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Maddrax - Folge 313

Inhalt

  1. Cover
  2. Impressum
  3. Was bisher geschah
  4. Der verlorene Pfad
  5. Leserseite
  6. Zeittafel
  7. Vorschau

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Am 8. Februar 2012 trifft der Komet „Christopher-Floyd“ die Erde. In der Folge verschiebt sich die Erdachse und ein Leichentuch aus Staub legt sich für Jahrhunderte um den Planeten. Nach der Eiszeit bevölkern Mutationen die Länder und die Menschheit ist – bis auf die Bunkerbewohner – auf rätselhafte Weise degeneriert. In dieses Szenario verschlägt es den Piloten Matthew Drax, dessen Staffel beim Einschlag durch ein Zeitphänomen ins Jahr 2516 gerät. Nach dem Absturz wird er von Barbaren gerettet, die ihn „Maddrax“ nennen. Zusammen mit der telepathisch begabten Kriegerin Aruula findet er heraus, dass Außerirdische mit dem Kometen – dem Wandler – zur Erde gelangt sind und schuld an der veränderten Flora und Fauna sind. Nach langen Kämpfen mit den Daa’muren und Matts Abstecher zum Mars entpuppt sich der Wandler als lebendes Wesen, das jetzt erwacht, sein Dienervolk in die Schranken weist und weiterzieht. Es flieht vor einem kosmischen Jäger, dem Streiter, der bereits seine Spur zur Erde aufgenommen hat!

Bei einem Unfall stirbt Matts Tochter Ann – durch Aruulas Hand. Es war ein Unfall, aber Matt ist fertig mit der Welt und trennt sich von Aruula. Stattdessen sucht er Heilung für Xij, die in sich verschüttet die Geister unzähliger früherer Leben trägt und todkrank ist. Matt setzt seine ganze Hoffnung auf seine Hydritenfreunde Quart’ol und Gilam’esh. In der geheimen Stadt Gilam’esh’gad erinnert sich Xij an ihr erstes Leben als Manil’bud, Gilam’eshs Gefährtin. Trotzdem entscheidet sie sich für ein Leben als Mensch, in einem identischen Klonkörper, in den ihr Geist überwechselt.

Inzwischen wird die Burg von Matts Blutsbruder Rulfan von Exekutoren belagert. Meister Chan, der die Macht in Britana an sich reißen will, hilft ihm gegen die angeblichen Renegaten, die er selbst beauftragt hat, und gewinnt so Rulfans Vertrauen. Doch er hat nicht mit Xij gerechnet, die Rache nimmt für eine Vergewaltigung, die Chan einer ihrer früheren Existenzen antat.

Da entdecken die Marsianer, dass der Neptun am Rande des Sonnensystems an Masse verliert! Bedeutet das die Ankunft des Streiters? Man stellt den Magnetfeld-Konverter fertig und schickt ein Raumschiff zur Erde. Dort kontaktiert man Matt und richtet den Flächenräumer ein. Doch dann gibt es Probleme und man zieht Gilam’esh und Quar’tol sowie den Androiden Miki Takeo hinzu. Anschließend will Matt Aruula darum bitten, mit einem Telepathenzirkel Kontakt zum Streiter aufzunehmen, doch sie erweist sich als erbitterter Feind. Matt ahnt nicht, dass es der Daa’mure Grao ist, der sich als Aruula zur Königin der 13 Inseln aufgeschwungen und die echte Aruula in einer Höhle eingesperrt hat. Als Grao dann doch einen Zirkel bilden lässt und die Bedrohung begreift, macht er sich auf den Weg zum Flächenräumer, um zu helfen – und lässt Aruula in dem Höhlenloch zum Sterben zurück. Am Südpol angekommen, wird Grao vom Streiter okkupiert. Matt & Co. müssen ihn wortwörtlich auf Eis legen, um Schlimmeres zu verhindern. Aber auch die anderen Telepathen drehen langsam durch …

Der verlorene Pfad

von Stephanie Seidel

Abendrot flammte an den verschneiten Dächern von Canduly Castle, als Rulfan heimlich die Burg verließ. Er brauchte eine Auszeit. Seine Gefühle spielten verrückt, die Kehle war ihm wie zugeschnürt, und eine innere Stimme drängte: Flieh, solange du noch kannst!

Ich müsste doch glücklich sein! Wieso fühle ich mich, als wäre ich auf dem Weg zu meiner eigenen Hinrichtung?“, stöhnte der Albino.

Momentan liefen die letzten Vorbereitungen für ein großes Fest, und seine Gefährtin Myrial, das wusste der Albino, würde den morgigen Tag als den schönsten ihres Lebens in Erinnerung behalten. Doch für ihn, Rulfan von Coellen, endete morgen die Freiheit …

Im schottischen Hochland, 31. Dezember 2527

Die Landschaft rings um Canduly Castle bot einen prachtvollen Anblick. Besonders im Winter, wenn der Schnee wie ein feines Tuch über Tälern und Hügeln lag und das Wild aus den Wäldern seine Nahrungssuche auf die burgnahen Wiesen verlegte.

Rulfan mochte es, die scheuen Vierbeiner zu beobachten. Einige prächtige Reddeer-Hirsche wurden gerade von Spikkaren belauert, die keine andere Laune zu kennen schienen als Missmut, und sich selbst bei der Jagd gegenseitig ankeiften. Viele ihrer Beutetiere verdankten dieser Wesensart ihr Leben.

Spikkare wurden aber auch selbst oft zum Opfer, denn sie hatten ein zartes, ausgesprochen wohlschmeckendes Fleisch, und deshalb hingen auch einige von ihnen zur Stunde in der Burgküche ab. Knusprig gebraten würden sie morgen die Festtafel bereichern.

Festtafel.

Das Wort lag wie ein Stein in Rulfans Magen.

„Hätte ich bloß nicht zugestimmt“, brummte der Albino und trat im Vorbeigehen einen harmlos in der Gegend herumstehenden Holzeimer weg.

„Halt! Wer da?“, klang es prompt aus dem Wärterhäuschen an der Ziehbrücke. Hastiges Stühleschieben, Waffenklirren, dann kamen zwei Wachleute ins Freie gerannt. Rulfan hätte sie tadeln können für ihre lasche Pflichtauffassung – immerhin sollten sie Canduly Castle vor unliebsamen Gästen schützen, anstatt sich am Kohleofen den Hintern zu wärmen. Aber er hatte keine Lust dazu.

„Ach, Ihr seid es, Herr!“, keuchte einer der Männer. „Darf ich fragen, wo Ihr hinwollt um diese Zeit?“

„Sicher“, sagte Rulfan und ging weiter. Das fehlte gerade noch, dass er seinen Bediensteten Rede und Antwort stand!

Die Auffahrt zur Burg war geräumt und mit Asche bestreut. König Stuart und sein Gefolge wurden für morgen früh erwartet, da wollte man nichts riskieren. Der König sollte heil ankommen. Er war immerhin der Zeremonienmeister.

„Warum hat er nicht abgesagt?“, klagte Rulfan. „Jed ist doch mein Freund! Er hätte absagen können!“

Er verließ den Weg und begann querfeldein übers Land zu wandern. Es tat gut, bis zu den Knöcheln im Schnee einzusinken und die würzige kalte Winterluft zu atmen, während der Wind von den fernen Hügeln das Heulen wilder Lupas herantrug. Rulfan fühlte sich an alte Zeiten erinnert, als Freundschaft über allem stand und Freiheit noch eine Selbstverständlichkeit war.

Sein Herz wurde schwer.

Wo waren sie hin, die Jahre mit Matt, Aruula und all den anderen Gefährten – Mr. Black, Aiko Tsuyoshi, Honeybutt Hardy, Pieroo oder Quart’ol? Fremde Länder. Abenteuer. Neue Wege. Nächte am Lagerfeuer und Tage voller Kämpfe und Entbehrungen. Die niemals endende Sehnsucht nach der Ferne …

Es gab noch so vieles zu erkunden, und auch viele Orte, die Rulfan gern ein weiteres Mal besucht hätte. Ewigkeiten war er nicht mehr in Waashton gewesen.

Doch daraus würde nichts werden. Canduly Castle war seine Endstation. Denn er hatte etwas getan, das er nie hätte tun dürfen.

Es war drei Wochen, fünf Tage und ungefähr zwölf Stunden her, dass Myrial ihn aus dem gemeinsamen Schlafzimmer verbannt hatte. Nicht nur, um ihm zu zeigen, was sie von seinen ständigen Eskapaden und Abwesenheiten hielt. Sondern auch, um ihm die Pistole auf die Brust zu setzen.

Schon sein Sohn Leonard Pellam war unehelich geboren worden. Einem zweiten Kind wollte sie diesen Makel nicht antun. Dabei wünschten sie es sich doch beide. Myrial hatte sogar schon einen Namen ausgewählt, falls es ein Mädchen werden sollte: Canduly Kay.

Rulfan schüttelte den Kopf. Heiraten! Das Wort hatte einen bitteren Beigeschmack. Nach Kerker und Kontrolle. Und, ja, auch nach Verantwortung. Der er sich nicht länger würde entziehen können.

„Sie hat ja recht“, murmelte der Albino. „Aber was soll ich machen? Ich bin nun mal so! Mir geht die Freiheit über alles.“

Das hatte er sich zweieinhalb Wochen lang immer wieder eingeredet, und vielleicht stimmte es ja sogar. Aber es hatte ihn letztlich nicht davor bewahren können, zu kapitulieren. Vor einer Woche war Rulfan eingeknickt. Er hatte an die Schlafzimmertür geklopft und geseufzt: „Na schön, also meinetwegen: Lass uns heiraten! Machst du jetzt bitte auf?“

Doch Myrial dachte gar nicht daran, ihn gleich wieder in ihr Bett zu lassen. Sie wollte zuerst Gewissheit haben, dass er es auch wirklich ernst meinte.

Um das zu beweisen, brachte Rulfan Einladungen auf den Weg – was Tage dauerte, weil er berittene Boten einsetzen musste. Zwar hatte der Erfinder Meinhart Steintrieb ein neuartiges Funkgerät konstruiert, das die restliche CF-Strahlung in der Luft nutzte, um über weite Strecken zu senden – aber noch verfügte keiner der befreundeten Stammesfürsten über einen entsprechenden Empfänger. Außerdem war Steintrieb nicht hier; er war mit Matthew Drax zum Südpol gereist.

Natürlich bestand Myrial auch darauf, Jed Stuart einzuladen; und mehr noch: Der König sollte die Trauung selbst vornehmen. Rulfan hatte einen Boten nach Stuart Castle gesandt, um die Bitte vorzutragen, und Jed hatte sie mit Freuden akzeptiert.

Mit Freuden! Verräter!

Myrial war überglücklich – und ließ den Vater ihres Sohnes noch immer nicht an sich heran. „Nach der Hochzeit, mein Lieber“, gurrte sie mit unschuldigem Augenaufschlag. „So hast du etwas, worauf du dich noch mehr freuen kannst als auf die Zeremonie.“

„Ich bin’s ja selbst schuld“, sagte Rulfan in einem Moment der Einsicht zu sich selbst. „Was lasse ich sie auch dauernd allein und treibe mich in der Weltgeschichte herum? Ich kann froh sein, dass sie mich nicht längst verlassen hat.“

Denn das war die andere Seite der Medaille: Er liebte Myrial. Aus vollem Herzen und ohne Wenn und Aber. Auch wenn er sich das in solchen Momenten kaum eingestehen wollte.

„Das war’s also!“, seufzte er. „Unfassbar! Da habe ich so vielen Gefahren getrotzt und ein Leben als einsamer Lupa gelebt, und dann kommt diese kleine, bezaubernde Frau, knallt eine Tür zu – und ich werde zum Weichei!“ Er seufzte noch einmal. Dann straffte er sich. „Na los, Mann. Geh heiraten … blöder Idiot!“, fügte er noch hinzu, als er den Rückweg antrat.

Es hatte wieder zu schneien begonnen. Das Abendrot war erloschen, die Dämmerung fiel übers Land. Nicht mehr lange, dann wurde es Nacht in den Highlands. Es war die letzte des Jahres.

Die letzte in Freiheit …

Bei Kalskroona, etwa zwei Wochen zuvor

Über den Dreizehn Inseln zog eine Wolkendecke dahin, ohne Eile, schwer von Schnee, und nur selten gelang es der kraftlosen Dezembersonne, sie zu durchbrechen. Wenn sie es tat, dann versiegte das wispernde Flockengestöber für kurze Zeit. Und alles wurde still.

In solchen Momenten erwartete Aruula den Schrei des Totenvogels. Krahac würde kommen und sie holen, davon ging sie aus in ihrem Gefängnis unter der Erde, das mit jedem weiteren Tag, der keine Rettung brachte, ein bisschen mehr zur Gruft wurde. Zu ihrer Gruft.

Aruula fürchtete sich nicht vor dem Tod – ihr Leben als Kriegerin war eine endlose Aneinanderreihung gefährlicher Situationen gewesen. Allerdings hatte sie gehofft, ehrenvoll zu sterben. Vielleicht durch das Schwert eines gleichwertigen Gegners, oder bei einem ihrer vielen Balanceakte auf dem schmalen Grat entlang der Grenze zu Wudans Reich.

Aber bestimmt nicht an Kälte und Auszehrung in einem lausigen Erdloch, das ein noch lausigerer Daa’mure zur tödlichen Falle umfunktioniert hatte!

Verflucht sollst du sein, Grao’sil’aana!, dachte Aruula bitter, den Blick nach oben gerichtet.

Über ihr verengte sich die Höhlendecke zu einem kurzen Felsenkamin und führte an dessen Ende in die verschneite Außenwelt. Aber der Ausstieg war unmöglich zu erreichen, dazu hätte sie eine Leiter oder ein Seil haben müssen. Etliche gerissene Wurzelstränge am Boden, sofern sie nicht verfeuert worden waren, kündeten von dem vergeblichen Versuch, selbst ein Tau zu knüpfen.

Wochenlang hatte sich die Öffnung ins Freie regelmäßig verdunkelt, wenn der Daa’mure erschien, um Aruula und den mit hier gefangenen Orlaando mit Proviant und Brennholz zu versorgen. Im Gegenzug verlangte Grao Informationen. Keine Staatsgeheimnisse, sondern meist alltägliche Dinge, die er wissen musste, um unauffällig beim Volk der Dreizehn Inseln leben zu können. Allerdings nicht als gewöhnlicher Mitbürger.

Er hat meine Gestalt angenommen! Aruula presste die Lippen zusammen. Alles, was er da draußen macht, geschieht in meiner Gestalt! Als Königin Aruula! Mein Name … mein Andenken … sie werden für immer beschmutzt sein durch Taten, die ich nie begangen habe! O Wudan, ich flehe dich an: Gib mir noch eine Chance, diese heimtückische Kreatur zu vernichten! Nur eine Chance!

Die Barbarin hielt inne. Lauschte auf eine Reaktion. Ein Zeichen.

Aber Wudan antwortete nicht. Der Gott, dem sie von Kindesbeinen an vertraute, hatte sie verlassen.

Aruulas Widerstand erlosch so schnell, wie er aufgeflammt war, und erneut sank die erschöpfte Frau zurück in jenen Zustand zwischen Tag und Traum, der sie immer öfter umfing, seit der Totenvogel unterwegs zu ihr war.

Entbehrungen konnte sie ertragen, das hatte die Barbarin gelernt auf dem steinigen Pfad ihres Lebens. Hunger und Kälte hätten ihr nie den Mut geraubt. Was sie resignieren ließ, war die Hoffnungslosigkeit ihrer Situation. Aruula wusste, dass sie ohne fremde Hilfe nicht mehr ans Tageslicht gelangen würde – und Hilfe würde nicht kommen, denn ihr Volk vermisste seine Königin nicht. Dank Graos gestaltwandlerischen Fähigkeiten befand sie sich ja dem Anschein nach mitten unter ihnen.

Bildsequenzen liefen vor Aruula ab, in schneller Folge, vom Fieber geschürt. Es war eine unzusammenhängende Mischung aus tatsächlichen Erinnerungen, aus Erzähltem und Visionen.

Grao’sil’aana hatte sie in dem Zelt, wo sie darüber nachdenken sollte, ob sie die Königinnenwürde annahm, überrascht und sie angegriffen. Zwar hatte sie ihn verwunden können, war aber letztlich dem Daa’muren unterlegen. Er glaubte sie tot und verscharrte sie in einem Erdloch. Wo Orlaando sie fand, den die Priesterin Juneeda auf sie angesetzt hatte. Seine Verführungskünste sollten ihr die Entscheidung erleichtern, Königin zu werden.

Vor Stunden erst hatte sie seine Avancen zurückgewiesen – und nun rettete er sie. Brachte sie ins Leben zurück, bevor der letzte Lebensfunke erlosch. Und floh mit ihr vor dem schuppigen Dämon in ein unterirdisches Labyrinth in der Nähe, das er aus Kindertagen kannte.

Sein und ihr Pech war, dass Grao’sil’aana noch einmal zurückkam, um sich davon zu überzeugen, dass sie auch wirklich tot war. Er verzichtete darauf, sie beide umzubringen. Stattdessen blockierte er den einzigen Zugang zur Höhle. So konnte ihm Aruula als Informationsquelle dabei nützlich sein, ihre Rolle zu spielen …

Manchmal tauchte Wudans Auge in Aruulas Geist auf, die uralte Schamanin. So klar und lebendig, dass kein Platz blieb für Zweifel an der Echtheit der Erscheinung, geschweige denn für einen Widerspruch ihrer Erinnerungen: Wudans Auge war schon lange tot, das wusste Aruula eigentlich. Doch jetzt war die greise Göttersprecherin hier, und alles andere zählte nicht.

Sie nahm Aruula bei der Hand und führte sie durch eine Tür, die es nicht gab, hinaus aus der Höhle, zurück in die Freiheit. Wo der Wind die verschneiten Baumspitzen wiegte und bis zum Horizont nichts anderes war als Heimat.

„Sieh hin, mein Kind!“ Die Schamanin zeigte auf ein Waldstück. „Sieh genau hin!“

Aruula gehorchte – aber ihre Umgebung hatte sich verändert! Da war kein Wald mehr, sondern eine steinige Ebene. Irgendwo fern rauschte das Meer. Ein Stück voraus, am Rand der Ebene, stand eine Festung. Die Landschaft kam Aruula bekannt vor. Wo war sie hier?

Instinktiv wollte nach ihrem Schwert greifen. Doch es war nicht da, und wie sollte es auch? Grao hatte es, um in einen Krieg gegen die Nordmänner zu ziehen, denen er die Vernichtung geschworen hatte …

In diesem Augenblick erkannte sie, wo sie sich befand.

„Das … das ist Malmee!“, rief Aruula verblüfft.

Wudans Auge nickte. „Ganz recht. Das ist die Küste von Malmee. Hier haben deine Schwestern unter einer falschen Königin ihre Schlacht gegen die Nordmänner geführt.“

Aruula hörte die Worte, doch ihre Gedanken schweiften bereits ab. Männer brachten Kanonen in Stellung. Ein Doppelknall ließ den Boden erzittern, Rauch stieg auf. Gerüstete Frauen – ihre Schwestern – setzten zum Sturmangriff an.

„Haben?“ Aruula runzelte die Stirn. „Sie fängt doch gerade erst an.“

„Ach was“, winkte die Göttersprecherin ab. „Sie ist längst vorbei. Grao’sil’aana hatte sie angezettelt – in deiner Gestalt. Er wollte Rache für die Ermordung seiner geliebten Bahafaa. Und er hat sie bekommen!“

Aruula nickte, als die Erinnerung wiederkehrte. „Ich weiß. Er hat es mir gesagt, als er uns das letzte Mal etwas zu essen brachte“, stieß Aruula hervor. „Als er uns versprach, dass wir bald frei sein würden.“

Sie drehte sich um, weil die Schamanin nicht antwortete, doch Wudans Auge war fort! Der Schlachtenlärm endete wie abgeschaltet und statt der meerumtosten Insel Malmee umgaben Aruula nur noch Felswände. Von oben fiel etwas Helligkeit ein. Als die Barbarin aufsah, schob sich Grao’sil’aanas kantiger Schädel über das Loch am Ende des Felsenkamins.

„Was willst du?“, fragte sie matt.

„Keine große Sache“, sagte Grao wie beiläufig. „Ich will nur wissen, wo der Flächenräumer ist.“

Aruula runzelte die Stirn. „Woher kennst du dieses Wort?“

„Mefju’drex hat es mir verraten.“

„Er war hier?“

„Vor kurzem“, Grao grinste in bizarr menschlicher Mimik. „Ich fürchte, du warst nicht besonders freundlich zu ihm.“ Er berichtete, dass der Streiter auf dem Weg zur Erde sei, dieses unglaublich böse, mächtige Wesen, das Maddrax in einer Vision gesehen hatte. Und davon, dass der Flächenräumer nach Maddrax’ Meinung die einzig brauchbare Waffe gegen den Streiter wäre. „Wenn du mir sagst, was ich wissen will, lasse ich euch frei“, schloss er. „Dann könnt ihr zu eurem Volk zurückkehren.“

„Nein“, meinte Aruula nur.

„Was?“, hörte sie Orlaando protestieren. „Hast du nicht gehört? Wir kommen hier heraus!“

„Warum sollte ich dieser Echse trauen?“ Sie sah zu Grao empor. „Du wolltest mich umbringen. Hast mich verscharrt wie ein Stück Abfall. Ich glaube dir nicht!“

„Ich werde die Dreizehn Inseln verlassen“, antwortete der Daa’mure. „Bahafaa ist tot, meine Rache an den Nordmännern vollzogen. Mich hält hier nichts mehr.“

„Aruula! Bitte!“, drängelte Orlaando. „Das ist unsere Chance! Die kannst du doch nicht so einfach ablehnen.“

Die Barbarin starrte sekundenlang die letzten Glutreste an. Dann seufzte sie. „Na schön. Und sei es nur, um mir dein Gejammer nicht länger anhören zu müssen“, Wieder sah sie zu dem Gestaltwandler empor. „Der Flächenräumer liegt am Südpol. In der Nähe der Küste.“

„Oh“, meinte Grao. „So weit entfernt? Ich werde ein Transportmittel brauchen.“ Sein Kopf verschwand aus der Öffnung, als er sich erhob.

„He!“, rief Orlaando. „Was ist nun? Lass uns frei!“

Aruula stieß ein verächtlich zischendes Geräusch aus.

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