Logo weiterlesen.de
Marions letzte Party

Dieter Adam

Marions letzte Party

Redlight Street #21 / Cassiopeiapress





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Marions letzte Party

REDLIGHT STREET #21

von Dieter Adam

Der Umfang dieses Buchs entspricht 128 Taschenbuchseiten.

Es ist eine verhängnisvolle Party, die Marion an diesem Abend besucht. Ihr Gastgeber mischt eine Droge in die Getränke, und am nächsten Morgen präsentiert er Filme, die sie in den abscheulichsten Posen zeigt. Aus Angst stimmt sie seinen Forderungen zu, doch die Arbeit als Edelprostituierte bringt sie in Gewissensqualen. Und dann ist da noch Peter, der sich bei einem Auftritt als Musiker sofort in sie verliebt.

Die Hauptpersonen des Romans:

Marion Matthäus – Bankangestellte, wacht in einem fremden Bett auf und kann sich an den Verlauf des vergangenen Abends nicht erinnern.

Kerstin Weber – ihre Freundin, überredet sie zum Besuch einer verhängnisvollen Party.

Dirk Krüger – gibt sich als Makler aus und veranstaltet Partys, die manchem Mädchen zum Unglück werden.

Peter Wendt – verdient sich sein Medizinstudium als Musiker in einer Bar.



1

»Kommst du heute Abend zu Dirks Party?«, fragte die neunzehnjährige Kerstin Weber ihre gleichaltrige Freundin Marion, als sie an einem Freitagnachmittag das riesige Bankgebäude in der Frankfurter Innenstadt verließen, in dem sie beide arbeiteten. »Dirk hat ein paar dufte Typen eingeladen. Es wird bestimmt irre.«

»Partys bei Dirk sind immer irre«, lächelte Marion. »Ich habe sogar das Gefühl, dass es langsam ein wenig zu irre wird. Deshalb habe ich auch keine Lust, überhaupt hinzugehen.«

»Komm doch mit, Marion«, bat die Freundin. »Mir zuliebe. Wenn es uns nicht gefällt, können wir ja wieder gehen. Es wird schon nicht zu wild werden.«

»Na, ich weiß nicht«, meinte Marion skeptisch. »Dirk lässt sich immer etwas Ungewöhnliches einfallen, um die Stimmung auf den Höhepunkt zu treiben. Geld spielt dabei keine Rolle. Er hat es ja in Hülle und Fülle.«

»Ja, das wäre ein Mann fürs Leben«, sagte Kerstin schwärmerisch. »Er sieht blendend aus, ist gescheit und hat einen Haufen Geld. Alles Dinge, die das Herz einer Frau höher schlagen lassen.«

»Er ist mir unsympathisch«, widersprach Marion. »Dirk taugt nicht für die Ehe. Er ist ein Playboy durch und durch. Der lässt nichts anbrennen. Glaubst du, der könnte einer Frau treu sein? Nein, nein, meine Liebe, Dirk möchte immer auf mehreren Hochzeiten gleichzeitig tanzen, ohne sich jemals fest zu binden.«

»Wenn die Richtige kommt, wird auch er zahm werden«, vermutete Kerstin. »In dieser Beziehung sind die Männer alle gleich.«

»Hast du denn schon so viel Erfahrung mit dem anderen Geschlecht?«, spottete Marion lachend. »Oder hältst du dich gar für diejenige, welche?«

»Ich weiß es wirklich nicht«, räumte Kerstin ein und zuckte die Achseln. »Manchmal habe ich das Gefühl, dass er nur Augen für mich hat. Dann wieder schaut er mich wochenlang nicht an. Ich kenne mich nicht aus mit ihm, das muss ich ehrlich zugeben.«

»Hast du denn schon mal etwas mit ihm gehabt?«, erkundigte sich Marion interessiert. Kerstin lief rot an.

»Du bist gut«, seufzte sie verlegen. »Ich werde eben immer wieder schwach, wenn er mich mit seinen rehbraunen Augen schmachtend anschaut. Ich kann nichts dafür. Ich bin schließlich auch nur ein Mensch. Aber wie ist es mit dir? Hat er es noch nicht versucht? Ich kann es mir eigentlich nicht vorstellen.«

»Richtig vermutet«, sagte Marion lächelnd. »Versucht hat er es schon mehrmals, aber ich habe ihn abblitzen lassen. Mich lassen seine rehbraunen Augen nämlich kalt. Mir gefällt der ganze Kerl nicht. Ich weiß auch nicht, warum. Er hat etwas an sich, was mich abstößt. Und deshalb möchte ich heute Abend lieber zu Hause bleiben und auch künftig seine Gesellschaft meiden. Ich habe das Gefühl, dass es besser für mich ist.«

»Ach Marion, jetzt sei doch kein Frosch«, sagte Kerstin. »Du musst dich ja nicht unbedingt mit Dirk abgeben. Überlass ihn lieber mir. Außerdem sind genügend andere da. Es ist doch immer sehr lustig.«

»Sehr lustig«, entgegnete Marion spöttisch.

Die beiden Mädchen hatten Dirk Krüger vor etwa einem halben Jahr in einer bekannten Frankfurter Diskothek kennengelernt. Er war achtundzwanzig Jahre alt, auffallend groß und schlank, hatte ein gut geschnittenes, männlich wirkendes Gesicht, tiefschwarze, fast bläulich schimmernde Haare und die besagten rehbraunen Augen, die immer ein wenig überheblich zu lächeln schienen.

Dirk hatte sich an diesem Abend sehr höflich und zuvorkommend benommen, sie abwechselnd zum Tanz aufgefordert und ihnen mehrere Drinks spendiert. Das Geld schien bei ihm locker zu sitzen. Als sie sich nach seinem Beruf erkundigten, hatte er nur vieldeutig mit den Schultern gezuckt und gelacht.

»Ich mache mal dies und mal das«, antwortete er ausweichend. »Es muss bloß genügend dabei herausspringen.«

Sie hatten sich in den nächsten Wochen noch öfter getroffen, und immer waren es fröhliche Abende geworden. Schließlich erfolgte die erste Einladung zu einer seiner berühmten Partys. Sie fand in seinem Luxusbungalow statt, der in einer vornehmen Frankfurter Wohngegend stand. Und wieder wunderten sich die beiden Mädchen über seinen Reichtum und fragten sich, woher er das Geld nahm. Hatte er es von seinen Eltern geerbt? Eine Antwort gab ihnen Dirk nie.

Sie lernten an diesem ersten Abend mehrere Leute kennen, die Marion nicht so recht gefielen. Sie konnte sich zwar nicht erklären, warum das so war, doch irgend etwas in ihr klingelte Alarm.

Die erste Party, an der sie teilnahmen, verlief harmlos. Gut, es wurde viel getrunken, und der eine oder andere verschwand auch mal mit seiner Partnerin in einem Schlafzimmer. Doch im Großen und Ganzen benahmen sich die Gäste recht gesittet.

Dies änderte sich von Mal zu Mal. Man gewöhnte sich offensichtlich an die Anwesenheit der Mädchen und schien seine Hemmungen vor ihnen zu verlieren. Da wurden plötzlich Pornofilme gezeigt, Dirk engagierte Stripteasetänzerinnen, die eine gewagte Show abzogen. Es wurden auch mal Haschzigaretten herumgereicht und Liebkosungen in aller Öffentlichkeit ausgetauscht.

Marion hatte Dirk zur Rede gestellt und ihn darauf aufmerksam gemacht, dass sie unter diesen Umständen nicht gewillt war, noch länger an seinen Partys teilzunehmen. Er hatte Besserung versprochen und sich die nächsten Male auch daran gehalten.

Trotzdem war Marion jede Lust vergangen, nochmals eine Einladung anzunehmen. Sie wuchs in einer Kleinstadt auf, wo ihr Vater Rektor der Hauptschule war. Sie hatte eine strenge Erziehung genossen. Man konnte sie deshalb durchaus nicht als prüde bezeichnen, doch Dirks Lebensweise stieß sie ab. Sie ahnte, dass sich hinter seiner freundlichen Fassade, mit der er sie zu locken suchte, mehr verbarg, als er jemals zuzugeben bereit war.

Die beiden Mädchen hatten inzwischen das Parkhaus erreicht, wo sie ihren Wagen tagsüber abstellten.

»Wie ist es jetzt? Du kommst doch mit?«, fragte Kerstin, bevor sie sich verabschiedeten. »Du wirst mich wohl nicht allein hingehen lassen.«

»Also gut«, gab Marion nach. »Aber ich sage dir gleich, wenn die wieder mit ihren seltsamen Spielchen anfangen, gehe ich auf der Stelle. Dann war ich auch das letzte Mal dort.«

»Okay. Ich hole dich kurz vor acht ab.«

Kerstin winkte der Freundin noch einmal kurz zu und ging zu ihrem Auto.



2

»Hallo, da seid ihr ja endlich«, begrüßte Dirk Krüger sie ein paar Stunden später. Er trug einen weißen Smoking, der ihm blendend zu Gesicht stand. »Die anderen sind alle schon da. Wir warten nur noch auf euch.«

»Oh, welche Ehre«, spottete Marion. »Womit haben wir das verdient?«

»Unser Lästermäulchen muss gleich wieder seinen Senf dazugeben«, rief Dirk lachend und drohte ihr schelmisch mit dem Finger. Er nahm ihnen die Mäntel ab und führte sie anschließend in seine Kellerbar, wo sie mit großem Hallo begrüßt wurden.

Es waren die gleichen Leute wie immer. Marion entdeckte kein fremdes Gesicht unter den etwa zwanzig Gästen, die den rustikal eingerichteten Raum bevölkerten.

Dirk hatte seine Bar im Stil eines alten Weinkellers bauen lassen. Die Wände, aus groben Steinblöcken gemauert, waren unverputzt geblieben. In Nischen, von versteckten Lampen beleuchtet, standen kostbare Skulpturen. An der Stirnseite des Raumes befand sich eine große Theke mit gemütlichen Hockern davor. Ansonsten saßen sie auf gepolsterten Whiskyfässern, die um kleine Holztische gruppiert waren. Hinter der Theke hing ein großes Flaschenregal, das mit den besten Sorten gefüllt war. Geschickt angebrachte bunte Scheinwerfer, die im Rhythmus der überlauten Discomusik zuckten, tauchten den Raum in ein diffuses Licht. Obwohl fast alle rauchten, war die Luft frisch und rein. Dafür sorgte eine Klimaanlage.

»So, meine Herrschaften, dann wollen wir jetzt das kalte Buffet plündern«, rief Dirk. »Auf, auf, zum fröhlichen Futtern.«

Die Gäste ließen sich das nicht zweimal sagen und begaben sich in den angrenzenden Raum, wo Dirk ein riesiges kaltes Buffet hatte aufbauen lassen. Die erlesensten Köstlichkeiten gab es hier. Speisen, die ein normaler Sterblicher kaum dem Namen nach kannte, waren eine Selbstverständlichkeit. Dazu wurde feinster Champagner gereicht.

Nachdem ein Großteil des Buffets abgeräumt war, kehrten die Gäste in den Partyraum zurück, um ein wenig zu tanzen. Unmengen von Alkohol wurden getrunken. Bald strebte die Stimmung ihrem Höhepunkt zu. Lautes Stimmengewirr und Gelächter erfüllte den Raum.

Marion hielt sich im Hintergrund. Ihr behagte das überlaute Geschehen nicht. Sie bereute, dass sie gekommen war. Es sollte das letzte Mal gewesen sein. Das nahm sie sich vor.

Plötzlich setzte sich Dirk, von dem sie den ganzen Abend wenig gesehen hatte, neben sie auf eines der gepolsterten Whiskyfässer und schaute sie an.

»Dir gefällt’s wohl wieder nicht?«, fragte er. »Was soll ich denn tun, damit du endlich einmal deinen Spaß an meinen Feten hast?«

»Mich nicht mehr einladen«, entgegnete sie. »Dirk, es tut mir wirklich leid, aber ich kann mit diesen Leuten nichts anfangen. Ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut. Alle tun so übertrieben lustig. Das hier ist nicht meine Welt. Für mich wäre es am Besten, wenn ich schnell ginge.«

»Das kommt nicht in Frage«, widersprach Dirk. »Du versäumst ja sonst den Höhepunkt des Abends, meinen Krüger-Punsch. Ein altes Geheimrezept, das ich aus Afrika mitgebracht habe.«

»Was hast du denn da wieder zusammengebraut?«, fragte Marion skeptisch. »Kann ich das mit ruhigem Gewissen trinken?«

Dirk winkte beschwichtigend ab.

»Aber natürlich, es handelt sich um ein Fruchtsaftgetränk, unter das ich ein bisschen Alkohol gemischt habe. Es belebt den Geist und macht nicht betrunken.«

»Tatsächlich?« Marion blieb misstrauisch.

»Ich schwöre es dir«, sagte er und legte die Hand aufs Herz. »Was hätte ich davon, wenn ich dich anschwindelte? Dann würdest du mich bestimmt nicht mehr besuchen. Und gerade das möchte ich nicht riskieren. Du weißt, wie sehr ich dich mag.«

Marion lachte.

»Wem hast du das heute Abend schon gesagt?«, fragte sie. »Du brauchst dich bei mir nicht zu überanstrengen, das müsstest du inzwischen wissen. Bei mir ziehen deine scheinheiligen Beteuerungen nicht.«

»Dabei bist du die einzige, mit der ich es ehrlich meine«, versicherte Dirk ernst. »Weißt du, eine Frau, die es mir leicht macht, verliert schnell an Reiz für mich. Aber du?« Er seufzte und zog ein zerknirschtes Gesicht. »Du bringst mich noch dazu, dass ich dir einen Heiratsantrag mache.«

»Den kannst du dir ersparen«, entgegnete Marion. »Versuch es doch einmal bei Kerstin. Die würde bestimmt nicht nein sagen.«

»Kerstin ist ein liebes Mädchen, aber heiraten? Nee, meine Liebe. Dann bleibe ich lieber ledig.«

»Du hast keine sehr hohe Meinung von meiner besten Freundin«, sagte Marion.

»Sie fällt eben auch unter die Kategorie Mädchen, die ihren Reiz für mich verloren haben«, erwiderte Dirk. »Sie kann einem mit ihrer ewigen Anhimmelei mit der Zeit auf die Nerven gehen. Ein Mann will erobern, die Früchte pflücken und nicht Fallobst auflesen, wenn du verstehst, was ich meine.«

»Ich verstehe dich sehr gut«, nickte Marion.

»Siehst du, und deshalb ist es mein Ziel, dich zu erobern, die uneinnehmbar scheinende Festung zu stürmen. Irgendwann wird es mir gelingen. Davon bin ich felsenfest überzeugt.«

Marion schüttelte lachend den Kopf.

»Mein lieber Dirk, du machst dir völlig falsche Hoffnungen. Ich finde dich zwar nett und sympathisch, aber ich habe dich auch durchschaut. Du bist ein Filou erster Güte. An mir wirst du dir deine blendend weißen Zähne ausbeißen. Du solltest es also erst besser gar nicht versuchen, wenn ich dir einen guten Rat geben darf. Pflücke die Früchte, die du erreichen kannst, um mit deinen blumenreichen Worten zu sprechen, aber lass mir meine Ruhe.«

»Marion, ich liebe dich«, beteuerte Dirk treuherzig. »Du bist das netteste und hübscheste Mädchen, das mir je begegnet ist. Ich gebe nicht so schnell auf. So, und nun muss ich mich um meinen Krüger-Punsch kümmern. Wir reden später noch einmal darüber.«

»Es ist zwecklos«, versicherte Marion lächelnd. Irgendwie tat ihr die Bewunderung des gutaussehenden Mannes doch gut, wenn sie es sich auch nicht eingestehen wollte.

»Wir werden sehen«, meinte Dirk, bevor er sich erhob und aus dem Partykeller ging. Kurze Zeit später kehrte er mit einem dampfenden Kupferkessel zurück, den er auf der Bartheke abstellte.

»So, meine Freunde, und nun präsentiere ich euch meine neueste Erfindung, den Krüger-Punsch«, rief er fröhlich. »Aber jeder bitte nur ein Glas, damit alle etwas bekommen.«

Seine Gäste stellten sich lachend in einer Reihe auf und zogen in einer Art Polonaise an ihm vorbei. Jeder nahm ein Glas mit der dampfenden, rötlich schimmernden Flüssigkeit in Empfang und ging dann zurück an seinem Platz, um sich den Drink zu Gemüte zu führen.

Auch Marion hatte ein Glas Krüger Punsch abgeholt und sich wieder in ihre stille Ecke zurückgezogen. Misstrauisch schnupperte sie an dem heißen Getränk. Es duftete köstlich nach Orangen und Jasmin. Vorsichtig nahm sie ein Schlückchen zu sich. Viel Alkohol schien es tatsächlich nicht zu enthalten. Beherzt trank sie ihr Glas schließlich leer.

»Das ist ja ein Gesöff für alte Omas«, brüllte einer enttäuscht. »Reicht mir mal den Gin rüber. Ich möchte etwas nachwürzen.«

Andere taten es ihm nach. Dirk wurde von allen Seiten verspottet, dass er sich dieses Mal nichts Vernünftiges ausgedacht hatte. Der Gastgeber aber schwieg und lächelte still vor sich hin.

Eine Viertelstunde später fühlte Marion, dass etwas nicht mit ihr stimmte. Ungewohnte Unruhe erfasste sie. Ihr ganzer Körper begann zu kribbeln. Violette Wolken tanzten vor ihren Augen. Schweiß trat auf ihre Stirn.

Das Mädchen erhob sich mühsam und schwankte zu Dirk, der auf einem Barhocker saß und seine Gäste beobachtete, bei denen das Getränk seine Wirkung zeigte.

»Was ... hast... du da ... hineingetan?«, stammelte Marion, die kaum noch einen klaren Gedanken fassen konnte. In ihren Ohren dröhnte es. Eine herrliche Musik, tausend Geigen schienen zu spielen.

»Nichts«, erwiderte Dirk böse lächelnd. »Nur ein wenig LSD.«

»Oh, du Schuft«, stöhnte das Mädchen entsetzt. »Du gemeiner Schuft.«

Doch dann hatte sich ihr Gehirn endgültig umnebelt, und sie wusste nicht mehr, was sie tat.



3

Als Marion Stunden später mühsam die Augen aufschlug, lag sie allein in einem breiten Bett. Sie trug nur ihre Unterwäsche. Das Kleid hing ordentlich über einem Stuhl. In ihrem Kopf rumorte es, als würden hunderttausend Bienen herumschwirren. Im Mund hatte sie einen seltsam pelzigen Geschmack. Sie fühlte sich leer und ausgebrannt. Außerdem war ihr speiübel.

Aufstöhnend griff sie nach ihrem Kopf und versuchte, sich zu erinnern. Wie war sie hierher gekommen? Langsam begann es ihr zu dämmern. Da war die Party bei Dirk gewesen. Er hatte seinen neuen Punsch präsentiert. Den Krüger-Punsch, dessen Hauptbestandteil die Droge LSD gewesen war. Winzige Dosen genügten, um einen erwachsenen Menschen in einen tiefen Rausch von zwölf Stunden Dauer zu versetzen, dessen Erscheinungsbild durch intensive optische und akustische Halluzinationen geprägt ist.

Marion konnte sich erinnern, dass sie sich mit einem Mal frei und leicht wie ein Vogel gefühlt hatte. Sie war auf einer rosafarbenen Wolke durch das Zimmer geschwebt, das in prächtigen Farben leuchtete. Unzählige Männerhände griffen nach ihr, rissen ihr die Kleidung vom Körper, stürzten sie in einen sexuellen Rausch. War das alles tatsächlich nur ein Traum gewesen?

Es klopfte an der Tür. Ohne ihre Aufforderung abzuwarten, trat Dirk ein. Lächelnd kam er näher. Sie zog die Bettdecke bis zum Hals hinauf und sah ihn wütend an.

»Na, hast du endlich ausgeschlafen?«, fragte er. »Du warst ja ganz schön voll, meine Liebe. Du hättest etwas langsamer trinken sollen. Kleine Mädchen vertragen noch nicht so viel.«

»Hör nur auf«, fuhr sie ihn an. »Ich weiß genau, was ich getrunken habe. Vom Alkohol war ich bestimmt nicht blau. Aber ich weiß, dass du LSD unter deinen sogenannten Krüger-Punsch gemischt hast. Du hast es selbst zugegeben. Dafür werde ich dich anzeigen. Dieses Mal bist du zu weit gegangen.«

Dirk schüttelte amüsiert den Kopf.

»Du wirst mich nicht anzeigen«, sagte er gemütlich. »Du hast nämlich keinerlei Beweise für deine Anschuldigungen. Die anderen werden hübsch den Mund halten. Ihnen hat meine Party sehr gut gefallen. Sie haben sich schon erkundigt, wann es wieder einmal meinen Krüger-Punsch gibt.«

»Du bist ein Schwein, Dirk«, fauchte Marion verächtlich. »Verschwinde endlich aus dem Zimmer, damit ich mich anziehen kann. Ich möchte schnellstens von hier weg. Ich will mit dir nichts mehr zu tun haben.«

»Ist ja schon gut«, sagte er und hob beschwichtigend die Hände. »Ich lass dich gleich allein. Bevor du gehst, möchte ich dir noch etwas zeigen.«

»Ich möchte nichts sehen«, entgegnete Marion. »Ich habe die Nase voll. Du ekelst mich an. Wie konnte ich nur jemals deinen schönen Worten glauben? «

»Du wirst dir ansehen, was ich dir zeigen möchte«, sagte Dirk, und seine Stimme klang scharf. »Es ist in deinem eigenen Interesse.«

»Also gut«, erwiderte Marion unlustig. »Sehe ich’s mir halt an.«

»Du wirst überrascht sein«, meinte Dirk. Er blinzelte ihr vertraulich zu und verließ das Zimmer.

Marion sprang aus dem Bett und schlüpfte in ihr Kleid. Als sie einen Blick in den Spiegel warf, erschrak sie vor sich selbst. Ihre Augen waren tief umrändert. Das Gesicht wirkte eingefallen und fast ein wenig grau. Angewidert wandte sie sich ab.

Dirk erwartete sie in seinem pompös eingerichteten Wohnzimmer. Kostbare Bilder hingen an den Wänden, dicke Teppiche bedeckten den Boden. Eine Seite des Zimmers wurde von einer massiven Schrankwand eingenommen, in die Fernsehapparat, Videorecorder und Stereoanlage eingebaut waren. Davor standen um einen langen Marmortisch schwere Ledersessel und, eine breite Couch.

Dirk forderte sie auf, vor dem Fernsehapparat Platz zu nehmen. Widerwillig ließ sie sich nieder und starrte den Mann verächtlich an. Ihn schien das völlig kalt zu lassen.

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Marions letzte Party" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen