Logo weiterlesen.de
Lokes Mond

Zu diesem Buch

Auf einer Weide werden die grausam zugerichteten Kadaver zweier Pferde gefunden: Sie wurden enthauptet, aber von den Köpfen fehlt jede Spur. Die Hinweise deuten darauf hin, dass ein perverser Tiermörder zugeschlagen hat. Cornelia Arents von der Kripo Bochum beginnt, erste Ermittlungen in dem Fall anzustellen. Doch alle Spuren verlaufen im Sande. Die Situation erfährt eine dramatische Wendung, als die Pferdeköpfe entdeckt werden: Auf runen-verzierte Holzstangen gespießt, stehen sie im Garten von Professor Wehrheim, der an der Ruhr-Universität Skandinavistik unterrichtet. Alles scheint auf altes germanisches Brauchtum hinzuweisen. Cornelia will wissen, was es damit auf sich hat, und versucht in der Universität mehr Informationen zu beschaffen. Hilfe erhält sie von einem Dozenten: Er erzählt ihr von einer geheimen Bruderschaft namens Lokes Mond, in der Wehrheim den Vorsitz hat. Zudem stellen die aufgespießten Pferdeköpfe – sogenannte Neidstangen – eine schlimme Beleidigung dar, die weitere tödliche Provokationen nach sich zieht. Da wird eines der Mitglieder tot aufgefunden, und Cornelia weiß: Der Täter hat gerade erst mit seinem Werk begonnen …

Meiner Mutter Růžena, die sich von mir

einen Krimi gewünscht hat.

KAPITEL 1

Bochum-Riemke

Die Reifen holperten über harsch gefrorenen Waldboden. Es war eine der kältesten Nächte des jungen Jahres.

Der Fahrer war froh über den Frost, würde er sich doch keine Sorgen über Reifenabdrücke machen müssen. Froh machte ihn auch der Vollmond, der genügend Licht spendete, um auch bei ausgeschalteten Scheinwerfern gut genug sehen und den Wagen sicher lenken zu können.

Es war kurz nach Mitternacht. Aus dem sumpfigen Erlenbruchwald in der Nähe zog Nebel herauf. Das milchige Wabern war dicht wie ein Mantel. Als wären die alten Germanengötter noch lebendig und suchten auf ihren nächtlichen Streifzügen Heimlichkeit im klammen Grau.

Ein Reh trat auf den Waldweg, starrte den Wagen aus großen braunen Augen an und verschwand mit zwei eleganten Sprüngen linkerhand im Brombeerdickicht.

Nun war es nicht mehr weit. Schon konnte er die Koppeln sehen, auf denen die Pferde dösten, die bald eine blutige Überraschung erleben würden. Der Puls des Mannes schoss hoch, aber er zwang sich zur Ruhe. Wenn er diese Sache durchziehen wollte, dann mit aller Sorgfalt und Konsequenz.

Erinnerungen drängten sich auf. An seinen Vater, einen einfachen Bergarbeiter, dessen ganzer Stolz seine Tauben- und Karnickelzucht gewesen war, die er im Schrebergarten unterhielt.

Auf dem Teller sind sie alle gleich, pflegte er zu sagen, wenn es den Tieren an den Kragen ging. Im kleinen Verschlag roch es scharf nach Vogelkot und Karnickelpisse, die sich in die Holzböden der Käfige gefressen hatte.

Vater legte immer eine alte Wachstuchdecke auf die Werkbank, bevor es losging. Sie war kariert, und in den Karos waren rosa Blümchen. Seltsamerweise konnte er sich an die Tischdecke, die vorher irgendwann auf dem Frühstückstisch gelegen hatte, besser erinnern als an die Kaninchen, die auf ihr das Leben ausgehaucht hatten.

»Such eines aus und bring es her«, hatte sein Vater gesagt. Er, vielleicht acht Jahre alt, holte eines aus dem Stall. Es zappelte erst, doch als er es streichelte, wurde das Tierchen ganz ruhig. Nur die Nase wackelte noch lustig auf und ab.

»Darf ich es totmachen«, hatte er gefragt, und der Vater hatte ihm bereitwillig den abgesägten Besenstiel gegeben, mit dem er den Tieren immer das Genick brach. Es klappte nicht beim ersten Mal, aber er war niemand, der schnell aufgab, und schließlich legte sich doch der samtweiche Blutgeruch über den Gestank der Ställe.

Der Mann schüttelte den Kopf und setzte sich etwas aufrechter hin. Warum er ausgerechnet jetzt daran denken musste, war ihm ein Rätsel. Vater hatte ihm so viel beigebracht. Er war ihm dankbar.

Er schlug das Lenkrad ein, weit nach links, denn der Weg zu den Pferdekoppeln war schmal und knickte scharf ab. Das Mondlicht brach sich glänzend auf stacheligen Ilexzweigen. Hier war es gut. Er lenkte den Wagen etwas tiefer ins Gebüsch und stieg aus. Noch einmal überprüfte er seine Ausrüstung. Die Stiefel, die er trug, waren billige Plastikreitstiefel, wie sie hin und wieder beim Discounter im Angebot waren. Damit lief jeder zweite Reiter an Ställen wie diesen herum.

In seinem Armeerucksack verbargen sich Dinge, die für Reiter eher ungewöhnlich waren, bis auf die getrockneten Bananenchips vielleicht, mit denen man angeblich fast jedes Pferd rumbekam.

Der Mann schulterte sein Gepäck und machte sich auf den Weg.

Alles blieb ruhig. Auf den Wiesen lag Reif. Pappeln trennten die einzelnen Weiden voneinander, standen da wie riesige Scherenschnitte von Soldaten, schwarz und kerzengerade im Gegenlicht des Mondes.

Eine Weile ging er am Zaun entlang und spähte zu den Tieren hinüber, die ihn längst bemerkt hatten und ihn mit erhobenen Köpfen musterten. Einige hatten sich in einen Verschlag zurückgezogen. Als ein Schimmel den Kopf durch die Plastiklamellen schob, wusste der Mann, dass er höchstwahrscheinlich richtig war.

Er sah sich ein letztes Mal um, dann duckte er sich unter dem Holzzaun durch, sorgfältig darauf bedacht, nicht anzustoßen.

Irgendwo rief eine Schleiereule. Früher war ihr Schrei als schlechtes Omen gedeutet worden, erinnerte er sich. Die Bauern hatten tote Käuzchen an die Scheunentüren genagelt, um das Unglück von ihrem Vieh fernzuhalten. Vielleicht lag im Aberglauben ein Fünkchen Wahrheit.

»Ruf du nur«, sagte der Mann und blickte zu dem Vogel hinüber, der auf einem Zaunpfosten saß. »Hier hört dich sowieso keiner.«

Langsam näherte er sich den Pferden. Es waren sechs, zwei davon mit weißem Fell, und die Schimmel waren es, die gleich seine ungeteilte Aufmerksamkeit erhalten würden. Die Tiere sahen alt aus, manche schon grau im Gesicht. Hier standen die Senioren des Reitstalls, die nur noch versorgt, aber nicht mehr geritten wurden. Die meisten waren gegen die Kälte in warme Decken gepackt. Der Atem bildete Dampfwolken über ihren Nüstern, kondensierte an den langen Haaren und Wimpern.

Der Mann streichelte sie, bis ihn die Tiere arglos umringten. Verborgen hinter dem Unterstand stellte er den Rucksack auf den Boden. Die Axt würde er erst später brauchen, aber er stellte sie schon mal bereit. Neugierig schnüffelten die Tiere an den extradicken Müllsäcken und Seilen.

»Alle antreten«, sagte er und ärgerte sich, dass die Aufregung seine Stimme höher klingen ließ. »Hanni und Nanni, her mit euch, na kommt. Wer hat euch nur so bescheuerte Namen gegeben, hmm?«

Aber er wusste, wer ihnen diese Namen gegeben hatte. Dieser Mann war auch der Grund dafür, warum die beiden Stuten sterben mussten. Es war nicht so, dass er Tiere hasste, sie waren ihm nur genauso egal wie die meisten Menschen.

Die Pferde fraßen ihm die Bananenchips aus den behandschuhten Händen. Gierig waren sie und zickig wie kleine Kinder. Die Stuten wurden schnell zutraulich. Während er sie kraulte und ihnen in sanften Tönen von ihrem baldigen Ende erzählte, legte er Hanni und Nanni Stricke um den Hals.

Ein Tier band er direkt am Unterstand fest.

Mit einem schnellen Griff hatte er einen alten Pulli und die Axt parat und führte die zweite Stute von der ersten weg. Die anderen Pferde ließen ihn in Ruhe, nachdem er eine Handvoll Futter auf dem Boden verteilt hatte.

In einer kleinen Senke hinter einer Insel aus Eschenschösslingen und Brombeergestrüpp zog er dem gutmütigen Tier den Pullover über den Kopf. Irritiert riss die Stute am Strick, beruhigte sich aber schnell, als sie merkte, dass ihr nichts geschah. Der Mann nahm noch ein paar Bananenchips und hielt sie dem Tier vor die Schnauze. Langsam senkte er die Hand und streute sie auf den Boden. Die Stute senkte den Kopf und suchte schnüffelnd nach dem Nachschub. Jetzt war der Moment gekommen.

Der Mann holte aus. Für einen Augenblick schien die Welt zu erstarren, dann krachte die Axt auf den Pferdekopf. Der Schädel brach mit stumpfem Knacken, die Beine der Stute knickten ein, und beinahe elegant fiel sie auf die Seite.

Die anderen Pferde hatten nichts bemerkt. Der Wind trug den Blutgeruch fort. Hanni oder Nanni, er wusste nicht, welche Stute welchen idiotischen Namen trug, folgte ihrer Schwester genauso lautlos nach.

Diesmal stoben die anderen Pferde auseinander, blähten die Nüstern und starrten aus der äußersten Ecke der Weide zu ihm herüber. Sollten sie doch, ihm war es egal.

Die Stute am Unterstand nahm er sich als Erstes vor. Ihre Hinterbeine hatten soeben aufgehört zu zucken, und so setzte er das Messer an und trennte mit schnellen Schnitten den Kopf ab. Das viele Blut war eine einzige Sauerei, aber keine, die ihn überraschte oder auf die er nicht vorbereitet war.

»Zähes, altes Biest«, fluchte er, als er bei den Nackenwirbeln angelangt war. Er wollte sich das gute Messer nicht an den Knochen ruinieren. Hier war Vorsicht geboten. Er biss sich vor Konzentration auf die Unterlippe, dann war es endlich geschafft.

»Na also, rein mit dir.«

Er drehte den Müllsack auf links und hob den Pferdekopf auf, wie andere die Scheiße ihrer Köter einsammelten. So blieben die Handschuhe und sein Rucksack sauber.

Ein Blick auf die Uhr zeigte, dass seit seinem Aufbruch keine ganze Stunde vergangen war. Stolz strömte als warmes Glücksgefühl durch seinen Körper.

Er war gut, er war wirklich gut! Das ging so schnell und reibungslos, dass er sich dafür später einen ordentlichen Drink verdient hatte. Aber vorher musste er noch eine andere Sache erledigen.

Vollmondlicht fiel auf bleiche Haut. Die Decke war zurückgerutscht und entblößte den Leib eines kleinen Jungen.

Aus seinen Augen war längst das Leben gewichen, aber der Tod hatte den Ausdruck ängstlichen Staunens, mit dem er seinen Mörder angesehen hatte, nicht mit sich genommen.

Seine Haare waren lockig, golden und fein wie Engelhaar. Es bewegte sich sacht in der nächtlichen Brise und wischte feine Eiskristalle vom gefrorenen Herbstlaub, auf dem er lag.

Sein Körper war beinahe so kalt wie der Waldboden unter ihm, in dem er bald seine letzte Ruhe finden sollte.

Bis es so weit war, würde es noch etwas dauern.

Der Totengräber hatte Mühe, sich mit Spitzhacke und Schaufel durch gefrorenen Boden und Wurzelwerk zu arbeiten. Als die tieferen, weichen Schichten erreicht waren, wuchs der Erdhaufen neben der Grube schneller. Der Hügel dampfte. Regenwürmer, die zu kleinen rosa Knäueln zusammengerollt Winterruhe gehalten hatten, erwachten zu trägem Leben. Bevor sie Zeit hätten davonzukriechen, würden sie längst zurück in der Erde sein.

Das Grab war fertig ausgehoben.

Der Junge starrte noch immer zum Vollmond hinauf. Sein Mörder scheute diesen Blick, scheute dieses Staunen, das an lebendige Kinder erinnerte und auch daran, wie aus diesem lebendigen Jungen ein totes Etwas geworden war.

Die Male auf seiner Brust waren blassblaue Schatten. Mit der Spitzhacke zerrte er die Decke über das Kindergesicht, dann stieß er die kleine Leiche mit dem Fuß in die Grube.

* * *

Bochum, Innenstadt

Aus einem Club wummerte hektischer Techno Beat. Immer wenn die Tür geöffnet wurde, zuckten bunte Lichter hinaus. Junge Leute standen in Trauben davor, rauchten und tranken Bier. Wer nicht hineingelassen wurde, feierte einfach auf der Straße mit, forderte die Grenzen seines Körpers mit billigem Fusel heraus. Die Kälte schien ihnen nichts auszumachen.

Jetzt begann es auch noch zu schneien.

Cornelia ging mit ihrem Begleiter an den feiernden Jugendlichen vorbei. Peter schienen sie Angst zu machen. Sie sah ihm an, dass er am liebsten die Straßenseite gewechselt hätte, sich aber vor einer Polizistin nicht die Blöße geben wollte. Das Vergnügungsviertel Bermudadreieck war auch nach Mitternacht noch voller Nachtschwärmer. Hier trafen sich Studenten und Touristen, Alteingesessene wie Zugezogene. Zwischen Südring und Victoriastraße reihte sich ein Restaurant ans andere.

Cornelia hatte für heute Abend genug. Ihre Stimmung war ganz plötzlich umgeschlagen, von fröhlichem Nihilismus zu Frust. Sie hatte begonnen sich zu fragen, warum sie mit einem Fremden, der sie zudem noch körperlich abstieß, einen Drink nach dem anderen kippte. War von ihrem Leben wirklich so wenig übrig, dass sie nicht mal mehr Freunde besaß, mit denen sie ausgehen konnte?

Jetzt wollte sie nur noch weg hier, wollte nach Hause, und zwar allein. Die Rettung war zum Greifen nah: Beige, mit einer Beule am rechten Kotflügel und Nazar-Amuletten am Spiegel, näherte sich der Wagen über den Südring.

»Da ist mein Taxi, tschüs, Peter!«, rief Cornelia, rannte dem Wagen entgegen und damit weg von Peter, ihrem unglücklichen Blind Date, der sich deutlich um die Abschiedsumarmung betrogen fühlte.

Aber das war ihr egal, sie hätte es keinen Moment länger mit diesem Kerl ausgehalten.

Sie riss die Autotür auf, vielleicht etwas zu heftig, und ließ sich auf den speckigen Beifahrersitz fallen.

»Guten Abend, wo soll’s denn hingehen?«, fragte der Taxifahrer. Sie nannte ihre Adresse, und der Fahrer tippte sie umständlich in sein Navi. Offenbar machte der Mann diesen Job noch nicht sehr lange. Konnte ihr aber auch egal sein, wenn er sie nur von hier wegbrachte. Sie schätzte ihn auf Anfang sechzig. Ein Türke mit aristokratischem Gesicht, der sein kurzes graues Haar unter einer Mütze verbarg.

Als er endlich den Blinker setzte, merkte Cornelia, wie die Spannung langsam von ihr abfiel.

»Hatten Sie einen schönen Abend?«, begann der Fahrer im Plauderton.

»Nicht schön, aber selten«, gab sie zurück, wohl etwas unfreundlicher als beabsichtigt, aber deutlich genug, um klar zu machen, dass ihr der Sinn nicht nach Reden stand.

Sie sah aus dem Fenster, in dem sie sich spiegelte. Ihr rotes Haar war ein wildes Chaos. Draußen rutschten Schneeflocken tauend die Scheibe hinab und hinterließen ein Netz aus Nässe. Cornelia lehnte den Kopf zurück und sah aus halb geschlossenen Augen durch die Frontscheibe, wo Bremslichter wie Positionsleuchten verirrter Schiffe aufleuchteten. Was für ein beschissener Abend.

Warum hatte sie sich nur wieder auf eines dieser idiotischen Dates eingelassen? Musste sie sich selbst beweisen, dass sie noch einen gewissen Marktwert hatte, auch mit Mitte dreißig, wenn vernünftige Frauen längst einen Mann fürs Leben gefunden und mit ihm mindestens 1,7 Kinder gezeugt hatten?

Peters Inserat hatte eine Woche zuvor im Internet gestanden. Aus einer Laune heraus hatte sie geantwortet. Was sollte an einem großen, sportlichen Akademiker mit Humor falsch sein?

Alles. Er war Chemiker und sah auch genauso aus. Halbglatze, die restlichen Haare fusselig und viel zu lang. Die Körpergröße war eine glatte Lüge gewesen und das eingestellte Foto klein und mindestens zehn Jahre alt. Seine Haut war das, was ihre Mutter teigig nannte. Ein Mensch, den man nicht gern berührte. Die Vorstellung, ihn zu küssen oder gar richtig intim zu werden, jagte ihr einen kalten Schauer über den Rücken. Und dann war da noch die Sache mit dem Humor. Peter war wirklich lustig, so lustig, dass sie aus dem Lachen gar nicht mehr herausgekommen war. Aber was sie nun wirklich nicht wollte, war eine Beziehung mit einem Clown. Schon im ersten Moment war ihr klar gewesen, dass aus ihnen nichts werden konnte.

Also hatte sie gute Miene gemacht, mehr getrunken, als gut war, und gelacht. Es reichte, wenn sie Peter den Abend irgendwann gegen Ende verdarb. Gut getan hatte es trotzdem, auch mit einem Nerd. Auszugehen war längst überfällig gewesen.

Dafür war sie dem lustigen Peter mit der merkwürdigen Haut auch dankbar. Einen Abend lang hatte sie weder an ihre Arbeit bei der Kripo gedacht noch an ihren Ex. Das Verzwickte an der Sache war, dass ihr Ex nicht nur ihr Exfreund war, sondern auch ihr Kollege, und sie ihn beinahe jeden verdammten Tag sehen musste.

»Wir sind da.«

Das Taxi hielt vor ihrer Wohnung. Sie bezahlte, gab etwas mehr Trinkgeld als üblich und stieg aus. Die kalte Luft war wie Zunder für ihren Schwips. Damit der Taxifahrer sie nicht schwanken sah, wartete sie, bis er davonfuhr.

Die Welt hörte nicht auf, sich zu drehen. Wie eine Platte mit Sprung zogen Häuser und Hecken an ihr vorbei und ruckten dann in die alte Position zurück. Nicht gut, so gar nicht gut.

Sie konnte hier nicht ewig stehen bleiben. Zum Abschied hatte sie mit Peter noch einen Schnaps – oder waren es zwei gewesen? – getrunken, die sich offenbar genau jetzt bemerkbar machten.

Cornelia straffte die Schultern und starrte auf ihre Haustür wie auf einen besonders schlimmen Tatort, dann verließ sie den Schutz der Laterne und wackelte auf ihren hohen Schuhen durch den noch jungfräulichen Schnee. Ledersohlen und Schnee vertrugen sich nicht. Warum hatte sie die idiotischen Dinger überhaupt angezogen? Um die Schuhe irgendwie reinzuwaschen, bei einem Date mit einem Clown?

Sie hatten Robin immer besonders gefallen, vielleicht weil Cornelia darin ein wenig hilflos war. Dann hätte er die Dinger am besten auch gleich behalten können.

Nachdem sie beinahe gefallen wäre, erreichte sie endlich die Haustür. Ihre neue Robin-freie Wohnung lag in einer ruhigen Nebenstraße. Es war eine kleine Einliegerwohnung im Haus einer älteren Dame. Mit einer gepflegten Buchsbaumhecke, Rosen und einem Reh aus Terracotta im Vorgarten. Cornelia war froh über den separaten Eingang. Der Bewegungsmelder hatte eine grelle Lampe aktiviert, in deren Licht sie nun nach beschämend vielen Fehlversuchen den Schlüssel ins Schloss schob. Sofort trat sie sich die Schuhe von den Füßen.

»Oh Gott, wer hat diese verdammten Dinger nur erfunden?«, stöhnte sie. Das konnte nur ein Mann gewesen sein.

Sorgfältig schloss Cornelia von innen die Tür ab und legte die Kette vor. Wer genug schlimme Dinge im Job gesehen hatte, hielt diese vielleicht etwas paranoide Gewohnheit für eine ganz natürliche, lebensverlängernde Maßnahme.

Die Zeiger der Küchenuhr standen auf kurz nach zwei. Viel Zeit zum Schlafen blieb ihr nicht mehr, bis um kurz nach sechs der Wecker klingeln würde.

Um dem Kater von vornherein keine Chance zu geben, trank sie so viel Orangensaft, wie sie herunterbekam, und fiel dann geradewegs ins Bett. Abschminken konnte sie sich auch in vier Stunden noch.

KAPITEL 2

Bochum

Cornelia ging zu Fuß zur Arbeit. Ihre kleine neue Wohnung lag nur einige Blocks von der Hauptwache entfernt. Die kalte Luft war ein Segen. Abgesehen davon konnten vor Kälte gerötete Wangen wunderbar über ihr Schlafdefizit hinwegtäuschen.

Bochum roch nach frischem Schnee und Wintermagie. Kinder rannten an ihr vorbei, bewarfen einander mit dem feinen Puderschnee, von dem schon vier Zentimeter ausreichten, um den dunklen Februar ein wenig freundlicher erscheinen zu lassen.

In den Akazien über ihr turnten Krähen auf den Ästen und sandten immer wieder weiße Schauer zu Boden. Alles klang gedämpft, die Welt war weicher und irgendwie auch freundlicher geworden. Wo die Stadtwerke noch keine Streufahrzeuge entlanggeschickt hatten, rollten die Autos über glitzernde Straßen. Viele Menschen, denen Cornelia begegnete, sahen glücklicher aus als an den grauen Tagen zuvor. Ein Phänomen, das allerdings nur die Fußgänger betraf. Die Autofahrer wurden zu cholerischen Idioten und würden den Kollegen von der Streife einen übervollen Arbeitstag bescheren.

Das Backsteingebäude der Hauptwache ragte bald vor ihr auf. Irgendwie war dieser Ort mehr ihr Zuhause als die neue Wohnung. Sie bog von der Schillerstraße ab und wollte soeben den Dienstparkplatz überqueren, als sie Sabrina Köhler bemerkte. Die Kollegin war neu bei der Kripo und mit ihren blonden Haaren und dem süßen Lächeln eine absolute Traumfrau. Für Cornelia war sie aber vor allem die lang ersehnte weibliche Verstärkung im Kollegenteam.

»Conny, ich hab auf dich gewartet, wir müssen sofort los«, rief sie. Cornelia schwenkte auf der Stelle ab, lief nicht mehr zum Eingang, sondern zu ihrem Dienstfahrzeug. Sie würden sich am Wagen, einem dunkelblauen Audi treffen.

Cornelia wischte mit dem Finger über die Frontscheibe. Der Schnee war so pudrig fein, dass die Scheibenwischer allein damit klarkommen würden. Schnell fegte sie die Seitenscheiben frei, während Sabrina über den Hof zu ihr eilte.

»Morgen, was haben wir?«

»Tierquälerei. Ein Irrer hat zwei Pferde geköpft. Ein kleiner Reithof in Riemke.« Sie riss die Wagentür auf und ließ sich auf den Beifahrersitz fallen. »Kollegen von der Wache Südost sind schon vor Ort. Angeblich ist der Fall ungewöhnlich. Robin meint, wir sollen uns das mal ansehen.«

»Machen wir. Wird eine SoKo eingerichtet?«

»Dafür ist es noch zu früh, denke ich. Mal sehen, wer den Fall überhaupt bekommt.« Cornelia seufzte innerlich. Tote Tiere, und ausgerechnet Pferde. Robin wusste, wie sehr es sie mitnehmen würde. Schickte er sie, um ihr eins auszuwischen?

»Also los, wo müssen wir hin?«

* * *

Vogelsangweg, Bochum-Riemke

Cornelia steuerte den Dienstwagen mit gemischten Gefühlen durch die alte Siedlung. Hinter den Einfamilienhäusern aus den Fünfzigern musste es irgendwo sein. Es sah nicht aus wie die typische Gegend, in der ein Reiterhof stand.

Einige Hundert Meter weiter änderte sich die Szenerie. Die Siedlung endete abrupt, als hätte die Baufirma nach der Hälfte des Projekts die Lust verloren. Zwischen den letzten beiden Häusern wurde die Straße zum Feldweg. Zu beiden Seiten erstreckte sich ein Kartoffelacker.

Auf einem handgemalten Schild prangte ein Pferd unter der Aufschrift »Dünkerts Höfe«. Cornelia schluckte, nun bestand kein Zweifel mehr, dass sie auf dem richtigen Weg waren. Mit jedem Meter wurde ihr unwohler. Sie hatte seit über einem Jahr keinen Fuß mehr in einen Reitstall gesetzt und um jedes Pferd einen großen Bogen gemacht. Jetzt konnte sie nicht länger weglaufen.

Sie fühlte den Blick ihrer Kollegin auf sich ruhen.

»Conny, ist was? Du bist kreidebleich.«

»Nichts, alles in Ordnung.«

»Oh mein Gott, du hast ja selbst ein Pferd, oder?«

»Hatte.«

»Hatte? Hast du es verkauft? Oder …«

»Nein, er ist gestorben. Und lass uns bitte nicht darüber reden.«

Genau das hatte ihr noch gefehlt. »Konzentrieren wir uns auf unsere Arbeit, okay?«

»Ja, ja natürlich, aber wenn es zu heftig für dich ist …«

»Sabrina!«

»Ja, hab’s kapiert.«

»Ich weiß, du meinst es nur gut, sorry.«

»Schon in Ordnung. Schau, da vorne ist es.«

Vor ihnen lag ein alter Bauernhof. Das Haupthaus war ein restaurierter Fachwerkbau, flankiert von zwei Stallgebäuden aus Feldsteinen und Ziegeln. Es war ein Hof, wie es sie zu Dutzenden im Ruhrgebiet gab, und er sah ihrer alten Stallgemeinschaft bedauerlicherweise sehr ähnlich.

Die beiden Streifenwagen auf dem Hof zerrten sie schnell wieder in die Gegenwart zurück.

Cornelia schlug das Lenkrad ein und parkte vor dem dampfenden Misthaufen, dessen gärende Wärme die dünne Schneedecke im Umkreis geschmolzen hatte. Selbst der Gestank weckte Erinnerungen an eine schöne Zeit.

Auf dem Hof waren fast zwei Dutzend Menschen versammelt. Sie standen in kleinen Gruppen zusammen, sprachen leise. Andere weinten. Mehrere junge Frauen saßen dicht an dicht auf einem Strohballen und spendeten einander mit rot geweinten Augen Trost.

Cornelia atmete tief durch. »Na, dann wollen wir mal.«

Sie stieg aus und war jetzt nur noch Kommissarin Arents von der Kripo; die Conny, die um ihr Pferd trauerte, musste im Wagen warten.

Sabrina war noch nicht so professionell wie Cornelia. Sie kam gerade erst von der Hochschule, war zwar fleißig und ehrgeizig, hatte aber in der Praxis noch viel zu lernen.

Im Gegensatz zu ihrer jüngeren Kollegin hatte Cornelia damals ganz bewusst den langen, steinigen Weg durch die Behörde gewählt. Immer mit dem Ziel, eines Tages bei der Kripo zu landen, hatte sie sich durch Jahre bei der Hundertschaft und endlose Schichten Streifendienst gekämpft. Dafür wurde sie nun auch von den meisten Männern der unteren Laufbahnen respektiert.

Ein Kollege in Uniform eilte auf sie zu. Cornelia kannte ihn. Sein Wohlstandsbauch und der üppige helle Schnurrbart machten ihn unverkennbar.

»Herr Riegel.«

»Frau Arents, gut, dass Sie da sind. Sabrina, hallo.«

»Wer hat die Tiere gefunden? Es sind doch mehrere?«

»Melanie Borkerts, sie sitzt dort vorne. Ja, es sind zwei Tiere getötet worden. Die Weide wird gerade abgesperrt. Die Spurensicherung ist noch nicht da.«

»Danke, ich möchte erst mit Frau Borkerts sprechen. Sabrina, du hörst dich mal um, ob jemand etwas Ungewöhnliches bemerkt hat.«

»In Ordnung.«

»Sobald ich mit der Zeugin gesprochen habe, sehen wir uns den Tatort an. Ich will den Jungs von der Spurensicherung nichts durcheinanderbringen. Sie müssten ja bis dahin eingetroffen sein.«

»Da ist schon alles zertrampelt, sieht furchtbar aus«, meinte Riegel schulterzuckend.

»Das zu beurteilen überlasse ich den Fachleuten«, erwiderte sie knapp. »Bringen Sie mich bitte zu Frau Borkerts.«

»Natürlich.« Gemeinsam gingen sie zu einem überdachten Heustand, wo die junge Frau auf einem gepressten Ballen saß. Sobald sie die Polizisten kommen sah, entfernte sich eine andere Frau.

Melanie Borkerts sah gefasst aus. Sie trug eine warme Cordjacke, Reithose und Moonboots. Mit den Händen umklammerte sie einen dampfenden Becher. Es roch nach Pfefferminztee und Heu.

»Frau Borkerts, Kommissarin Arents will mit Ihnen sprechen. Sie ist von der Kriminalpolizei.«

»Bleiben Sie ruhig sitzen«, sagte Cornelia und reichte ihr die Hand. Frau Borkerts rutschte ein Stück zur Seite und machte Platz, damit sie sich setzen konnte.

»Ich werde unser Gespräch aufzeichnen. Ist das in Ordnung für Sie?«

»Sicher, ich will ja, dass dieses Schwein gefasst wird.«

»Ihr Name ist Melanie Borkerts? Alter und Beruf bitte.«

»Fünfundzwanzig, ich bin Krankenschwester und bin direkt nach der Nachtschicht hergekommen.«

»Wann haben Sie die Tiere gefunden?«

»Ich glaube, um halb acht.«

»Erzählen Sie mir den Hergang, alles, woran Sie sich erinnern können.«

»Ich habe hier auf dem Hof geparkt, als Erste, es waren noch keine anderen Reifenspuren zu sehen. Ich hab nur einen Strick vom Haken genommen und bin dann direkt zur Weide.«

»Waren dort Fußspuren?«

»Nicht auf dem Trampelpfad, nein. Das weiß ich genau, weil ich es immer besonders schön finde, durch so eine unberührte Schneelandschaft zu gehen. Ich habe nach meinem Pferd gerufen – Othello –, aber er kam nicht. Er kommt sonst immer zum Gatter gelaufen, da habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmte. Ich hatte Angst, dass meinem Pferd etwas passiert ist, er ist nicht mehr der Jüngste, und im Winter erwischt es viele alte Pferde.«

»Aber Ihr Othello war unverletzt?«

»Ja, er schon.« Melanie Borkerts schluckte. Ihre Augen begannen zu glänzen, während sie im Geiste alles noch einmal durchlebte.

Cornelia sah ein anderes Pferd vor sich. Dem Wallach stand der unsägliche Schmerz ins Gesicht geschrieben. Er brach zusammen, krampfte und wuchtete sich immer wieder hoch. Sie erschauerte innerlich. Sie hatte sich noch nie so hilflos gefühlt wie an jenem Tag.

»Weiter, erzählen Sie weiter«, forderte sie die junge Frau auf und versuchte die eigene Erinnerung so gut es ging wegzusperren, irgendwo in eine hintere Kammer ihrer Seele, wo sie so schnell nicht wieder herauskam.

»Ich bin auf die Weide gegangen, die Pferde sind vor mir weggelaufen. Sie hatten Panik, waren alle nass geschwitzt. Da habe ich gewusst, dass irgendwas richtig Schlimmes passiert ist. Ich hab mich umgesehen und die beiden Stuten entdeckt. Ausgestreckt auf dem Boden. Ich bin zur ersten und da … Der Kopf war abgeschnitten, Frau Arents«, sagte sie und schlug die Hände vors Gesicht.

Cornelia zögerte kurz, dann strich sie der jungen Frau über den Rücken. Es fiel ihr schwer, Trost zu spenden, ohne sich selbst emotional zu sehr einzubringen. Sie merkte schon jetzt, wie es in ihrem Inneren rebellierte, ihre eigene, lange aufgestaute Trauer ein Ventil suchte. Hastig zog sie die Hand wieder zurück. Sie durfte den tiefen Graben nicht überschreiten, nicht hier, nicht jetzt.

»Es muss schrecklich für Sie sein.«

»Immerhin lebt mein Othello noch.«

»Ja, natürlich. Was haben Sie gemacht, nachdem Sie die toten Pferde entdeckt hatten?«

»Die Polizei gerufen, noch auf der Koppel. Dann habe ich die anderen Pferde auf die Nachbarweide gelassen, damit sie sich beruhigen. Sobald ich hier war, habe ich Frau Dünkerts Bescheid gegeben, ihr gehört der Hof.«

»Gibt es noch irgendwas, das Sie mir sagen möchten? Was vielleicht wichtig sein könnte?«

Sie zuckte mit den Schultern, sah Cornelia mit geröteten Augen an. »Ich glaube, da waren keine Fußspuren, es muss vor dem Schneefall passiert sein.«

Cornelia schaltete das Aufnahmegerät aus und erhob sich. »Vielen Dank. Ich melde mich bei Ihnen, falls ich noch Fragen habe. Wenn Ihnen noch etwas einfällt, rufen Sie mich an. Bitte.« Sie reichte Frau Borkerts ihre Karte.

»Das werde ich. Bitte tun Sie alles, damit dieser Wahnsinnige gefasst wird, bevor das noch mal passiert.«

»Wir tun, was wir können.«

Cornelia ging. Die besorgten Reiter und Pferdebesitzer überließ sie vorerst ihren Kollegen. Das war alles noch immer viel zu viel für sie. Schnell schob sie sich zwischen zwei Gruppen durch und vergrub dabei ihre Hände in den Manteltaschen. Die meisten nahmen sie gar nicht wahr, das war der Vorteil von Zivilkleidung. Wenn Menschen verzweifelt genug waren, wurde in ihren Augen jeder zum Retter, der eine Uniform trug.

Sabrina erwartete sie neben ihrem Wagen. Sie war so blass, wie Cornelia sich fühlte. »Können wir?«

»Ja, Mirko und auch die Jungs von der Spusi sind da und schon vorgegangen. Da geht’s zur Weide, wo es passiert ist.«

»Na, dann komm.«

So wie Sabrina aussah, stand sie kurz davor, darum zu bitten, im Wagen warten zu dürfen. Cornelia würde es nicht so weit kommen lassen. Mit einem freundlichen Stups holte sie ihre Kollegin aus der Starre und ging voraus.

Der schmale Pfad, der vom Stall zur Weide führte, war mittlerweile von vielen Menschen benutzt worden und die dünne Schneedecke zu braunem Matsch zertreten. Aus den Bäumen, deren Äste sich wie ein Gewölbe von einer Seite darüberspannten, tropfte das Schmelzwasser. Die Sonne würde mit der weißen Pracht des Morgens kurzen Prozess machen.

Cornelias Sinne schärften sich mit jedem Schritt. Jetzt war ihr Jagdtrieb erwacht. Manchmal kam es ihr vor, als würde ein Tatort sie als Mensch aufs Nötigste reduzieren und sie in eine Art Spürhund verwandeln. Dann nahm sie die unwichtigen Dinge kaum noch wahr, bekam einen regelrechten Tunnelblick.

Jetzt registrierte sie die Umgebung genau, hatte ihren Scanner angeschmissen, wie sie es nannte. Sofort war Cornelia klar, wie perfekt diese Gegend für das Verbrechen gewählt worden war. Von keiner Seite, nicht mal vom Hof aus, war die Weide einsehbar. Die alte kleinteilige Struktur mit Alleen und Hecken zwischen den Wiesen war den Pferden zum Verhängnis geworden.

Sie konnte die Kollegen der Spurensicherung bereits sehen. Die hatten zwei Areale auf der Wiese mit Flatterband abgesperrt und stellten nun Kärtchen an die Bereiche, wo sie Ungewöhnliches entdeckten.

Zu den drei Leuten der Spusi waren zwei Kollegen abgestellt worden, um Zuschauer fernzuhalten. Ein älteres Ehepaar, vermutlich die Besitzer des Hofes, stand etwas abseits und beobachtete die Vorgänge.

Cornelia ging durch das Gatter, drängte die hochkommenden Erinnerungen an ihre eigene Reiterhofvergangenheit zurück und nahm Kurs auf den ersten Tatort. Der Boden war von Hufen und Füßen völlig zerwühlt, brauchbare Hinweise würden sie hier höchstwahrscheinlich nicht mehr finden.

Mirko Goldhagen hatte sie noch nicht bemerkt. Zeit, ein letztes Mal tief durchzuatmen. Der forensische Pathologe war etwa Mitte vierzig, klein, hager und erinnerte ein wenig an einen Kobold. Cornelia wunderte sich, wo er die ganze Energie hernahm, die er zu jeder Tages- und Nachtzeit versprühte.

»Ah, Conny!«, rief er, streckte ihr beschwingt die behandschuhte Hand hin und zog sie genauso schnell wieder zurück. »Darauf kannst du sicher verzichten«, grinste er beinahe diabolisch. Seine Handschuhe waren blutverschmiert.

»Soll ich dir was erzählen, oder willst du dich erst mal umsehen?«

»Ich melde mich. Wo kann ich hintreten?«

»Soweit ich die Spusi verstanden habe überallhin, solange du die Blutlachen und die Markierungen in Ruhe lässt.«

»Geht klar, Chef«, sagte Cornelia und wunderte sich für einen Moment, wie unbeschwert sich ihre Stimme anhörte. Bin ich wirklich schon so abgestumpft?, fragte sie sich kurz. Nein, war sie nicht, nur die Schale, die ihre sorgsam gehüteten Gefühle von der Außenwelt trennten, wurde mit jedem Tatort ein wenig härter.

Das Pferd, eine Stute, lag auf der Seite wie auf dem Präsentierteller. Ihre gefütterte dunkelblaue Pferdedecke war nicht einmal verrutscht.

Es sah aus, als sei das Pferd an dieser Stelle angegriffen und getötet worden, doch unter dem Schnee könnten weitere Blutspuren zu finden sein.

»Verdammt viel Blut«, murmelte Mirko.

»Fünfzig oder sechzig Liter bei einem Warmblut dieser Größe«, sagte Cornelia und trat um das Pferd herum. Der Kopf fehlte, das hatte sie sofort gesehen, aber wie säuberlich er abgetrennt war, verwunderte auch sie.

»Du kennst dich aus mit Pferden?«, fragte der Pathologe verwundert.

»Ein wenig, ja.«

»Kannst du mir dann auch sagen, wie man diese verdammte Decke aufbekommt?«

»Klar.« Cornelia versuchte alles auszublenden und öffnete die Häkchen der Bauchgurte und die Klettverschlüsse. Warum musste die tote Stute ausgerechnet weiß sein, fluchte sie innerlich und schlug die Decke zurück, sodass Mirko sich den Körper des Tieres ansehen konnte. Warmer Fellgeruch wehte ihnen entgegen. »Ich sehe keinen Schweiß«, meinte Cornelia. »Das Tier hatte keinen Stress, keine Angst. Es muss schnell gegangen sein.«

Mirko zog den Schwanz der Stute zurück. »Keine Stiche, nichts, auch nicht im Genitalbereich.«

»Warum überrascht dich das?«, wollte Sabrina wissen, die bis dahin geschwiegen hatte und noch immer außerhalb des abgesperrten Bereichs stand. Ihre verschränkten Arme und angespannten Kiefermuskeln signalisierten, dass sie nicht vorhatte, näher heranzukommen.

»Das ist nicht der erste Fall dieser Art Tierquälerei, den ich sehe. Pferde stellen einen Sonderfall im Gegensatz zu den meisten anderen Tieren dar. Die Täter haben krude sexuelle Fantasien, die sie von Frauen, also Reiterinnen, auf die Tiere übertragen oder den Tieren selbst gelten. Zoophilie, Zoosadismus. Oft sind daher die Genitalien betroffen, Schnitte, Stiche, Verbrennungen. Das hier ist anders.«

»Danke, das reicht«, rief Sabrina.

»Sieht aus, als sei es schnell gegangen. Weißt du schon, wie das Tier getötet wurde?«

»Kann ich noch nicht sagen. Wenn er dem Pferd nur die Kehle durchgeschnitten hätte, wäre das Blut weiter verteilt, und wir hätten Spritzspuren.«

»Also hat es gelegen?«

»Womöglich.«

»Vielleicht hat er ein Betäubungsmittel gespritzt.«

»Ich werde Proben nehmen, dann wissen wir es. Was ich jetzt wirklich brauchen könnte, wäre der Kopf. Ich denke, dort finden wir die Antwort auf deine Frage.«

»Aber die fehlen beide, oder?«

»Ja, er muss sie mitgenommen haben.«

»Ich höre immer er, kommt nicht auch eine Täterin infrage?«, mischte sich Sabrina ein. »Ich erinnere mich, dass es vor einer Weile so einen Fall mit einem jungen Mädchen gab.«

Cornelia zuckte mit den Schultern. »Mein Bauchgefühl sagt mir, wir haben es mit einem Mann zu tun.«

»Meins auch«, pflichtete Mirko bei.

Cornelia bückte sich über den versehrten Hals der Stute. Mirko hielt ihr ein Paar Latexhandschuhe hin, aber sie schüttelte ablehnend den Kopf. »Ich fasse nichts an, das überlasse ich dir.«

»Hast du schon, die Gurte, aber das ist mir auch zu spät eingefallen.«

»Mist.« Was für ein bescheuerter Anfängerfehler. Das wäre ihr bei keinem anderen Fall passiert. Aber Pferde …

Sie ging in die Hocke und betrachtete die Schnittstelle. Das Fleisch war sauber durchtrennt. »Nach einem hochemotionalen Akt sieht das nicht aus, eher nach Fleischerhandwerk.«

»Habe ich auch sofort gedacht. Er muss ein verdammt scharfes Messer benutzt haben. Und er ist konzentriert vorgegangen.«

Cornelia erhob sich und wechselte einen langen Blick mit Mirko. »Ich weiß, was du sagen willst«, meinte er und wischte sich mit dem Unterarm über die Stirn.

»Was denn?«, rief Sabrina.

»Kaltblütig, präzise, die Ruhe selbst. Das ist nicht der übliche Pferdeschänder. Da steckt mehr dahinter als Frauenhass oder pervertierte sexuelle Fantasien …«

»… sagt dein Bauchgefühl«, ergänzte Sabrina.

»Genau das, und ich fürchte, das ist nicht das letzte Mal, dass wir etwas von ihm hören oder sehen.«

»Er fängt gerade erst an? Meinst du, das sind die ersten Tiere, denen er so etwas antut?« In Sabrinas Stimme schwang Angst mit. Angst vor dem Täter oder den Spuren, die er hinterließ? Die Praxis war doch etwas ganz anderes als die Theorie an der Uni, auch wenn sie mit grausamen Fotos und Psychoanalyse einherging.

Cornelia nahm sich vor, besser auf ihr Küken aufzupassen.

»Vielleicht hat er vorher schon kleinere Tiere umgebracht, die können leichter versteckt oder entsorgt werden. Schafe, Ziegen, Schweine, Schlachttiere, denen man in der Pfanne nicht mehr ansieht, ob sie geköpft worden sind«, warf Goldhagen ein.

»Könnte sein. Wir schauen uns noch das andere Pferd an, Mirko.«

»In Ordnung, sieht genauso aus wie hier. Heute Abend kann ich dir vielleicht schon mehr zur Klinge sagen.«

»Super, hast du denn alles hier, um …«

Er schüttelte den Kopf, bevor sie ihre Frage zu Ende bringen konnte. »Wenn ich wirklich keine anderen Verletzungen mehr finde, trennen wir den Hals ab, und ich nehme ihn zur genaueren Untersuchung mit in die Pathologie.«

Im Geiste bedankte sich Cornelia für ein weiteres unappetitliches Bild, das Mirko ihrer Fantasie schenkte, und ging weiter.

Er hatte recht, der zweite Kadaver sah aus wie der erste. Wieder ein weißes Pferd, wieder ohne Kopf, die gleiche Präzision, Unmengen von Blut und kein Zeichen von Gegenwehr.

Immerhin haben sie offenbar nicht gelitten, dachte Cornelia.

Jetzt mussten sie entscheiden, wie sie vorgehen würden. Wenn Robin sie schon hergeschickt hatte, dann würde er ihr auch freie Hand in der Durchführung lassen, und Cornelia setzte auf die Öffentlichkeit.

Es war sowieso unmöglich, die Sache geheim zu halten. Die Pferdecommunity war gut vernetzt, und sicher warnten schon die ersten Reiter Freunde und Bekannte vor dem Pferdekiller. Es würde sie nicht wundern, wenn es bereits eine entsprechende Gruppe auf Facebook gab.

Warum sich die Sache also nicht zunutze machen. Um den Täter von Folgetaten abzuschrecken, würde es eventuell sogar Wirkung zeigen.

»Wie gehen wir weiter vor?«, fragte Sabrina.

»Wir reden noch mit den Hofeigentümern, dann halte ich kurz mit Robin Rücksprache. Wir schalten die Presse ein. Zeitung, Radio, alle, die sich darauf stürzen wollen.«

»Die werden uns überrennen.«

»Ja, damit rechne ich. Darum wirst du dich kümmern. Die meisten Anrufer werden Blindgänger sein, aber vielleicht ist ein wichtiger Hinweis dabei. Wer seine Tat so präzise plant, hat die Gegebenheiten vorher ausgekundschaftet. Womöglich ist unser Mann jemandem aufgefallen.«

Zurück auf dem Hof entdeckte Cornelia ihren Ex sofort. Noch immer schien es in ihrem Körper eine Art Antenne zu geben, die auf seine Frequenz eingestellt war. Noch hatte er sie nicht bemerkt. Er drehte ihr den Rücken zu, während er mit den Hofbesitzern sprach. Er fiel fast überall auf, was bei seiner stattlichen Größe von eins neunzig und seiner Ringerstatur nicht verwunderlich war.

Auch heute fühlte Cornelia sich in seiner Nähe äußerst angespannt. Verstand und Herz waren hier unterschiedlicher Meinung. Er hatte sie über mehrere Monate mit einer Kollegin betrogen, da spielte es auch keine Rolle, dass es in ihrer Beziehung schon seit einiger Zeit nicht mehr gestimmt hatte. Es war Betrug. Er hatte ihr Vertrauen ausgenutzt und sie damit so bitter enttäuscht, wie es vor ihm noch kein anderer Mann gewagt hatte.

Doch ihr Herz hing noch immer an ihm. Kein Wunder nach acht gemeinsamen Jahren. Wie ein sadistischer Filmvorführer spulte es eine schöne Erinnerung nach der anderen ab, aber heute nicht, heute gab es Wichtigeres zu tun!

Sie lief geradewegs auf ihn zu.

»Kommissar Schenz.«

Er drehte sich um. »Ah, Cornelia, ich habe mich schon gewundert, wo du steckst. Das hier ist meine Kollegin Frau Arents, sie wird den Fall betreuen.«

Cornelia ignorierte ihn so gut wie möglich und schüttelte Herrn und Frau Dünkert die Hand. »Haben Sie schon einen Hinweis auf den Täter?«, fragte die Frau hoffnungsvoll. Sie war vielleicht Mitte fünfzig, trug einen braunen Parka und hatte das rotgefärbte Haar nachlässig zusammengebunden. Ihr Mann war hager, mit lebhaften hellen Augen und einem breiten Mund. Er sah aus, als würde er an anderen Tagen viel lachen. Die gute Seele des Hofes.

»Wir ermitteln mit Hochdruck, aber zu so einem frühen Zeitpunkt …«, antwortete Robin. Was hübsch verpackt so viel hieß wie: Nein, sie hatten im Moment gar nichts.

Robin sah Cornelia an und hob fragend die Braue. Was sie früher süß gefunden hatte, reizte sie nun. Sie antwortete mit einem ebenso vielsagenden Blick: Nein, wirklich nichts.

»Wem gehörten die Pferde?«

»Zwei Schwestern. Inka und Valerie Lindner«, erklärte Herr Dünkert gefasst.

»Sind die Frauen hier oder bereits verständigt worden?«

»Soweit ich weiß, wohnen sie etwas weiter weg, Inka kommt hin und wieder her, um nach Hanni zu sehen, … kam …«, verbesserte sie sich. »Valerie arbeitet in England, das hat ihre Schwester mal erzählt.«

»Und dann lassen sie ihre Pferde einfach hier?«, erkundigte sich Robin verwundert.

»Das ist nicht ungewöhnlich. Wir haben einige Rentnerpferde hier. Sie bekommen Vollverpflegung, und wir sorgen dafür, dass regelmäßig Tierarzt und Hufschmied vorbeischauen. Viele Besitzer geben uns auch genaue Anweisungen, was gemacht werden soll, wenn ein Notfall eintritt. Das ist doch besser, als die Tiere einfach zum Schlachter zu schicken, sobald sie nicht mehr reitbar sind. Die beiden Stuten waren so um die Mitte zwanzig.«

Robin winkte unwirsch ab. Die Pferde interessierten ihn nicht, er vermutete einen Racheakt an den Frauen. Warum sonst tötete jemand ausgerechnet die Tiere eines Geschwisterpaares. Cornelia war sich nicht so sicher. »Wie viele Schimmel haben Sie hier am Stall?«

»Im Moment nur die beiden.«

»Was denkst du?«, fragte Robin.

»Kann ich dich unter vier Augen sprechen?«

»Aber sicher.« Sie gingen einige Schritte zur Seite.

»Entweder er hatte es wirklich auf die Schwestern abgesehen, oder es liegt an der Farbe. Weiß, Reinheit, so was in der Art. Ich werde im Archiv mal nach ähnlichen Fällen suchen. Vielleicht ist er ein alter Bekannter.«

»Okay, dann fährst du erst mal zurück ins Revier.«

»Mache ich.« Cornelia erzählte ihm von ihrem Plan, die Presse einzuschalten und den Reitern zu erlauben, Nachtwachen aufzustellen. Daran hindern konnte sie ohnehin niemand.

»Du weißt eher, was in einem solchen Fall zu tun ist«, räumte er zu ihrer Überraschung ein. »Hilft das?«

»Manchmal. Ich glaube zwar nicht, dass wir es hier mit dem üblichen Pferdeschänder zu tun haben, aber vielleicht schreckt es ihn zumindest ab, wenn er hört, dass die Höfe Wachen organisieren. Ansonsten müssen wir auf Zeugen hoffen.«

»Okay, wir richten eine Hotline ein. Schau, wer wenig zu tun hat, die Kollegen sollen sich abwechseln.«

Cornelia verabschiedete sich und gab Sabrina das Zeichen zum Aufbruch.

Robin war ungewohnt kooperativ, und Cornelia fragte sich, ob er sich ihr Gespräch von vor einigen Tagen zu Herzen genommen hatte. Wer weiß, ob er nun wirklich alles Persönliche von der Arbeit fernhielt oder ob er einfach nur einen guten Tag hatte.

* * *

KAPITEL 3

Bochum

Dieser Gang fiel Gunther Lechner nicht leicht. Immerhin kannte er seinen Freund und Kollegen schon lange. Es änderte auch nichts, wenn er noch eine weitere halbe Stunde in seinem BMW sitzen würde, Andreas Scholl beim Singen von Arien lauschte und den abendlichen Spaziergängern dabei zusah, wie sie ihre Hunde ausführten. Entnervt zog er den Schlüssel ab, unterbrach Basso Continuo und Geigen und hatte umgehend das Gefühl, von der Stille erstickt zu werden. Er mochte Stille nicht. Sie würde ihn zuverlässig aus dem Auto treiben.

Das Haus der Wehrheims war auf der anderen Straßenseite. Sie wohnten in einer altehrwürdigen Gründerzeitvilla, über die eine ebenso alte Eiche wie schützend ihre Krone breitete.

Hanna hatte Garten und Fenster stilvoll mit Lichtern geschmückt. Weiß, nicht geschmacklos bunt oder gar mit Plastikfiguren, wie es immer häufiger auch in dieser Gegend zu sehen war. Die Gesellschaft verkommt immer mehr zu niveaulosem Gesocks, dachte Gunther.

Friedrich und er hatten sich immer dagegen zur Wehr gesetzt, aber ihre Wege, der modernen, kulturlosen Gesellschaft die Stirn zu bieten, liefen immer weiter auseinander. Und deshalb musste er mit ihm reden.

Energisch stieß Gunther die Wagentür auf und trat hinaus in den kalten Februarabend.

Er klingelte am Tor. Das Anwesen war von einer schulterhohen, weißen Mauer umgeben, hinter der sich ein wunderschöner Garten befand. Er war Hannas Reich. Sie bestand darauf, die meiste Arbeit darin selbst zu erledigen. Seit sie nicht mehr als Sachbearbeiterin in der Universität arbeitete, nahm die Gartenarbeit den größten Teil ihres Tages in Anspruch.

»Ja bitte?«, tönte knisternd eine Frauenstimme aus dem Lautsprecher.

»Hanna, ich bin es, Gunther.«

Der Summer ging. Seine Schuhe knirschten über groben Kies.

Hanna empfing ihn an der Tür. Sie war schön für ihre fast sechzig Jahre, und hätte sie sich damals nicht in Friedrich verliebt, wäre vielleicht etwas aus ihnen geworden.

Ihr Haar war auf edle Art ergraut. Sie trug es lang und zum Zopf geflochten, der weich auf ein blaues Hauskleid aus Kaschmirwolle fiel. Die Überraschung stand ihr ins Gesicht geschrieben. Sie musterte ihn fragend aus großen blauen Augen, die von kleinen Fältchen umgeben waren.

»Ich wusste nicht, dass du kommen wolltest. Friedrich hat nichts gesagt«, meinte sie, während sie einander freundschaftlich umarmten. Gunther atmete den vertrauten Geruch ihrer Haut ein, der sich mit schwachem Parfumduft mischte, und fühlte sogleich leise Schuld erwachen.

»Ich bin ohne Anmeldung vorbeigekommen. Ich hoffe, ich störe nicht?«

»Nein, nein, sicher nicht. Er ist in seinem Arbeitszimmer, wie immer um diese Uhrzeit. Komm, gib mir deinen Mantel, dann bringe ich dich hin.«

Er wickelte den Schal vom Hals, zog den Mantel aus und reichte ihr beides. Während sie sich an der Garderobe zu schaffen machte, ließ Gunther den Blick durch den weiten Flur schweifen. Die Wehrheims schätzten wie er die Kunst, und Friedrich wandte einen sicher nicht geringen Anteil seines Professorengehaltes dafür auf, Gemälde zu erwerben. Die Zeichnung aus der Feder Franz von Stucks war neu. Gunther ließ sich den Neid nicht anmerken, während Hanna ihn zum Arbeitszimmer brachte, das er eigentlich auch mit verbundenen Augen gefunden hätte.

Sie klopfte zaghaft, beinahe schüchtern. »Friedrich, du hast Besuch. Gunther ist da.«

»Gunther? Komm rein«, erklang die Stimme des Freundes.

»W

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Lokes Mond" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen