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Licht auf Arcadium

1. Kapitel

1

 Der Abendkristall hauchte das Spiegellabyrinth in ein bläuliches, kaltes Licht. Azura lief weiter schwer atmend durch die langen Gänge, stieß gegen die meterhohen Spiegel, die ein wütendes Klirren durch alle Gänge schickten. Endlich ließ sie sich prustend auf die Knie fallen. Ihre langen, schmalen Finger bohrten sich in ihr Fleisch. Doch da war nur Stille. Immer nur Stille. Niemand hörte ihr Klagen, ihr stummes Schreien. Nichts und niemand war heute hier im Labyrinth. Sie war allein. Ihr Atem beruhigte sich langsam und nun wagte sie es wieder ihr Bild in den Spiegeln des Irrgartens anzusehen.

War das wirklich sie? Sie fühlte da war noch mehr, als das was sie sah, da tief in ihr drin, mehr als diese langen, dünnen Haare, die spitzen Ohren, die kantigen Gesichtszüge, die tiefschwarzen Augen und vor allem – diese blasse Haut. Angst erfüllte sie plötzlich, was würde sich zeigen, wenn sie in das 16. Lebensjahr übergeht, würde sie blass bleiben, oder würde sie zu einem Buntwesen werden, zu dem Bösen, dass die Stadt unter Larduks Herrschaft verbannte? Wie viele Gesichter, die sie kannte, hatten sich beim Eintreten in die Erwachsenenschwelle in ein Buntwesen verwandelt und wurden von Larduks Greifern gefasst. Für sie war das 16. Jahr auf Arcadium zum Verhängnis geworden.

Azura zitterte und konzentrierte sich noch mehr auf das Bild, dass der Spiegel ihr zeigte. Hier im Labyrinth konnte man die Veränderungen zuerst sehen, es war der einzige Ort, der den Arcadianern die Möglichkeit gab, schon Stunden vorher die anstehende Daseinsveränderung zu sehen – ehe die Wirklichkeit sich tatsächlich so zeigte und es so auch andere sahen. Die meisten mieden diesen Ort, aus Angst, die Spiegel könnten ihnen den Tod voraussagen. Doch gerade wegen der Einsamkeit hier, suchte Azura diesen Ort nun immer häufiger auf – vor allem um nachzudenken. Außerdem hatte sie das Gefühl, diese hohen Spiegelmauern würden sie wärmen, doch sie wusste, dass das nur Einbildung war.

Noch wenige Monate, dann würde sie 16 werden. Dann würde sich die Wandlung vollziehen – oder auch nicht. Entweder sie bleibt ein Weißwerder oder sie würde zu einem Buntwesen werden und das gleiche Schicksal des Todes teilen müssen, wie so viele andere vor ihr. Es galt König Larduks Gesetz: „Die Buntwesen tragen das Böse in sich und müssen vernichtet werden!“ Sie schüttelte sich: „Nein!“ Sie schlang beide  Arme um die Knie und zog sie fest an sich. Kleine Tränen rannen ihr langsam die kalte Wange hinab. Und wieder fiel ihr Blick auf den Spiegel. Da war sie, Azura und plötzlich kam da wieder dieses Bild, irgendwo aus ihrer Erinnerung. Sie konzentrierte sich mit aller Macht und sah diesen kurzen Bildfetzen, sah sich vor vielen Jahren, noch so klein und da war jemand, den sie „Mama“ nannte. Eine Frau, schöner als jeder Morgentau, legte einen Stein in ihre kleine Hand. Ihre Haut tat sich auf, verschlang den merkwürdigen Stein und schloss sich wieder über ihm. Die Frau streichelte ihr zärtlich über das Gesicht und da war Wärme, eine nie gekannte Wärme, die sie plötzlich für einen kurzen Moment fast zu spüren schien. 

Doch schon war das Bild wieder weg und wie sehr sie sich auch konzentrierte, je verzweifelter sie auch versuchte, diese Erinnerung, woher auch immer sie kam, zurückzuholen, sie kam nicht mehr. Seit Tagen quälten sie diese Bilder, doch da war einfach nichts, nichts woran sie sich erinnerte, nur das Gefühl, dass da etwas war, irgendwann einmal. Inzwischen hatte ihre Vision die Angst vor der Erwachsenenschwelle geschmälert und sie zurückgeholt. Schließlich musste sie sich irgendwann der Realität stellen. Langsam erhob Azura sich und folgte ihrem Instinkt, der sie wie nun täglich aus dem Irrgarten hinaus führte.

Draußen wechselte nun bereits der Abendkristall ins Dunkelblaue. Der Nachtkristall wurde eingesetzt. Sofort glichen Himmel und Umgebung gänzlicher Schwärze, nur die nächsten Dinge erkannte Azura noch im faden Licht. Die kalte Luft Arcadiums wollte gleich in ihre Glieder dringen, als sie die wenigen Treppenstufen vor dem Labyrinth herabstieg, doch sie hatte auf Fidorra gehört und ihr Geschenk nun doch angenommen. Fidorra hatte ihr ihren Ponchalla gegeben, diesen weißen Brustanzug, den sie über ihrem weißen Larduk-Anzug tragen konnte. Niemand würde sehen, dass sie über der vorgeschriebenen Kleidung noch etwas anderes trug, da der Ponchalla sich so eng an ihre Formen anpasste, dass er nicht weiter auffiel. Niemand würde das Verbotene an ihr bemerken, dass sie jetzt vor der Kälte schützte.

Fidorra war so eine weise, alte und liebe Frau. Ihr rundes Gesicht und ihre braunen Augen ließen sie noch gütiger erscheinen. Sie war neben den Gefolgsleuten von Larduk die einzige Erwachsene in der Lebenszone. Fidorra war immer für sie, Phoolio, Lionie und Marlesso da – überhaupt für alle. Jeder Säugling, jedes Kind, kam in Fidorras Obhut. Sie nahm liebevoll die Zöglinge an sich, bis Larduk bestimmte, dass es an der Zeit war, dass sie ihre eigene Kugel bezogen, bis sie gelernt hatten, aufzusteigen.

Azura hatte sich zuerst geschämt, dass sie es nicht auf die Reihe bekam, aber jetzt war sie froh, dass sie erst später lernte, ihre Körperenergie zu bündeln, um sich in die Luft zu erheben und zu ihrer Kugel aufzusteigen. Dieser große Abstand zu den anderen hatte ihr letztendlich dazu verholfen, jetzt eine Kugel in der letzten, der dritten Reihe über dem Erdboden zu haben. Hier gab es wenige Wohnkugeln, wodurch es ruhiger war. Sie konnte nur für sich sein und Larduks Lieder lernen, die sie beim Aufleuchten des roten Preisungskristalls darbringen mussten. Hier war sie vor den Blicken der anderen Kinder sicher. Jeder sah sich nur noch argwöhnisch um und prüfte, ob sein Gegenüber bereits Zeichen der Veränderung zeigte. Hier war sie geschützt.

Doch Azura wusste, dass es bald noch mehr Wohnkugeln geben würde, die Bevölkerung wuchs weiter an. Aus Larduks Steinfestung kamen immer mehr Säuglinge auf die Ebene und Azura wusste, wenn Fidorra sie freigab, würde es unweigerlich mehr Nachbarn geben. Denn der Platz in der Lebenszone wurde immer enger. Erst vor einem Monat hatte Larduk die dritte Kugelreihe anlegen lassen, da die drei Kilometer Durchmesser der Lebenszone und die zwei Kugelreihen nicht mehr ausreichten. Die Arbeiter in der Mine kamen mit der Produktion der Lichtkristalle kaum hinterher und zudem wurden in der letzten Zeit auch immer wieder die Tageskristalle gestohlen, weshalb die Greifer nun zwei mal am Tage umgingen, um nach dem Rechten zu schauen.

Fidorra war die Einzige, die in einer Hütte lebte, direkt auf dem Boden, so wie Larduk. Viele meinen, Fidorra sei verflucht, da sie in etwas lebte, dass aus Holz gemacht war. Holz gab es schließlich in der Lebenszone nicht. Lediglich in der Todeszone hinter den Rändern der Stadt sollte es Pflanzen und somit auch Holz geben, munkelte man. Doch alles was Böse ist, alles was fliehen konnte, lauerte dort hinter den Grenzen der Stadt, die Larduks Leute bewachten. Fidorra war auch die Einzige, die nicht Larduks Anzug tragen musste, sondern sich in ein fliederfarbenes Gewand hüllte. Für Azura war Fidorra das, was Larduk „Eltern“ nannte. Sie wusste, zur Zeugung eines Säuglings muss man in Larduks Festung, alles begann dort und niemand wagte darüber zu sprechen, was mit den Jugendlichen geschah, wenn sie zu einem Erwachsenen wurden. Jeder wusste es, auch wenn es niemand je ausgesprochen hatte. Die Erwachsenen kamen in die Mine. Sie mussten pausenlos arbeiten, um Kristalle zu züchten, tief in der Erde mussten sie graben – oft erschütterten kleine Beben die Stadt und ließen selbst Azuras Kugel wackeln. Oft lag sie dann summend auf ihrer Barre und versuchte das Unvermeidliche auszublenden. Jeder wusste es, doch keiner wollte wahr haben, dass auch er irgendwann erwachsen werden wird.

Die Produktion in der Mine stand selbst in den Ruhestunden der Nacht nicht still. Immer mehr Kristalle gingen an Larduks Festung, grüne, rote, orange, hell leuchtende und glitzernde. Larduks Festung war das Einzige, das in bunten Farben erstrahlte. Man sah sie noch aus dem letzten Winkel der Stadt. Für die normalen Arcadianer gab es nur den hellgrünen Morgenkristall, den grellweißen Mittagskristall, den hellblauen Abend- und den dunkelblauen Nachtkristall – nicht zu vergessen den roten Larduk-Preisungskristall, „Prunkgeierkristall!“, wie ihn Phoolio immer nannte.

Phoolio war stark und hasste Larduk aus tiefstem Herzen, doch auch er musste seine Gebote befolgen. Für Marlesso hingegen war Larduk ein Idol. Er sah ihn als den Retter an, als der er auch gesehen werden wollte. Die fürchterliche Katastrophe, die keiner mehr kannte, hatte den ursprünglichen Heimatplaneten zerstört und zurück blieb diese düstere Kugel, auf der es nur Larduk zu verdanken war, dass das Leben durch die Futterkapseln und das einzige Licht der Kristalle noch existierte. Marlesso hoffte, irgendwann der Mine entgehen und in Larduks Armee eintreten zu können, die sich ständig vergrößerte.

2. Kapitel

2

Azura setzte ihren Weg fort. Sicher warteten ihre drei Freunde schon an der „Nie versiegenden Quelle“ auf sie. Dieser kleine Brunnen in der Mitte der Todeszone auf dem Lobpreisungsplatz nah den Wohnkugeln führte das einzige Wasser auf Arcadium in sich, ein nie endender Kreislauf, liebliches Wasser, dass auf den Grund des tiefen Steines sinkt um in einer Fontäne dann wieder hinauf zu schießen. Niemand durfte dieses Wasser berühren, es war ein Mahnmal, das den Arcadianern den Kreislauf des Lebens symbolisieren sollte. Azura verstand dies nicht und wie oft verspürte sie den Drang, sich mit diesem Wasser zu reinigen, aber wer das Wasser berührte, wird von den Greifern festgenommen und zum Tode verurteilt. So musste auch Azura sich damit abfinden, zum täglichen Reinigungsritual zu gehen. Solange der grüne Kristall leuchtete, konnte jeder in die Grotte, einen Hohlraum unter der Erde gehen. Dort in der Mitte der Lebenszone gab es ein Energiefeld. Jeder der die Grotte betrat wird durch die roten Energiestrahlen gereinigt. Larduk hielt so Krankheiten fern.

Gleich nach dem Reinigungsritual begann die tägliche Ausgabe der Futterkapseln. Jeweils eine davon zu den Kristallendphasen versorgte den Körper mit ausreichend Stoffen für das Weiterleben auf Arcadium. Azura wusste, sie hätte ihre nächsten Kapseln bereits einnehmen müssen, da schon der Nachtkristall leuchtete, aber das war ihr egal, alles war sowieso egal. Was hat das alles für einen Sinn, aufstehen, Lobpreisungen, Reinigungsritual, Lobpreisungslieder lernen,  Nahrungsaufnahme und die Angst vor der Erwachsenenschwelle und der Mine, nicht zu vergessen, die armen Seelen, die zur Larduk zur Zeugung gerufen wurden. Selbst wenn sie ein Weißwerder bleibt, sie würde in die Mine müssen. Alles was ihr jetzt etwas bedeutet, Phoolio, Lionie, Marlesso und nicht zuletzt Fidorra, alles wäre nicht mehr wichtig.

Sie bewunderte die Leute, die die Tageskristalle stahlen. Sie setzte sich auf den Rand des Brunnens und starrte in den dunklen Himmel. Wer mochte wohl die Kristalle gestohlen haben, wer hatte so viel Mut, sich gegen Larduk zu stellen? Sie wünschte, sie würde diese Leute kennen, sie brachte ihnen tiefe Bewunderung entgegen. Ob sie wohl nah bei ihr lebten?

Sie strich mit dem Finger die langen Furchen auf dem Brunnengestein entlang, das Wasser plätscherte, fast verspielt. Sie wurde plötzlich wütend. Es gab Wasser! Irgendwo gab es noch mehr Wasser und jeder wusste, dass es das flüssige kleine Rinnsal in Larduks Festung in Strömen gab und ihnen – ihnen, dem Volk, gönnte er nur den kalten, feuchten Schwall, den der angehende Morgen mit sich brachte. Diesen und nichts mehr. Der Nachtkristall flackerte auf, ein Zeichen dafür, dass die Sperrstunde sich näherte. Bald würden die Greifer umgehen und jeden ergreifen, der sich noch nicht in seiner Kugel befand. Wo blieben ihre Freunde? Sicher war ihnen etwas dazwischen gekommen. Immerhin war es für sie auch alle nicht einfach, schließlich waren sie alle fast 16. Traurig dachte Azura an alte Zeiten zurück, vor drei, vier Jahren, war alles einfacher, sie spielten einfach nur Verstecken zwischen den Lardukstatuen, malten mit Erde Gesichter auf den Asphalt, kicherten, sprangen umher, doch jetzt war alles viel komplizierter, man begann nachzudenken – über das, was keiner auszusprechen wagte.

Wie beneidete sie die Jüngeren, die noch nicht mit der Angst vor dem Erwachsenwerden leben müssen und noch so viele Jahre voll Unbeschwertheit und Spielen vor sich hatten. Zum Glück hatte Fidorra noch immer hin und wieder ein Plätzchen für sie, was die Greifer lieber nicht sehen sollten. Bekümmert erhob sich Azura, kehrte zu ihrer Ruhestätte zurück, schloss die Augen und ließ sich zu ihrer Kugel emporgleiten, dessen Lade sich öffnete, sie einließ und sich dann wieder schloss. Der Nachtkristall leuchtete nur noch zur Hälfte. Nachdem Azura ihre letzte Futterration einnahm und sich auf ihre Barre legte, hörte sie schon das Marschieren der helläugigen Greifer. Sie stellte sie sich vor, diese riesigen weißäugigen Steinkolosse, die Larduk auf seiner Festung schuf. Es waren lebende Felsbrocken die jeden ergriffen, der zur Sperrstunde umherging. Schlimmer waren aber Ardrito und Marlato, die ersten Söhne Larduks, die die Greifer anführten und selbst ihre Runden durch die Zone zogen.

Die Felsgreifer konnte man eventuell austricksen, in ihnen war kein wirkliches Leben, aber wehe dem, der auf Ardrito und Marlato traf. Ardrito stellte immer wieder zur Schau, dass er das normale Volk hasste. Erst kürzlich hatte er wieder einen Arcardianer zum Exkrementenholer ernannt. Der arme Bursche musste nun bis zu seinem Erwachsenwerden die Exkremente aus den Trögen der Wohnkugeln entfernen und an den Rand der Lebenszone bringen. Niemand wusste, warum Ardrito das Volk so hasste, man munkelte, dass es um seinen Bruder ging. Marlato sei das Erzeugnis aus Larduk und einer gewöhnlichen Arcardianerin, Ardrito hingegen sei nur königlichen Geschlechts und lernte seine Mutter durch die große Katastrophe in der Vergangenheit nie kennen. Im Gegensatz zu seinem Bruder, erhielt Marlato immer die Gunst seines Vaters, egal was er auch anstellte.

Das monotone Stampfen der Marschierenden und das Klirren ihrer Marschstäbe beim Auftreffen auf den Boden der Lebenszone besiegte schließlich Azuras innere Unruhe. Ihre Nacht, die nur ihr gehörte lag traumreich vor ihr.

3. Kapitel

3

 Das schrille Klirren des Kristallstabes, der meterhoch hinter dem Brunnen emporragte, kündigte den neuen Tag an. Die Kristallwächter stiegen auf und holten den blauen Lichtkristall aus der Verankerung, um gleich den Morgenkristall einzusetzen. Das liebliche grüne Licht, das Azura als einziges am Tage liebte, weil es Wärme spendete, erfreute sogleich die ersten Munteren, die bereits auf dem Lobpreisungsplatz umherspazierten. Azura kam heute jedoch nicht in den Genuss ihrer einzigen geliebten Lichtminuten, sie schlief noch tief und fest und wurde erst durch das dumpfe Läuten geweckt, das von rotem Schein begleitet zur Lobpreisung aufrief. Azura öffnete die Augen und dachte für einen kurzen Moment, sie wäre noch in der Welt, von der sie träumte, eine Welt, in der es immer das grüne, warme Licht und sie und Phoolio gab. Doch die leeren, weißen Wände ihrer Wohnkugel, der sterile Boden, holten sie in die Wirklichkeit zurück.

Erschrocken fuhr sie nun hoch. Sie hatte keine Zeit mehr zur Reinigung zu gehen, sie hatte das grüne Licht verschlafen. Nervös strich sie ihr zersaustes Haar gerade, band es zu einem Knoten zusammen und öffnete per Knopfdruck die Lade ihrer Kugel. Sie ließ sich hinabgleiten und rannte dann panisch die wenigen Meter zum Lobpreisungsplatz hinunter.

Ihre Haare lockerten sich im Laufen wieder. Wütend schlug sie sie in den Nacken zurück und kam prustend hinter der geordneten Menge zum Stehen. Ihr Herz pochte wie wild. Hoffentlich hatte niemand bemerkt, dass sie zu spät kam. Sie schüttelte sich. Ihr Nebenmann sah sie argwöhnisch an und schien sie verraten zu wollen, doch Azura besänftigte ihn, indem sie mit gespieltem Eifer in den Gesang der Kinder und Jugendlichen einsetze. Ihr Nebenmann richtete seinen Blick wieder auf Larduk, der meist nur zur Lobpreisung seine Festung verließ und seine Arcardianer ansah. „Ein Hoch auf Larduk, unseren Herrn, der Dank sei dir für immer geheiß, solang ich mich als Arcardianer weiß…“ Die Meute sang im Chor die vielen Texte, die tagsüber in die Köpfe mussten. In diesem Moment erblickte Azura Phoolio, der auch zu ihr herüberschaute, mit einem verschmitzten Lächeln, Sekunden nur, die alles ausblendeten was im Alltag grau und trist ist und nur ihr Herz tanzen ließen. Dieses spielte eine Melodie, die es erst vor kurzem kennen lernte. Phoolio gab ihr ein kurzes Kopfzeichen, das ein Treffen symbolisieren sollte. Fast wäre er dabei von den Greifern erfasst worden. Doch zum Glück waren Ardrito und Marlato viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt.

Larduk ließ sich wieder auf die Bankreihe sinken, schlug sein schwarzes Gewand nach hinten und der hölzerne Wagen setze sich wieder in Bewegung und kehrte zur Festung zurück. Larduks Blick symbolisierte Macht, Stolz, Kraft, doch viele sahen auch großen Hass in ihm.

Die Menge löste sich auf und Azura wartete am Rand des Platzes auf Phoolio. Ihr Pulsschlag schien zu wandern, ihre Hände zitterten. Plötzlich erschrak sie. Phoolio packte sie von hinten: „Der Greifer hat dich!“, scherzte er. Azura holte tief Luft. Enttäuscht stellte Phoolio fest, dass Azura seinen Scherz nicht verstand. Grimmig sah sie ihn an. „Tut mir leid. Was ist denn los mit dir?“ Die Gedanken des letzten Abends waren kurz wieder da, doch Azura verdrängte sie, viel mehr dachte sie nun darüber nach, wie Phoolio sie wohl gerade sah. Ihre Haare waren vom Laufen wieder zersaust, nicht so glatt wie seine, sie war nicht zur Reinigung. Sicherlich konnte er das fühlen. „He, was ist denn los?“, drängte Phoolio noch einmal. Azura schaute in die Ferne und sah, wie der Wagen von Larduk von den Greifern die Böschung emporgezogen wurde. „Ich habe Angst.“, sagte sie nun kurz.

Phoolio legte seinen Arm auf ihre Schulter und seufzte: „Das immerwährende, leidige Thema!“ Er drehte sie zu sich. „Genieß doch einfach den Moment und denk nicht über mehr nach!“ – „Aber das kann ich nicht. Was hat das alles für einen Sinn. Wofür leben wir?“ – „Wenn es nach Marlesso geht, für Prunkgeiers Armee!“, scherzte Phoolio weiter. Böse drehte ihm Azura den Rücken zu.

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