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HISTORICAL EXKLUSIV BAND 44

ANA SEYMOUR

Geheimnisse um Lady Sarah

„Finden Sie den Wegelagerer, und bringen Sie ihn an den Galgen!“ Auf Befehl des Königs reist Anthony Rutledge nach Yorkshire. Als er sich in die entzückende Sarah Fairfax verliebt, lenkt ihn das jedoch von seinem Vorhaben ab. Stürmisch raubt er ihr einen heißen Kuss. Noch ahnt er nicht, dass sie die gefährliche Diebin ist, die er aufspüren soll …

BLYTHE GIFFORD

Die Tochter der Dirne

Als sich ihre Blicke auf der Weihnachtsfeier des Königs treffen, ist es, als ob die Sterne ihren Himmelslauf unterbrechen. Die Sterne, die die Astrologin Solay Weston so gern beobachtet und die doch nichts verraten. Sonst würde die Tochter der Dirne wissen, welche entscheidende Rolle der attraktive Lord Justin Lamont ab sofort in ihrem Leben spielt …

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Geheimnisse um Lady Sarah

PROLOG

3. September 1666

Ein merkwürdiges Jahr – diese Meinung vertraten alle Londoner, egal ob sie in der Nähe der Parks in Vauxhall oder in den geschäftigen, übel riechenden Straßen von Southwark lebten. Die Stadt war staubtrocken. Drückende Schwüle lastete über ihr, und nichts deutete darauf hin, dass sie sich auflösen würde.

Hinter hohen, feuchtkalten Steinmauern fühlte Sarah Fairfax, wie der wollene Stoff ihres Kleides, der klamm auf der Haut klebte, an den Oberarmen kratzte. Sie blickte zum wiederholten Male auf die Schüssel Wasser, die auf dem einzigen Tisch im Raum stand. Es wäre ein himmlisches Vergnügen, das schwere Kleid auszuziehen und sich etwas abzukühlen.

Eine Bewegung an dem kleinen, vergitterten Fenster in der Tür erregte ihre Aufmerksamkeit. Bei der spärlichen Beleuchtung konnte sie gerade noch die Umrisse des Wärters erkennen. Er kam immer öfter vorbei. Sein lüsterner Blick und sein heimtückisches Lachen verfolgten sie schon in ihren Träumen. Er tauchte zwischen den anderen Gesichtern auf, die sie im Schlaf verfolgten.

„Ihr braucht nur ein Wort zu sagen, Mistress, und ich werde Euch frisches Wasser bringen“, forderte er sie in einschmeichelndem Tonfall auf, während er das Gesicht an die Eisenstangen drückte. „Das kostet Euch nichts. Eine Dame, wie Ihr es seid, ist doch an ihr Bad gewöhnt.“

Eine Narbe ließ sein linkes Auge tückisch und klein erscheinen. Der wollüstige Blick, der seine Worte begleitete, verursachte Sarah Übelkeit. „Nein danke“, erwiderte sie ruhig. Sie wandte sich von ihm ab und stellte sich an das kleine Fenster in der dicken Mauer, das nur wenig Licht hereinließ. Für wie viele Tage schon? Wochen? Sarah hatte jegliches Zeitgefühl verloren.

Anfangs hatte sie Kerzen, Decken, Schreibutensilien gefordert. Die Wärter erfüllten der schönen neuen Gefangenen nur zu gern alle Wünsche. Doch Sarah erkannte bald, dass der Preis für diese Großzügigkeit schmutzige Anträge und widerwärtige Berührungen waren. Schließlich verlangte sie nach nichts mehr.

Sie fühlte, dass der Wärter sie anstarrte. Ungeachtet der Hitze lief ihr ein kalter Schauer über den Rücken. Als man sie vor Wochen im Tower gefangen gesetzt hatte, war sie trotzig und verärgert gewesen. Doch die endlos scheinenden Tage in der kleinen Zelle hatten sie mürbegemacht. Auch die Hoffnung war geschwunden. Nur ihr Hass war geblieben.

Ihr Vater hätte sicher verlangt, dass sie auch dieses Gefühl unterdrückte. Im Geiste hörte sie seine wohlklingende Stimme. „Mein liebes Kind“, hätte er gesagt. „Du musst mit der ganzen Menschheit Frieden schließen, bevor du Frieden in Gott finden kannst.“ Jack, ihr Bruder, hatte dies sicher getan, davon war Sarah überzeugt. Er strahlte eine bewundernswerte gefasste Haltung aus bei ihrem letzten Treffen hier in dieser Zelle. Doch Sarah hatte sich mit der Tatsache abgefunden, dass sie einfach nicht die Größe ihres Vaters oder ihres Bruders hatte. Sie würde ihren Hass bis auf dem Weg zum Richtblock und darüber hinaus nicht aufgeben.

Es war früher Nachmittag. Mittlerweile kannte sie jeden Winkel, in den die Sonnenstrahlen durch das Fenster fielen, und konnte die Tageszeit genau schätzen.

Der Wärter war endlich weitergegangen, um ein anderes armes Opfer zu quälen. Sarah überlegte. Eigentlich hatte sie Glück. Zwar musste sie die lüsternen Blicke und Berührungen der Männer erdulden, doch irgendein gnädiger Befehl einer unbekannten Autorität bewahrte sie davor, stärker drangsaliert zu werden.

Wenn sie noch einen Funken Hoffnung haben durfte, dann wünschte sie sich, ihr Todesurteil würde vollstreckt, bevor dieser geheimnisvolle Schutz endete.

Sie warf einen schnellen Blick zu der Öffnung in der Tür und ging zu dem Wassergefäß. Vielleicht jetzt, bevor er zurückkam … Sie neigte sich und hob vorsichtig den Kleidersaum, um ihn ins Wasser zu tauchen. Dann presste sie den nassen Wollstoff gegen die heißen Wangen. Sarah schloss die Augen und genoss die Erfrischung.

Ein lauter Schlag gegen die dicke Holztür ließ Sarah zusammenzucken. Hastig sprang sie zurück. Ein Schlüssel bewegte sich im Schloss. Unwillkürlich machte sie einen Schritt nach hinten und stieß gegen die raue Tischkante.

Der Gefängnisalltag lief so gleichförmig ab wie die Gezeiten, und dies war nicht die Tageszeit für einen Kontrollbesuch des Wärters. Die Angst, die Sarah erfolgreich bekämpft hatte, seit man sie vor Wochen in Leasworth gefasst hatte, war plötzlich wieder da und schnürte ihr die Kehle zu.

Mit einem scharrenden Geräusch auf dem Steinfußboden wurde die Tür geöffnet. Der Besucher war ganz in Schwarz gekleidet. Auch sein Haar und seine Augen schimmerten tiefschwarz. Im Dämmerlicht der Zelle wirkte er wie ein Dämon.

„Ihr seid es!“, entfuhr es Sarah. Sie musste sich auf dem Tisch, der hinter ihr stand, abstützen.

Er sah sie durchdringend an. „Seid Ihr überrascht, mich zu sehen, Liebste?“

Sarah zwang sich, Haltung zu bewahren, und begegnete seinem Blick. „Das nicht. Es ist eher Enttäuschung.“ Ihre Stimme klang verächtlich. „Ich hatte bis jetzt gehofft, dass Euch die Kanonenkugeln einer holländischen Fregatte in Stücke gerissen haben.“

Der Mann lächelte. Ohne sie aus den Augen zu lassen, griff er nach rückwärts, um die massive Tür zu schließen. „Es ist mir bis jetzt gelungen, mich aus diesem Krieg weitgehend herauszuhalten“, meinte er gleichmütig. „Ich habe nämlich noch einige unerledigte Geschäfte in dieser Welt abzuschließen.“

Stolz hob sie das Kinn. „Nicht mit mir. Wir beide sind schon lange fertig miteinander.“

„Vielleicht doch noch nicht.“

Der sanfte Tonfall, in dem er diese Worte sprach, trieb ihr die Röte in die Wangen. Abwehrend hob sie eine Hand, als er auf sie zukam. „Lasst mich in Ruhe, Anthony“, gab sie eisig zurück.

Vorsichtig näherte er sich ihr. Sarahs Hand zitterte. Sie ließ sie langsam sinken. Eine Armlänge entfernt von ihr blieb er stehen. „Es gibt da aber ein Problem, meine Liebe“, erwiderte er heiser. „Ich kann nämlich nicht von Euch lassen. Auch wenn der Teufel selbst mich davonjagen würde, könnte ich Euch nicht vergessen.“

Anthony blickte sie durchdringend an und zog sie an sich. Sarah wehrte sich nicht. Sie folgte einem unwiderstehlichen Zwang. Im nächsten Moment presste er seine Lippen auf ihre, und sie schmiegten sich aneinander. Für einen Augenblick schien es, als würde eine Naturgewalt auf ihre Körper einwirken.

Sarah wurde es heiß und kalt. Sie fühlte, wie ihr Puls raste und ihre Knie zitterten. Nur seine muskulösen Arme hielten sie noch aufrecht. Unwillkürlich gab sie seinem fordernden Kuss nach. Ihre Brüste waren gegen sein schwarzes Wams aus feinem Leder gepresst.

Die Wände der Gefängniszelle drehten sich vor ihren Augen. Nur noch verschwommen nahm Sarah die Umgebung wahr. Das Blut pochte ihr in den Schläfen. Gegen ihren Willen antwortete ihr Körper auf sein drängendes Begehren.

Es dauerte eine ganze Weile, bis sie beide den Klang des Zinnbechers, der über die Gitterstäbe gerollt wurde, wahrnahmen. Anthony reagierte als Erster. Beschützend schob er Sarah hinter sich und wandte den Kopf in die Richtung, aus der das Geräusch kam.

„Es freut mich, zu sehen, dass Ihr Euch gut amüsiert, Eure Lordschaft.“ Der Wärter entblößte seine lückenhaften Zähne und grinste lüstern. „Doch Ihr solltet jetzt schnell zum Abschluss kommen. Ich kann Euch leider nur noch eine Weile hierlassen.“

Behutsam schob Anthony Sarah an den Tisch und schritt zur Tür. Am Eingang sprach er leise und eindringlich auf den Wärter ein.

„Mein lieber Freund, wenn du es wagen solltest, hier noch einmal aufzutauchen, ohne dass ich dich ausdrücklich gerufen habe, werde ich dir die Zähne einschlagen lassen.“

Der Wärter gab einen jämmerlichen Laut von sich. Schweißperlen liefen über sein vernarbtes Gesicht.

„Haben wir uns verstanden?“, fragte Anthony gespielt freundlich.

Der Mann nickte kurz, ehe er schnell verschwand.

Anthony wandte sich wieder Sarah zu. Seine Miene wirkte besorgt. „Haben Euch die Wachleute belästigt, Sarah? Oder verletzt?“

Ihr Herzschlag hatte sich wieder etwas beruhigt. Aber sie fühlte sich schwach. Die Haftbedingungen und das schlechte Essen forderten ihren Tribut. In diesem Moment hätte sie alles darum gegeben, um stark zu erscheinen.

Verzweifelt hielt sie sich am Tisch fest, als ihr die Beine den Dienst versagten. Einen Augenblick später stand Anthony schon neben ihr und hob sie hoch.

„Sarah!“, rief er erschrocken. Er trug sie durch die Zelle auf das schmale Strohlager. „Was habt Ihr? Seid Ihr krank?“

Er beugte den Kopf über sie. Das schwache Licht, das vom vergitterten Fenster her auf ihn fiel, unterstrich sein markantes Gesicht.

„Warum seid Ihr hierhergekommen, Anthony?“

Mit einer zärtlichen Geste strich er ihr das Haar aus dem Gesicht. Sarah biss sich auf die zitternden Lippen. „Ich will Euch aus diesem Kerker befreien.“

Sie lachte bitter. „Falls Ihr es vergessen haben solltet, Lord Rutledge hat andere Pläne mit mir. Sobald der Henker zum Zuge kommt, werde ich am Richtblock den Kopf verlieren.“

Unwillkürlich fiel der Blick seiner dunklen Augen auf ihren schlanken weißen Hals. Er schluckte schwer. „Das wird nicht passieren, Sarah. Ihr werdet noch heute mit mir den Tower verlassen.“

„Aber selbstverständlich. Soll ich einfach an den Wärtern vorbeispazieren? Ich, eine rechtskräftig verurteilte Verbrecherin?“

„Nicht als Gefangene.“ Durchdringend sah er sie an. „Sondern als meine Frau.“

Sarah richtete sich unvermittelt auf. Ihr Gesicht wurde weiß. „Als Eure Frau?“

Anthony griff nach ihrer Hand, doch sie entriss sie ihm. Geduldig meinte er: „Ich weiß, dass dieser Vorschlag nicht unbedingt Eure Zustimmung finden wird, aber es ist die einzige Möglichkeit. Heiratet mich, und Ihr könnt noch heute als freier Mensch das Gefängnis verlassen.“

Sie wandte sich von ihm ab und blickte auf die Steinmauer. Ihre grauen Augen waren hasserfüllt. „Lieber verbringe ich die nächsten tausend Jahre in der Hölle“, entgegnete sie.

1. KAPITEL

Dezember 1665

Ihr seid ein unbeholfener Tropf, Jack Fairfax“, meinte Sarah lachend und schubste ihren Bruder von der Sitzbank. Er landete unter Protest in einem Haufen Binsen. Sarah warf sich auf ihn, drückte ihm die Knie in den Bauch und hielt ihn auf diese Weise unter sich fest.

„Seht Euch das einmal an“, sagte sie triumphierend. Sie holte einen Diamanten nach dem anderen aus einem verknoteten Kopftuch hervor und platzierte sie auf Jacks Brust, von wo aus sie in einer glitzernden Bahn auf den Boden rollten. „Das ist ein verdammt großes Vermögen.“

„Ihr solltet nicht fluchen, Sarah“, erwiderte Jack ernst. Mit seinen achtzehn Jahren besaß er bereits eine ausgeprägte Muskulatur und war viel kräftiger als seine Schwester. Sanft schob er sie beiseite. „Vater würde sich im Grabe umdrehen, wenn er Euch so reden hörte“, schalt er, während er sich neben sie setzte.

Sarah runzelte die Stirn. „Erinnert mich nicht an Vater“, entgegnete sie kurz angebunden. In einem plötzlichen Stimmungsumschwung jedoch holte sie aus, um Jack einen kumpelhaften Schlag zu versetzen. „Diese Kostbarkeiten stammen alle von dem alten Bischof. Wer hätte gedacht, dass der Giftzwerg so einen Schatz unter seinem langen Rock versteckt?“

„Wir hätten ihn nicht berauben dürfen.“

Sarah blickte Jack entgeistert an. „Wie könnt Ihr nur so etwas sagen? Mit diesem Vermögen haben unsere Familien für lange Zeit ausgesorgt.“

Jack schüttelte den Kopf. „Einen Geistlichen zu bestehlen bringt Unglück.“

„Ach was. Ein Bischof ist kein wahrer Mann der Kirche. Er ist vielmehr ein Speichellecker des Königs und sorgt sich mehr um seine Mätressen und Weinfässer als um die Bibel.“

„Das wisst Ihr doch gar nicht, Sarah. Vielleicht ist er ein frommer Mensch.“

„Pastor Hollander ist ein gottesfürchtiger Mann, aber nicht dieser alte Windbeutel, den wir letzte Nacht um seinen Besitz erleichtert haben.“

Sarah wirkte mit ihren großen grauen Augen und dem honigblonden Haar bestechend offen und ehrlich, vor allem in der einfachen puritanischen Tracht, die sie mit Vorliebe trug. Die Bänder, die das Haar hielten, hatten sich gelöst, und die Locken umrahmten ihr Gesicht. Ihre Augen strahlten. Die Freude über den erfolgreichen Raubzug hatte ihr die Wangen gerötet. Sogar Jack musste zugeben, dass er niemals eine schönere Frau zu Gesicht bekommen hatte.

Er seufzte tief. Obwohl seine Schwester fast fünf Jahre älter war als er, sah er es als seine Pflicht an, ihr Beschützer zu sein. Aber wie beaufsichtigte man ein Mädchen, das besser einen Degen führen und reiten konnte als jedes Mitglied der königlichen Garde? Und wie schirmte man die Verletzlichkeit einer jungen Frau ab, die miterleben musste, wie man ihren Vater hinrichtete?

Er griff nach einer goldenen Halskette mit Amethysten. „Sie ist außerordentlich schön. Sehr bemerkenswert. Ob Parson Hollander sie verkaufen kann?“

Sarah zuckte teilnahmslos die Schultern. „Seine holländischen Verbindungsmänner werden alles abnehmen und es im Ausland absetzen“, erklärte sie. „Für die armen Leute von Wiggleston wird in diesem Winter der Tisch gut gedeckt sein, trotz der erhöhten Steuern des Königs.“

Jack schüttelte den Kopf. „Wir befinden uns gegenwärtig im Krieg mit den Niederlanden, Sarah. Es ist nicht ratsam, mit Landesfeinden Geschäfte zu machen.“

Sie sammelte die letzten Juwelen vom Boden ein und sprang auf die Füße. „Der König ist viel zu sehr damit beschäftigt, mit seinen Mätressen zu tändeln, als dass er die Zeit hätte, einen echten Krieg zu führen.“

Jack erhob sich langsam. „Der Krieg steht unmittelbar bevor, glaubt mir.“ Sein edel geschnittenes junges Gesicht wirkte bedrückt. „Vermutlich werde ich selbst in ein paar Tagen einrücken müssen. Sogar Onkel Thomas wird wohl einberufen werden.“

Sarah wandte sich wütend an Jack. „Niemals! Charles Stuart hat dieser Familie schon genug weggenommen. Nur über meine Leiche werdet Ihr für ihn kämpfen.“

Jack konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken. Seine Schwester erschien ihm besonders bezaubernd, wenn sie zornig war. „Onkel Thomas ist immerhin einer der besten Generäle, die England hat“, erinnerte er sie sanft.

Sarahs Stimme klang gefasst. Doch ihre Handknöchel waren weiß, als sie das Tuch mit den Juwelen packte, so als würde es sich um den Hals von König Charles handeln. „Onkel Thomas und General Monck haben Charles Stuart den Thron auf einem Silbertablett serviert. Er hat es ihnen gedankt, indem er die besten Männer im Land ermorden ließ, unseren Vater eingeschlossen. Anscheinend muss ich Euch an diese Tatsache erst erinnern, Jack Fairfax.“

Jack wusste, dass die Meinung seiner Schwester zu diesem Thema etwas ungerecht war. Aber der Verlust des Vaters war ein schwer zu ertragender Schicksalsschlag gewesen. John Fairfax hatte jedoch sein eigenes Todesurteil unterschrieben, als er seinen Namen unter ein Dokument setzte, das die Absetzung von Charles I., dem Vater des jetzigen Königs, forderte. In Wirklichkeit hatte es nach der Wiederherstellung der Monarchie nur sehr wenige Exekutionen gegeben. Es zeigte sich, dass sich der neue König mehr für die Zerstreuungen am Hofe interessierte als für Rache und Blutvergießen.

„Und was Onkel Thomas betrifft“, fuhr Sarah fort, „wird er sich so verhalten, wie es ihm gefällt, wie er es stets getan hat. Denn der König kann es sich nicht erlauben, ihn als Feind zu haben. So einfach ist das.“

Sie lockerte den verkrampften Griff um ihr Tuch und seufzte leise. „Lasst uns nicht mehr vom Krieg reden, lieber Bruder.“ Sarah wog das Bündel mit den Schmuckstücken bedächtig in der Hand und lachte triumphierend. „Kommt schon, wir wollen dem guten Landvikar diesen letzten Beweis von Gottes Großmut überbringen.“

„Ich kann es mir nicht leisten, Thomas Fairfax zu beleidigen. So liegen nun einmal die Dinge.“ König Charles streckte die langen Beine aus und warf dem groß gewachsenen, finster blickenden Mann, der steif vor ihm stand, einen gelangweilten Blick zu. „Setzt Euch, Anthony. Ihr ermüdet mich.“

Der frisch ernannte Baron Rutledge ließ sich widerwillig auf dem vergoldeten Stuhl neben dem Bett des Königs nieder. Die königliche Unterkunft in Oxford hatte nicht die prächtige Ausstattung des Palastes von Whitehall, aber sie war mit Sicherheit luxuriöser eingerichtet als viele der Aufenthaltsorte, die Anthony mit Charles Stuart während der langen Jahre des Exils geteilt hatte. Und vor allem befand man sich hier in gebührender Entfernung von der schrecklichen Seuche, die in den vergangenen Wochen in London wütete. Die Totenglocke wurde für nahezu tausend arme Opfer am Tag geläutet, und der Ruf „Bringt eure Toten vor die Tür!“, schallte unaufhörlich durch die engen Gassen der alten Stadt.

Durch den Umzug nach Salisbury und dann weiter nach Oxford war der Hofstaat dem Schwarzen Tod entronnen. König Charles und seine Günstlinge gingen ihren Zerstreuungen nach und wetteiferten untereinander um die kunstvollsten Gewänder und Perücken. Nur gelegentlich gedachte man der leidenden Bevölkerung in London.

„Ich verstehe nicht ganz, wieso Ihr mich zu den Gaunern nach Yorkshire schicken wollt, während sich die Kriegslage zuspitzt, Eure Majestät“, gab der Baron nicht ohne die angebrachte Ehrerbietung zu bedenken.

König Charles lächelte. „Anthony, mein guter Freund, ich verfüge über jede Menge Offiziere, die ich einsetzen kann, um ein Schiff gegen meine ausländischen Feinde zu befehligen. Aber es gibt nur wenige, in die ich das Vertrauen setzen darf, mit meinen Gegnern im eigenen Land fertigzuwerden.“

„Wollt Ihr damit andeuten, dass General Fairfax zu Euren Feinden gehört?“ Anthony war überrascht. Er dachte, dass der berühmte alte General die letzten drei, vier Jahre im friedvollen Ruhestand verbracht hätte.

König Charles schüttelte den Kopf, sodass die sorgfältig gelegten Locken seiner Perücke über die Schultern streiften. „Ich hoffe inständig, dass dies nicht der Fall ist. Es ist aber in der Gegend zu Unruhen gekommen. Die Leute dort wollen die neuen Steuern nicht bezahlen.“

„Das Volk freut sich sehr selten über höhere Steuern, Eure Majestät“, bemerkte Anthony trocken. Besonders, dachte er, wenn es weiß, dass das Geld höchstwahrscheinlich nur dazu benötigt wird, der neuen Geliebten des Königs eine prächtige Kutsche zu spendieren.

„Aber da gibt es noch ein Problem“, fuhr der Monarch fort, ohne Anthonys Kommentar zu beachten. „Es fanden mehrere Überfälle statt. Anscheinend bedroht ein maskierter Wegelagerer den Landadel. Für die Bauern ist er eine Art Held. Sie behaupten, dass er immer bei Vollmond zuschlagen würde. Im letzten Monat wurde der Bischof von Lackdale um ein kleines Vermögen erleichtert. Er wollte damit die Kirche renovieren.“

„Ich denke, es sollte wohl eher dazu dienen, sein eigenes Zaumzeug aufzupolieren“, bemerkte Anthony spöttisch.

König Charles war amüsiert. „Pietätlos wie immer. Eines Tages wird Euch Eure Respektlosigkeit noch teuer zu stehen kommen, mein Freund.“

Auf Anthonys Gesicht erschien jenes jungenhafte, herausfordernde Lächeln, das ihm schon mehr weibliche Eroberungen eingebracht hatte, als jeder andere Mann am Hofe, vom König abgesehen, für sich verbuchen konnte. „Ich habe mir vorgenommen, auf dem Totenbett alles zu bereuen, Eure Majestät.“

König Charles winkte ungeduldig ab. Er und Anthony hatten schon zu viele Eskapaden auf ihrer Flucht quer durch Europa erlebt, als dass sie sich nun plötzlich als Verfechter der Etikette engagieren wollten. „Übernehmt Ihr die Sache, Anthony?“, fragte er in fast bittendem Tonfall. „Werdet Ihr nach Yorkshire reisen und die Angelegenheit aufklären?“

Lord Rutledge unternahm einen letzten Versuch, sich elegant des Auftrags zu entledigen. „Ich konnte schon immer besser kämpfen als spionieren. Das Aushorchen ist nicht meine Stärke.“

„Übertreibt doch nicht so maßlos, Anthony. Betrachtet es als einen Gefallen, den Ihr mir leistet.“

„Einen königlichen Befehl.“ Anthony hatte keine Wahl. Resigniert blickte er seinen König an. Früher hatte man sie oft fälschlich für Brüder gehalten. Beide waren groß und dunkelhaarig. Jeder von ihnen verfügte über Charme, mit dem sie die Leute ohne Anstrengung für sich gewinnen konnten. Doch während Anthony, der fünf Jahre jünger war, seine schlanke Statur und Energie behalten hatte, war der König in den letzten viereinhalb Jahren, nachdem ihm die königstreuen Generäle den Thron zurückerobert hatten, deutlich verweichlicht. Seine Gesichtszüge hatten an Straffheit verloren, und er zog die Gesellschaft der Damen vor, anstatt sich im sportlichen Wettkampf zu messen.

König Charles seufzte. „Kein königlicher Befehl. Ich bitte Euch um einen persönlichen Gefallen. Falls General Fairfax gegen mich arbeitet, muss ich das sofort wissen. Wenn ich ihm jedoch noch vertrauen kann, möchte ich ihn nicht verärgern, indem ich die Aufständischen in seiner Gegend zu hart bestrafe.“

„Und was soll mit unserem Mondschein-Wegelagerer geschehen?“

„Ihn können wir im Moment überhaupt nicht brauchen. Er verkörpert für das Volk den romantischen Helden, der wieder einmal die uralte Ungleichheit zwischen Arm und Reich vor Augen führt. Eine Tatsache, für die meine Regierung übrigens nicht verantwortlich ist, gleichgültig was unsere Gegner dazu sagen mögen.“

Der König erhob sich schwungvoll von seiner hohen Lagerstatt und begann im Zimmer hin und her zu gehen. Er hatte eines seiner Lieblingsthemen angeschnitten. „Ein merkwürdiger Umstand ist, dass ich selbst zu den Armen gehört habe, wie Ihr wisst. Ich habe Hunger und Durst und …“

„… den Verlust allen Besitztums und aller Ämter erlitten“, ergänzte Anthony verbindlich. Im Laufe der Zeit wurden die Berichte von König Charles über seine Erlebnisse im Exil immer bunter ausgeschmückt.

„Genau“, bekräftigte der König. „Niemand kann behaupten, dass ich kein Verständnis für mein Volk aufbringen würde.“

Lord Rutledge versuchte, wieder an das aktuelle Gesprächsthema zu erinnern. „Was ist nun Euer Wunsch bezüglich des Wegelagerers in Yorkshire, Sir?“

König Charles hielt unvermittelt in seinem Rundgang inne. „Vernichtet ihn! Findet den Mann, Anthony. Erschießt oder hängt ihn. Es ist mir egal, was Ihr mit ihm anstellt. Nur, sorgt dafür, dass wir ihn loswerden.“

Lord Rutledge lachte kurz. „Wenigstens verschafft mir mein Auftrag etwas sportliche Betätigung.“

Der schimmernde graue Seidenstoff von Sarahs Rock hatte genau denselben Farbton wie ihre vor Wut glitzernden Augen. „Es ist mir gleichgültig, was mein Onkel befohlen hat“, meinte sie mit unterdrücktem Zorn in der Stimme. „Keiner von den Verwaltern des königlichen Reitstalles wird Brigand zu nahe kommen. Dieses Pferd gehört mir. Es ist nicht Eigentum von Leasworth.“

Der alte Knecht zuckte die Schultern und setzte seine Kappe auf. „Entschuldigt, Mistress, aber ich fürchte, der Kavalier ist bereits hier eingetroffen und hat auch schon das meiste besichtigt. Brigand wird er zusammen mit dem Rest gesehen haben.“

Sarah sprang auf und lief den Weg zu den Ställen hinunter. Atemlos kam sie vor dem Steinbau an und nahm sich erst einen Augenblick Zeit, um sich zu beruhigen.

Sie konnte sich die Szene schon lebhaft ausmalen. Einer von König Charles’ dümmlichen Höflingen würde auf seinen hohen Absätzen durch den Mist in den Boxen staksen. Samtbänder würden seine kunstvoll gelegte Perücke zieren. Und er würde seine schwächliche Hand lässig auf ihr geliebtes Pferd legen, um es zu requirieren. Dafür war es zu schade!

Energisch stieß sie die Holztür auf und machte einen Schritt über die Schwelle.

Im Dämmerlicht des Stalls erkannte sie zwei Männer. Sie hatten gerade den Vorderhuf eines der preisgekrönten Hengste untersucht.

„Darf ich bekannt machen, meine Nichte, Mistress Sarah Fairfax“, hörte sie ihren Onkel sagen. „Sarah, bitte kommt doch herein und leistet uns Gesellschaft.“

Zögernd trat sie näher. Ihre Augen gewöhnten sich langsam an die gedämpfte Beleuchtung. Sie erkannte nun, dass der Mann neben ihrem Onkel kein Geck war. Er erschien ihr größer als ihr Bruder Jack, hatte einen durchtrainierten Körper und benötigte keine Verkleidung, um sich ins rechte Licht zu rücken. Anstelle der spitzenbesetzten Kragen, wie sie zurzeit die höfische Kleiderordnung vorschrieb, trug er ein schwarzes Lederwams über einem weit geschnittenen weißen Leinenhemd mit schmaler Halsbinde und knielange schwarze Reithosen. Unter dem dünnen Leder zeichneten sich seine muskulösen Oberschenkel ab.

Ihr Onkel griff nach ihrer Hand. „Liebe Nichte, ich möchte Euch mit Baron Anthony Rutledge bekannt machen. Seine Majestät erweist uns eine große Gunst, indem er Lord Rutledge beauftragte zu begutachten, ob unsere Pferde für den königlichen Reitstall geeignet sind.“

Sarah vergaß ihren Zorn, als sie in die dunklen Augen des Besuchers blickte. Sie waren fast schwarz und verrieten einen scharfen Verstand. Sein Blick zog sie unwiderstehlich an. Schnell überdachte sie die Situation. Das Einzige, was noch schlimmer sein konnte als der Besuch eines dümmlichen Repräsentanten des Hofes, war die Gegenwart eines königlichen Gesandten, dessen Intelligenz sie herausforderte.

Sarah senkte den Blick und knickste graziös. „Ich bin höchst erfreut, Eure Bekanntschaft zu machen Mylord“, äußerte sie mit leiser Stimme.

Sie sah ihn an und bemerkte seinen angespannten Gesichtsausdruck. Der Anflug eines Lächelns war an seinen Mundwinkeln abzulesen. Sarah wurde dabei seltsamerweise ganz warm.

„Ich stehe zu Euren Diensten, Mistress“, entgegnete er förmlich. Aber der raue, zärtliche Ton seiner Stimme rief ein Kribbeln hervor, das sie bis in die Fußspitzen fühlte. Sie warf einen prüfenden Blick auf ihren Onkel. Doch der setzte eine unverbindliche Miene auf, so als wäre alles in bester Ordnung.

Vielleicht bilde ich mir das alles nur ein, dachte Sarah. Seit sich ihr Onkel aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hatte, wurden nur noch selten Besucher in Leasworth empfangen. Im Moment pflegten sie kaum mehr Kontakte mit der Gesellschaft. Sarah konnte sich vorstellen, dass es für einen Kavalier am Hofe ganz normal war, eine Dame mit aufdringlichen Blicken förmlich zu verschlingen. Genau in der Art, wie es ihr Besucher gerade praktizierte.

Sarah trat einen Schritt zurück.

„Meine Nichte Sarah ist die beste Reiterin in der ganzen Grafschaft“, bemerkte ihr Onkel Thomas stolz.

Der Baron hob die Augenbrauen, was ihm einen teils interessierten, teils amüsierten Gesichtsausdruck verlieh. „Oh, tatsächlich? Ich würde mich freuen, eine Probe Eures Könnens zu sehen.“

Sarah schüttelte den Kopf und versuchte, sich zu fassen. Sie fragte sich ärgerlich, wo denn nur ihre Schlagfertigkeit geblieben war. Was sollte mit dem unerwünschten Eindringling geschehen? Einen Gesandten des Königs, der hier herumschnüffelte und ihre angeborene Reitbegabung, die sie von ihrem Vater geerbt hatte, zu testen beabsichtigte, konnte sie wirklich nicht gebrauchen. Und was würde mit Jack geschehen?

Seit dem Tod ihres Vaters vor vier Jahren hatte sie ihren jüngeren Bruder stets ängstlich beschützt und versucht, ihn der Aufmerksamkeit des Königs zu entziehen. König Charles hatte zwar versichert, dass die Bestrafungen nach den erfolgten Exekutionen, bei denen auch ihr Vater ermordet worden war, beendet seien. Aber Sarah hatte immer Angst davor gehabt, dass die Rache des Königs irgendwann auch die Familien der Verurteilten treffen würde. „Ich fürchte, mein Onkel übertreibt meine Reitkünste“, entgegnete sie schließlich.

„Ich hoffe, dass Ihr mir die Gelegenheit gebt, mein eigenes Urteil zu bilden.“

Sein Blick glitt von ihrem Gesicht zu dem eng anliegenden Seidenstoff der Schoßjacke über ihrem Mieder, dann zu ihrer schlanken Taille und der sanften Rundung ihrer Hüften, die sich unter dem locker gefältelten Rock abzeichnete.

Sarah spürte, wie sich ihre Wangen röteten. „Ich möchte Euch nicht von den Geschäften, die Ihr hier zu erledigen habt, abhalten, Lord Rutledge. Ich werde gleich hinauf zum Haus eilen und dem Koch Anweisungen für das Abendmahl geben. Ihr bleibt doch und esst mit uns?“

„Ich werde Eure geschätzte Gastfreundschaft noch viel länger in Anspruch nehmen“, erwiderte er mit einem unwiderstehlichen Lächeln. „Euer Onkel hat mich großzügigerweise eingeladen, in Leasworth zu wohnen, während ich einige Gestüte in der Umgebung zu besichtigen habe.“

Sarah zwang sich zu einer freundlichen Antwort. „Wir fühlen uns natürlich über Euren Besuch sehr geehrt. Wenn Ihr mich aber nun entschuldigen würdet.“ Sie wich einen Schritt zurück, dann noch einen, als plötzlich ihr Fuß gegen eine Heugabel stieß und sie stolperte.

Einen Augenblick später stand Lord Rutledge schon neben ihr, stützte mit einem Arm ihren Rücken und mit dem anderen ihren rechten Ellbogen. „Habt Ihr Euch verletzt, Mistress?“, fragte er besorgt. Sein Gesicht war ihrem ganz nah.

Sarah registrierte die schwarzen Bartschatten auf seinen schmalen Wangen. Eine kleine Narbe teilte sein Kinn. Durch den dünnen Stoff ihrer Jacke fühlte sie seine angespannten Muskeln. Sie musste tief Luft holen. Nein, dieser Mann gehörte sicher nicht zu jenen verweichlichten Kavalieren am Hofe, von denen sie gehört hatte. Es war Zeit, dass sie ihren Verstand benutzte.

„Vielen Dank, Mylord. Wie ungeschickt von mir.“ Unwillkürlich legte sie die Hand auf seine Brust. „Ich glaube, Ihr habt mich vor einem schlimmen Sturz bewahrt.“ Sie blickte sich angeekelt um und rümpfte die Nase. „Und das in all diesem Schmutz. Was für eine schreckliche Vorstellung.“

Anthony spürte, wie sie sich in seinen Armen entspannte, und lächelte zufrieden. Vielleicht würde sein Aufenthalt in Yorkshire doch nicht so langweilig verlaufen. Die schlanke Schönheit wäre eine lohnende Eroberung. Sein Blick fiel auf ihre weiße, schmale Hand, die auf seinem Lederwams lag. Er fragte sich, wie streng ihr Onkel wohl auf ihre Tugend bedacht sein mochte. Es war ihm bekannt, dass die Landbevölkerung im Allgemeinen noch mehr den alten, strengen Sittenvorstellungen aus den puritanischen Zeiten anhing als die Einwohner von London. Was den Hof von König Charles betraf, so wurde der Tugend dort nie ein hoher Stellenwert eingeräumt, nicht einmal während des Exils in Europa.

„Ihr habt recht“, stimmte er höflich zu. „Darf ich Euch zurück zum Haus begleiten, um sicherzugehen, dass keine weiteren Heugabeln Euren Weg behindern?“

„Vielen Dank für Euer Angebot, aber das wird nicht nötig sein.“ Sarah schenkte ihm ein bezauberndes Lächeln. Anthony blickte fasziniert auf ihre vollen, feucht glänzenden Lippen, die einen ganz natürlichen frischen Farbton hatten. Er war sich sicher, dass diese Frau keine von den Schminkutensilien benötigte, die die Damen am Hofe – und auch einige Kavaliere – benutzten. Er fühlte, wie sich sein Puls beschleunigte.

„Dann freue ich mich darauf, Euch beim Abendessen wiederzusehen.“ Er nahm ihre Hand, die auf seiner Brust lag, und führte sie langsam an die Lippen.

Ihr Magen krampfte sich zusammen, als sie seinen warmen Mund auf der Haut spürte. Plötzlich dachte sie an die Schwielen auf ihren Handflächen, die vom stundenlangen Scheuern der Lederzügel herrührten. Sie lächelte ihm freundlich zu, hoffte jedoch zugleich, er würde nicht bemerken, dass sie schnell die Hand zurückzog.

„Ja, bis später“, meinte sie hastig. Schnell wandte sie sich zum Gehen, bevor der unerwünschte Gast sie noch in völlige Aufregung versetzte.

Sarah ging mit sich selbst hart ins Gericht, während sie den Weg zum Herrenhaus zurücklegte. Sie war immer so stolz darauf gewesen, einen kühlen Kopf bewahren zu können. Wenn Jack beim kleinsten Fehlschlag ihrer mitternächtlichen Raubzüge außer sich geriet, war sie stets diejenige, die ruhig und gefasst blieb. Aber in Gegenwart dieses schönen Vasallen des Königs kam sie sich plötzlich wie ein dummes Milchmädchen vor.

Am besten wäre es wohl, wenn sie und Jack möglichst nicht in Erscheinung traten, während der Baron sich hier aufhielt. Für ihren Bruder stellte das kein Problem dar. Sein Kommen und Gehen wurde von den anderen Mitgliedern des Haushalts kaum registriert. Doch ihr verwitweter Onkel hatte Sarah in den letzten Jahren mehr und mehr die Pflichten der Hausherrin übertragen. Sie hatte deshalb keine Möglichkeit, sich dem gemeinsamen Abendessen mit dem Gast zu entziehen.

Sarah rieb die Handflächen aneinander und überlegte, ob Lord Rutledge etwas bemerkt haben könnte. Sie war sich sicher, dass sich eine Dame am Hofe eher nackt ausziehen würde, als ohne Handschuhe zu reiten. Doch solche Raffinessen waren Sarah völlig fremd. Sie war in einem ganz und gar männlichen Umfeld aufgewachsen. Ihre Mutter war bei der Geburt von Jack gestorben, und John Fairfax lag die Politik zu sehr am Herzen, als dass er Zeit gehabt hätte, eine neue Frau zu suchen.

Nun, falls Lord Rutledge wirklich so unhöflich ist und meine rauen Hände erwähnt, werde ich ihm klarmachen, dass das Leben in Yorkshire nicht so behütet verläuft wie in den Londoner Palästen, beschloss Sarah resolut. Hier auf dem Lande arbeiten die Frauen und verbringen nicht die Tage damit, sich mit feinen Stickereien und kunstvollen Toiletten die Zeit zu vertreiben.

Sarah war so vertieft in ihre Gedanken, dass sie Jack fast übersehen hätte, der um eine alte Einfassungsmauer bog und auf die Ställe zuging. Auf ihren Ruf hin wandte er sich in ihre Richtung.

„Seid Ihr gerade bei den Pferden gewesen, Sarah?“, fragte er aufgeregt. „Ich habe erfahren, dass ein Kavalier vom Hofe eingetroffen ist.“ Er stutzte, als er Sarahs nachdenkliche Miene bemerkte. „Was ist los mit Euch?“

Sie bedeutete ihm durch Handzeichen, leiser zu sprechen. „Das stimmt. Er ist ein Gesandter von König Charles. Und Ihr werdet Euch von ihm fernhalten.“

„Ist es ein sehr vornehmer Herr? Sind seine Kleider so prächtig, wie man es von einem Kavalier erwartet?“ Die Neugier ihres Bruders war noch lange nicht gestillt.

„Habt Ihr nicht verstanden, was ich gesagt habe? Ich möchte nicht, dass er Euch hier entdeckt. Es ist schon schlimm genug, dass er Brigand bereits begutachtet hat.“

Erst jetzt wurde ihm die Bedeutung ihrer Worte bewusst. „Glaubt Ihr, er hat Berichte von den Überfällen gehört?“

Sarah zuckte die Schultern. „Das weiß ich nicht. Möglicherweise ist er wirklich nur ein Verwalter der königlichen Reitställe. Aber es macht mich nervös, einen Mann vom Hofe hier zu haben, besonders, wenn er ein Pferdekenner ist. Es gibt in den umliegenden Zuchtbetrieben kein Pferd, das man mit Brigand vergleichen könnte.“

„Und wenn sich die Landbewohner die Geschichten von dem ‚Vollmondräuber‘ erzählen, schwärmen sie stets auch von dem wunderschönen Hengst, den ‚er‘ reitet“, fügte Jack besorgt hinzu.

„Ich hätte vielleicht eines der Pferde unseres Onkels nehmen sollen“, meinte Sarah bedrückt. „Obwohl mich Brigand schon aus vielen Notsituationen gerettet hat.“

„Es ist müßig, sich im Nachhinein den Kopf darüber zu zerbrechen. Das Pferd ist mittlerweile bekannt.“

Sarah seufzte tief. „Wir müssen nur sichergehen, dass Seine Lordschaft absolut keinen Grund hat, eine Verbindung zwischen dem Wegelagerer und einem der Bewohner von Leasworth zu vermuten.“

„Und wie wollt Ihr das bewerkstelligen?“

Sarah fühlte, wie sich ihre Wangen erneut röteten, als sie an die heftigen Gefühle dachte, die dieser Mann in ihr ausgelöst hatte. „Vielleicht gelingt es mir, ihn abzulenken.“

Jack sah seine Schwester argwöhnisch an. „Was meint Ihr damit?“

Entschlossen hob Sarah den Kopf. „Kümmert Euch nicht darum. Lasst uns nur hoffen, dass sein Aufenthalt hier nicht zu lange dauert. Und Ihr, lieber Bruder, solltet ihm lieber aus dem Weg gehen“, fügte sie hinzu und legte ihm den Arm um die Schultern.

Jack löste sich aus der Umarmung seiner Schwester. „Ihr solltet vielmehr endlich aufhören, mich herumzukommandieren, Sarah. Darf ich Euch daran erinnern, dass ich achtzehn Jahre alt bin.“

„Ihr mögt erwachsen sein, aber Ihr seid immer noch mein kleiner Bruder.“

Jack fuhr zornig hoch. „Für Norah Thatcher schien ich aber gestern nach dem Jahrmarkt in Wiggleston nicht zu jung gewesen zu sein.“

Sarah blickte ihn überrascht an. „Jack! Was wollt Ihr damit sagen?“

Er bekam vor Aufregung rote Flecken am Hals. „Ich bin kein dummer Junge mehr, Sarah. Diese Tatsache solltet Ihr endlich akzeptieren.“

Sie grübelte, was er mit seiner Andeutung gemeint haben könnte. Norah Thatcher war im Ort berüchtigt. Wenn sie gestern spätabends mit Jack noch zusammen gewesen war, gab es nur eine Erklärung. „Unzucht ist eine Sünde, Jack“, erklärte Sarah gespielt streng.

Ihr Bruder entspannte sich und lachte übermütig. „Aber Schwesterchen. Ihr wisst doch, dass die Sittenstrenge unter der glorreichen Herrschaft von König Charles abgeschafft wurde.“

Sarah musterte ihren Bruder eingehend. Er schien ihr seit dem Frühstück heute Morgen nicht sonderlich verändert, aber jetzt fiel ihr plötzlich auf, dass er schon längst so breite Schultern wie ihr Vater bekommen hatte. Durch den Schnurrbart, den er sich in den letzten Wochen hatte wachsen lassen, wirkte er wesentlich älter. „Ich hoffe doch, dass Ihr Euch in Euren Moralvorstellungen nicht an dem lockeren Leben am Hofe orientiert“, erwiderte sie ängstlich.

Jack, der seinen Humor wiedergefunden hatte, gab seiner Schwester einen stürmischen Kuss. „Wie ich schon gesagt habe, liebe Sarah. Ich bin den Kinderschuhen entwachsen. Betrachtet mein Seelenheil nicht länger als Euer Anliegen.“

Ihr standen Tränen in den Augen. „Verlangt bitte nicht, dass ich mir keine Sorgen mehr um Euch machen darf. Ich wüsste nicht, was ich täte, wenn Euch irgendetwas zustoßen würde. Ihr seid doch alles, was ich habe.“

Jack war betroffen über ihren ungewohnten Gefühlsausbruch. Er nahm sie in die Arme. „Wir werden gegenseitig aufeinander achtgeben, Sarah. Ihr seid auch für mich das Wichtigste auf der Welt, das wisst ihr.“

Verlegen gab sie ihm einen leichten Boxhieb auf die Brust. „So, so. Und was ist mit Norah Thatcher?“, foppte sie ihn und lächelte verkrampft.

Jack schmunzelte. „Sagen wir, Norah ist eine gute Freundin von mir.“

Sarah schüttelte den Kopf. „Ihr wart schon immer ein schlimmer Kerl, Jack Fairfax.“

„Seltsam“, meinte er in unschuldigem Ton. „Norah dagegen behauptet, ich sei sehr gut gewesen.“

Sarah fühlte, wie ihr schon wieder das Blut in die Wangen schoss. Sie wusste noch nicht, welche Haltung sie bei diesem speziellen Thema ihrem Bruder gegenüber einnehmen sollte. Jahrelang hatte sie gleichzeitig die Rolle der Schwester und der Mutter für ihn gespielt. Die Vorstellung, dass es jetzt einen Bereich in seinem Leben gab, der sie nichts anging, fiel ihr schwer.

Jack wurde ernst, als er bemerkte, dass er sie wirklich verwirrt hatte. „Ihr habt schon recht, Sarah.“ Er zog sie erneut an sich. „Mein Lebenswandel ist im Moment nicht gerade heilig. Aber es macht sehr viel Spaß, ein Sünder zu sein.“

Unerklärlicherweise musste Sarah wieder an Lord Rutledge denken und seinen begehrlichen Blick, mit dem er sie im Pferdestall betrachtet hatte. Sie trat einen Schritt zurück und versuchte, ihre Gedanken zu zügeln. „Versprecht mir bitte nur, dass Ihr dem Baron aus dem Weg gehen werdet, Jack.“

Ihr Bruder sah sie liebevoll an. „Wenn es Euch glücklich macht, große Schwester, dann werde ich mich so rar wie möglich machen.“

Dankbar drückte sie seinen Arm. Dabei fiel ihr auf, wie durchtrainiert seine Muskeln waren. Wieso schien er ihr plötzlich so erwachsen? „Das beruhigt mich sehr, kleiner Bruder. Ich wünschte nur, ich hätte dieselbe Möglichkeit. Doch leider ist es meine Pflicht, die aufmerksame Gastgeberin für unseren Besuch zu spielen. Und wenn ich mich jetzt nicht auf den Weg in die Küche mache, wird Seine Lordschaft aus London nur rohes Kaninchenragout auf den Tisch bekommen“, fügte sie ironisch hinzu.

Sie mussten beide lachen. „Dann beeilt Euch“, erwiderte er. „Und ich werde zum Dorf reiten. Vielleicht benötigt Mistress Thatcher meine Hilfe.“

„Aber Jack!“, rief Sarah empört.

„Ihr habt doch gerade gesagt, dass Ihr mich aus dem Weg haben wollt. Erinnert Ihr Euch nicht?“

Sarah lächelte widerstrebend. „Gebt nur acht, was Ihr tut, kleiner Bruder.“

Jack nickte ihr bekräftigend zu. „Kleine Sorge, das weiß ich sehr gut, Sarah.“ Dann wandte er sich von ihr ab und eilte davon.

Anthony streckte die langen Beine vor dem Kamin aus, der sich im Gesellschaftszimmer von Leasworth Manor befand. Er fühlte sich müde, aber er war mit den Ergebnissen dieses Tages nicht unzufrieden. Oliver, sein Mitarbeiter bei dieser Mission, hatte ihm berichtet, dass seine Männer im Dorf einige Informationen über den „Mondschein-Banditen“ erhalten hatten. Und sein eigener Tag in Leasworth war mehr als erfreulich verlaufen. Zu seiner Überraschung besaß Thomas Fairfax eine Reihe von Pferden, die alle Gestüte in London übertrafen. Vor allem eines hatte es ihm angetan, ein prächtiges Tier, ein rötlich grauer Hengst mit schlanken Fesseln und kraftvollen Beinen. Er sah aus, als könnte er ohne Pause die ganze Breite der britischen Insel durchqueren.

Und dann diese Frau, die Nichte von Fairfax. Sie wirkte auf den ersten Blick in ihrem grauen Rock wie ein einfaches Landmädchen, aber sie hatte die Gesichtszüge einer klassischen Schönheit, und ihre Figur war einfach atemberaubend. Er hatte sie nur für einen Augenblick in den Armen gehalten, doch das war lange genug gewesen. Sie besaß die üppigen Rundungen einer Frau, fühlte sich jedoch gleichzeitig geschmeidig und kräftig an, sodass sie im Bett sicherlich eine aufregende Gespielin wäre.

Nur zu schade, dass er heute Abend schon zu erschöpft war, um ihr den Hof zu machen. Anthony mutmaßte, dass er leichtes Spiel mit ihr haben würde. Als er aus dem Pferdestall gekommen war, hatte er sie mit einem Mann zusammen gesehen. Offensichtlich hatte es sich um einen ihrer Geliebten vom Lande gehandelt. Sie hatte den strammen jungen Kerl umarmt und ihn sogar in aller Öffentlichkeit geküsst. Einem erfahrenen Kavalier vom Hofe wie ihm dürfte es leichtfallen, ihre Aufmerksamkeit zu erringen. Schließlich hatte er bereits die schönsten Damen der Gesellschaft umworben und erobert. Natürlich mit Ausnahme derer, für die sich der König interessierte.

Die Tür zum Kaminzimmer wurde geöffnet. Sie war es, die Nichte – Sarah. Ein einfacher Name, doch er passte zu ihrer schlichten Eleganz. Dasselbe galt auch für ihre Abendrobe. Sie trug einen schwarzen Seidenrock und ein weißes Mieder, das ihre vollen Brüste und die schmale Taille betonte. Das Dekolleté rahmte ein schmaler Spitzenbesatz. Locker trug sie das Haar hochgesteckt, was ihren schlanken Nacken betonte. Ihr fein geschnittenes Gesicht schimmerte im Schein des Feuers. Sie wirkte ernst und würdig, doch sie beobachtete ihn aus den grauen Augen mit der trügerischen Ruhe eines Raubtieres, bevor es zuschlägt.

Anthony erhob sich. Vielleicht war er trotz allem doch noch nicht zu müde.

2. KAPITEL

Macht doch keine Umstände, Mylord. Behaltet bitte Platz.“

„Aber ich stehe doch bereits, Mistress Fairfax.“ Anthony sah sie wie gebannt an. Der Anblick dieser Frau war einfach überwältigend. Dabei trug sie weder Schmuck noch Spitzen oder außergewöhnliche Stoffe, und sie war ungeschminkt.

„Ich möchte mich nur erkundigen, ob Ihr mit Eurer Unterbringung zufrieden seid.“

Sarahs Stimme klang leise und einschmeichelnd. Der Blick ihrer Augen wirkte sanft. Anthony war sich nicht mehr sicher, ob er sich ihren herausfordernden Gesichtsausdruck kurz zuvor nicht eingebildet hatte. „Bitte versucht doch, Euren Onkel umzustimmen“, fuhr er fort und kam auf sie zu. „Es ist mir unangenehm, dass der General sein eigenes Schlafzimmer für mich räumen will.“

„Das ist völlig ausgeschlossen“, antwortete Sarah. Eine Spur von Herausforderung klang in ihren Worten mit. „Onkel Thomas hat feste Vorstellungen über alles, was die Etikette betrifft. Niemals würde er einen Besucher von Eurem Rang in weniger anspruchsvollen Räumlichkeiten schlafen lassen.“

Der Baron schüttelte missbilligend den Kopf. „Darüber möchte ich noch einmal mit ihm sprechen. Ich will auf keinen Fall Unordnung in den Haushalt bringen.“

„Mein Onkel hat sich bereits zurückgezogen und mich gebeten, Euch in seinem Namen eine gute Nachtruhe zu wünschen.“

Anthony überlegte einen Moment. Er hielt es für ein gutes Zeichen, dass General Fairfax der Krone so viel Respekt entgegenbrachte und die Gesandten mit aller Ehrerbietung behandelte. Er würde König Charles darüber berichten. Aber bis dahin war noch Zeit. Das Mädchen hier schien im Augenblick ohne Anstandsdame zu sein.

„Euer Onkel pflegt früh schlafen zu gehen“, entgegnete er in verbindlichem Tonfall.

„Ja. Er arbeitet den ganzen Tag schwer und ist auch nicht mehr der Jüngste.“

„Aber der General befindet sich doch bei guter Gesundheit?“

Sarah konnte den Sarkasmus in ihrer Stimme nicht unterdrücken. „Jahrelanger Krieg und Verrat können einem Mann schwer zu schaffen machen, Mylord.“

Anthony zog die Augenbrauen hoch. „Ich weiß“, antwortete er scharf. „Es gibt viele Leute, die behaupten, dass Seine Majestät der König viel älter wirkt als fünfunddreißig Jahre.“

Sarah biss sich auf die Lippe. Was ist nur los mit mir? fragte sie sich selbst zum hundertsten Mal an diesem Tag. Sie war doch nicht hierhergekommen, um mit dem Baron über Politik zu sprechen und alte Wunden wieder aufzureißen. Ihre Absicht war, jeden Verdacht zu zerstreuen, den er während des Tages in Bezug auf Brigand und den Wegelagerer entwickelt haben könnte. Nur aus diesem Grund war sie noch einmal in das Kaminzimmer gekommen, anstatt direkt zu Bett zu gehen. Auf keinen Fall wollte sie ihren Gast feindselig stimmen.

„Darüber kann ich nicht urteilen. Ich bin Seiner Majestät leider noch nie persönlich begegnet“, erklärte sie.

Anthony musterte sie kurz von Kopf bis Fuß. Seine Augen glänzten. „Vielleicht ist das ganz gut für Euch, Mistress Fairfax.“

Sarah war über diese unerwartete Bemerkung überrascht. „Darf ich nach dem Grund fragen, Sir?“

Anthony trat so nah an sie heran, dass sie die feine Stickerei auf seinem schwarzen Wams erkennen konnte. Vertraulich beugte er sich zu ihr. „Ihr müsst wissen, der König hat eine Schwäche für schöne Frauen.“

Sarah schien es, als würde plötzlich eine der Flammen aus dem Kamin ihr Gesicht streifen. Noch nie hatte sie ein derartiges Kompliment bekommen. Ihr Vater war der Ansicht gewesen, dass Eitelkeit eine Sünde sei. Sie selbst war insgeheim immer ganz zufrieden mit ihrer anmutigen, schlanken Figur gewesen. Doch wurde über diese Tatsache innerhalb der Familie nie ein Wort verloren.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Seine Majestät sich für ein einfaches Mädchen vom Lande, wie ich es bin, interessiert“, bemerkte sie unsicher.

Anthony strich ihr sanft über die Wange. „Es trifft zwar zu, dass Ihr aus der Provinz stammt, aber ich bin nicht überzeugt, ob die Bezeichnung ‚einfach‘ für Euch angemessen ist“, antwortete er einschmeichelnd. „Und ich fürchte, wenn Ihr die Aufmerksamkeit von König Charles erregt habt, dürftet Ihr Euch auch nicht mehr lange ‚Mädchen‘ nennen.“

Sarah wich seinem spöttischen Blick aus und trat einen Schritt zurück, um sich seiner Berührung zu entziehen. Sie fühlte sich völlig überfordert. Denn sie war in einem gesellschaftlichen Umfeld aufgewachsen, in dem Männer und Frauen vor der Ehe keinerlei engeren Kontakt haben durften. Ein Mädchen, das seine Unschuld verloren hatte, wäre dem Spott ausgesetzt und würde als verrucht bezeichnet. „Ich fürchte, ich kann Eurer Art von Humor, wie sie offensichtlich am königlichen Hofe gepflegt wird, nicht folgen“, meinte sie abweisend.

Der Baron runzelte die Stirn. Offensichtlich hatte er sich im Ton vergriffen. Vielleicht war sie doch noch unschuldig, trotz der Szene, die er vor dem Stall beobachtet hatte. Diese Tatsache würde nichts an seinen Absichten ändern, vielmehr musste er dann seine Taktik ändern. „Bitte entschuldigt meinen allzu lockeren Plauderton, Mistress Fairfax. Ihr habt völlig recht. Die lästerlichen Redensarten haben am Hofe mittlerweile überhandgenommen, und manchmal vergesse ich deshalb, wie man mit einer Dame zu sprechen pflegt.“

Sarah war bemüht, ihre Haltung wiederzufinden. „Es gibt keinen Grund für eine Entschuldigung, Mylord“, bemerkte sie höflich und schluckte. „Aber nun müsst Ihr mich leider entschuldigen.“

Der Baron griff nach ihrer Hand. „Bleibt noch, Mistress Fairfax. Leistet mir doch ein wenig Gesellschaft am Kamin. Ich verspreche, dass ich Euch nicht noch einmal beleidigen werde.“

Seine Stimme klang bittend. Sarah musterte ihn eingehend. Das Haar fiel ihm in wilden schwarzen Locken auf die Schultern, im Unterschied zu der gestutzten puritanischen Haartracht, die die jungen Männer auf dem Lande zu tragen pflegten. Er wirkte jedoch alles andere als feminin. Im Gegenteil. Diese Haartracht betonte vielmehr noch die überwältigende Männlichkeit, die er ausstrahlte. Obwohl sie ihr ganzes Leben lang mit Männern zu tun gehabt hatte, war ihr der Unterschied der Geschlechter noch nie so bewusst geworden wie in diesem Moment. Einerseits drängte es Sarah zur Flucht in ihr kleines Zimmer, das sich im Westflügel des Herrschaftshauses befand. Andererseits fühlte sie sich wie gebannt von diesem Mann.

„Ich bleibe gern noch einen Augenblick“, erwiderte sie schließlich. „Aber ich kann mir gut vorstellen, dass Ihr heute nach dieser Reise erschöpft sein müsst.“

Mit dem geübten Blick eines erfahrenen Frauenhelden beobachtete Anthony ihren wechselnden Gesichtsausdruck. Er sah ihr Zögern, ihr wachsendes Interesse, ihre Neugier. Sie hatte noch kein Verlangen nach ihm, aber das würde sich ergeben. Er hatte sehr viel Zeit.

„Ich bin niemals zu müde, die Gesellschaft einer schönen Frau zu genießen.“ Ohne ihre Hand freizugeben, führte er sie durch den Raum zu den Ledersesseln vor dem Kamin.

„Diese Art von Komplimenten bin ich nicht gewöhnt, Mylord“, wandte Sarah ein, zog die Hand zurück und wählte einen Platz, der so weit wie möglich von dem Stuhl entfernt stand, in dem sich der Baron niedergelassen hatte.

„Es fällt mir schwer, das zu glauben.“ Anthony rückte seinen Sessel an den ihren heran und beugte sich vor, sodass er Sarah noch näher war. „Und ich habe keine Nachrichten darüber erhalten, dass eine Epidemie alle Edelmänner von Yorkshire erblinden hätte lassen.“

Er lächelte so schalkhaft und herzlich, dass Sarah einstimmen musste. „Es hängt nicht damit zusammen, dass die Männer hier blind sind, Sir. Sie haben nur keine Zeit für Schmeicheleien.“

„Die Wahrheit zu sagen ist doch keine Schmeichelei.“ Anthony zögerte kurz, ehe er lässig hinzufügte: „Der junge Verehrer, der Euch heute einen Besuch abgestattet hat, wird Euch sicher solche Dinge sagen.“

„Ein Verehrer?“

„Ein großer blonder junger Mann. Ich sah Euch zusammen mit ihm, als ich mit Eurem Onkel die Pferdeställe verließ.“

Sarah überlegte angestrengt. Wie sie vermutet hatte, war Jacks Abwesenheit beim gemeinsamen Mahl am Mittag und Abend nicht aufgefallen. Ihr Besucher wusste nicht, dass sie einen Bruder hatte, und Sarah wollte, dass er auch in Zukunft nichts von seiner Existenz erfuhr. „Ach … Henry“, meinte sie beiläufig. „Er ist nur ein Freund. Seine Familie besitzt ein Grundstück in einem Nachbarort.“

Anthony war überrascht. Er wusste sofort, dass sie ihn anlog. Aber was bezweckte sie damit? Wollte sie nur ihre Gefühle für diesen Mann vor ihm verheimlichen? Oder gab es einen tieferen Grund für ihre Doppelzüngigkeit? Er hatte trotz allem noch nicht vergessen, mit welchem Auftrag ihn der König nach Leasworth gesandt hatte. Die Lady versuchte offensichtlich, ihn zu täuschen. Diese Tatsache gab diesem Abend eine völlig neue Wendung.

„Ich würde gern seine Bekanntschaft machen. Seine Familie besitzt vielleicht Pferde, die für mich von Interesse sein könnten.“

Sarah lachte gezwungen. „Sicher nicht. Sie sind nicht gerade wohlhabend. Ich bin mir sicher, dass sie höchst verlegen über einen Besuch eines Abgesandten des Hofs wären.“

Es war unübersehbar, dass sie etwas vor ihm verbarg. Zu seiner eigenen Überraschung war er darüber betrübt. Er hatte vorgehabt, Mistress Fairfax zu verführen und seine Liebeskünste unter Beweis zu stellen – zu ihrer beiderseitigen Befriedigung. Anthony hatte sogar daran gedacht, ein paar Tage mit ihr verliebt zu tändeln. Denn er hatte die Erfahrung gemacht, dass eine gefühlsmäßige Bindung die körperliche Empfindsamkeit noch steigerte. Es hatte ihn schon längere Zeit keine Frau mehr betört. Doch es fiel ihm schwer, sich in die süße Nichte von General Fairfax zu verlieben, wenn er gleichzeitig hinter ihr herspionieren musste. Das war zwar kein Grund, sie nicht zu verführen. Aber er musste auf der Hut sein und durfte dieses Abenteuer nicht unbeschwert genießen.

„Gut, ich verlasse mich auf Euer Urteil, Mistress Fairfax“, erwiderte er mit einem Lächeln. „Obwohl mein Auftrag verlangt, dass ich alle Ställe der Gegend besichtige.“

„Ihr dürft mich beim Wort nehmen, Sir. Die Pferde der Partridges sind alles andere als edle Tiere.“

„Die Familie heißt Partridge?“

„Ja. Henry Partridge“, meinte Sarah förmlich. „So heißt der Freund, der mich heute besucht hat.“

„Ich verstehe.“

Sarah suchte nach Anzeichen von Argwohn in seinem Gesicht, doch er blickte sie ganz freundlich an. „Ich möchte mich nun zurückziehen, Mylord. Hier in Leasworth geht man früh zu Bett.“

Anthony machte keinen Versuch mehr, sie zum Bleiben zu überreden. Er stand auf und verbeugte sich kurz. „Dann möchte ich Euch nicht weiter belästigen und bitte Euch nur, dass ich Eure Dienste morgen weiter in Anspruch nehmen darf.“

„Meine Dienste?“, fragte Sarah unsicher und erhob sich ebenfalls.

„Als Führerin“, erklärte Anthony mit sanfter Stimme. „Euer Onkel hat so begeistert von Eurem Reittalent berichtet, dass ich mich gern selbst davon überzeugen möchte. Gleichzeitig könntet Ihr mir helfen, meinen Auftrag zu erfüllen, da Ihr die Gegend kennt.“

Das ganze Gespräch hatte bei Sarah einen unangenehmen Nachgeschmack hinterlassen. Anfangs hatte sie die Anwesenheit des Barons persönlich beunruhigt, und nun fürchtete sie sich erneut vor seiner Gegenwart als Gesandter des Königs. Ich hätte dieses Märchen über Jack nicht erfinden sollen, dachte sie verärgert. Dieser Mann war zu scharfsinnig, als dass man ihn so leicht an der Nase herumführen könnte. Sie musste auf der Hut sein.

„Wie ich schon erwähnt habe, beurteilt mein Onkel Thomas meine Fähigkeiten mit den Augen eines Verwandten, der mir liebevoll zugetan ist. Aber ich werde Euch gern morgen die Umgebung zeigen.“

„Das freut mich sehr. Treffen wir uns gegen zehn Uhr?“

Sarah nickte zustimmend, ehe sie sich abwandte, um den Raum zu verlassen. Anthony betrachtete ihre anmutige Haltung, während sie zur Tür ging. „Mistress Fairfax“, rief er ihr nach, als sie die Hand auf die Klinke legte.

Sie blickte über die Schulter zurück.

„Falls Master Partridge nicht voller Begeisterung und so oft wie möglich Eure Schönheit preist, hat er Eure Aufmerksamkeit nicht verdient.“

Sarah fühlte erneut, wie ihr die Hitze in die Wangen stieg. „Gute Nacht, Mylord“, sagte sie schnell und trat aus der Tür in die dunkle Halle.

„Ich fürchte, dass mir ‚Partridge‘ nicht gefällt. Ihr hättet schon einen Namen erfinden können, der etwas besser klingt.“ Jack lag quer über dem Fußende von Sarahs Bett. Er lächelte ihr schalkhaft zu, während er einen Apfel verspeiste. Es war bereits der vierte, den er innerhalb weniger Minuten vertilgte, während Sarah ihm von ihrem Gespräch mit dem Baron am gestrigen Abend berichtete. Sarah versuchte, nicht darüber nachzudenken, welche nächtlichen Ereignisse den außergewöhnlichen Appetit ihres Bruders verursacht haben könnten. Eine besorgte Frage konnte sie dann aber doch nicht unterdrücken.

„Um welche Zeit seid Ihr eigentlich gestern Abend zurückgekommen, kleiner Bruder?“

Sein Lächeln vertiefte sich. „Ihr habt zu mir gesagt, dass ich mich vom Gut fernhalten soll. Erinnert Ihr Euch?“

„Dieser Rat war nicht unbegründet. Irgendwie fühle ich, dass uns dieser Mann gefährlich werden könnte.“ Sie richtete sich im Bett auf und drückte sich schützend ein Kissen gegen die Brust. Anthony Rutledge konnte auf alle Fälle ihr seelisches Gleichgewicht gehörig durcheinanderbringen. Sie hatte letzte Nacht lange gebraucht, um einzuschlafen. Die Tatsache, dass sie keine Geräusche hörte, die ihr Jacks Rückkehr in sein Zimmer, das neben dem ihren lag, verrieten, hatte ein Übriges dazu beigetragen.

Als sie schließlich einschlummerte, hatte sie wieder einen ihrer Albträume. Sie begannen immer am selben Punkt … an jenem schrecklichen Tag vor vier Jahren, dem Tag, an dem ihr Vater hingerichtet wurde. Sie und Jack standen in vorderster Reihe der Menschenmenge bei diesem Ereignis – verlorene, einsame Gestalten, die das Ende der gesicherten Welt, wie sie sie kannten, mit ansehen mussten. Doch in ihren Träumen war Sarah nicht länger hilflos. Sie stand auf dem Podium neben ihrem Vater und kämpfte mit seinen Gefängniswärtern. Sie war ganz in Schwarz gekleidet und verdeckte ihr Gesicht hinter einer schwarzen Seidenmaske. Nacheinander besiegte sie die Männer des Königs, bis schließlich nur noch einer übrig blieb. Er stand über ihrem Vater und schwang ein großes Schwert. Dieser Mann war furchteinflößender als alle, denen sie je begegnet war. Von dieser Stelle an gab es mehrere Varianten in ihrem Traum. Manchmal verwandelte sich ihr Vater in einen Adler, der sich hoch in den hellen blauen Himmel schwang. Manchmal senkte sich das schreckliche Schwert und alles, was sie noch sehen konnte, waren große rote Blutlachen.

Vergangene Nacht träumte sie eine neue Version. Plötzlich sah sie Jack in einer Wiese bei Wiggleston. Er hielt Norah Thatcher eng umarmt. Dann änderte sich das Bild. Da stand nicht mehr Jack, sondern der Baron. Sie konnte sich nur noch ungenau erinnern. Sein schwarzes Haar fiel ihm ins Gesicht, während er den Kopf an den Oberkörper einer Frau presste. Aber es war nicht Norah gewesen …

„Sarah!“ Jacks Stimme klang ungeduldig. „Was ist nur los mit Euch? Ihr seid ganz blass geworden.“

Sie riss sich zusammen und schwang die Beine zur Seite, um aus dem Bett zu springen. „Nichts von Bedeutung. Der Gedanke daran, dass ein Gesandter des Königs im Haus ist und dass mein Bruder wie ein heißer Kater durch das Dorf streicht, hat mich nur letzte Nacht schlecht schlafen lassen.“

Jack erschrak über ihren scharfen Ton. „Ich verstehe Euch nicht, Sarah. Erst wolltet Ihr, dass ich vom Gut fernbleibe, und nun seid Ihr verärgert, weil ich Euren Wünschen entsprochen habe.“

Sie seufzte. „Ihr habt recht. Es tut mir leid, Jack. Dieser Baron verwirrt mich völlig. All dieser Unsinn, den er mir über meine angebliche Schönheit erzählt …“

Jack lächelte sie nachsichtig an. „Aber Ihr könnt dem Mann doch nicht vorwerfen, dass er Augen im Kopf hat. Ihr seid nun einmal sehr anmutig.“

Sarah gürtete den weit geschnittenen Morgenmantel eng um die Taille und blickte ihren Bruder an. Jack hatte sich wirklich verändert. Die Tatsache, dass sie eine Frau war und er ein Mann, schien ihm plötzlich viel bewusster. Noch vor ein paar Wochen hätte er solche Dinge nie gesagt. Sie fühlte sich nicht wohl dabei, aber diese Veränderung machte sie auch neugierig. „Danke für das Kompliment“, erwiderte sie sanft.

Jack wich ihrem Blick aus. „Ich vermute, dass Vater und ich Euch nicht viel Nettes sagen konnten.“

„Das macht doch nichts.“ Sarah schüttelte verlegen den Kopf.

„Doch.“ Jack wirkte ernst. „Das ist schon wichtig. Ich habe die schönste Schwester im ganzen Land und fand diese Tatsache nie erwähnenswert. Man sollte mich übers Knie legen und zumindest zwingen, eine von Pastor Hollanders Predigten anzuhören.“

Sarah musste lachen. Jack hatte die Gabe, die schlimmsten Augenblicke mit seinem Humor zu entschärfen. Sie war erschöpft und mehr als verwirrt über die Gefühle, die sie gestern und diese Nacht gequält hatten, doch davon abgesehen, empfand sie eine überwältigende Zuneigung für ihren Bruder. Ohne ihn wäre ihr Leben wirklich öde.

Sie ging zu ihm, beugte sich vor und drückte ihm einen Kuss auf das blonde Haar. „Auf alle Fälle ist es wichtiger als je zuvor, dass Ihr Euch hier nicht mehr sehen lässt. Ihr solltet im Dorf wohnen, bis der Baron wieder abgereist ist. Bitte sprecht doch auch mit Pastor Parson Hollander, damit er den Leuten einschärft, dass sie Eure Anwesenheit geheim halten.“

„Was ist mit den Dienstleuten auf dem Gut?“

„Ich werde mit Onkel Thomas reden.“

„Bess wird Euch sicher unterstützen.“ Sie war die Oberköchin, die Alleinherrscherin in der Küche von Leasworth, und die einzige Frau, auf die Jack, abgesehen von Sarah, je gehört hatte.

„Sie tut bestimmt alles, um Euch zu schützen“, erwiderte Sarah. „Es ist also abgemacht. Jetzt solltet Ihr aber aufbrechen.“

„Und Ihr versprecht mir, dass Ihr mir keine Vorwürfe mehr macht, wenn ich die Nacht woanders verbringe?“

„Ihr könnt ja bei Pastor Hollander wohnen.“

Jack schnitt eine Grimasse und wirkte für einen Augenblick wieder wie ein kleiner Junge. Sarah war belustigt. „Also gut“, meinte sie. „Ihr könnt bleiben, wo Ihr wollt. Aber Ihr dürft nicht zurückkehren, bevor ich Euch Nachricht gegeben habe, dass keine Gefahr mehr droht.“

„Aber was ist mit Euch? Die Vorstellung, dass Ihr ungeschützt mit diesem Mann verkehrt, beunruhigt mich.“

„Macht Euch um mich keine Sorgen“, meinte sie. „Mir passiert schon nichts. Nun solltet Ihr Euch aber auf den Weg machen, bevor der Baron mich zu unserem Ausritt abholen kommt.“

„Und Ihr seid Euch ganz sicher?“

„Natürlich. Völlig sicher. Ich bezweifle nicht im Mindesten, dass ich mit Seiner Lordschaft Anthony Rutledge zurechtkommen werde.“ Sie wandte sich von Jack ab und biss sich auf die Lippe. Soweit sie sich erinnern konnte, war dies das erste Mal, dass sie ihren Bruder anlog.

„Welches von diesen edlen Tieren wollt Ihr reiten, Mistress Fairfax?“

Sarah verbarg ihre Wut hinter einem Lächeln. Sie hatte gehofft, heute Morgen vor dem Baron bei den Reitställen zu sein, um dem Pferdeknecht Arthur mitteilen zu können, dass sie Brigand an diesem Tag nicht reiten wolle. Doch Lord Rutledge hatte schon an ihre Schlafzimmertür geklopft, bevor sie fertig angezogen war. Fast wäre ihm Jack noch über den Weg gelaufen.

Wie sie befürchtete, führte der eifrige Arthur ihren geliebten Hengst schon heran, kaum dass der Baron seine Frage ausgesprochen hatte. „Das hier ist das Pferd von Mistress Fairfax“, erklärte er stolz.

Sarahs Lächeln vertiefte sich, als Anthony einen anerkennenden Pfiff ausstieß. „Das Tier ist wunderschön. Es ist mir gestern schon aufgefallen, und ich hatte gehofft, es heute selbst reiten zu können.“

„Der Hengst scheut gegenüber Fremden“, meinte Sarah steif.

„Hat er das von seiner Herrin gelernt?“, fragte Anthony belustigt.

Sarah, die entschlossen war, sich nicht erneut von diesem Mann aus der Fassung bringen zu lassen, überhörte diese Bemerkung. „Ich habe ihn schon betreut, als er noch ein Fohlen war. Er ist an mich gewöhnt.“

Anthony strich mit Kennermiene über die Flanken des Pferdes. „Wie heißt er?“

Sarah warf einen Blick auf Arthur, der ihrer Unterhaltung neugierig lauschte. Widerwillig beantwortete sie die Frage. „Ich nenne ihn Brigand, das bedeutet ‚Räuber‘.“

Anthony hielt einen Moment inne und befühlte dann die Fesseln des Pferdes. „Das ist ein blutrünstiger Name für einen Hengst, der einer so bezaubernden jungen Frau gehört.“

Da Sarah nichts entgegnete, fragte er: „Würdet Ihr ihn unter Umständen verkaufen?“

„Niemals!“, verneinte sie heftiger, als beabsichtigt.

Der Baron hatte das Tier eingehend untersucht und richtete sich wieder auf. Er wandte sich an Sarah mit einem gewinnenden Lächeln, das sie an ihren Traum in der letzten Nacht erinnerte. „Nicht einmal an den König?“, fragte er mit sanfter Stimme.

„Ich bin untröstlich“, meinte sie förmlich, nachdem sie ihre Haltung wiedergefunden hatte. „Brigand ist unverkäuflich.“

„Das habe ich schon vermutet. Trotzdem betrübt es mich zutiefst. Vielleicht kann ich Euch während meines Aufenthaltes hier noch dazu bewegen, Eure Meinung zu ändern.“

„Ich fürchte, Ihr werdet nur Eure Zeit verschwenden, Mylord.“

„Es ist eine interessante Herausforderung für mich.“

Er musterte sie mit durchdringendem Blick, und Sarah fühlte sich plötzlich völlig verunsichert. Der Baron stand viel zu nahe vor ihr. So konnte sie nicht kühl überlegen. Und sie war hier festgenagelt, eingeklemmt zwischen der Wand und dem Pferd.

„Mistress Sarah würde Brigand niemals verkaufen.“ Arthurs Stimme schreckte sie beide hoch. Sarah wusste, dass ein Diener, der ungefragt redete, dafür auf vielen Landsitzen bestraft würde. Aber ihr Onkel und ihr Vater hatten alle Angestellten, die auf ihrem Grund und Boden arbeiteten, immer fair und rücksichtsvoll behandelt. Das Ideal der christlichen Brüderlichkeit durfte nicht nur theoretisch gelehrt werden.

Anthony lächelte den eifrigen Burschen an. „Das glaube ich dir, Junge. Aber man sagt mir auch nach, dass ich sehr überzeugend sein kann, wenn ich will.“ Er blickte Sarah erneut an.

„Falls wir vor dem Mittagsmahl noch ausreiten wollen, sollten wir besser bald aufbrechen. Wenn es Euch recht ist, könntet Ihr Chestnut, den preisgekrönten Hengst meines Onkels, ausprobieren. Ich denke, er könnte Euren Ansprüchen an ein Reitpferd genügen“, meinte sie hastig. Sarah wollte, dass dieser Vormittag rasch vorüberging.

Arthur eilte davon, um das beste Pferd von Sir Thomas Fairfax für den Baron vorzubereiten. Es handelte sich um einen schwarzen Hengst, so groß gewachsen wie Brigand, doch nicht mit der Flankenbreite, die Sarahs Pferd die außergewöhnliche Kraft gab.

Arthur blickte ihnen begeistert nach, als sie davonritten, und Sarah musste sich eingestehen, dass sie sicher einen beeindruckenden Anblick boten, während sie den viel befahrenen Weg zur Ortschaft zurücklegten. Brigand und Chestnut waren zwei der schönsten Pferde in der ganzen Gegend, und sie wurden heute von zwei erfahrenen Reitern geführt. Sie ritten mehrere Minuten schweigend nebeneinander her und genossen die seltene Dezembersonne, die heute über der Landschaft lag.

„Wenn ich gewusst hätte, dass Yorkshire ein so mildes Klima hat, wäre ich schon früher hierher zu Besuch gekommen“, meinte Anthony schließlich.

„Wir haben heute Glück mit dem Wetter. Vielleicht scheint die Sonne einzig Euch zu Ehren, Mylord.“

Anthony zog nachdenklich die schwarzen Augenbrauen hoch. Zum ersten Mal seit ihrer förmlichen Vorstellung kokettierte Mistress Fairfax mit ihm. Ansonsten pflegte sie stets entwaffnend direkt zu sein. Anthony fand, dass Sarah sich so völlig anders verhielt als die Damen am Hofe, deren Umgang er gewohnt war. Er musste daran denken, dass er sie letzten Abend verdächtigt hatte, ihn zu belügen. Offensichtlich versuchte sie, ihn zu verwirren und ihm etwas vorzuspielen. Diese Tatsache beunruhigte einen Mann wie ihn, der sich brüstete, alle Frauen zu durchschauen.

Es lag ihm schon auf der Zunge, mit einer geschliffenen Formulierung zu antworten. Er könnte zum Beispiel überschwänglich bekennen, dass der Glanz der Sonnenstrahlen vor der berückenden Schönheit ihrer Erscheinung verblassen musste, oder ein ähnliches Geschwafel erfinden. Aber er verbot es sich und sagte einfach: „Wenn irgendjemand geehrt werden sollte, dann Ihr, Mistress Fairfax.“

Dieses unverblümte Kompliment trieb ihr die Röte in die Wangen. Sie schenkte ihm ein Lächeln, und Anthony fühlte, wie sich sein Pulsschlag beschleunigte. „Was haltet Ihr davon, wenn wir das Tempo etwas erhöhen?“, fragte er schroff.

„Eine gute Idee. Wir können den Weg durch die Wiesen nehmen, wenn Ihr einverstanden seid. Das Gelände ist eben.“

Anthony nickte und folgte ihr, als sie ihren herrlichen Hengst in einen leichten Galopp fallen ließ. Ihr Onkel hatte recht gehabt. Trotz der umständlichen Röcke, die ihr die Mode diktierte, und dem Damensattel ritt Sarah vorzüglich und bewegte sich in vollendeter Harmonie mit dem Tier. Er ließ sein Pferd etwas zurückfallen, nur um ihren Anblick zu genießen. Dann gab er ihm die Sporen, da er ihr nicht zu viel Vorsprung lassen wollte. Als er sie wieder eingeholt hatte, trieb sie ihren Hengst an und zwang Anthony zu einer Verfolgungsjagd. Plötzlich wurde ein Wettkampf daraus, in dem Sarah die völlige Kontrolle zu haben schien.

Schließlich verringerte sie das Tempo und ermöglichte ihm, Schritt zu halten. Sie galoppierten kurz nebeneinander her, dann deutete Sarah auf eine Steigung im Gelände und zügelte ihr Pferd. „Hinter der Anhöhe verläuft ein Bach. Wir sollten unseren Tieren etwas zu trinken geben“, rief sie lachend.

Sarahs Haar, das in einem strengen Knoten zurückgebunden gewesen war, hatte sich gelöst. Die goldfarbenen zerzausten Locken fielen ihr auf die Schultern. Ihre grauen Augen strahlten, und sie sah so jung und frisch aus, dass Anthony von ihrem Anblick ganz gefangen war. „Vielleicht wäre es ganz reizvoll, einmal ein Rennen auszurichten“, schlug sie herausfordernd vor.

„Ich fürchte, Ihr seid zu gut für mich. Ihr reitet wie der Wind, Mistress Fairfax.“

„Das liegt nur an diesem Pferd. Es ist unschlagbar.“

Anthony nickte. „Langsam gewinne ich auch diesen Eindruck.“

Sie hatten das Ufer des Baches erreicht. Anthony glitt aus dem Sattel und wollte Sarah beim Absteigen helfen, doch sie stand schon auf dem Erdboden, noch bevor er bei ihr war. Anthony schüttelte belustigt den Kopf und bemerkte: „Dieser Hengst ist ein besonders großes Tier, und trotzdem springt Ihr so behänd wie eine Katze von seinem Rücken.“

Er ging zu Sarah und schleifte die Zügel seines Pferdes hinter sich nach. „Ihr habt auch manchmal die Augen einer Katze“, meinte er. „Dieses intensive Grau. Niemals zuvor habe ich diese Augenfarbe bei jemand anders gesehen.“

Während er unvermittelt den Blick auf sie heftete, fühlte Sarah, dass sie erneut Unsicherheit und Aufregung befiel. Innerhalb der Zeitspannes eines Tages hatte dieser seltsame Kavalier aus London mehr Bemerkungen über ihre Person von sich gegeben, als sie in ihrem ganzen Leben zuvor gehört hatte. Sicherlich war diese Art von Unterhaltung am Hofe von König Charles an der Tagesordnung. Doch einem Mädchen, das eine sittenstrenge Erziehung auf dem Land erhalten hatte, fiel es schwer, darauf eine passende Antwort zu finden.

Zeitweise hatte sie den Eindruck, dass ihr diese Ungeschicklichkeit ganz gut dienen konnte. Ihre mangelnde Übung im Umgang mit galanten Schmeicheleien musste sie in den Augen des Barons wie ein Dummchen erscheinen lassen. Vermutlich war das am besten. Jedoch, so gestand sich Sarah ein, hatte sie manchmal auch den überwältigenden Wunsch, diesen Mann zu beeindrucken.

Ihr Vater hatte seine Begeisterung für Wissen und Bücher gleichermaßen an sie und Jack weitergegeben. Sarah hatte eine umfassende Bildung erhalten, die weit über das hinausging, was man im Allgemeinen als angemessen für ein Mädchen erachtete. Und sie hatte nicht nur die puritanischen Lehrer wie William Prynne gelesen. Ihr Vater hatte sie angehalten, sich auch mit Shakespeare, Donne, und sogar mit Hobbes zu beschäftigen. Durch dieses Studium war sie schließlich sogar in der Lage, in der Unterhaltung mit den Freunden ihres Vaters, zu denen die bekanntesten Gelehrten des Landes zählten, einen eigenen Standpunkt zu vertreten. Sie verfügte über eine geschliffene Sprache und eine rasche Auffassungsgabe, deshalb war es für Sarah völlig unverständlich, wieso sie diese beiden Eigenschaften in der Gegenwart von Lord Rutledge völlig im Stich ließen.

„Ich bin mein ganzes Leben lang von Pferden auf- und abgestiegen“, entgegnete sie, weil ihr nichts anderes einfiel. Doch Anthony zog es vor, beim Thema zu bleiben.

„Ihr habt die Augen eines Raubtieres. Aber wenn Ihr verärgert seid, haben sie die Farbe der sturmgepeitschten, aufgewühlten See.“

„Ich glaube nicht, dass Ihr mich schon einmal wütend erlebt habt, Mylord.“

„Nicht direkt wütend, aber … aufgeregt. Zum Beispiel gestern Abend, als Ihr Euren Onkel verteidigt habt. Ich fühlte, dass sich hinter Euren Worten mehr verbarg. ‚Jahre des Krieges und Verrats‘, glaube ich, habt Ihr gesagt. Und dabei klang ein tief sitzender Groll mit.“

Anthony trat ganz nah an sie heran und berührte mit einem Finger ihr Gesicht. „Ich sah die Gewitterwolken in diesen wunderschönen grauen Augen.“

„Der Bürgerkrieg war für alle schwer zu ertragen“, antwortete Sarah vorsichtig. „Es ist kein Thema, über das ich gern nachdenke.“

„Aber wenn ein Gesandter des Königs bei Euch zu Hause erscheint, habt Ihr keine Wahl. Habe ich recht?“

Sie schüttelte nachdenklich den Kopf. Der Baron stand direkt vor ihr, doch diesmal spürte sie nicht den Drang zu flüchten. Im Gegenteil, fast fühlte sie sich herausgefordert, sich ihm noch mehr zu nähern. „Da Ihr ein Kavalier vom Hofe seid, hätte ich Euch vielleicht abgelehnt, Lord Rutledge. Aber Ihr seid nicht so, wie ich vermutet hatte.“

Anthony senkte die Hand und legte sie auf ihren Arm. Voller Zartgefühl zog er sie an sich. „Und was haltet Ihr nun von mir, Mistress Fairfax?“

Sarah fühlte, wie ihr Puls raste. Ihr war die Kehle wie zugeschnürt. „Ich finde Euch … nicht unsympathisch“, brachte sie mühsam hervor.

Seine Augen funkelten. „Also bin ich Euch sympathisch?“

Sie nickte.

„Ich finde Euch äußerst reizvoll, Mistress Sarah“, erwiderte er mit rauer Stimme. Unvermittelt legte er die Arme um sie und drückte sie an sich. Sarah verlor den Halt. Die Knie wurden ihr mit einem Mal weich.

„Mistress Fairfax!“ Eine schrille weibliche Stimme war von der Straße her zu hören.

Sarah richtete sich auf, und Anthony ließ schnell die Arme sinken. Sie drehten sich beide in die Richtung, aus der der Ruf gekommen war. Eine hübsche junge Frau näherte sich ihnen auf einem ungesattelten, schwerfälligen Pferd. Sie war barfuß, und ihre Wollstoffröcke bauschten sich um die Hüften.

„Es ist eines der Mädchen aus dem Dorf“, sagte Sarah schnell zu Anthony. Sie fühlte sich peinlich berührt, denn sie hatte auf den ersten Blick erkannt, dass es sich um Jacks neue Freundin, Norah Thatcher, handelte.

„Was mag sie von Euch wollen?“, fragte Anthony. Ihn hatte diese Störung auch leicht aus der Fassung gebracht.

Sarah schüttelte missbilligend den Kopf. Norah ließ sich von dem breiten Rücken des Tieres herabgleiten und lief zu ihnen. Sie atmete schwer. Als sie nahe genug herangekommen war, erkannte sie plötzlich den Baron und blieb in gebührendem Abstand von den beiden stehen. Nachdem sie kurz Luft geholt hatte, wandte sie sich an Sarah. „Master Partridge schickt mich, damit ich Euch eine Nachricht überbringe, Mistress Fairfax.“

Sarah fühlte, wie die Angst in ihr hochstieg. „Was ist passiert, Norah?“, fragte sie mit hoher, erregter Stimme.

„Ihr solltet, wenn es irgendwie möglich ist, sofort zum Dorf kommen, Mistress Fairfax.“ Norah hielt kurz inne und holte tief Luft. „Es hat den Anschein, als wollte man Pastor Parson Hollander gefangen nehmen.“

3. KAPITEL

Sarah ritt in verkrampfter Haltung neben Anthony her. Auf ihren edlen, schnellen Pferden hatten sie den schwerfälligen Ackergaul, auf dessen Rücken sich Norah Thatcher festklammerte, schon weit hinter sich gelassen.

„Ist es noch weit bis zur Ortschaft?“, erkundigte sich Anthony.

Sarah verneinte. Plötzlich schienen die Dinge außer Kontrolle geraten zu sein. Der liebenswürdige Landvikar, Pastor Parson Hollander, war ins Gefängnis geworfen worden. Lord Rutledge hatte darauf bestanden, sie in das Dorf zu begleiten. Und Sarah wusste nicht, was sie dort bei ihrer Ankunft erwartete. Sie hoffte, dass Jack klug genug war, außer Sichtweite zu bleiben, und dass er genug Zeit gehabt hatte, die Dorfbewohner über seine neue Existenz als „Henry Partridge“ zu unterrichten.

Sarah war überzeugt, dass alle bei dieser List mithelfen würden. Man brachte dem König hier in der Gegend sehr wenig Zuneigung entgegen, nachdem die Steuern ständig angehoben wurden, um den Krieg mit Holland zu bezahlen. Jack und Sarah hatten die Einheimischen immer freundlich und fair behandelt, seit sie vor vier Jahren nach der Hinrichtung ihres Vaters zu ihrem Onkel gezogen waren. Die meisten der Bewohner von Wiggleston wussten, wie sehr sich Sarah um Jack gekümmert hatte. Sie konnte auf ihre Hilfe zählen, falls Jack und der Pastor noch die Möglichkeit hatten, ihnen Bescheid zu geben.

„Mistress Sarah, seid Ihr mit dem Landvikar eng befreundet? Ihr wirkt so betrübt.“ Anthony beobachtete sie mit sorgenvoller Miene. Doch das konnte Sarah von ihrem Unbehagen nicht befreien.

„Solange ich denken kann, war er unser Familienpastor.“

„Dann ist er ein Puritaner, oder?“

Sarah zögerte mit der Antwort. König Charles hatte sich bemerkenswert tolerant gezeigt, als es darum ging, den Puritanern die freie Ausübung ihrer Religion zu erlauben, obwohl diese Bewegung maßgeblich an der Niederlage seines Vaters beteiligt war. Doch Sarah hatte ihr Misstrauen nie ganz ablegen können. Ihr Vater war wegen seines Glaubens ermordet worden, und sie fühlte sich daher nicht ganz wohl in ihrer Haut, wenn sie dieses Thema mit einem Gesandten des Hofes erörterte.

„Parson Hollander ist der gottesfürchtigste Mann, den ich kenne“, erwiderte sie schließlich zornig. „Es ist völlig lächerlich, sich vorzustellen, er könnte eine Tat begangen haben, die es rechtfertigt, ihn ins Gefängnis zu werfen.“

Anthony bemerkte sehr wohl, dass sie ihm auswich, und er war auch überrascht, mit welcher Heftigkeit sie reagierte. Er beschloss, seine Fragen für sich zu behalten. Mehr denn je war er nach ihrer letzten Umarmung auf der Wiese entschlossen, sich mit dieser jungen Dame im Bett zu vergnügen, bevor er Yorkshire wieder verließ. Er war sogar gewillt zu übersehen, dass sie offensichtlich mehr über die Vorgänge in dieser Gegend wusste, als sie ihm bereit war mitzuteilen.

Sein Auftrag wäre schnell und einfach erledigt, wenn sich herausstellte, dass dieser Landvikar der „Mondschein-Bandit“ war. Sie würden es bald erfahren – er war stolz auf sein Gespür in diesen Dingen. Bis dahin durfte Mistress Fairfax ihre Geheimnisse für sich behalten.

Wiggleston lag am Fuße einer Reihe von Kalksteinfelsen, die bis ins Meer reichten. Im Gegensatz zu dem nahe liegenden Kingston-on-Hull im Norden, war der Küstenstreifen der Ortschaft zu felsig für einen größeren Hafen. Abgesehen von gelegentlichen schäbigen Fischerbooten, wurde die Bucht von Wiggleston lediglich von Seevögeln angesteuert, die in völliger Alleinherrschaft regierten.

Westlich des Dorfes ging die Steilküste in die sanft gewellte Yorkshire-Heide über, innerhalb der sich weite Moore erstreckten. Durch das üppig wuchernde Heidekraut lag sogar in den trockenen Wintermonaten noch ein purpurfarbener Ton über der Landschaft.

Sarah freute sich für gewöhnlich auf den Augenblick, wenn sie auf der Straße, die in den Ort führte, den Bratswick-Steilhang umrundete und plötzlich den freien Blick auf das Meer genießen konnte. Doch heute sah sie kaum hinaus auf das Wasser. Sie war in Gedanken zu sehr beschäftigt mit Schwierigkeiten, die sich aus der neuen Lage ergaben.

„Das Haus des Sheriffs und das Gefängnis befinden sich nicht weit von hier. Ich kann jetzt allein weiterreiten“, erklärte sie Anthony. „Warum kehrt Ihr nicht nach Leasworth zurück und beschäftigt Euch mit den Pferden und der Organisation Eurer Ankäufe für die königlichen Reitställe?“

Anthony schüttelte den Kopf. „Daran ist jetzt nicht zu denken. Ihr seid aufgebracht. Ich will Euch begleiten und wissen, was im Ort vor sich geht. Vielleicht kann ich Euch noch nützlich sein.“

Sarah presste die Lippen zusammen. Sie gab Brigand über die Zügel zu verstehen, dass der Weg an der großen, aus Sandstein gebauten Schmiede vorbeiging und dann weiter entlangführte an sehr gepflegten Landhäusern aus gebrannten Ziegeln. Hier wohnten die wohlhabenderen Familien. Am Ende der Straße befand sich ein großer Bau, in dem sich das Gefängnis befand. Viele Einwohner hatten sich auf dem Rasen davor versammelt.

Sarah betrachtete ängstlich die Menge und seufzte erleichtert auf, als sie Jack nicht entdeckte. Sie hielt vor einer Eisenstange mit Haken, die zum Festbinden der Reittiere dienten, und glitt vom Rücken ihres Pferdes. Unmittelbar darauf stand auch Anthony neben ihr. Er reichte ihr den Arm, und sie bahnten sich einen Weg durch die Leute.

„Mistress Fairfax, Gott sei Dank seid Ihr hier.“ Ein hochgewachsener Mann mit spärlichem Haar drängte sich zu ihnen.

Roger Spragg war hier im Ort schon seit geraumer Zeit als Bürgermeister tätig. Sein Tatendrang hielt sich allerdings in Grenzen. Deshalb war Sarah erstaunt, ihn plötzlich so ungewohnt aktiv zu erleben.

„Was ist geschehen, Mr Spragg?“

Der Bürgermeister wirkte verlegen. Er verschränkte umständlich die Hände und presste die schmalen Lippen aufeinander. „Ich schlage vor, dass wir einen Boten zu Eurem Onkel senden, Mistress Fairfax. Hier im Ort sind Bedienstete des Königs aufgetaucht und Euer …“ Er hörte mitten im Satz auf und warf nervös einen Blick auf den Baron. „Und nun sind sie abgezogen und haben unseren Pastor Hollander gefangen gesetzt.“

Sarah legte dem Bürgermeister die Hand auf den Arm, um ihn zu beruhigen. Sie hatte den Eindruck, dass er ihr gleich etwas über ihren Bruder Jack sagen wollte, was sie unter allen Umständen verhindern musste. „Ich werde hineingehen und mit Sheriff Jeffries sprechen, Mr Spragg. Sie sollten den Menschen hier klarmachen, dass sie besser zu ihrer Arbeit zurückkehren. Sie können doch nichts bewirken.“

Spragg schnaubte wütend durch die Nase. „Ich sollte mit Euch in das Haus gehen, Mistress Fairfax. Die Anschuldigungen gegen unseren Vikar sind einfach empörend.“

„Ich weiß.“ Sarah versuchte ihre Ungeduld gegenüber dem Bürgermeister, der ihr lästig wurde, zu unterdrücken. „Sicher handelt es sich nur um ein Missverständnis. Doch Ihre Aufgabe liegt wohl eher darin, die Leute zu beschwichtigen.“

Spragg blickte auf die Versammelten und nickte dann mehrmals bekräftigend. „Vermutlich habt Ihr recht, Mistress Fairfax. Zuerst kommt die Pflicht. Ich kann den Leuten gut zureden und versuchen, sie zu beruhigen.“

Sarah rang sich ein Lächeln ab und zwängte sich an dem Mann vorbei. Anthony hatte sie schmunzelnd beobachtet. Diese Frau war ganz sicher nicht töricht, so viel stand fest. Er war schon neugierig darauf, wie sie mit dem Sheriff verhandeln würde. Und mit seinem Kameraden Oliver, falls dieser, wie Anthony vermutete, die Verhaftung angeordnet hatte.

Entgegen der Bitte des Gefangenen wurde die Befragung in dem Amtshaus des Sheriffs im Sprechzimmer durchgeführt. Es war das prunkvollste Haus im Ort. Auf den Fußböden lagen Teppiche anstatt geflochtener Binsenmatten. Die Sitzmöbel des Raumes, den sie betraten, waren mit kunstvoll bearbeitetem Leder überzogen.

Als Sarah und der Baron die knarrende Türschwelle überschritten, drehten sich alle Anwesenden gleichzeitig zu ihnen um. Anthonys Blick heftete sich auf einen Mann in kerzengerader Haltung, der ihnen am nächsten stand. Keine Gesichtsregung verriet, dass sie sich kannten. Ein kräftiger Kerl hatte sich neben dem gemauerten Kamin aufgebaut und beugte sich über einen Mann im Priestergewand, der völlig verkrampft in einem Holzstuhl saß.

Anthony musste ein Lachen unterdrücken, als er ihn sah. Dieser schmächtige, grauhaarige Pfarrer wurde beschuldigt, der maskierte Räuber zu sein, dem man nachsagte, dass er pfeilschnell reiten und das Schwert wie ein kampferprobter Krieger führen könne?

„Sheriff Jeffries, was soll das bedeuten?“ Sarahs schneidender Tonfall hatte nichts mehr mit der einschmeichelnden Stimme gemein, die Anthony so an ihr gefiel. Er blickte erstaunt auf sie herunter.

Der Mann am Kamin richtete sich auf und machte eine kurze Verbeugung in ihre Richtung. Er zog seinen ledernen Degengurt nach oben, um ihn etwas bequemer über der Ausbuchtung seines Bauches anzubringen. „Wir bekamen eine Anklage, die Pastor Hollander betrifft, Mistress Fairfax. Und ich bin von Amts wegen dazu verpflichtet, der Angelegenheit nachzugehen.“

Sarah entzog Anthony ihren Arm und durchschritt energisch den Raum. „Was hat man dem Pfarrer vorzuwerfen?“

Der Sheriff deutete mit dem Kopf zu Oliver. „Captain Kempthorne hier beschuldigt unseren Landvikar, in geheime Aktionen verwickelt zu sein.“

Sarah stellte sich hinter den Pastor und sah den Sheriff wütend an. „Das ist doch völlig abwegig“, entgegnete sie.

„Das glaube ich wohl, Mistress Fairfax. Doch wir müssen die Angaben von Captain Kempthorne überprüfen.“

Sarah blickte zu Oliver, der gegen einen Zeichentisch lehnte und die Arme vor der Brust verschränkt hatte. „Und was hatte Captain Kempthorne gegen den Pastor vorzubringen?“

Oliver verbeugte sich nicht förmlich, sondern nickte zur Begrüßung nur kurz. „Oliver Kempthorne von den Truppen Seiner Königlichen Majestät. Zu Euren Diensten, Mistress. Es hat den Anschein, dass Euer Landvikar an einer Serie von räuberischen Überfällen beteiligt war, die in dieser Gegend verübt worden sind.“

„Und welche Beweise habt Ihr für diese grotesken Vorwürfe, Captain Kempthorne?“

„Meine Männer haben den Auftrag, in diesem Landesteil den Schmugglern auf die Spur zu kommen, nachdem wir wieder mit den Niederländern im Krieg stehen. Letzte Woche führten wir eine kleine Unterhaltung mit einem niederländischen Schmuggler, den wir auf frischer Tat ertappten. Der Mann beteuerte, dass er die Juwelen, die er bei sich führte, von Eurem Landvikar erhalten hätte. Als wir die Sakristei in der Kirche durchsuchten, fanden wir dies hier.“ Oliver griff lässig in seinen Wams und zog eine funkelnde Halskette heraus.

Sarah erschrak. Sie kannte das Stück. Es stammte aus dem Besitz des Bischofs von Lackdale, den sie überfallen hatte. Sie legte dem Pastor die Hände auf die Schultern, weniger zu seiner Beruhigung als vielmehr, um selbst Haltung bewahren zu können. „Das muss ein Irrtum sein“, meinte sie. Ihre Stimme klang deutlich gedämpft.

Anthony hatte das Geschehen mit wachsendem Missmut beobachtet. Offensichtlich handelte es sich bei dem schmächtigen alten Mann nicht um den Räuber. Aber er war in irgendeiner Weise an den Verbrechen beteiligt. Und Sarah hatte seine Verhaftung völlig aus der Fassung gebracht. Hoffentlich bedeutete das nicht, dass sie ebenfalls in die Angelegenheit verwickelt war.

„Ich erlaube mir, mich selbst vorzustellen, Gentlemen“, begann er höflich. „Lord Anthony Rutledge. Ich bin gerade vom Hofe angereist und natürlich an allen Vorkommnissen interessiert, die die Angelegenheiten Seiner Majestät betreffen.“ Er hatte die Worte an Oliver gerichtet, der scheinbar teilnahmslos nickte. Anthony durchquerte den Raum und streckte dem Sheriff zur Begrüßung die Hand hin.

„Sehr erfreut, oh … vielmehr stets zu Euren Diensten, Eure Lordschaft.“ Jeffries machte den Eindruck, als ob ihm zwei Abgesandte des königlichen Hofes an einem Tag einfach zu viel wären.

Sarah richtete den Blick auf Anthony. „Falls Ihr in dieser Sache etwas unternehmen könnt, wäre ich Euch sehr zu Dank verpflichtet, Mylord. Es muss sich hier um ein furchtbares Missverständnis handeln.“

Anthony sah die im Raum Versammelten der Reihe nach an. „Vielleicht wäre es sinnvoll, den Geistlichen für sich selbst sprechen zu lassen.“ Er stellte sich direkt vor dem Landvikar und Sarah auf. „Bitte sagt mir, ehrwürdiger Vater“, begann er hochachtungsvoll. „Reitet Ihr um Mitternacht über die Straßen, bedroht unschuldige Personen mit dem Schwert und beraubt sie ihres Vermögens?“

Die Abwegigkeit dieser Anschuldigung war jedem der Anwesenden klar. Pastor Hollander schien schon erhebliche Schwierigkeiten zu haben, um auf dem klapprigen Stuhl sitzen zu können. Die Vorstellung, dass er auf einem Hengst einsame Straßen entlanggaloppierte, war absurd. Der Pfarrer lächelte milde und schüttelte den Kopf. „Nein, mein Sohn.“

Anthony blickte Jeffries an. „Sheriff, ich denke, Ihr werdet keinen leichten Stand haben, um das zur Last gelegte Verbrechen zu beweisen.“

Oliver, der sich lässig gegen den Tisch gelehnt hatte, richtete sich langsam auf. „Es mag stimmen, dass er selbst nicht der Räuber ist, aber er ist in die Angelegenheit verwickelt. Vielleicht werden ihn ein paar Tage im Gefängnis zum Reden bringen.“

Sarahs Augen funkelten vor Zorn, als sie sich, die Hände in die Hüften gestützt, an Oliver wandte. „Wie könnt Ihr dem Wort eines überführten Schmugglers mehr Glauben schenken als diesem Mann der Kirche?“

Anthony unterdrückte ein Schmunzeln, als er beobachtete, dass Sarahs Wutausbruch Oliver völlig ungerührt ließ. Sein Freund zuckte nur die Schultern und ging durch den Raum zu einer Bank, auf der Fesseln lagen. Er nahm eine Kette hoch und näherte sich damit dem Gefangenen. „Eure Hände, Pastor“, forderte er ihn ruhig auf.

Sarahs blasses Gesicht wurde rot vor Zorn. Sie trat hinter dem Stuhl des Vikars hervor und stellte sich vor Oliver. „Wagt es ja nicht, ihm diese Fesseln anzulegen!“

Anthony war hin- und hergerissen. Einerseits quälte ihn die Neugier, ob sie in ihrem Ärger etwas von ihrem Wissen über die Verbrechen preisgeben würde. Andererseits fühlte er einen unerklärlichen Drang, sie davor zu beschützen, noch mehr in die Angelegenheit hineingezogen zu werden. Letzteres siegte. Er ging zu ihr und legte ihr beruhigend die Hand auf den schmalen Rücken. „Lasst es gut sein, Sarah“, redete er auf sie ein. „Hier könnt Ihr im Moment nichts bewirken, bevor die Umstände nicht näher untersucht worden sind.“

Sarahs Hände zitterten, während sie mit ansehen musste, wie Captain Kempthorne die schweren Eisenketten um die weißen, mageren Gelenke des Pastors legte. Der Geistliche wandte sich um und blickte sie gefasst an. „Sorgt Euch nicht um mich, Sarah. Ihr solltet nach Hause zurückkehren und gut auf Euch achtgeben. Ihr seid diejenige, die hier wichtig ist.“

Der Vikar sprach mit einer seltsamen Eindringlichkeit, und seine Worte schienen ihre Wirkung auf Sarah nicht zu verfehlen. Unbewegt stand sie da, als der Sheriff dem alten Mann half aufzustehen und ihn zur Tür führte.

„Ihr werdet hier nicht lange bleiben, Hochwürden“, versicherte Sarah. „Dafür werde ich sorgen.“

Pastor Hollander lächelte ihr ein letztes Mal zu, bevor er sich umdrehte und schwerfällig dem Sheriff folgte.

Nachdem die beiden Männer gegangen waren, herrschte einen Moment lähmende Stille. Schließlich meinte Anthony: „Mistress Fairfax, würdet Ihr bitte so freundlich sein und mich mit diesem Herrn allein verhandeln lassen. Vielleicht gelingt es mir, zu einer Lösung in dieser Angelegenheit zu kommen.“

„Falls Ihr über Pastor Hollander redet, möchte ich auf jeden Fall dabei sein.“ Sarahs Augen blitzten herausfordernd.

Anthony bemerkte, dass es Oliver schwerfiel, ernst zu bleiben. Es geschah nicht oft, dass sich eine Frau den Forderungen des Barons widersetzte. Er beugte sich zu ihr herab und flüsterte ihr ins Ohr: „Ich werde Euch später genau darüber berichten, was gesprochen worden ist. Möglicherweise kann ich ihm mehr Informationen entlocken, wenn ich von Mann zu Mann mit ihm verhandle.“

Sarah blickte von Oliver auf Anthony, nickte dann kurz, wandte sich brüsk um, sodass ihre Röcke raschelten, und verließ den Raum.

Oliver nahm wieder eine entspannte Haltung ein. „Ich hätte es wissen müssen, Anthony“, spöttelte er. „Ich kann Euch nicht einmal für eine Woche allein lassen, ohne dass Ihr schon wieder in ein Techtelmechtel mit einer Raubkatze verwickelt seid.“

Anthony blickte noch immer wie gebannt zur Tür. „Ist sie nicht erstaunlich? Wer hätte hier auf dem Land, fernab vom königlichen Hof und aller Gesellschaft, so eine Frau vermutet?“

Oliver lachte laut. „Ihr seid derjenige, über den ich mich wundern muss, mein Freund. Wenn es in der abgelegensten Grafschaft eine Schönheit zu entdecken gibt, findet Ihr sie bestimmt als Erster.“

Anthony sah ihn bedeutungsvoll an. „Ich wage zu behaupten, dass dieser Frau so schnell keine andere das Wasser reichen kann.“

„Anthony, Ihr schaut ja drein wie ein liebeskranker Kater! Aber egal, wer ist diese fremde Schönheit?“

„Die Nichte von General Fairfax. Meine Gastgeberin. Sie scheint König Charles noch nie vorgestellt worden zu sein, sonst hätte Seine Majestät sicher höchstpersönlich die Reise nach Yorkshire angetreten.“

„Ihr und der König, ihr seid ein feines Gespann. Sobald es eine hübsche Frau zu erobern gilt, könnte England um Euch herum zugrunde gehen, es würde Euch nicht stören.“

Anthony überhörte den leichten Vorwurf, der in diesen Worten mitschwang. „Ihr müsst doch zugeben, dass diese Frau eine Augenweide ist.“

„Ihre Gestalt scheint mir wohlgeformt. Gern hätte ich sie näher betrachtet, hätte sie mich nicht mit Blicken durchbohrt wie die Rachegöttin höchstpersönlich.“

Anthony lachte. „Ihr ärgert Euch nur darüber, dass ich sie zuerst ausfindig gemacht habe. Und es stört Euch, dass Ihr in ihren Augen der Bösewicht seid, während ich mich als ihr Held erweisen darf.“ Er machte eine spöttische Verbeugung in Richtung seines Freundes.

„Ach ja, ich vergaß, Euch für Eure hilfreiche Unterstützung in dem eben erfolgten Gespräch zu danken.“

„Entschuldigt, aber es schien mir klüger, zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Karten offen auf den Tisch zu legen.“

„Wenn ich Euch richtig verstehe, wollt Ihr damit warten, bist Ihr die hübsche Mistress Fairfax in Euer Bett gelockt habt.“

„Ich kann nicht behaupten, dass mir dieser Gedanke fremd wäre.“

Oliver griff nach einem Zinnkrug, der auf dem Tisch hinter ihm stand, und warf ihn Anthony zu. „Ihr denkst doch an nichts anderes, Ihr Schwerenöter.“

Er fing das Gefäß lässig mit der Linken auf und blickte seinen Freund finster an. „Wir sind nicht hier, um über Mistress Fairfax zu reden. Was habt Ihr über den Straßenräuber in Erfahrung bringen können?“

Oliver verschränkte die ...

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