Logo weiterlesen.de
Lippenstift & Notfalltropfen

LIPPENSTIFT

&

NOTFALLTROPFEN

EIN HANDTASCHENBUCH

GABRIELE BUCH

GABRIELE FOLZ-FRIEDL

BARBARA HOLPFER

BRITA KERBL-ASCHERMANN

SONJA KOHLBACHER

ANGELICA LÖWE

ROSWITHA SCHMIT

GERDA SENGSTBRATL

IRENE WONDRATSCH

MIT FOTOS VON HEIDI CZIPIN

WIEN, 2008

image

HANDTASCHENINHALT

BRAUSEPULVER MIT ZITRONENGESCHMACK

STOPPUHR

COMME DES GARÇONS NO. 2, PARFUM

BLOCKMALZZUCKERLN

GELDBÖRSE

HAARBÜRSTE

SONNENBRILLE

GITANES

K2R, FLECKPUTZMITTEL

SCHLÜSSELBUND

NAGELFEILE

SCHLAFTABLETTEN, ROHYPNOL

ANSTECKNADEL – SIEG BEIM JUGENDSCHWIMMWETTBEWERB

LEERE ZETTEL, LOSE

WASSERFLASCHE, HALBVOLL

OHROPAX

REISEPASS

VOGELFEDER

STIMMGABEL

TASCHENTUCH

MANSCHETTENKNÖPFE

ABSCHIEDSBRIEF, NICHT ABGESCHICKT

ENTHAARUNGSCREME

LIPPENSTIFT, KORALLENROT

TASCHENRECHNER

RUBBELLOS

HUNDEMARKE

BITTERSCHOKOLADE

KLAVIERNOTEN

BLEICHCREME GEGEN PIGMENTFLECKE

FLUGTICKET

KREDITKARTE

WÜRGEHALSBAND

HANDY

TAGESZEITUNG

NOTFALLTROPFEN

FAHRKARTE

GESCHENKBAND, ROT

SCHWANGERSCHAFTSTEST

BIOBIBLIOGRAFIE

HANDTASCHENFOTOS

BIRGIT SCHWANER: INWARDS

VORWORT

Neun österreichische Autorinnen haben sich auf ein spannendes Unterfangen eingelassen: Sie literarisieren den Inhalt einer Damenhandtasche. Das ist durchaus eine Herausforderung, wenn man bedenkt, dass vieles, auf das Frauen beim ebenso unausweichlichen wie täglichen Kramen in ihren Handtaschen stoßen, viel zu vertraut ist, um letztlich auch beachtet, geschweige denn poetisiert zu werden. Doch die Autorinnen dieser Anthologie gehen auf unverstellte Weise mit dem Sujet um. Was aus der Dunkelheit der Fächer dieser uns in Text und Bild vorliegenden Tasche ans Licht kommt, ist das literarisch spannende Ergebnis ebenso präziser wie spielerischer Auseinandersetzung mit dem Thema. Die Tasche selbst wird zur Hülle, zum Körper für jene nützlich-alltäglichen, aber auch überflüssigen – im Sinne von: notwendiger Überfluss – Dinge, die Frauen bei sich zu tragen pflegen. Das Buch beginnt mit einem Text über »Brausepulver mit Zitronengeschmack« (Irene Wondratsch) und endet mit einem »Schwangerschaftstest« (Gerda Sengstbratl). Dazwischen finden sich unter (und neben!) vielen anderen Dingen eine »Stoppuhr« (Gabriele Buch), »Blockmalzzuckerl« (Roswitha Schmit), »Ohropax« (Sonja Kohlbacher), eine »Vogelfeder« (Barbara Holpfer), ein »Schlüsselbund« (Brita-Kerbl-Aschermann), eine »Haarbürste« (Gabriele Folz-Friedl) oder »Gitanes« (Angelica Löwe). So wird der »Körper« Tasche einerseits zur Hülle, zur Behausung für die vielen darin enthaltenen Gegenstände; er wird aber auch zum Sprachkörper, zum Behältnis für eine vielschichtige Sammlung von literarischen Stimmen und Verfahrensweisen. Wir finden erzählende Prosa ebenso vor wie lyrische, sprachspielerische Gebilde oder auch Gedichte. So unterschiedlich die Gegenstände in ihrer Beschaffenheit sind, so different sind demgemäß die Literarisierungen. Die Dinge rufen sich während des Lesens noch einmal in ihrer Ursprünglichkeit ins Bewusstsein, jedoch lauter als sonst, als Töne, als Bilder, und kehren dann doch verwandelt wieder: Als Texte, die bisweilen das den Text veranlassende Ding selbst weit hinter sich lassen, es nur als zarten Impuls verstehen, um zu flanieren, fast wäre ich geneigt zu sagen, in der Sprache umherzufliegen. Dann wieder als Texte, die das Ausgangsobjekt in einem strengeren Sinn verstehen, wortwörtlicher, und es auch beim Namen nennen. Insgesamt ist mit diesem Projekt eine oszillierende (Kurz)prosa- und Lyriksammlung gelungen, die uns einen Anstoß geben mag, unser Augenmerk wieder deutlicher auf jene kleinen Dinge zu richten, die uns verlässlich durch unseren Alltag begleiten.

Petra Ganglbauer

BRAUSEPULVER MIT ZITRONENGESCHMACK

Ich gehe auf das Oasis gegenüber der Windmühle zu. Seine sonnengelben Mauern leuchten. Der Rezeptionist gibt dem Liftboy Anweisung, mir den gelben Läufer auszurollen. Der Boy trägt meinen Koffer ins Zimmer.

Ich öffne das Fenster, lasse das Sonnenlicht ein. Auf dem runden Tischchen auf der Terrasse steht eine große bauchige Vase mit Sonnenblumen. Die Volants am Saum der Markise knattern im Wind. Ich öffne den Koffer, hänge meine Kleider, bunte Farbtupfer im gelben Zimmer, in den Kasten.

Es klopft. Der Zimmerservice. Ein Chinese mit langem schwarzem Zopf bringt einen großen Korb Bananen. Ein Gruß des Hauses. Ich bedanke mich. Davon könnte ich mich die nächsten beiden Tage ernähren.

Mir fällt ein, dass ich nicht gegen Gelbfieber geimpft bin. Müdigkeit überkommt mich. Die Strapazen der Reise oder schon das Fieber? Ich setze mich auf das Bett, schnuppere an der Damastbettwäsche. Zitronenmelisse. Ich werde mich hinlegen und ein bisschen Musik hören. Ich drehe das Radio auf.

Déshabille-moi!, singt Juliette Greco verführerisch. Ich singe mit: Déshabille-moi!

Es klopft abermals. Ein freundlich lächelnder Mann tritt ein und lüftet seinen Strohhut. Er setzt sich zu mir aufs Bett und beginnt behutsam mein Kleid aufzuknöpfen. Er hängt es zu den anderen in den Kasten.

»Sie sind Jungfrau«, sage ich.

»Erraten.«

Die Art, wie er seine Unterwäsche zusammenlegt, weist auf Aszendent Steinbock hin. Na, hoffentlich sorgt Venus im Löwen für ein bisschen Ungestüm. Jetzt knöpft er sein Hemd auf. Blonde Härchen auf seiner Brust. Weich, seidig. Bei meiner Berührung lässt er das Hemd zu Boden fallen. Der Hose entledigt er sich rasch. Jetzt hat er nur noch gelbe Socken an. Ich kichere. Er schaut verunsichert.

»Verzeihung.« Ich lege meine Hand auf meinen Mund. Dann strecke ich mich auf dem Bett aus. Er legt sich zu mir. Die gelben Socken hat er unter dem Bett versteckt. Ein Zitronenfalter schwebt durchs Zimmer, umkreist uns und lässt sich auf meinem schwarzen Dreieck nieder.

»Man müsste dich malen«, sagt der Mann neben mir. Dann winkt er mit den Armen in Richtung Fenster und macht herbeiholende Gesten wie jemand, der ein Auto in einen Parkplatz einweist und dem Lenker bedeutet, noch rückwärts zu fahren. Eine Wolke von Zitronenfaltern dringt durch das Fenster ein. Die Falter schlüpfen in meinen Bauch. Schnell lasse ich mir eine Teerose zwischen den Pobacken wachsen und reiche sie dem Herrn der Schmetterlinge.

»Wollen wir blödeln oder wollen wir uns lieben?«, sagt er.

Typisch Jungfrau, typisch Steinbock! Immer zielstrebig in medias res. Aber es ist ja keine schlechte Sache, in deren Mitte wir streben.

Nachher essen wir den ganzen Korb Bananen.

Irene Wondratsch

STOPPUHR

der alltag

stößt die schwimmer morgens vom sockel,

hart klatschen rümpfe

flügeln, treten, gurgeln

schieben das becken nach hinten

die uhr läuft neben dem rand

nie dürfen sich arme und beine verwechseln

manchmal wird ein becken so lang,

dass ein schwimmer nicht ankommt

die zeit macht trotzdem schluss

gewonnen hat immer eine minute.

Gabriele Buch

COMME DES GARÇONS NO. 2, PARFUM

Über den Straßen zartweiße Wolken auf Himmelblau. In den Auslagen Pastell, so wie sich’s gehört nach Gold und Glitzer. Pastell die Gassen, die Menschen blass nach dem Winter. Am Naschmarkt in der Bude kindskopfgroße Tulpen auf den Plafond gemalt. Rosa Schleier quer über die Decke mit Narzissen, Hyazinthen und Schneeglöckchen aus Seide. Die Kellnerin mit dem Tuch fest um den Kopf gewunden, dem nackten Bauch, schöpft Rosinenkraut aus dem Dampfkessel. Da verzieht sich das Hellblau vom Himmel. Es nieselt.

Zwischen den Ständen durchgehen, und es duftet nach Weite, nach Ferne, nach weit fort, nach anderem Leben. Da sind Erdbeeren, so als wäre es schon Zeit dafür. Es duftet nach feinen Safranfäden. Im Winter, wenn es so duftet und es hier nur vor sich hin regnet, ganz grau, dann will ich weg. Dann will ich in die Zimtländer, nach Samarkand, nach Buchara. Dann will ich dort Tagesgeschäften zuschauen, dem Korianderlärm, dem Gehämmer nach. Will Schafe blöken hören auf grünen Weiden und in Wüsten rasten, mit dem weißen Tuch auf dem Kopf.

Ich rühr mich nicht mehr weg. Ich stehe im Regen, sauge den Geruch ein. Ich stehe im Grau, im Asphalt, im Safran. Gewürzdüfte wirbeln und ich falle in Ingwer. Die Krampusfigur damals war überzogen mit Zuckerguss, Lebkuchen in Schokolade getunkt, trug ein papierenes Lebkuchenbild, bunt. Ich biss hinein. Scharf und fremd breitete sich Unbekannt aus. Eins mit mir selbst, weggetragen in den Ingwer, so neu, so unendlich. Und noch immer ist es so: Wenn der Körper Ingwer erkennt, dann ist was los.

Ich bleibe stehen im Regen. In den Gewürzdüften von der Weihrauchstraße, der Seidenstraße, aus den Wüsten. Eines Abends in Fes am Markt roch es alle zehn Meter frisch. Ein Mädchen trug ein dickes Büschel Petersilie in der Hand. Wenn man von diesem Frisch isst, fällt das Leben ins Lot. »Bitte einen Bund vom Feld. Bitte die Karotten, die Tomaten.« Ich fülle mich mit Frisch, mit Markt, mit Zimt, mit Zitrone. Wenn diese Zitrone in mir ist, diese im Meersalz eingelegte, gesalzene, dann ist es frisch. Ich fang mir einen Fisch, hacke Kerbelkraut und lege das Kraut auf die Meerwasserzitrone. Jetzt ins Rohr. Und wenn ich dann esse, dann ist es frisch, dann ist es gut.

Ich stehe in den Gewürzdüften im Regen. Ich gehe nicht weg. Eine Frau schreibt stehend am Tresen. Wie ich an ihr vorübergehe, halte ich kurz. Sie duftet. Sie duftet nach Tautropfen und nach Schneeflocken. Nach Wunderbar, nach Weiß. Sie riecht nach Tag, nach Sonnenmorgen und nach Unschuld. Sie duftet nach Kind, nach Anfang, nach Alles in Ordnung. Sie riecht nach Tusche, nach firnisgetränkter Grundierung auf Leinen in einem leeren Zimmer. Sie riecht nach achtzehntem Jahrhundert in einer frisch gebohnerten Wohnung.

Ich werde ihr nachgehen. Ich werde hinter ihr hergehen, ihr nicht mehr von der Seite weichen.

Gerda Sengstbratl

BLOCKMALZZUCKERLN

Den ganzen Winter hustete ich. Hilusschatten auf dem linken Lungenflügel. Ich durfte auch im Sommer kein Eis essen.

Als ich das erste Mal zur Erholung geschickt wurde, war ich knapp fünf. Tagelang strickte meine Mutter an einer langen roten Zipfelmütze für mich. Verschnörkelte Monogramme in allen Kleidungsstücken, R. K. Das letzte Wegstück gingen wir zu Fuß, meine Mutter und ich, bergauf. Mit jedem Schritt wuchsen meine Zweifel.

Den ganzen Vormittag saß ich in einer Ecke, festgeklammert an meine Puppe, meine Mutter war längst auf dem Heimweg. Die Schwestern ließen mich weinen, die fremden Kinder betrachteten mich aus der Ferne.

Wir schliefen in einer Veranda, die ringsum durchgehende Öffnungen ins Freie hatte, atmeten die kühle Waldluft ein. Die Betten standen in zwei langen Reihen, meine Nachbarin hieß Roswitha, wie ich. Drinnen trugen wir gestreifte Pyjamas, verbrachten viel Zeit im Bett, mussten auch tagsüber immer wieder ruhen. Die Decken steckten rundherum in der Matratze, so hatten wir wenig Bewegungsfreiheit. An den kalten Wintertagen brachten uns die Schwestern Wärmflaschen, flache, ovale Metallbehälter, in die heißes Wasser gefüllt und die oben mit einem goldglänzenden Drehverschluss zugeschraubt worden waren.

Untersuchungen gehörten zum Alltag. Danach saßen wir mit aufgekrempelten Ärmeln und warteten, dass die Einstichstelle zu bluten aufhörte.

Tagsüber waren wir viel draußen, unternahmen lange Spaziergänge oder spielten. In diesem Herbst lernte ich Kreisspiele, neue Lieder und Rad schlagen. Ich redete, lachte mit und tat, als wäre ich so wie alle.

Jede Woche schickten wir Karten nach Hause. Die Großen konnten schon schreiben, wir Kleinen zeichneten nur, die Schwestern erklärten die Bilder für unsere Eltern. Einmal malte ich auf eine Karte lauter Schlingen, große und kleine, wie ich es mir von den Schülerinnen abgeschaut hatte. Die machten sich lustig: Schreiben geht ganz anders. Wenn ich mich schämte, krümmte ich die Zehen in den Schuhen mit aller Kraft. Versuchte mich abzulenken. Später rollte ich lieber die Zunge im geschlossenen Mund nach hinten. Niemand sollte es bemerken.

Als ich kam, war Herbst. Gelborange. Wir aßen Äpfel mit so würzigem Geschmack, wie ich sie heute nirgends mehr finde. Die Wege säumten niedrige Hecken, an denen braune Blätter baumelten. Auf unseren Spaziergängen roch es nach feuchtem Laub, nach Rauch, der aus den Kaminen kam, nach Spätherbst. Langsam ertranken die Blätter in den Lacken. Es wurde Winter.

Beim Essen bestanden die Schwestern auf leergegessenen Tellern. Oft kam es vor, dass ich allein vor dem kalten Mittagessen saß, dass ich die Luft anhielt, um die Bissen nicht zu schmecken, sie nicht hinunterbrachte, weil mein Hals wie zugeschnürt war, dass ich kaute und kaute und das zähe Fleisch immer mehr wurde in meinem Mund. Ein Festtag, wenn es Grießkoch gab, mit Schokolade, Zimt und Zucker.

Einmal im Monat war Besuchssonntag, meine Eltern und die Oma kamen. Wir aßen im Dorfgasthaus Wiener Schnitzel. Ich erzählte, redete ununterbrochen, zeigte den Eltern meine Lieblingsplätze, meine Lieblingswege, die Welt war wieder in Ordnung. Bis zum nächsten Abschied.

Zu Weihnachten nähten die Schwestern jedem Mädchen ein Kleid, im ersten Jahr war es blau, ein Jahr später kariert, ich trug beide gern. In der Spielecke stand ein großer Christbaum. Den Braven brachten die Schwestern bunt eingewickelte Leckereien abends ans Bett. Gute Nacht. Und schlaf schön.

Daheim feierten wir Weihnachten noch einmal, ein zweites Mal Geschenke. Meine Schwester beneidete mich. Ich sang mit ihr die Lieder, zeigte ihr die neuen Spiele.

Im darauffolgenden Herbst, dem letzten vor der Schule, hielt der Bus mit den Wiener Kindern extra meinetwegen in St. Pölten, ich stieg ein und er brachte uns gemeinsam ins Heim.

Als Schulkind hustete ich nicht mehr, ich war geheilt.

Roswitha Schmit

GELDBÖRSE

Austern

Brüsseler Spitze

Chinaseide

diamonds

Eselsmilchbad

Ferrari

Gucci-Sonnenbrille

Haute Couture-Kleid von Dior

intarsienverzierte Schatulle

Jadeohrringe

Kreuzfahrt in die Karibik

Langusten

Mauritius

Nappalederhandtasche von Louis Vuitton

Oldtimer

Pralinen von Sprüngli

Quetzalfederboa

russischer Kaviar

schottischer Wildlachs

Tiffany

Ulanenstiefel aus Antilopenleder

Veloursvorhänge

Wildschur

X – nix

Ylang-Ylang Öl

Zechinen

Nach einem Blick in ihr Portemonnaie entschied sie sich für X. Eine Übereinstimmung mit ihrem Chromosomensatz ist rein zufällig und nicht gewollt.

Irene Wondratsch

HAARBÜRSTE

ein besuch beim friseur erfüllt nicht selten den tatbestand der körperverletzung.

der erste ungeschützte blick in den spiegel zu hause enthüllt in seinem ganzen schrecken das, was zuvor noch von halber ohnmacht und panischer verdrängung nicht bis zur bewusstseinsschwelle vorgelassen wurde: die wellen à la »jean harlow« kräuseln sich in schmalzigem negroid à la »drahtwaschel« und das gewünschte platinblond kann man nur als ausgesprochen grünspanig bezeichnen.

susis entsetzensweiter blick fällt auf die haarbürste, in der noch reste der alten brünetten pracht verfangen sind. die reue kommt zu spät. zugleich mit der wut steigen die tränen in ihr hoch und kullern reichlich über die geröteten wangen in den fassungslos offenstehenden mund. nichts wird es heute abend mit dem großen auftritt im feinsten lokal der stadt, und die bewunderung roberts wird sich auch in grenzen halten. überraschen hat sie ihn wollen und das dürfte problemlos gelingen. der weltuntergang kann sich nicht viel anders anfühlen, und es wäre gut, wenn die welt unterginge. eine welt, in der wahnsinnige stümper solche verheerungen auf ihrem kopf anrichten und sich dafür auch noch sittenwidrige beträge bezahlen lassen, hat nichts besseres verdient. susi stürzt zur badewanne und begräbt ihren blondinentraum unter wasserfluten. was sich eine halbe stunde danach gebildet hat, ist sonst als afrokrause bekannt und war eine zeitlang durchaus mal in mode. ein umstand, der susi nicht glücklicher macht.

schokolade macht glücklich. eine hand um den doppelt gefüllten schokoriegel und die andere um ihre beige lieblings-sofarolle geklammert, versinkt susi in halber betäubung. ein cognac dazu macht sicher noch glücklicher und drei cognacs verdreifachen das glück zwangsläufig.

die sofarolle erweist sich bei näherem betrachten als dringend säuberungsbedürftig. auch der reißverschluss ist ausgeleiert und schließt nicht mehr richtig. susi kichert und reimt: »ich hab mit meinem reißverschluss immer so nen scheissverdruss.«

die haare fühlen sich jetzt vollkommen trocken an und haben ein richtig schönes volumen. susi kann sich nicht erinnern, jemals einen so großen kopf gehabt zu haben. sie greift erneut zur bürste und versucht zu bändigen, was nicht zu bändigen ist. jedes einzelne haar scheint beinahe senkrecht in die höhe zu springen und ein eigenleben zu führen. sie kann sich nur noch erschießen. aus. vorbei. laut heulend zieht sie das aus den plastikstoppeln heraus, was sie an die unwiederbringlich entschwundene braune herrlichkeit erinnert. – den friseur erschießen!

die 44er magnum hat ihr robert vor einem jahr gekauft. erst konnte sie sich nicht ganz damit anfreunden, vor allem der krach und der nicht unerhebliche rückstoß hatten ihr zu ...

Wollen Sie wissen, wie es weiter geht?

Hier können Sie "Lippenstift und Notfalltropfen" sofort kaufen und weiterlesen:

Amazon

Apple iBookstore

ebook.de

Thalia

Weltbild

Viel Spaß!



Kaufen






Teilen