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Kreuzfahrt ins Schattenreich

Alfred Bekker

Kreuzfahrt ins Schattenreich

Unheimlicher Roman / Cassiopeiapress





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Kreuzfahrt ins Schattenreich

von Alfred Bekker

Der Umfang dieses Buchs entspricht 105 Taschenbuchseiten.

Ein Schiff taucht aus dem Nichts auf - und bringt den Tod. Und die Kreuzfahrt einer jungen Frau führt in die unheimliche Sargasso-See des Bermuda-Dreiecks - und ins Jenseits, wo sie um ihre Liebe kämpfen muss.

1

"Dieser verfluchte Nebel!", schimpfte Pedro, während er an der Reling des kleinen Fischkutters stand und hinaus auf das Meer blickte. Der Motor knatterte durch die spiegelglatte See.

"Was ist mit dem Funkgerät?", rief Esteban, der zweite Mann an Bord.

"Immer noch defekt!"

"Das ist doch unmöglich!"

"Du kannst es ja selbst überprüfen..."

"Ich habe alles durchgecheckt, bevor wir ausgelaufen sind!" Pedro zuckte die Schultern. "Ich sage dir doch immer, dass es falsch ist, an der Ausrüstung zu sparen."

"Das habe ich auch nie getan!"

"Hey, sieh mal!"

Die beiden Männer starrten mit offenen Mündern in den dichten Nebel, der sie von allen Seiten umgab und in dem sich nun auf Steuerbord ein geradezu riesenhaft wirkender Schatten abhob. Lautlos war dieses dunkle Ungetüm aufgetaucht und je weiter es sich näherte, desto höher ragte es hinauf. Ein Schiff! das war Pedros erster Gedanke, und Esteban drehte instinktiv etwas bei.

Schließlich wollte er es nicht auf eine Kollision ankommen lassen. Einige Augenblicke lang warteten Sie ab, dann schälten sich die Umrisse des Schiffes deutlich heraus. Masten wurden sichtbar. Schlaff hingen die Segel herab und als das Schiff sich noch weiter näherte, wurde sichtbar, wie zerrissen die Segel waren. Kaum mehr als Fetzen. Eine Aura ungeheuren Alters schien auf diesem Segler zu lasten. An den äußeren Wanten hatten sich Muscheln festgesaugt, und Seetang hing an der Reling und in den Tauen, die wie angefressen und halbvermodert aussahen. Es erschien, als ob es direkt vom Grund des Meeres hinaufgezogen worden wäre...

"Kein Wind", stellte Pedro flüsternd fest. Und doch bewegte sich dieses seltsame Schiff. Seine Augen wurden schmaler und er dachte: Irgendetwas stimmt mit diesem Segler nicht!

Esteban veränderte den Kurs ein wenig, so dass der Abstand zu dem geheimnisvollen Segelschiff etwas größer wurde.

"Sieht fast so aus, als wäre niemand an Bord!", meinte Esteban dann.

"Aber dafür, dass es nur steuerlos dahindümpelt, hat es zuviel Fahrt drauf!", gab Pedro zu bedenken. Sein Blick glitt dabei über die großen Luken, aus denen die blanken Läufe der Kanonen herausragten. Dann las er die verwitterten Buchstaben an der Außenwand des Seglers. LA MUERTE NEGRA stand dort in großen Lettern: Der schwarze Tod!

"Kein besonders optimistischer Name für ein Schiff!", rief Pedro, der sich jetzt herumdrehte, die Reling verließ und zu Esteban auf die Brücke kam.

"Alles Geschmackssache!", erwiderte Esteban. Pedro fragte: "Siehst du die Piratenflagge dort oben?"

"Der Skipper des SCHWARZEN TODES muss ein Witzbold sein!"

"Mag sein. Aber ich weiß nicht, ob ich diese Art von Witzen mag..."

"Mal im Ernst, irgendetwas stimmt doch da nicht! Ein Segelschiff, das aussieht, wie halb zerfallen - niemand an Deck - kein Wind, aber dennoch Fahrt..."

"Sie werden einen Motor haben... Noch nichts von einem Flautenschieber gehört?" Das Lachen blieb Esteban buchstäblich im Halse stecken, als im nächsten Moment eine der Kanonen loskrachte. Eine Wolke aus Pulverdampf vermischte sich mit dem Nebel, während die schwere Bleikugel dicht neben dem Fischkutter ins Wasser ging. Eine Wasserfontäne spritzte hoch auf, und das klatschende Geräusch vermischte sich bereits mit dem donnergleichen, dumpfen Knall, mit dem die nächste Kanone loskrachte.

"Mein Gott!", rief Esteban. "Der ist verrückt geworden!" Er riss das Ruder herum und gab volle Kraft. Der Motor des Kutters ächzte, aber immerhin sorgte er für etwas Beschleunigung. Pedro blickte zurück! Angstschweiß stand ihm auf der Stirn. Was für einem unheimlichen Phantomschiff waren sie in diesem gespenstischen Nebel nur begegnet! Er schluckte und beobachtete dann mit vor Entsetzen weit aufgerissenen Augen, wie der SCHWARZE TOD wendete.

Wie von Geisterhand gesteuert!, durchzuckte es ihn.

"Schneller!", rief er. "Dieser Wahnsinnige kommt hinter uns her!"

"Aus der Maschine ist nicht mehr herauszuholen!"

"Los! Wir müssen alles versuchen!"

"Immerhin können sie nicht auf uns schießen, solange sie uns folgen, und der Bug in unsere Richtung zeigt..." Der SCHWARZE TOD holte auf. Esteban versuchte das letzte aus der Maschine herauszuholen, aber es handelte sich nunmal um einen Fischkutter und nicht um ein Rennboot. Pedro blickte schreckensbleich zurück und sah den unheimlichen Verfolger immer näherkommen. Und dann hörten sie beide die Stimmen. Sie drangen sogar durch das Knattern des Motors hindurch. Wilde, kampflustige Stimmen waren es, wie von hundert Männern! Und kein einziger davon war zu sehen.

Pedro schluckte.

Wir haben keine Chance diesem Geisterschiff zu entkommen!, ging es ihm bitter durch den Kopf. Keine...

Der SCHWARZE TOD hatte sich jetzt bereits auf eine halbe Schiffslänge neben den Kutter geschoben.

Ungläubig starrte Pedro zu dem Schiff mit der Piratenflagge hinüber. An Deck waren nun transparente Gestalten zu sehen, die immer mehr an Substanz zu gewinnen schienen. Sie trugen wild zusammengewürfelte Uniformteile und weite Hosen. In den Händen hielten sie altertümlich wirkende Pistolen, Musketen und Säbel...

Piraten!

Pedro schluckte, während sich auf dem SCHWARZEN TOD ein wildes Kriegsgeheul erhob.

"Mein Gott, was geht hier vor sich!", rief Esteban indessen bleich vor Schreck aus.

"Wenn ich das nur wüsste..."

"Wenn sie jetzt schießen, sind wir erledigt!"

"Sie haben wohl etwas anderes vor..." Der gespenstische Segler holte weiter auf und hatte sich nun in voller Länge seitlich an den Kutter herangeschoben. Esteban riss erneut das Ruder herum, aber der SCHWARZE TOD blieb an ihrer Seite und näherte sich noch. Nur noch wenige Meter trennte sie vom hohen Bauch des unheimlichen Schiffs, das so plötzlich aus dem Nichts aufgetaucht war. Ein Wrack, das eigentlich gar nicht hätte fahren dürfen...

Pedro sah faustgroße Löcher in der Außenhaut des SCHWARZEN TODES. Nein, das geht nicht mit rechten Dingen zu!, dachte er zitternd, während sich die ersten, jener grimmigen Gestalten mit langen Seilen auf den Kutter herabließen und mit katzenhafter Eleganz auf die Planken sprangen. Jetzt waren sie nicht mehr transparent, sondern so real und lebensecht, wie man es sich nur vorstellen konnte. Da war nur dieses eigenartige, grünliche Leuchten, das sie wie eine Aura umgab und ihnen ein geisterhaftes Aussehen gab... Nur Augenblicke vergingen und ein gutes Dutzend dieser gespenstischen Gestalten befanden sich an Deck des Kutters.

"Sie sind überall!", rief Pedro, während Esteban einen Revolver aus einem Schubfach herausriss, der sich neben dem Ruder befand. Er feuerte in wilder Panik auf die geisterhaften Piraten, doch keiner der Schüsse hatte auch nur die die geringste Wirkung. Die Kugeln gingen einfach durch durch die Angreifer hindurch. Ein höhnisches Gelächter war die Antwort. Mit schnellen, katzenhaften Bewegungen kamen die Piraten auf die beiden Fischer zu. Und in den hasserfüllten Gesichtern dieser wilden Gestalten war nichts als der Tod zu lesen...



2

FISCHKUTTER IM BERMUDA-DREIECK VERSCHWUNDEN!, so lautete die Schlagzeile jener englischsprachigen Zeitung, die ich am Tag zuvor bei unserem Aufenthalt in Port of Spain gekauft hatte. Ich war noch nicht dazu gekommen, die zwei Tage alte Ausgabe zu lesen. Jetzt lag sie auf dem Tisch, den Tante Marge und ich im mondänen Speisesaal der CARIBEAN QUEEN bekommen hatten.

"Na, bereust du es schon, mit mir auf diese Kreuzfahrt gegangen zu sein, Alicia?", fragte sie mich lächelnd, nachdem der Ober uns eingeschenkt hatte.

Ich schüttelte den Kopf.

"Nein. Es ist wundervoll!"

"Nicht einmal über das Wetter kann man meckern - oder, Ally?"

"Du hast recht."

"Und gib' es zu: Nicht nur mir tut die Sonne der Karibik und der frische Seewind gut... Schließlich warst du in letzter Zeit in deinem Job ganz schlimm angespannt!"

"Sicher!", lächelte ich.

Da hatte sie natürlich recht.

Ich war Reporterin beim London City Herold, einer großen englischen Boulevardzeitung, deren Chefredakteur Mike T. Stanley auf dem Standpunkt beharrte, dass ein Journalist rund um die Uhr nur für sein Blatt und die nächste Story da war. Wenn man seinen Job gerne macht, ist das kein Problem. Und bei mir war das der Fall.

Ich liebte diesen aufregenden Beruf sehr, auch wenn oft eine Menge Stress und Hektik damit verbunden war. Aber wenn ich dann eine gut recherchierte Story von mir auf den bunten Seiten des Herolds sah, dann entschädigte das für alles. Mein Spezialgebiet waren dabei Berichte über ungewöhnliche Phänomene, Übersinnliches und dergleichen. Das war eine Gemeinsamkeit zwischen Tante Marge und mir, denn auch sie hatte ein starkes Interesse an diesen Themen. In ihrer Londoner Villa befand sich eines der größten Privatarchive auf dem Gebiet des Okkultismus. Jeder Winkel dieses im viktorianischen Stil gehaltenen Hauses schien mit seltenen Schriften, staubigen Folianten und ihrer Sammlung von Presseartikeln angefüllt zu sein.

Eine Ausnahme war nur die obere Etage.

In der wohnte nämlich ich.

Meine Großtante Margery Broderick - Tante Marge, wie ich sie nannte - hatte mich nach dem frühen Tod meiner Eltern wie eine eigene Tochter aufgezogen. Inzwischen hatte sich unser Verhältnis natürlich etwas gewandelt. Jene Frau, die mir die Mutter ersetzt hatte, war mehr und mehr zu einer erfahrenen Freundin und Beraterin geworden. Und nicht selten half sie mir sogar im Beruf weiter, wenn ich für eine Story zusätzliche Informationen aus den Bereichen Okkultismus oder Parapsychologie brauchte.

In letzter Zeit war Tante Marge etwas übel mitgespielt worden. Sie hatte eine geheimnisvolle Kristallkugel aus einem Nachlass untersucht. Diese Kristallkugel war ein Fenster in eine bizarre Alptraumwelt gewesen, in der ein grauenerregendes Schattenwesen existierte, das Tante Marge mit seinen übernatürlichen Kräften zu sich geholt hatte... Von den Folgen dieses Aufenthalts in jener Schattenwelt hatte Tante Marge sich noch immer nicht ganz erholt. Immer noch fühlte sie sich entkräftet und matt. Nachdem es mir gelungen war, sie zurück in unsere Welt zu holen, hatte sie zeitweilig sogar stationär behandelt werden müssen. Doch nun, seit sie die frische Meeresbrise der Karibik in der Nase fühlte, kehrten ihre Kräfte mehr und mehr zurück, und sie wurde wieder alte Tante Marge, wie ich sie kannte. Energiegeladen und voller Tatendrang.

"Ich habe dich zu dieser Kreuzfahrt ja erst sehr überreden müssen, Ally!", meinte sie dann.

"Aber jetzt bin ich froh, dass wir hier sind!", erklärte ich.

"Wirklich?"

"Ja."

Sie deutete auf die Zeitung. "Ich hoffe, dass diese Schlagzeile kein schlechtes Omen für unsere Fahrt ist!" Ich lächelte.

"Meinst du, das könnte auch uns passieren?" Sie zuckte die Achseln. "Tatsache ist, dass es immer wieder zu seltsamen Begebenheiten in jenem Seegebiet kommt, dass gemeinhin als das Bermuda-Dreieck bekannt ist!"

"Du hast den Artikel schon gelesen?", fragte ich.

"Sicher. Und ich möchte dich bitten, die Zeitung nicht wegzuschmeißen."

Ich hob die Augenbrauen und nippte dann an meinem Glas.

"Du willst ihn für das Archiv!"

"Erraten", nickte sie.

"Ich dachte, du wolltest hier Urlaub machen."

"Oh, spricht das etwa dagegen, Ally?" Wir lachten beide und sie zwinkerte mir wohlwollend zu. Ihr Interesse am Übersinnlichen grenzte bereits an Besessenheit. Sie war dabei allerdings durchaus nicht leichtgläubig, sondern hatte sich immer eine gesunde Skepsis gegenüber allem bewahrt, was auf diesem Gebiet so durch die Medien geisterte. Und ihr war sehr wohl bewusst, dass sich auf diesem Terrain überwiegend Scharlatane und Geschäftemacher tummelten. Und doch...

Ein gewisser Rest an ungewöhnlichen Phänomenen war dadurch nicht zu erklären. Sowohl Tante Marge als auch ich selbst waren wiederholt Zeuge übernatürlicher Ereignisse geworden und hatten daher nicht den geringsten Zweifel daran, dass es Dinge gab, die mit den Möglichkeiten der modernen Wissenschaft nicht erklärbar waren.

Noch nicht.

Aber eine Voraussetzung, um sich überhaupt ernsthaft mit diese Dingen auseinandersetzen zu können, war das Sammeln entsprechender Fälle.

Und genau dieser Aufgabe hatte Margery Broderick sich mit Leib und Seele verschrieben.

Inzwischen wurde unser Essen serviert. Es war etwas Leichtes. Schließlich war es einfach zu warm, um sich den Magen zu sehr vollzufüllen.

"Ich glaube übrigens nicht, dass an der Geschichte von dem Fischkutter viel dran ist" meinte Tante Marge dann, nachdem sie den ersten Bissen genommen hatte.

"Wie kommst du darauf?", erwiderte ich überrascht. Sie zuckte die Achseln.

"Ein Fischkutter verschwindet spurlos auf hoher See. Ally, ich bitte dich, dafür gibt es Dutzende von sehr naheliegenden Erklärungen, die nichts mit dem Bermuda-Dreieck oder einem Dimensionsloch oder was immer auch sonst darüber geschrieben wird, zu tun haben."

"Sondern?"

"Es gab eine Nebelfront in dem Gebiet, in dem der Kutter verschwand."

Ich war ziemlich überrascht.

"Stand das in dem Artikel?"

"Natürlich nicht. Ich habe mich beim Wetterdienst erkundigt! Außerdem sind dort tückische Riffs und ich schätze, dass der Kutter vom Kurs abgekommen und dort aufgelaufen ist!"

"Tante Marge, es gibt heutzutage Radar und Echolot!"

"Auch auf einem kleinen Kutter aus der Dominikanischen Republik?"

Ich atmete tief durch und schüttelte dann leicht den Kopf.

"Wenn dich ein verschwundener Fischkutter schon wieder derart beschäftigt, scheint es dir ja wirklich wieder richtig gut zu gehen!", stellte ich dann fest.

"Da könntest du recht haben", nickte sie. "Aber auch wenn mir ein übernatürliches Phänomen in diesem Fall sehr unwahrscheinlich erscheint: Sicher ist sicher, deswegen will ich den Artikel aufbewahren..."

"Ich verstehe..."

Sie seufzte.

"Ach, wenn diese herrlichen Tage doch nie vorübergehen würden!", seufzte sie dann.

Aber irgendwie glaubte ich nicht daran, dass sie diesen Wunsch wirklich ernst meinte.



3

Den größten Teil des Tages hatten wir mit Nichtstun, gutem Essen und der Benutzung des Bord Pools verbracht, dessen Wasser genau die richtige Temperatur hatte. Und in den Liegestühlen an Deck war ich auch endlich einmal wieder dazu gekommen, ein dickeres Buch zu lesen, das nichts mit meinem Beruf und irgendwelchen Recherchen zu tun hatte. Am Abend sollte das sogenannte Captain's Diner stattfinden, zu dem Abendgarderobe angeraten wurde. Ich hatte mich für ein hellblaues, knielanges Kleid von schlichter Eleganz entschieden, dazu eine dezente Perlenkette mit passenden Ohrringen. In meinem Job muss man einigermaßen praktisch angezogen sein. Da war es fast ein wenig ungewohnt, mich so herauszuputzen.

Aber auch das musste mal wieder sein, fand ich. Ich betrachtete kritisch meine Frisur im Spiegel. Ich hatte versucht, meine brünetten, schulterlangen Haare auf eine Weise hochzustecken, die ich zuvor noch nicht ausprobiert hatte und war mit dem Ergebnis noch nicht ganz zufrieden. Tante Marge wird der Sache den letzten Schliff geben müssen!, dachte ich. Schließlich war sie in einer Zeit großgeworden, in der die Kunst des Frisierens noch etwas weiter verbreitet gewesen war.

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