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Ich, Igor Strawanzky

strawanzen
Gebrauch: bayrisch, österreichisch
Bedeutung:
umherstreifen, sich herumtreiben
Betonung:
strawanzen

Gewidmet meinem Mann, der inzwischen die Vorzüge des Zusammenlebens mit einem Kater kennt, sowie allen Fellnasen, Bonsaipanthern, Samtpfoten, Stubentigern... die „ihrem Menschen“ das Leben mit ihrer unbeugsamen Unabhängigkeit und tiefem Empfinden so sehr bereichern.

 

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1

Ein Wesen war da, hat mit mir und den Geschwistern gespielt. Das war lustig, ich habe besonders viel und wild mit dem Wesen gespielt. Meine Schwestern haben sich versteckt. Ich glaube, sie hatten Angst vor dem Wesen. Das Wesen hat eine sanfte Stimme und kann sehr gut streicheln. Aber dann hat es mich in einen Korb gesteckt und weggetragen. Wo sind Mama und die Geschwister? „Das ist dein neues zuhause, Igor“ hat Das Wesen gesagt. Was ist ein Igor?

1 - später

Ich bin immer noch da mit dem Wesen. Wann bringt es mich zurück zu Mama? Ich habe Hunger. Das Wesen hat mir eine Schüssel mit Futter hingestellt. „Komm, Igor, Futter gibt‘s“ hat das Wesen gesagt. Das Futter stinkt. Ich mag es nicht essen. Das Wesen stinkt auch. Ich mag es nicht.

Dann hab ich das Futter doch gegessen, aber ich hab ein ganz kleines Stück übergelassen, damit das Wesen weiß, dass es mir nicht schmeckt.

1 - es ist dunkel

Es ist Nacht, ich bin allein, mir fehlen meine Mama zum Kuscheln und meine Geschwister zum Spielen. Ich mache die Augen auf, das Wesen liegt ganz nah bei mir, hat sich einfach mit seiner Kniekehle um meinen Körper gekuschelt - so eine Frechheit! Was sich das Wesen alles erlaubt.

Tag danach - dunkel

Wieder Nacht. Das Wesen wird immer dreister, hat sich doch einfach unter meinen kleinen Körper gepresst. So geschmeidig sieht das Wesen gar nicht aus, aber es hat es geschafft, sich mit seinem schweren Körper unter meinen zu schieben.

Warum schläft es auch in MEINEM Bett? Blödes Wesen! Aber es ist warm da, und so bleibe ich liegen.

wieder in Tag später

Das Wesen hebt mich gerne hoch und schaut mich an. Das ist schön, aber ich schnurre extra nicht. Das Wesen braucht gar nicht glauben, dass ich es mag. Das Wesen streichelt über meinen Kopf, es krault mich hinter mei nen Ohren. Das ist auch schön, aber ich schnurre extra nicht. Das Wesen braucht gar nicht wissen, dass ich es ein bisschen mag.

später

Das Wesen hat einen Wattebausch mit warmem Wasser genommen und mir über den Kopf gestrichen. Da hab ich die Augen zugemacht und mir vorgestellt, wie meine Mama mir über den Kopf leckt. Das war so wie immer. Ich habe die Augen fest zugemacht, damit mir Mama nicht ins Auge schleckt - ich hab dich lieb, Mama - und habe angefangen zu schnurren.

Als ich die Augen aufgemacht habe, war da nicht Mama, das Wesen war es mit seinem Wattebausch. Ich hab es gleich angefaucht, aber die Augen sind mir wieder zugefallen, weil das so schön war, wie Mama mich ableckt - ein Schnurren ist mir wieder entkommen.

Wieder habe ich die Augen aufgemacht, und da war immer nur das Wesen, das mich unaufhörlich mit dem Wattebausch gestreichelt hat. Leise, weiche Worte hat es mir zugeflüstert dabei. Ich habe genau hingesehen, es war nur das Wesen und nicht meine liebevolle Mama. Meine Schnurrdose wollte aber trotzdem gar nicht aufhören Musik zu machen und da habe ich es adoptiert, das Wesen.

Das Wesen ist jetzt mein Mensch!

ein Tag nach der Adoption

Als ich heute auf dem Polster neben dem Fenster geruht habe, war es plötzlich ganz laut. Von überall rundum ist ein schriller Ton in meine kleinen Katerohren geschossen. Ich bin so erschrocken - und dann war der Polster nass.

Mein Mensch hat mich hochgehoben und gesagt „Keine Angst, Igor, das war nur eine Sirene. Komm, wir waschen den angepinkelten Poster.“ Dann hat mir der Mensch einen anderen Polster hingelegt.

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ein Tag nach dem Tag nach der Adoption

Ich schlafe viel. Hier gibt es so viel, was ich entdecken muss, dass ich immer ganz müde bin. Mein Mensch ist gar nicht so übel.

ein Tag nach dem Tage nach der Adoption gestern

Mein Mensch hatte Besuch. Haben wir es nicht zu zweit besser? Ich habe alles von einem strategisch guten Platz beobachtet - unter dem Sofa. Jeder weiß jetzt, dass ich der Boss da bin. Ich habe den Menschen und den Besuch nicht aus den Augen gelassen. Mein Mensch hat Kaffee gemacht. Mit viel Milch. Milch ist gut, Kaffee nicht. Ich verstehe nicht, warum der Mensch Kaffee in die Milch gibt. Immer, wenn der Mensch Kaffee in die Milch gibt, stellt er sie auf den Tisch. Ich mag Kaffee nicht. Ich hab trotzdem wieder gekostet, und damit er weiß, dass das nicht gut ist, hab ich auf den Tisch gekotzt, neben die Kaffeemilch - das wird er sich merken, der Mensch. Der Besuch ist auch wieder gegangen.

Nachtrag

Und die Leckerlis, die mir der Besuch gegeben hat, habe ich mit großem Widerwillen gegessen.

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erster Tag allein

Heute hat mein Mensch gesagt, dass er wieder in die Arbeit muss. Er hat die Tür geöffnet, um hinaus ins Stiegenhaus zu gehen. Ich bin ihm durch die offene Tür hinausgefolgt. „Halt, Igor, du kleiner Strawanzer“, hat mein Mensch da gesagt und mich wieder zurück in die Wohnung geschoben. Ich war viele Stunden allein. Zuerst habe ich geschlafen und darauf gewartet, dass der lästige Mensch gleich wieder kommt, weil der ja dauernd mit mir spielen will. Ich spiel auch mit ihm widerwillig.

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