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Magie - Tier - Geisterseher

Der Mensch

Stufe für Stufe
den Gipfel erklommen
stürzt die Katarakte hinab
auf dem Weg ins Meer
woher er gekommen

Der Fisch
ein Fisch bin ich
ein Meerestier
ich spüre eine Kraft in mir
sie treibt mich durch die
grüne Gischt
als gäbe es ein Ziel für mich
als zöge es mich hin
zu einem fernen Kontinent
jenseits der Flut
von einem Gestern
einem Morgen
weiß ich nichts
weiß nichts von einem
andern Tag
es gibt nur dies
die klare Sicht
es sprüht die Gischt
es braust die Flut
was aber regt sich da in mir
als ob ich Atem holen soll
in einem andern Element
ich tauche auf
und sitze in der Runde hier
ein Fisch war ich
ein Meerestier

Wie man sie sich zieht, so hat man sie: Kätzchen, kleine Hunde, … Männer.

Der Heiler
Er schweigt, verordnet kein Rezept,
schaut dich mit rätselhaften Augen an,
und du weißt, was dir fehlt
und was du tun musst.

Gelegentlich lässt er sich
von seiner Katze vertreten.
Die Katze hockt vor dir am Schreibtisch.
Sie schweigt,
schaut dich mit rätselhaften Augen an,
und du weißt,
was du tun musst.  

Leda

Zum Opfer und zur Weihe
erschuf dich die Natur-
Wehr dich nicht länger gegen den,
der von den Wolken glitt,
auf deinen Hüften hockt er schon,
stößt wilde Laute aus,
überlasse dich ihm
mit einem tiefen Seufzer.

  

Ananke

Einsamer
wohin willst du dich verkriechen
da selbst ein Mauseloch dir viel zu weit
schon zu viel Welt ist
die Schicksalsgöttin sitzt davor
als Katze

Lebensstil

Unser Kater Felix spricht mit uns. Er behauptet sogar, das tue er schon immer, wir hätten ihn nur früher nicht verstanden. Wir schreiben es dem Erfolg unserer Meditationsübungen zu, dass wir die Katzensprache verstehen. Bevor Felix etwas zu uns sagt, stößt er einen Maunzer aus. „Das hat er von dir“, behauptet Isolde. „Du machst auch vor jedem Satz zuerst ‚hmm’“. „Mir ist das bis jetzt nicht aufgefallen“, gebe ich zu. „Siehst du, und der Kater denkt, das muss so sein!

Professor Zeus gelang durch Genmanipulation, dass seine Assistentin Leda, auf die seine Frau schon lange eifersüchtig war, Zwillinge gebar, die aufs Haar jener ausgestorbenen Menschenrasse glichen, die man in alten Schriften Engel nannte.

Archäopterix. Als Zeus sich dem Saurierweibchen Leda nahte, zeugte er mit ihr die Vögel.

Die Schnur

Vor einem kleinen Hotel in der Umgebung von München wartete ein Bus für sechzig Personen. Er stand bereit für die Gemeinschaft der Zauberer und Hexen, die eine Reise an die Nordsee zu einem dreitätigen Seminar vorhatten. Nach und nach trafen alle Teilnehmer ein. Josef, Vorsitzender und Urbayer, hatte alle Hände voll zu tun und zu schütteln.

Ich bot Josef meine Hilfe an. Er bat mich, ich solle aus dem Speicher Proviant herunter bringen. Durch eine Luke zum Speicher baumelte eine Schnur herab. Ich zog. Vielleicht hing ein dicker Schinken dran. Der Schinken, oder was das auch war, schien sich dagegen zu sträuben, eingeholt zu werden. Irgend etwas zerrte jedenfalls am anderen Ende wie ein großer Fisch an der Angel.

Ich war stärker und zog den Kontrahenten heran. Es war ein grauer, magerer Kater, der in Panik ungeahnte Kräfte entwickelte. Die Schnur hing aus seinem Katermaul und er sprang wie besessen hin und her. Das Entsetzen war ihm anzusehen, saß ihm im Nacken oder auch im Bauch, vielleicht hatte er einen vergifteten Köder verschluckt.

Trotz seiner Kapriolen riss ich ihn mit einem kräftigen Ruck zu mir her und schnitt mit meinem Taschenmesser dicht am Katermaul die Schnur durch, vielleicht wegen seines Gehampels ein bisschen sehr dicht am Katermaul. Er sauste sofort davon und hüpfte mit einem Satz nach oben durch die Luke. Ich hoffte für ihn, dass er ohne Nachteile verdaut, was er vermutlich Grausliches in sich hineingegiert hatte und holte Wanda aus unserem Hotelzimmer und wir gingen nach unten in den Gastraum.

Ungefähr eine Viertelstunde war vergangen, da traf Willi ein, unser hagerer, sommersprossiger Könner auf der Gitarre. Ich hatte mit ihm vor drei Tagen über die Reise zur Nordsee gesprochen und ihn überredet, mitzumachen. „Muss ich mich extrafein ausstaffieren oder genügt Freizeitkleidung.“ „Freizeit reicht“, versicherte ich ihm. Nun waren aber doch alle elegant gekleidet erschienen. Willi fühlte sich deplaziert. Wanda und ich fanden, dass er mit seinem marineblauen losen Hemd, natürlich ohne Krawatte, und seiner sandfarbenen Jeanshose und Jacke, gut aussah.

Er trat in die Runde, die sich inzwischen fast vollzählig versammelt hatte, zeigte auf mich mit den Worten: „Benno ist schuld an meiner unvorteilhaften Kleidung“. Und er bat, seinen Aufzug zu entschuldigen. Von diesem Auftritt fühlte sich offenbar ein junger Mann, den wir in diesem Kreis noch nie gesehen hatten, angespornt, ebenfalls das Wort zu ergreifen. Sein Gesicht war flächig und wies so etwas wie eine Hasenscharte auf, sie klaffte schräg über seine Oberlippe und nässte. Er stellte sich in die Mitte des Raums, wies mit dem Finger auf mich, und sagte, er sei mir dankbar, dass ich die Schnur gekappt habe, aber ich hätte seine Oberlippe dabei verschonen und sie nicht halb mit abschneiden sollen.

„Komisch“, flüsterte ich Wanda zu, „er war doch ein so magerer Kater, und der da wirkt eher dicklich.“ Uns war die Lust an der Busreise nun endgültig vergangen, und da sich Willi in dem Kreis sowieso nicht wohl fühlte, schlugen wir ihm vor: Steigen wir einfach in Frankfurt aus dem Bus und lassen die andern ohne uns drei weiterfahren. Und dann tingeln wir durch die Lande, das hatten wir doch längst mal vor.“

Rasur

Die struppige schwarze Katze saß auf der Treppe vor dem Haus. Der Mann aus der Parterrewohnung rasierte sich im Gehen mit seinem elektrischen Rasierapparat. So eilig hatte er es. Aber für einen Scherz musste Zeit sein. Er fragte die Katze, ob sie auch rasiert sein wolle. Der Mann war sich nicht sicher, ob sein Scherz bei der Katze angekommen war. Die Katze aber dachte, weiß denn der Blödling nicht, dass sich Katzen nicht rasieren.

Pfotenleise
jagt das gestiefelte Kätzchen
dein Herz
eine Delikatesse.
Hüte dich!

Ich werde aus meiner Frau nicht schlau
sie schaut mich an aus Augen so blau
und voller Unverstand.
Wenn ich sie kraul, weiß ich nie genau
schnurrt sie diesmal oder kratzt sie mich.
Miau!

Der Kater in mir schleckt sich begehrlich das Maul nach der Katze in dir.


Der fremde Kater stieg zu der grünen Witwe über die Mauer. Sie zwitscherte verführerisch in ihrem Bauer. Als er zubiss, war sie sauer.

Die ganze Familie ist betrübt. Die Tochter hat sich in den Kater verliebt. Ach hätte sie nur den Vetter genommen. Doch nach der Affär mit dem Kater will der sie nicht mehr.

Die Katzendame

Ob du je denken wirst wie eine Menschenfrau, das weiß ich nicht, bloß dies weiß ich gewiss, dass du in meinem Bett für mich gefährlich bist.

Meine Katze wünscht sich einen Kater, kommt er dann ins Haus, packt sie ein Graus.

Morgens drängt sich der Rivale voller Gier in der Küche an den Kühlschrank, kriegt sein Frühstück. Ist die Katze endlich satt, kommt der Ehemann als nächster dran.

„Was krieg ich heute zu essen?“ Ich weiß, was meine Katze mir sagen will, wenn sie mich so anschaut. Sie mag es nämlich, wenn ich ihr die Namen von Leckerbissen ins Ohr säusle.

Er hat seine Jahre vergeudet
für einen Schwarm.
Sie wurde nie wirklich für ihn,
obwohl es sie wirklich gibt.
Sie schnurrt in einem anderen Arm.

Der Inder

er sah nicht aus wie ein Sponti
 klein und drahtig mit Stoppelfrisur
doch wer ihm über den Weg lief
der machte lieber eine Biege nach gegenüber
und flüsterte hinter ihm her
"das war Narasima der Löwenmann"
wenn aber ein Großer ihn mein Kleiner nannte
dem machte er mit seiner Pranke klar
wer er wirklich war
den verdrosch er mit dem Mobiliar
der nächsten Kneipe
nach allen Regeln
der Veden

Katzennacht
Genussaroma der Katzennacht
Schwermut und Entzücken
malen ihre Bläue in die Schatten,
Kätzchen befeuchten die Mäulchen,
feinnervige Zungen
schlecken aus Schälchen Säuerliches.
morgens hat die Welt für Katzen
ein böses Hundegesicht.

Wenn unterm Mond die Kater minnesingen, komm ich mir vor wie ein aus der Tierwelt Ausgestoßener.

Der Kater

Unser langjähriger Freund Max, Katzenliebhaber und Diplomat, überließ uns seinen Kater Felix. Das Auswärtige Amt schickte Max für fünf Monate nach China.

Vor seiner Abreise ließ Max wissen, der Kater schätze durchaus die chinesische Küche. Dennoch verreise er dieses Mal vorsichtshalber ohne den Kater, und zwar wegen gewisser eigenartiger Vorlieben chinesischer Gourmets. Und da wir mit Katzen langjährige Erfahrung hätten, würde er uns Felix zu treuen Händen anvertrauen, obwohl dies gegen die Vorschrift sei; denn Diplomatenkatzen dürften genau genommen nur von Diplomaten gehalten werden. Nach seiner Rückkehr werde er Felix umgehend wieder zu sich nehmen.

Bei der Übergabe des Katers um vier Uhr morgens nannte er uns die Telefonnummer seines Berliner Büros. Wir sollten uns, falls wir Probleme mit Felix hätten, an seine Sekretärin wenden, die über alle Eigenheiten des Katers Bescheid wisse. Noch nicht recht wach, kritzelte ich die Telefonnummer auf den Rand einer alten Zeitung.

Der Kater fühlte sich gleich bei uns heimisch, er schnurrte aus Leibeskräften. Sicher lag es daran, dass er als Diplomatenkatze fremde Umgebung gewohnt war. Einen derart stattlichen Kater hatten wir bis jetzt noch nie gehabt, sein weißes Fell leuchtete und glänzte wie frisch gefallener Schnee. Und er machte zudem einen ungewöhnlich intelligenten Eindruck auf uns. Wenn wir uns unterhielten, spitzte er die Ohren und miaute dazu seine Meinung, die wir leider nicht so ganz verstehen konnten. Sonst hätten wir ihn zum Beispiel gefragt, was er am liebsten frisst.

Aber wir könnten uns ja bei der Sekretärin erkundigen. Wo lag bloß die Zeitung mit der Berliner Telefonnummer. Der Kater beobachtete unsere hektische Suche vom Sofakissen aus, und – wie es schien –mit nachsichtiger Miene. Nach einer Weile sprang er plötzlich auf und flitzte zum Telefon. Aus dem Gemurr, das er dabei ausstieß, hörten wir deutlich heraus: „Schluss jetzt mit der diplomatischen Geheimniskrämerei, ich wollte sowieso anrufen" und wählte mit der linken Pfote eine Nummer, es war die des Berliner Büros.

Die Sekretärin freute sich, dass der Kater anrief. Wir hörten das Gespräch über die Freisprechanlage mit. Sie hatte sich Sorgen gemacht. Ab morgen sei sie vier Wochen in Urlaub und nicht zu erreichen. Der Kater beruhigte sie: Zwar sei dies hier kein Diplomatenhaushalt, aber wir seien bemüht, ihn zu verwöhnen.

Wir erfuhren nun endlich, wodurch sich Diplomatenkatzen von gewöhnlichen Hauskatzen unterscheiden. Sie können es beispielsweise nicht leiden, wenn man sie am Bauch krault. Felix hatte sich sein Missbehagen nicht anmerken lassen. Denn wir hätten es, lobte er uns, schließlich gut mit ihm gemeint. Aber er sei halt kein Schmusekater. In Indien, wo er lange mit seinem Diplomaten gelebt habe, sei er am liebsten auf Elefanten geritten.

Und dann kam er zum Glück auf seine Leibspeise zu sprechen: Cocktailtomaten in creme fraiche. Ich besorgte sofort Cocktailtomaten beim Gemüsehändler, kaufte am Zeitungsstand im Vorbeigehen noch die neueste Zeitung und blätterte sie durch. Dabei stieß ich auf einen langen Bericht über unseren Diplomatenfreund. Sein Aufenthalt in China wurde vom Auswärtigen Amt von fünf Monaten auf fünf Jahre verlängert. Zu Haus wollte ich dem Kater den Artikel vorlesen. Aber er las ihn lieber selbst.

Vielleicht wird Felix in fünf Jahren nicht mehr von uns fort wollen, und wir werden ihn dann hoffentlich auf Dauer behalten dürfen.

Wenn ich jetzt brülle, glaubst du mir dann, dass ich ein Löwe bin, oder jagst du mich davon?

Krafttier

Zwar besitzen wir keine Katze, aber wir mögen Katzen, ob große oder kleine, und sie mögen uns. Jeden Morgen besucht uns ein schwarzer Panther. Manchmal ist er schon da, wenn wir die Augen aufmachen. Wandas Kopf liegt dann meistens auf seinem Bauch, und sie hält ihn nach dem Aufwachen im ersten Moment für ein Kissen.
Er kann es leiden, wenn sie ihn krault, er mag es aber nicht, wenn man ihn gegen den Strich streichelt, wozu es mich hin und wieder reizt. Dann blickt er mich strafend an. Trotzdem würde er mir nie weh tun, nie die Pfote gegen mich erheben.
Bevor es richtig hell wird, schleicht er sich von dannen. Er möchte niemanden erschrecken. Einmal war es schon taghell, als er uns verließ. Ich begleitete ihn vor die Tür und schaute mich um, ob niemand auf der Treppe ist. Bevor er den Ausgang erreicht hatte, ging im Parterre eine Wohnungstür auf und ein kleiner Junge stürmte heraus, in der offenen Tür stand seine Mutter.
Der Junge stieß einen Entsetzensschrei aus, als er den schwarzen Panther sah. Es gelang mir nur mit Müh und Not ihn und die Mutter zu beruhigen: Der tut nichts, der frisst keine kleinen Kinder.

 

Tiger

 Statt Fingernägel hat der Bursche Krallen. Tigerkrallen. Er behauptet, er sei mehr Tiger als Mensch. Das ist ihm zu glauben.

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