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Kein Pardon im Hinterhaus

Kathrin Könneritz

Kein Pardon im Hinterhaus

Exzessives aus der DDR





BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

Prolog

Kein Pardon im Hinterhaus ist ein autobiografisches Sittengemälde gelebten Alltags in der sehr freizügigen DDR der 80iger Jahre. Es zeichnet die Unbekümmertheit und den Lebenshunger, mit denen die jungen Leute aus allem das Beste machten, frei von jeglichen Konventionen, nur ihrer Lust und ihren Neigungen folgend.
Die DDR ist hier nicht grau, trist und voller Angst und Verfolgung. So war sie auch nicht, die untergegangene Republik. Für uns Junge war sie kunterbunt und trotz aller Widrigkeiten angefüllt mit Lebens-Lust.
Auch in der DDR gab es eine Elite der Besserverdienenden, Cleveren. Und es gab neben sexueller Freizügigkeit und vielfach verbreiteter Promiskuität, auch Homo- und Bisexualität und Sadomasochismus.
Das Buch erzählt von den sexuellen Ausschweifungen im Real existierenden Sozialismus genau so wie von den kleinen Tricks und Gaunereien der Menschen im Osten, mit denen sie sich das Leben angenehmer gestalteten - authentisch, erotisch und mit einer Prise Humor gewürzt.

Mit Faustrecht in der Vorstadt


Meine Kindheit verbrachte ich in einem Mietshaus am Stadtrand von Dresden. Die Wohnung befand sich genau über dem Konsum-Laden. Unterhalb des Küchenfensters schauten wir auf riesige Stapel von Kisten mit leeren Bier- und Milchflaschen, eingezäunt durch ein hohes Eisengitter, was abgeschlossen wurde, damit Niemand das Leergut klaut. Im Sommer stank es nach den alten Bierneigen und es besuchten uns eine Menge Ameisen aus dem Konsum.
Meine Mutter war Hausfrau und zog uns zu Hause groß. In der DDR war das selten. Wir hatten immer genug zu Essen und daheim war es sauber, aber Nähe gab es kaum. Meine Eltern kamen aus Proletarierelternhäusern, wo es roh zuging und deren Eltern wieder aus armen Elternhäusern mit ganz vielen Kindern, meine Oma zum Beispiel, die waren 13 Geschwister zu Hause. Da ging es nur ums parieren, und so waren sie dann auch zu ihren Kindern und die so zu uns. Sie kannten es einfach nicht anders.
Mein Vater war bei der Armee angestellt und wenig zu Hause und meine Mutter unzufrieden. Er wollte nicht, dass sie arbeiten geht, vielleicht hatte er Angst, sie zu verlieren.
Sie stritten oft furchtbar. Mein Bruder und ich knobelten uns schon aus, wer bei wem bleiben würde, da sie ja ständig von Scheidung sprachen. Aber dann vertrugen sie sich wieder und sagten gar noch, sie würden nur wegen uns zusammen bleiben! Dabei wären wir froh gewesen, wenn das endlich ein Ende gehabt hätte. Dieser ständige Streit, das war schlimmer für uns als die Tatsache, dass Beiden öfters mal gewaltig die Hand ausrutschte. Wenn mein Vater auf meinen Hintern klatschte, dann verewigte sich seine Hand als knallroter Abdruck eine ganze Weile darauf. Meine Mutter hingegen hatte die Angewohnheit, mit der Ledersohle ihres Hausschuhs auf meinen Hintern zu klopfen, das war auch nicht besser.
Aber liebsten zog ich den ganzen Tag mit andern Kindern draußen herum, wir aßen Sauerampfer und tranken Wasser, das die Leitungen draußen am Haus hergaben und manchmal teilten wir uns ein paar billige Waffeln oder Bonbons. Oder ich raste auf meinen Rollschuhen herum und holte mir blutige Knie. Ich spielte oft mit den Jungen Fußball und war ein prima Torhüter vor der Teppichklopfstange.
Ich trug die Anziehsachen, die meinem um fünf Jahre älteren Bruder zu klein geworden waren oder die gebraucht aus dem Westen kamen, natürlich auf Umwegen, denn offiziell durfte mein Vater keine Westkontakte haben. Meine Haare waren mit ziependen Gummis, an denen Plastikkugeln oder Würfel hingen, zu einem Rattenschwanz geschnürt, der Pony viel zur kurz und immer schief, denn mein Vater schnitt ihn regelmäßig mit der Haushaltsschere.
Hatte ich Konflikte mit anderen Kindern, dann hieß es immer: „Dann wehre dich doch, hau Denen paar runter!“ Ich merkte schnell, dass das prima funktionierte, ich war als Mädchen nicht gerade schwächlich. Es gilt das Recht des Stärkeren, das lernte ich frühzeitig. Ich behauptete mich mühelos zwischen den Jungen und ließ mir nicht die Butter vom Brot nehmen. Die Hemmschwelle lag sehr niedrig, wenn die Emotionen in mir hoch kochten.
So in einem Winterurlaub mit meinen Großeltern im Thüringer Wald. Sie freundeten sich mit einem Rentnerehepaar an, die mit ihrer Enkelin den Nachbarbungalow belegt hatten. Das Mädchen war etwa gleichaltrig, ca. 9 Jahre und eine dämliche Zimtziege. Ich hasste sie von Anfang an.
Es wurde ein gemeinsamer Ausflug ins Museum verabredet. Ich weiß nicht mehr, was mich ritt, aber ich holte unbemerkt aus dem Nähzeug meiner Großmutter die größte Stopfnadel heraus, die ich darin finden konnte und steckte sie in meine Hosentasche. Im Museum ging der kleinen Madame wieder etwas gegen den Strich und sie zickte herum. Ich holte die Stopfnadel heraus und rammte ihr die Nadel durch ihre wollene Strumpfhose unter ihr scheiß Röckchen in ihren Kugelarsch. Sie schrie gellend und ihre Großeltern waren außer sich. Meine Oma glättete die Wogen irgendwie. Sie hat nicht mal mit mir geschimpft. Ich glaube, sie dachte sich, der Apfel fällt nicht weit vom Stamm.

Meine nicht respektablen Vorfahren


Meiner Oma Magda habe ich viel an Lebensweisheit zu verdanken. Sie war absolut cool und wenn sie die verrückten und frivolen Erlebnisse aus ihrer Jugendzeit erzählte, hörte ich ihr wie gebannt zu und sah das alles an mir vorüberziehen. Sie hatte in ihrer Jugend ein Techtelmechtel mit einem reichen Stuhlfabrikanten. Er fuhr mit ihr in der Kutsche nach Dresden in die feinen Cafés auf der Prager Straße. Schon auf der Fahrt dahin trieben sie es im Kutschwagen. Und meine Oma ließ sich schon in den Zwanziger Jahren nackt fotografieren, mit Stock und Zylinder. Stolz bewahrte sie einen Zeitungsausschnitt aus den Dreißiger Jahren auf, der die die Überschrift trug: Eine schlagkräftige Dame. Magda hatte auf dem Tanzsaal einem Kerl, der ihr pampig gekommen war, den Bierkrug über den Schädel gezogen. So war meine Oma, und Alle behaupten, ich komme nach ihr, das muss wohl stimmen.
Meine Vorfahren waren alle nicht die Bravsten und wahrscheinlich haben die ererbten Gene ein Übriges bei mir bewirkt. Mein Opa Karl, Magdas Mann, war im Zweiten Weltkrieg in französischer Kriegsgefangenschaft zum Arbeiten auf einen Bauernhof geschickt worden. Ihm ging es nicht schlecht dort. Als meine Großeltern in den 50iger Jahren in eine größere Wohnung umzogen, fand meine Oma unter dem Linoleumfußbodenbelag ein Foto von ihm mit einer Französin, die ein Baby auf dem Arm hielt, es war seins. Erst da kam das heraus.
Dann lernte Karl bei der Fabrikarbeit eine junge Kriegswitwe kennen und wollte sich von Oma Magda scheiden lassen. Die meinte aber, dass sie es nicht einsehe, auf ihre schöne Witwenrente später einmal zu verzichten und holte die Neue mit ins Haus, wo sie fortan in einer Dreierbeziehung zusammen lebten. Das war extrem ungewöhnlich für die damalige Zeit. Deshalb war sie nach außen hin die Untermieterin mit einem eigenen Zimmer und für mich war sie Tante Rita. Als Kind dachte ich mir nichts dabei.
Mein anderer Großvater, Otto, war ein Lebenskünstler. Er spielte auf den Sälen Klavier, hatte neben seiner Ehe mit meiner Oma noch vier uneheliche Kinder gezeugt und arbeitete, wenn überhaupt, als Nachtwächter oder ging „schurwerken“. Mit der Musterrolle wurden auf dem Dorf noch Muster an die weißen, gekalkten Wände der Fachwerkhäuser gerollt. Er erzählte uns wilde Räubergeschichten und zog mit uns Kindern durch den Wald. Wenn er in die Stadt hinunterging, nahm er uns mit in ein sehr fragwürdiges Lokal, wo lauter ältere Weiber hockten und rauchten und tranken, mit denen er ganz offen anbändelte. In der Freundschaft schmeckten die Makkaroni mit Käse, aber die Moral war im Arsch, die Gardinen gelb und im Hinterhof befanden sich Plumpsklos, vor denen es mich ekelte. Deshalb pullerte ich in meiner Not vor die Tür. In diesem Moment kam eine von diesen alten Schlampen heraus und zeterte wie verrückt, als sie das sah. Mein Opa ist mit mir dann gegangen.
Ottos Frau, meine Oma Gudrun, hatte in den Zwanziger Jahren jung ein uneheliches Kind bekommen, dass sie zu fremden Leuten geben musste, die es aufzogen und sie musste dafür zahlen von ihrem kargen Lohn als Landarbeiterin. Das hatte sie keine große Wahl mehr und musste so einen wie Otto nehmen, den Hallodri. Später kam eine seiner unehelichen Töchter und borgte sich sogar noch die Schuhe von meiner Oma für ihre Hochzeit, zurück gebracht hat sie sie nicht.

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