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Jäger Stevans und sein Hund Poppy

Friedrich Gerstäcker

Jäger Stevans und sein Hund Poppy

Erzählung





BookRix GmbH & Co. KG
80331 München

Vorwort

„Ein schöner schwarzer Neufundlandhund, dem Advokaten Floyd von Holmfirth gehörig, ertränkte sich, nachdem er einige Tage vorher eine ungewöhnliche Traurigkeit gezeigt hatte, in dem Flusse, der dicht hinter der Wohnung seines Herrn vorbeifließt. Man sah, wie er sich ins Wasser stürzte und unterzusinken strebte, indem er sich ganz still verhielt. Er wurde herausgezogen und für kurze Zeit an die Kette gelegt, kaum aber war er losgebunden, als er auch schon seinen Versuch erneuerte, und nach mehreren Wiederholungen, die seine Kräfte erschöpften, gelang es ihm endlich, indem er seinen Kopf entschlossen einige Minuten unter Wasser hielt, seinen Versuch auszuführen. Als man ihn wieder ans Ufer brachte, war er tot.“

***

Fast in jedem Journal stand vor einigen Jahren diese Anekdote von dem wunderbaren Selbstmord eines Hundes, und wenn sie auch von vielen bezweifelt wurde, ließ sich die Tatsache doch leider nicht ableugnen. Wie aber das arme Tier zu einem Grad der Verzweiflung getrieben wurde, der in der Regel sonst nur bei zivilisierten Menschen vorkommt, ist eine nur Wenigen bekannte rührende Geschichte, die ich in den folgenden Kapiteln mitteilen will ...

Die Hütte

Tief im Westen der Vereinigten Staaten, dort, wo der Missouri seine trüben Fluten dem mächtigen „Vater der Wasser“, dem Mississippi, zuwälzt, am Fuße der fichtengekrönten Hügel, die das niedere fruchtbare Talland einschließen, stand ein unscheinbares Hüttchen, aus rohen Stämmen errichtet und mit gespalteten Brettern bedeckt.

Nur selten geschah es, dass menschliches Auge es gewahrte, oder menschlicher Fuß – den Eigentümer ausgenommen – es betrat, denn tief im Walde drin lag es, rings von dem mächtigen Urwald umschlossen, und ein kleiner, kaum erkennbarer Fußpfad war das Einzige, was es noch mit der übrigen Welt verband.

Es war eine wildromantische Gegend, und der Mensch wie das wilde Tier fanden dort, nicht weit voneinander entfernt, ihr Lager, da sich ein einzelner Jäger hier angesiedelt hatte, um so leichter die Jagd zu betreiben und nicht durch die langweiligen Gesichter seiner Kameraden gestört zu werden.

Die Hütte selbst ist aber wohl, ehe wir zu den Bewohnern derselben übergehen, einer kurzen Beschreibung wert, da sie durch eine gar eigene, sonderbare Laune ihres Besitzers auf die seltsamste Weise ausstaffiert schien. Der von den unbehauenen Stämmen eingeschlossene Raum mochte etwa vierzehn Fuß im Quadrat halten, wenig aber war von dem rauen Holz inwendig zu sehen, denn mächtige Büffelhäute hingen überall von den Wänden herunter, und den Fußboden bedeckten große, dichthaarige Bärenfelle. Die Hälfte der einen Seite nahm ein tiefer, mit Lehm beworfener Kamin ein, in dem ein munteres Feuer loderte; diesem gegenüber befand sich ein etwas erhöhtes Lager von aufeinander gelegten Wildhäuten, und zu dessen Füßen wieder ein kleines Bett, auf dem einige abgenagte Knochen den Ruheplatz des Hundes verrieten. Über dem niederen Eingange lag, auf zwei mit hölzernen Zapfen befestigten Klammern, eine lange gezogene Büchse, und hinter der Tür hing die Kugeltasche mit dem Pulverhorn, in deren breitem Ledergurt vorn ein kleines Skalpiermesser, hinten eine Ahle stak.

Das einzige Hausgerät war ein roh gezimmerter Tisch, der bloß die Spuren der Axt trug, ein ebensolcher Stuhl mit Bärenfell überspannt, ein auf eine gar künstliche Art an der Wand angebrachtes Brett, das einen hölzernen Teller, einen kleinen eisernen Kessel und einen Blechbecher enthielt, und ein Stück eines hohlen Baumstammes, das, mit geschältem Mais gefüllt, in der Ecke stand. Noch prangte über dem Kamin eine Harpune, und mehrere leere, aus Hirschhäuten gefertigte Schläuche hingen an Querhölzern von den Balken, die sich über die Stube hinzogen, herunter. Wer waren aber die Bewohner dieser eigentümlichen Wohnung? Das wollen wir jetzt untersuchen.

Die Bewohner

 

Vor dem Kamin, auf dem erstbeschriebenen, mit Fell überspannten Sessel saß der Herr der Hütte, ein kräftiger, rotwangiger Greis mit schneeweißen Haaren und blauen Augen, und war gerade beschäftigt, sein langes Jagdmesser auf einem kleinen Wetzstein zu schärfen. Sein Anzug war der eines Jägers. Lederne Leggins und Mokassins hielten seine Beine und Füße umschlossen; ein weitfaltiges Jagdhemd aus demselben dauerhaften Stoff, an den Nähten mit ausgeschnittenen Fransen besetzt, fiel über seine Schultern, und ein alter Filzhut bedeckte den weißlockigen Scheitel.

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