpers so ändert dies zugleich auch den Zustand der Seele.«

Die Selbstverständlichkeit, mit der ich diese Liposuktion als »Lunchtime-Eingriff« durchführen ließ, mag trotz der zunehmenden Popularität von »Schönheitsoperationen« und den Möglichkeiten der Ästhetischen Medizin überraschen. Mir ist die Welt der Medizin seit meiner Geburt vertraut. Mit einem Internisten als Vater, der seine Praxis im Erdgeschoss unseres Wohnhauses betrieb, waren mir der Anblick von weißen Kitteln und der Geruch von Desinfektionsmittel alltäglich. Außerdem hatte ich im Alter von 19 Jahren mit meiner Brustverkleinerung bereits von der Plastischen Chirurgie profitiert. Durch mein eigenes Medizinstudium stellen für mich Ärzte, Krankenhäuser und medizinische Behandlungsmaßnahmen eine Normalität dar, auch wenn ich mich inzwischen seit drei Jahrzehnten auf die Welt der menschlichen Psyche spezialisiert habe.

Vielleicht werden meine neugierigen Leser allmählich ungeduldig und fragen sich, was es nun mit dem angekündigten Kriminalabenteuer auf sich hat, mit dem ich sie zur Lektüre gelockt habe.

Verständlich.

Denn mein seichtes Schwadronieren über Allgemeinplätze zu Alterserscheinungen und Alter mag Assoziationen zu Stammtischparolen aufkommen lassen. Mein larmoyantes Geplänkel über Banalitäten der weiblichen Existenz wie Busen und Bauch mag sich gar auf dem Niveau eines Kaffeekränzchens bewegen. Zweifelsohne haben vor mir bereits kluge Köpfe wie Seneca, Simone de Beauvoir und Martin Walser ihre wirklich klugen Gedanken dazu ausgebreitet. Aber die Geschichte meiner allerersten Brustoperation und mein Bauch waren das Präludium für mein bevorstehendes Busenabenteuer.

Als Abschluss der Liposuktion war nach dem Ablauf von sechs Monaten eine Nachuntersuchung in der Klinik vorgesehen. Ich nahm diesen Termin wahr, obwohl die Behandlung abgeschlossen war und ich mir davon keinen Nutzen erwartete. Da ich mit dem Operationsergebnis zufrieden war, wollte ich den Ärzten gerne den Gefallen erweisen.

Zu diesem Termin erschien der Chefarzt, Professor Dr. med. August Wilhelm Krayburg, ohne Begleitung. Die Liposuktion hatte er zusammen mit einem Oberarzt durchgeführt. Nachdem er meinen Bauch begutachtet und seine Zufriedenheit zum Ausdruck gebracht hatte, blieben seine Blicke an meinem Busen hängen. An der Vorbesprechung für die Liposuktion hatte neben dem Professor auch ein junger Assistenzarzt teilgenommen. Obwohl ich damals ein Jackett über einem TShirt trug, hatte dieser mit routiniertem Blick entdeckt, dass an meinem Busen etwas nicht stimmte:

»Was ist mit Ihrer Brust? Können wir das einmal sehen?«

Offenbar war ihm aufgefallen, dass meine Mamillen nicht ganz symmetrisch auf einer Höhe und zu weit in der Mitte meines Oberkörpers saßen. Ich empfand diese unaufgeforderte Diagnostik als ebenso unangenehm wie unangemessen. Schließlich war ich wegen meines Bauchs und nicht wegen meines Busens gekommen. Ich fühlte mich ertappt. Wurde mir doch bewiesen, dass ein geübtes Auge manch einen Schönheitsfehler an mir entdecken konnte. Bisher hatte ich mich in der Illusion gewähnt, solche Defizite dank geschickt gewählter Garderobe mit textiler Camouflage verstecken zu können.

Trotz meiner anfänglichen Irritation erzählte ich den beiden Herren gerne die Geschichte meiner ersten Busenoperation. Man zeigte sich sehr interessiert. Bekanntlich waren Anfang der 70er Jahre Brustverkleinerungsoperationen in Deutschland noch eine relative Rarität, erst recht bei einer 19-Jährigen. Nun kam der Herr Professor sechs Monate später nochmals auf meinen Busen zu sprechen.

»Darf ich Ihre Brust noch einmal sehen?«

Bereitwillig legte ich sie frei und mit zupackendem Griff demonstrierte mir der Professor, wie man hier Verbesserungsmaßnahmen durchführen könnte.

»Da könnte man doch etwas verbessern. Wäre es nicht schade …?«

Am Ende des Gesprächs konnte er mir auf mein Nachfragen nach kurzem Überlegen den Preis für eine Operation nennen.

»Wir könnten die Operation für Sie besonders günstig durchführen, als Ausbildungsfall. Da kostet es nur 3000 Euro statt 5000 Euro. Überlegen Sie es sich doch einmal.«

Obwohl der Termin ausnahmsweise nicht im Chefarztzimmer des Herrn Professor, sondern in den nüchternen Räumen der Allgemeinambulanz stattfand, kann ich rückblickend feststellen, dass dieses Treffen den Charakter von etwas Privatem und Konspirativem hatte, die Atmosphäre hatte sogar etwas diskret Verführerisches.

Dieses proaktive Operationsangebot von Herrn Professor Krayburg war in Hinblick auf die Forderungen des ärztlichen Berufsethos problematisch.

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