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In unseren Breiten

Bodo Wontoschka

In unseren Breiten

Sechs kurze Geschichten aus Europa





BookRix GmbH & Co. KG
81669 München

In unseren Breiten

IN UNSEREN BREITEN

Drama

Nur selten verirrt sich mal ein Gast in unsere Breiten. 

"Luigi! Ein Gast, der sich verirrt hat. Jetzt ist er da. In unseren Breiten."

(Luigi) "Breiten? Du hastn Breiten.""Nein, schau nur. Und es geschieht so selten. Was machen wir nur."

 "Ich kann mich überhaupt nicht erinnern, dass es schon mal vorgekommen ist."

"Doch, aber selten."

"In unsere Breiten?"

"Muss ja, so heißt es doch. Ist es derselbe?"

"Wie letztes Mal?"

"Ja?"

"Keine Ahnung. Ich erinnere mich gar nicht, dass schon mal ein Gast da war, in unseren Breiten."

"Aber es heißt doch nicht nie, es heißt selten."

"Meistens."

"Meistens selten?"

"Ja, zumindest in unseren Breiten."

"Vielleicht war er ja schon mal da, aber nicht in u n s e r e n Breiten."

"Wo soll er dann gewesen sein?"

"Keine Ahnung, frag ihn doch mal."

"Mal sehen ob er noch da ist." (kommt zurück)

"Er sagt, er habe sich verirrt."

"Bist du sicher, dass es derselbe ist?"

"Klar, er ist doch grad erst angekommen. Wenn es schon wieder ein anderer wär, dann wäre es nicht selten."

"Ich finde, zwei insgesamt ist schon selten. Meinst du, der erste ist schon wieder weg?"

"Möglich."

"Dann kommt aber jetzt ne Weile keiner mehr, in unsere Breiten."

"Wer sagt überhaupt, dass es u n s e r e Breiten sind."

"Sagst du doch selbst. Ich hättn breiten."

"Ja, klar, e i n e n breiten. Dann musst du es aber klein schreiben. Aber du hast schon recht, es sind mehrere."

Gast:  (Tritt zögernd ein, wirkt total desorientiert)

"Ich...äh...entschuldigen sie...ich habe mich verirrt..."

Luigi: "Das wissen wir. Es ist nicht so schlimm. Schließlich kommt es nur selten vor. Waren sie schon einmal hier?"

Gast: "Ich weiß nicht...wenn ja, dann muss es lange her sein...sind das ihre Breiten?"

Luigi (zeigt auf Emma) : "Ihre"

Gast (wirkt erleichtert): "Ich glaub, dann bin ich hier richtig."

Emma: "Sie meinen, sie haben sich nicht verirrt?"

"Wenn das wirklich ihre Breiten sind, dann müsste eigentlich alles so stimmen."

Emma: "Es sind wirklich meine. Aber nicht unsere." (deutet auf Luigi).

"Es heißt eindeutig: Selten verirrt sich mal ein Gast in u n s e r e Breiten.“

Gast, ratlos: "Ja soll ich dann wieder gehen?"

Emma: "Von mir aus. Ich weiß sowieso nicht, was sie überhaupt hier wollen."

Gast (wieder völlig desorientiert) Ich hab mich verirrt. Soll ich vielleicht ein andermal wiederkommen?"

Luigi: "Das wär schon ein ziemlicher Zufall, wenn es eh nur aus Versehen ist, dass sie sich nochmal in unsere Breiten verirren."

Gast (zeigt auf Emma) "Aber sie sagte doch, es wären gar nicht ihre Breiten, sondern ihre."

Luigi: "Und wenn schon. Sie dürften auf jeden Fall eine ganze Weile nicht wiederkommen."

Emma: "Er hat recht. Willst du was gelten, mach dich selten. Und irren ist menschlich, das gilt auch in unseren Breiten. Und nun zieh schon Leine, Alter.

Gast: (geht)

Luigi: "Gott, womit ham wir das verdient!"

Emma: "Wenigstens is jetzt erstma für ne Weile Ruhe. So schnell verirrt sich nicht wieder ein Gast in unsere Breiten."

Das Huhn

DAS HUHN

 

Physik für Jedermann, Lektion 1

Ob es klagt, ob es guten Mutes ist, wir wissen es nicht, Ob es hungert, ob es dürstet, oder nur aus Langeweile im Sande scharrt, wir wissen es nicht. Ob es trauert oder triumphiert, wir wissen es nicht. Man sagt, keines der uns vertrauten Geschöpfe sei geheimnisvoller als die Katze. Wenn sie mich fragen: Mittlerweile sind mir ihre Schlichen bekannt, allesamt. Das Huhn ist mir ein Rätsel.

Und es bewegt sich doch: Zwischen Schrecken und Beschaulichkeit, stets bemüht, dies sei anerkennend, hervorgehoben, die Optik der Ränder nicht verschwimmen zu lassen: Für die Selbsterhaltung. Beachten Sie seinen Laufstil. Dies eine seiner Rätsel sei gelöst: Es geht dem Huhn nicht darum, mit dem Kopf Schwung zu holen für den jeweils nächsten Schritt, denn es ist ja keine Eile ( non sono in fretta, wie das italienische Huhn sagt) sondern es geht darum den vorbeistreifenden Sichtfeldrand auf der rechten und der linken Seite scharf zu halten durch rasches Zurückziehen des Kopfes, wo durch die vorherige Position des mittlerweile einen Schritt vorangeschobenen Resthuhns lange genug erhalten bleibt, um erkennen zu können, ob von den Seiten vielleicht ein Fuchs heranpirscht, oder ein Hühnerhabicht sich im Tiefflug nähert. Das frontale Sichtfeld ist selbstverständlich durch die Vorwärtsbewegung des Gesamthuhns nicht beeinträchtigt.

Wer einmal in der ersten Klasse dem ICE-Lokführer über die Schulter nach vorn auf den Schienenstrang geschaut hat, wird dies gern bestätigen: Nur die Optik der rechten und linken Seiten war verwischt, und zwar umso stärker, je schneller der Zug gefahren ist. (Allerdings hat das Huhn nicht im eigentlichen Sinne ein frontales Sichtfeld, sondern eher zwei laterale die sich zu einem 180 Grad-Panorama ergänzen.) 

Was können wir vom Huhn lernen? Folgendes (ein Beispiel aus dem wirklichen Leben):

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