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In Schönheit sterben

Jean G. Goodhind

In Schönheit sterben

Honey Driver ermittelt

Kriminalroman

Aus dem Englischen von Ulrike Seeberger

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Inhaltsübersicht

Kapitel 1

Kapitel 2

Kapitel 3

Kapitel 4

Kapitel 5

Kapitel 6

Kapitel 7

Kapitel 8

Kapitel 9

Kapitel 10

Kapitel 11

Kapitel 12

Kapitel 13

Kapitel 14

Kapitel 15

Kapitel 16

Kapitel 17

Kapitel 18

Kapitel 19

Kapitel 20

Kapitel 21

Kapitel 22

Kapitel 23

Kapitel 24

Kapitel 25

Kapitel 26

Kapitel 27

Kapitel 28

Kapitel 29

Kapitel 30

Kapitel 31

Kapitel 32

Kapitel 33

Kapitel 34

Kapitel 35

Kapitel 36

Kapitel 37

Kapitel 38

Kapitel 39

Kapitel 40

Kapitel 41

Kapitel 42

Kapitel 43

Kapitel 44

Kapitel 1

Honey Driver warf Steve Doherty einen misstrauischen Blick zu. »Ich habe gar kein gutes Gefühl bei der Sache.«

»Vertraue mir. Ich bin Polizist. Lehn dich einfach zurück und denke an England. Vielleicht gefällt es dir ja sogar.«

»Ich mag es gar nicht, wenn andere Leute an meinem Körper herumwerkeln – selbst wenn es angenehm ist.«

»Vielleicht gewöhnst du dich richtig dran.«

»Ich werd nicht gern schmutzig – na ja, jedenfalls nicht so schmutzig.«

Steve Doherty lag auf dem Fußboden und machte Übungen für seine Bauchmuskeln, als hinge sein Leben davon ab. Mitten in einem Sit-up hielt er inne, grinste und zwinkerte ihr zu. »Das habe ich aber ganz anders in Erinnerung.«

Sie tat, als hätte sie nichts gehört, und las weiter in der Broschüre für die Wellness- und Schönheitsfarm, in die er sie schicken wollte. Sie sollte dort ein wenig herumschnüffeln, während sie sämtliche Anwendungen in diesem sehr noblen Etablissement über sich ergehen ließ. Eigentlich hatte sie mit strengen Wellness- und Schönheitsritualen nicht viel am Hut, hauptsächlich, weil sie keine Zeit dafür hatte. Steve bekräftigte erneut, das gehöre doch alles zu ihren dienstlichen Pflichten.

»Du bist dir also hundert Prozent sicher, dass es kein Unfall war?«

Steve grunzte zwischen zwei Übungen eine Antwort. »Man kann in Schlamm genauso gut ertrinken wie in Wasser. Ihr Gesicht war mit Schlamm zugeschmiert, und darüber hatte man ein Stück Plastik gebreitet, das Löcher zum Atmen hatte.«

»Damit die Wärme drin bleibt«, erklärte Honey.

»Tatsächlich?«, antworte Steve mit stoischer Miene. In seinem Alter konnte ihn nichts mehr überraschen, was Frauen taten, um jung und schön – und wer weiß, was noch – zu bleiben.

Honey versicherte ihm, das wäre bestimmt so.

Er nickte. »Gut. Also, wie ich schon sagte, jemand hat diese Plastikmaske so verschoben, dass die Nase und der Mund der Frau völlig abgedeckt waren, und dann wurde sie heruntergedrückt und in diesem Schlammbad unten gehalten.«

»Was für ein Tod!«, meinte Honey.

Doherty runzelte die Stirn. »Was finden Frauen bloß an Schlamm?«

»Wir mögen alles, was uns eine Chance verspricht, unsere Jugend zu erhalten. Wir Frauen streben ständig nach Vollkommenheit. Das könnt ihr Männer nicht verstehen. Ihr seid mit dem zufrieden, was ihr habt.«

»Oh, verbindlichsten Dank!«

»Das sollte keine Beleidigung sein.«

»Hab ich auch nicht so aufgefasst.«

»Schon irgendwelche Verdächtige?«

»Nein, obwohl jemand gesehen haben will, dass ein abgerissener Typ dort herumlungerte. Aber das nehme ich denen nicht ab. Wieso sollte denn ein Penner um eine Schönheitsfarm herumstreichen?«

Es gab natürlich noch andere Möglichkeiten. Honey nannte eine. »Vielleicht ist die Frau auch eingeschlafen und reingerutscht?«

»Würde man das nicht merken, wenn man plötzlich auf Schlamm rumkaut? Den könnte doch wirklich niemand, absolut niemand für Schokopudding halten?«

Honey gab ihm recht. Die Broschüre, die sie durchblätterte, war auf edelstem Hochglanzpapier gedruckt. The Beauty Spot (Zentrum für Gesundheit und Schönheit) versprach natürliche Therapien, die an so gut wie jedem Körperteil wahre Wunder wirkten. Auch das Gebäude, in dem diese Schönheitsfarm untergebracht war, war sehr schön. Aber andererseits, überlegte sie, welche Frau, die dringend eine Generalüberholung brauchte, würde einen Aufenthalt in einer alten Bruchbude buchen?

»Sieht ganz so aus, als wäre das Mordopfer einfach zu lange geblieben und schlicht nicht mehr erwünscht gewesen«, murmelte Honey.

Man hatte Lady Carlotta Macrottie, eine Frau, die es zu ihrem Lebenszweck gemacht hatte, schön zu bleiben und das Geld ihres Mannes aus dem Fenster zu werfen – nicht unbedingt in dieser Reihenfolge –, in diesem Luxus-Spa tot in einer Badewanne voller lauwarmem Schlamm aufgefunden. Die Hochglanzbroschüre behauptete von dem Schlamm, der für Gesichtspackungen und Ganzkörperbäder verwendet wurde, er sei voller Natrium, Eisenverbindungen und verschiedener anderer Mineralien, die angeblich sämtlich wunderbar für die Haut waren.

Der Text war völlig überzogen.

Honey las ihn laut vor. »Auch Sie könnten zum Sterben schön sein! Unser Schlamm ist etwas ganz Besonderes. Er stammt aus den vulkanischen Ablagerungen auf Pazifikinseln, deren Einwohner schon lange behaupten, er verleihe ihnen ewige Jugend.«

Steve lag völlig fertig auf dem Boden. »Lady Macrottie hat er aber nichts genutzt.«

Nachdem Honey sich überzeugt hatte, dass Steves Bauchmuskeln nicht sonderlich anders aussahen als vor der Tortur – und genauso attraktiv –, wurde sie nachdenklich. »Hat es da nicht schon einmal einen Fall gegeben, dass jemand in dieser Schönheitsfarm nach einer Behandlung gestorben ist?«

Steve zuckte die Achseln. »Nicht, dass ich wüsste.«

Honey war sich nicht so sicher. Sie schloss ein Auge, denn aus irgendeinem obskuren Grund half ihr das beim Nachdenken. Eine Schlagzeile ging ihr durch den Kopf. Vor einiger Zeit hatte sie etwas in der Western Daily Press gelesen und im Lokalfernsehen gesehen, irgendetwas über eine Frau, die nach einem Schlammbad schreckliche Hautverletzungen erlitten hatte. Es verstand sich von selbst, dass besagte Kundin, die nach der Behandlung nicht zum Sterben schön, sondern grottenhässlich geworden war, das Beauty Spot auf ein kleines Vermögen als Entschädigung verklagte.

Steve schaute nur vage interessiert, als sie ihm das erläuterte.

»Hat sie den Prozess gewonnen?«

Honey schüttelte den Kopf. »Nein. Sie ist gestorben. In der Bäckerei unter ihrer Wohnung ist ein Feuer ausgebrochen. Verkohlte Überreste. Keine Leiche. Keine stichhaltigen Beweise gegen die Schönheitsfarm, dass sie nach all der schlechten Werbung mit einem Feuerzeug dort Amok gelaufen sind. Sie waren ja nur Schuld an ihren Hautverletzungen. Tja, es scheint, dass zum Sterben schön in ihrem Fall genau das bedeutet hat.«

»Und?«

Mit diesem einzigen kleinen Wort und einer hochgezogenen Augenbraue vermittelte er ungeheuer viel. Honey wusste, was er von ihr wollte. Sie musste sich schleunigst da rauswinden, ehe er die Zauberworte sagte und sie weich wurde.

»Eine Zeitlang von Kopf bis Fuß verwöhnt werden, fern von allem; keine Gäste, die dir wegen ihrer quietschenden Bettfedern die Ohren vollheulen; kein Chefkoch, der droht, den Sous-Chef in Stücke zu hacken; und dann wäre da noch deine Mutter …« Der Vorschlag klang von Sekunde zu Sekunde verlockender. Honey wurde schwach.

»Na ja.« Sie versuchte mit aller Macht, noch nicht völlig überzeugt zu wirken.

»Sämtliche Kosten werden übernommen«, fügte er noch hinzu, da er sofort erkannt hatte, dass dies einer ihrer schwachen Augenblicke war. »Von der Stadtverwaltung und der Tourismusbehörde. Ich glaube, Casper hat sich bereits alle beide vorgeknöpft. Wunderschöne Stadt, wunderschöne Menschen – du ahnst, was ich meine?«

Honey zog die Augenbrauen himmelwärts. Casper St. John Gervais war der Vorsitzende des Hotelfachverbands von Bath und einer ihrer Freunde. Er war völlig von dem Gedanken besessen, »Gottes kleinen Garten« vor schweren Verbrechen zu beschützen, und hatte daher beschlossen, dass der Hotelfachverband eine Verbindungsperson zur Kripo brauchte. Und das war Honey. Dabei hatte sie Steve Doherty kennengelernt. Es hatte in ihrer Teilzeitlaufbahn als Kriminalistin einige haarige Augenblicke gegeben. Doherty hatte sie gebeten, diese oder jene interessante Sache zu machen, von denen einige nicht unbedingt etwas mit dem Lösen von Kriminalfällen zu tun hatten. Bisher hatte er allerdings nie von ihr verlangt, sich als verdeckte Ermittlerin zu betätigen.

»Diese Schönheitsfarm liegt außerhalb der Stadt«, meinte sie, nachdem sie die Adresse genau studiert hatte.

»Na, so weit ist das nun auch wieder nicht. Gleich hinter Castle Combe, höchstens vierzig Minuten vom Stadtzentrum entfernt. Du kannst dich bestimmt ab und zu wegschleichen. Dir den einen oder anderen Schokoriegel im Dorfladen greifen.«

Bis zu diesem Zeitpunkt hatte sie geglaubt, dass sie ein, zwei Mal in der Woche in dieses Zentrum gehen sollte. Jetzt sah die Sache ganz anders aus.

»Du musst mindestens einen viertägigen Aufenthalt buchen.«

»Steve, es ist dir vielleicht entgangen, aber das Green River Hotel läuft nicht von allein.«

»Es hat hervorragendes Personal. Hör endlich auf zu glauben, dass alles stillsteht, wenn du einmal nicht da bist. Ein guter Chef macht sich selbst überflüssig, das ist das Geheimnis – habe ich mir sagen lassen.«

Er schaute sie an, als wüsste er, wovon er sprach. Sie hatte das bestimmte Gefühl, dass er diese Weisheit von einer Person aus ihrer näheren Umgebung gehört hatte.

»Hast du dir sagen lassen!« Sie nickte bedächtig, während sie ihn durchdringend anstarrte. Um ihren Worten noch ein wenig mehr Gewicht zu verleihen, stemmte sie eine Hand in ihre wohlgerundete, sogar ziemlich wohlgerundete Hüfte.

»Das Hotel ist doch kein Ein-Frau-Betrieb«, fuhr Doherty fort. »Du bist die Chefin. Du gibst die Anweisungen. Daran solltest du dich wirklich immer wieder erinnern.«

Er rollte sich auf den Bauch und machte nun Liegestütze.

Einen Augenblick lang war Honey ziemlich abgelenkt. Seine Muskeln am Rücken und Hintern waren mindestens genauso attraktiv wie die am Bauch.

»Laut Smudger läuft der Laden praktisch von allein. Die brauchen dich nicht wirklich. Außerdem ist doch immer noch Lindsey da.«

Die Liegestütze brachten ihn kaum außer Atem.

»Ach, wirklich?«

Die Versuchung war einfach zu groß. Sie stellte einen Fuß auf seinen Rücken, und er sackte auf dem Boden zusammen. Mit einem großen »uff!« schnaufte er die Luft aus.

»Du hast also mit meinem Chefkoch gesprochen, was? Dann lass dir mal eines sagen, Steve Doherty, mein Chefkoch hält den Laden nicht am Laufen. Er kümmert sich nicht um die Gäste und hat auch nicht mit meinem Bankmenschen zu tun. Nur weil er in der Küche das Sagen hat, heißt das noch lange nicht, dass der Rest des Hotels von alleine läuft.«

»Lindsey! Nicht vergessen? Ich habe ausdrücklich Lindsey erwähnt.«

Da sprach Doherty wirklich ein wahres Wort gelassen aus. Lindsey Driver konnte alles am Laufen halten. Sie hatte eine Begabung fürs Kommandieren, einen wendigen Geist und jede Menge Chuzpe.

Honey überlegte, dass Doherty ein bisschen gepiesackt werden musste, und man konnte ihn kaum besser piesacken als durch die Erwähnung ihrer Mutter, Mrs. Gloria Cross – viermal verheiratet und auf der Suche nach Ehemann Numero fünf.

»Meine Mutter geht wesentlich öfter in Schönheitssalons als ich. Sie wäre vielleicht viel besser geeignet, deine Spionin in der Schönheitsfarm zu sein.«

Bildete sie es sich ein, oder erschauerte Steve Doherty tatsächlich?

»Aber deine Mutter ist nicht die Verbindungsperson des Hotelfachverbands zur Kripo. Außerdem würde ich unter Umständen selbst Mordgedanken hegen, wenn deine Mutter in diese Sache hineingezogen würde.«

»War nur ein Scherz.«

Eine gute Strategie, dachte sie, weil sie genau wusste, dass ihre Mutter Gloria Cross, die mit den makellosen Fingernägeln und dem perfekt geschminkten Gesicht und der Designer-Kleidung, ihren geliebten Kriminalpolizisten zum Wahnsinn trieb. Wenn sie es recht überlegte, ging es nicht nur ihm so. Ihre Mutter machte auch sie ziemlich nervös.

Sobald sie ihren Fuß von seinem Rücken genommen hatte, rollte Doherty sich herum und fing wieder mit seinen Bauchübungen an.

Wie magisch vom Anblick seiner muskulösen nackten Bauchpartie angezogen, ging sie neben ihm auf alle viere und schaute ihm ins Gesicht. Ihr loses Haar umrahmte ihre beiden Gesichter, als sie sich ihm näherte.

»Was kriege ich, wenn ich es mache?«

Das nervöse Zucken unter seinem rechten Auge, das die Erwähnung ihrer Mutter ausgelöst hatte, hörte sofort auf. Er lächelte erleichtert.

»Vor oder nach der Lösung des Falls?«

»Beides.«

Er grinste. »Mir schweben da ein paar Bonus-Angebote vor. Ein paar als Anzahlung vorab. Ein paar hinterher.«

Was das sein würde, brauchte sie gar nicht zu fragen. Ein Finger machte schon eine Erkundungsreise durch ihr Dekolleté, und irgendwie schien seine Hose zu eng zu werden.

Kapitel 2

Serena Sarabande hatte einen schneeweißen Porzellanteint und kalte blaue Augen. Ihre Wangenknochen waren scharf gemeißelt und ihre hellen Augenbrauen zu einem perfekten Bogen gezupft.

Sie war groß und hatte kantige Schultern, lange Arme und Beine und das Auftreten eines Supermodels. Ihr straff nach hinten gegeltes Haar war kurz und blond, und keiner einzigen Strähne war erlaubt, sich auf ihre marmorharten Gesichtszüge zu verirren.

Die Managerin des Beauty Spot trug einen weißen Arztkittel und strahlte aus jeder Pore die Abgeklärtheit der erfahrenen Expertin aus. Steve Doherty vermutete, dass sie mit diesem Auftritt die Patientinnen beruhigen wollte. Na gut, es umgab sie auch ein Hauch von glamouröser TV-Krankenhaus-Soap, aber wahrscheinlich sprach das viele Leute an und war genau das, was sie hier erwarteten. Steve hätte nicht übel Lust gehabt, sie zu fragen, ob sie als Kind je Doktorspielchen gemacht hatte, aber es war wohl weder der richtige Ort noch die richtige Zeit für solche anzüglichen Erkundigungen. Außerdem würde Honey ihm, wenn sie das je herausfand, wahrscheinlich seine edelsten Teile amputieren – oder zumindest auf die Sperrliste stellen.

Jawohl, Serena Sarabande machte wirklich gewaltig Eindruck. Sie sah aus, als könnte sie mit einem Skalpell umgehen, da würde sie doch mit Augenbrauenpinzette und einem Töpfchen warmem Wachs der Hit sein, oder nicht?

»Sie haben mich bereits befragt«, sagte die Dame, ohne dass ihre Augen in dem Gesicht mit der klassischen Nase, den wie aus Stein gemeißelten Lippen und dem makellosen Teint auch nur einmal blinzelten.

»Stimmt, habe ich.« Er rieb sich über die Stirn und runzelte sie im besten Stil von Columbo, diesem leicht trotteligen Detektiv aus den siebziger Jahren – oder waren es die achtziger Jahre gewesen? Er merkte, dass er sich immer mehr in diese Rolle hineindachte, bis hin zu einer Fingerhaltung, als hätte er eine glimmende Zigarre in der Hand.

»Aber da wären ein paar weitere Dinge, die ich bisher nicht ganz kapiert habe. Es tut mir leid, Sie damit zu belästigen, aber würde es Ihnen etwas ausmachen, einige Punkte noch einmal mit mir durchzugehen?«

Sie nahm hinter einem Schreibtisch aus Chrom und schwarzem Rauchglas Platz. »Ich denke nicht, nein. Also, was kann ich für Sie tun?«

Nicht viel, überlegte er, jedenfalls nicht an der sexuellen Front. Obwohl sie auf den ersten Blick recht aufregend wirkte, war er nach ein paar Minuten in ihrer Gegenwart nicht mehr ganz so begeistert. Zu kühl und professionell für seinen Geschmack.

Er zog sich einen Stuhl heran, auch wenn sie ihn nicht aufgefordert hatte, sich zu setzen. Als er Platz genommen hatte, merkte er, dass sie immer noch höher saß als er, dass sie ihn immer noch hochnäsig von oben herab musterte. Diese Dame ließ bei ihren Kunden keinerlei Zweifel aufkommen, wer hier das Sagen hatte.

»Es tut mir wirklich sehr leid, Sie noch einmal damit zu belästigen, Ms Sarabande«, sagte er mit vorgetäuschter Bescheidenheit – genau wie Peter Falk das seinerzeit gemacht hatte. »Ich muss mir nur in ein paar Punkten etwas mehr Klarheit verschaffen – wenn es Ihnen nichts ausmacht.«

Serenas Züge blieben tiefgefroren, wenn auch eine Augenbraue fragend in die Höhe gezogen wurde.

Doherty bemerkte das. »Entschuldigung. Das war meine Columbo-Nummer. Wissen Sie, dieser einäugige Typ aus der amerikanischen Krimiserie?«

»Nein.«

Ihre Stimme war so schneidend und eiskalt wie ihr Aussehen. Serena Sarabande erwartete, dass alle Profis so klinisch kühl wie sie selbst waren. Großer Gott, dachte Doherty, ich würde verrückt werden, wenn ich nicht ab und zu ein bisschen rumalbern würde – hier eine kleine Anspielung, da ein bisschen Foppen –, am liebsten mit Honey, überlegte er. Die konnte damit bestens umgehen.

Doherty fühlte sich wie ein Volltrottel und räusperte sich. »Okay. Dann wollen wir mal ein paar Dinge durchgehen.« Er zog Notizbuch und Stift heraus und blätterte die Seiten mit den Strichmännchen und gekritzelten Telefonnummern um, bis er eine leere, saubere Seite erreicht hatte.

Er stellte ein paar allgemeine Fragen, die er schon zuvor abgehakt hatte. Erstens, wer die tote Lady Macrottie gefunden hatte, wann und wie lange Ihre Ladyschaft da im Schlamm untergetaucht gelegen hatte, ehe jemand nach ihr schaute.

Er erinnerte sich, dass eine Angestellte namens Magda Church sich um die Lady gekümmert hatte. Jede Kundin hatte ihre persönliche Betreuerin, die ihr alle Wünsche erfüllte. Die Bedienstete hatte die Lady im Schlammbad liegen lassen und hätte eigentlich alle fünfzehn oder zwanzig Minuten nach ihr sehen müssen. Soweit er feststellen konnte, hatte Magda Church genau das getan.

»Diese Madga Church, die die Leiche gefunden hat, arbeitet sie schon sehr lange für Sie?«

»Zwei Jahre und drei Monate.«

Er machte sich eine Notiz, dass er Ms Church noch einmal befragen müsste. »Das ist aber sehr präzise.«

»Ich bin immer sehr präzise. Bei Fakten bin ich das immer.«

»Umso besser für mich.«

»Schön, dass Sie das so sehen.«

Diese Unterhaltung war so, als sei man in eine Schießerei mit einem erfahrenen Scharfschützen geraten. Ein Schuss auf Serena Sarabande, und sie erwiderte das Feuer; sie war ganz bestimmte eine, die immer das letzte Wort haben musste.

»Eine Einrichtung wie diese hier ist ja sicherlich nicht ganz leicht zu führen«, sagte er und schaltete wieder auf den benutzerfreundlichen Polizisten um. Columbo! Was für ein Trottel!

»Sie brauchen dafür wahrscheinlich auch einige Qualifikationen. Das stimmt doch?«

»Ja.«

»Dann erzählen Sie mal«, sagte er und schlug lässig die Beine übereinander. »Wo lernt man so Zeug wie das hier?«

»Zeug?«

Ihre Augen blitzten, und ihre aufgepolsterten Lippen verzogen sich verächtlich. Zeug war wirklich das verkehrte Wort gewesen. Was hatte er sich dabei bloß gedacht?

Sie holte tief Luft und presste ihre Brüste gegen den bis oben zugeknöpften Arztkittel.

Doherty versuchte sein Möglichstes, um sich zu rehabilitieren. »Die vielen verschiedenen Schönheitsbehandlungen, die kommen ja anscheinend von überall in der Welt. Wie schaffen Sie es, sich für all diese Anwendungen zu qualifizieren? Da muss man sicherlich viel lernen. Und viel Zeit aufbringen.«

Das glaubte er eigentlich nicht; denn wie schwierig konnte es schon sein, einer Frau Schlamm ins Gesicht zu schmieren und sie dann in ein Schlammbad zu stecken? Die Badewanne hatte eine Abdeckung. Man hatte sie ihm gezeigt. Es war gerade so viel Platz darunter, dass die Schultern aus dem Schlamm ragten. Ach, egal. Er hatte sie auf die Palme gebracht, da war eine versöhnliche Bemerkung angesagt.

Irgendetwas an seiner Frage musste ihr wirklich geschmeichelt haben. Sie wurde ein bisschen lockerer und erzählte ihm, sie hätte ihr Handwerk in Venezuela erlernt.

»Ganz schön weit weg.«

»Und in Polen«, fügte sie hinzu. »Ich habe in Polen angefangen. Ich habe dann noch in Italien und Spanien gearbeitet, ehe ich nach Venezuela ging.«

»Es klingt ganz so, als würden Sie Venezuela den Vorzug geben.«

»Das Land sprüht nur so vor Leben«, antwortete sie, allerdings sprühte ihre Stimme etwa so vor Leben wie ein Hintern mit Frostbeulen.

Serena Sarabande war ein Eisberg in Menschengestalt, kalt und am besten weiträumig zu umschiffen, wenn man nicht sinken wollte, ehe man das Reiseziel erreicht hatte.

 

Nachdem er gegangen war, rief Serena Sarabande bei Dr. Roger Dexter, dem Chefarzt des Etablissements, an.

»Die Polizei ist wieder dagewesen.«

»Du hast ihnen natürlich nichts gesagt.«

»Natürlich nicht.« Ihr stockte der Atem. »Natürlich nicht«, wiederholte sie, und ihre Stimme klang weitaus weicher, weitaus liebevoller als beim Gespräch mit Doherty.

Kapitel 3

Steve war nicht bei Honey eingezogen. Sie hatte ihr Zuhause, er seines. Ab und zu kamen sie zusammen, je nach Dienstzeiten und abhängig davon, ob die Spülmaschine im Green River Hotel nicht gerade wieder streikte. Wenn das passierte und Clint (Rodney) Eastwood nicht zur Hand war, hatte Honey den Schwarzen Peter gezogen; dann gab es einen Abend mit rosa – oder gelben – Gummihandschuhen und mit hingebungsvollem Schrubben von Töpfen und Pfannen. Gelegentlich kam auch eine Schicht als Kellnerin dazwischen. Oder bei Doherty die Polizeiarbeit, obwohl er in letzter Zeit mit dem Dienstplan Glück gehabt hatte.

Sie lagen zusammen im Bett in seiner Wohnung am Camden Crescent. Sie hatten gerade ihre zweite Flasche Wein aufgemacht, als er ihr von seiner Unterredung mit Serena Sarabande berichtete.

»Ein kalter Fisch«, sagt er.

Honey hatte sich in seine Armbeuge geschmiegt und schaute ihn von unten an.

»Ich wette, das sagst du nur so. Ich wette, sie sieht absolut phantastisch aus. Leute, die in solchen Spas arbeiten, tun das gewöhnlich.«

»Kommt drauf an, was du unter phantastisch verstehst. Ich meine, ein Eisberg ist phantastisch, ein schneebedeckter Berggipfel ist phantastisch, eine Eisbombe ist phantastisch …«

»Stopp! Das reicht!« Honey klatschte ihm die Hand auf den Brustkorb. »Jedes Wort, mit dem du sie beschrieben hast, hatte mit Kälte zu tun, ich denke, ich hab’s kapiert. Sie sieht phantastisch aus, aber nicht niedlich.«

Steve seufzte. »Ich glaube, du brauchst dir da gar keine Gedanken zu machen.«

»Warum sollte ich? Ich gehe ja nur für die Anwendungen hin, nicht um Fragen zu stellen.«

»Aber du wirst doch ein bisschen herumschnüffeln? Nicht einfach nur rumliegen und es dir gut gehen lassen?«

Honey warf ihm aus zusammengekniffenen Augen einen vernichtenden Blick zu. »Willst du mich auf den Arm nehmen?«

»Was meinst du?«

»Du erwartest doch nicht, dass ich, mit Schlamm bedeckt und nur von Möhrensaft und Vitaminpillen ernährt, da herumwandere, in der vagen Hoffnung, etwas Nützliches herauszufinden, alles ohne was Richtiges im Magen?«

»Ich hab nicht gesagt, dass sie dir da nur Möhrensaft vorsetzen.«

»Durchsuchen die mein Gepäck, wenn ich ankomme?«

Er beäugte sie misstrauisch. »Du willst doch nicht andeuten, dass du vorhast, da verbotene Vorräte reinzuschmuggeln?«

»Räucherlachs und Fetakäse wären nicht schlecht, und noch eine Schachtel Battenberg-Törtchen von dieser deutschen Discounterkette.«

»Ich weiß, wie man dein Herz erreicht, Hannah Driver.«

»Marzipan geht immer, am besten mit Schokoüberzug. Wenn ich nur an diese Battenberg-Törtchen denke, ist das der reine Orgasmus.«

»Wirklich? Mehr als bei mir?«

Er sah ein wenig geknickt aus, als sie kurz zu überlegen schien.

»Da kann ich mich noch nicht recht entscheiden«, sagte sie schließlich.

»Dir wird’s da gut gehen«, meinte er. »Es ist doch nur für kurze Zeit. Du wirst schon nicht verhungern.«

Sie seufzte. »Was man nicht alles aus Liebe tut.«

»Süße! Wie kann ich dir das je heimzahlen?«

»Meinst du nicht vergelten?«

»Nein, heimzahlen. Und jetzt kannst du mir noch ein bisschen was heimzahlen.«

Honey strich ihm über das stoppelige Kinn. »Da. Mehr ist nicht drin. Ich muss meine Energiespeicher auffüllen. Du willst doch nicht, dass ich mich plötzlich nicht mehr konzentrieren kann, weil es mir an angemessener Ernährung fehlt, oder? Das würde dich sicherlich schrecklich enttäuschen.«

»Höchstwahrscheinlich«, murmelte er zwischen ihren Brüsten hervor.

Honey seufzte, schloss die Augen und genoss es einfach. »In so kurzer Zeit kann mir ja nichts Furchtbares zustoßen, oder? Und die werden mich nicht gleich umbringen, weil ich ihren mageren Speiseplan ein bisschen ergänze?«

»Nur wenn du nicht mit den anderen Insassen – äh, Kundinnen – schwesterlich teilst.« Er schaute zu ihr hoch. Jetzt war sein Blick sehr ernst. »Sei vorsichtig und halte die Augen auf.«

»Geht in Ordnung.«

»Also«, meinte er und machte da weiter, wo er aufgehört hatte, »wann willst du deiner Mutter und deiner Tochter gestehen, dass wir miteinander schlafen?«

»Lindsey ist nicht auf den Kopf gefallen.«

»Und deine Mutter?«

»Daran arbeite ich noch.«

Kapitel 4

»Ich glaube, ein bisschen Ruhe wird mir gut tun«, erklärte Honey, während sie ihre Kommodenschublade durchwühlte, um zu entscheiden, welche Unterwäsche für diesen Anlass angemessen wäre. »Außerdem ist es nur für ein paar Tage. Meinst du, du kommst hier klar?«

Honey und ihre Tochter Lindsey wohnten gemeinsam in dem umgebauten Kutscherhäuschen hinten im Garten. Die Front des Kutscherhäuschens war auf die Rückseite des Hotels gerichtet – eine bequeme Entfernung zwischen zu Hause und dem Arbeitsplatz.

Lindsey schien nach ihrem Badmintonschläger zu suchen. Lindsey war ganz scharf auf Bewegung und Fitness; Honey konnte sich nicht erklären, wo das Mädchen das wohl herhatte.

»Ich komm dich holen, wenn hier was Schreckliches passiert – zum Beispiel, wenn Oma ihren Kopf zur Küchentür reinstreckt«, sagte Lindsey.

Honey fuhr herum. »Was auch immer geschieht, du darfst niemals – wirklich niemals – meine Mutter in die Küche lassen. Unter gar keinen Umständen. Ist das klar?«

Lindsey grinste. »War nur ein Scherz.«

Gloria Cross begriff einfach nicht, dass Chefköche sehr gefährlich werden können, wenn man sich auf ihr Territorium verirrte. Honey hatte sie schon gewarnt, dass Chefköche scharfe Messer und Fleischklopfer hatten. Es war äußerst unklug, sie zu verärgern.

Die Tatsache, dass in einer Hotelküche nur der Chefkoch das Sagen hat, sickerte nur sehr langsam in Glorias Hirn. Ein, zwei Mal hatte sie sich in die Küche verirrt, hier einen Pudding geprüft, dort ein wenig in einer köchelnden Soße gerührt und dabei überhaupt nicht bemerkt, dass Smudger, der Chefkoch, sein Hackebeil aufgenommen hatte und es mit dem irren Blick eines Massenmörders schärfte.

»So«, sagte Honey, als sie ein paar Frotteepantoffeln oben auf ihre Tasche quetschte. »Ich glaube, das war’s dann.«

»Was?«, blaffte sie, als sie den fragenden Gesichtsausdruck ihrer Tochter sah. »Hab ich noch was vergessen?«

Lindsey verengte die Augen zu Schlitzen. »Ja, du hast vergessen, dass du und eine gesunde Lebensführung einfach nicht zusammenpassen.«

»Ich gehe wegen der Schönheitsbehandlung hin.«

»Ach, komm schon, wann hast du dir die letzte Gesichtsmaske gekauft oder zum letzten Mal die Beine gewachst?«

»Das ist gar nicht so lange her.«

»Du lügst.«

Honey versuchte, ihr Gesicht abzuwenden und so zu tun, als wäre sie damit beschäftigt, noch ein Fischbeinkorsett in ihre Tasche zu stopfen.

»Und meine Beine sind in Ordnung. Glatt wie ein Kinderpopo.«

»Du trägst Jeans.«

»Ich trage gern Jeans.«

»Und das da wirst du nicht brauchen.« Mit diesen Worten zupfte Lindsey das Korsett wieder aus der Tasche. Es war ganz steif, mit Fischbein, gestärktem Leinen und Spitze.

Jetzt, wo sie darüber nachdachte, wäre es nicht verkehrt gewesen, sich die Beine zu wachsen. Na ja, das konnte sie ja im Beauty Spot machen lassen, aber hätte sie sich nicht doch ein bisschen mehr Mühe geben sollen?

Im Nachhinein war es vielleicht keine schlechte Idee, wenn sie den Eindruck erweckte, als hielte sie sich an einen strengen Schönheitsplan. Aber im Hotelgeschäft verbrachte man viele Stunde damit, die Gäste zu verwöhnen, nicht sich selbst. Auch das Personal musste verwöhnt werden. Personal war von Natur aus anspruchsvoll. Wenn es ums Verwöhnen ging, stand Honey immer ganz unten auf der Liste. Wenn sie einmal ein paar Stunden zum Ausruhen und Entspannen hatte, dann gewann ein gemeinsames Wannenbad mit Steve Doherty jedes Mal das Rennen. All die Schlammpackungen und die Tiefenreinigung der Haut konnten sich dann zum Teufel scheren!

»Ich möchte nur mal ein bisschen Zeit für mich.«

Sie hatte sich mit Doherty darauf geeinigt, dass sie niemandem sagen würde, wohin sie fuhr. Die bestens funktionierenden Buschtrommeln von Bath könnten sonst ihre Tarnung auffliegen lassen. Geheimhaltung war hier alles.

Lindseys Gesichtsausdruck war unverändert. »Du führst doch was im Schilde.«

»Nur, weil ich ein bisschen Zeit für mich haben will?«

»Das hat garantiert was mit Steve Doherty zu tun. Das kann ich riechen.«

»Nein, das ist mein Deodorant. Ich seh dich in ein paar Tagen«, sagte sie, schnappte sich ihre Tasche und flitzte auf bequem beschuhten Füßen aus dem Kutscherhäuschen. Heute trug sie Turnschuhe. Das gehörte alles zu der Aura einer Person, die Gesundheit und Fitness zu ihrem Lebensziel gemacht hatte.

Andererseits fühlte sie sich ein bisschen wie James Bond – natürlich ohne die Lizenz zum Töten.

Lindsey war neugierig, aber trotz ihres jugendlichen Alters war sie der Verantwortung mehr als gewachsen, das Green River Hotel zu führen. Laut den Worten ihrer Mutter war Lindsey schon tüchtig geboren. Verwaltung, Papierkram, Buchhaltung – das schaffte sie alles mit links. Sie konnte sogar mit schwierigen Gästen fertigwerden. Mehr Probleme machten ihr die Besucher, die England für eine Art großen Disney-Park hielten – wo noch die Feen am anderen Ende des Gartens tanzten und wo höfliche, grundehrliche Menschen feinstes Englisch sprachen.

Jemand hatte Mr. und Mrs. Okinara gehörig übers Ohr gehauen. Das war der erste Gedanke, der Lindsey durch den Kopf schoss, als die beiden ihr voller Stolz zeigten, was sie auf dem Antiquitätenmarkt gekauft hatten.

»Es ist sehr interessant, finden Sie nicht?«

Mr. Okinara strahlte zufrieden, als er ihr den Inhalt des langen Holzkästchens zeigte. Drin war eine Gerätschaft, die aus einem Gummischlauch und dem einen oder anderen merkwürdigen Ding bestand und deren Funktion Lindsey auf den ersten Blick erkannte. Mr. Okinara hatte ein viktorianisches Klistiergerät erworben.

»Ja, sehr interessant«, erwiderte sie, weil sie nicht wusste, was sie sonst sagen sollte. War Mr. Okinara klar, was er da erstanden hatte, oder hatte ihm ein schwergewichtiger Topverkäufer weisgemacht, dass er damit seine Bonsais gießen könnte oder sonstwas?

Hier würde sie Zurückhaltung üben müssen, entschied sie. Bei solchen Gelegenheiten war es vielleicht angebracht, nicht zu sehr auf den Verwendungszweck eines Gegenstands einzugehen.

»Wir sammeln solche Objekte und noch andere dekorativere Gegenstände, die wir an unsere Geschäftskunden verkaufen. Die zahlen sehr gut für ungewöhnliche Dinge«, erklärte Mrs. Okinara, eine elegant zurechtgemachte kleine Frau mit blauschwarzem Bob und tadellosem Geschmack, was Kleider anging.

In Lindseys Ohren klang das ganz so, als wüssten die beiden, was sie machten, aber sie bekam keine Chance, sich noch weiter mit ihnen zu unterhalten. Eine Hälfte der Doppeltür zum Empfang wurde aufgestoßen. Umschwebt von einer Wolke von Chanel-Parfüm und umwogt von einem langen Mantel aus changierender Seide in einem attraktiven Fuchsienrot, kam ihre Großmutter in den Empfangsbereich gerauscht.

»Ich war gerade in der Gegend«, sagte sie und nickte den beiden japanischen Gästen zu, die ihr Holzkästchen wieder schlossen, ehe sie zum Mittagessen gingen.

»Könnten Sie das bitte hinter dem Tresen für uns aufbewahren?«, fragte Mrs. Okinara. »Dann müssen wir nicht noch einmal auf unser Zimmer.«

Lindsey versprach ihnen das. Mr. und Mrs. Okinawa bedankten sich und sagten, sie würden nach dem Mittagessen wieder vorbeikommen.

»Was ist das denn?«, erkundigte sich Gloria Cross und rümpfte ihre bestens gepuderte Nase über den verstaubten uralten Behälter.

»Das willst du gar nicht wissen. Also, Gloria, was kann ich für dich tun?«

Ihre Großmutter strahlte zufrieden. Sie war begeistert, wenn ihre Enkelin sie wie eine Gleichaltrige behandelte und sie mit dem Vornamen anredete. Sie mochte es gar nicht, wenn man sie daran erinnerte, dass sie eine Großmutter war. Das passte überhaupt nicht zu ihrem Selbstbild.

»Ist deine Mutter da?«

»Nein«, antwortete Lindsey bedächtig. »Sie ist ein paar Tage weggefahren, in eine Wellness- und Schönheitsfarm.«

Gloria zog die Augenbrauen in die Höhe. »Deine Mutter – meine Tochter – ist in eine Wellness- und Schönheitsfarm gefahren?« Die Augenbrauen sackten wieder herunter. Nun runzelte Gloria Cross die Stirn. »Das glaube ich nicht. Was führt die denn im Schilde?«

Lindsey kaute auf der Innenseite ihrer Wangen herum. Wie ihre Großmutter hatte auch sie das ungute Gefühl, dass da etwas lief, von dem ihre Mutter ihr nichts erzählen wollte. »Ich weiß es nicht, aber ich habe den Verdacht, dass sie irgendwas vorhat. Sie hat mir nicht einmal gesagt, wohin sie fährt.«

Glorias Augenbrauen erreichten ungewohnte Höhen. »Und was genau schließt du daraus?«

Lindsey zuckte die Achseln. »Wir sollen wohl nicht wissen, was sie plant. Vielleicht ist es was ganz Persönliches – weißt du –, vielleicht was mit einem Mann?«

»Mit einem Mann? Sie kennt doch keine Männer«, rief ihre Großmutter.

»Und was ist mit Doherty?«

Ihrer Großmutter sackte die Kinnlade herunter. »Aber der ist nur Polizist. Was um alles in der Welt hat ihr der zu bieten?«

»Die beiden verbringen ziemlich viel Zeit miteinander.«

Gloria Cross hatte es sonst nicht so mit dem Stirnrunzeln und Augenzusammenkneifen. Ihrer Ansicht nach war das der Hauptgrund für die meisten hässlichen Fältchen.

»Meinst du, sie will ihn heiraten?«

Lindsey bildete sich einiges auf ihre Geduld ein, aber manchmal war ihre Großmutter wirklich der Gipfel. Sie klatschte die Handflächen auf den auf Hochglanz polierten Empfangstresen. »Natürlich nicht. Das würde sie uns doch sagen.«

Gloria Cross schaute sie ungläubig an. »Ich hoffe wirklich, dass zwischen den beiden nichts läuft. Ich hoffe, dass es eine rein berufliche Sache ist.«

»Nein, das ist es ganz bestimmt nicht. Die beiden schlafen schon eine ganze Weile miteinander. Meistens bei Doherty, glaube ich. Aber als ich vorletzte Woche in Malaga war, haben sie zusammen im Kutscherhäuschen übernachtet. Und als ich die paar Tage in Wimbledon war. Und dann war sie ab und zu mal eine Nacht weg. Glückwunsch, kann ich da nur sagen.« Die letzten Worte hatte sie nur leise vor sich hin gemurmelt.

»Sie hat mir gesagt, dass sie bei Mary – und manchmal bei Dee war. Dann kann sie was trinken und muss hinterher nicht Auto fahren, obwohl ihr doch Mary Jane angeboten hat, sie nach einem Abend mit den Freundinnen abzuholen.«

»Ich glaube nicht, dass es eine annehmbare Alternative für sie war, von Mary Jane abgeholt zu werden. Allerdings wäre sie dabei sicher schlagartig wieder nüchtern geworden, wenn ich es recht bedenke.«

Mary Jane war die hoteleigene Professorin für Parapsychologie, die hier vor einiger Zeit aus Kalifornien hereingeschneit war und das Green River zu ihrem Zuhause erkoren hatte. Sie hatte konstatiert, dass ihr vom Schicksal bestimmt war, hier zu leben, da ein längst verstorbener Verwandter in dem Zimmer spukte, das sie bewohnte.

Lindsey vertrat weiter standhaft ihre Meinung. »Ich denke, wenn sie nicht hier übernachtet hat, dann war sie bei ihm zu Hause.«

»Aber die sind doch nicht verheiratet!«

Ihre Großmutter – selbst nicht gerade prüde, wenn es um interessante Liaisons und ein erfülltes Sexualleben ging –, schien ernstlich entrüstet zu sein.

»Ich weiß. Aber meinst du, dass sie heiraten werden?«

Gloria klapperte mit ihren rot lackierten Fingernägeln auf dem Empfangstresen. Diamanten blitzten an ihren Fingern.

»Ich finde raus, wo sie ist, und frage sie.«

»Darüber wird sie nicht gerade erfreut sein.«

»Das ist mir gleichgültig. Ich bin ihre Mutter. Ich habe ein Recht darauf, zu erfahren, was da läuft.«

Jetzt war es an Lindsey, die Augenbrauen hochzuziehen. Ihre Mutter war einiges über vierzig und wirklich alt genug, um ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Aber Gloria Cross war eine unverbesserliche Glucke. Sie konnte gar nicht anders, sie musste sich einmischen.

Lindsey überlegte blitzschnell. Sie musste ihre Großmutter ablenken, sonst würde sie bis Weihnachten auf dieser Sache rumreiten.

»Wann heiratet eigentlich Enid?«

Das war genau die richtige Frage gewesen. Ihre Großmutter strahlte. »In drei Wochen. Ich freu mich so drauf«, sagte sie mit gefalteten Händen und glänzenden Augen. »Es ist ja so romantisch. Cuthbert hat ihr Herz im Sturm erobert, weißt du? Er ist ein wirklich eleganter Mann. Natürlich schadet es auch nicht, dass er eine Berühmtheit ist.«

»Berühmtheit? Ich wusste gar nicht, dass der beim Fernsehen ist.«

»Ist er ja auch nicht. Nicht alle Berühmtheiten sind beim Fernsehen. Er ist Kolumnist bei der ›Mature Times‹. Die lesen wir alle, und alle waren irgendwann einmal völlig in ihn vernarrt.«

Die Hoffnung stirbt zuletzt, dachte Lindsey. Ihre Großmutter redete wie ein siebzehnjähriges Groupie.

Das Klingeln des Telefons und das Erscheinen von Mary Jane beendeten zum Glück dieses Gespräch. Gloria Cross entschwand, um Tee zu trinken und mit Mary Jane zu plauschen.

Erleichtert und immer noch mit dem Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben, nahm Lindsey den Hörer ab.

»Hallo? Bist du das, Lindsey? Ich bin’s«, zischte die Stimme am anderen Ende.

Obwohl es kaum mehr als geflüstert war, erkannte Lindsey Clints Stimme. Rodney Eastwood war im Green River Gelegenheitsarbeiter und Tellerwäscher. Er wurde regelmäßig bar bezahlt und führte ein etwas zwielichtiges Leben.

»Ja, ich bin’s.«

»Hör mal, Lindsey. Tut mir leid, Mädchen, aber ich bin ein bisschen in Schwierigkeiten. Ich schaff’s heute Abend nicht.«

»Halsweh?«

»Wie?«

Sie meinte das Krächzen. Sie konnte ihn kaum hören.

»Hast du Halsweh?«

»Nein, nein. Ich wünschte, das wär’s. Ich hab ein Problem. Ein scheißgroßes Problem.«

»Ach, wirklich. Wie groß?«

»Es will mich jemand umbringen.«

»Das ist ziemlich groß.«

»Scheiße.«

Die Verbindung war abgebrochen.

»Na ja«, sagte sie und legte mit Nachdruck den Hörer auf. »Das war der erste Tag – und ich komm prima klar!«

Kapitel 5

Die Wellness- und Schönheitsfarm Beauty Spot war in einem eleganten Gebäudekomplex untergebracht, den sich im 18. Jahrhundert ein Zuckerhändler gebaut hatte. Früher war das Gebäude einmal von grünem Rasen umgeben gewesen, und man näherte sich ihm durch eine Ulmenallee. Die Ulmen waren in den siebziger Jahren alle der Holländischen Ulmenkrankheit zum Opfer gefallen. Und jetzt wurde die Zufahrt zur Schönheitsfarm von Häusern gesäumt. Wie die Sklaverei, die Quelle des Reichtums des Besitzers, war auch der Park, der das Haus umgeben hatte, inzwischen verschwunden. Man hatte den Rasen in handliche Stücke aufgeteilt, auf denen man Häuser »für gehobene Ansprüche« mit vier Schlafzimmern errichtet hatte. Roller und Dreiräder fuhren nun da herum, wo einmal das Rotwild geäst hatte, und an die Stelle der vierspännigen Kutsche waren Landrover und BMWs getreten. Phase eins und zwei dieses Bauprojekts waren abgeschlossen, und die Häuser wurden bereits bewohnt. Phase drei war noch im Bau.

Wie eine Herzoginwitwe war das großartige Haus hinterblieben, dominierte immer noch recht hochnäsig und von oben herab die würfelförmigen Kästen mit ihren Plastikfenstern und manikürten Rasenflächen. Das Herrenhaus hatte mehr als zwei Jahrhunderte überlebt und wirkte für sein Alter recht frisch. Der weiche Sandstein von Bath leuchtete sahnig gelb, die Fenster waren groß und kühn, und zu beiden Seiten der Tür standen adrette kleine Maulbeerbäume in quadratischen grünen Pflanzgefäßen. Kurz gesagt, es war ideal geeignet für seinen gegenwärtigen Nutzungszweck. Wie die Kundschaft, die hierher kam, wurde das alte Haus gelegentlich generalüberholt und seine vom Zahn der Zeit verursachten Schäden wurden gewissenhaft behoben.

Honey nahm ihre getreue Reisetasche, in die sie heimlich noch ein paar lebensnotwendige Dinge gepackt hatte, die sie für die Aufrechterhaltung ihrer Vitalität und Energie benötigte (ihre Lieblingstörtchen, eine Schachtel Pralinen von Thorntons’, zwei Baguettebrötchen mit Käse und Chutney, zwei Tüten Chips, ein halbes Pfund Cheddar-Käse und ein bisschen was zum Knabbern), und machte sich auf den Weg zur Eingangstür.

»Na, dann auf in den Kampf!«, murmelte sie und tätschelte liebevoll die Stelle in ihrer Reisetasche, wo die geschmuggelten Leckereien verstaut waren, fest in zwei neue Hosen von Marks und Spencer, Größe XL, eingewickelt.

Irgendwie konnte sie nicht begreifen, warum sie so aufgeregt war. Ja, sie sollte ein bisschen schnüffeln. Wie Steve gesagt hatte: »Frauen, die Gesichtsmasken aufgelegt kriegen und Fettverbrennung oder so was machen, können sich da besser umschauen, als ich das wahrscheinlich je schaffen würde.«

Der Seitenhieb mit der Fettverbrennung hatte ihm eine schnelle Ohrfeige eingebracht, aber im Grunde hatte sie begriffen, worauf er hinauswollte. Mit Klatsch und Tratsch von Frau zu Frau konnte man viel weiter kommen als ein Polizist, der seine Nase in anderer Leute Angelegenheiten steckte.

Leise Musik berieselte den Empfangsbereich, und es roch nach Meer, oder nach einem künstlich hergestellten Aroma. Es roch so, wie das Meer riechen könnte, wenn nicht Kanalisationsrohre hineinführten und überall Eistüten und Pappkartons herumlägen. Die Wände und Fußböden waren in sanften Farben gehalten. Der Teppich war dick und flauschig. Wenn auch das Haus in seiner glänzenden Vergangenheit gewiss schimmernde Marmorböden sein eigen genannt hatte, heute trug der Teppich zu einer Atmosphäre der Ruhe und des Friedens bei.

Die Empfangsdame sah aus, als könnte sie Miss Vollkommen heißen. Auf dem Namensschildchen stand etwas anderes: Karen Pinker.

Ihr Lächeln war breit und freundlich.

»Mrs. Driver? Ich heiße Karen. Willkommen im Beauty Spot, unserer Wellness- und Schönheitsfarm.«

Honey taufte Karen Pinker sofort in Karen Vollkommen um. Frauen, die sich eigentlich bisher nicht für hässlich oder ein bisschen verwahrlost gehalten hatten, würden ihre Meinung sofort ändern, sobald sie bei der Ankunft mit so viel Perfektion konfrontiert wurden. Honey hegte den trüben Verdacht, dass dahinter eine finstere Absicht steckte. Wer vorher nicht eingesehen hatte, dass gewisse Verbesserungsmaßnahmen notwendig waren, musste nach der Begegnung mit Karen davon überzeugt sein, dies bitter nötig zu haben.

»Danke.« Es war schwierig, zu lächeln und zu jemandem höflich zu sein, der einem das Gefühl vermittelte, eine hässliche Kröte zu sein, aber Honey war sich sicher, dass sie es ganz gut hingekriegt hatte.

Karens perlweiße Zähne blitzten wie Diamanten in einem abgrundtiefen Brunnen. »Wenn Sie sich bitte hier eintragen wollen, dann bringe ich Sie in Ihr Zimmer. Wunderbar!«

Diesen Ausruf versah sie mit einem beinahe atemlosen Staunen. Der makellose Teint der jungen Frau in dem weißen Kittel schimmerte nur so vor jugendlichem Selbstbewusstsein. Kein einziges Fältchen verunzierte die sahnig weiche Haut. Die Lippen prangten wie zwei kleine Samtkissen in ihrem perfekten Gesicht. Sie sahen so weich aus, so wunderbar geformt. Kurz überlegte Honey, ob man wohl Designer-Lippen käuflich erwerben konnte. Wenn ja, dann hatte dieses Mädel welche.

Honey ertappte sich dabei, wie sie ihre eigenen Lippen in den Mund sog. Obwohl sie sie am Morgen in einem hübschen Apricot-Ton geschminkt hatte, wirkten sie wahrscheinlich im Vergleich zu den sinnlichen Lippen dieser Dame etwa so attraktiv wie altbackene Kekse.

Na ja, deswegen bist du ja hier, rief sie sich in Erinnerung. Wenn du hier rauskommst, bist du eine neue Frau.

Karen reichte ihr eine Mappe, von der sie behauptete, sie enthielte alles, was Honey wissen müsste. Noch ein paar Mal auf die Tastatur getippt, und sie war eingecheckt.

»Darin finden Sie Ihren Behandlungsplan und die allgemeinen Informationen zu Ihrem Aufenthalt bei uns, aber fragen Sie bitte, wenn Ihnen etwas nicht klar ist. Wir sind dazu da, Ihnen zu helfen, die Frau zu werden, die Sie sein möchten. Bitte hier entlang«, sagte eine lächelnde Karen.

Karen Pinker war in der Rückansicht genauso perfekt wie von vorn. Ein knackiger, kleiner Hintern und schmale Hüften zeichneten sich unter dem weißen Kittel der jungen Frau vor ihr ab. Karen wirkte nicht nur hübsch, sondern beinahe priesterinnenhaft, schien aus nichts als Helligkeit und Strahlen zu bestehen. In auffälligem Kontrast zu Honeys dunklen Jeans und schwarzem Pullover – der Standarduniform aller, die wissen, dass sie zu viel wiegen, sich aber größte Mühe geben, das zu kaschieren – womit man im Grunde die Symptome und nicht die Ursache bekämpft, überlegte Honey. Das konnte sie auswendig hersagen, denn ihre Mutter hatte es ihr erklärt. Ihre Mutter erklärte es ihr ständig.

Das Zimmer, das man ihr zugewiesen hatte, strahlte dieselbe Ruhe aus wie der Rest der Schönheitsfarm. Das Bett sah bequem aus, der Raum war in kühlen Farben gehalten, und durch das Nordfenster fiel reines, weißes Licht herein. »Künstler bevorzugen ja das reine, weiße Nordlicht«, erklärte Karen. Ein Künstler hatte das Honey einmal erzählt, als sie neunzehn oder zwanzig war. Er hatte damals versucht, sie dazu zu überreden, ihre Kleider abzulegen, damit er sie nackt malen konnte. Als er ihr Zögern bemerkte, hatte er flink begonnen, seine Staffelei aufzubauen und seine Kohlestifte auszupacken, und sich gleichzeitig über die Vorteile des klaren nördlichen Lichts für ihr jugendlich festes Fleisch ausgelassen. »Es wird aussehen wie Satin«, hatte er gesagt. »Ich kann mich auch ausziehen, wenn du dich dann wohler fühlst.«

Rückblickend hätte es gewisse Vorteile gehabt, wenn der Künstler nackt gewesen wäre. Seine Kleidung roch penetrant nach Leinöl und Terpentin; ziemlich ekliges Zeug, nicht gerade vorteilhaft, wenn man jemanden verführen will. Sie hatte sich folglich auf seine sexuellen Annäherungsversuche nicht eingelassen. Seine wahren Absichten waren in der engen Hose nur zu offensichtlich gewesen, aber das hatte ihm alles nichts genutzt. Sie hatte einfach nichts für den Mann übrig gehabt und hatte ihm rasch Lebewohl gesagt.

Der letzte Anblick, an den sie sich erinnerte, war der Maler, wie er mit aufgeknöpfter Hose und bereit zum Nahkampf da stand. Weil er die Hände am Reißverschluss hatte, war er gezwungen, zwei Pinsel im Mund zu halten.

Sie hatte die Tür hinter sich zugeschlagen und vor Gott und allen Heiligen geschworen, sich niemals wieder auch nur entfernt mit einem Künstlertypen einzulassen. Aber den Spruch mit dem nördlichen Licht hatte sie nie vergessen.

»Hier ist der Schrank.«

Karen öffnete die Tür des schmalen Schranks, der säuberlich in einen Alkoven eingepasst war. Er war sehr schmal, kaum groß genug, um die wenigen Kleidungsstücke und die Tasche aufzunehmen, die Honey mitgebracht hatte.

»Und hier sind Ihr Bademantel und die Hausschuhe. Wir halten es im Beauty Spot so, dass wir Ihnen wenige, aber luxuriöse Kleidungsstücke, in denen Sie sich hier wohlfühlen können, zur Verfügung stellen und dass alles, was zur Außenwelt gehört, vor der Tür bleibt. Wir sind der Ansicht, dass innere Ruhe die natürliche Grundlage äußerer Ruhe und daher der Schönheit ist.«

Honey sagte nichts dagegen, schaute aber neugierig zu.

Ein Frotteebademantel, so adrett präsentiert wie alles andere hier in diesem Spa, hing auf einem Kleiderbügel aus Buchenholz. Hier gab es keine schäbigen Plastik- oder Drahtbügel aus der Reinigung, o nein!

Karen nahm den Bademantel und die Hausschuhe aus dem Schrank. Mit geschickten Händen breitete sie den Bademantel auf dem Bett aus, einen Ärmel ausgestreckt, den anderen ordentlich in den Gürtel gesteckt. Er wirkte beinahe wie eine Menschengestalt – als könnte er jeden Augenblick weglaufen oder sich in teuflischer Ektase öffnen, um zu offenbaren, was drinnen lauerte.

»Sie sind für drei Uhr zur Hawaii-Schlamm-Therapie eingetragen.

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