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Lerne zu meditieren

Gesche Rabten

Lerne zu meditieren

Meditation im Alltag

Aus dem Englischen von Birgitt Gross

Überarbeitet und herausgegeben von Schülern Gesche Rabtens unter der Leitung von Gonsar Rinpotsche

Inhalt

Vorwort des Herausgebers

Erster Sonntag

Zweiter Sonntag

Dritter Sonntag

Vierter Sonntag

Fünfter Sonntag

Glossar

Studienzentrum und Verlag

Bild: Gesche Rabten

Vorwort des Herausgebers

Im Studium und in der Anwendung des Buddhismus wird auf Meditation großen Wert gelegt. Es mag zwar manchmal so erscheinen, als hätte die Meditation keinen Bezug zu den Sorgen und Nöten des Alltagslebens, doch in Wirklichkeit können sich Meditation und unsere alltäglichen Beschäftigungen gegenseitig unterstützen, wenn wir beide miteinander zu verbinden wissen.

Im Sommer 1980 gab Gesche Rabten im damaligen Tharpa Choeling (heute Rabten Choeling) eine Reihe von Unterweisungen darüber, wie wir eine Anwendung entwickeln können, die sowohl formelle Meditationssitzungen als auch alltägliche Beschäftigungen einbezieht, um einen ausgeglichenen, zweckmäßigen und befriedigenden Lebensstil zu finden. In klarer und leicht verständlicher Weise präsentierte Gesche einige der essentiellen Faktoren, die bei diesem Prozess mitwirken.

Wir möchten an dieser Stelle dem Ehrwürdigen Gonsar Rinpotsche für seine weise Führung und Unterstützung danken, ohne die unsere Arbeit gar nicht möglich wäre. Unser Dank gilt auch allen Dharmafreunden für ihre hilfreichen Beiträge.

Wir freuen uns, diese Unterweisungen als Buch veröffentlichen zu können, und sind sicher, dass sie den Lesern von persönlichem Gewinn sein werden.

Mögen die Halter dieser Unterweisungen lange leben, und mögen durch sie Mitgefühl und Weisheit in uns zunehmen.

Der Herausgeber

Le Mont-Pèlerin, Oktober 2007

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Gesche Rabten vor seiner Klause in den Bergen von Dharamsala (Nordindien) 1969.

Erster Sonntag

Was ist wirklich wichtig in unserem Leben? Das ist eine der entscheidendsten Fragen, die wir uns stellen können. Die Antwort lautet, dass unser Leben sinnvoll sein sollte; wobei unter sinnvoll zu verstehen ist, das eigene Leid zu beseitigen und das eigene zukünftige Glück zu sichern. Das gilt genauso für das Glück und Leid der anderen und sollte die Zielrichtung unserer Anwendung ausmachen. Wir sollten unsere Bemühungen darauf richten, uns selbst und anderen zu nützen, indem wir Leid beseitigen und für Glück sorgen.

Der entscheidende Faktor beim Entwickeln der Fähigkeit, uns und anderen zu nützen, ist der Geist. Doch dieser Geist muss ein fähiger sein; fehlt es ihm an Geschicklichkeit, werden wir unser Ziel nicht erreichen. Diese geistige Gewandtheit muss durch Meditation entwickelt werden. Außerdem ist es wichtig, dass die Meditation selbst richtig ausgeführt wird. Durch korrekte Meditation wird die Fähigkeit und die Kraft des Geistes zunehmen und sich entwickeln.

Um meditieren zu können, müssen wir zunächst studieren; es ist nicht so, dass Meditation und Studium nichts miteinander zu tun haben. Das Studium hilft uns dabei, eine starke und effektvolle Anwendung aufzubauen. Meditation bezieht sich gewöhnlich darauf, den Geist wiederholt auf ein heilsames Objekt zu richten, um ihn damit vertraut zu machen. Daher können wir die Meditation als einen Vorgang beschreiben, bei dem wir uns an ein heilsames Objekt oder eine heilsame Einstellung gewöhnen. In der tibetischen Sprache bedeutet das Wort für Meditation «Gewöhnung».

Im Moment hören wir Dharma-Unterweisungen zu und strengen uns an, sie in die Praxis umzusetzen, aber unsere Anwendung ist nicht sonderlich kraftvoll oder effektiv. Diese fehlende Wirksamkeit kommt daher, dass wir als menschliche Wesen einen unkontrollierten Geist haben. Um diesen Geist daher so benützen zu können, wie wir wollen, müssen wir ihn zuerst unter Kontrolle bringen. Gegenwärtig werden eher wir von unserem Geist beherrscht, anstatt dass wir ihn beherrschen. Jener Geist wiederum steht unter dem Einfluss von Verblendungen und als Resultat sind alle unsere Handlungen von diesen Verblendungen bestimmt. Deshalb liegt der eigentliche Grund unseres Problems darin, dass wir von einem verblendeten Geist beherrscht werden. Als Folge daraus sind wir nie in der Lage, unsere ersehnten Ziele zu erreichen. Der Zweck der Meditation ist, unseren Geist unter Kontrolle zu bringen.

Dazu werden zwei Arten von Meditation benutzt: analytische und konzentrative. Ich werde jetzt darüber sprechen, wie wir meditieren sollten und was für eine wirksame Meditation notwendig ist. Das mag denjenigen, die bereits früher begonnen haben zu meditieren, vertraut sein.

Zuerst ist es wichtig, durch Studium klar zu verstehen, was Meditation beinhaltet. Die buddhistischen Lehren und Anwendungen haben viele Aspekte, aber wenn wir beginnen zu meditieren, sollten wir uns auf einen beschränken. Springen wir von Anwendung zu Anwendung, werden wir niemals einen Fortschritt machen. Stattdessen sollten wir eine bestimmte Meditationsübung aussuchen und uns auf diese konzentrieren, indem wir unsere anderen Verpflichtungen kürzer gefasst ausführen und die meiste Zeit mit der Hauptübung verbringen. Wenn wir ständig unsere Anwendungen wechseln, sobald wir damit unzufrieden werden, wird dies zur Gewohnheit; wir werden unser Ziel niemals erreichen und in dem ganzen Vorgang ein beträchtliches Maß an Zeit verschwenden. Nachdem wir eine bestimmte Anwendung gewählt und mit der Meditation begonnen haben, werden Schwierigkeiten auftreten, aber dann müssen wir eine zusätzliche Anstrengung machen und dürfen nicht einfach unsere Anwendung aufgeben. Halten wir stand, werden wir uns daran gewöhnen und es wird leichter werden. Es ist auch möglich, dass wir bezüglich unseres Meditationsobjektes unsicher werden. Nachdem wir einige anfängliche Fortschritte gemacht haben, tauchen Hindernisse auf und alles beginnt sinnlos auszusehen. Auch hier müssen wir uns wieder verstärkt bemühen und weitermachen.

Ein weiterer entscheidender Punkt bei der Meditation besteht darin, uns selbst einen Stundenplan für die Anwendung zu machen, dem wir jeden Tag regelmäßig folgen können. Sind wir in der Lage, jeden Tag zur gleichen Zeit oder zu den gleichen Zeiten zu meditieren, werden wir uns daran gewöhnen, dass diese Periode unserer Meditationssitzung gehört, und das wird unsere Übung ebenfalls erleichtern. Weiterhin ist es ratsam, mit kurzen Sitzungen zu beginnen. Wir sollten jede Sitzung beenden, solange wir uns noch gut damit fühlen und nicht warten, bis wir uns langweilen oder müde werden. Gehen wir so vor, werden wir uns auf die nächste Meditationssitzung freuen und unser Wunsch zu meditieren wird erhalten bleiben. Zusätzlich wird, wenn wir von einer befriedigenden Sitzung zu einer weiteren übergehen, unsere Anwendung auf natürliche Weise wirksamer werden. Wenn wir dagegen zu lange meditieren, wird unser Geist müde, unklar und verwirrt. Fahren wir fort in diesem Zustand zu sitzen, werden wir unfähig sein, Stabilität oder Kontrolle zu entwickeln. Wenn wir meditieren, bis wir uns langweilen, werden wir zur Zeit der nächsten Sitzung wenig oder kein Interesse haben, zu meditieren. Schon unser Kissen zu sehen, wird Abneigung auslösen. Wir müssen sehr geschickt dabei sein, uns zur Meditation hinzuführen, indem wir uns bewusst sind, was getan werden sollte und was nicht. Das Ergebnis werden effektive und befriedigende Sitzungen sein. Sobald wir uns schrittweise an die Anwendung gewöhnt haben, können wir unsere Sitzungen problemlos verlängern.

Beim Entwickeln einer Meditationsanwendung ist es sehr wichtig, die richtigen Vorbereitungen zu treffen. Wenn wir zum Beispiel ein Haus bauen wollen, müssen wir zuerst die notwendigen Materialien zusammenbringen. Ohne diese anfängliche Vorbereitung ist jede eigentliche Bautätigkeit unmöglich. Doch wenn diese Vorbereitungen vollständig sind, kann der Bau reibungslos voranschreiten.

Bevor wir tatsächlich mit der Meditation beginnen, sollten wir unbedingt in der Lage sein, die verschiedenen Hindernisse und Störungen, die möglicherweise auftreten werden, zu erkennen, damit wir die nötigen Schritte unternehmen können, um sie zu vermeiden und zu beseitigen. Eine Quelle der Schwierigkeiten in der Meditation, in anderen Dharma-Anwendungen und sogar im täglichen Leben sind die sechs Sinnesbewusstseinsarten oder Sinnes-«Tore», nämlich das Seh-, Hör-, Riech-, Geschmacks- und Tastbewusstsein und das mentale Bewusstsein. Um die Hindernisse zu vermeiden, die in Abhängigkeit von diesen entstehen können, müssen wir «die sechs Tore der Sinne hüten». Das tun wir mittels der geistigen Faktoren Achtsamkeit1 und Wachsamkeit. Sie sind im Allgemeinen die zwei wichtigsten Faktoren, die in der Meditation benutzt werden. Wenn wir arbeiten, benützen wir unsere Hände; wenn wir meditieren, benützen wir Achtsamkeit und Wachsamkeit. Der geistige Faktor Wachsamkeit prüft oder untersucht unseren jeweiligen Geisteszustand in jedem Moment. Wäre sie nicht vorhanden, wäre die Wirksamkeit unserer Handlungen schwerwiegend eingeschränkt. Achtsamkeit oder Erinnerungsfähigkeit ist die Hauptakteurin, die beim Hüten der Sinnestore zum Einsatz kommt. Sie kann leicht identifiziert werden, zum Beispiel als der Aspekt unseres Geistes, der uns befähigt, uns an die Möbel in unserem Haus zu erinnern, während wir hier sitzen. Wir alle haben diesen geistigen Faktor als einen Teil unseres Geistes.

In unserer Anwendung ermöglicht uns die Achtsamkeit, das Objekt der Konzentration und seine verschiedenen Eigenschaften zu vergegenwärtigen. Ohne Achtsamkeit wäre Meditation unmöglich, weil wir das Objekt verlieren würden. Selbst unsere täglichen Beschäftigungen würden ohne Achtsamkeit beeinträchtigt, weil wir einfach vergessen würden, was wir tun. Deshalb ist Achtsamkeit in jeder erfolgreichen Meditationsanwendung unverzichtbar, um das Objekt der Meditation zu halten. Darüber hinaus werden nur kurze Momente der Achtsamkeit nicht ausreichen, wir müssen die Fähigkeit entwickeln, eine ständige Bewusstheit des Meditationsobjektes aufrechtzuerhalten. Wir sollten erkennen, welche Vorteile die Achtsamkeit hat, wie unabdingbar sie für eine erfolgreiche Meditation ist und auf welche Art und Weise sie funktioniert und zu unserer Anwendung beiträgt. Dadurch sollte in uns der Wunsch entstehen, diesen positiven geistigen Faktor aktiv zu fördern.

Die Achtsamkeit wird in der Anwendung dazu benützt, die sechs Sinnestore zu hüten, indem jeder der sechs Sinne vor seinem jeweiligen Sinnesobjekt beschützt wird. Zum Beispiel müssen wir die Augen davor bewahren, willkürlich zu jedem anziehenden visuellen Objekt zu wandern, das unser Interesse erregt. Nicht nur in den Meditationssitzungen geht man so vor, man muss es in allen täglichen Aktivitäten weiterführen.

Im Allgemeinen können wir von drei Arten von Sinnesobjekten sprechen: den attraktiven, den unattraktiven und den neutralen. Nehmen wir ein attraktives Sinnesobjekt wahr, löst dies in unserem Geist Vergnügen aus. In den meisten Fällen entsteht in Abhängigkeit dieser angenehmen Erfahrung Anhaftung.

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