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Kita-Praktika professionell begleiten

Bernadette Kessler

Kita-Praktika professionell begleiten

Informationen und Materialien rund um die Praktikumsbetreuung in Kindertageseinrichtungen

Ökotopia Verlag, Aachen

Inhalt

Vorwort

Rahmenbedingungen und Inhalte von Kita-Praktika

1.1 Zugangsvoraussetzungen zur Erzieherinnenausbildung

1.1.1 Lehrplanvorgaben

1.1.2 Praktika innerhalb der Ausbildung

1.2 Praktika als wichtige Bausteine der Ausbildung

1.2.1 Bedeutung von Praktika in der ErzieherInnenausbildung

1.2.2 Orientierungs-, Erprobungs- und Verselbstständigungspraktikum

1.2.3 Berufspraktikum bzw. Anerkennungsjahr

1.3 Grundsatzfragen für eine professionelle Begleitung von Kita-Praktika

1.3.1 Erwartungen an eine qualifizierte Einrichtung und Anleitung

1.3.2 Erwartungen an Praktikantinnen und Praktikanten

1.3.3 Erwartungen an die Lernortkooperation: Schule – Praxis

1.4 Ausbildungsplan für das Anerkennungsjahr: Lerninhalte des Praktikums

1.4.1 Erwerb von sozialpädagogischer Handlungskompetenz im Kita-Praktikum

1.4.2 Leistungsbereiche und dazugehörige Kompetenzen

1.4.3 Den Ausbildungsplan erstellen

Professionelle Praktikumsanleitung

2.1 Rollen und Aufgaben der Anleitung

2.2 Professionelle Betreuung während eines Praktikums

2.2.1 Der erste Tag in der Einrichtung

2.2.2 Orientierungsphase

2.2.3 Erprobungsphase

2.2.4 Verselbstständigungsphase

2.2.5 Abschied

2.3 Besondere Aufgaben der Anleitung

2.3.1 Praktikumsbesuch

2.3.2 Pädagogisches Tagebuch

2.4 Bewertung der Praktikumsleistung

2.4.1 Beurteilungsgespräch

2.4.2 Weitere Gesprächsformen zwischen Anleitung und PraktikantIn

2.4.3 Konfliktgespräche und Konfliktlösungsmodelle

2.5 Vermittlungs- und Reflexionstechniken

Der Projektbericht: Phasen der Praktikumsdokumentation

3.1 Projektinitiative

3.1.1 Einrichtungsbeschreibung

3.1.2 Anlass der Planung

3.1.3 Analyseverfahren

3.1.4 Themenfindung und Kompetenzformulierung

3.1.5 Auswahl der Kinder

3.1.6 Situationsanalyse

3.1.7 Projektantrag

3.2 Planungsphase

3.2.1 Didaktische Analyse

3.2.2 Sachanalyse

3.2.3 Kooperationspartner

3.2.4 Organisation mit Werkzeugen des Projektmanagements

3.2.5 Analyse und Planung der methodischen Vorgehensweise

3.3 Realisierungsphase

3.4 Reflexionsphase

3.4.1 Gesamtreflexion

3.4.2 Präsentation des Projektes

3.4.3 Erarbeitung eines Anhangs

Arbeitsbögen und Vorlagen

Ausbildungsplan: Praktikumsinhalte

Projektantrag

Personelle Stakeholder

Sachliche Stakeholder

Projektstrukturplan

Projektstrukturplan – Zuordnung

Projektzeitplan

Bewertung der berufspraktischen Ausbildung

Methodisch-didaktische Verlaufsplanung einer Aktivität

Rückmeldung zu geplanter und durchgeführter Aktivität

Gesprächsprotokoll

Praktikumsvereinbarung

Feedbackbogen: PraktikantIn – Anleitung

Vereinbarung bei Praktikumsbeginn

Reflexionsbogen „Praktikum“

Literaturverzeichnis

Sachwortverzeichnis

Vorwort

Liebe Leserinnen und Leser,

angehende Erzieherinnen und Erzieher absolvieren im Laufe ihrer Ausbildung verschiedene Praktika, die sich je nach Bundesland in Anzahl, Dauer und Inhalt unterscheiden können. Dieses Buch versucht, wichtige grundsätzliche Informationen zusammenzutragen, die für jede Art von Kita-Praktika bedeutsam sind. Es klärt die Rahmenbedingungen und Inhalte der Praktika, geht auf die bedeutsame Rolle und die Aufgaben der Anleitung in den verschiedenen Praktika ein und unterstützt so Ihre alltägliche Arbeit im Anleitungsprozess.

Zudem gibt dieses Buch Ihnen eine Hilfestellung bei Reflexions- und Anleitungsgesprächen und bei der Bewertung der Praktikumsleistung. Darüber hinaus finden Sie Hilfestellung bei der Erstellung eines individuellen Ausbildungsplanes und die Verzahnung zwischen Praxis und Schule wird aufgezeigt. Sie erhalten einen Überblick über die Inhalte verschiedener Praktika sowie über die Lerninhalte und Lernziele des Praktikums. Auch erhalten Sie eine Übersicht über die Inhalte der Praktikumsdokumentation. Somit ist das Buch nicht nur für Sie als Anleiterinnen und Anleiter geeignet, sondern stellt auch eine Orientierungshilfe für Praktikantinnen und Praktikanten dar, die Praktika durchlaufen und ihre Praktikums- oder Projektberichte erarbeiten. Das letzte Kapitel stellt Ihnen Zusatzmaterialien als Kopiervorlagen zur Verfügung, die im Rahmen des Praktikums dienlich sein können.

1.1 Zugangsvoraussetzungen zur ErzieherInnenausbildung

Die Zugangsvoraussetzungen zur ErzieherInnenausbildung in den Bundesländern sind sehr unterschiedlich geregelt. Ein mittlerer Bildungsabschluss und eine abgeschlossene berufliche Vorbildung in einem sozialpädagogischen oder sozialen Beruf sind für den Beruf der Erzieherin bzw. des Erziehers allerdings immer erforderlich. Je nach Bundesland gibt es unterschiedliche Möglichkeiten des Tätigkeitsnachweises. So variiert dies von einem Vorpraktikum in einer sozialpädagogischen Einrichtung bis zu einer abgeschlossenen Berufsausbildung, z. B. als SozialassistentIn. Zudem gibt es verschiedene Zusatzleistungen, die auf die beruflichen Voraussetzungen angerechnet werden können, z. B. ein freiwilliges soziales Jahr oder Studienleistungen an Fachhochschulen.

Ausbildung

Die Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher erfolgt unter anderem als Vollzeitausbildung an Fachschulen für Sozialpädagogik, Fachakademien, Berufsfachschulen, Berufsakademien oder Berufskollegs. Darüber hinaus gibt es die berufsbegleitende Teilzeitausbildung und Fernkurse, in denen sich die Ausbildung absolvieren lässt. Mittlerweile gibt es auch die Möglichkeit, die ErzieherInnenausbildung in Form eines Fachhochschulstudiums zu absolvieren.

Ausbildungszeit

Entsprechend dem Beschluss der Kultusministerkonferenz hat die gesamte ErzieherInnenausbildung – einschließlich der erforderlichen Vorbildung – fünf Jahre, mindestens jedoch vier Jahre, zu umfassen. Die Ausbildung an einer Fachschule muss demnach drei Jahre, mindestens jedoch zwei Jahre dauern (vgl. KMK: Rahmenvereinbarung über Fachschulen, 2016, S. 24). In den meisten Bundesländern gelten drei Ausbildungsjahre, aufgeteilt in zwei Jahre schulischer Ausbildung und ein einjähriges Anerkennungsjahr. Es gibt auch die Möglichkeit, das Anerkennungsjahr halbtags über zwei Jahre abzuleisten. Es muss auch nicht unbedingt im Anschluss an die schulische Ausbildung absolviert werden.

1.1.1 Lehrplanvorgaben

Ausbildungsinhalte

Die Ausgestaltung der Ausbildungsinhalte liegt generell in der Bildungshoheit der Länder. Daher ist die ErzieherInnenausbildung nicht bundeseinheitlich geregelt. Gemeinsam haben 14 von 16 Bundesländern jedoch im Jahr 2012 einen länderübergreifenden Lehrplan entworfen, der als Grundlage dienen soll, um die vorhandenen Lehrpläne daran anzupassen.

  TIPP: Eine Auflistung der aktuellen Lehrpläne und Richtlinien der einzelnen Bundesländer sowie der Entwurf des länderübergreifenden Lehrplans für die ErzieherInnenausbildung vom 1. Juli 2012 findet sich beispielsweise unter www.bildungsserver.de/Ausbildung-zur-Erzieherin-zum-Erzieher-2459.html (Abruf: 31.01.2017).

Im Entwurf des länderübergreifenden Lehrplans werden wichtige Lernfelder definiert und mit Inhalt gefüllt. Hinweise auf die konkrete Einbindung und den Aufbau von Praktika gibt der Entwurf jedoch nicht.

Auszug aus Lehrplanteil

Stundentafel

Lernbereiche

Unterrichtsstunden

Fachrichtungsübergreifender Lernbereich

mind. 3601

Fachrichtungsbezogener Lernbereich

mind. 18001

Berufliche Identität und professionelle Perspektiven entwickeln

160–200

Pädagogische Beziehungen gestalten und mit Gruppen pädagogisch arbeiten

240–280

Lebenswelten und Diversitäten wahrnehmen, verstehen und Inklusion fördern

240–280

Sozialpädagogische Bildungsarbeit in den Bildungsbereichen professionell gestalten

600–680

Erziehungs- und Bildungspartnerschaften mit Eltern und Bezugspersonen gestalten sowie Übergänge unterstützen

160–200

Institution und Team entwickeln sowie in Netzwerken kooperieren

160–200

Wahlpflichtbereich2

240–360

Summe: Fachrichtungsbezogener Lernbereich

1800–2200

Lernbereiche insgesamt

mind. 24001

Praxis in Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit

mind. 12001

Lernfelder

Die Entwicklung neuer Bildungspläne für die ErzieherInnenausbildung richtet sich nach der Rahmenvereinbarung über Fachschulen (Beschluss der Kultusministerkonferenz vom 07.11.2002 i. d. F. vom 02.03.2012). Zwar unterscheiden sich auch die aktuellen Bildungspläne in den verschiedenen Bundesländern noch immer stark, jedoch greifen sie alle die Handlungsorientierung nach Lernfeldern auf. Je nach Bundesland wird das jeweilige Lernfeld in den Lehrplänen auch als Modul, Themenfeld oder Lernbereich bezeichnet. Außerdem unterscheiden sich diese Gliederungseinheiten in ihrer inhaltlichen Ausgestaltung.

Auch wenn nicht alle Bundesländer in ihrem Lehrplan ausdrücklich Lernfelder formulieren, so fordern dennoch alle, dass sich der Unterricht an beruflichen Aufgabenstellungen und Themen orientiert und Handlungskompetenz vermittelt werden soll.

1.1.2 Praktika innerhalb der Ausbildung

Unterschiedliche Bezeichnungen

Verschiedene Praktika sind in den verschiedenen Phasen der Ausbildung zur Erzieherin bzw. zum Erzieher oder in verwandten Ausbildungsberufen zentral. Durch die unterschiedlichen Zugangsvoraussetzungen und die voneinander abweichende Ausbildungsstruktur in den einzelnen Bundesländern unterscheiden sich allerdings die Bezeichnungen und inhaltlichen Vorgaben von Kita-Praktika stark. Sie sind zudem – je nach Ausbildungsstruktur innerhalb des Bundeslandes – von unterschiedlicher zeitlicher Dauer und Wertigkeit innerhalb der Ausbildung. Wenn innerhalb der ErzieherInnenausbildung also von Hospitationspraktikum, Vorpraktikum, Pflichtpraktikum, Übungspraktikum, Blockpraktikum, sonderpädagogischem Praktikum oder dem Anerkennungspraktikum die Rede ist, sind damit häufig unterschiedliche Inhalte und auch verschiedene Zeiträume gemeint, die sich von Bundesland zu Bundesland unterscheiden können. Diese Bezeichnungen werden auch in den Leitfäden der verschiedenen Länder für die berufspraktische Ausbildung an Fachschulen unterschiedlich verwendet.

Berufspraktikum und Anerkennungsjahr

Jedes Praktikum hat seinen Stellenwert in der ErzieherInnenausbildung und stellt unterschiedliche Anforderungen an die Anleitung und an die Praktikantinnen und Praktikanten. Sie bauen aufeinander auf und steigern den professionellen Anspruch für alle Beteiligten.

Allgemein lässt sich sagen, dass in die Ausbildung zur staatlich anerkannten Erzieherin bzw. zum staatlich anerkannten Erzieher immer ein Berufspraktikum integriert ist. In der Regel schließt sich dieses Berufspraktikum als Anerkennungsjahr an die schulische Ausbildung an. Am Ende dieses Anerkennungsjahres muss eine Prüfung (bestehend aus Projektbericht/Praktikumsbericht, Kolloquium und/oder mündliche Prüfung) abgelegt werden, die in der Regel einen praktischen Bezug zur einjährigen Tätigkeit in einer sozialpädagogischen Einrichtung aufweist (z. B. die Organisation, Planung und Durchführung eines Projekts, siehe Kapitel 3) und die ErzieherInnenpersönlichkeit in ihrem Handeln überprüft.

Auch werden die Regelungen, in welchem Zeitraum das Berufspraktikum bzw. Anerkennungsjahr (die Begriffe werden meist synonym verwendet, siehe Kapitel 1.2.3) begonnen werden muss, individuell in den Bundesländern gehandhabt. Es besteht beispielsweise die Möglichkeit, das Berufspraktikum bzw. Anerkennungsjahr halbtags über zwei Jahre abzuleisten. Einige Schulen unterteilen das Berufspraktikum bzw. Anerkennungsjahr auch in Praktikumsblöcke und verteilen sie über die dreijährige Ausbildungszeit. Es muss somit nicht unbedingt im Anschluss an die schulische Ausbildung absolviert werden.