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Man bittet stark zu klingeln

Margarete Lenk

Man bittet stark zu klingeln

Christliches Kinderbuch





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Man bittet stark zu klingeln

 

Am äußersten Ende einer belebten, aber ziemlich schmalen Gasse der großen Stadt befand sich eine Mädchenschule. Es war kein Schulpalast, wie man ihn jetzt wohl sieht; es war nur eine Reihe ziemlich düsterer Zimmer in einem alten, winkligen Hause.

Von einem Spiel- oder Turnplatz war keine Rede. In den kurzen Pausen zwischen den Lehrstunden blieben die munteren Mägdlein auf ihre Klassen beschränkt, ja sie durften nicht einmal ihre Stimmen erheben zu allzu lautem Lachen und Scherzen, sonst erschien gleich das strenge Gesicht des Direktors an dem Guckfensterchen in der Tür.

Da war’s kein Wunder, dass der mühsam zurückgehaltene Übermut nach Schluss der Schule desto lebhafter ausbrach und die enge Gasse von Schwatzen und Lachen, Jubeln und Jauchzen widerhallte.

In drei und vier hüpften die freigelassenen Vöglein den Seitenweg entlang, ja sie nahmen recht eigentlich auf ein Viertelstündchen Besitz von der ganzen Gasse. Erwachsene, besonders solche, denen das Verständnis für Kinderlust fehlte, vermieden es gern, der ausgelassenen Schar in den Weg zu kommen.

Am Ende der Straße teilte sich der Schwarm in verschiedene Nebengassen, nur eine Gruppe aus der dritten Klasse, die man die „wilde“ nannte, blieb oft noch ein Weilchen vor einem kleinen Laden stehen, wo fertige Hemden und Schürzen, Kindermützchen und dergleichen Dinge zu haben waren. Auf einem Zettel innerhalb der Glastür stand schön und deutlich geschrieben:

„Man bittet stark zu klingeln!“

O welch verführerische Einladung!

Wenn man darum gebeten wurde, durfte man’s doch eigentlich tun! Darum fand sich fast täglich ein keckes Ding, das es für eine rechte Heldentat hielt, tüchtig an der Klingel zu reißen und dann schleunigst den lachenden Gefährtinnen nachzulaufen.

Hätten die leichtsinnigen Mädchen das bleiche, sorgenvolle Frauengesicht gesehen, das nach einer Weile an der Ladentür erschien, um bitter getäuscht wieder zu verschwinden, wäre ihnen vielleicht der Übermut vergangen. Doch sie hüteten sich wohl, rückwärts zu schauen!

Aber o weh! Eines Tages ward in allen Schulklassen bei strenger Strafe verboten, an der Klingel zu ziehen; die Ladenbesitzerin mochte sich wohl endlich über den Unfug beklagt haben.

Eine Zeitlang widerstand man tapfer der Versuchung; nur Bella, die begabteste, aber auch übermütigste Schülerin der dritten Klasse, konnte sich’s noch immer nicht versagen, zuweilen einen tüchtigen Riss an der Klingel zu tun.

Niemand wagte, es ihr zu wehren. Was andere sich mühsam einprägen mussten, flog ihr nur so in den Kopf! Schon ihre siegesgewisse Art aufzutreten, um das längste Gedicht, die schwierigste Konjugation fehlerfrei herzusagen, war bewunderungswürdig!

Sie trug nie ein verwaschenes Kattunkleidchen, nie schiefgetretene Schuhe, nie den mühsam hergerichteten Hut oder Mantel einer älteren Schwester. Nein, sie war immer neu, fein und schön gekleidet.

Und wie verstand sie in den Erholungspausen die ganze Klasse zu unterhalten durch lustige oder traurige Geschichten und allerlei Possen, die unter Schulkindern den schönen Namen „Unsinn“ führen! Dazwischen kamen freilich Tage, wo sie still und in sich gekehrt war und leicht weinte.

Es war im November. Nach langem Regenwetter trat leichter Frost ein, sodass die Mädchen schon auf den schmalen Rinnen, die sich damals zwischen Fahr- und Fußweg befanden, dahingleiten konnten.

Diese rasche, über alles beliebte Bewegung brachte Bella, die heute eigentlich ihren ernsten Tag hatte, plötzlich in übermütige Stimmung.

Mit flatternden Locken dahingleitend, erreichte sie zuerst die Straßenecke, an der der bewusste Laden lag. Jauchzend tat sie einen tüchtigen Riss an der Klingel und entfloh eilig nach der andern Seite der Straße.

Aber o weh! Sie glitt auf den leicht gefrorenen Steinen aus und stürzte heftig zu Boden, gerade in eine große Pfütze, deren dünner ...

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