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Hundert Dollar Baby

1

Es war ein klarer Januartag und die Frau, die in mein Büro kam, war umwerfend. Sie hatte blonde Strähnchen im Haar und ihr beiger Hosenanzug sah aus, als wäre er von Michael Kors persönlich maßgeschneidert worden. Sie trug eine Art Umhang, der mit Fell gesäumt war. Sie nahm ihn ab und warf ihn über die Lehne meiner Couch. Dann kam sie rüber und setzte sich auf einen der Stühle, die ich für meine Klienten bereithielt. Sie lächelte mich an. Ich lächelte zurück. Sie wartete. Das Licht, das an diesem Morgen durch mein Fenster fiel, war besonders hell, verstärkt durch einen leichten Schneefall in der Nacht zuvor. Sie wirkte nicht sonderlich gefährlich. Ich behielt die Nerven.

„Du weißt nicht mehr, wer ich bin“, sagte sie nach einer Weile. „Oder?“

Ihre Stimme klang nach altem Geld, geschliffen und fein. Aber die Augen? Hinter den Augen verbarg sich jemand, den ich kannte.

„Noch nicht“, sagte ich. Sie lächelte.

„Noch nicht“, sagte sie. „Typisch du. ‚Noch kenne ich dich nicht, aber das kommt noch.‘“

„Mein Glas ist immer halb voll“, sagte ich. „Also, raus mit der Sprache, oder muss ich dich filzen?“

„Gott, es ist schön, dich zu sehen“, erwiderte sie. „Ich bin’s, April.“

Ich starrte sie an. Und dann erkannte ich sie auf einmal.

„April Kyle“, sagte ich und stand auf.

Sie stand auch auf. Ich ging um meinen Schreibtisch und sie sprang mir fast in die Arme. Ich drückte sie fest an mich. Sie war wunderschön, aber kaum hatte ich sie erkannt, musste ich auch daran denken, dass Inzest nicht gerade zum guten Ton gehörte. Mir kam es vor, als hielte ich ein kleines Mädchen in den Armen. All die kühle Eleganz war verschwunden. Sie presste sich an mich, hielt mich mit ihren Armen umschlungen und drückte ihr Gesicht an meine Brust.

„Ich fühl mich wie zu Hause angekommen“, sagte sie.

„Wenn du dort hinkommst, müssen sie dich aufnehmen“, sagte ich.

„Ist das nicht aus einem Gedicht von Robert Frost?“

„Sehr gut“, meinte ich.

„Das hast du mir beigebracht“, erwiderte sie.

Ich nickte. Sie drückte weiterhin ihr Gesicht gegen meine Brust. Ihre Stimme klang dadurch ein bisschen gedämpft.

„Du hast mir fast alles beigebracht, was wichtig ist“, sagte sie.

„Ist auch nicht schwer“, antwortete ich. „Es gib nur wenige Dinge, die wichtig sind.“

„Aber die, die es sind“, sagte sie, „sind sehr wichtig.“

Sie ließ mich los, trat einen Schritt zurück, blickte mich an und setzte sich dann wieder. Ich nahm wieder auf meinem Schreibtischstuhl Platz und lehnte mich zurück.

„Bist du noch mit Susan zusammen?“, fragte sie.

„Ja.“

Sie nickte. „Und du treibst immer noch dasselbe.“

„Und immer noch mit demselben unbeschreiblichen Charme.“

„Du siehst genauso aus wie früher.“

„Ist das gut oder schlecht?“

„Es ist einfach wunderbar“, sagte sie. „Es ist so lange her. Ich hatte befürchtet, du bist nicht mehr da. Aber jetzt sitzt du hier vor mir. Und siehst genauso aus. Voller Ironie und Kraft.“

„Du bist wunderschön geworden“, sagte ich.

„Danke.“

„Und anmutig“, merkte ich an.

Sie lächelte.

„Alles echt?“, fragte ich.

„Das Meiste“, erwiderte sie.

Ich schwieg. Ich konnte ihr Parfüm riechen. Es roch nach Geld. Sie roch nach Geld. Alles an ihr: ihre Kleider, ihr Stil, ihr Make-up, die Art, wie sie ihre Beine übereinanderschlug. Wie sie redete.

„Ich bin immer noch Hure“, sagte sie.

„Und wohl sehr erfolgreich“, antwortete ich.

„Genau genommen lege ich, ihm, nicht mehr so oft Hand an“, meinte sie lächelnd. „Ich bin jetzt im Management.“

„Der amerikanische Traum“, sagte ich.

„Du hast also nichts dagegen“, sagte sie.

„Ich hab dich doch selbst zu Mrs. Utley geschickt.“

„Es blieb dir ja nichts anderes übrig“, meinte April. „Ich war am Ende. Du musstest jemanden finden, der sich um mich kümmert.“

„Und du“, sagte ich. „Hast du was dagegen?“

„Was dagegen?“, sagte April. „Ich bin in dem Geschäft, seit ich fünfzehn war.“

„Das heißt noch lange nicht, dass es für dich okay ist“, sagte ich.

„Und die Tatsache, dass du mich zur erfolgreichsten Bordell-chefin von New York geschickt hast, heißt noch lange nicht, dass es für dich okay ist“, sagte April.

„Ich hab ein Weilchen nachdenken müssen. Immerhin ging es um dich“, sagte ich. „Aber ich finde es in Ordnung, solange es unter mündigen Erwachsenen bleibt und keiner gedemütigt wird.“

„Hattest du je Sex mit einer Hure?“, fragte April.

„In letzter Zeit nicht“, sagte ich.

„Also hast du vielleicht doch was dagegen.“

„Oder die Frauen fliegen so sehr auf mich“, meinte ich, „dass ich nicht dazu komme.“

April lächelte und blickte einen Moment lang in den hellen Morgen, der über der Berkeley Street lag.

„Stört dich was an mir? Missbilligst du mich?“, wollte sie wissen.

„Nein“, meinte ich. „Ganz und gar nicht.“

„Wahrscheinlich ist es das, was ich wissen wollte.“

„Wahrscheinlich“, sagte ich.

„Ich bin seit über einem Jahr wieder in Boston“, sagte April.

Ich nickte.

„Ich habe dich nie angerufen.“

Ich nickte wieder.

„Ich hatte Angst, dass du nicht mehr derselbe bist. Und dass es dich stört, dass ich immer noch mein Geld als Hure verdiene.“

„Ich glaube, der korrekte Ausdruck“, warf ich ein, „ist Sex arbeiterin.“

April schüttelte sachte den Kopf.

„Du hast immer gesagt, etwas ist das, was es ist. Nichts an-deres.“

„Habe ich“, sagte ich.

Wir schwiegen beide. Sie steckte in Schwierigkeiten und wollte, dass ich ihr helfe. Aber sie wollte nicht zugeben, dass sie in Schwierigkeiten steckte. So wie etwa die Hälfte der Leute, die in mein Büro kamen.

Ich wartete ab.

„Vor bald zwei Jahren“, fuhr April fort, „hat sie mir Geld gegeben und mich hierher geschickt.“

„Patricia Utley?“, hakte ich nach.

„Ja. Du weißt ja, was sie in New York treibt?“

„Ja.“

„Sie wollte, dass ich hier eine Filiale aufmache“, sagte April.

„Und?“

„Und das hab ich auch. Ich habe eine Villa in Back Bay ge-kauft, Mädchen eingestellt, die richtigen Leute bestochen und ... na ja, eben alles.“

„Viel Arbeit.“

„Viel Geld“, sagte sie. „Das Geschäft läuft blendend. Viel Geld für sie, viel Geld für mich.“

„Feine Sache“, sagte ich.

„Ein Unternehmen, das ganz von Frauen geführt wird“, sagte April. „Mrs. Utley, ich, die Mädchen. Auch die Angestellten, die mit dem Sex nichts zu tun haben. Oder fast nichts. Die Barkeeperinnen, die Köchinnen ... alles Frauen. Nur die Freier sind Männer und für sie ist es wie ein Privatklub.“

Ich nickte. Sie hörte auf zu reden und schaute wieder aus dem Fenster. Ich wartete.

„Und jetzt sind da Männer, die uns alles wegnehmen wollen“, sagte sie.

Aha!, dachte ich.

2

Hawk parkte seinen Jaguar auf dem Anwohnerparkplatz vor Aprils Villa. Die Sonne schien, aber sie wärmte nicht. Das Wetter war sehr kalt. So kalt, dass die dünne Schneedecke nicht schmelzen wollte. Die Promenade entlang der Commonwealth Avenue war noch immer unberührt und weiß. Der Schnee war frisch und trocken wie Sand.

Wir blieben einen Moment im Auto sitzen, bei laufendem Motor und eingeschalteter Heizung. Wir schauten uns das Haus an. Eine Pracht. Es war ein vierstöckiges Stadthaus. Ein Eck-haus. An der Querstraße war eine Vorhalle, die mit einem halbrunden Glasdach bedeckt war.

„April hat keine Ahnung, wer sie ausquetschen will“, sagte ich. „Es war ein anonymer Anruf. Aber als sie nein sagte, tauchten am nächsten Tag ein paar Typen auf und störten, äh, das Be triebsklima.“

„Und sie kamen wieder?“

Ich nickte.

„In dem Betrieb sind nur Frauen“, sagte ich. „Knifflige Sache. Immerhin ist das alles illegal. Da kann man schwer die Poli zei rufen.“

„Hat sie denn keinen bestochen?“, fragte Hawk.

„Doch, aber das nützt nur was, solange man keine Aufmerk-samkeit erregt.“

Hawk blickte zum Haus und nickte.

„Die Kleine hat Geschmack.“

„Als ob du da was von verstehst.“

„Aber hallo.“

„Ich hab ihr gesagt, wir schauen mal rein und verscheuchen die Kerle“, sagte ich. „Mal sehen, für wen sie arbeiten.“

Hawk nickte langsam. Er schaute noch immer zum Haus.

„Türsteher in einem Bordell“, sagte Hawk. „Die Kronung meiner Karriere. Gibt’s wenigstens Knete?“

„Ja.“

„Wie viel?“

„Auf den genauen Betrag haben wir uns noch nicht geeinigt.“

„Dürfen wir an den Süßigkeiten naschen?“

„Da musst du die Süßigkeiten fragen“, sagte ich.

Hawk stellte den Motor ab und wir stiegen aus. Ich trug eine Schaffelljacke. Hawk trug einen schwarzen Pelzmantel. Es waren ungefähr dreizehn Grad minus. Zum Glück wehte kein Wind und es war nicht weit bis zur Tür.

Im Foyer stand ein Empfangstisch. Daran saß eine gut aussehende Frau in einem maßgeschneiderten Kostüm. Auf einem Schild stand diskreterweise nur Concierge. Als wir reinkamen, schaute sie uns nervös an. Auf allen Seiten des Foyers waren Türen. Eine elegante Treppe führte in den ersten Stock.

„Mein Name ist Spenser“, sagte ich. „Für April Kyle.“

Die Empfangsdame wirkte erleichtert. Sie nahm das Telefon ab und sprach hinein. Augenblicklich öffnete sich eine Tür hinter ihr und April tauchte auf. Sie war genau so elegant wie in meinem Büro.

„Gott sei Dank, dass du da bist“, sagte sie. „Sie kommen.“

Wir gingen in ihr Büro. Es war spärlich eingerichtet. An der ge genüberliegenden Wand stand ein großer moderner Schreibtisch. An weiteren Schreibtischen saßen zwei Frauen, die an Computern arbeiteten. Eine Reihe Aktenordner stand an der anderen Wand. Über der Tür waren einige Monitore angebracht.

„Damit ihr Bescheid wisst“, sagte April zu den Frauen im Büro. „Das sind die Guten.“

Die beiden Frauen blickten uns schweigend an. April stellte uns nicht vor. Sie war ganz Geschäftsfrau. Eine völlig neue Seitean ihr. Hawk und ich zogen unsere Mäntel aus und hängten sie auf einen Kleiderständer an der Tür.

„Das sind die Monitore unserer Überwachungskameras“, sagte sie. „Der in der Mitte ist für die Eingangstür.“

„Wer kommt?“, fragte ich.

„Der Mann hat angerufen“, sagte April.

Ihre Stimme war monoton. Sie gab keine Gefühle preis. Sie redete sehr schnell. Allein das gab zu erkennen, dass etwas nicht stimmte.

„Er hat gesagt, sie wollen nicht mehr warten. Dass sie jetzt kommen.“

„Um Druck zu machen?“

„Ja“, sagte April. „Er sagte, dass es diesmal richtig zur Sache geht.“

„Das werden wir sehen“, sagte ich.

„Ich gebe nicht nach“, sagte April. „Auf keinen Fall. Mein Geschäft wird mir keiner abnehmen.“

„Wie ist es das letzte Mal gelaufen?“, fragte Hawk.

„Sie sind an Doris am Empfang vorbei und durchs ganze Haus gegangen und haben die Mädchen und ihre Gäste ge stört. Sie haben die Gäste verjagt.“

„Schlecht fürs Geschäft“, sagte Hawk.

„Ja“, sagte April. „Die können wir als Kunden wahrscheinlich abschreiben.“

„Hast du eine Waffe?“, fragte ich.

„Ja. Aber ich will sie nicht benutzen. Und ihr auch nicht. Das wäre das Ende, wenn hier jemand erschossen wird.“

„Stimmt“, sagte ich.

„Das hier ist ein gutes Geschäft“, sagte April. „Nur von Frau-en betrieben. Ich gebe das nicht auf, nur weil ein Mann etwas davon will.“

Hawk starrte auf den Monitor.

„Volltreffer“, sagte er.

April schaute auf.

„Ja“, sagte sie. „Das sind sie.“

„Ihr Ladys solltet euch zurückziehen“, sagte ich zu den Büro angestellten.

Sie blickten zu April. April nickte. Die beiden Frauen stan-den auf und gingen durch eine Tür hinter Aprils Schreibtisch hinaus.

„Du auch, meine hübsche Emanze“, sagte ich.

April lächelte. Sie schien keine Angst zu haben.

„Ich bleib hier“, sagte sie.

„Kann ich verstehen“, meinte Hawk. „Das wird bestimmt spa ßig.“

3

Sie trugen beide dunkle Mäntel. Auf dem Monitor wirkte einer von ihnen recht fett. Sie rauschten am Empfangstisch vorbei und gingen auf Aprils Büro zu. Die Tür ging auf und sie ka men rein. Der eine war wirklich recht fett. Der andere hatte einen ge-drungenen Oberkörper, wie ein Gewichtheber.

Der Gewichtheber sagte: „Jetzt reden wir mal Klartext, Puffmutter ...“

Er hielt inne und sah Hawk und mich an.

„Wer zum Teufel seid ihr?“, sagte er.

„Das frage ich mich auch“, erwiderte ich. „Geht’s Ihnen nicht so? Manchmal, bei Nacht, wenn Sie allein im Bett liegen?“

„Ihr seid keine Kundschaft“, sagte der Gewichtheber.

Helles Köpfchen. Der erste Anhaltspunkt war wahrscheinlich die .44er Magnum, die in Hawks Schulterholster steckte. Sie hatten offensichtlich gedacht, es würde ein Kinderspiel. Ihre Män tel waren zugeknöpft. Wenn sie Waffen trugen, würde es eine Ewigkeit dauern, bis sie die gezogen hatten.

„Wir sind vom Wachdienst“, sagte Hawk.

Er klang sehr liebenswürdig. Die beiden Kerle starrten uns an. Sie wirkten etwas nervös. Trotz seiner freundlichen Stimme sah Hawk nicht so aus, als wäre mit ihm gut Kirschen essen.

Der Gewichtheber sagte: „Mir egal, wer ihr seid. Haut ab. Wir haben was mit der Puffmutter zu besprechen.“

„Ihr Name ist Miss Kyle“, sagte ich.

Der Fette fing an, seinen Mantel aufzuknöpfen.

„Lass ihn zu“, sagte ich.

Er warf mir einen finsteren Blick zu. „Fick dich“, sagte er.

Hawk trat von dem Aktenschrank weg und auf ihn zu. Er nie-te te den Fetten mit einem Schlag um. Der Schlag kam so heftig wie eine Explosion, der Fette bekam nicht mal die Hände hoch. Er sank auf seine Hände und Knie und da blieb er erstmal. Lang-sam schüttelte er den Kopf. Der Gewichtheber bewegte leicht die Hände, als ob er seinen Mantel aufknöpfen wollte. Er tat es nicht.

„Wer hat euch geschickt, um mit Miss Kyle zu reden?“, fragte ich.

„Mit dir rede ich nicht“, meinte der Gewichtheber.

Mir tat er fast leid. Er war in dem Glauben hergekommen, dass er ein paar Nutten einschüchtern konnte und vielleicht einen Vorstadtheini, der für einen Nachmittagsquickie hier war, und den er herumschubsen durfte. Mit uns hatte er nicht ge-rechnet. Und langsam dämmerte ihm, dass er und sein Kumpel den Kürzeren gezogen hatten.

„Doch, du redest mit mir“, sagte ich. „Fragt sich nur, wann.“

Der Fette rappelte sich unter Schmerzen auf. Er traute sich nicht, Hawk anzuschauen. Hawk hatte seinen Revolver in der Hand. Er ließ ihn lässig an seiner Seite baumeln.

„Ich hab nichts zu sagen“, meinte der Gewichtheber.

Treu wie ein Kampfhund. Ich verpasste ihm mit der offenen Hand eine Ohrfeige, quer über das Gesicht. Ich hörte, wie April hinter mir keuchte. Der Gewichtheber trat einen Schritt zurück. Es tat ihm weh. Er war gedemütigt. Aber vor allem war er verwundert. In den Kreisen, in denen er sich bewegte, wurde nicht viel geohrfeigt. Er hielt sich schützend die Hände vor sein Gesicht und warf seinem fetten Freund einen hastigen Blick zu.

„Wer hat euch geschickt, um mit Miss Kyle zu reden?“, fragte ich.

Der Gewichtheber bewegte sich rückwärts Richtung Tür. Hawk trat dazwischen und schnitt ihm den Weg ab.

Ich täuschte mit meiner Rechten einen Schlag in seinen Ma-gen vor. Er ließ die Hände fallen und ich ohrfeigte ihn mit meiner Linken. Dann mit der Rechten. Er beugte sich vor, duckte den Kopf und bedeckte sein Gesicht. Ich klatschte ihm eine auf den Hinterkopf. Er hob die Hände schützend an. Dann ohrfeigte ich ihn wieder ins Gesicht.

„Hör auf“, sagte er. „Aufhören! Hör auf!“

Sein Gesicht war gerötet.

„Wer hat euch geschickt, um mit Miss Kyle zu reden?“, fragte ich.

„Ollie“, sagte er.

„Kennst du einen Ollie?“, fragte ich April.

„Nein.“

„Wer hat bei dir angerufen?“

April zuckte die Schultern.

„Er hat mir seinen Namen nie genannt“, sagte sie. „Kann sein, dass es Ollie ist. Ich weiß es nicht.“

„Erzähl mir von Ollie“, sagte ich zu dem Gewichtheber.

„Ollie hat seine eigene Truppe“, sagte der Gewichtheber. „Ich und Panzer, wir arbeiten für ihn.“

„Wie heißt Ollie mit Nachnamen?“

„DeMars.“

„Und wo steckt dieser Ollie?“

„Andrews Square“, sagte der Gewichtheber.

In seiner Stimme schwang Erwartung mit. Er freute sich schon darauf, dass wir bei Ollie aufkreuzten und unsere Tricks da versuchten. Ollie würde es uns schon zeigen.

„Er hat da ein Klubhaus“, sagte der Gewichtheber. „Einen La den. War früher die Praxis von ‘nem Chiropraktiker. Direkt am Andrews Square.“

„Und warum will Ollie, dass ihr diese netten Leute beläs tigt?“, fragte ich.

„Keine Ahnung.“

Ich schlug ihn mit der flachen Hand quer über das Gesicht. Er zuckte zurück.

„Ich weiß es nicht“, sagte er. „Ich schwör’s. Ollie hat nur gesagt, wir sollen so lange weitermachen, bis sie Vernunft annehmen.“

„Soll heißen?“

„Dass sie verhandeln.“

„Mit Ollie?“

„Ich weiß es nicht.“

„Worüber verhandeln?“

„Ich weiß es nicht!“

„Und du, Panzer?“, sagte ich zu dem Fetten.

Er schüttelte den Kopf.

„Stimmt das alles, was er uns erzählt hat?“, fragte ich.

Der Fette nickte.

„Okay“, sagte ich. „Hände an die Wand, Beine spreizen. Ihr kennt das ja.“

Sie taten wie geheißen. Ich tastete sie ab. Jeder von ihnen hatte eine Waffe, die ich ihnen abnahm, und ein Porte mon naie. Die Waffen legte ich auf Aprils Schreibtisch. Ich zog ihre Führer schei ne aus den Portemonnaies und gab ihnen die Portemonnaies zurück.

„Sagt Ollie, dass wir ihn mal besuchen kommen“, meinte ich.

„Und meine Waffe?“, fragte der Gewichtheber.

„Ihr müsst euch wohl oder übel ohne Schießeisen zurücktrauen“, sagte ich. „Und jetzt haut ab.“

Es schmeckte ihnen gar nicht, dass sie die Waffen zurücklassen mussten. Sie mochten ihre Waffen. Aber sie konnten es nun mal nicht ändern. Sie drehten sich zur Tür um. Hawk stand ihnen immer noch im Weg. Sie blieben stehen. Hawk hielt dem Gewichtheber den Lauf seines Revolvers unter die Nase.

„Lasst euch hier nicht mehr blicken“, sagte er

Keiner von beiden bewegte sich. Hawk trat zur Seite und die beiden verschwanden. Wir schauten zu, wie sie aus der Vordertür auf die Straße gingen.

„Danke“, sagte April, als wir allein waren.

„Es ist noch nicht vorbei“, sagte ich. „Diese beiden Trottel hier kommen vielleicht nicht wieder. Aber Ollie wird jemand anders schicken.“

„Einer von uns sollte mit Ollie reden“, sagte Hawk.

„Und einer von uns sollte hier bleiben“, sagte ich. „Um Ollies Schläger angemessen zu begrüßen.“

„Das mache ich“, sagte Hawk. „Dann kann ich mich den Damen hier vorstellen.“

Ich nickte.

„Und ich kann mich Ollie vorstellen“, sagte ich.

„So sollte es sein“, meinte Hawk. „Bei deinem Charme.“

„Ja“, erwiderte ich. „Wo du Recht hast, hast du Recht.“

„Schaffen Sie das auch, so ganz allein?“, fragte April Hawk.

Was sie meinte, war: Sind wir auch sicher, mit nur einem Bewacher? Hawk wusste, was sie meinte. Er grinste.

„Wenn’s zu viele sind“, sagte er, „hau ich einfach ab.“

April schaute ihn unsicher an.

„War nur ein Witz“, sagte ich. „Um Hawk zu vertreiben, müss te schon ganz China einmarschieren.“

„Mit ganz China werde ich auch noch fertig. Oder meinst du nicht?“

Ich wägte mit der Hand ab.

„Vielleicht brauchst du mich als Verstärkung“, meinte ich.

4

Es war zehn nach sechs am Abend. Susan kam von ihrer Praxis im Erdgeschoss in ihre Wohnung hoch. Ich und Pearl der Wunderhund saßen mit der Zeitung und einem Glas Johnnie Walker Blue auf der Couch. Nur dass Pearl nicht las. Und nicht trank. Sie lag auf der Seite, die Beine ausgestreckt, den Kopf auf meinem linken Oberschenkel. Das Umblättern fiel mir nicht leicht.

Susan sagte: „Keine Bewegung. Wehe, du weckst die Kleine.“

Pearl wedelte energisch mit dem Schwanz, rührte sich ansonsten aber nicht. Susan ging durch das Wohnzimmer und küsste mich auf den Mund. Dann küsste sie Pearl.

„Wenigstens war ich zuerst dran“, meinte ich.

Susan ging zum Kühlschrank, schenkte sich ein Glas Riesling ein und setzte sich mir gegenüber in den Sessel.

„Wie war dein Tag?“, fragte ich. „Mit all den Verrückten?“

„Ich hatte eine Patientin, für die Sex und Liebe ein und dasselbe ist“, sagte sie. „Dadurch wird Sex sehr wichtig. Sie nimmt es sehr ernst. Es macht ihr Angst.“

„Macht es ihr auch Spaß?“

„Leider nicht“, meinte Susan. „Noch nicht. Und wie war dein Tag? Mit all den Verbrechern?“

„April Kyle ist wieder aufgetaucht“, sagte ich.

„Das Mädchen, das du in die Prostitution getrieben hast?“

„Ich habe sie davor bewahrt, sich als Prostituierte zu erniedrigen. Stattdessen habe ich sie zu einem würdevollen Leben als Hure ermutigt“, sagte ich

„Wenn es so etwas überhaupt gibt“, meinte Susan.

Ich trank mein Glas aus und wollte aufstehen, um nachzuschen ken.

„Lass gut sein“, sagte Susan. „Ich mach schon. Sie hat’s gerade so gemütlich.“

Sie schenkte mir einen Drink ein und brachte ihn mir.

„Das mit der Würde ist so eine Sache“, sagte ich, „bei allem, was man tut. Mal mehr, mal weniger.“

„Ich weiß“, sagte Susan. „War nur ein Scherz. Du hast getan, was du konntest.“

„Sie ist zu geschädigt, um Hausfrau zu werden“, sagte ich.

„Oder Therapeutin“, meinte Susan. „Wie ist sie so?“

„Erwachsen. Es ist erschreckend. Seit weiß Gott wie vielen Jahren hatte ich sie als Kind vor Augen. Und jetzt ist sie keins mehr.“

„Hat sie immer noch mit Prostitution zu tun?“

„Ja, aber sehr würdevoll.“

„Erzähl mir mehr“, sagte Susan.

Während ich erzählte, stand Pearl plötzlich auf, als würde sie auf eine unhörbare Stimme reagieren. Sie trabte zu Susan und kuschelte sich zu ihr in den Ohrensessel. Pearl wog fünfunddreißig Kilo, was die Sache schwierig machte. Susan rutschte vor und setzte sich auf die Sesselkante, während Pearl sich hinter ihr so gut es ging zusammenrollte.

„Hat sie nicht irgendwo in Back Bay angefangen? Als du sie damals aufgegabelt hast?“

„Ja“, sagte ich. „Jetzt arbeitet sie woanders. Aber irgendwie ist sie schon zu ihren Wurzeln zurückgekehrt.“

„Klingt charmant. Als ob sie sich in den besten Kreisen bewegt“, sagte Susan.

„Stimmt“, meinte ich. „Patricia Utley hat ihre Sache gut gemacht.“

„Bei dem Leben, das sie geführt hat, muss sie geschädigt sein. Besonders, da sie so groß geworden ist“, sagte Susan.

„Ich weiß.“

„Meistens“, sagte Susan, „zeigen sich solche Schädigungen in Stresssituationen.“

„Ich weiß.“

„Du weißt anscheinend viel“, meinte Susan.

„Weil ich irre viel mit einer irre guten Therapeutin rummache“, sagte ich. „Seit Jahren schon.“

„Sehr witzig“, erwiderte Susan. „Nur kann ich mich bei dem ganzen Rumgemache an nicht so viele Gespräche über die menschliche Psyche erinnern.“

„Aber an den ganzen Spaß, an den kannst du dich hoffentlich erinnern?“, fragte ich.

„Meistens kneife ich nur die Augen zu und denke an Freud“, gab sie zurück.

Ich ließ einen Moment lang die Eiswürfel in meinem Glas hin- und herklimpern.

„Du meinst also, dass Prostitution an sich demütigend ist?“, fragte ich.

„Zumindest gilt es als anerkannt, dass sie für Frauen demütigend ist“, erwiderte Susan.

„Und für Männer nicht?“

„Nein, so weit reicht der gesellschaftliche Konsens nicht. Aber ich nehme an, dass die meisten von uns Männer, die zu Huren gehen, verachten.“

„Vielleicht werden beide erniedrigt“, sagte ich.

„Oder es ist wie bei meiner Patientin“, meinte Susan, „die der Meinung ist, Sex müsse immer ein Liebesbeweis sein. Vielleicht messen wir dem Ganzen zu viel Bedeutung bei und wollen nicht akzeptieren, dass Sex ohne Liebe und Hingabe trotzdem Spaß machen kann.“

„Und wenn der Sex mit Liebe und Hingabe einhergeht?“

„Wie bei uns“, sagte Susan. „Dadurch wird er viel besser. Aber Spaß machen sollte es trotzdem.“

„Chinesisch essen macht auch Spaß“, warf ich ein.

„Besonders, wenn Liebe und Hingabe dabei sind?“

„Dann besonders“, meinte ich.

„Hast du etwa Hunger?“

„Und wie.“

„Und was ist mit der würdevollen Prostitution?“, wollte sie wissen.

„Die können wir auch bei Mu-Shu-Schwein besprechen“, meinteich. „Oder Hühnchen in Zitronensauce.“

„Wollen wir uns was bestellen?“

„Nur, wenn ich mit der Gabel essen darf“, sagte ich. „Ich hasse Stäbchen.“

„Na klar“, meinte Susan. „Wenn’s dir Spaß macht.“

Ich prostete ihr mit meinem Glas zu.

„Scotch mit Sodawasser“, sagte ich, „Hühnchen in Zitronensauce. Und dich.“

„Ich ruf beim Chinesen an“, sagte sie.

5

Ollie DeMars’ so genanntes „Klubhaus“ war in einem kleinen Backsteingebäude an der Southhampton Street, gleich am Andrews Square. Sogar seinen eigenen Parkplatz hatte er. Sehr praktisch. Der Parkplatz war leer. Nur ein Lexus stand da. Ich stellte meinen Wagen neben dem Lexus ab und ging rein.

Der Raum wurde von einem riesigen Fernsehschirm an der hinteren Wand dominiert. Vor dem Fernseher standen fünf oder sechs Sessel. Darin saßen zwei Kerle, die ziemlich hartgesotten wirkten. Sie schauten sich eine Reality-Sendung an, in der Leute Würmer aßen. Zu meiner Linken, an der Seitenwand, stand ein großer Konferenztisch mit Stühlen. Und an der Wand mit dem Fernseher stand neben einer Tür, die weiter ins Gebäude hineinführte, ein großer avocadofarbener Kühlschrank.

Als ich reinkam, wandte mir einer der Männer vor dem Fernseher den Kopf zu und sagte: „Was willst du?“

„Panzer hat mich geschickt“, erwiderte ich. „Um mit Ollie zu reden.“

Der Mann dachte kurz darüber nach. Er hatte eine Glatze. Die wenigen Haare, die ihm noch verblieben waren, trug er ziemlich übel von einer Seite auf die andere gekämmt.

„Weiß Ollie, wer du bist?“, fragte er.

„Mein Ruf eilt mir meistens voraus.“

„Dein Ruf“, sagte die Glatze.

Sein Kumpel war größer als er, und jünger. Er hatte schulterlanges dunkles Haar. Er wandte sich mir zu.

„Und, hast du einen guten Ruf?“, fragte Langhaar.

„Nein“, sagte ich. „Die meisten kriegen Angst. Fäuste aus Stahl. Und jetzt sag bitte Ollie Bescheid, dass ich hier bin.“

„Und wenn nicht?“, meinte Langhaar.

„Dann kriegt ihr meine Fäuste aus Stahl zu schmecken“, sagte ich.

Was für ein Quatsch. Ich hatte wirklich Besseres zu tun, als mit zwei gewöhnlichen Handlangern rumzuzicken. Aber sie gingenmir auf die Nerven. Langhaar stand auf und musterte mich. Dann lachte er herablassend und ging durch die Tür ne ben dem Kühlschrank. Die Glatze starrte mich schweigend an, solange Langhaar weg war. Es dauerte nicht lang.

„Okay, Stahlfaust“, sagte Langhaar. Er stand im Türrahmen. „Ollie sagt, du kannst reinkommen.“

Ich folgte ihm einen kurzen Gang entlang in ein anderes Zimmer. Auch dort gab es einen Fernseher. Und einen Schreibtisch. Und ein paar Bürostühle mit Armlehnen. Auf dem Schreibtisch standen ein Telefon und ein Computer. An der rechten Wand war eine Couch. Hinter dem Schreibtisch saß ein Typ, der so aussah, als könne er Ollie heißen. Er hatte strohblonde Haare und ein breites, freundliches Gesicht. Als ich reinkam, stand er auf und ging um seinen Schreibtisch herum.

„Sie müssen Spenser sein“, sagte er. „Ich bin Ollie DeMars.“

Ich blickte Langhaar an.

„Siehst du? Ich hab doch gesagt, mein Ruf eilt mir voraus.“

Er grunzte.

„Schon okay, Johnny“, sagte Ollie. „Du kannst uns allein lassen.“

Langhaar nickte und ging den Gang entlang, zurück ins Wunderland des Reality-TV.

„Setzen Sie sich“, sagte Ollie.

Er trug ein blaukariertes Hemd, eine kastanienbraune Strickkrawatte und ein rostfarbenes Tweedsakko. Er sah aus wie ein Immobilienmakler.

„Sie haben mir einen Riesengefallen getan“, sagte Ollie. „Wenn ich Kerle wie Panzer und Eddie losschicke, dann gehe ich davon aus, dass sie ihren Job auch hinkriegen.“

„Eddie? Der Gewichtheber?“

„Ja. Sie haben mir bewiesen, dass sie es nicht hinkriegen.“

„Man tut, was man kann“, sagte ich.

„Ich hab sie entlassen“, knurrte er. Er grinste mich an, als ob wir Kumpel wären. „Wer’s nicht bringt, fliegt raus.“

„Haben Sie vor, jemand anderes zu schicken?“, fragte ich.

Er lächelte. Seine Zähne waren blendend weiß.

„Nicht bei den Preisen“, sagte er. „Wenn ich’s mit Leuten wie Ihnen und dem Negerkuss zu tun habe, will ich auch entsprechend bezahlt werden.“

„Der Negerkuss heißt Hawk“, warf ich ein. „Und wer bezahlt Sie eigentlich?“

„Um der Wahrheit die Ehre zu geben“, meinte er, „hab ich nicht die mindeste Ahnung.“

„Wie kommt’s?“

„Ich hab einen Anruf bekommen. Der Typ wollte, dass ich einen Job für ihn erledige, in einem Puff in Back Bay. Hat mich gefragt, ob ich ein Girokonto habe. Ich sagte ja. Er sagte, er über weist mir das Geld. Und das hat er getan.“

„Und der Job?“

„Sie so lange unter Druck zu setzen, bis er sagt, dass wir aufhören können.“

„Und zu was sollen Sie sie drängen?“

„Zum Bezahlen“, meinte Ollie.

„Wen bezahlen?“

Ollie zuckte mit den Achseln.

„Keine Ahnung“, sagte er.

„Was bezahlen?“

Ollie schüttelte den Kopf.

„Kein Kommentar“, sagte er.

„Woher kam die Überweisung?“

„Geht Sie nichts an“, sagte Ollie.

„Doch. Tut es“, sagte ich.

„Okay“, erwiderte Ollie. „Aber ich sag’s Ihnen trotzdem nicht.“

„Noch nicht.“

„Noch?“, meinte Ollie. „Sie haben ganz schön Selbstvertrauen.“

„Ich bin Optimist.“

„Sie sollten vorsichtig sein“, warnte Ollie. „Ich bin auch Optimist.“

„Wer ist das nicht?“, fragte ich. „Woher weiß Ihr Auftraggeber, dass Sie Ihren Job auch ordentlich erledigen? Es gibt Leute,die würden das Geld einfach einkassieren und sich einen faulen Lenz machen.“

„Ich nicht“, sagte Ollie. „Ich hab einen Ruf.“

„Ach, Sie auch?“, meinte ich. „Aber woher weiß Ihr Auftraggeber das?“

Ollie zuckte mit den Schultern und schüttelte den Kopf. Zwei Bewegungen gleichzeitig. Beeindruckende Koordinationsfähigkeit.

„Und, wollen Sie weiter Geld verdienen?“

„Ich will mehr Geld verdienen. Dass ich mit Ihnen oder Hawk zu tun habe, davon war keine Rede.“

„Noch nicht“, sagte ich.

Ollie lächelte.

„Kennen Sie Hawk?“, fragte ich.

„Ich bin schon lange im Geschäft“, meinte er. „Natürlich kenne ich Hawk. Und von Ihnen hab ich auch schon gehört.“

„Sie wollen also neu verhandeln“, sagte ich.

„Ja.“

„Und wie wollen Sie ihn erreichen?“

„Gar nicht. Ich warte, bis er sich bei mir meldet“, sagte Ollie.

„Wenn Sie April Kyle noch ein Mal belästigen“, meinte ich, „mach ich Ihnen das Leben zur Hölle.“

Ollie lächelte, als er sprach. „Ich sagte, dass ich von Ihnen gehört habe. Ich habe nicht gesagt, dass ich mit den Knien schlottere.“

Er nahm eine silberfarbene halbautomatische Pistole aus der Schreibtischschublade und zielte damit lässig in meine Richtung.

„Ich könnte Sie auf der Stelle abknallen und die Sache beenden“, sagte er. „Aber dafür werde ich nicht bezahlt. Noch nicht.“

„Bin wohl nochmal davongekommen“, merkte ich an.

„Bis ich neu verhandle“, meinte Ollie.

„Wenn es so weit ist“, gab ich zurück, „sollten Sie richtig die Hand aufhalten.“

Wieder grinste Ollie. Noch immer zielte er mit der Waffe in meine ungefähre Richtung. Er schüttelte langsam den Kopf. Dann legte er die Waffe auf den Schreibtisch.

„Sie zittern vor Angst“, meinte Ollie. „Wie man sieht.“

„Eiserne Selbstbeherrschung“, gab ich zurück.

„Braver Junge“, sagte Ollie.

6

Ich saß mit Hawk und April im vorderen Salon der Villa. Wir tran ken Kaffee. Die Möbel waren aus Leder und wirkten männlich-herb. Im Kamin prasselte ein Feuer. An den Wänden hingen Drucke von Picasso-Aktskizzen.

„Du kennst also keinen Ollie DeMars“, meinte ich.

„Nein“, sagte April.

„Ich kenne ihn“, warf Hawk ein.

„Das haut mich um“, meinte ich.

„Er hat eine Gang im South End“, sagte Hawk. „Meistens Diebstähle. Aber sie machen gegen Geld auch gerne mal die Drecksarbeit für andere Gangs. Ein harter Kerl, dieser Ollie.“

„So hart wie Sie?“, meinte April.

Hawk lächelte. „Natürlich nicht“, sagte er.

„Und dein einziger Kontakt mit Ollies Arbeitgeber ist ein anonymer Anruf“, sagte ich.

„Ja.“

„Und er will Anteile an deinem Geschäft.“

„Fünfundzwanzig Prozent“, sagte April.

„Woher will er wissen, wie viel das genau ist?“, meinte ich.

„Wenn ich das wüsste“,

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