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Käufliche Liebe Band 2

Sissi Kaipurgay

Käufliche Liebe Band 2


Mit Dank an France Carol, die einen Teil beigesteuert hat


BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Käufliche Liebe 2

Sämtliche Personen, Orte und Begebenheiten sind frei erfunden, Ähnlichkeiten rein zufällig.

 

Der Inhalt dieses Buches sagt nichts über die sexuelle Orientierung des Covermodels aus.

 

Alle Rechte vorbehalten. Nachdruck oder eine andere Verwertung, auch auszugsweise, nur mit schriftlicher Genehmigung der Autorin.

 

 

Ebooks sind nicht übertragbar und dürfen nicht weiterveräußert werden. Bitte respektieren Sie die Arbeit der Autorin und erwerben eine legale Kopie. Danke!

Text: Sissi Kaipurgay / France Carol

Foto von shutterstock 45180700

Covergestaltung: Lars Rogmann

Flotter Dreier

 

Janosch. Ein Name wie eine Kinderzeichnung, ein Mann, wie ein Gedicht. Er sieht aus, als wäre er einem Karl-May-Western entsprungen, verhalten tut er sich auch so. Seine Haare, sein Gesicht. Ich bin hin und weg - und zugegeben - sehr betrunken, als er mich zu sich einlädt. Dann kommt Romeo, und Janosch fordert...nein, ich mach so was nicht, auf keinen Fall! Oder?

 

Matt

 

Die Luft ist zum Schneiden dick, dank des DJs, der heute diebische Freude an der Trockeneismaschine entwickelt hat. Die Musik ist dagegen grottenschlecht, was auch der Nebel nicht verbergen kann. Im Goldenen Hirsch herrscht die samstags übliche Hochstimmung. Ich befinde mich auch, dank des steigenden Alkoholpegels, in euphorischer Laune. Seit Wochen umkreise ich diesen Janosch, wie die Sonne die Erde. Ach nein, es ist ja andersrum. Janosch ist die Sonne, mit seinem blendenden Aussehen. Ich bin die Erde, auch wenn ich sicher nicht so schön bin, wie der blaue Planet.

Meine braunen Haare sind genauso gewöhnlich wie meine blauen Augen, die weder besonders dunkel noch sonst wie außergewöhnlich sind. Trotzdem finde ich mich ganz in Ordnung, und kann immerhin einen schlanken, wenn auch vielleicht zu schmächtigen Körper vorweisen. Außerdem bin ich intelligent. Okay, ich studiere nur Germanistik, dafür muss man nicht sonderlich schlau sein.

Jedenfalls will ich heute endlich Janosch ansprechen und ich glaube, er hat auch ein Auge auf mich geworfen. Die zehn Bier, die ich inzwischen intus hab, vernebeln zwar meine Wahrnehmung, aber er hat vorhin ganz sicher zu mir rüber geschaut. Ich pirsche mich an den Kerl ran und stelle mich neben ihn.

Warum es genau dieser Mann sein soll? Ganz einfach: Er sieht aus, wie einem Hochglanzmagazin entsprungen. Seine Haare sind pechschwarz und reichen ihm fast bis zum Arsch. Sie glänzen und lassen ihn mit den dunklen Augen und scharfen Gesichtszügen wie einen stolzen Indianer wirken. Dazu hat er auch noch die Statur eines Häuptlings. Ehrlich, dieser Typ ist einfach Spitzenklasse, leider nur genauso arrogant wie schön.

„Hallo, ich bin Matt“, rufe ich über den Lärm hinweg.

Janosch‘ Kopf dreht sich in Zeitlupe, dunkle Augen mustern mich. Ein Mundwinkel zuckt, während sein Blick an meiner Körpermitte hängen bleibt. Die Ausbuchtung dort ist nicht übel und sie ist vor allem echt. Seine Nähe macht mich scharf und sein Duft, den ich schwach wahrnehmen kann, auch.

„Hey, kleiner Matt“, brummelt der Häuptling mit einer so tiefen Stimme, dass mein Schwanz zuckt. „Ich bin Janosch.“

„Schöner Name.“ Ich zwinkere ihm zu und trinke einen Schluck Bier.

„Na ja, nenn mich Jan, das ist männlicher.“

Männlicher? Dieser Kerl könnte Micky Maus heißen, und wäre trotzdem das testosteronhaltigste Teil in diesem Laden. Boah! Was sag ich, in der ganzen Stadt.

„Ich heiße eigentlich Matthias, aber das gefällt mir auch nicht“, vertraue ich meinem neuen Freund leutselig an.

„Hm“, macht Jan.

„Ganz schön voll hier“, murmele ich verlegen.

„Oh ja“, stimmt Jan zu und legt den Kopf in den Nacken, um aus seiner Flasche zu trinken.

Selbst sein Kehlkopf ist sexy. Ich muss schwer schlucken und richte den Blick auf meine Schuhspitzen. Was soll ich jetzt sagen? Smalltalk ist nicht meine Stärke.

„Was hältst du davon, wenn wir zu mir gehen?“, fragt Jan, der nun ausgetrunken hat und gerade auf die Uhr schaut.

So einfach ist das also? Ich nicke und grinse schwachmatisch, leere meine Flasche und folge dem Häuptling, der sich schon auf dem Weg zum Ausgang gemacht hat. Wow! Sex mit Janosch, der Abend ist gerettet! Ich stolpere ein paar Mal und bin erleichtert, dass Jan vor der Tür des Goldenen Hirsch auf mich wartet. Mein Pegel ist eindeutig zu hoch, als dass ich Lust hätte, allein nach Hause zu finden.

„Betrunken?“, fragt Janosch süffisant, dabei fährt er sich affektiert durchs Haar.

Zum ersten Mal befällt mich Zweifel. Ich kenne den Kerl doch gar nicht. Was, wenn er mich vergewaltigen … Äh, Moment! Ich will es doch, er soll mich ficken. Dann fällt also die Vergewaltigungssache flach. Peitschen, fällt mir spontan ein. Oder Natursekt. Igitt!

„Jan? Du bist aber nicht pervers, oder?“, nuschele ich.

„Pervers?“ Janosch lacht lauthals los, dabei wirft er den Kopf zurück und sein Adamsapfel hüpft. „Pervers?“, keucht er kichernd und wischt sich über die Augen. „Nein, jedenfalls nicht so, wie du wahrscheinlich denkst, kleiner Matt.“

Es stört mich, dass er mich klein nennt, auch wenn ich es bin. Seine ganze Überheblichkeit geht mir plötzlich total auf den Sender.

„Weißt du, ich hau ab“, erkläre ich und drehe mich unsicher um, als mich eine Hand am Arm packt.

„Hiergeblieben!“, raunt das tiefe Timbre mir ins Ohr, sodass mein Schwanz ruckartig nach oben zucken möchte. „Wir sind noch nicht fertig.“

„Okay“, gebe ich leise nach.

Mir ist schwindlig und ich bin im Moment froh, dass Jan mich festhält. Herrisch winkt er ein Taxi heran, schiebt mich entschieden hinein und sich hinterher. Er sagt etwas zu dem Fahrer, dann legt er einen Arm um meine Schultern.

 

Himmlisch! Hamburgs Häuserfronten gleiten vorbei, doch ich sehe sie nur verschwommen. Einzig Jans Nähe dringt in mein Bewusstsein und nimmt mich ganz gefangen. Er riecht intensiv nach Mann: Leder, eine Spur Zitrone, ein Tropfen Überheblichkeit und ganz viel Moschus. Oh ja, Janosch ist ein Traumtyp! Für ihn würde ich alles tun, wenn er mich nur einmal richtig rannimmt.

„Wir sind da“, brummelt der Fahrer und hält am Straßenrand.

„Stimmt so“, sagt Janosch, beugt sich nach vorn und reicht dem Kerl einen Geldschein.

Ich bekomme das alles nur am Rande mit. Meine Wolke heißt sieben und ich weigere mich hinabzusteigen, um die profanen Dinge des Alltags mitzuerleben.

„Komm mit!“ Der Häuptling steht plötzlich auf meiner Seite des Fahrzeugs und streckt mir die Hand fordernd entgegen.

Ich lass mich vom Sitz ziehen und zu einem Wohnhaus führen. Der Fahrstuhl bringt uns zwei Stockwerke nach oben. Ein altes Fabrikgebäude in Hamburg Barmbek, ein schicker Loft. Mindestens einhundert Quadratmeter, voll mit Chrom und schwarzem Leder. Ich sehe mich staunend um, während Janosch mich loslässt und zu einer Küchenzeile, die frei im Raum steht, schlendert.

„Whisky?“, fragt er leichthin.

Ich nicke geistesabwesend. Hinter mir klopft es an der Tür.

„Mach mal auf!“, bittet Janosch.

Automatisch drehe ich mich um, gehe hin und öffne. Der Kerl, der vor der Tür steht, mustert mich ebenso erstaunt wie ich ihn. Blond, blaue Augen und unglaublich attraktiv.

„Hallo, ich bin Romeo“, sagt die Erscheinung und drängelt sich an mir vorbei.

Okay, gerade ist also Romeo eingetroffen. Warum auch nicht? Ich schließe die Tür und folge dem Blonden, als der zielsicher den Küchentresen ansteuert. Anscheinend ist er nicht das erste Mal hier. Er schiebt eine Arschbacke auf einen der Hocker und lächelt Janosch zu.

„Hey Jan.“

„Romeo …“ Unser Gastgeber weist mit dem Kinn auf mich. „Das ist Matt. Sag guten Tag.“

Oh Mann, mehr Macho geht nicht! Ich stöhne innerlich.

„Heute möchte ich zugucken“, erklärt Janosch, wobei er Romeo ein Glas mit bernsteinfarbener Flüssigkeit zuschiebt.

„Ich soll mich von ihm …?“, fragt der Blonde, dabei zieht er die Brauen unwillig zusammen.

„Nein, du sollst ihn ficken.“ Der Häuptling grinst. „Dabei darf er mir vielleicht einen blasen.“

Mein Magen hebt sich. Ich greife mir an den Hals und gucke abwechselnd Romeo und Janosch an. Nein! So etwas tue ich nicht! Mir wird übel und ich schwanke. Anscheinend merkt der Gastgeber, dass sein Teppich kurz vor einer Katastrophe steht. Er eilt herbei und bugsiert mich unsanft ins Bad, wo er mich vor dem Klobecken stehen lässt.

Die kalte Keramik übt eine gewisse Anziehung auf mich aus. Ich entleere meinen Mageninhalt in die weiße Schüssel. Danach geht’s mir besser. Ich spüle den Mund aus, schaufle kaltes Wasser in mein Gesicht und über den Nacken, bis ich mich etwas klarer fühle.

Da draußen sind zwei Kerle, die auf Sex aus sind. Einer von ihnen ist Janosch, auf den ich heiß bin. Der andere, Romeo, macht seinem Namen auch alle Ehre, aber ich will trotzdem nur den einen. Soll ich kneifen? Als ich in den Spiegel blinzele, entdecke ich einen Typen, der blass ist und ein Fragezeichen auf der Stirn trägt.

Wenn ich jetzt kneife, werde ich nie wieder so nahe an den Häuptling herankommen, soviel ist sicher. Wenn ich bleibe, muss ich mitmachen. Unschlüssig trotte ich zurück in den großen Wohnraum, wo Janosch mir ein Glas Wasser auf den Küchentresen stellt. Ich leere es in einem Zug, danach noch eins. Romeo beobachtet mich gelassen. Ihm scheint die ganze Sache nichts auszumachen. Ist er ein Professioneller? Gehört hab ich davon schon, aber in Wirklichkeit noch nie einen von dieser Sorte getroffen.

„Bist du … käuflich?“, frage ich ihn direkt.

Romeo lacht laut auf und auch Janosch gluckst.

„Ich mach es für Geld, ja“, antwortet Romeo schließlich, nachdem er sich beruhigt hat.

„Leute, mir wird langweilig“, mault Janosch und kommt um den Tresen herumgelaufen.

Er geht zu einer Ansammlung von Sitzmöbeln. Ein breites Sofa und drei große Sessel sind um einen niedrigen Tisch gruppiert. Romeo rutscht von dem Hocker und schlendert hinter ihm her, wobei er das T-Shirt über den Kopf zieht. Janosch hat sich in einen Sessel plumpsen lassen und beobachtet, wie Romeo sich weiter auszieht.

Mein Magen krampft sich erneut zusammen, dennoch fühle ich bei dem Anblick des blonden Adonis Geilheit aufsteigen. Der Profi schiebt sich den knappen Slip von den Hüften, packt seinen Schwanz und lässt ihn träge durch seine Faust rutschen, dabei lächelt er Janosch lasziv an. Ob er auch auf den Häuptling steht, so sehr wie ich? Brennende Eifersucht mischt sich mit meiner Lust, ein wahrhaft teuflisches Gebräu.

Ich gehe rüber zu den beiden und streife dabei meine Sachen ab. Nackt trete ich Romeo gegenüber, fest entschlossen, Janosch eine gute Show zu liefern. Inzwischen hat die Erregung alles ausgeblendet und es fühlt sich an, als stünde ich neben dem Ganzen und wäre nur Zuschauer. Romeo streicht über meine Brust und kratzt über die Nippel, sodass diese sich erregt zusammenziehen. Ein Stöhnen entweicht meiner Kehle. Ich werfe den Kopf in den Nacken und lass mich auf seine Berührungen ein. Finger schließen sich um meinen Schwanz und drücken die Spitze, bevor sie an der Länge auf und ab gleiten. Ein echt geiles Gefühl.

„Komm her, Rom!“, befiehlt Janosch.

Er hat die Jeans geöffnet und seine pralle Erektion befreit. Der dick geäderte Schaft zieht meinen Blick magisch an. Janosch rollt ein Kondom über seinen Schwanz, während Romeo auf ihn zutritt, die Handflächen auf die Sessellehnen legt und sich vorbeugt. Unter halbgeschlossenen Lidern sieht Janosch zu, wie seine dicke Eichel in Romeos Mund verschwindet, dann schaut er hoch und sagt zu mir: „Fick ihn!“

Die muskulösen Hinterbacken des Callboys sind sehr sexy und er reckt sie mir auffordernd entgegen. Mein Schwanz ist zwar hart, aber irgendwie bin ich selbst unbeteiligt. Wie im Traum greife ich nach einem der Kondome, die auf dem Couchtisch liegen, streife es über und verteile Gleitgel in Romeos Spalte. Dann stelle ich mich hinter ihn, ziehe seine Arschbacken auseinander und dränge meine Schwanzspitze in den engen Muskel.

Es ist verdammt lange her, dass ich den aktiven Part übernommen habe. Zuerst ist es ungewohnt, dann jedoch zunehmend geiler, meine Länge in dem aufnahmebereiten Loch verschwinden zu sehen. Ich bewege die Hüften langsam vor und zurück, genieße die erregende Reibung und streiche über Romeos zarte Haut. Lustvolles Stöhnen füllt den Raum. Ich sehe hoch und treffe auf Janoschs Augen, die unverwandt mein Gesicht fixieren. Seine Züge sind erregt verzogen und unsere Blicke tauchen ineinander ein.

„Besorg‘s ihm härter“, knurrt Janosch.

Mit jedem heftigen Stoß treibe ich Romeo nach vorn, damit seinen Mund über Janoschs Schwanz nach unten. Ich bestimme das Tempo, was mir ein gewisses Gefühl der Macht gibt. Meine Beine weiter auseinander gestellt, damit ich mehr Halt habe, packe ich Romeos Becken fester und ramme mich hart in ihn rein. Janoschs Lippen verziehen sich spöttisch, dabei hält sein Blick immer noch meinen fest.

Das Ziehen in meinem Bauch wird immer intensiver. Mit zusammengebissenen Zähnen verpasse ich Romeo ein paar sehr feste Stöße, dann reißt es mich hoch. Gegenüber stöhnt Janosch und zwingt mich mit seinen magischen Augen, ihn weiter anzusehen. Obwohl der Orgasmus mich beinahe blind macht, kann ich meine Lider nicht schließen und muss ihn anstarren, als wäre ich hypnotisiert. Es ist erniedrigend und gleichzeitig so intensiv, dass es die Spasmen verlängert.

Es ist schließlich Janosch, der die Wimpern senkt und auf Romeos Hinterkopf hinabschaut, ihm durchs Haar streicht und ihn schließlich hochzieht.

„Gut gemacht, Rom“, murmelt er heiser.

Ich kann kaum noch stehen und ziehe meinen Schwanz aus der Enge. Vorsichtig wanke ich zur Couch und plumpse auf das Polster. Während ich das Kondom abstreife, beobachte ich, wie Janosch Romeos Wangen streichelt. Nach einem Kuss auf die Stirn hilft er ihm sich aufzurichten. Die Erektion des Callboys steht noch stramm empor, was mich irgendwie verletzt. Anscheinend habe ich meine Sache nicht gut gemacht, nicht so gut jedenfalls wie Romeo seine.

„Das Geld liegt auf dem Küchentresen“, brummt Janosch und schließt seinen Hosenstall.

„Alles klar“, sagt Romeo, bückt sich nach seinen Sachen und zieht sich unbefangen an, während ich noch völlig erledigt auf dem Sofa liege.

Er geht zum Tresen, schnappt sich die Scheine und winkt uns zu, bevor er zur Tür eilt und verschwindet. Janosch neigt den Kopf zur Seite neigt und mustert mich neugierig.

 

Janosch

 

Irgendetwas an diesem kleinen Kerl ist anders. Er ist hübsch und hat eine gute Figur, ganz nach meinem Geschmack, aber das ist nicht alles. Eben, als er mir in die Augen gesehen hat, war es, als würde er bis zu meinen Schuhspitzen gucken können. Ich fühlte mich nackt, konnte dennoch nicht wegsehen. Es war magisch, ein anderes Wort fällt mir dazu nicht ein.

„Willst du dich nicht anziehen?“, frage ich leise.

Der Kleine zuckt zusammen. Er hat doch nicht etwa geglaubt, er könne hier schlafen? Das tut kein Kerl, niemals. Ich schätze meine Privatsphäre.

„Okay“, murmelt Matt und setzt sich auf.

Er fährt sich erfolglos durchs Haar. Die Strähnen fallen gleich zurück an ihren Platz. Langsam kommt er hoch, wobei er leicht schwankt. Entweder ist es der Alkohol, obwohl er den eigentlich inzwischen nicht mehr spüren dürfte, nachdem er mein Klo vollgekotzt hat, oder die Nachwirkung seines Höhepunkts. Interessiert betrachte ich seinen Körper, den er gerade mit einer Boxershorts bedeckt. Wirklich hübsch, der Kerl. Sicher, ganz anders als Romeo, aber auf eine besondere Art sehr attraktiv. Ich spüre den Wunsch, mit meiner Zunge über seine Haut zu fahren um den Geschmack aufzunehmen. Sicher schmeckt er so lecker, wie er aussieht.

„Ich bestell dir ein Taxi“, sage ich und springe auf.

„Lass mal, ich geh zu Fuß“, murmelt Matt, während er in seine Jeans steigt.

„Wohnst du hier in der Gegend?“, frage ich erstaunt.

„Nö, aber ich brauch frische Luft“, nuschelt der Kleine.

Ich murmele ein ‚Aha‘ und laufe zum Küchentresen, wo ich mir eine Wasserflasche schnappe und sie halb leer trinke. Mit der Flasche in der Hand schlendere ich zu Matt zurück, der inzwischen in seine Turnschuhe schlüpft.

„Willst du auch was trinken?“, frage ich.

„Ja, danke“, antwortet Matt und nimmt mir die Flasche ab.

Ich sehe zu, wie er den Kopf in den Nacken legt und trinkt. Dabei beobachte ich seinen Adamsapfel und hätte am liebsten hineingebissen. Vampirsanwandlung? Wahrscheinlich.

„Danke.“ Matt reicht mir die leere Flasche und schnappt sich seine Jacke.

Er wirft sie über die Schulter und trottet zur Tür. Stumm zieht er sie hinter sich zu. Sein Weggehen hinterlässt eine merkwürdige Leere.

 

Der braunhaarige Matt taucht das ganze Wochenende immer mal wieder in meinen Gedanken auf. Vorwiegend dann, wenn ich selbst Hand anlege. Warum? Das wüsste ich auch gern. Der Kerl war gerade mal ein paar Minuten in meiner Wohnung, trotzdem hat er hier irgendetwas hinterlassen. Ob er ein schleichendes Gift über den Teppich gekippt hat, das mir nach und nach die Sinne vernebelt? Keine Ahnung, jedenfalls kriecht er ständig am Rande meiner Aufmerksamkeit herum.

 

Am Montag besuche ich endlich mal wieder eine Vorlesung. Das geschieht mehr aus Langeweile, denn aus Lerneifer. Das Studium ist nur ein Alibi um meine Eltern zu beruhigen. Okay, manchmal interessieren mich die Themen wirklich, über die Professor Medler referiert. Der Kerl kann einen mitreißen, selbst dann, wenn man so ein cooler Typ ist wie ich.

Ja, zugegeben, ich finde mich cool. An den Blicken der anderen erkenne ich, dass sie es auch so empfinden. Die Weiber sabbern mir hinterher und die Kerle stehen Schlange, also ist meine Ausstrahlung perfekt.

 

Ich komme so spät, dass nur noch wenige Plätze im Vorlesungssaal frei sind. Langsam schlängele ich mich durch eine Sitzreihe, bis ich den letzten leeren Stuhl genau in der Mitte erreicht habe. Vor mir sitzt ein Blonder, der sich gerade umdreht, mich entdeckt und erstaunt mustert.

„Du?“, fragt Romeo verdutzt.

„Ich“, knurre ich, nicht minder erstaunt.

Ein paar Reihen weiter vorn entdecke ich eine bekannte Struwwelfrisur. Das gibt’s doch nicht! Haben sich alle meine Lover in diesen Kurs geschlichen? Ich ignoriere das freudige Gefühl, das mein Herz bei Matts Anblick schneller klopfen lässt.

Professor Medler betritt das Podium und lenkt mich ab. Er lässt den Blick über uns wandern, wobei er bei mir kurz verweilt. Zieht er die Augenbrauen hoch? Ich grinse ihn frech an und lehne mich zurück, die Beine weit ausgestreckt. Medler zuckt die Achseln und beginnt seinen Vortrag. Ich lausche ihm und gucke unterdessen immer wieder rüber zu Matt, dabei vergleiche ich ihn unwillkürlich mit dem Professor.

Die beiden haben die gleiche Figur, Haar- und Augenfarbe stimmen auch. Aber es ist nicht nur das, Matt ähnelt dem Kerl in vielerlei Hinsicht. Die Präsenz, die Medler ausstrahlt, besitzt Matt auch. Noch in abgeschwächter Form, doch das erklärt seine ständige virtuelle Anwesenheit in meinem Loft. Er hat seine Aura dort gelassen.

Ich muss schmunzeln bei dem Gedanken. Aura. Was auch immer das sein mag, bisher habe ich mich nicht mit solchem Quatsch beschäftigt. Dennoch, es beschreibt dieses unheimliche Gefühl, das mich in meiner Wohnung beschleicht. Wie kann ich den Geist bannen? Ob es reicht, Matt erneut zu mir einzuladen, damit er sein Charisma dort einsammelt und mitnimmt? Geht das? Spinne ich langsam?

 

Ich erwache wie aus einem Traum, als alle um mich herum aufspringen. Die Vorlesung ist beendet, ohne dass ich es mitbekommen habe. Rasch packe ich meine Sachen und folge den Studenten – ich nenne sie nicht Kommilitonen, weil ich irgendwie nicht zu ihnen gehöre – zum Ausgang. Soll es mich wundern, dass Romeo dort steht und mich abfängt?.

„Hey Janosch“, raunt er und zieht mich auf den Gang. „Bitte, kein Wort über meinen Job zu niemandem.“

„Keine Sorge.“ Ich grinse ihn frech an. „Ich rede eh mit keinem dieser armen Lernwilligen.“

„Aha“, macht Romeo, zieht die Augenbrauen hoch und mustert mich. „Stimmt, du bist ja etwas Besseres.“

„Das will ich damit nicht sagen“, erkläre ich hoheitsvoll. „Ich gehöre nur nicht zu ihnen.“

„Stimmt, sonst hätte ich dich bestimmt schon mal hier gesehen“, brummt Romeo, dreht sich um und lässt mich einfach stehen.

Fühle ich mich abgekanzelt? Nie und nimmer! Ich laufe zum Ausgang und trete hinaus auf den Campus. Die meisten Studenten haben sich schon verzogen, es sind nur noch wenige Personen anwesend. Ich entdecke Matt und beschließe, dass ich diese Aurasache angehen muss.

„Hey Matt“, sage ich und tippe ihm auf die Schulter.

Er unterhält sich gerade mit ein paar Leuten und dreht sich erstaunt um, als er meine Stimme hört.

„Janosch“, murmelt er. „Studierst du oder bist du nur auf Besuch hier?&

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